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Kasseler Neueste Nachrichten

Nummer 294*

Kreitag, 42. Dezember 1930

20. Jahrgang

Hessische Abendzeitung

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Vor der Weihnachtspause im Reichstag

Heute Vertagung bis Januar oder Februar / Das Echo des Remarquefilm-Verbots / Oie katastrophale Lage -er preußischen Gemeinden

Berlin, 12. Dezember. |

Auswärtiger Ausschuß

die Ehre des Vaterlandes zu verteidigen gelte, ent­standen neue Lärmszenen, wvhei der Redner als .unverschämter Lümmel" bezeichnet wurde, Der So- zialdemokrat Caspar i-Schneidemühl nannte es un­erhört, >daß die seit zwölf Jahren in Preußen an der Verantwortung stehende SPD. so stark beschimpft werde.

Auch französische Blätter scheinen sich über die Tren­nung der in Frage kommenden Instanzen nicht klar zu sein. So heben der sozialistische .Populaire" und die radikalsozialistische .Ere Rondelle" her­vor, daß das Verbot nicht mehr und nicht weniger als eine glatte Kapitulation der Reichsregierung vor den Rechtsparteien darstelle. Während der »Ma­rin" das Verbot als einen ersten großen Sieg der Nationalsozialisten nach den Wahlen vom 14. Sep­tember bezeichnet, be'int der »Petit P a r i s i e n", daß die von der Oberfilmprüfstelle angeführten Grün­de jeder Grundlage entbehren (??) Was den morali­schen Wert der deutschen Armee anbelange, so habe ein 51 Monate langer Kampf in keinem Lande Euro­pas dazu geführt, ihn irgendwie in Zweifel zu stel­len. Es handele sich vielmehr darum, daß die Reichs­regierung die Kundgebungen der Nationalsozialisten fürchte und deshalb den Film verboten habe.

(Dazu ist folgendes zu sagen: Die Stellungnahme "owohl der Londoner als auch der Pariser Preffe zu dem Verbot des Films geht unzweifelhaft an dem Kern der Sache vorbei. (Nanz abwegig ist es, den Protest der deutschen Oefsentlichkeit gegen den Film als lediglich von den Na ionalsozialifen aufgezogene Demonstration zu bezeichnen. Hätte man sich in Lon­don und V^ris darüber bester informiert, dann wäre auch die Schlußfolgerung, daß das Verbot unter dem Druck der NaÄ-nalsozialisten zustandegekommvn fei, unmöglich gewesen.)

am 18. Dezember

Berlin, 12. Dezember.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist für nächsten Donnerstag, den 18. Dezember, zu einer Sit­zung einberufen worden, auf deren Tagesordnung ein Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen der Genfer Abrüstungskonferenz steht.

I Berlin, 12. Dezember.

Der Reichstag, der jetzt eigentlich ganz .chrogrammwidrig" noch eine Woche recht bcweg- ter politischer Auseinandersetzungen absolviert hat, wird heute abend bestimmt die große Weih- nachtspaufe eintreten lassen und sich auf Ja­nuar, eventuell sogar Februar vertagen.

In der heute früh 10 Uhr eröffneten Reichs- lagssitzung (über die gestrige Sitzung siehe Seite ^rant.r9 Abg. Torgler (Hom.) den Bericht © Ausschusses über die Anträge auf zollfreie Ge- nnf die Tagesordnung zu setzen ^as schelterte an dem Widerspruch des Zentrums.

Aus der Tagesordnung steht der A u s s ch u ß b e - richt über Hilfsmaßnahmen aus Anlaß ^-^/^^ENkatastrophe zu Alsdorf. Der Ausichuß empfiehlt eine Entschließung, in der die Reichsregierung ersucht wird, bis zu 2 M i l l j o n e n Jt-ul. zur Unterstützung der Angehörigen der beim Grubenunglück zu Alsdorf und bei anderen Unalücks- fallen verunglückten Bergleute des Wurmreviers zur Verrugung zu stellen, und auf eine eingehende Un­tersuchung über die Ursachen der Katastrophe hinzuwirken.

