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Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 17. Dezember ISN

Löwener Haß-Znschrifi verboten!

Mailand, 17. Dezember.

Beweis für die Rückkehr zur Vernunft und die Ab­kehr von der aus belgischer Seite bisher noch so star­ken Psychose des Weltkrieges.

534000 Arbeitslose in Italien

Landwirtschaft und Bauindustrie besonders betroffen

Im Laufe der letzten hundert Jahre find etwa sechs Millionen Menschen aus Deutschland nach den Ver­einigten Staaten ausgewandert. Trotz immer stärkerer Drosselung der gesamten Einwanderung durch die Washingtoner Regierung nahm die Union auch noch .nach deckt großen Kriege die überwältigende Mehrheit deutscher Auswanderer auf. Zm Jahre 1929 gingen von 48 734 deutschen Auswanderern 38 734 nach den Vereinigten Staaten, die übrigen bis auf einen Rest von einigen hundert, die in Europa blieben, nach an«' dern überseeischen Ländern. Kanada nahm 4625, Ar­gentinien 2799 auf. Run scheint sich das Ventil der Auswanderung für alle europäischen Länder vollkom­men schließen zu sollen. Das Einwanderungskomitee des Repräsentantenhauses der Union wurde vom Weißen Hause davon in Kenntnis gesetzt, daß die Aus­gabe von Visas für europäische Auswanderer durch die amerikanischen Konsuln so beschränkt werden solle, daß während des am 30. Juni 1931 endenden Rech­nungsjahres schätzungsweise 135 000 Fremde, die un-

Der Minister legte in einer Ansprache un die Be­hörden ausgehend von der unerträis-llchen Trennung Ostpreußens vom Mutieclande durch den Korridor, ausführlich die Ziele der deutschen Außentolitik bat. Er versicherte, daß er zur Milderung der Not O Preußens die er zuerst als Reichswirtschaftsminister im August 1928 i-n der Provinz selbst kennen gelerntz habe, auch als Minister des Auswärtigen nach ton beitragen tverde.

Die Rückreise nach Berlin erfolgte Dienstag abend.

ter normalen Verhältnissen unter dem Quotengesetz hätten einwandern können, daran verhindert werden würden.

Kommt das schon einer völligen Unterbindung der Einwanderung fast gleich, so scheint eine Mehrheit in beiden Häusern des Kongreßes sogar auf eine herme­tische Abschließung der Häfen und Grenzen gegen jeg­liche fremde Menschenzufuhr zu drängen. Darüber hinaus sollen die gesetzlichen Deportationsmöglichkei­ten für Fremde erweitert werden, die sich durch Ver­stöße gegen die amerikanischen Gesetze oder auch nur als Radikale", worunter nicht nur Revolutionäre, sondern auch oft harmlose Reformer verstanden wer­den, unliebsam bemerkbar gemacht haben. In Ka­nada, das seine Tore für die Einwanderung ebenfalls bereits so gut wie abgeriegelt hat, ist die Provinz Alberta dazu übergegangen, sämtlicheFremden", die arbeitslos wurden, soweit sie unverheiratet find, in die Heimatländer abzuschieben. Inzwischen hat Bra- filien eine weitere Verschärfung seiner Einwande­rungsbeschränkungen angekündigt. Die andern latein­amerikanischen Länder werden zweifellos diesem Bei­spiel folgen. Australien hat soeben 140 Italienern, die auf Grund der bestehenden Gesetzgebung Zulaß zu finden hofften, nach der langen und kostspieligen Seereise die Landung verweigert. So schließen sich nicht nur überall die Tore, durch die Europamüde bisher den Weg zu wirklichen oder vermeintlichen überseeischen Fleischtöpfen zu finden hoffen konnten, sondern den überfüllten europäischen Arbeitsmärkten droht außerdem eine wachsende Rückwanderung abge, schobener Einwanderer.

