Kasseler Sonntags-Bilderbogen
SILVESTERSPUK UND NEUJAHRSZAUBEREI IM HESSENLAND
lbl es Wohl eine gruse-
Glocken
Hornafsen oder
und
In diesen zwölf.Zwiebelschalen sieht der Sdunalkalder das Wetter des ganzen Jahres
Zeit im ganzen die letzten Tage, der wilde Jäger Meute durch die in denen es auf
Hühner „in der Kette* zu füttern sichert das Eierlegen im eigenen Gehöft
ligere Jahr als in denen Bitt seiner Lüfte jagt.
uen Klänge
fern sterben mutz. Zum Trost aber sei schnell derselbe Brauch an anderer Bedeutung erwähnt. Im Schmal- kalder Land ist es, man lache nichts Sitte, am Silvesterabend in zwölf Zwiebelschalen, die die^ Monate des kommenden Jahres darstellen, kleine Ialzhäus- chen zu legen. Tie Häuflein, die am andern Morgen Saft gezogen haben, also feucht geworden sind, bedeuten naffe, die anderen trockene Monate. Ob es stimmt, wettz ich nicht, aber auch ein Nicht-Dchmalkal- der kann es versuchen. Die Schmalkalder, sagt man, nehmen übrigens den Neujahrszauber so ernst, datz sie an diesem Tage sogar auf chr Lieblingsgerlcht, die berühmten „Hubes" (Klötze) verzichten, weil sie davon sonst Knoten am ganzen Leibe bekommen. Dafür sollen aber Linsen, Unterkohlrabi oder Kohl, Silvester oder Neujahr genossen, Geld fürs ganze Jahr bringen.
Auch Gelegenheit zur Erzielung einer guten Obsternte bietet die Silvesternacht. In vielen Teilen des Landes, besonders auch im W e r r atal, herrscht die Sitte, während des Glockenläutens die Obst-
träume mit einem Strohseil zu umrmckcln. Tabei betet 'bet Bauer diesen frommen «Pmch:
Stelle dich in der Neujahrsnacht zwischen elf und zwölf Uhr auf den Weg, der zum Friedhof führt, und sehe dabei durch einen ererbten Schlüssel. Dann wandeln alle Leute vorüber,
die im nächsten Jahre sterben werden...
Hier bringen die Burschen ihrer Auserkorenen Punkt zwölf Uhr nachts eine große Brezel. Haben die Eltern nichts gegen den BrezeWender einzuwenden, geben sie ihm einen Schmaus und machen ihm dadurch Mut zur Werbung.
Nichts ist für einen Landwirt unangenehmer, als z« sehen, wie die eigenen Hühner die Eier in fremde Gehöfte legen. Der Neujahrsmorgen bietet ihm auch gegen diese Hühnerdwmmheit eine Handhabe. Das Mutter wird den Hühnern in eine kreisförmige gelegte Kette gestreut. Mit dem Aufpicken der Körner aus
diesem Kreis aber Werden die Eier an das eigene Gehöft gebunden.
Daß der Neujahrstag auch zum Schenken da ist, ist ein weit verbreiteter Brauch Nicht nur die Pa- tenkinlder werden in vielen Gegenden noch anstatt zu Weihnachten zu Neujahr böschettki, auch das .Umsingen" armer Schulkinder, das im sächsischen Niederhessen vielfach noch üblich ist, verfolgt den Zweck, gütige Spenden einzutreiben. Selbst der Müllerbursche erscheint in dieser Gegend, oft auch der Hirte, mit einem frommen Sprüchlein auf den Lippen und einer offenen Hand für alle Gaben.
Eine der o eigne Wen und schönsten Sitten aber findet sich in Niedermeiser. Dort must am
Silvesterabend jeder Hausbesitzer eine brenneüde Sturmlaterne vor die Haustür hängen und der Gemeinderat erscheint hschstpersönlich, um sich von dem Vorhandensein guter feuersicherer Laternen zu überzeugen Der alte Brauch, der trotz der Einführung des elektrischen Lichtes seinen tieferen Smn noch nicht verloren hat, wird seit zwei Jahren wieder treulich befolgt und am Silvesterabend sieht es in Niedermeiser aus, als hätten Glühwürmchen sich ein Stelldichein gegeben...
Dieses Laternemfest von Niedermeiser erinnert an des Nachtwächters gute alte Zeit — und mit
kaum über des Dorfes letztes Haus hlnausdringen...
Wen überliefe nicht ein eiskalter Hauch, dächte er daran, in sternenloser Sturmuacht zu Kühen der Kirchhofmauer die Geisterstunde erwarten zu müssen? Und «ar in der Silvesternacht dort draußen Jifs und fyaff, der Meute des »dü- wen" Jägers Wodan aus- geliefert zu sein...Da wird der Mensch empfänglich für alle Gespenstergeschichten, die ihm erzählt werden, für jeden Aberglauben, der in der Silvesternacht groteske Formen annimmt.
