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Montag, 1. Dezember 1930

Kasseler Neueste Nachrichten

Sette I 1

O. Plein die

Festrede.

*e Kassel des Landesverban-

Einzelhandel

verstärken sie, lassen Stapelplätze, Keller und bedrohte

Die Ortsarnppi ________ __________________

des des Kolonialwaren-, Feinkost, und Lebensmittel-Einzelhandels von Hessen- Nassau und Waldeck e. B. hielt am 27 .November eine

Meter hoch. Gierig frißt «S sich in die alten Schif­ferviertel, über die seii Jahrhunderten St. Martin mit seinen mächtigen Türmen wacht, haardünn lau­sen hier die Gäßchen zum Rhein hinunter. Scheu bucken sich die Stockwerke übereinander. Phantastisch glimmen armselige Laternen. Vorsichtig wie ein Dieb, pirscht sich das Wasser heran, leckt mit breiten Zungen, fast geräuschlos, nur mit einem eigentüm­lichen gurgelnden Laut das Pflaster, verschluckt es zoll- und schließlich meterweise.

Aus den überschwemmten Ufern ragen die Maste der elektrischen Bahnen mit hilfslos ausgestrecktxn Armen, die die lächerliche AufschriftHaltestelle" tragen. Als winzige Archen aus irgend einer Weih­nachtsauslage schweben über den rastlos vorwärts- strebegden Wassern die Bahnhofshallen der Schiff- fahrtsgesellschaften, die ZeitungS- und Verkaufs­buden. Wie lange ist es her, daß man in sicherer Entfernung vom Fluß seine Karten zum fröhlichen Wochenend löste! Die Landungsstege ragen nur noch wie Schiffbrüchige mit hochgestelltem Bug aus der Flut. Spielend, ohne unnütze Aufwendung von Zeit und Kraft, umspülen sie die Wellen. Aber zürnend, mit ungeheurer Wucht brechen sie sich gegen dte mäch­tigen, Trotz bietenden Pfeiler der Hohenzollern- und Hängebrücke. Zischend, zu immer neuen Angriffen ausholend, stürmen sie gegen den Feind an, schnellen mit weißen Gischtkämmen hoch, reißen brodelnde, wirbelnde Kessel auf, rasen, schäumen wie ein von Geißeln gepeitschtes und von Teufeln gehetztes Meer.

Stumm, wie das unabänderlich« Schicksal, ragt aus dem entfesselten Strom die Pegeluhr. Das runde, weiß leuchtende Auge strahlt gleichmütig nach allen Seiten. Streng und sachlich registriert der Zeiger die Bewegungen des Wassers. Steigt, steigt, steigt, bleibt stehen, fällt, steigt von neuem, ohne die Angst- und Notschreie der bedrohten und vom Unglück betroffe­nen Menschen zu hören. Tag und Nacht stehen die Hilfstpupvcn zur Abwehr bereit, schleppen Tausende von Sanbsäcken herbei, prüfen Dämme und Deiche,

SlaatundGemeindeverhindempreissenkung?

Lohn- und Gehältersenkung mit Abbaumöglichkeit für die Preisspanne des Einzelhandels zu begründen ist Unsinn

Festkommers

verunstalten. Der erste Vorsitzende R. Zesemann begrünte eine stolze Reihe von Ehrengästen, vor allem den Präsidenten der O. P. D., Pletn, einen seiner Vorgänger, den Präsidenten A. Bergener, Ab­ordnungen des Mitteldeutschen Sängerbundes und vieler auswärtiger Vereine, die dem Jubelverein Glüldoünsche brachten und wertvolle Geschenke spen­deten. Dann hielt der Oberpostdirettionspräsident

Ufer ergeben. Steinstufen, Böschungen, Mauerwerk, Fahrdamm und Gehsteig sind untergetaucht. Die Linie zwischen dem Strom und dem beginnenden Ueberschwemmungsgebiet ist ausradiert, und unge­hemmt schlagen die schlammig gelben Wogen gegen den Häusergürtel am Ufer. Zentnerschwere Sandsäcke stemmen sich zwischen dem Hausinnern und den her­andrängenden Fluten. Leitern, Planken dienen als schwankende Brücken, und schon sieht man einige «»,.«»»»» Mt, Kähne, die von einem Häuserblock zum anderen Häuser räumen, starren nach dem Rhein, der dunkel schwimmen. In den Kellern steht das Wasser viele und schwer in rasender Eile dem Meer zustrebt.

