Sonna-end/Sormiag 27y28. Dezember 1950 > 2 Beilage
Kasseler Tkevesse Nachrichten
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Haben die „Propheten" recht gehabt?
Eine objektive Nachprüfung der astrologischen Voraussagungen für das vergangene Zahr
Der nachsolgende Artikel stammt aus der «Zeder euies Gelehrten, der sich ernsthast mit Astrologie be= ildatiigt hat. Er ist also trotz seiner vro-aftrologischcn Einstellung obicktio zu werten.
Jedesmal, wenn am Jahresende die verschiedenen Hellseher und Hellseherinnen, vor allem aber die auf Grund von Horoskopberechnungen arbeitenden Astrologen ihre Stimme erheben, um die Ereignisse des kommenden Jahres zu künden, beginnt auch von neuem der gewiß nicht unberechtigte Zweifel: „Haben solche Voraussagen wirklich einen praktischen Wert, oder wollen fie nur die ewige Sehnsucht der Menschen, einen Blick in die Zukunft toerfen zu dürfen, mit billigen und unkontrollierbaren Versprechungen befriedigen."
Statt uns in den Streit zwischen den Anhängern und den Gegnern des astrologischen Prinzips einzumischen und das Für und Wider anzuführen, halten wir es für richtiger, der Abwechslung halber die Zeit einmal rückschauend zu betrachten. Das heißt, es soll nachgeprüft werden, ob die Astrologen mit ihren Prophezeiungen für das Jahr 1930 Recht oder Unrecht behalten haben.
Schlagen wir also ruhig in den vorjährigen, astrologischen Kalendern nach. So sprach der Astrologe Johannes Vehlow in seinem im Herbst 1929 erschienenen Jahreskalender 1930 von einer Staatskrise, in die die Deutsche Republik im Winter 1929/30 und im Frühjahr 1930 hineingeraten würde Wörtlich sagte er: „Die getätigten Finanzabmachungen im Ausland („Poungplan". Anm. d. Red.) gewähren eine Aussicht auf gedeihliches Vorwärtskommen in keiner Weise. Starke Verbitterung und Unzufriedenheit in weiten Kreisen werden diese Abmachungen Hervorrufen . . . Krisenhafte Zeiten und Zustände im Lande . . Weitere Bankkrachs, Zusammenbruch von Geschäftshäusern und anderen wichtigen Unternehmungen, Gefährdung der Sicherheit und des Besitztums ... In den Arbeiterkreisen revolutionäre Stimmungen . . . .“
Unb der Astrologe T. H. Hüter prophezeite ähnlich, daß 1930 ein Sturm- und Kampfjahr werden würde. Vorwiegend gedrückte, wirtschaftliche Lage. Erhöhte Arbeitslosigkeit. Börse, Handel und Industrie führen Existenzkämpfe auf dem Weltmarkt . . . ."
Die Astrologin A. Hoffmann schrieb int Weltrhyth- muskalender: „Die finanzielle Lage wird im Jahre 1930 viel zu wünschen übrig lasten, das Volk wird in große Rot geraten, auch der Handel wird ungeheuer zu kämpfen haben. Immer mehr Einschränkungen und Entbehrungen werden notwendig fein, und schon aus diesem Grunde wird das Verhältnis zwischen Volk und Regierung ein überaus gespanntes fein .... Wegen der Steuern wird die Regierung in eine Zwangslage kommen ( Notverordnung". Änm. d. Reo.). Besonders im Herbst 1930 wird für Deutschland die Finanzlage sehr bedrohlich ..."