Mit der Beratung werden verbunden Anträge der -eutfchnationalen, der Nationalsozialisten und Kom- mumsten, die sich gegen die beabsichtigte Stillegung der Wenzeslausgrube Neurode richten.

Reichsarbeitsmim'ster Dr. Siegerwald führt aus: Die preußische Verwaltung habe alle Kräfte angespannt, um die Ursachen der Grnbenkata- strophe zu Alsdorf zu erforschen. Die Untersuchung sein sehr erschwert worden durch die bei dem Unalück angerichteten Zerstörungen und durch die Art der Ex­plosion, die ohne Beispiel in der Geschichte der Gru- benkatastrophen sei. Für die Hinterbliebenen der Opfer sei von der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung schnelle Hilfe geleistet worden. Dazu seien von Privater Seite, auch aus dem Auslande viele Spenden gekommen, deren Betrag jetzt schon a n- derthalb Millionen überschreite. Die Reichs­regierung verfolge aufmerksam die Arbeitsverhältniffe und Sicherheitsverhältniffe im Wurmkohlenreviere. In der Angelegenheit der Wenzeslausgrube bei Neurode feien Verhandlungen imgange. Wenn die Stillegung dieser Grube vermieden werden soll, müßten Umstellungen vorgenommen werden, über die auch mit dem Wirtschaftsministerium verhandelt werden müsse. Die Beteiligung ausländi­schen Kapitals am deutschen Bergbau lasse sich schwer genau feststellen.

Der Bergbau sei durch die letzten schweren Kata­strophen vor neue Probleme der Unfallverhütung gestellt. Die Reichsregierung werde nichts versäumen, was zur Verhütung ähnlicher Katastrophen dienen kann.

Abg. Husemann (Soz.): Wir verlangen, daß die Untersuchung der Ursachen der Katastrophe von Alsdorf mit aller Schärfe und Rücksichtslosigkeit durchgeführt wird. Auf der Grube Alsdorf und den übrigen Gruben des Eschweiler Vereins herrscht ein übles Antreibersystem. Die Sozialdemokrati­sche Fraktion beantragt die baldige Vorlegung eines Reichs berggesetzes, in dem den Grubenkon- trolleuren und Wetterkontrolleuren größere Rechte ge­währt werden.

Oer Maffennoistand der Gemeinden

(Eigen« Drahtmeldung.)

Giegerwald über die Grubenunglücke

Eigener Drahtbericht.

550000 Wohlfahrtserwerbslose

in den Städten mit mehr als 25 000 Einwohnern.

Berlin, 12. Dezember.

Der Deutsche Städtetag teilt mit, daß die Städte mit mehr als 25000, Einwohnern (mit einer Gesamtbsvölkerung von 25'Millionen Einwohnern) am 30. November 554 000 Wohlfahrtser­werb s l o s e zu betreuen hatten. Von diesen wurden 56000 als Fürsorgearbeiter beschäftigt. Gegenüber dem Stand vom "31. Oktober (519 000) ist die Wohl­fahrtserwerbslosigkeit in diesen Städten also um 6,6 v. H. gestiegen. Die Zahl derjenigen, die laufend ge­meindliche Zusatzunterstützung erhalten, belief sich in den berichtenden Städten am 30. November auf 62 000 gegen 55 000 am Ende des Vormonats. Im Lause des November beanspruchten ferner in den Städten über 25 000 Einwohnern 40 000 Hauptunterstützungs- vfänger der Reichsanstalt vorübergehend die HUse des Wohlfahrtsamtes.

davon gesprochen, ^daß die preußische Regierung gestern nach einer Soniderprüfung der amerikanischen Originalfassung des Films Vie Meinung vertrat, daß auch diese amerikanische Fassung nicht als ein deuisch- ftindlicher Hetzfilm angesprochen werden könne. Im Gegensatz hierzu habe sich das Reichsinnenministe- riu>m, amden Spitze sich doch immerhin der links ein­gestellte Minister Dr. Wirth befinde, gegen den Film ausgesprochen. Der »Lokalanzeiger" meint nun, daß dieser Gegensatz zwischen der preußischen Regierung und dem Reichsinnenministerium außerordentlich kennzeichnend sei, und daß die politischen Folgerun­gen, die sich aus diesem Gegensatz ergeben, eigentlich nur darin bestehen könnten, daß das Zentrum und die Staatspartei in Preußen die Koalition kün­digen müßten. Das wird selbstverständlich nicht geschehen, aber es ist bezeichnend, daß auch dieser An

der rechtsstehenden Presse Gelegenheit zu der­artigen Folgerungen gibt.