Die Drosselung der überseeischen Einwanderung, erst recht die einsetzende Rückwanderung, muß natur­gemäß in europäischen Ländern zwangsläufig eine wachsende Abneigung gegen die Beschäftigung von Ausländern auf dem eigenen Arbeitsmarkte mit sich bringen. Selbst Frankreich, das in der Nachkriegszeit gegen eineinhalb Millionen fremde Arbeiter aufneh­men und beschäftigen konnte, dürfte nunmehr zu dem System geschlossener Arbeitsmärkte übergehen, nach­dem die Aufgaben des Wiederaufbaus der zerstörten Gebiete, der Auswertung neuer industrieller Entfal­tungsmöglichkeiten, die der Sieg mit sich brachte, der Entfaltung eines neuen kolonialimperialistischen Elans zur Verwirklichung des Traums von einemGrößeren Frankreich" einigermaßen gelöst find, und im übrigen die Schonzeit verstrichen zu sein scheint, die die Welt­wirtschaftskrise der franzöfischen Wohlstandsinsel ge­währte. So scheint ein allgemeines Zurückfluten der Zerstreuten aller Rationen in ihre Stammländer be­gonnen zu haben, um dort den sowieso schon übermäßi­gen Bevölkerungsdruck ins Unerträgliche zu steigern und die Reibungsmöglichkeiten mit den Nachbarn außerordentlich zu vermehren.

Noch hat sich der weltwirtschastliche Horizont nir­gends erhellt, aber selbst im Falle einer baldigen

Die ArbeitA-ostakeit Hat Ende November die Höhe ton 534 r000 erreicht von denen 142 OCO Arbeitslosen­unterstützung beziehen. 401000 Arbeitslose sind Män­ner, 133000 Frauen. Am stänisten betroffen sind die Lombard-et uns Benezicn mit je 92 000 Arbeitslosen. Es folgen IvMien mit 46000 und Piemont mit 45500 Unter den Berufen stehen die laiMvirtschaftlichen Arbeiter mit 150 (TO an erster Stelle, es folgt dre Bauinduftrie mit 141000. Bei beiden Berufen han­delt es sich um eine Saifonerscheinung. Die Ziffern (Worein die tatsächlichen Verhältnisse auf dem ita­lienischen Arbeitsmarkt insofern wieher, als eine Zu­nahme von 88000 Arbeitslosen in einem Monat für Julien ungewöhnlich ist.

Weit verbreitet ist jetzt aber auch die Kurzarbeit, die bis aus drei Tage in der Woche heruntergeht. Hier kommen besonders die Baumwollindustrie, die in ihren guten Zeiten mit Tag» und Nachtschichten arboitete, und die mechanische Industrie in Be­tracht Die I-sot a Fraschini konnte vor einigen Ta­gen darauf Hinweisen, daß sie im Gegensatz zu den übrigen Fabriken ihrer Branche ihre Arbeiter an sechs Tagen in der Woche beschäftigt.

Hohenlohes Memoiren. Wie wir hören, wird tm Frühjahr 1931 der längst erwartete 3. Band bet Denkwürdigkeiten des Reichskanzlers Fürst Chlodwig zu Hohenlc'be-Schillingssürst, die ein menschlich wie politisch gleich interessantes Gegenstück zu den- low-DenVrürd igkeiten bilden, herausgegeben von Universitäts-Professor Dr. Karl Alerander von Müller im Verlage der Deutschen Verlags-Anstalt in Stutt­gart erscheinen. Dieser 3- Band, der wichtigste der Denkwürdigkeiten, umfaßt die ReichAanzlerzeit.

Das Urteil im -Kleinen Bombenlegerprozetz". Das Mtonaer Schwurgericht hat heute im sog. Meinen Bomvenlogerprozeß folgendes Urteil gefällt: Dr. Hellmann wird zu fünf Jahren und einem Monat

Remarqve-Simm im Landtag

Die ttnsachlichkeit regiert / Milliarden durch Kapitalflucht verloren

Mauern zwischen -en Völkern

Ende der Auswanderung? / Do« Otto Eorbach

Brüssel. 17. Dezember.

Eine unliebsame politische Affäre hat jetzt endlich durch den Spruch des Brüsseler Appellaaonsgerich- tes ihren Abschluß gesunden: Die von dem amerika­nischen Architekten Warten geplante Haßinschrist an dem Bibliocheksbau der Löwener Universität wird an dieser Stelle nicht angebracht werden. Die Idee dieser Inschrift ging bekanntlich nicht von dem Rek­tor bei Universität Löwen aus, der sich von vorn­herein gegen diese Inschrift gewehrt hatte,, sondern war eine Privatidee des Architekten Warren und sei­ner chauvinistischen Anhängerschaft unter den belgi­schen Studenten.

