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Montag. 29. Dezember 1930
Kasseler Neueste Nachrichten
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irre und 9 6 VV0 Mann her ab -
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Marschall Ioffre schwer erkrankt
pariser Gtraßengefialten / Don Hermann Linden
Die Künstler.
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Staalsminister o. D. Trott zu Si<z TSjährig.
Der frühere Regierungspräsident von Staffel preußische Staatsminister a. D. von Trott Solz, der längere Zeit feaä Kultusministerium waltete, feiert heute seinen 75. Geburtstag.
Am 1. Januar 1931 besteht die Reichswehr zehn Jahre in ihrer jetzigen Form.
Der Reichskanzler in Badenweiler. Reichskanzler Dr. Brüning trifft heute zu einem auf mehrere Tage berechneten Erholungsurlaub hier ein.
tätigung der wenigen uns belassenen Truppen, wo es geht, einzuschränken. Das ergab sich auch damals schon bei den Verhanolungen in Spa; die von uns beantragte Belassung einer Heeresstärke von 200 000 Mann wurde gla't abgelehnt. So mußten denn zunächst die 43 Brigaden in 20 Brigaden, das sogenannte Uebergangsheer, zusammengelegt werden, aus denen sich durch weitere Verringerung in mehreren Organisationsabschnitren die sieben Divisionen und drei Kavallerie-Divisionen des neuen Reichsheeres entwickelten: Am 1. Mai 1920 200 000 Mann, 1. Oktober 1920 150 000 Mann. 1. Januar 1921 100 000 Mann. Im Juni 1920 erfolgte die Festlegung des Heeres in Standorten. Bis dahin geschah die Unterkunft kriegsmäßig je nach der taktischen Verwendung der Truppen.
Es begann dann der mühselige Ausbau, die Ausbildung neugeschaffener Verbände. In den zehn Jahren des Bestehens ist unendlich viel geleistet worden. Und all das unter dem Druck der Ohnmacht. Da ist es doppelte Pflicht von uns allen, die Reichswehr fühlen zu lassen, daß wir stolz auf sie sind, daß wir zu ihr stehen und ihre stille Pflichterfüllung zu würdigen wissen. ß—n.
nie«, das sich als Schutzmacht zu spielen. Deitt- nen Mohammedaner fühlt, schickt sich an. hier die Rolle der arabischen Schutzmacht zu spielen. Deutlicher konnte dies nicht vor Augen geführt werden als in der geäitderten Haltung des englischen Kolo Nialamts gegenüber dem Zionismus in Palästina, der fast gänzlichen Aufgabe der Balfourdeklara- rion. dem Eintreten für die Araber zu Ungunsten der Juden. Nach allem, was die Kenner des Landes versichern, ist die arabische Nationalbewegung derar, stark geworden, daß Eu^and aus guten Gründen diese Politik verfolgt, will es sich nicht ähnlichen Ge
fahren aussetzen, wie die, gegen welche es fetzt in Indien kämpft.
Hoffnungen, Wünsche und ehrgeizige Pläne, die da» immer wechselnde pcli.ische Angesicht des Mi-ttel- meers, der Wiege der westlichen Zivilisation, bewegen. werden auch in den kommenden Jahren die Aufmerksamlett Europas wachhalten, denn das Mit- telmeer birg, noch immer die Schnitwunltee mannigfachster idealer und machtpolitischer Interessen, trotz aller Werragender Bedeutung, die der Atlantik und ver Pazifische Ozean für die WeltPolttU gewonnen haben.
den tragen sie auf den Schultern, Teppiche, Decken, Spitzen und Ketten. Man sieht, daß die Webereisachen sehr bunt und reich tat Schmuck ausgeführt sind, über Qualität kann nur ein Käufer Auskunft geben. Sie haben oft ein Dutzend jener langen Ketten am Hals hängen, die alle aussehen, als kämen sie aus den Ge- heimlresors königlicher Juweliere. Wenn die Teppiche so echt orientalisch stad, wie ihre Verkäufer, dann läßt sich gegen das Gewerbe nichts sagen. Sie sind typische orientalische Händler, das Feilschen ist ihr bewährtes System. Sie beginnen mit dem doppelten Preis und verkaufen das Stück schließlich zum Ori- ginalpreiS, indem sie dem Käufer zu der Ware noch den Wahn geben, er hätte einen billigen Gelegen- heitskaus gemacht. Die einzige Möglichkeit, ihr Gewerbe und ihr System in Paris aufrecht zu erhallen, besteht in der täglichen Ankunft von neuen Fremden, die davon nichts wissen.