Es muß eine Zeit gewesen sein, in der es uni noch schrecklich gut ging so 1925 oder 26 da war das öffentliche Hungern modern. So wie sich die reichen Leute alle Jahre einmal arm«, notleidende Waifenkinder ansehen, so zogen die Durchschnitts­menschen in langer Reihe an einem Glaskasten vo»> bei. in dem einer lag um zu hungern. Hungern war damals noch Arttstik. Es gehörte noch nicht zu» täglichen--(Brot, hätte ich beinah' gesagt).

Der Hungerkünstler Iollh hungerte 40 Tage, ver­diente 20 000 Mark und verdiente ste für nichts und wieder nichts, denn in Wirklichkeit hungerte er gar- nicht; er nährte sich vielmehr von Schokolade.

Sein erster Nachfahre war der Hungerkünstler Bentego. Er hungerte nur 30 Tage, verdiente garnichtz und nährte sich wahrscheinlich auch nicht von Schokolade. Sonst hätte er nämlich 50. 70 oder 100 Tage lang gehungert und durch diesen Rekord doch wiederum Geld verdient.

Von Berlin aus, wo die neue Kunst geboren wurde, zogen dte Künstler auch in andere Städte Deutschlands dann verloren die Massen allmäh. lich das Interesse. Das Hungern wurde alltäglich, Was einer alle Tage haben kann, bezahlt er nicht obendrein mit Eintrittsgeld.

Seicher haben wir von den Hungerkünstlern nichts mehr gehört. Sie verloren ihre Daseinsberechtigung. Es hätte ja schließlich auch ein Arbeitsloser hln- gehen und sich für Geld sehen lassen können. Das eine war barer Unsinn, wie das andere.

Heute aber gibt einer der Hungerkünstler wiedev- um Kunde von seiner Existenz. Er tut es auf merk­würdige Art, indem er seine Eristenz beendet. Der Hungerkünstler Ventego hat Selbstmord begangen.

Da zieht die Polizei den Schleier von den Ge­heimnissen seines Lebens. Wer war der Mann, der unter dem PseudonymVentego" öffentlich hungert«.

Ein Artist? Ein Schwindlet?

Nun, der Mann hieß Glücksmann und zwar Doktor Glücksmann. Er war Akademiker. Bon Be­ruf Schriftsteller und Rechtsberater.

Er hat wohl irgend einmal sein Leben mit großer Hoffnung im Herzen zu formen versucht. Wer weiß, wie er sich durch die Semester des Studiums bin- durchhungerte. Wie er alles auf diese eine Karte setzte: Studierter zu sein, Gelehrter zu sein, etwas im Leben zu bedeuten.

Wie groß mag seine Enttäuschung schon gewesen sein, als ihm das Schicksal nichts anderes bot, als diese eine Möglichkeit: kleinen Leuten juristische Rat­schläge zu geben und ihnen dafür ein paar Groschen abzunehmen. Oder hin und wieder irgendwo einen Artikel anzubringen.

Und irgend einmal war wohl auch diese Möglich­keit erschöpft. Irgend einmal hat er wohl das rich­tige Hungern gelernt. Und irgend einmal muß diese fantastisch-grausige Idee seinem Akademikerschädel ent­sprungen sein: So, mein Lieber, jetzt kannst du hun­gern, jetzt gehst du hin und zeigst es öffentlich. So wie andere Leute ihr Gebrechen in den Schaubuden zeigen.