Umgekehrt ist eine Aenßerung des »Vorwärts" von politischer Bedeutung, der erklärt: »Mit tiefster Erbitterung erlebt die republikanisch und friedlich ge­sinnte Bevölkerung diesen Skandal". Weiterhin spricht er davon, daß diese Erscheinung ein Sieg der Nationalsozialisten über das Gesetz sei und darin liege ein Anzeichen einer bedrohlichen Gesamtsitua- tiori. Die sozialistische Partei sei entschlossen, den Kampf gegen die faschistische Straße und gegen den wieder auflebenden Kriegsgeist auch weiterhin zu kämpfen.

Von falschen Voraussetzungen gehen zum Teil, wie die folgende Meldung zeigt, die

Urteile des Auslandes

aus. So schreibt die Londoner. »Morningpost'. Die Entschließung der deutschen Regierung (Regie­rung? ?) müsse von einem großen Teil der deutschen Oefsentlichkeit als Rückzug vor der Demagogie ange­sehen werden. Sie stelle einen Rückzug der Regie­rung dar, denn Herr Severing habe doch gesagt, daß er in dem Film nichts Deutschseindliches sehen könne.

Im Plenum des Preußischen Staatsrats brachte am Donnerstag Finanzminister Dr. H o e p - ker-Aschoff den Etat für 1931 ein. Der Minister wiederholte das schon bekannte Zahlenmaterial des neuen preußischen Etats und fügte hinzu, während man die Neueiiknahmen der Gemeinden auf 200 MManen schätzen könne, müsse man

mit Mehrbelastungen von 300 Millionen rechnen.

Auch die den Gemeinden gegebene Möglichkeit dop­pelter Zuschläge zur Bier- und Bürgersteuer biete nur beschränkte Einnahmequellen. Möglicherweise entstün­den bei den Gemeinden noch höhere Fehlbeträge. Die Lage sei sehr ernst.

Auch der Generalberichterstatter Dr. Kaiser (Z.) erklärte, die Kassenschwierigkeiten der Gemeinden seien zu einem. Massennot st and geworden, der im Sanierungswerk des Reiches kaum Beachtung gefun­den habe.

Innenminister Severing begann mit dem Wunsche, die sachliche Verhandlungsart des Staats­rats möge sich auch im Reichstag endlich einmal durchsetzen. Kaurn hatte er aber noch einige weitere Aeußerungen über das Sanierungswerk getan und dabei den Gemeinden einen Ueberbrückungskredit in Aussicht gestellt, als es zu

Lärmszenen kam. Der Minister meinte, es gebe keinen gesijhrltche- ren Feind für die Sanierung als die dauernde Poli-

Englands Abrüstungspolitik

London, 12. Dezember.

Der arbeiterparteilicheDaily Her al b, das Regierungsblatt, wendet sich gegen die von der fran­zösischen Presse aus den Genfer Abrüstungsverhand­lungen gezogene Schlußfolgerung, daß England sich tri der Abrüftungsfrage an die Seite Frankreichs gegen Deutschland und Ita­lien stelle. Anscheinend sei bei der französischen Presse der Wunsch der Vater des Gedankens. Eng­lands Politik in Genf sei weder franzosenfreundlich noch deutschfreundlich, sondern sie sei völkerbund- freundlich.