Die Schnorrer
Trauerfeier für Or. Davtd
Berlin, 29. Dezember.
In der Halle des Parkfriedhofes zu Lichterfelde fand Sonntag die Trauerfeier für den verstorbenen Reichsminister a. D. Dr. David statt. Reichskanzler a. D. Müller zeichnete das Lebensbild des Verewigten.
Reichswehrminister Dr. G r ö n e r widmete dem Verstorbenen namens der Reichsregierung einen letzten Gruß und legte einen Kranz am Sarge nieder. Dr. Gröner unterstrich die vaterländische Gesinnung, . die der Verstorbene mit der Wahrung seiner: parteipolitischen Ueberzeugung in vollkommener Einheit zu verschmelzen wußte. Im Namen des Reichstages sprach Reichstagspräsident Löbe.
Politischer Zwischenfall in Berlin SW. In der Yorkstraße, im Südwesten Berlins, kam es zu einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, in deren Verlauf auch einige Schüsse abgefeuert wurden. Ein Kommunist erlitt eine Schußverletzung am Halse. Er wurde auf der nächsten Rettungsstelle verbünden und dann in seine Wohnung gebracht. Ein Nationalsozialist, der als Täter bezeichnet worden war, wurde festgenommen.
Uniformverbot int Saargebiet. Die saarländische Regierungskommission hat durch Verordnung im Amtsblatt das Tragen sämtlicher militärischer Uniformen im Saargebiet verboten. Ausgenommen sind die Uniformen der französischen Zollbeamten. Bisher galt das Verbot des Tragens militärischer Uniformen lediglich der Uniform der Reichswehr. Das neue Verbot bezieht sich auch auf die französischen Heeresuniformen.
Dreibund- und Inteniepolttik
in der alten und neuen Welt.
i Die diplomatische Laufbayn Constantin Dumbas, des letzten österreich-ungarischen Botschafters ln Washington, der jetzt seine Lebenserinnerungen unter dem obigen Titel veröffentlicht, beginnt als Attache an der Botschaft in London, sie führt dann Wer Petersburg, Rom und Paris nach Belgrad, wo Dumbo als Gesandter das tragische Ende der Dynastie Obrencvic miterlebt. Dieses Kapitel gehört neben der aussührlichen Darstellung des Drcy- sus-Prozesses uni> ferner politischen Auswirkungen zu den interessantesten Kapiteln des Buches. Nachdem Duntba dann zwei Jahre im Ministerium des Aeußeren und mehr als drei Jahre als Gesandter in Stockholm tätig gewesen war. wurde er im Apnl 1913 nach Washington als Botschafter gesandt. In diesem Teil seiner Erinnerungen gibt der Verfasser höchst aufschlußreiche Charakteristiken der führenden Staatsmänner in Wafhington. Wilson wird von ihm als weltfremder aber selbstbewußter Doktrinär, dessen phrasenhafte Kundgebungen zu seiner Ent- schlußlosigkeit in starkem Gegensatz stehen, gekennzeichnet. Ausführlich behandelt Dr. Dumbo fern-r die amerikanische Kriegspolitik und seinen Konflikt mit Wilson, der seiner Tätigkeit in Washington een Ende bereitete. Wenn auch Dumbas Memoiren nicht selten durch ein gar zu langes Verweilen bei gesellschaftlichen und hösischenDingen ermüden, so bedeuten sie im ganzen doch eine wertvolle Bereicherung unseres Wissens von der vorkriegszeitlichen Politik. (Constantin Dumba: Dreibund- und Ententepolitik in der Alten und Neuen Welt. Geh. RM, 10, geb. RM. 14. Amalthea-Verlaa Zürich-Leipzig-Wien).
Vom Werdegang der Reichswehr
Nm 1. Januar besteht die Reichswehr zehn Jahre
er gewiß noch viele Abende auf dem Montmartre, bis man seinen bleichen, hellgrauen Anzug mit einem farbigen Sargdeckel vertauschen wird.
Paris, 29. Dezember.