Und dieser GlückSmann konnte nicht einmal bet dieser Sache sein Glück machen. Er war ja Jurist. Er kam nicht einmal auf diese kleine, armselige Idee, beim Hungern ein bißchen zu mogeln. Vielleicht fehlte ihm auch das Geld für die Schokolade, viel­leicht auch der Freund, der ste ihm zugesteckt hätte. Und so wurde auch aus seinem Hungern eine halbe Sache, eine Stümperei. Er brachte es nur auf 3Q Tage. Und um das bißchen Eintrittsgeld prellte ih» der Unternehmer.

Der Schritt vom öffentlichen Hungern bis zum Selbstmord war nicht mehr so weit. Aber Glücks­mann brauchte dafür immer noch vier Jahre. Denn er hatte das Hungern gelernt. Und wenn einer erst einmal soweit ist, daß er Hungern kann, dann ver­fällt er auf die merkwürdige Idee, dieses Leben auch noch Leben zu nennen.

Es ist garnicht auszudenken, wie dieser Hungev» künstlet gehungert haben mutz, ehe er sich zum Selbst­mord entschloß. Er schlug wohl alle Rekorde. Er hätte viel Geld dabei verdienen müssen, wenn ein Mana­ger das sportlich organisiert hätte. Aber diese Ma­nager finden sich nicht mehr in unserer Zeit.

Auch die Steuerbelastung ist bisher immer ge­stiegen. Bei dieiser Lage ist es eine Irreführung des Publikums, wenn man die Lohn- und Gehältersenkung in der Industrie und Beam­tenschaft mit der Möglichkeit eines Abbaues der Preisspanne im Kolonialwaren-

zeigte die geschichtliche Entstehung und Entwicklung des Vereins und sicherte ihm das stete Wohlwollen der Behörde. Gefangsvorträge hielten die Feiernden bis Mitternacht in angeregtester Weise zusammen. Das Hauotereingnis des Jubelfestes aber bildete am Sonn­tag oas

Jubiläumskonzert.

Die Vortragsfolge, aufgestellt vor dem Ehormeister K. Bubenheim, der dem Verein nahezu 20 Jahre die Treue hält, zeigte, daß die Sänger neben der Ge­selligkeit auch die künstlerischen Ziele verfolgen. Die Darbietung der Chorwerke stand mit Ausnahme einer geringen Trübung in den Mittelsätzen eines schwieri­gen Werkes von Hansen und kleiner Verschleppun­gen durchweg auf einer'«, die dem Dirigenten wäh­rend des Abend vorschwebte. Die Zuhörer, ergriffen von den sauberen Harmonien schlichter Lieder, forder­ten stürmisch Wiederholungen. Mir gefielen am besten dreistimmige Volksweisen von Heinrichs und P l o- ner, begleitet von Trompete und Horn. Diszipliniert im Vortrag, gut abgestuft in der Dynamik bildeten sie wohl den Höhepunkt des Abends. Mit unserer hei­mischen Sängerin Annemarie Messing hatte der Verein einen überaus glücklichen Griff getan. Bei den klassischen Gesängen koente man ihren glockenreinen, gut ourchgebildeten Sopran bewundern, und als in vorgerückter Stunde aus der Konzertsängerin sich eine pikante Soubrette entwickelte dieNachtigall" von Alabieff und Reinickes Kinderlieber waren einfach reizende musikalische Delikatessen da war des Bei­falls kein Ende. Einen wesentlichen Teil des Erfolges am Konzertabend kann die saubere Musik der Kasseler Konzertoereinigung unter Kapellmeister Schröder für fich buchen.

Das gute Einvernehmen mft den befreundeten Set» eeinen zeigte sich am Ende dere Veranstaltung. Der überfüllte Saal wollte sich nicht leeren: Die Stephans- Jünger sollten erst beweisen, daß sie ihre Beine nicht nur im Dienst, sondern auch auf dem Tanzparkett wohl gebrauchen können. W. A.

