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Wette 1*1 Beilage

Sonnabend/Sonntag, 27./2R. Dezember 193>

Äeffeler Xeweffe MrkMn

3m Stadtpark tut sich was!

Revue, Revue . . .

Ich glaube fast: Kassel Hai seinen Schlager weg braucht ntdn mehr neidisch aus Stolzenfels am Ityeut und jenes Heidelberg zu sein, auf dessen Fund­büro die verlorenen Herzen sich dutzendweise her- umtreiben In allen Ecken des Saales summte es -Zwei Stunden hier im Siadipark mit dir mein Schatz allein . . - bald werden es die Spatzen von den Dächern pfeifen und die Köchinnen aus den Fenstern und halb Kassel wird mit magischer Gewalt in das Reich der Herren Henkel hineingesaugt. .

Den Auftakt hierzu bilde, die Revue: .Der schwarze Diamant". Wenn wir deren .Idee" übergehen, wird uns selbst ihr geistiger Vater, der temperamentvolle Mar Goldberg nicht zürnen Freuen wir uns lieber über seinen fabelhaften Rhythmus, bei die so wenig großstädtischen Kasse- laner erst erstaunt, dann fasziniert und schließlich mitreißt Goldberg ist sein eigener Regisseur. Kapell­meister. Schriftsteller, Komponist. Innenarchitekt und Kostümdichter. Er wetß den Geschmack des Publi­kums geschickt einzufangen und vielgestaltig widerzu- Wiegeln.

Tempo, Tempo, ein lebendurchpulstes Bild nach dem anderen marschiert an uns vorüber mit nettem Singsang der Revue-Operette. Wirklich nette junge Girls sind eins der Paradestücke, besonders mit ihrem Teepuppentanz, während von den Einzelbil­dern am naturalistischsten der A p a ch e n k e l l e r mit einem unerhörten Brutaltanz war. Frank Stafford hatte einige schmissige Schlager beigesteuert und die von Jansen-Jakobs geschaffenen Tänze verrietest gleichfalls die Meisterhand. Die Träger der Haupt­rollen sind der elegante Prinz von Marokko (Gustel Wilfans, die graziöse Marylana (Kitty Marion) und Alfred Land.

Die Krone aber der Revue sind, wir deuteten es schon an. Die fabelhaften Leistungen Jansen-Jakobs zusammen mit Evelin Drake im Apachentanz und dann als ein unübertreffliches Vagabundenpaar. Die echten Tippelbrüder, hier übertroffen, würden genug Humor haben, um selbst über diese drollige Kumpa­nei am allerherzlichsten mitzulachen wenn sie singen:

Wir sind zwei ruft*« Vagabunden.

die sich im Haserfeld gefunden: Und unsre Wohnung und unsre Wohnung

das ist im Wald 'ne kleine Schonung .."

Heffrnlan--Künstlerspiele

Die Hessenland-Künstlerspiele warten mit einem guten Weihnachts- und Neujahrsprogramm auf. Hans Arnold als Ansager stellt auch diesmal schnell die Verbindung zwischen Bühne und Publikum her und trägt selbst mit seinen ironischen und witzigen Vorträ­gen zur Erhöhung der Stimmung bei. Köstlich eine ParodieDer lustige Witwer".

Großen Erfolg haben die beiden Brunswicks, eine musikalische Schau in Verbindung mit Humor und Gesang, sowie die Tänzerin Mizzi C a r l i, bte unerhörte akrobatische Tanzlustreigen vollbringt. Lo- lott Bernow als Tänzerin und Elle« Letthow als lustige Vierländerin gefallen sehr. Paul und Heinz mimen Studentenulk und Gesang, während Lotti Bräuer dressierte Tauben auf rollenden Ku­geln zeigt. Zum Schluffe Max B ä r w a l d, ein rhei­nischer Komiker, der an das Zwergfell des zahlreichen Publikums starke Anforderungen stellt.

Die Kapelle Stani Stengl ist wie immer vor­trefflich. Nebenan in der Perle herrscht lustiges Le­ben und Lachen,,Grinzing" mit seinen Freuden bei Wein und Tanz.