Der polnische Außenminister Zaleski äußerte sich in einem dem -Mann" gewährten Suter' V über die an ihn gestellte Frage: ,Jn welchem Polen die Rückwirkung der deutschen nationalen Welle empfindet, die augenblicklich auf der europäischen Politik lastet". Zaleski hofft aus die kommende Genfer Tagung als ^Sicherheitsventil'.
Deutschland werde wohl in Genf beweisen wollen, daß die deutsche Minderheit terrorisiert worden sei und nicht in aller Freiheit wählen tonnte. Als Gegenbeweis glaubt Zaleski ansühren zu können, daß 90 Prozent derKevöllenma gewählt hätten, eine Beteiligung, wie sie ja wohl bei einer terrorisierten Bevölkerung nicht zustande gekommen wäre. Die „Be- imruhigung und Wut gewisser deutscher Kreise" führ, Zaleski daraus zurück, daß in den früheren deutschen Gebieten ein .normaler Entdeutschungsprozeß" (!?) eingesetzt habe, gegen den es unnütz wäre, anzu- kämpfen. Den Rückgang der deutschen Stimmen chreibt - Zaleski direkt der deutschen Propaganda zu. 40000 Stimmen, die die Deutschen verloren haben, "eien Po laichen Stimmen, di« durch die deutsche Kampagne nach den Wahlen zum 14. September aus ihrem OPPor unismus ausgeschreck, worden wären.
Deutschland, so schließt Zaleski, eröffne in Gens wieder die Debatte über die Minoritäten. Man muffe aber daran erinnern, daß die Minoritäten schon m ihrem eigenen Interesse nicht als .politische Hebel" dienen dürften.
Beuthen (Oberschlesien), 29. Dezember. Die ober- 'chleftschen Zeitungen befassen sich ausführlich mit dem Interview, das der Polnische Außenminister Za- leiski einem Mitarbeiter des Pariser .Motin" gewährt hat.
Die -Ostdeutsche Morgenpost" fordert: Die deut "che Regierung solle kein Miniserintervlew der Gegenseite ohne Antwort lassen und sollte jeder Lüge die Wahrheit mit Entschiedenheit entgegensetzen. Die Blätter des Konzerns der oberschlestschen Zenlrums-
stalten sprechen. Ihr Verwahrlosung ist oft so groß, daß sie kaum mehr echt erscheint, sondern theatralisch. Sie erscheinen einem oft nicht mehr als Menschen, sondern als Kunstwerk des Elends. Ihre Gesichter sind bunt wie die Pariser Nacht, sie sind grau wie der Morgen, der fahl über die erloschenen Laternen fällt. Man weiß nicht wie sie leben, wovon sie leben und ob sie überhaupt leben. Es scheint fast, als genüge ihren bescheidenen Lebensorganen allein schon die Pariser Luft, die sowohl den Geruch der Natur, wie die Atmosphäre der Weltstadt hat.
Harmonikas, wobei sie nicht vergessen, die Hand aus- terdünnen Spalt in sich eindringen lassen kann, sitzt zuhalten. Aus den Portalen der Kirchen und Theater " 1 *-
treten sie einem entgegen. Gestalten des toten Victor Hugo, die ebenso unsterblich geblieben sind wie fein Roman: Les miserables. Solche Bettler gibt es nur in Paris. Sie sind stumm. Sie sagen kein Wort. Sie arbeiten nur mit Blicken und Stellungen. Ihre Ge-
Die Bettler.
Sie sind nicht beschränkt auf ein Arrondissement. Ihre hoffnungslosen Gesichter erscheinen überall. Hinter dem pelzumfloffenen Rücken einer phantastisch üeganten Amerikanerin, an den Ausgängen des Metro und vor den Bahnhöfen, an den Seineufern und in den Gassen des uralten Paris. Vörden Türen der
Paris, 29. Dezember.
Marschall Ioffre, der seit einigen Tagen an einer Entzündung der Gelenke der unteren Gliedmaßen leidet, mutzte dieser Tage dringlich operiert werden. Die Operation, die vor einigen Tagen durchgeführt wurde, hatte zunächst eine vorübergehende Besserung im Befinden des Marschalls zur Folge, jedoch ist der Zustand des Marschalls zur Zeit wieder besorgniserregend.