25 Zähre musikalische Reichspost

Reichspost und Musik waren schon immer verwandt miteinander. Man braucht noch lang« nicht zu der alten" Generation zu gehören, um sich der schmucken Postillione zu erinnern, die, hoch zu Bock, in stolzer Uniform das blanke Posthorn zückten und bei der Ausfahrt ihre Hellen Signale ht die frische Morgenluft schmetterten. Ganz zu schweigen von dem poesien­umwobenenSchwager" aus der Eroßväterzett, wo der gelbe Wagen eingestellt auf Gemütlichkeit und Seelenfrieden durch die Hessengaue schaukelte. Und selbst heute noch nimmt das .Tatütata" des schnittigen Postautos eine wohltuende Ausnahmestellung ein zwi­schen den mißtönenden Hupen seiner privaten Kol­legen.

Daß aber in Kassels Mauern sich die Jünger Ste phvns 25 Jahre lang zusammenfanden unter der Lyra des Sängerchores .Keichspost", wirft ein gutes Licht auf die Tradition und den Geist seiner Mitglieder. So konnten sie dann auch aus Anlast ihres Jubeltages am Sonnabend in der Gaststätte ,Lum Ständehaus" einen glänzenden

der Einzelhandel zur Selbsthilfe greifen und das Zugabewesen ad absurdum führen.

Man wandte sich schließlich auch gegen bie Aktivität der Henschelschen Konsumanstalt, die ihren Kunden­kreis gern erweitem möchte. Man wies darauf hin, daß dte Firma Henschel eine Lokomotivfabrik, nicht aber ein Lebensmittelgeschäft sei, das vielen sellftän- diaen Einzelhändlern die Existenzmöglichkeit raub«.

Vielfach treten neuerdings wieder Vereine jeglicher Art mit der Sitte um Stiftungen für Vereinsfestlich« leiten usw. an den Einzelhandel heran. Die Ver­sammlung beschloß einstimmig, derartige Geschenke abzulehnen. Es ist den Geschäftsinhabern einfach unmöglich, Geschenke zu machen. Von diesem Beschluß sind nur ausgenommen die charitativen Vereine (Rotes Kreuz, Charitasverband, Innere Mission usw.).

Der entfesselte Rhein

(Sonderbericht für die K. R. N.)

H. Sch. Köln, Ende November.

Auf der Hängebrücke, die das Deutzer Ufer mit dem alten Köln verbindet, drängen sich den ganzen Tag bis in die sternenlose Nacht die Menschen und starren über die schützende Brüstung nach dem wild entfesselten Strom. Schaulustige, Neugierige, Kinder, mit der Freude am Erlebnis, besorgte Männer und Frauen, denen die steigende Flut Not und Gefahren bringt. Am Himmel hängen noch immer unheil­schwanger die Wolken, rollen unerschöpfliche Reserven heran, bauschen, blähen sich, wiegen sich herausfor­dernd in den Hüften, bis aus jäh berstenden Taschen neue Wasserströme herunterstürzen. Unabsehbar weit, von keinem Ufer mehr sestaehalten, wälzt sich der Rhein, ein frei gewordenes Meer, das sich selber feine Schranken sucht.

Alle Lasten, die der Mensch dem Riesen jahrein und jahraus zum eigenen Nutzen aufzwingt, hat er ab­geworfen. Die stolzen Schiffe, die Schleppkähne und Ruderboote sind verschwunden. Kein glückhafter Na­me flammt in großen Lettern über silbergleißendem Spiegel. Kein freundlicher Rauch steigt aus dampfen­den Schloten, nirgends weht int Wind eine bunte Fahne. Die sorglos heitere Rheinromantik, die so­viel Sommerglück, Lieder und Freuden birgt, ist wie ein kleiner Kinderballon zerplatzt und als leere Hülle in die schwarzen Tiefen gefallen. Ohne Kampf, mit der Willenlosigkeit des Schwächeren, haben sich die