Als die Universität Löwen sich gegen die In­schrift, die mit den WortenFuroro teutonico biruta. ." beginnen sollte, wehrte, scheute sich Warren nicht, auf Anbringung der Inschrift vor den belgischen Gerich-, ten zu klagen, weil seiner Ansicht nach durch die Nichtanbringung der Inschrift sein künstlerischer Bauplan verändert würde und man so sein Urheber­recht verletze. Die erste Instanz hatte Warren recht gegeben, das Appellationsgericht hat jetzt gemäß der Ansicht des belgischen Innenministeriums gegen die Inschrift und gegen Warren entschieden. In Deutsch­land kann man sich über dieses Urteil, das die Haßinschrist verhindert, nur freuen. Es zeigt, daß nach einer beinahe 10jährigen Periode des Deutschen­hasses die Vernunft und ein Gefühl für Fairneß in Belgien wieder einzuziehen scheinen. Die Einrich­tung der flämischen Universität In Gens, die endlich einsetzende Pflege deutscher Kriegergräber und jetzt das Urteil gegen die Löwener Haßinschrist sind ein

Sparmaßnahmen im Volksschulwesen?

Berlin, 17. Dezember. Im Unterrichtsansschuß des Preußischen Landtages gab zu dem Antrag der Kommunisten, wonach die Besetzung der Klassen sämtlicher Schulgattungen bet den Grundschulklassen die Zahl von 30 Schülern, bei den Mittel- und Ober­klassen die Zahl von 24 Schülern nicht solle über­schreiten dürfen, der Vertreter des Staatsministe­riums die Erklärung ab, zwischen dem Kultusmini­sterium und dem Finanzministerium werde die 8rage erwogen, ob auf dem Gebiet der Volksschule parmaßnahmen noch möglich seien. Eine Hinauf­setzung der Durchschnittsziffer der Schüler, die auf einen Lehrer kommen auf 40. hätte, wie das Teil­ergebnis für den Regierungsbezirk Münster beweise, überhaupt keine Einsparung einer Lehrerstelle zur Folge, da die Durchschnittszifser schon größer sei. Es sei also sehr fraglich, ob überhaupt Stellen ^eingespart werden können. Dieser kommunistische Antrag wurde abgelehnt.'

junkturwelle der Kriegsliteratur. Ebenso wie es für manche ein Geschäft des Krieges gab, scheine es auch ein Geschäft des Pazifismus zu geben. Man betone in Oesterreich oft das Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem deutschen Volke. Nun sei endlich einmal die Ge­legenheit gegeben, dies praktisch auch nach außen hin zu bestätigen.

Bürgermeister Seitz (Eoz.) verwahrte sich dagegen, daß man Erwachsene wie Kinder behandeln wolle, um ihnen durch ein Verbot die Möglichkeit zu nehmen, sich selbst ein Urteil zu bilden. Wenn in Deutschland eine Möglichkeit des Filmverbotes bestehe, so möge man dort gesetzmäßig nach eigenem Ermessen vorgehen; in Oesterreich müsse die Zensurfreibeit unangetastet bleiben. Wien und Oesterreich würden ruhig blei­ben, ob der Remarque-Film aufgeführt würde oder nicht.

Berlin, 17. Dezember.

Auf der Grundlage des beutf(^nationalen Miß- 'trauensanirages gegen Ministerpräsisent Braun und Innenminister Severing führte 6er Preußische Land­tag am Dienstag eine Debatte über den FilmIm Westen nicht Neues- durch, bei der es zu großen Lärmszenen kam. Um etwaigen Kundgebungen vor­zubeugen, waren das Landtagsgebäude und die Zu­gangsstraßen mit Polizeischutz versehen.

Die Debatte eröffnete der Deutschnationale Schwecht, 6er unter Hinweis auf die leere Regie-- rungsbank dagegen protestierte, daß Vie Minister nicht einmal anwesend seien. Es ergab sich aber, daß Se­vering auf seinem Abgeordnetenplatz den Verhanv- tungen folgte.