Christfreude

Wett FahrSunöerten SäN Me katholische Kirche en her Gepflogenheit der nächtlichen Cbristmeite fest. Die GoiieS- bauser können kaum die Zahl der Gläubigen fassen, die in frühester Morgenstunde ihre Weihnacht feier» wolle». Der Cbristmette folgt dan» die Hirtenmesse.

.,$*« Höhepunkt kirchlichen Glanzes aber bildet ein litur- ®,ea^S°Panttr welches am Donnerstag durch die gclun- guie Wiedergabe der Silk eschen Messe in D mit vrchefterbegleltung eine besondere Note erhielt. Di« Leitung deS «irchenchores St. Samilia hat feit Jahrzehnten Joses Hornung, der gregorianische und liturgische Mustk mit besonders feinem Verständnis pflegt. Die Darbietung des interessanten Werkes gelang vorzüglich. Die Partitur weift leine, besondere» Klippe» auf. könnte aber durch die Gleichförmigkeit einiger Sätze auf die Dauer ermüden. Josef Hornung umsegelte diese Schwäche geschickt durch be- wndere Präzision im Rhythmus, durch prägnante Aus- jvrache und klares Hervortreten melodischer Einheiten. Vielleicht hätte der Sopran, der für diese künstlerische Aus­gaben Zuwachs dringend nölig bat, stellenweise etwas fri- Mer üngen können. Hervorragend gelang das Offertorium Tm sunt coeli, welches Hornung geradezu meisterhast tntcr- vrenerte.

Das Orchester (Mitglieder der Kapelle Kneifen Mette ganz tm kirchlichen Sinne, mutz aber, der Akustik des Raumer entsprechend, bei den Ehorsätzen viel mehr zurück- trete». A» der Orgel faß Karl Bettinger, der mir am beste» m feinen freie» Improvisationen gefiel.

D« zweite Feiertag brachte Teile aus der C-Messe «« «nton Bruckner. Im Gegensatz zu Mike ban- Selt eS sich hier um etn homophones Werk im streng kirch- stchen Sinne. Der Chorleiter batte Geschmack genug, nur die gläubig-fromme Auffassung Bruckners erklingen zu lassen, ohne Lichter und Dirigentenkünsteleien. Er tat mit daran. w. A.

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In der Hof- und Garnisonkirche hatten sich zur «h.rist rnette viele Hunderte vereint. Konzertsän- oerin Elisabeth Pennrich, feinfühlig begleitet von Organist Reinhold M i e b S, sang einige Lieder. Dann hielt der Konsistorialrat Dr. Trepte die Fest­ansprache. Rach dem gespendeten Segen meisterte Reinhold Miebs zum Ausklang die Pastorale über »EL ist ei» Ros entsprungen" von Wettstein.

Zur mitternächtlichen Stunde des heiligen Abends leuchtete der Lichterbaum am Oberstadtbahnhos im Wartesaal 3. Klasse zu einer schlichten und doch ein­drucksvollen Weihnachtsfeier auf, die die Evangeli­sche Bahnhofsmission für die Durchreisenden veran­staltete. Viele Hutten sich eingefunden, aber auch viele von denen, denen ein Obdach fehlt und die Not aus den Augen schaut. Ihnen allen brachte nach den jubelnden Posaunenklängen des Christlichen Ver­eins Junger Männer Iugendsekretär Völker mit der Verlesung des Evangeliums die frohe Botschaft von der Geburt des Retters. Alsdann leitete Generalse­kretär Mißner zu der packenden Ansprache über.

Wieviel Menschen in Krankheit und Rot sollten eine Weihnachtsfreude im Karlshospital haben Die Weihnachtsfeier wurde eingeleitet durch eine par­kende Ansprache des evangelischen Anstaltsgeistlichen, Herrn Pfarrer Koch. Ein altes Wethnachtskrippen- fpiel von Kranken des Hospitals gespielt, war der Höhepunkt der Feier. Biele alte Weihnachtslieder, die vorn Ehor des Hospitals gesungen wurden, ga­ben der Feier ein besonderes Gepräge. Nach der Feierstunde war die Bescherung aus den einzelnen Stationen.

