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Kasseler Neueste Nachrichten

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Nummer 2*

Sonnabend/Sonntag, 3./4. Januar 1931

21. Jahrgang

Kommunistische Sireikagiiation im Ruhrgebiet

Gegenmaßnahmen der Gewerkschaften / Streik in der englischen Textilindustrie / Marschall Joffre im Alter von 78 Jahren gestorben

Kritische Lage im Bezirk von Moers (Von unserer Berliner Schriftleitung.)

sagt hat. Daher wird der zuständige Vertreter des Ministers als preußischer Staatskommiffar für die Ost- Hilfe, der Staatssekretär im preußischen Landwirt­schaftsministerium, Krüger, an der Reise teilnehmen.

th. Berlin, 3. Januar.

Tür die Lage i m Ruhr gebiet, wo. wie wir gestern gemeldet haben, TeUstreiks ausgebrochen sind, ist es bezeichnend, daß man in Gewerkschafts- kreisen die Situation verhältnismäßig ruhig k .'eilt und damit rechnet, daß schon Henle ein starkes Abflauen der Streikbewegung Eintreten wird. Nach den Meldungen des Vorwärts sind gestern höchstens 6 bis 7 Prozent der Beleg­schaften nicht eingefahren und zwar nar deshalb, weil fie durch den Terror der Kommunisten daran verhindert wnrden.

Die kommunistische Agitation für den Streik wird von den Sozialisten auf das Heftigste bekämpft und es wird betont, daß eine geschlos­sene Einheitsfront r"er Bergarbeiter ««beding e Voraussetzung dafür sei, wenn man den Versuch der Zechenbe^^-r, eine Lohnkürzung um 12 Prozent her­beizuführen, abwehren wolle. Das Eingreifen der KVD.. welches sich gegen die Beschlüsse oet Ecwe k- schaften richtet, könne also nur den Zwecken der Zechenbesitzer nützlich sein.

Die Kommunisten andererseits fordern nach wie vor den Streik, und nach einer Meldung derRot n 'Fahne" aus Essen hat die Zentralstreikleitung der . ^olUlionärcn Gewertschafts-Oppo . f 111 o n einen Aufruf heransaegeden, in wel­chem die Zurücknahme der Kündigung, Verweigerung jeden Lohnabbaues usw. und schließlich die Entfer­nung der Regierung Brüning gefordert wird.

Gtreikunrichen in Moers -

Ein Todesopfer.

Nach den letzten Meldungen muß es aber doch zweifelhaft erscheinen, ob die Streikbewegung, wie erwartet wurde, abflaut. Zumindest für den Bezirk von Moers scheint sich diese Voraussage nutzt zu be- stütigen:

Men, 3. Januar. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen hat sich die Streiklage im Bezirk Moers heute früh noch weiter verschärft. Die Zahl der zur Frühschicht eingefahrenen Belegschaften hat sich verringert. Ein Gesamtbild der Streiklage im Ruhrbergbau läßt sich noch nicht geben, da die Mel­dungen der einzelnen Schachtanlagen noch ausstehen.

*

In Moers und Neukirchen ist es bereits gestern zu ernsten Zusammenstößen gekommen. Darüber liegen uns folgende Meldungen vor: Auf der Zeche Nieder­rhein in Neukirchen kam es gestern nachmittag zu Unruhen. In roher und unflätiger Weife wurden die arbeitswilligen Bergleute, die einfahren wollten, von etwa 500 Streikenden belästigt. Die Arbeits­willigen wurden geschlagen und mit Steinen beworfen. Auch riß man ihnen die Kaffeekannen weg. Die Neukirchener Polizei, die zu schwach war, sah sich schließlich gezwungen, Verstärkung von Duis­burg anzufordern.

Beim Einfahren der Nachtschicht kam es vor Schacht V der ZecheRheinpreußen" wieder zu gro­ßen Menschenansammlungen. Als die Polizei die Streikenden zurückdrängte, wurde plötzlich aus der Menge geschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und es kam zu einem regelrechten Feuerge­fecht, das mehrere Minuten andauerte. Ein Unbetei­ligter, der Bahnarbeiter Haastein, wurde von mehreren Kugeln getroffen. Um Mitternacht ist er im Krankenhaus seinen schweren Ver­letzungen erlegen. Wie verlautet, sollen meh­rere Personen leichte Verletzungen bei der Schießerei erlitten haben.

--Weist die kommunistischen Parolen zurück!"

Ausruf der Bergarbeiterverbäud«.

Essen, 3. Januar.