Wie „Journal deS Debats" berichtet, handelt es sich bei dem gemeldeten operativen Eingriff, der bei Marschall Jofsre notwendig wurde, um die Abnahme des rechten Fußes. Von einer zweiten Operation, die zunächst vorgesehen war, haben die Aerzte mit Rücksicht auf die Schwäche des Patienten Abstand genommen.
lieber sie muß man zuweilen lächeln. Die äußerliche Bizarrerie, hie anderswo sehr zurückgegangen, ja fast ausgestorben ist, wind von ihnen bis zu einem Grade des Exzentrischen gezüchtet, der auf die Qualität ihrer Produktionen bedenkliche Schatten des Verdachtes wirft. Sie erscheinen (auch an kalten Tagen — tat übrigen gut eingemummt) ohne Hut, mit schauspielerischen Profilen, bunt wie Papageien, und reden sich gegenseitig „Meister" an. Sie tragen Mappen, die oft riesengroß sind, daß sie von den kleineren Armen nur mit Mühe getragen werden. Viele unter ihnen setzen die Haartradition bet Apostel fort. Da soviel gemalt wird in Paris, daß die Galerien unmöglich alle Bilder ausstellen können, hängen viele Maler ihre Bilder an die Wände der Cafes, wo sie oft lange auf Käufer warten müssen.
presse erklären u. a.: Wenn jetzt gesagt werd«, Deutschland betreibe den Minderheitenschutz nur alS Mittel zum Zweck der Grenzrevision, so wisse jeder, daß hier nur die polnische Propaganda dahinterstecke. Man müsse klipp und klar erklären, daß es sich nur um die Frage handele, wie Polen das Recht verletzt habe und wie diesen Rechtsbrüchen gegen die deutsche Minderheit wirksam ein Ende gemacht werden könne.
Deutsch-polnisch es Holzabkommen wird nicht verlängert
Am 31. Dezember dieses Jahres läuft das deutsch-polnische Holzabkommen automatisch ab. Eine Verlängerung ist nicht vorgesehen. Eine solche könnte nur dadurch erzielt werden, daß ein neues Abkommen abgeschlossen wird, welches aber deu.scherseits ratifikationsbedürftig sein würde, weil darin eine Bindung des deutschen Schnittholz- Zolls enthalten wäre. Die polnische Regierung ist am 10. Dezember, wie wir erfahren, mündlich bei der deutschen Reichsregierung vorstellig geworden wegen einer Verlängerung. Die deutsche Regierung hat darauf am 23. Dezember mündlich geantwortet, daß sie eine Verlängerung nicht vornehmen könne.
Zur Erklärung dieses Standpunktes wird von maßgebender Stelle bemerkt, daß eine Verlängerung des deutsch-polnischen Holzabkommens untunlich fein würde, weil es einmal, wie gesagt, der Ratifikation in Deutschland bedürfen würde und weil ferner eine Verlängerung durch das den. sch-polnische Wirtschaftsabkommen überflüssig werden würde, lieber das Wirtschaftsabkommen ist sich zwar weder der polnische Sejm noch der deutsche Reichstag schlüssig geworden, aber die Nichtverlängerung bedeutet jedenfalls keine Verschärfung des Zollkrieges. Wenn auch das Einfuhrverbot für Schnittholz automatisch wieder in Kraft tritt, so liegt darin doch keine neue deutsche Kampfmaßnahme.
„Normaler Entdeutschungsprozeß"
(Eigene Drahtmeldunz.)
Die Schnorrer sind tue Vorstufe feer Bettler. Sie tun noch etwas. Hier zwei als Typen: Vor einem Cafe läuft ein Mann auf und ab, der sich mit emphatischen Geständen feie Aufmerksamkeit der Gäste verschafft. Ist ihm feas als gelungen erschienen, fo reißt er fein Hemd aus, streift die Rockärmol empor und man sicht große lange Schiffe in blauer Farbe auf seiner Haut eingebrannt. Doch wen interessieren solche Tätowierungen? Ein Wink des Cafötiers, der Gereon ergreift feen Lästigen am Arm und zerrt ihn hinweg. Da feer Mann sich wchrt, entsteht ein kleiner unfreiwilliger Ringkampf, den der Mann, feer stärker als feer Kellner ist, solang fortführt, bis ihm feie Centemesstücke zugeworfen werden, feie man ihm für feine Tätowierungen nicht gegeben bat. Die Japanerinnen, die sich vor feen Cafes umhertreiben, plötzlich in eine Stuhlreihe hineintreten und nun mit kleinen Messern jonglieren, erhalten schneller Geld. Man sicht sie gerne und gibt ihnen rasch, da man weiß, daß feieze Mädchen von jefeem vorübergehenden Agent fee polic- sofort entfernt werden.
von Heeresmaterial. Für jeden Fabrikzweig wurde nur eine Fabrik zugelassen, so daß bei Ausfall dieser die Herstellung unterbrochen und die Verwendungsfähigkeit der R.ichswehr gefährdet wird.