Während der Festtage hatten sich viele Vereine in den Dienst des Hospitals gestellt. Die Kapelle Willy Scheidemann spielte Weihnachtsmufik. Außerdem er­freute der Chor der Vereinigten Guttemplerlogen mit seinen Wechnachtsliedern sowie eine Gruppe stel­lungsloser Berufsmusiker die Armen und Kranken. Am zweiten Weihnachtstag hielt der Chor der Un- terneustädter Kirchengemeinde den evangelischen Weihnachtsgottesdienst im Hospital ab. Der Arbei­ter-Gesangverein Nord-Ost trug durch die Wieder­gabe guter Tonwerke zur Erhöhung der Feststimmung bei. Am Abend des gleichen Tages spielte der Arbeiter-Mandolinenklub 1928 volkstümliche Weisen.

Es ist eine schöne Tradition des Christlichen Vereines Junger Männer, daß er getreu seiner sozialen Arbeit sich am Heiligen Abend der heima.losen jungen Männer annimmt Generalsekre­tär Mißner entbot ein Willkommen und wünschte, daß trotz allem Weh in den Herzen ein Stück Weih- nachtssreude aufleuchten möchte. Iugendsekretär Völ­ker gab mit der Verlesung des Weihnachtsevange­liums Kunde vom großen Geschehen zu Dechlehem.

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Im dichtbesetzten Saal des DiakonissenheimS ht der Unteren Königsstraße veranstaltete der Mütter­verein der alten lutherischen Kirche eine schlichte

Weihnachtsfeier. Die Konfirmanden von Pfarrer Zeidler trugen Weissagungen und Gedichte vor. Recht wirkungsvoll war ein Sprechchor, der den 24. Psalm zu Gehör brachte Pfarrer Zeidler sprach über die Not unserer Zeit, aber auch über die Hilfe, die Gott uns zuteil werden läßt

Im Marienheim vereinigten sich zahlreiche Mitglieder der landesftrchl. GemeinschaftPhiladel­phia". Nach dem ChorliedFröhlich soll mein Herze springen" ergriff Prediger Hagmann das Wort zu einer packenden Begrüßungsansprache. Im Mittelpunkt der Feier stand ein Deklamatorium: Weihnachtsboten". Das Gespräch wurde von ge­meinsamen Gesängen und Darbietungen des Mäd­chenchores umrahmt. Die FrageWie feiern wir rechte Weihnachten?" wurde von Landesobersekretär Kimpel anhand einiger Beispiele beantwortet. Von Den Chorvorträgen. die von Pred. Hagmann gelei­tet wurden, gefiel besonders eine Weihnachtsmotette Es waren Hirten auf dem Felde".

Auch inTante Kleppers" Kindergarten bet Un- terneuftabt zog große Weihnachtsfreude ein. Nach betn Einzug ber Kinder sprach 'Tante Klepper mit ihnen über ben Weihnachtsbaum und die Weih- nachtsgeschichte. Pfarrer Reiß erzählt« vom Licht, das in die Augen und Herzen leuchtet, alle Angst vertreibt und Freude bringt. Der Schneemann kam und brachte viele kleine Schneeflöckchen mit und Sandmännchen und die Englein gingen umher. Endlich erschien der Weihnachtsmann und brachte für jede« etwas mit

Trotz ber großen Notlage, in bet sich bie älteren Angestellten der Notgemeinschaft befinden, wurde eine schlichte und doch wirkungsvolle Weihnachts­feier begangen. Unter dem strahlenden Tannenbaum vergaß man mit seinen Angehörigen auf einige Stunden bei Kaffee und Kuchen die sorgenden Ge­danken. Umrahmt war die Feiet von Musik-, Ge­sang- und Kindervorträgen. Der Vorsitzende Deut- fcher sprach herzlichen Dank den hiesigen Geschäfts­leuten, der Industrie und Privaten für ihre liebens­würdigen Spenden aller Art aus. Hoffentlich werde bald Arbeit und Brot geschaffen. Nicht verzweifeln, die Weihnachtsbotschaft:Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", müsse nun endlich wahr werden. Großer Jubel und Freunde wat bei Jung und Alt. als ber Weihnachtsmann erschien und alle reichlich bescherte.*

Die Weihnachtsfeier beS OstbunveS Kassel kann erst Dienstag in den Bürgersälen fialtfinden. Dabei ist die Nachmittagsfeier .hauptsächlich für die Kinder, bie Abenbfeier für alle gedacht.