Versammlung ab, in der Dipl.-Kaufmann L e i h n e r die Preissenkunbsakiion der Regierung behandelte. Der Redner wies besonders auf die Ungerechtigkeit hin, die dem um die Existenz timenden Lebensmittel- Einzelhandel widerfahren fet. Man wirft ihm vor. daß er die Preise nicht abbaue und daß seine Ver­dienstspanne überhöht sei. Bei etwas mehr Gerechtig­keitssinn hätte von Anfang an in der Oeffentlichkeit klar herausgestellt werden müssen, daß einerseits die Preise gegenüber 1929 schon sehr stark gesun­ken sind und daß andererseits nach den amtlichen Feststellungen des Reichswirlschastsrates von einer überhöhten Verdienstspanne keine Rede sein kann, daß sich im Gegenteil der Lebensmittel-Einzelhandel in einer Lage befindet, die den

den Zusammenbruch vieler Cinzelhandelsgeschäfte

schon herbeigeführt hat und in noch viel stärkerem Maß herbeiführen wird. Die katastrophalen Folgen der einseitig gegen den Kleinhandel gerichteten Preis- senkunasaktion machen sich schon bemerkbar: Die Käu­ferschaft streikt

die Umsätze sind in den letzten Tagen rapid zurvck- gegangen.

Da die fien Unkosten die gleichen bleiben, tritt nicht eine Verbilligung, sondern hierdurch eine Verteuerung der Ware ein. Die Steuererträge gehen zurück, der Steuersäckel wird erheblich getroffen werden.

Nach einer erregten Aussprache, in der die Erbitte­rung des Kleinhandels gegen bie ungerechtfertigte Hetze in elementaren Ausdrücken zum Ausdruck kam, wurde folgende Entschließung angenommen:

Angesichts der wirtschaftlichen Not der Mehrzahl der Volksangehörigen erkennt der Lebensmittel-Einzel- Handel an, daß die Kosten die Lebenshaltung mit dem Einkommen in Einklang gebracht werden müssen. Er erklärt fich bereit, ohne Rücksicht auf Konjunkturver­luste jedem Rückgang der Lieferantenpreise sofort zu folgen, stets die Verdienstspanne auf das genaueste nachzuprüfen und alles, was eine nweiteren Abbau der Preise herbeiführen kann, nach seiner Kraft zu tun.

Nachdem durch amtliche Ermittlungen des statisti- gzen Amtes der Stadt Kassel festgestellt ist, daß ebensmittelpreise gegenüber dem Borjahre schon sehr erheblich zurückgegangen sind,

bei 37 Hauptkonsumartikeln im Durchschnitt 15 bi« 16 Prozent, im einzelnen bis zu 30 Prozent, hat auch der Kolonialwaren« und Feinkost-Einzel- handel ein Recht, zu verlangen, daß die maßgebenden Stellen nunmehr mit Nachdruck an einen Abbau der öffentlichen Lasten Herangehen. Während die Levenshaltungskosten trotz einschneidender Zoll­erhöhungen seit 1929 ständig gesunken sind, ist

bei den Gruppen, bei denen die Preisgestaltung von kommunalen- od« Staatsmaßnahmen bedingt wer­den ein dauerndes Steigen der Preise zu be- boachten.

3mmee weiße Zähne.Ich möchte Ihnen mküellen, daß wir 8 schon über 15 Jahre die Zahnpaste Chlorodonl benutzen. Sind)« nie hat sie uns enttäuscht! SBtr hatten immer weiße Zähne und einen angenehmen Geschmack im Munse, umsomehr, da wir schon§ längere Zelt das Thlorodont-Mundwasser benutzen. Luch benutzt^ die ganze Familie nur Thlorodont-Zahnbilrsten." gez. C. Chudoba, ~ Fr... Man verlange nur die echte Thlorvdont-Zahnpaste, $u6t" 60 Pf. und 1 Ml., und weise jeden Ersatz dasär zurück.

Lin Hungerkünstler ist gestorben

Woran nur...?