Schließlich wurde Deutschland sie vollkommene Entmilitarisierung einer Zone an unserer West grenze ausgezwungen die sich bis 50 Kilometer östlich des Rheins erstreckt. Und zwar werden diese Bestimmungen von unseren Gegnern in der kleinlichsten Weise ausgelcgt. Ist es beispielsweise nicht widersinnig, wenn uns Der Einsatz tärischen Hilfskommandos ohne Waffen bi wiederkehrenden Hochwassergefahr in diesem Gebiet verwehrt wird?
Bei allem zeigt sich eben das Bestreben, feie Be-
Welch ungeheuren Umfang diese militärische Abrüstung hatte, muß man sich gerade jetzt, angesichts der ständigen Behauptung Frankreichs von seiner ^.Bedrohung" durch die Reichswehr, vergegenwärtigen. Man darf dabei nicht vergessen, daß Frankreich all das nicht nur noch besitzt, sondern seit Jahren zielbewuht ausbaut. Ein paar Zahlen mögen den Umfang des Abrüstungswerkes zeigen: Nicht allein mußten die 25 Generalkommandos, der große Eeneralstab, die Kriegs- minifterien Preußens, Bayerns, Sachsens und Württembergs, die Kriegsschulen und Bezirkskommandos — bei Abgabe aller APen für Rekrutierung — aufgelöst werden, sondern es mußte weiter erfolgen: Abgabe bzw. Zerstörung von fast sechs Millionen Gewehren und Karabinern, 105 163 Maschinengewehren, 28 469 Minenwerfern, 54 889 Geschützen und Rohren, 38 Millionen geladenen Artillertegeschossen und Minen. 472 Millionen Schutz Eewehrmunition, 37 600 Tonnen Pulver, 14 000 Flugzeuge, 27 757 Flugzeugmotoren, 547 Flugzeughallen und Werften, 39 Luftschiffhallen, sowie Abgabe aller modernen Waffen, wie schwerer Geschütze, Tanks, Panzerkraftwagen, Luftschiffe und Ballons. Alle Befestigungen an der neuen Westgrenze Deutschlands und auf Helgoland mutzten geschleift werden. Von den Festungen an der Ost- und Südgrenze Deutschlands, deren System nach dem Versailler Vertrag im Zustand vom 10. Juni 1920 erhalten bleiben sollte, ist für Breslau, Elogau, Glatz, Reitze Spandau, Lötzen, Ingolstadt und Königstein jede Geschützausstattung verboten worden. Dieses Verbot wurde über den Friedensvertrag hinaus durch das Londoner Ultimatum vom Mai 1921 erzwungen. Die Interalliierte Militärkommission genehmigte in nur 21 Fabriken, die genau festgelegt sind, die Herstellung
Die Zeitungsverkäufer.
Sie sinfe schon wahrnehmbar, ehe sie sichtbar sind, ihre Stimmen eilen ihren Gestalten voraus. Sobald sie feie Druckereien verlassen haben, laufen sie mit feer Schnelligkeit von Stafettenläufern den Boulevardcafes zu, feie Schnellsten werden am meisten verlaufen. Während des Laufens trocknen feie Blätter, feie sie noch feucht aus den Maschinensälen nahmen. Das Geschäft geht nicht gar so glänzend; es bedarf feer Bescheidenheit, wenn sie bei zehn Ausrufen eine Nummer verkauft haben, sinfe sie zufrieden. Ihr zu- verlässigstes tägliches Ergebnis ist eine heisere Stimme; daß die.Stimmen bei feem Konkurrenzlärm her Straßen, der in Paris gewaltig ist, noch nicht jeden Klang verloren haben, erscheint wie ein Wunder. Unter diesen Zeitungsverkäufern befinden sich seltsame Existenzen, solche feie gestrandet sinfe und solche, feie erst beginnen; viel arme Studenten erwerben sich in feiefem Metier ihr Taschengeld. Frauen mit weißen Haaren, feie deshalb keineswegs alt sind — richtiger gesagt, die nicht zu alt sind —, verkaufen Matter. Sie sind es, feie nicht zu rennen brauchen, wie feie Männer unfe feie Jüngeren, sie haben eine Schar treuer Käufer, Abonnenten ohne Abonnements, die gelassen aus feie Lektüre feer Nachrichten warten, bis sie ihnen von feen welken Frauenhänfeen neben den schillernden Aperitiv gelegt werden.