Selbst wenn man die Ansicht vertritt, daß der Pes- !im ist in unserer verworrenen Zeit am ehesten Recht >ehält. muß die Richtigkeit dieser Voraussagen einigermaßen frappieren. Recht bedeutungsvoll erscheint auch die von dem Eörlitzer Astrologen Hans H. Schubert angefertigte und im „Ebertin-Kalender 1930“ (der im Spätsommer 1929 erschien) veröffentlichte Horoskopskizze Adolf Hitlers, in der er das ungeheure Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung mit fast mathematischer Genauigkeit ankündigte. Wörtlich schrieb er: „Wir dürfen auf Grund der Eestirnkon- stellationen erwarten, daß die Macht und das Ansehen Hitlers enorm zunehmen. Die Direktion mit Trigon Jupiter, engftens im Zusammenhang mit der besten Chance des Horoskops überhaupt, wird uns wahrscheinlich während des ersten Quartals 1930 überraschen. Bereits ab Mitte folgenden Jahres (also 1930), wird sich Herausstellen, daß Partei und Parteimann durch Zunahme an Zahl und Einfluß so auffällig gewinnt, daß auch der Gleichgültige aufhorchen muß. In äußerste politische Aktivität wird die Partei mit ihrem Manne, besten Schicksal gemäß, wahrscheinlich dann treten wenn der Meridian zu Trigon Uranus kommt. Letzteres für 1931 letztes Quartal, wie überhaupt 1931 die Stellung Hitlers rein offiziell eine politisch erfolgreichere und persönlich glücklichere fein wird." Allerdings fügte Schubert hinzu: „Im Oktober 1932 kann es der geringfügigste unvorsichtige
kreditieren. Aber man darf sich den Tatsachen nicht verschließen,. dre Zusammenhänge Wischen Eestirnkon- stellationen und Weltgeschehen nicht einfach mit einer Handbewegung abtun! Gewiß kommen sehr häufig Fehlschlüsse vor, aber die Urfache dieser Fehlschlüste liegen weniger in den Grenzen der Astrologle als in
Schritt sein, der die Person Hitlers und ihren Namen für die Geschichte quittiert und dann das Ende einer politischen Laufbahn wird, die bis dahin ihre besten Chancen erleb) ..."
Niemand wird leugnen können, daß die im Spätsommer 1929 veröffentlichte Prognose, soweit fie das
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Es ruht das Land so feierlich In einer sanften Einsamkeit. Und kaum bewegt das Leben sich Im wundertiefen Strom der Zeit.
Und zaubernhaft sind Busch und Baum Vom Wintermärchen eingehüllt.
Jahr 1930 betrifft, in geradezu verblüffender Weise durch die Ereignisse bestätigt wurde.
Interestant ist es auch, sich die Wetterprognose des Astrologen Alfred Werner in Erinnerung zu rufen, der 1929 den Sommer 1930 als mittelmäßig temperiert, nicht zu heiß, eher als kühl voraussagte und von einer schwankenden und abwechslungsreichen Wetterlage ohne anhaltende Perioden gleichmäßigen Wetters sprach. „Den zu feuchten- Herbst," so- schloß tzr, „der sich auch katastrophal-abwechslungsreich mit Erdbeben unb Ueberschwemmungen in Deutschland zeigen wird löst ein trockener und milder Winter: ab. Es herrscht lindes Wetter mit wenig Niederschlägen...."
Auch hier stimmen, wie man nachträglich feststellen kann, manche wesentlichen Angaben. Es wäre daher ungerecht, wollte man nur von „Zufallstreffern" sprechen. Vielmehr sollte die Richtigkeit der astrologischen Voraussagen für das Jahr 1930 die zünftige Wissenschaft veranlaffen, ' sich endlich einmal mit den Problemen der Astrologie ernsthafter als bis jetzt zu befasten. Zweifellos gibt es unter den Astrologe» eine Unmenge von (Efjarlatanen unb Konjunkturrittern, bie einzig allein auf die Sensationslust eines kritiklosen und leichtgläubigen Publikums spekulieren und diese älteste aller Spekulationswissenschaften dis
Und manchmal ist der weite Raum
Von seinem holden Klang erfüllt
Der leise mit dem Wetterwind Durch eingeschneUe Wälder schwebt Und alle Dinge weich und lind Mit wunderzartem Traum belebt.
Franz Cingia.