_____I begründet. Seit Aufhören der Zwangswirtschaft stnd als Folge des freien Wettbe­werbs die Preisspanne bereits unter die Grenze der Möglichkeit der wirtschaftlichen Aufrechterhaltung der Betriebe gesenkt worden. Der Kolonialwaren- und Feinkosthandel sehnt selbst einen Preisabbau herbei, verwahrt sich aber mit aller Entschiedenheit gegen Irreführung der öffentlichen Meinung. Er warnt vor einer Wiedereinführung zwungswirtschaftlicher Maß­nahmen nti tihter aus der Kriegs- und Inflationszeit her zur Genüge bekanntlichen schädlichen Folgen"

Die Versammlung beschäftigte sich weiterhin mit der Frage des Zugabeverbotes. Wenn Regierung und Reichstag durch Annahme des eingebrachten Ee- setzantrages über das Zugabenverbot nicht endlich einem jeder kaufmännischen Lauterkeit und Ehrbarkeit Hohn sprechenden Zustand ein Ende bereiten, so wird

Gl. Lohn (Mine:

Kleines

St. John Ervine schreibt ein Lehrbuch für dte Ehe, die Scheidung und das Werben. Keinen ge­wichtigen, dicken, schweinsledernen Folioband, son­dern etwas leicht Geheftetes, worin es sich amüsant blättert. Die Sache ift trotzdem ernst genug, in Ka­pitel und in Paragraphen gefaßt zu werden, von denen einer der ersten heißen müßte:Du sollst nicht von dem Glück des anderen reden, wenn du dein eigenes meinst". Aber da Herr Franz Mei die Liebe schon einmal in Paragraphen gegossen hat, wollen wir hier lieber davon absehen und uns an die Aeußerungen, Schicksale und Taten der reizenden Menschen halten, die Herr St. John Ervine uns vorsührt.

Die erste Frau Selby

Theater.

Eine Weltreise, damit die Leute die Scheidungs- asschichte vergessen. Zurückgezogenes Leben aus dem Lande bbi Gemüse vom eigenen Beet, einfach und sparsam, denn Elfte war teuer. Natürlich wird er Janet wieder beitaten.

Janet bedankt sich. Sie hatte nach der Scheidung sich ihr Leben neu eingerichtet. Und nun sollte ste James auf dem Lande spare» helfe»? Nein, fte mag nicht.

James ist sehr, sehr traurig. Janet auch.

Hier könnte die Geschichte zu End« sein. Aber der egoistische, erfolggewohnte James lernt werben. Janet fühlt voll Seligkeit dieses stille, geduldig« Werben.Es ist alles wieder wie am Anfang".

Drum prüfe, wer sich ewig-scheidet...

tat. Edgard Hellwaldt hat den egoistische» ver­wöhnten James mit dem ungestümen Wünschen und der langsam, in Augenblicken, die diesem Wünschen Hindernisse entgegenwerfen, die Müdigkeit des At­ters zu spüren fcheint, voll begriffen. Tola I a- nowska ist in der Gestalt der Elste ein eiteles Weibchen von einer saft rührenden Uirverschämtheit mit äußerst echten Uebergängen zu tränenreicher Ver­zweiflung, in der sie auf eine drollige Art die an­geborene Schläue »och rettet. Als unbeholfener Angler Philipp Logan mit der mißglückten Welt- mLnnischkeit zeigte Hans von Zedlitz eine zart nuancierte Komik. In den ersten Minuten konnte er Feine Gewand heil nicht vollkommen hinter der Uu- k^holfenheit dieser Figur verstecken, sodaß der Ein­druck von Seldstironie entstand, gewann aber dann sofort seine Rolle ganz und ungeteilt.