Zugegeben, der Städter steht dem Bauern nicht nach. Aber seine Silvesterscherze sind im Laufe der Zeit mehr oder weniger industrialisiert worden. Wir kaufen Glücksblei in Kartons mit -Ueberraschungen" ziehen Knallbonbons oder verulken uns mit dummen Geschenken. Wir verpulvern .Frösche", -Bomben", KräL- lertc" und wie das Zeugs alles heißt und versuchen, durch Abbrennen von Rotfeuer der Gegenwart trauriges Antlitz in rosigstem Lichte zu sehen. Wer sich's leisten kann, trinkt Punsch
Vorväter Tagen manchen seltsamen Brauch, dem oft ein tieferer Sinn innewohnt, tn die Gegenwart gerettet. Aber auch manch dummer Aberglaube 'st darunter, den nur der Zettlauste Umstande erklären und der, wer begrüße das nicht, langsam ver-
Der S chwäl m er, des Hessenlandes marfantefte Figur zeigt auch in der Silvesternacht ganz besondere Seiten: das elektrische Licht hat ihn Gott fet Dank von den grusligen Augenbttcken befrert, me dem bevorstanden, der am Llbend des letzten Tage» im Jahr dieLämpc anzündete und nach dem schatten an der Wand blickte. Hatte der nämlich zufällig keinen Kopf, dann mußte der Unglückliche ^gan; bestimmt noch im kommenden Jahre sterben. ?rur Neugierige bestimmt ist ein anderer Schwalmer Brauch, der indessen nicht allzuviel Freunde finden Surrte, 6a eine ganze Portion Mut dazu gehört. Rian stelle sich so lautet das .Rezept", tn der Neujahrsnacht zwischen elf und zwölf Uhr auf dem Weg, der zum ^ricöbor
dem Meißner brodelt und kocht und Frau Holle, des Hessenlandes Patronin, im Lande umgeht? In denen der Wind durch die Dörfer heult, die Fensterläden klappern und die Wetterfahnen kreischen... in denen das Krächzen der Raben unheimlicher klingt als irgendwann und die windzerriffe-
Geister der Leute vorüberwandeln, die im kommenden Jahre das Zeitliche segnen. Diese Auskunft laßt «ch übrigens auch auf andere Art erlangen. Soviel Menschen im Haus, soviel Häuflein Salz werden am Silvesterabend auf den Tisch gelegt. Ist am,andern Morgen das eine oder andere Häuflein ^ais pe= schmolzen, so bebrütet das. daß die betreffende Per-
Kreppeln dazu. Den Zau- W
her der Silvesternacht aber , ; W , q . „ i, ..... - - — ......- tyaBÄF1”1* r -■—..........
empfindet nur der Land- _
mann fern von der Groß- *
stadL Der lauscht in des
Säen“*? fc Niedermeiser raui «m Silvesterabend jede Familie eine
Mächte und hat aus de« Sturmlaterne vor die Haustur hangen
.Gott schütze dem Daum Vor Wetter und Sturm, Vor zuckcudPN Blitze. Vor Kälte und Wurm.
Gott Hebe ihm Segen, Dem Zweiglein, dem Ast, Im kommenden Jahre Gesegnete Last".
seinem frommen Neusahrssprüchlekn sei des Jahres letzter Bilderbogen beschlossen. Zum ersten Mal im neuen Jahr stützt et in sei« Horn:
.Nun hat sich an-gefangen das liebe neue Jahr, Es ist nunmehr vergangen das alte ganz und gar Jh bitt den lieben Gott Er möge uns bewahr Dor aller Gefahr,
Tor allem bösen Krankheit«, Por Feuer und vor Wassersnot
Und auch vor einem bösen schnellen Tod".
• • ' Ed, Schuls-Keffel.
Bringt das eine gute Obsternte, so bedeutet es für den Schwalmer etwas ganz Erfreuliches, wenn am Neujahrs-morgen eine Frau als erster Gast ins Hous tritt. Dann werfen die Kühe tm kommenden ^ahre nur -Meisekälber", und da Meisekälber die weiblichen Kälber sind, freut sich der Schwalmer im gemein darüber. Nicht ganz einig gebt der schwalmer in einer anderen Silvesterregel mit seinen -ands- leuteit im Kinzigtal. Während es tu der Schwalm Glück fürs ganze Jahr bebeutet, am Reujahrsmorgen ein neues Kleidungsstück zu tragen, gibt es am Strand der Kinzig Leute, die um nichts in der Welt am gleichen Tage i:ine Wäsche anztehen würden, da sie sonst fürchten müßten, mtt Geschwüren behaftet zu werden. Tie Rolle der Gl ückb ringe nd en Frau in der Schwalm vertritt hier ein Knabe.
Einen praktischeren Hintergrund Hal die Sitte, die in der Umgebung von Sir Sein gepflegt ward.
Hat beim Anzünden der Lampe der Schatten keinen Kopf und sieht das Jemand, muh der Schwalmer im neuen Jahre sterben, sagt eine alte Silvesterregel.. .
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