Die Sturinszenen setzten ein, als der deutschnatio- tionale Sprecher die Straßendemostrationen wegen des Filmes als em erfreuliches Zeichen nationalen Widerstandes begrüßte. Er warf Remarque vor, daß. er stch von dem Erlös seines Buches einen Freiherrntitel gekauft und daß er unbereckstigt das Eiserne Kreuz 1. Klasse angelegt habe.

Im übrigen mattste er sich unter lärmender Zu­stimmung seiner Freunde und entsprechenden Gea-n- kundgebungen gegen einige Stellen der amerikantschen Fassung des Filmes, wo z. B. der Soldat Kasziniki sagt:Schmutzig und widerwärtig ist es, für sein Va- terlanb zu sterben!" Als er meinte, Reichsbannergeist und Stahlhelmgeist prallten bei Viesem Film aufein­ander, zischte uns lachte die Linke.

Der Sozialdemokrat Kuttner betonte, er fei vom Bund ber Kriegsteilnehmer unb Kriegsbeschädigten autorisiert, dagegen zu protestieren, baß ein Heim- Irteger wie Goebbels sich als maßgebend für den Frontgeist aufspiele. Der beutschnationale Abg. Bäk- ter hätte stch lieber nicht als Richter in 6er Oberfilm­prüfstelle betätigen sollen, weil auch er während ber Kriegsjahre in 6er Heimat war. Die Hetze gegen den Remarque-Film sei nur der Kamps Hugenvergs gegen eine Konkurrenz.

Als der Kommunist Kasper ausführte, der Pro­test gegen den Film entspringe nur ber Wutber Heimkrieger uns Etappenschweine*, verließen bie Deutschnätionalen den Saal; bie Kommunisten riefen: Die Etappe reißt aus!" Für die Staatspartei be­dauerte ber Abg. Nuschle, daß bie Reichsregierung vor dem Terror der Straße zurückgewichen sei.

Ihre Zustimmung zu dem Verbot äußerten noch die Abgg. Schröder-Krefeld (DVp.), Hestermann (Wp.) unb Keller lDt. Fr.). Abgestimmt wird über den Mißtrauensantrag erst am Freitag.

Finanzminister Dr. Höpcker-Aschoff brachte bann noch ben Haushaltsplan für 1931 mit einer längeren Rebe ein, in ber er ben zahlenmäßigen Nachweis für bie Auffassung zu erbringen suchte, daß Infolge ber Rablkallsierung bet ber letzten Reichs­tagswahl bie deutsche Wirtschaft schwer geschädigt worden sei.

Durch Kapitalflucht und Zurückziehung auSlän- ! bischer Krebste nach dem 14. September d. I.

seien ans allein im Oktober 1,6 Milliarden RM. entzogen worden.

Zur Flucht des Kapitals und Zurückziehung des aus­ländischen Kredites geselle stch die Flucht in den Sparstrumpf. Die Kreditoren der Banken hätten sich nach der 'stieichstagswahl allein tm September unb Oktober um 1218 Millionen RM. verringert. Auch bie Kurse ber festverzinslichen Papiere seien seitdem zurückgegangen, so ber für achtprozenttge Hypothekenpfandbriefe von 98,89 Prozent Ende Juli auf 95,2 Prozent Ende Oktober. Der Minister gab bann das bekannte Zahlenbild ans dem neuen Etat und betonte, wenn nicht die preußische Staatsregie­rung bas Sanierungswerk bes Reiches wirksam unterstützt hätte, wäre bleses Werk ernstlich zum Schaben ber beutschen Wirtschaft gesährbet gewesen. Die Debatte zur ersten Lesung des Haushalts wurde aus Mittwoch vertagt.

! Remarque-Film im Oesterreichischen Nationalrat.

Wien, 17. Dezember. Im Nationalrat erklärte u. a. ber Christlich-Soziale Dr. Schuschnigg: Heute, nachdem die Kriegsschuld der Mittelmächte schon ein allgemein abgetanes Märchen sei, trete an ihre Stelle die Äon«

unv von WHamcwitz-Möüendorf zu fünf Jahren Zuck'haus Hambrock tu einem siahr Gefängnis (un­ter Anrechnung von sieben Monaten drei Wochen Un- terfuchungshajl). Krüeger zu 150 RM. Geldstrafe (anstelle ton einem Monat Gefängnis) und Ammer- mann zu 200 RM. Geldstrafe (anstelle von zwei Mo­naten zwei Wochen Gefängiys, verurteilt. Koch er­hält wegen Beihilfe ein Jahr Gefängnis (unter An- reckmuna ton »Mi Monaten zwei Wochen) Unter« fuchungshaft).

