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Zwanzigster Jahrgang
Kasseler Treueste Nachrichten
Montag, 1. Dezember 1930 / 2. Beilage
Andries letztes Tagebuch
Wie Andree und die Seinen starben
zen Tag über den nicht vors Zelt fetzen zu können und den Bau einer neuen Hütte planten, die sie beffer schützen sollte als das Zelt. So sammelten sie Treibholz, um sich gleichzeitig soviel Bewegung zu schaffen, als auf dem kleinen Raum des Strandes möglich war. Ast doch körperliche Bewegung in einer solchen Lage der einzige Schutz gegen Mutlosigkeit.
Aus dem einzigen Originalbericht, den Brockhaus jetzt foeben über die Andree- Expedition herausgibt, brachten wir in unserer Sonntagsausgabe jenen Abschnitt, der den Abflug der kühnen Forscher in das Polargebiet schildert. Heute können wir unsere Leser über die letzten erschütternden Aufzeichnungen Andrees, die man nach 33 Jahren auffand, unterrichten.
Am 1. Juli 1897 kappte Andree die Haltetaue seines Freiballons Adler und entschwand mit seinen Gefährten Slrmdberg und Fraenkel über dem ewigen Eis des Polarmeeres. 33 Jahre blieb die Welt darüber im Ungewissen, wann und wo der weiße Tod die drei Lustschiffer erreicht hatte. Dann legte der ausnahmsweise heiße Sommer 1930 ihr Todeslager auf der Insel Vitö frei; das norwegische Expeditionsschiff „Brcttvaag" machte zufällig diesen Fund, der seitdem die Welt in Atem hält. Ein weiteres Expeditionsschiff „Jsbjörn" nahm weitere Grabungen und Forschungen vor und barg neue Funde, und nun wird uns das Ergebnis dieser Entdeckung, das die Lösung eines ein Drittel Jahrhundert im Eis verborgenen Geheimnisses bringt, in dem (soeben bei F. A. Brockhaus in Leipzig deutsch erschienenen) von der Schwedischen Gesellschaft für Anthropologie und Geographie herausgegebenen Werk »Dem Pol ent- gegen" vorgelegt.
Das ergreifendste der Dokumente, die aus dem großen Tagebuch Andrses, aus dem Notizkalender und den Logbüchern Strindbergs und dem Wetterlagebuch Fraenkels bestehen, ist ein Notizbüchlein, das. sich in der linken Brusttasche von Andrses Mantel fand, der über den übel zugerichteten Resten seiner Leiche lag; es enchält die letzten Bemerkungen von der Hand des kühnen Polarforschers. Der Platz, an dem Andree zur letzten Ruhe entschlummerte, war bei der Auffindung nur noch durch die Kleidungsstücke bezeichnet, in die sein Oberkörper gehüllt war. Da die Stelle hoch am Abhang liegt, muß das Eis dort oft abgeschmolzen sein, und so war das Tagebuch den schädlichen Einwirkungen der Luft und der Wärme ausgesetzt. Daher sind nur die äußeren Ränder der Blätter erhalten, und die größte Mühe und Sorgfalt mutzte darauf verwendet werden, um einige kaum noch deutbare Bruchstücke dieser letzten Worte Andrses an die Nachwelt zu retten. Nur 4% Seiten des Notizbuches sind beschrieben; sie wurden durch ein photochemisches Verfahren wenigstens teilweise lesbar gemacht. Die erste Seite scheint sich sofort auf die Ereignisse auf der Eisscholle zu beziehen, die in der Nach, des zweiten Oktober 1897 geborsten war. Tie Reisenden, die ihren Ballon schon nach drei Tagen harten verlassen müssen und dann eine unendlich mühselige Wanderung durch das ewige Eis angetreten hatten, verloren dadurch einen großen Teil ihrer Vorräte und mutzten auch die Schneehütte verlassen, die sie sich auf der Insel Vitö erbaut hatten
Andrse schildert auf der ersten Seite des letzten Tagebuches den Zustand der Hütte und spricht von dem notwendig gewordenen „Umzug" aufs feste Land Es handelt sich um einen Platz auf Vitö, von dem nur der Anfangsbuchstabe „M.. ." zu entziffern ist. Wüßten wir diesen Namen, dann könnten wir den Platz, auf dem sie ihren Untergang fanden, so nennen wie sie selbst ihn bei der ersten Landung getauft. Im übrigen spricht diese erste Aufzeichnung vom 5. Oktober von .Eidervögeln oder Gänsen" und von einer Wanderung Andrses zu einem „Gletscher", vom „Nordlicht", das „nicht wärmt". Auf den nächsten Seiten ist von heftigem Wind die Rede; Beobachtungen über dre Bodengestallung und Namr der Insel folgen. Zum Teil im Dunkeln mußten sie sich an der neuen Stelle einrichten und ihre Habe dahinbe- sördern.
Wir können aus diesen Aufzeichnungen etwa folgenden Zusammenhana vermuten:
Bei heftigem Smrm- und Schneetreiben wurde die eisfreie südwestliche Landzunge der Insel erkundet; es stellte sich heraus, daß der Strand mit Felsblöcken und Grus bedeckt war. Man wählte einen höher gelegenen Platz als Lager — offenbar die Stelle, an der die Ueberreste gesunden wurden. Tann ist noch von Gletschern die Rede, und die letzten Worte beziehen sich gewiß auf Eismöven, von denen gesagt wird:
„In ihrer gegenseitigen Beute-Eifersuch machten sie nicht den Eindruck unschuldweißer Tauben, sondern richtiger Aasvögel."