Heinz Moog verstand die Flegelhaftigkeit des Etonschülers Ninian Selby mit einer lausbübischen Liebenswürdigkeit herauszubringen, ine zum Ver­zeihen hätte zwingen müsse». Franz Kapuste gab

Dar ganze Trachten der reizenden Leute bezieht sich immer irgendwie aus Janet, die erste Frau Selby, die mit ihrer Ueberlegenheit die ganzen Fä­den in der Hand hält, an deren Enden die anderen ungebärdig zerren. James Selby hängt auch immer noch an ihr. Und Elfte, feine zweite Frau, ist iung, leichtfertig und will sich von James wieder trennen, und die erste Frau Selby soll ihr dabei helfen. Sie könne bann James wieder haben. Denn James soll glücklich sein. Als Gentleman hat «r natürlich die Schuld zu übernehmen. Ebenso natürlich will ste dann nicht allein bleiben. Sie wird Lord Dorset heiraten. Wer IameS hat genug von der ersten Scheidung. Janet will ebnfalls nicht, ihre Liebe ge­hört noch ihrem geschiedenen Gatten. Deshalb benutz: sie die Gelegenheit, als sie durch Logan von Erste Selbvs ehebrecherischem Wochenende mit dem Tän­zer Mario erfahrt. Elste un Scheidung unter Über­nahme der Schuld zu zwingen. Mit dem Scharfsinn eines Untersuchungsrichters. der Gewand theit e>n«s Diplomaten und der Umstcht eines gewandten Groß­kaufmanns erledigt sie den Rest von Elftes Schicksal in zehn Minuten am Fernsprecher: Elfte hat gelogen, denn Mario war doch mit ihr zusammen. Elste wird sich schuldig scheiden lassen, denn sonst erhalten Ja­mes Selby und Lord Dorsel einen aufllärenden tele- pbcnischen Bescheid Elste wird mit Lord Dorset fliehen, der am Telephon aus dem Kursbuch die nächste» Züge nach Dover von Elfte selbst vorgelesen bekommt.

James Selby gewinnt seinen Scheidungsprozeß Er ist erleichtert und malt Janet seine Zukunft vor:

Dies ist die Komödie vom vergeblhh geschiedenen James. Lenore Ehn von der Volksbühne in Ber­lin hat fte als Gast inszeniert, so leicht und so flott tote es das Stück verlangt. Der zweite Akt läuft eine kleine Strecke etwas matt dahin, aber das geht auf das Konto des Verfassers und ist kaum zu be­heben. Als Janet gibt Lenore Ehn ein taktvolles, beherrschtes Spiel, voll Wärme, ohne Sentimentali-

ben älteren Bruder George sehr frisch und ange­nehm. Ilse Bull spielte das bescheidene und treue Stubenmädchen.

Hellmuth Schubert als Bühnenbildner gab der Handlung ein klares und zweckmäßiges Milieu.

Das Publikum ließ nach Schluß des Stückes keine Ruhe und verlangte die Schauspieler mehr­mals auf die Bühne zurück. R. Gr

Gelehrter und Friedensapostel

Erzbischof Söderblom als Nobelpreisträger

Während von dem amerikanischen Staatsmann Kellogg jeder schon etwas gehört hat, da der von ihm dürchgesetzteKellogg-Pakt" ein wichtiges politi­sches Ereignis bedeutet, ist der Name des zweiten diesjährigen Trägers des Friedens-Nobelpreises nicht in so weite Krise gedrungen. Wer der schwedische Erzbischof Nathan Söderblom verdient durch fein Lebenswerk wohl noch mehr als der Ame­rikaner diese hohe Auszeichnung, denn fein ganzer Wirken und Forschen ist der geistigen Versöhttung der Weichheit gewidmet.

Söderblcm. der 64 Jahre ist, wurde als Sohn eines Pfarrers geboren und wurde selbst Priester. Da-! Apoftelwort, das ihm sein sterbender Vater zurief:Nicht daß wir Herren wären über euern Glauben, wir ftnd nur Helfer zu eurer Freude!", ist

das Leitmotiv seines Lebens geworden. Ms schwe­discher Gesandtschaftspfarrcr fn Paris setzte er dort seine Studien fort und erwarb an der Sorbonne den theologischen Doktorgrad. In demselben Jahre 1901 wurde er auf den Lehrstuhl für Religionsge­schichte an der Universität Upsala berufen und wirkte gleichzeitig als Pfarrer an der Dreifaltigkeits- kitche Durch feine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der vergleichenden Religionsgefchichte errang er sich einn großen Rtrf als Gelehrter, so­daß ihm 1912 die Universität Leipzig den neu er­richteten Lehrstuhl für diefes Fach anbot.