der Rechentechnik. Bekanntlich ist man in astrologischen Kreisen über bie anjuroenbenbe Rechenmethode noch sehr geteilter Meinung. Jede „Autorität" arbeitet nach ihrem befonberen, von ihr natürlich allein für richtig befunbenen System. Das muß auf bie Dauer zu grotesken Auswüchsen führen. Aber dennoch gibt es unter den Astrologen ernsthafte Menschen, die den Weg aus dem mystischen Sumpf zu einer höheren Erkenntnis suchen. Und wenn der Astrologe Hans H. Schubert schreibt: Im übrigen bekenne ich Wich mit Metz zu der Ansicht, daß eine astrologisch.wirkende Ursache unmöglich im Gebiet einer beliebigen Physik ss,Strahlungen") liegen kann, vielmehr einzig hn Gebiet der Psyche. Ein Planet übt keinen Einfluß aus im primitiven Sinne, vielmehr schreibt uns der Lauf des Kosmos nur die Zeitzeichen vor, deren mir uns mit Hilfe unbekannter Instinkte erinnern. Der Kosmos wird zur Uhr für bie Psyche, quasi zum Lieferanten der 3eit unb zu nichts anderem. Somit erfaßt Astrologie nur Rhythmus unb Periodizität in der Abwicklung, nicht aber bie Abwicklung selbst." Denken wir uns bie Rotation ber Erbe unb die Revolutionen der Gestirne hinweg (Tag unb Nacht, Jahr), bann bliebe uns keine vorstellbare Gelegenheit, einen vorstellbaren Unterschieb zu machen zwischen dem, was gerade ist und dem, was ihm folgt. Hier liegt der
Einsatzpunkt jeglicher Philosophie der Astrologie ...!*, so zeigt dieses Bekenntnis, daß der astrologische Gedanke auch tiefere Wurzeln hat,
Es bleibt jedem überlassen, bie Prophezeiungen tu» das nächste Jahr mit der gebotenen Skepsis, daß alle« doch anders kommt, als man es denkt, zur Kenntnis zu nehmen. Immerhin dürften die bisherigen E» fahrungen mit den astrologischen Prognosen auch di> Urteilsfähigen ein wenig nachdenklich stimmen. Der Zufall vermag viel. Soll aber alles nur Zufall gewesen jein? HansvonTann.
Kleine Chronik
Der Verteidiger des Düsfeldorser Goldmachers Kurschildgen, der, wie berichtet, zu 1K Jahren Ge- fäimnis verurteilt worden war, bat direkt beim Reichsgericht Revision eingelegt, weil der Goldmacher zum Teil wegen verjährter Straftaten aus dem Jahr 1924 schuldig gesprochen worden ist.
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Mehr als doppelt so doch wie im vergangenen Jahr ist die von den Regenversicherungen ausbe- White Versicherungssumme bet den Berlmer Gesellschaften dieser Art; es wurden z. B. an Rennsport- vereine für verregnete Renntage bis zu 940C0 Mark ausbezrchlt. Allerdings betragen die Prämien auch 10 bis 15 Prozent der Versicherungssumme.
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Der Konstrukteur des ersten Zeppelin-Lm"chiffes. Direktor Dipl.-Jng. Kober, ber auch die statistischen Berechnungen für das erste Zeppelin-Luftschiff besorgt hatte, ist jetzt in Friedrichshafen plötzlich gestorben; er war nach seiner 2ätiigfcit bei der Zeppe- linwcrst Direktor der Flugzeuysabrik Manzell, der jetzigen Dornier-Werke.
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Gegen die Gerüchte von einer Weite in Gallspach wendet sich der »Verein der Zeileis-Aerzte" mit der Erklärung, daß die Zahl der Panenten in Gallspach gegenwärtig wesentlich höher sei, als im Vorjahr untd daß die Mitteilungen von zahlreichen Zwangsversteigerungen in Gallspach einfach aus der Luft gegriffen seien.
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Die Schüler eines Gvmnasiums in Krems (Oesterreich) gründeten einen Selbstmörderverein, stellten dafür strenge Statuten auf und erhoben für Mädchen einen Mitgliedsbeitrag von 60, für Jungen von 30 Pfennig. Das Geld diente dazu, Waffen und '.Munition anzuschaffen. Die Sache kam heraus, als einer ber Jungen sich erschoß und. einem anderen, der seinem Beispiel folgen sollte, ber Mut dazu fehlte.
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Kriegsschiffe am laufenden Band baut z. Zt. Frankreich. 9lyj den französischen Werften läuft fast in stkder Woche ein Kriegsschiff vom Stapel; bald ist es ein Torpedoboot, 'bald ein U-Boot oder ein Kreuzer.
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Die Wasserpolizei in Paris veranstaltet eine erfolglose Jagd auf einen Seehund, der sich zur allge- memeit Ueberraschung tu der Nähe der sehr belebten Coneorde-Brücke zeigte. Das Tier ist vom Ozean her die Seine aufwärts bis nach Paris geschwommen.