Die Bergarbeitergewerffchaften des Ruhrgebiets wenden sich in Form eines Flugblattes mit einem be­sonderen Aufruf an die Ruhrbergarbeiter, in dem es wie folgt heißt:

Kameraden! Die Unternehmer des Ruhrbergbaues haben die Kündt zung aller Arbeitsverträge bis zum 15. Januar ausgesprochen. Mit brutaler G e w a l t soll die L o h n k ü r z u n g, die bei den Schlichtungsverhandlungen nicht erreicht werden konnte, durchgesetzt werden. Die Not der Bergarbeiter soll noch »ergrößert werden. Sie sollen Vie Folgen der Krise allein tragen. Kameraden, macht die Absicht der Bergwerksbesitzer zuschanden, zeigt, daß ihr nicht ge­willt seid, euch dem Dutat der Unternehmer zu den A '-^t den Abschluß von neuen Arbeitsverträgen a. .^ert euch, die Bedingungen der Arbeitgeber an­zuerkennen. Von eurem Verhallen hängt der Ausgang

des LohnkonfUktes ab, deshalb schließt keine neuen Arbeitsvertrüge ab. Vertraut euch der Führung der vier Bergarbeiterverbärde an. Kameraden, weist die kommunistischen Parolen zurück! Sie haben nur den Zweck, euch in einen aussichtslosen Putsch htne-nzutreiben; sie dienen nur der Reaktion und fördern die Diktaturgelüste der Unternehmer. Lehnt diese Parolen ab, folgt den Weisungen der vier Bergarbeiterverbände.

Unterzeichnet ist der Aufruf vom Verband der Berg bauindustriearbeiter Deutschlands, dem Gewerkverein Christlicher Bergarbeiter Deutschlands, dem Gewerk­verein Hirsch-Dunker und der Polnischen Berufsver­einigung.

Der Kanzler tv?e-er in Berlin

Besprechungen Brünings mit Dietrich und Stegerwald in Freiburg.

Freiburg. L Br., 3. Januar.

Auf der Rückreise von seinem kurzen in Bavenwei­ler verbrachten Erholungsurlaub weilte Reichskanzler Dr. Brüning gestern nachmittag in Freiburg, wo er mit dem gegenwärtig gleichfalls in Oberbaden auf Urlaub befindlichen Reichssinanzminister Di^'rich und dem gestern mittag von Berlin eingeEoffc Reichs- aröeiu,Minister Dr. Stegerwald eine m.vsmndige Besprechung hatte. Durch Lier bevorstehend, längere Abwesenheit des Reichskanzlers Dr. Brüning von Ber­lin infolge feines in Aussicht genommnen Besuches des deutschen Ostens und der Nichtteilnahme des Reicksfinanzministers Dietrich an dieser Ostreise hatte sich die Notwendigkeit einer vorherigen Fühlungnahme ergeben. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsar­beitsminister Stegerwald haben Freiburg mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug nach Berlin um 17,31 Uhr verlassen, während Reichsfinanzminister Dietrich noch in Oberbaden verbleibt.

*

Berlin, 3. Januar. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist Staatsminister Dr. Hirt- fieser gesundheitlich noch nicht völlig wieder herge­stellt, sodaß der Arzt ihm die Teilnahme an der von der Reichsregierung beabsichtigten O st r e i f e unter»

Streik in Laneashire

** London, 3. Januar.

Nachdem die Verhandlungen zwischen den Arbeit- I gebern und Arbeitnehmern in der Webindustrie von Lancashire abgebrochen worden sind, wird die Lage als ernst beurteilt. Neue Verhandlungen sind nicht beabsichtigt. Die Kündigungen bleiben in Kraft, so daß der Streik am Montag beginnen dürfte.

Block -er Nevisionsgegner

Wünsche der Pariser Presse.

Paris. 3. Januar.

Der außenpolitische Berichtersta.ter des -Journal" büschäfligt sich mit dem Besuche B e n i z e l o s m Warschau und den Besprechungen zwischen Mi­ro n e s c u und B e n e s ch und sicht hierin den Auf­takt eines Zusammenflusses der Revisionsgegner. Der Hinweis, daß Deutschland die Mnderheitenfrage zum AusgangSpmikt einer Aufrollung der gesamten Re- v^sionsfrage benutzen wolle, habe genügt, die be- drch.en Länder auf den Plan zu rufen. Der Wider­standblock beginnt sich langsam zu bilden. Deutsch­land werde an dem Tage, an dem es die Revisions­frage m Genf ausrolle, merken, daß es damit den Siegerstaaten endlich Gelegenheit gegeben habe, rhre eigenen M-mungeverschiedc ckeiien zu verzeffen und -die Reihen zu schließen.