Eurttus zur Ostfraqe

Königsberg, 17. Dezembeer.

Reichs außenminister Dr. Curtius sprach am Diens ag abend vor ber hiesigen Deutschen Volks Partei. Nach allgemeiner Skizzierung der Außen Politik erklärte er. seine Politik in den letzten Motva- **n sei mit besonderem Nockpri'ck znm Osten orien­tiert. Zweck der Ostpreußen: rise sei, zum Ausdruck zu bringen, daß das Reich Ostpreußen auch in seiner Außenpolitik mcht im Stich lasse.

Geographie in Iacksonville / Von Manfred Hausmann

Kleine Liebe zu Amerika. Ein junger Mann schlendert durch die Staaten." So heißt ; bas von uns schon besprochene neueste im S.

Fischer-Verlag, Berlin, soeben erschienene l Buch Manfred Hausmanns, dem wir hier noch i ein charakteristisches Kapitel entnehmen.

In dem Autobus, dem es obliegt, die Fremden in Iachöirville umherzufahren, sitzen außer dem jungen Mann nur noch drei andere Fahrgäste. Der Chauffeur führt in gewissen Abständen das an einem Bindfaden von der Decke herabhängende Sprachrohr vor feinen Mund und ruft etwas hinein. Da das Rohr zu einem Halbkreis gebogen ist, kann er gleichzeitig geradeaus sehen, den Bus lenken, sein Gummi kauen und zu den Fahrgästen hinter ihm sprechen. Der Text, den der junge Mann zu hören bekommt, ist im großen und ganzen derselbe, wie et in allen amerikanischen Mit­telstädten dargeboten wird: ,

Zu Ihrer Linken . . . to your lest the City Hall, built in 1913 at a rost os ovet one Million Dollars. Zu Ihrer Rechten the first Baptist Church . . . Das Helle Gebäude geradeaus ist the Roman Catholic Church . . . The Arcadia, das größte Lichtspieltheater der Stadt, faßt elntausendachihundert Personen . . . St. Johns River, der einzige Fluß der Welt, der nach Norden fließt . . . Haus von Mister Skookum, Presi­dent of the Lumbermill of the tilg of Jackjonville, kostet zwei Millionen Dollar. Beachten Sie die schöne Palme! Schluß.

Die anderen Fahrgäste find sehr erbaut davon. Aber der junge Mann kann sich's doch nicht versagen, den Chauffeur, wie et ihm das Trinkgeld in die Hand drückt, darauf hinzuweisen, daß seine Erklärungen, so zutreffend sie im übrigen auch gewesen sein möchten, ledensalls hinsichtlich des St. Johns River einen Irr­tum enthalten hätten. Der St. Johns River sei zweifellos ein beachtenswerter und majestätischer Fluß, beinahe eine Meeresbucht, alles zugegeben aber der einzige Fluß der Welt, bet nach Norden flösse, sei er nicht. , . _

Der Führer steckt erst einmal das Trinkgeld ein, dann löst'er sein Gummi mit ber Zunge von den lin­ken Backenzähnen und schiebt es auf bie andere Seite, dann bemerkt er, während er die Haut feines sommer­sprossigen Gesichtes zu tausend Falten zusammenknit­tert irgendwelche dreckigen Bäche konnte es seinethal­ben geben die nach Norden plätscherten. Er hätte je­doch von Flüssen gesprochen.

Old chap, iagt der junge Mann. Sie haben doch sicher in der Bibelstunde schon einmal etwas vom Nil gehört?.

Vom Nil? Jawohl.

Der Nil fließt auch nach Norden. Ziemlich großer Jtann ich mit nicht denken, Sir, daß bet Nil ein Softer Fluß sein soll. Haben Sie ihn schon mal mit Iren eigenen Augen erblickt?

Das nicht, aber ...

Ziemlich großer Fluß, sagen Sie. Well, ich habe gelesen, daß Moses in einem Binsenkörbchen darauf herumgefahren ist. Danke schön! Fahren Sie mal auf dem St. Johns River mit einem Binsenkötbchcn herum! Die nächste Welle drückt Sie nieder. Sie kön­nen unseren Fluß nicht mit dem Nil vergleichen.