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Wilddiebe, die sich in eine Jagdgesellschaft in Schottland gemischt hatten, unb sich in der dreistesten ’lüeifc an einer Treibjagd beteiligten, nahmen, als sie sich von einem der Jagdgäste emdeckt sahen, diesen wrtfs Korn und es entwickelte sich zwischen ihnen und der übrigen Jagdgesellschaft ein regelrechtes sfeper- gerecht, das schließlich mit der Flucht der Wilddiebe endete ?
ZU HABEN IN BEI DEN APOTHEKEN
VERSTOPFUNG
LAXIERPILLEN OL TEREB WAANING S<JLF<OMP< ANGENEHME PROMPTE WIRKUNG ■ »»I W—p— U _■
»Ein bißchen einsam,* seufzte er. .
Sie schlug die Augen vor ihm nieder. Di« Finger, welche ihr Glas hielten, zitterten. Er wandte sich ab, um sich nun selbst ein Glas einzuschenken.
»Ich werde auf dies unerwartete Vergnügen trinken". sagte er ruhig. »Gib mir dein Glas--“
Er füllte es frisch auf.
»Gilbert," bat sie, als sie sich einige Minuten später erhob, »ich beschwöre dich, sag mir das eine. Hier stehe ich. gehorsam, deine Sklavin. Sei natürlich. Selbst in dieser Minute will mir scheinen, daß uns etwas Fremdes umgibt, daß etwas Fremdes zwischen uns steht. Warum kannst du nicht---"
Sie brach ab. Er nahm ihre Hände in die feinen unb führte sie an die Lippen. Sein Arm legte sich sachte um ihre Hüfte.
»Meine liebe Miriam," sagte er, »drei lange Jahre war mir der Genuß versagt, mich mit einer Frau zu unterhalten. Ich bin also noch etwas plump. Das wird aber zweifellos wieder vergehen . . . Hier ist Mrs. Parsons. Sie wird dir bei deiner Toilette nach Wunsch behilflich sein und dir dein Zimmer zeigen. Wollen wir uns in ungefähr einer halben Stunde treffen?"
Das Gefühl der Anspannung, die niemals ganz nachgelassen hatte, erfuhr während des Mahls durch Parsons Anwesenheit eine gewisse Milderung. Das Esten war einfach, aber vorzüglich. Hummer (vom Nachmittagsfang), Lammrücken, Spargel, Obst und Creme. Der Kaffee wurde auf Miriams Wunsch im Freien genommen. Sie beobachteten das Rahen der Nacht, die aufglimmenden Lichter in den Bauernhäusern und das Verschwinden des weiten Marschlanoes in der Dunkelheit. Beide sprachen nur wenig. Miriam schien sich dem Gebot der Umstände gefügt zu haben. Eine eigene, körperliche tote geistige, Müdigkeit hatte sich ihrer bemächtigt. Sie lehnt« sich im weichen Stuhl zurück, die Hände hinter ihrem Kops gefaltet, ihre Augen traumverloren auf die weit« Fläche des Meeres geheftet. Sie schaute nach den aufglimmenden Lichtern der Fischerboote und kleinen Frachtdampser und folgte oem späten Flug ber Wildenten und Wildgänse. Die Kirchmrmuhr schlug elf. Plötzlich lehnte sie sich zu Channav hinüber, und er fühlt« eine warme Hand aus seinem Arm ruhen.
„Gilbert." flüsterte sie. »weißt du. daß du mich heute nachmittag recht gequält hast? Soll ich an jene Nacht auf ber Jacht bet Gibraltar erinnern?"
Sie neigte sich ihm noch näher zu, unb er beugte
sich wie gegen seinen Willen über sie. Ihre Lippen Segneten sich in einem langen Kutz. Ein Uhu liefe ganz in ber Ferne vernehmen. Weit braufeen auf dem Meer konnte man das Stampfen einer Schiffsmaschine hören. Er liefe sie ganz sanft aus seiner Umarmung los, während seine Lippen sich nur zögernd v-m den ihren trennten.
„Mrs. Parsons", flüsterte er, „wartet, um dich nach deinem Zimmer zu geleiten.“
„Mufe ich gehen?" fragte sie.