RussischeAlttagstragödien

Von unserem ständigen Korrespondenten. 4

K.=H. G. Moskau, im Dezember, i

An sich ist es keine Neuigkeit, wenn ich feststelle, daß die geistigen Mitarbeiter an dem Ver­such, Sozialismus zu bauen und die auch jetzt noch an die Möglichkeit des Gelingens glauben, trotz ihrer Ergebenheit für die Sache die Stiefkinder im bolschewistischen Staate find Erst kürz­lich brachten die .Zswestija" (das Regierungsorgan der Sowjetunion) aus Berlin die Meldung über die Beschneidung der kulturellen Ausgaben und die damit verbundene Einschränkung der Zahl der Schulen in Deutschland. In einem reichlich kühnen Kommentar stellten dieJswestija" dieser Meldung denbolsche­wistischen Kulturaufbau" gegenüber. Man könnte meinen, daß in der Sowjetunion die Schulen wie Pilze aus der Erde schießen und mit allen Errungen­schaften der Neuzeit versehen find. Man könnte glau­ben! Man könnte es, wenn man nur als Dergnü- gungsreisender durch das Land mit sehr sorgfältig vorbereiteten natürlich von den Bolschewist vor­bereiteten Programmen reist. Ich will hier nicht von dem unglaublich großen Mangel an Baumaterial, der allein den Bau von Schulgebäuden unmöglich macht, an Schreibheften, Schulbüchern, Lehrern ufro. reden. Ich will mich nur mit der Lage der Leh­rer beschäftigen, die eigentlich die neue Jugend schaffen und dementsprechend versorgt werden müßten. Mutzten!--- -*.

Dieser Tage las ick eine bolschewistische Zeitung aus Barnaul, den »Krasnyj Altaj". Dort waren in einer einzigen Nummer verschiedene erschütternde Nachrichten enthalten. In der Schule in Kasarew hatte eine Lehre.rin mit ihrem Kinde vier Tage lang gehungert. Tagsüber unterrichtete sie die Kinder. Während die Schüler in den Pausen ihr mitgebvachtes Frühstück verzehrten. . eilte sie zu ihrem Kinde, das an der erschöpften Brust sog und schrie. Mit dem Zeichen der Schu'ylocke verließ sie ihr völlig unterernährtes Kind, ging mit Tränen in den Augen zu den Schülern zurück und erfaßte ihre Pflicht. So ging es alle Tage! Nach dem Unterricht erschien sie bei dem Vorsitzenden des Dorssoivjets. Sie bat, weinte. Endlich forderte sie Brot: »Um des Kindes willen". Aber sie wurde verlacht, verhöhnt, davongejagt. Die erhielt kein Stückchen Brot! Am vierten Tage war zwar das Hungergefühl erschlafft, nicht Ober das Muttergefühl für das weinende Kind. Die Lehrerin nahm das arme Wurm und rannte zum Fluß. Gerade, als sie sich in den Strom stürzen wollte, wurde sie vom Vorsitzenden des Dorfsowjets eingehM, der ihr eine Bescheinigung zur Empfang s- berechtigung von 16 Kilogramm Getreide gab! Das klingt wie blutiger Hohn, ist aber Tatsache.----

Im Rayon Dschistjunka, wozu auch Kasarew ge­hört, unterscheiden die Lehrer Mischen »wirklich hungern" und »nicht wirtlich hungern". Im ersten Falle sitzen die Lehrer tagelang ohne ein Stückchen Brot (buchstäblich zu verstehen). Im zweiten Falle erhalten sie von RIK (Rayonexekutive) 36 Kilo­gramm Getreide jährlich (wohlgemerkt: jährlich!).

Der Lehrer Kusnjezow, ein Kommunist, der int Dorfe Ustj-Alejsk unterrichtet, sandte an die Ar­beiter- und Bauerninspetijon folgenden Brief: »Jetzt hungere ich wirklich. Ich bin überall gewesen und habe nichts erreicht. Zwei Monaie lang sitze ich ohne Brot. Wenn ich heute noch am Leben bin, dann nur, well ich bei meinem Nachbar Brotstücke stehle. Meine Kinder gehen schon längft betteln und sammeln Brotstücke. Kaufen kann ich nichts!" Jede Bemer­kung zu diesem erschütternden Bries würde nur ab- fchwächcud wirken können!---

In Staltnabad gibt es ein Technikum für Lehrerinnen, wo eine unglaubliche Liederlichkeit herrscht . Das Haus ist neu, nach europäischer Bau­art errichtet. Innen jedech ist es ungemütlich, schmutzig kalt. Beinahe den ganzen Tag haben sie ihre Oberkleidung an, so kalt ist es in den Zimmern. Alle haben Ungeziefer. Jede hat nur ein Hemd und

Aach dem Anbot

der Remarque-Films

th. Berlin, 12. Dezember.