Gut. Ist Ihnen der Rhein bekannt?

Die Zeitungen haben ja allerlei davon geschrieben. Ich will verdammt sein, wenn unsere Jungens neun­zehnhundertachtzehn nicht an den Rhein marschiert sind was?

Auch bet Rhein fließt nach Notben, alter Schwede!

Nochen nennen sie das? Geht aber schon stark nach Westen rüber! Heidelberg, Paris, Köln, verdammt stark nach Westen, was?

Fetner die Weset . . .

Kenne ich nicht. _

Die Weser, Bremen . . . Bremen kennen Sie doch?

Haha, das soll ein Fluß sein? Mit können Sie nichts vorschwindeln! Das ist doch ein Dampfet.

Was?

DieBremen"

Ach so! Jawohl. Aber Bremen ist doch auch eine Stadt an der Weset. Die Stadt, nach der das Schiff genannt ist.

So?

Wissen Sie das nicht?

Nein.

Und die Weset ist abermals ein Fluß, ber nach Norden fließt.

Mag ein schönet Fluß sein! Wie wat bet Name? Weset? Nie gehört.

Ferner bie Elbe, bie Ober, bie Weichsel.

Nie gehört.

Dann die gewaltigen russischen Ströme, neben denen ber St. Johns River überhaupt nicht in Frage kommt, bet Ob, ber Jenissei, bie Lena. Jeder einzelne fließt nach Norden.

Hören Sie mal, sympathisieren Sie etwa mit die­sen Dieben und Mördern, mit diesen Bolschewiken, die der Teufel holen soll?

Lassen wir bie Politik lieber aus bem Spiel.

Lassen wir ben ganzen Bolschewikenktam aus bem Spiel. Jenissei, Ob, Lena, lauter verbrecherische Lü­

gen von Lenin! Wit halten hier in Jacksonville abso­lut nichts bavon.

Entschulbigen Sie, aber ich wollte Sie nut darauf aufmerksam gemacht haben.

Ganz recht, Sir. Verbammt anjtänbig von Ihnen. Ist aber alles unchristlicher Himphamp. Dürfen sich auf mich verlassen.

Besten Dank!

Schon gut.

Der junge Mann menbet sich zum Gehen, aber ba macht der Autodriver ein paar Schritte hinter ihm her, stößt ihn mit der Hand an und sagt, nachdem er unter schlenkernden Beinbewegungen seine Hose hoch- gezogen und ein paarmal mit den Schultern gezuckt hat, es gäbe übrigens, wie er dem jungen Mann doch im Vertrauen mitteilen wollte, noch einen zweiten Fluß, ber nach Norden ginge, das wäre der Mackcnzie. Nur damit Sie nicht denken, wir verständen in Jack- fonville nichts von Geographie. Verdammt guter Fluß, ber Mackenzie. Fließt aber nicht in den Staaten, son­dern in Kanada. Wir haben kein Interesse daran, ihn bekanntzumachen, so lange Kanada noch nicht zu den Staaten gehört. Muß Sie aber bitten, bie Sache für sich zu behalten.

Kunst und Wissenschaft

Münchener Dichterpreis 1930. Der Münchener Dich­terpreis 1930 wurde an ben 1885 in Barmen gebore­nen, feit 1903 in München lebenden Dichter und Schriftsteller Hans Brandenburg verliehen. Die früheren Preisträger waren Hans Carossa, Willy Sei­del unb Joseph Magnus Wehner.

Das Beethoven Denkmal am Rhein. Anläßlich des 100. Todestages Ludwig van Beethovens wurde die Errichtung eines Denkmals des großen Komponisten in feiner Geburtsstadt Bonn geplant. Professor Pe­ter Breuer hat für das Relief, das bas 10 Meter hohe Monument schmücken soll, einen Entwurf ge­schaffen, ber die aus ber 9. Symphonie erklingen­den erhabenen Gedanken reinster Menschenliebe ver­sinnbildlichen soll. Das Denkmal, dessen Ausführung in Granit erfolgen soll, wird Beethovens Gestalt in dreifacher Lebensgröße barstellen. Als Platz wird einer ber schönsten Plätze Bonns ausersehen werden.