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Kasseler Al lerlei

Der Einbrecher als Sprinter. In der Nacht zum 25. <i«ien 543 Uhr wurde der Schaulasten des Trikota- ge häfts von Isidor M. in der Frankfurterftraße von einer männlichen Person aufgebrochen. In diesem Augenblick nahte von bet Stabt her eine Einzelstreife ber Schutzpolizei, vor der sich der Täter noch rechtzei­tig in Sicherheit bringen konnte, indem er durch die Wittichstratze nach der Aue flüchtete. Obwohl der Po­lizeibeamte sofort hinterhersetzte, entkam der Tätet, da er einen zu großen Vorsprung hatte und bald in der Aue verschwunden wat.

Diesmal wat es nichts. In bet Nacht zum 25. wurde ein Fenster an der Buntpapierfabrik von B. in der Sandershäuserstratze aufgebrochen. Am Tawrt wurden Einbrecherwerkzeuge gefunden. Da nichts ge­stohlen wurde, scheinen die Täter gestört worden zu sein, sodaß sie unter Zurücklassung ihres Werkzeuges flüchten mußten.

Achtet auf die Schornsteine! In her Bettenhäuser- straße brach im Hause des Schmiedemeisters M. in- folge eines schadhaften Schornsteins ein Balkenbrand aus. Die Feuerwehr hatte 1 Stunde Arbeit, bis die Gefahr beseitigt wat.

Die Kasseler Gesellschaft für vartzellende Kunst konnte einen (wenn auch infolge der erhebliche« Un­kosten) bescheidenen Reinertrag ihrer Mündenet Ro- vemberauffühtung der Sudermannschen.Heimat" be­stimmungsgemäß für Wobltätigkeilszwecke zur Ver- sügung stellen und übermittelte ihn dem Mündenet Siechenhaus, wo er noch zu Weihnachtszwecken mit verwandt werden konnte.

Filmnachmittag für jugendliche Erwerbslose! Am Montag von 1618 Uhr wird imSaal ber Ju- genb" Wolfsschlucht 23. für jugendliche Erwerbslose ein Sportfilm gezeigt Der Eintritt ist frei Als Ausweis gilt bie Stempelkarte!

Herr Lohagen spielt lieber feine eigene Flöte. Bei ber Abenbvorsübrung bes FilmsDas Flö­tenkonzert von SanSfouci" im Ufatheater tarn es am ersten Feiertage zu kommunistifchen Stö­rungsversuchen burch ben Stadtverordneten Lohagen und einen kommunistischen Parteifreund. Die Störer verließen jedoch auf Ersuchen der Theaterleitung nach Feststellung ihrer Personalien durch die Polizei oas Theater, sodaß bk Vorstellung ohne weitere Unter­brechung zu Enbe geführt werben konnte.

Auszeichnung des MännergesangvereinsFroh­sinn". Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau empfing die Vorstandsmi'glieder des Männergesang­vereinsFrohsinn" Musikdirektor Zschiegener, Rasf- 'eur und Bohnstedt und überreichte ihnen für die Mitwirkung bei der Verfassungsfeier eine vom Reichsmintster des Innern unterzeichnete Ehren­urkunde der Reichsregierung.

KriegsbeschSdigtentagung in Kassel. Der Bun­desvorstand des Reichsbundes der Kriegsbeschädig­ten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbltebenen hat zum 24 und 25. Januar eine Reichskonferenz nach Kassel einberufen. Den Vertreter« ber etwa eine halbe Million zählenden Bundesmitglieder soll Gelegenheit gegeben werden, zur allgemeinen sozial­politischen Lage und zum Reichshaushalt Stellung z« nehmen.

Ufa-Theater:Vorn eroiae» Rom zu Siziliens LavastrS- men", ein Lultur-Grotzfilm vom Institut für Kul- tnrforfchuua. Berlin. 1L30 Uhr:DaS SIStenkonzert von SanSfona".