DerFigaro" meint, es sei eigentümlich zu beobachten, das: vor dem Beginn der Genfer Konferenz, auf der sich Polen und Deutschland gegenüberstehen werden, in Frankreich der Gedanke immer größere Verbreitung finde, daß es 'richtiger sei, die deutsch-polnische Grenze zu berichti­gen und den Korridor dem Weltfrieden zu einem Man dürfe jedoch nicht vergessen, daß gerade der Be­stand Polens die Garantie für einen europäischen Frieden sei. Deutschland sei im Augenblick wieder einmal von der Leidenschaft des Krieges erfaßt und nur der Gedanke an eine Niederlage halte es noch zu­rück. Polen heute zu verlassen sei ein noch größerer Fehler als derjenige, den Napoleon begangen habe, als er die Schlacht bei Sadowa duldete. (Siehe auch den ArtikelGeneralprobe"! D. Red.)

Marschall Loffre t

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 3. Januar.

Marschall Joffrr ist heute vormittag um 8 Uhr 23 Minuten gestorben.

Der am Sonnabend früh verstorbene Marschall Zoffre hat ein Alter von 78 Jahren erreicht. In einem kleinen Weinort in den Ostpyrenäen als Sohn eines Küfers geboren, genoß er seine Erziehung auf dem Eolleg in Perpignan. Als Pionieroffizier nahm er schon am Kriege 1870/71 teil. Später war er vielfach in die Kolonien kommandiert. Nachdem er im Jahre 1901 zum Brigadekommandeur befördert war, wurde er im Jahre 1906 zum Divisionsgeneral ernannt. Im Juli 1911 wurde er Chef des Eeneral- stabs und für den Kriegsfall als oberster Führer ausersehen.

Ws der Weltkrieg ausbrach, ergriff er zu­nächst, wie vorausgesagt, die Offensive. Seine Ope­rationen wurden aber durch den massierten Vorstoß des rechten deutschen Flügels durchkreuzt. Er sah sich nach den Augustschlachten genötigt, das französische Feldheer, in Anlehnung aa die Festung Paris zurück- zunchmeu.

Joffre führte dann noch die Operationen der Jahre 1915/16 durch. Nachdem aber auch die drei Monate dauernde Somme schlacht keinen durchschlagenden Erfolg zeitigte, wurde Anfang September der Ober­befehl dem General Nivelle übertragen. Am 26. De­zember wurde Joffre zum Marschall von Frankreich ernannt Militärisch trat Joffre dann während des Krieges nicht mehr hervor. Dagegen wurde et im Jahre 1917 nach den Vereinigten Staaten entsandt, wo er eine Militärkonven- tion abschlotz. Am 14. Juli 1919 erschien Joffre zum letztenmal an der Spitze seiner Truppe bei der großen Parade in Paris. Er reiste dann noch in Regierungs­aufträgen nach Spanien und später nach Rumänien und lebte seither zurückgezogen in Paris..

Frankreichs Goldpolittk

Paris, 3. Januar.

Vertreter des englischen Schatzamts verhandeln hier mit Vertretern des französischen Schatzamts. Es han­delt sich bei der Konferenz, wie derSlatin" erklärt, darum, gewissen privaten englischen Unternehmungen zu Hilfe zu kommen und dem Londoner Markt seine Flüssigkeit w i e d e r'z u g e b e n, bie er be­nötige, um ohne Gefahr die Konvertierung vorzuneh­men, die die Arbeiterregierung plane. Die Bank von Ftarckreich würde ihren Beistand für eine solche Ange­legenheit gern leihen. Ihr Ziel sei bekanntlich, den G o l d z u st t o m nach Ft a n k t e i ch, der die Folge des Vertrauens, in die französische Währung sei, ein- zuschränken.

In Verbindung damit kommt der Außenpolitiker desM a t i n" auf die Zusammenarbeit Frankreichs, das 54 Milliarden Gold aufgehäuft habe, auch mit anderen Ländern zu sprechen. Es sei das Recht eines besiegten Landes es könne sogar das Recht eines Siegerlandes sein eine Besserung der durch die Friedensverträge geschaffenen Lage zu erstreben. Die Verträge sähen übrigens die Bedingungen dieser Re­vision vor. Aber man könne nicht zwei Ziele zugleich verfolgen, von Frankreich eine finanzielle Beihilfe verlangen und gegenüber Frankreich und seinen Alli­ierten das Recht beanspruchen, im Trohton Vertrags- ammMeruw» oder «renzberichtigung zu fordern.

Generalprobe

Paris, 3. Januar.