Uraufführung einer unbekannten Mozart-Messe. Am zweiten WeihnachtAeiertag findet in Baden bie Ur­aufführung eines Werkes statt, das bie Bearbeitung einer bisher unbekannten Messe Mozarts barstellt. Das Werk führt ben TitelHarmoniemesse in O-Dur für Chor, Streichquintett, Pauken unb Orgel von Wolfgang Amadeus Mozart.

Holländer beimFliegenden Holländer". Am 13. De­zember wuchs zum ersten Male ein Theatersonderzug

aus ber hollänbischen Provinz Twente nach Münster durchgeführt. Dieser Zug brachte 630 Holländer nach ber westfalischen Hauptstadt, wo fie nach kurzer Stadt­besichtigung an der Ausführung ber OperDer flie­gende Holländer im Stabttheater teilnahmen. Dis holländischen Gäste wurden nach der Vorstellung iu der Stadthalle durch die Stadt Münster feierlich be, grüßt. Tücher erste Theatersonderzug hat in der hol­ländischen Provinz Twente solchen Anklang gefunden, daß künftig während der Theaterspielzeit monatlich einmal ein Sonberzug nach Münster geführt werden soll.

AbsensGespenstersonate" als Mufikdrama. Henrik Ibfens DramaGespenstersonate" ist von bem Kom­ponisten Julius Weismann vertont worden und wird als nächste Uraufführung von der Münchener Staats­oper herausgebracht werden.

Deutsche Gastspiele in Südamerika. Alexander Moissi und Johanna Termin sind für die kommende Saison des Deutschen Theaters in Südamerika für eine Gast­spielreihe verpflichtet worden. Als Regisseur mürbe Paul Tyndall von Direktor Urban gewonnen.

Die Flucht aus dem Kreml", der spannende Roman von Sven Adelon, den die ,X N 31. veröffentlich­ten, ist als Buch im Verlag von Knorr und Hirth in München erschienen. (Geh. 3,, geb. 4, Mk.)

Das technische Jahr 1981. Abreißkalender. Verlas Dieck u. Co., Stuttgart. Preis RM. 2.40. Dieter neue Abreißkalender, der in dem bekannten Verlag D i e ck u. Co.. Stuttgart, erschienen ist, wird nicht nur für den Techniker, sondern auch für jeden, der sich für tech­nische Dinge interessiert, eine willkommene Gabe für bett Weihnachtstisch sein. 64 Bildblätter auf Äunst - druck vermitteln ein anschauliches Bild von technischem Fortschritt und technischem Werden. Ein Abreißkalender, dessen Anschassung nur emvfoblen werden kann. =sp.=

Natur und Kunst 1981". Im 24. Jahrgang liegt der AbreißkalenderSiatur und Kunst" vor. lHolland u. Josen- bans, Verlag, Stuttgart. RM. 3.60.) Einer der ältesten, aber einer, der mit i er »Seit gegangen ist. Wiedergaben von Werken bildender Künstler von heute und gestern, die mit gutem Geschmack ausgewählt wurden, wechseln ab mit schö­nen Landschaftsbildern und Werken der Baukunst: Gedenk­tage und Sinnsprüche ergänzen die 173 Kunstblätter.

Orient. Ein Bilderbuch von Hans Ellenberg. Mittel­deutsche Berlags-A.-G., Erfurt.

Die Hymne eines Mannes, der das Land seiner Ver­heißung sand. 9Jlit der Inbrunst eines Liebenden und de« Bissen eines Gelehrten zugleich sind Land unb Leute uni» ihre Schicksale gezeichnet in ihrer gegenseitig bedingten Ver- knüvfung. Es ist ein Genuß, mit Ellenbergs Augen am Bosporus out den Spuren der Sultane zu wandeln, in Hellas das Land unserer schönheitsdurstigen Zugendsehn­sucht zu grüßen, im heiligen Land auf Schritt und Tritt den Erinnerungen der Heilsgeschichte zu folgen und im Lande der Pharaonen eine versunkene Belt in seltsamem Kontrast zum erwachenden Jungägnvten emvorsteigen m leben. Das Buch ist her großzügige Versuch einer Svnthefe der so gegensätzlichen Kulturen Westeuropas und des N's, mals sich ganz emfchleierndeu Orients, qj.