Das Verbot des Filmes »Im Westen nichts Neues", auf das wir an anderer Stelle eingehen, hat begreiflicherweise eine Flut leidenschaftlicher Aeuße­rungen hervorgerufen, die in ebenso scharfem Gegen­satz untereinander stehen, wie schon die Meldungen, die über den Film selbst noch vor dem Verbot ver­breitet worden sind. Von den zahlreichen Presse­stimmen der Rechten, die sich mit großer Freude über dieses Verbot aussprechen, und der Lucken, die mit Erbitterung diese Tatsache zur Kenntnis nimmt, feien nur zwei hervorgehoben, die zu interessanten politischen Folgerungen Anlaß geben.

So wirb in dem rechtsstehenden »Lokalauzeiger"

tische und wirtschaftliche Beunruhigung; die Maß­nahmen der Regierungen würden zunichte, wenn es etzt zu Unruhen in Berlin oder in der Provinz tarne Die Kommunisten unterbrachen ihn mit beleidi­genden Zurufen, worin sie den Minister n. a. »elen­der Heuchler" nannten. Präsident Adenauer erteilte dafür Ordnungsrufe.

Frhr. v. Gayl, der für die Arbeitsgemeinschaft u. a. die Verwaltungsreform verlangte, erklärte, man müsse endlich einmal öffentlich wahrheitsgemäß fest- tellen, daß die

preußischen Gemeinden bis Anfang Februar ein De­fizit von 600 bis 700 Millionen RM.

hatten und daß bereits in allernächster Zukunft die Kassen namhafter Gemeinden leer sein würden. Als er Weiter die SPD. mit der Behauptung angriff, sie traktiere die Jugend mit Gummckuüppela, wenn es

Noch 300 Millionen

sollen gespart werden!

Ein Antrag der D. B. P.

Berlin, 12. Dezember.

Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat am gestrigen Donnerstag abend be­schlossen, im Reichstag einen Antrag einzubringen, die Reichsregierung zu ersuchen, zur Sicherung gegen Schwankungen des Wirtschaftslebens dem Reichstag vor dem Eintritt in die Einzelberatung des Reichs­haushalts für 1931 1. einen Ergänzungshaushalt vor­zulegen, der die Einsparung eines weiteren Be­trages von mindestens 300 Millionen M. an den ordentlichen Ausgaben herbeiführt, 2. die zu die­sem Zwecke erforderlichen Gesetzentwürfe vorzulegen.

ein Kleid. In der Schule befindet sich ein Kursus ür Seidenwurmzucht. Frauen und Männer leben zusammen im Internat. Anfangs hatte man die Betten der Frauen zusammen mit den Mannern im Korridor ausgestellt. Die Trennungswand bestand aus einem Laken. Alle Klagen und Proteste der Frauen blieben von der Verwaltung unbeachtet.

Eine Iungkommunistin,> die Lehrerin Ry­bakowa, veröffentlichte einmal in einer Moskauer Zeitung einen sehr aufschlußreichen Artikel, in dem es heißt: »Die Kräfte reichen nicht mehr aus, so wei­ter zu arbeiten. Ich bin seit 1925 Lehrerin und ar­beite in einer Gewerbeschule, in der Schuhwerk aus Fil, hergestellt wird. Die Jugend sagt: »Wir sind müde, wir brauchen Erholung, die uns aufrüttelt, und keine Vorträge, Bücher. Zeitschriften". Und nun J.11 ne n die Schüler, bis sie die Besinnung ver­lieren. Ich bin auch seit mehreren Jahren Seit rin einer Schule zur politischen Aufklärung der Jugend.