Die Plakatträger.
Ihre Aufgabe ist nicht, feer Erste am Ziel zu sein, sondern zu verweilen. Sie kontrastieren feie Hast feer Zeitungsverkäufer durch eine zeifiupenhaste Lagsamkeit fees Gouges. Es sind meistens alte, kleingewachsene Männer, die hinter ihren bunten Pavierwänden bis auf die Füße völlig verschwinden, so Laß in richtiger Weise hauptsächlich das Plakat zur Geltung kommt. Die Industrie benutzt sie selten, fea ihr nur ganze Hauswände für ihre Flächenansprüche genügen; feie Amüsierlokale unfe die billigen Prix-fixes-Restaurants sind es vornehmlich, die sich dieser vom Ort bewegenden Propaganda bedienen, die gerade nicht ein Ruhmeskapitel des Menschengeschlechtes befeeutet
Die Teppichhändler.
In ihren Gesichtern ist eine schlaue Fröhlichkeit, wenn man sie sicht, könnte man glauben, sie besäßen feie große Weisheit der Lebenskunst, dabei gewahrt man fast nie, daß sie Geschäfte adschlietzen. In Sandalen, Turbans oder roten Mützen kommen sie daher mit einem schleichend gelassenen Gang. Ihren La
Handgranaten, Eisenstücke und Zementbrocken
Wesselburen (Dithmarschen), 29. Dez.
Nach amtlicher Mitteilung sind in der Nacht zum ersten Weih,,achtstage in der Zeil zwischen 1 und 2 Uhr morgens gegen feie Amtsräume fees Amtsvorstehers von Wesslburen von unbekannten Tätern 2 Handgranaten geworfen tooroen. Die Handgranaten, welche keine Sprengkapseln en'hielten, prallten an den Fenstern ab und fielen auf feie Straße zurück. Es ist lediglich durch den Wurf geringer Sachschaden entstanden. In den Handgranaten befanden sich Zettel, in deren Tert Unzufriedenheit mit lokalen behördlichen Maßnahmen zum Ausdruck kommt.
Gleichzeitig haben unbekannte Täter in die Wohnung des Bürgermeisters und Polizeiverwalters in Wesselburen Eisenstücke und Zementbrok- ken geworfen und dadurch mehrere Scheiben zertrümmert. Man ist in Wesselburen der Ueberzeugung daß es sich bei diesen Ankchlä>'-n nur um Ereignisse von örtlicher Bedeutung yandeit.
Kunst und Wissenschaft
Der Gerhart-Hauptmann-Preis wurde in diesem Jahr vorn Kuratorium der Gerhart-Hauptmann- Stiftung einstimmig Hans von Hülsen für seinen Roman „Der Schatz im Acker" zugesprochen. Hülsen hat neben anderen Romanen auch eine Biographie Gerhart Hauptmanns geschrieben.
Die wichtigste Entdeckung über den Urmenschen. Der berühmie englische Prähtstoriker Pros. Elltot Smith ist jetzt von einer Reise nach China zurückgekehrt, die er zu feem 3toed unternommen hat, um Die vor einiger Zeit in einer Höhle in der Nähe von Peking gefundenen Ueberrefte des Urmenschen zu untersuchen. Smith hält diese Funde für die wichtigste Entdeckung, die bisher überhaupt auf diesem Gebiete gemacht worden ist. Die Ueberrefte sind nach seiner Ansicht Millionen Jahre alt und werden eine sichere Grundlage geben, um die Geschichte des Urmenschen zu erforschen. »Bei der Untersuchung an Ort und Stelle gewann ich einen überwältigenden Eindruck von der Wichtigkeit feer Erkenntniffe, die dadurch gesichert werden," sagte er. „Das Material ist wichtiger als alle Ueberrefte, feie bisher entdeckt wurden. Es ist nicht nur das große Alter feer Skelette, sondern die Tatsache, daß nun die Lücke zwischen den bisher bekannten Typen, besonders dem Pithecanthropus von Java und dem Piltdown-Schädel, überbrückt ist. Die Schädel sind viel primitiver als alle andern und stehen der direkten Entwicklungslinie zum modernen Menschen näher."