Palasi-Tdeater: Bienenstein-Enfemble mit neuem Pro­gramm in ihrer AbschicdS-BurleSkeHerkulesvillen, Auf den Spuren der Azteken".

Capital-Lichtlviele: ..DaS Land des Lächelns".

Chassalla-LicktIviele: ,T>er fliegende Pfetl",DaS tmld« Blut".

U»foers« m-Lichtf»iele: ..Der Suh", dazu ha» gute Beipro- gramm.

Apollo-Theater:Die Arche Noah".Die Nacht »ach beut Verrat".

«etrovol-THeater:Das Recht des Stärkeren",Bräu- tigam auf Kredit".

Lchaudurg-Lichtfpiele:Die Leibeigenen".Der Combo».

König von Chicago".Die Jacht der fleben Sünde»".

Parkrestaurant Larloaue: Kattce-Sonzett. Tanzabend.

Onkel Hermanns hefte Stabe: Die schönste Tanzdiele.

Hessenland-Perle: Kabarett Tanz, 16 und 20 Uhr.

Heute, Sonnabend:

Staatstdeater: ..Das Land deS Lächelns". Operette von Ludwig Herber und Fritz Löhner. 19.30 Uhr.

Kleines Theater: ,Lft das nickt nett von Colette". 20 Uhr. Stadtpark: Die Berliner SuSstattnngS-Kttminal-Revue, Der schwarze Diamant".

Ufa-Tbeater:Das Flötenkonzert von Sanssouci".

Palast-Theater: Bienenftein-Enfemble mit neuem Pro» aramm in ihrer Sbschieds-Burleske .^erkulesvilleu", Aus den Spure» der Azteken".

Capitol-Lichtspiele:Der fliegende Pfeil".DaS wilde Blut".

Unioerinm-Lichispiele:Der Kuß", dazu das gute Beipro­gramm.

(Wiederholt, weil nur in einem Teil der vorher­gehende« Ausgabe erschiene«.

Wechsel im Kasseler

Wir gratulieren

Heute begeht der städt. Auffeher Karl Würzburg sei« 25jähriges Jubiläum im Dienste ber Stabt Kas­sel. In Anerkennung feiner treuen Dienste wurde dem Jubilar ein Dankschreiben des Magistrats über­reicht. *

Am 29. Dezember feiert der in der Liebigstraße 45 wohnende Stallmeister, Christoph Szluzas feinen 60. Geburtstag; gleichzeitig feiert er im Landes- krankenhaus sein 40iähriges Jubiläum. Er ist feit 20 Jahren treuer Leser berKasseler Neuesten Nach­richten".

Wohin gehe« wir am Sonntag?

Staatstheater:Der böfe Peter", Märchenfpiel von SB. Hil­genberg und H. Steinkovf, 14.30 Uhr:Tannhäuser". Over von R. Wagner, 19 Uhr.

Kleines Theater:3ft das nickt nett von Colette". 20 Uhr.

Stadtpark: Die Berliner Ausstattungs-Kriminal-Revue Der schwarze Diamant".

polizeikommando

Wie Vas Regierungsprästdlum mitteilt, ist der Kommandeur der Kasseler Schutzpolizei Oberstleut­nant Schutz «ach Berlin versetzt worden. An feine Stelle tritt Oberstleutnant Agath von der Berliner Schutzpolizei.

Sterrer-Kalender

Bom Stadt. Presseamt wird mttgeteilt:

An Staats- und Gemeindeabgaben find im Monat Januar 1931 zu zahlen:

1. bis zum 9.: Die Efsigsieuer für 16.81. Dezember 1930

2. bis zum 10.: Die Geträtikesteuer für die Getränke, für die im Monat Dezember 1930 eine Steuerschuld entstanden ist.

8. bis »um 15.: L) Die Staatssteuer vom Grundvermö, gen, 2.1 Der Gemeindezuscklag hierzu. 8.) Die Staatshaus» zinsfteuer. 4.) Die Sanalbeuubungs- und MullabfuHrge- bühren, 5.) Die Beiträge zu de» Koste» 6er Stratzenrei- nigung,

4. bis znm 24.: 1? Die Effigftener für L15. Ja». 1981.