„Schon bester, du gehst", riet er ihr.
Er lauschte ihren widerstrebenden Schritten, ihrer sanften Stimme, während sie mit ber Haushälterin sprach. Dann schrieb er noch eine Stunde in seinem Arbeitszimmer. Nachdem er mit feinen Geschäften fertig war, fuhr er, noch im Abendanzug, mit seiner Jolle bis zu einer sand bankversperrten Bucht. In ber Ferne sah er die Lichter einer kleinen Segelflotte, bie gerade den Hafen verliefe. Er warf den Anker aus und gab sich ganz ber Stille ber Nacht hin. Er beobachtete die Sterne und sah den Mond über den Bergrücken herauskommen und am Himmel aufsteigen. Auf einmal merkte er, daß er geschlafen hatte. Die Sterne leuchteten bleicher unb ein Lüftchen umwehte ihn, ber erste Vorbote herannahender Morgendämmerung. Er lichtete den Anker und liefe das Boot eine Strecke heimwärts treiben. Als er wieder anlegte, begann es im Osten gant leise zu dämmern. Er ging ins Haus und begab sich gleich in sein Zimmer.
Es war ein eigentümliches Zusammentreffen, als er gerade im Freren bei seinem Morgenkaffee satz, bafe Isham, halb laufenb, halb gehend, auf dem engen Deichweg in dem gleichen Augenblick auf» tauchte, als Miriam aus dem Hause trat, bleich wie ber Tod, mit schwarzen Rändern unter den Augen. Channav erhob sich, sie zu begrüßen.
„Hoffentlich hast du gut geschlafen? Dein Kaffee--"
„Danke bestens", unterbrach sie ihn. „3<f> habe mir Tee bestellt. Mrs. Parsons hat ihn mir aufs Zimmer gebracht. Wann gestattest du mir, fortzu- gehen?"
Er wies auf ihren Gatten hin. ber kaum noch fünfzig Meter von ihnen entfernt war.
„Wie bu siehst," sagte er, „wartet bein Wagen feier."
„Unb was soll dies alles feeifeen?" fragte sie.
„Das werbe ich bir erklären", antwortete er. ,^n einer gewissen Bezsehmig ist beine Mission nicht ganz mitzlungen."
11 Roman von E. Oppenheim / Copyright by Georg Müller Verlag, München
„Du wirst doch selbst einsehen," sagte sie mit allem Bedacht, „bafe du mich roh behandelt hast."
„Was ich durchaus nicht einsehen kann", protestierte er. „Nur wegen einer einzigen Sache bitte ich dich um Verzeihung — ich meine den gestrigen Abend, als wir hier in diesen Stühlen faßen."
Sie richtete sich stolz auf.
„Und ich," versetzte sie, „wie vermöchte ich meine Demütigung zu ertragen, wenn nicht die Erinnerung an diesen einen Augenblick mich mit meinem Geschick versöhnte?"
Isham hatte sich seine Red« wohl zurechtgelegt, als er aber diesen beiden gegenüberftanb, fehlten ihm die Worte. Er blickte von einem zum andern, mit geballten Fäusten unb geschwollenen Stirnabern.
„Du wirst wohl besser zum Wagen gehen", sagte er zu feiner Frau. .»Ich habe mit Channay noch zu reden."
„Das sehe ich nicht ein", antwortete sie. „Du hast mich zu ihm geschickt, unb jetzt will ich auch bas Ende hören."
„Das will ich dir erleichtern", sagte Channav, indem er eine Briefhülle aus der Tasche zcg. „Deine Frau, Lord Isham, hat eine Nacht in meinem Hanse verbracht, mit mir das gleiche Dach geteilt. Ich befürchte aber, wenn dein Chauffeur nicht ganz diskret ist und bie Einwohner dieses schwatzhaften kleinen Städtchens ihren Charakter nicht verändert haben, daß ein kleiner Skandal entstehen könnte. Vielleicht kannst bu dir jetzt einen leisten, Isham. Du schicktest deine Frau zu mir, indem bu ihrem Einfluß über mich vertrautest. Du hast bich hierbei einer Gefahr ausgesetzt, da dir doch bekannt war, wie wir früher einmal zueinander gestanden haben."
»Unb bie Gefahr, der bu bich ausgesetzt hast?" gab Isham zurück.