Das Zweite Internationale Bruckner-Fest. Die Internationale Bruckner-Gesellschaft beschloß auf ihrer Hauptversammlung feie Veranstaltung des Zweiten Internationalen BrucknerFestes für Ende September 1931 in Wien. In Verbindung mit einer allgemeinen Tagung der Gesellschaft, deren 3000 Mitglieder sich auf Oesterreich, Deutschland, die Tschechoslowakei. Frankreich, Amerika und die Schweiz verteilen. sind unter feer künstlerischen Oberleitung von Franz Schalk eine Reihe von Ausführungen geplant, zu denen die Gesellschaft namhafte Künstler veq sichten will. Das von der Stadt Köln für das Jahr 1931 geplante Bruckner-Fest wird mit Rücksicht auf die Wiener Festlichkeiten um ein Jahr verlegt teerten.
Das deutsche Heer, im Krieg das beste der Welt, «rußte, in die Heimat zurückgeführt, aufgelöst werden. Die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Inneren und der Schutz der Grenzen besonders im ften verlangten aber eine militärische Macht. Der Ooersten Heeresleitung gelang es, unter großen Schwierigkeiten die Bildung von freiwilligen Verbänden durchzusetzen. So wurden von Offizieren und Unteroffizieren aufgelöster Formationen des alten 5:eres im Rahmen des alten Truppenteils Freiwilligenverbände neu gebildet; dazu kam die Aufstellung von zahlreichen Freikorps in wsllkürlicher Stärke unfe Gliederung mit verschiedenen eigenen Bedingungen und Bestimmungen. Den Oberbefehl über den Grenzschutz übernahm Januar 1919 feie Oberste Heeresleitung mit dem Sitz in Kolberg. Gleichzeitig trat der Reichswehrausschutz zusammen, und es wurde im März ein Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr erlassen. Zunächst wurde eine Gliederung bcs Heeres in 43 große und kleine gemischte Reichswehrbrigaden te nach der taktischen Bestimmung für Grenzschutz oder Ordnungsdienst im Inneren unter zwei Gruppenkommandos vorgesehen.
Ende Juni 1919 machte das Versailler Diktat allen Plänen ein Ende: Herabsetzung d r Heeresstärke auf 100 000 Mann mit einer in allen Einzelheiten bis ins Kleinste vorgeschriebenen Organisation, Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht. 12jährige Dienstzeit für Mannschaften, 25jährige Verpflichtung für Offiziere, Abgabe aller schweren Waffen und alles neuzeitlichen Kriegsmaterials rote schwere Ee- Se, schwere Minenwerfer, Flugzeuge, Luftschiffe, s usw. Das Heer, das bei Kriegsende noch 34 000 aktive Offiziere und acht Millionen Unteroffiziere und Mannschaften stark gewesen war, mutzte in kurzer Zeit auf 4000 Offiz' ------- * ‘
gesetzt werd.
störrische Schweigsamkeit an den Tag (egte, auch sonst total wunschlos schien. Sein Ditzen hier glich einem tanggejogenen Adieu von der Welt. Er wollte sich noch einmal feie Amgen füllen, wenn sie voll waren, würde er wahrscheinlich sterben, gesättigt unfe ge'ßj= _ fcn. Da seine Augen fast schon ganz zugesunken wa-
billigen Wotttmarlrecafes lauschen sie auf feie Zieh- reu, er feas Sichtbare also nur durch einen millime-
Ein Greis.
Er tat Unrecht an sich selbst, Vichy z-u trinken. Da die roten Blutkörperchen ohnedies fein vielleicht hundertjähriges Gesicht, dessen Haut ausgetrocknetem Melonensleisch glich, vollkommen verlassen zu haben schienen, wurde feie Farblosigkeit seines Anblicks durch das Eau minörale noch augenfälliger betont Da er einen Ring am Finger trug, dessen Stein auf» blitzte wenn feie Hand bei einer Bewegung in feie Lichtwellen geriet, setzten sich viele Dirnen zu ihm, feie ihn jedoch immer wieder schnell verließen, fea er eine