2.) Die 1. Bürgerftenerrate.

5. bis ium 25.: Die Bier steuer für ben Monat Dezem­ber 1930.

tlnfere Heimat

Münden und öie LerzogErich.Droie"

Eine Stiftung des Herzogs Erich und seiner Ge­mahlin der Herzogin Elisabeth, «ach der sich auch das Mündener Siechenhaus nennt (Herzogin Elisabeth- Stist), trägt seit Jahrhunderten dafür Sorge, daß zu Weihnachten und Neujahr an arme Kinder die in Er­innerung an den Stifter Herzog Erichbrote genann­ten 2-Pfundbrote ausgegeben werden. Nach dem heu­tigen Wert der in Betracht kommenden 79 Mark be­deutet das etwa 250 solcher Brote, einst war es natür­lich wett mehr. Rach der Stiftung hatte das Amt Münden alle Jahre 3 Malter Roggen zu liefern, da­zu für Back- und Mahllohn 2 Taler 3 Groschen und 1 Pfennig zu zahlen. Die Brote wurden erst de« Kinder« der Lateinschule, später ber Freischule und zuletzt der Volksschule geliefert. Aktenmäßig ist fest­stellbar, daß die Hannoversche Finanzdirektion im Jahre 1875 die Naturalleistung ablöste und seither das Landratsamt als Rechtsnachfolgerin jährlich 79 Mark zu zahlen hatte. Dafür ließen sich damals 600 Brote backen, aus denen die Zett schon 1909 330 ge­macht hatte, die in der Inflationszeit auf 17 (1922) und schließlich zu gar nichts zusammenschmolzen. Da­mals sprang der Magistrat ein und bewilligte 6 Brote, um den Brauch zu retten. Seitdem zahlte die Stadt jährlich 79 Mark zur Beschaffung von Broten, aber außerdem hat man sich an den Staat gewandt, um von dieserzuständigen Stelle" erneut die Zahlung zu erlange«. Die Angelegenheit ist bis heute noch nicht entschieden, weil trotz mehrfacher Mahnungen beim Bezirksausschuß bezw. der Regierung ein end­gültiger Entscheid nicht erfolgte mit der Begründung, daß eine gesetzliche Regelung solcher Fälle geplant werde. Da es sich um eine ursprüngliche Raturalliefe­rung handelt, hofft man auf günstige Erledigung im Sinne der Ueberlieserung.

Dersarnmlungsverbot tu Marburg

Um alle unnötigen Erschütterungen des Sffentli* chen Lebens zu vermeiden, hat sich die Polizeibehörde in Marburg veranlaßt gesehen,, auf Grund der gel- lenden gesetzlichen Bestimmungen alle Versammlun­gen und Kundgebungen unter freiem Himmel vom 24. Dezeucher 1930 bis 2. Januar 1931 zu verbieten.

Ich bin -er Doktor Eisenbart...

Ei« Wunderdoktor entlarvt.

Ein gefährlicher Wohltäter der Menschheit wurde in Wichmannshausen von dem Oberlandjäger Mom­berg aus Hoheneiche enttartrt. Der Fremde übte im Umherziehen die Heilkunde aus, legte sich den Dottot- tttel zu. verordnete Arzneien. die zum Tell recht teuer waren. Der Mann wußte auf bie raffinierteste Weise sich bas Zutrauen der Bevölkerung zu er» werben. Er ging von Haus zu Haus unb fragte in jebem Hause nach bem Befinden ber Bewohner des Nachbarhauses. Wenn er dabei erfahren hatte, daß jemanb an einer Krankheit litt, erfunbicte er sich ein­gehend über bett Krankheitsverlauf und begab sich dann in das betreffende Haus, wo er dem Kranken dank seiner hervorragenden Kennttnsse auf medi­zinischem Geibiet" seine Beschwerden auf ben Kopf zu­sagte. Dadurch erweckte t oe> ben Kranken Vertraue« zu seinen Fähigkeiten. Wenn auch bie Medizin sehr teuer war und in moncyen Fällen bis zu 50 RMk. kostete, woraus ei« Vorschuß gezahlt werben «nutzte,