Söderblom hat 2 Jahre in Leipzig gewirkt, ohne seine Professur in Uphla auszugeben. 1914 wurde er zmn Erzbischof ernannt und leitete sofort mit seinem erste» Hirtenbrief seine Versöhnunzsarbeil

unter den christlichen Kirchen ein, die er während des Krieges und nachher unermüdlich gefördert hat. Er war für die Kriegsgefangenen tätig, forderte mit seiner in der ganzen Welt gehörten Stimme Recht und Gerechtigkeit für Deutschland, protestierte u. a. gegen die For.fetzunig der Hungerblockade nach dem Wafseustillstand und gegen den Ruhreinfall. Eine Krönung des großen Einigungstoerkes, das et für die ganze Christenheit ersttebt, war die Stockholmer Kirchenkonferenz, an der sieben Zehntel der ganze« Christenheit durch Vertreter beteiligt waren.

Söderblom hat in zahlreichen Schriften das Ideal einer '-evangelischen Katholizität" vertreten^ die jeder Kirche ihre Eigenart wckhrt, aber gerade dadurch das ihnen Gemeinsame betont und sie ein­ander näher bringt. Er selbst ein vorzüglicher Ken­ner der verschiedenen Konfessionen, hat aber seine Forschungen über das Christentum hinaus auf die religiösen Formen der ganzen WM erstteckt und in seinem WerkDas Werden des Gottesglaubens' dte einheitliche Wurzel alles religiösen Wesens aufgezeigt

Drei verschiedene Gedankenformen erkannte er als Grundlagen der Gottesidee: den Glauben an bie Macht des Zaubers, die Beseelung aller Dinge int Animismus und den Begriff des »Urhebers", der ein höchstes Wesen als Schöpfer und Erhalter an» nimmt.Er hat als erster in der Religions­wissenschaft die universalgeschichtliche Methode meisterlich gehandhabt", so hat ein berufener Kenner. Friedrich Heiler, feine Bedeutung gekennzeichnet, und die Religionsgefchichte über die engen Schran­ken philologischen Spezialistentums hinausgeführt. Er hat mit weitem Mick die außerchristliche und christliche Religionsgefchichte als umfassende Einheit geschaut".

Paul Eobeu-Portheim: England, di« unbekannt« Insel. Kart. 5 Mark, geb. 6.50 Mark. Klinckbardt und Siennann. Verlag, Berlin.

Paul Eoben-Portbeim untrrziebt sich der dringlichen Auf. a«6e, mit den falschen und unsicheren Vorstellungen, die dergebildet« Mitteleuroväer' von England und den Eng­ländern bai, auszuräumen. ,Ln jedem Engländer steckt ein Stück von einem Landmann und ein Stück von einem Seefahrer, und erst aus dieser Mischung wird sein Cbarak- ter verständlich, in dem fich das Nüchterne, Zähe Wurzelnde, Konservative des ersteren so seltsam mit Sem Romantischen, Abenteuerlustigen, Abergläubischen und Jungenhasten de» ledteren vereinen.' Alle Leüeusgebiet« des englischen Bol- kes. Politik, Gesellschaft. Kunst, Literatur. Theater und Presse, werden durchsorfchi, und immer bewährt sich Coden» Portheim als historisch gut geschulter, kluger und tem. verainentvoller Beobachter, sein Buch sührl den Seiet zum Verständnis des englischen Menschen, es bebt den Schleier, der über derunbekannten' Insel lag, und e» erfüllt seine Ausgabe in einer ach. wie fetten kann diese» Lob bei Büchern diesen Genres ausgesprochen werdest -» wahrhaft charmant«» Weis«.