„Meinst bu, bafe bu etwa glatt davon kommen wirst? Ich habe ihr vertraut unb scheine babei zum Narren geworben zu sein. Ich werde mich von ihr scheiden lassen. Was aber nun mit bir?"
Channav lächelte.
„Du wirst bich niemals von ihr scheiben lassen", erwiderte er.
„Isham, dein Weg führt bergab, unb weil ich bas so klar erkenne, seh ich babon ab, bich verdienter Weise Hals über Kopf ins Wasser zu schmeißen. O nein, solange dich deine Frau nicht verläßt, wirst bu dich nicht von ihr scheiden lassen, du siehst, bafe sie bie wichtigste Quelle deines Einkommens bedeutet. Diese Papiere habe ich gestern abend noch geschrieben", fügte er hinzu, indem er ihm die Brief- Hülle übergab. „Die fünffeunberttaufenb Mark wirst bu nicht von mir erhalten, ebensowenig werden deine elenden Bundesgenossen etwas von dem Gelb zu sehen bekommen. Aber deiner Frau setze ich eine lebenslängliche Jahresrente von bierzigtausend Mark aus. Willst- bu bich jetzt noch von ihr scheiben lassen?"
Gespannte Stille herrschte, bie zuerst durch Miriams leises Stöhnen unterbrochen wurde.
„Vierzigtausend jährlich", fuhr Channay fort, „ist nicht drei, andererfeits stellen sie eine gewisse Sicherheit bar, da sie euch mit dem Notwendigsten versorgen. Jedenfalls hat Miriam dies nun für den Rest ihres Lebens. Das Dokument muß nur noch gestempelt werden, Isham. Das wäre alles." Entstellt, toilbäugig und bebend schien Lord Isham für einen kurzen Augenblick von einem Gefühl ungezähmter Selbstvernichtung erfüllt. Miriam unb Channay beobachtetn ihn aufmertfam. Die heftige Anwandlung ging aber vorüber, und Lord Isham steckte das Dokument in feine Tasche.
„Ich werde mir das noch ansehen", murmelte er. „Komm jetzt mit, Miriam."
Gilbert Channay mußte wieder lächeln.
„Du wirst dir das ansefeen", wiederholte er, „unb bich darüber freuen. Du nimmst deine Frau ja nur zurück, weil fie vierzigtausend pro Jahr hat. Und jedesmal, wenn sie einen Scheck ausschreibt, wirst bu etwas tiefer rutfchen. Jeden Monat, den du von ihrem Geld lebst, wirst du dich mehr erniedrigt fühlen. Das wäre alles, Isham, was ich dir zu sagen hätte. Einer nach dem andern von euch neun, bie ihr bas verfluchte Dokument unterzeichnet habt, soll ein bißchen von ber Höll« zu schmecken bekommen, in bie ihr mich geschickt. Euren Anteil bemesse ich mit bierzigtausend pro Jahr."
Channay öffnete bas Pförtchen. Isham nahm bett Arm seiner Frau. Sie blieb, regungslos ihre Augen auf Channav geheftet.
„Soll ich gehen?" fragt« sie.
„Bitte", antwortete er.
.Weißt bu, bafe du ein Teufel bist?" schrie sie in plötzlicher Wut. Er zuckte die Achseln. Mittlerweile waren sie durch die Pforte getreten.
„Man hat mich zu schlecht behandelt", gab er zurück. „Uebrigens," fügte er mit dem feinen Lächeln, das sie in den letzten Stunden hassen gelernt hatte, hinzu, „wenn du deinem Gatten die ganze Wahrheit sagst, wird er dir vielleicht glauben." (Fortsetzung folgt.)
ßumor
Entweder — ober. Sie: »Woher wissen Sie, daß Sie vielen Männern gefallen?"
Er: »Weil ich bemerkt habe, daß ich vielen Frauen mißfalle." (»Malin")
Das nützt nicht viel. Botenjunge zum Chef: »Eben hat jemand ihr Auto vor der Tür gestohlen'"
Chef: »Zu« Donnertoetter! Hast du gesehen, wer es war?"
Botenjunge: »Rein! Ich habe den Mann nicht näher gesehen. Aber ich habe mir die Nummer des Wagens gemerkt!" (»Daily Herold").