ließen sich die Hilfesuchenden doch durch ben hohe« Preis nicht abschrecken in ber Hoffnung, daß sie Hei­lung finben würben. Oberlandjäger Momberg, der von dem Auftreten des Mannes Kenntnis erhalle« hatte, stellt« Ermittelungen an und klärte bte Praxis besWunderdoktors" auf. Der Heilkundige wurde als ein Kaufmann H. aus Creuzburg a. d. W. ent­larvt. Er wird sich nun vor Gericht zu verantworten haben.

Auch -er zweite Eschweger Räuber verhaftet

In Wien gefaßt.

Wie seinerzeit berichtet, verübten am 13. d. M. der 38 Jahre alte Kaufmann Gotthold Schmidt und fein 21 jähriger Sohn August aus Eschwege auf den Chauffeur einer Mühlhäuser Firma einen schweren Raubüberfall. Sie schlugen de« Chauffeur Golex, der sie auf ihre Bitte in feinem' Auto mitgenommen hatte, am Katharinenberg nieder, raubten 3200 Mk. unb flüchteten. Der Chauffeur war nur dadurch, daß er sich tot stellte, mit dem Leben davongekommen.

Der junge Schmidt wurde bereits am-Tage nach der Tat bei Bekannten in Kaiserslautern, wo er sich verborgen hatte, verhaftet, während sich Gotchold Schmidt den Nachforschungen ber Polizei längere Zeit entziehen konnte. Nun hat ihn sein Schicksal er­eilt. Es war ber Verdacht aufgetaucht, daß sich der Verbrecher nach Wien gewandt habe. Einem Kasseler Kriminalbeamten gelang es mit Hilfe ber bärtigen Kriminalpolizei, ben Gotthold Schmidt in Wien fest- zunehmen. Schmidt verfügte nur noch über einen Geldbetrag von 50 Mark. Er wurde bem Lanbgericht in Wien zugeführt.

Ovetttrufungeu. Weihnachtsfeier. Die Sonntags­schule veranstaltete am Sonniag ihre Weihnachts­feier in ber Winierkirche. Rach Vorträgen, Gesangs­vorführungen unb einem Weihnachtseinatter ergriff Herr Superintenban, Grimmen bas Wort über den Sinn des Weihnachtsfestes. Am meisten strahlten je- doch die jungen Augenpaare bei der zum Schluß stattfindenden Bescherung.

Rengershausen. Bei der Arbeit gestört. Ein» Einbrecherbande versuchte m den letzten Rächten ttr verschiedene Geschäfte einztebrechen. In 4 Füllen wurde bas lichtscheue Gesindel bei ihrer unsauberen Arbeit von den Inhabern ber betreffenden Geschäfte gestört und verschwanden leider unerkannt. In einer Bäckerei ließen sie ein schweres Brecheisen zurück. Hoffentlich gelingt es, die Diebesgeselle« ausfindig zu machen.

Dittershausen. Glocken deS Friedens. Ein Sohn unserer Gemeinde Herr Ehl in Berkim hat seiner Hei­matgemeinde eine Glocke gestiftet. Die Weihe nahm Pfarrer Becker vor, Gesangverein und Posaunen­chor wirtten dabei mit. Lehrer Mengers gedach.e des edlen Stifters in beredten Worten. Die Glocke trägt die InschriftGott in der Höhe allein die Ehre". Die Glocke wurde in der Glockengießerei von Gebrü­der Ullrich in Apolda gegossen. Möge die Glocke bet Gemeinde nur Eintracht und Frieden verkünden!

Wickenrode. Tödlicher Sturz. Durch einen Fehl­tritt stürzte am Heiligen Abend der 65jährige Schmiedemeister Engelhardt Grosch so unglücklich die vor seinem Wohnhaus befindliche Steintreppe hinab, daß er mit einem schweren Schädelbruch durch die Kasseler Arbeitersamariterkolonne in das Ma- rienkrankenhaus eingeliefert werden mutzte. Hier ist er kurz nach feiner Einlieferung gestorben.