Tardieus Sturz war in erster Linie ein Sieg Sri« ands, und das Kabinett Steeg, so schwach und kurz­lebig es sein mag, sichert dem französischen Außen­minister doch jene politische Ellenbogenfreiheit, die ihm gestattet, ohne auffälligen inneren Druck, den sein Selbstbewußtsein nicht mehr leicht verträgt, eine Re­vision der Methoden und Ziele vorzunehmen, die in Wirklichkeit eine völlige Neuorientierung der französischen Außenpolitik darstellen. Briand weiß, daß die Frist dazu sehr kurz bemessen ist; umso größer wird seine Eile sein, die Umstellung zu be­enden, wodurch er tm gegebenen Augenblick als ein neuer Talleyrand den Vergleich mit Delcasss will er nun einmal nicht annehmen erscheinen und die Geschicke seines Landes auf Jahre hinaus festlegen will. Bestimmend dafür ist die gewaltige Offensive, die von den nationalistischen Streitkräften gegen das Evangelium des Quai d'Orsay" eröffnet wurde, und die sich in der Forderung zusammenfassen läßt: Re­vision von Locarno als eines politischen Sy­stems, das für Frankreich längst jeden Inhalt und Wert verloren habe.

Ausgangspunkt ist, was man hier dieNeuein­stellung der deutschen Politik" nennt Wenige Mo­nate noch, und Frankreich hat seine Rüstungen bis zu einem Grade beendet, der nach Lage der Dinge vorerst nicht überboten werden kann. Das furchtbarste Kriegsinstrument der modernen Geschichte o>rd i-s die Hand eines ehrgeizigen, ebenso fähigen wie un­berechenbaren Führers gegeben werden: des bisheri­gen Eeneralstabschefs Weygand. Die Zeit ist bann gekommen, wo Frankreich seine Blicke von den eige­nen Grenzen ablenken und nahezu ausschließlich nach dem europäischen Osten richten kann. Daß da­bei auf den üblichen diplomatischen Druck selbst bei dem treuesten Verbündeten Polen nicht verzich­tet wird, zeigt die neueste Entwicklung der belgischen Frage, wobei der sozialistische Führer Vandervewe bie geheimen Absichten des Quai d'Orsay nach Kräften unterstützt. Man erinnert sich in dem gleichen Zu­sammenhang an die sensationellen Darlegungen eines andern Vertrauten Briands, Jules Sauerwein im Matin", über die französische Garantie der Ost­grenzen, und an die nie beendete Polemik um die militärischen Verpflichtungen, die Frankreich durch seinen Bündnisvertrag sowohl wie durch das Lo­carnoabkommen Polen gegenüber eingegangen sei. Immer wieder stellten die französischen Nationalisten genau wie heute Vandervelde die taktische Frage: Was geschieht, wenn im Osten durch irgend­einen Anlaß die Kriegsflamme auflodert? Der Völ­kerbundsrat ist ohnmächtig, da er keine einstimmige Entscheidung zu treffen vermag: Marschiert dann Frankreich, oder marschiert es nicht? Briand wich einer klaren Antwort noch immer aus. Er wollte einen starken Trumpf nicht vorzeitig preisgeben, ge­nau wie vor dreißig Jahren einer seiner Vorgänger, ehe Poincars das defensive Bündnis mit Rußland insgeheim in ein offensives verwandele hatte. Da­mals zahlte der Zarismus den geforderten Preis: auch Polen wird sich eines Tages dazu bequemen müssen. Bevor aber die Dinge soweit gedeihen, will Frankreich über ein Doppeltes im klaren sein: Hebet das Verhältnis zu Italien, und die genauen Absichten Deutschlands. Diese .^nformationsarbeit bildet das vorläufige Ziel der französischen Di­plomatie.

Der französische Druck auf das faschi­stische Italien hat gerade in den letzten Wochen mit außerordentlicher Kraft eingesetzt: politisch durch die Verhandlungen in Madrid, die allerdings erst im Anfangsstadium stehen und infolge der un­sicheren Verhältnisse auf der Halbinsel stark verzögert werden; wirtschaftlich und besonders finanziell durch einen förmlichen Boykott, wobei Frankreich feine ungezählten Goldmilliarden in die Wagschale wirst. Der stärkste Bund es genoss e ist dabei wohl ober übel England; denn mit jedem Tag wächst der Sturm auf die Londoner Zentralbank, die infolge der ständigen Ueberschreitung desgold Points" gewaltige Golümassen zur Verfügung stellen muß. Diese Goldmassen treten, wie man weiß, sofort den Weg über den Kanal an und wandern in die unterirdischen Panzerschränke der Banque de France, die dafür immer neue Papiermilliarden ausgibt. Aber trotz dieser ungeheuren Kreditinflation wahrt der Franc sein Uebergewicht über das Pfund, ein wirt­schaftliches und finanzielles Paradoxon, das nir durch eine beständige politische Intervention erklär, werden kann. Frankreich spielt Vabanque und hofft, das Spiel zu gewinnen, zunächst England und dann auch Italien gegenüber. Wie tlein und unscheinbar dünkt uns neben einer solche kühnen Po­litik der klassische, mit Gold beladene Esel, dem ne F^-tungsmauern zu hoch waren!

Die bevorstehenden Ratsv^ " \

in Genf sollen eine Art neuen französischen