Das ist die letzte naturwissenschaftliche Beobachtung, die Andrse aufzeichnete.
Und dann das lebte Blatt' Es ist nur zur Hälfte beschrieben und doch das inhaltsreichste von allen. Von „Zelt" und „Hütte" wird erzählt: „draußen auf dem Meer" geht etwas vor. wahrscheinlich hört man von dort das „Krachen" und „Knirschen" des Eisgeschiebcs. Dann wird von „Treibholz" und einem Versuch, sich Bewegung zu machen, gesprochen. Man ahnt, daß das Wet ter sehr schlecht war, daß sie fürchteten, den gan-
Damit endet Andrses letztes Tagebuch. Wir wissen heute, daß die Hütte niemals ausgeführt wurde. Wahrscheinlich wurden die letzten Zeilen seiner Aufzeichnungen am Ende der ersten Oktoberwoche nie- dcrgeschrieben. Danach gibt es in den aufgefundenen Dokumenten überhaupt nur noch eine Mitteilung, nämlich von Strindberg am 17. Oktober: „Nach Hause 7,05 Uhr vormittags". Mit diesem Augenblick verstummt die Kunde, im trostlosen Schweigen der Eiswüste versinken die Helden. Wie lange sie noch gelebt haben mögen, werden wir niemals genau erfahren.
Do X durch Feuer beschädigt
Aber der Flug wird fortgesetzt.
Lissabon, 1. Dezember.
(Sonderbericht von Bord des Do X.)
An Bord des Do X entstand am späten Sonnabend durch Funkenflug aus dem Auspuff an der Boje ein Brand. Funken flogen auf die obere Tragfläche und setzten die Stoffbespannung des Backbordflügels in Brand. Alle wesentlichen Teile des Flug- schisfes sind unversehrt geblieben. Die Ersatzteile für die Reparatur sind vorrätig und die Reparatur kann auf der Unterseebootstation in Lissabon vorgenommen werden und dürfte etwa zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Der Flug wird fortgesetzt. Die Beschädigung hat auf den geplanten Transozeanflug keinen Einfluß. Die Löschung des Brandes erfolgte ausschließlich mit Bordmitteln und allein durch die Besatzung.
Sreimender Szeandamvfer
Wie sieht es um den Lloyddampfer „Ludwigshafen?"
Neuhork, L Dezember.
Die Mackay Radio Co. fing einen Funkspruch aus Colon auf, wonach der Lloyddampfer „Ludwigshafen" 30 Meilen südöstlich von Cap Mala (Peru) Feuer an Bord meldete. Die gesamte Besatzung mit Ausnahme des Funkers und des Kapitäns ging in die Rettungsboote, als es aussichtslos erschien, den Brand eindämmen zu können. Der britische Dampfer „Benhorvich" antwortete auf die Notrufe, daß er der „Ludwigshafen" zu Hilfe eile.
* * * ..»wW’V”
Auf Rückfrage beim Norddeutschen Llovd in Bremen erfahren wir, daß aus der „Ludwigshafen", die von der Westküste Südamerikas aus sich auf der Heimreise befindet, um 2 Uhr morgens ein Brand ausbrach, der um 8 Uhr morgens auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Der Dampfer fahr nach Kap Mala mit eigener Kraft. Die Mannschaft hatte sich in voller Zahl wieder an Bord der „Ludwigshafen" zurückbegeben. Der englische Dampfer „Benhorvich" begleitet die Ludwigshafen, um nötigenfalls Hilfe zu leisten.
Opfer der Stürme
Deutscher Dreimastschoaer mit elf Personen unter« gegangen.
Kolberft. 1. Dezember.
Der deutsche Motordreimastschoner „Lütt", der mit Holz von Finnland nach Stettin in See gegangen war, ist seit fünf Wochen überfällig. Das Segelschiff, andcssen Bord sich der Kapitän mit Frei, eine Köchin, und acht Mann Besatzung befanden, ist ein Opfer der letzten Stürme geworden. Zehn Seemeilen nordnordwestlich des ostpommerschen Leuchtturmes wurde jetzt von Rügenwalder Hochseekuttern das kieloben auf der Holzladung treibende Schiff gesichtet und von 17 Kuttern nach Rügenwalde geschleppt, wo cs 230 Meter seewärts mit 'den Masten aus Grund geraten ist.
Frenzel hat dar Wort
Er beteuert feine Unschuld.
Berlin, 1. Dezember.
Im Frenzeiprozeß wurde dem Angeklagten unter allgemeiner Spannung das letzte Wort erteilt. Fren- zel erklärte u. a.: Ich habe über 25 Jahre in meinem Berufe und im Dienste des Feuerlöschwesens stets meine Nächstenliebe bewiesen und habe über zehn Jahre lang meine Kräfte in den Dienst der Oeffent- lichkeit gestellt. Stets war es für mich eine Freude, meinen Mitmenschen helfen zu können. Wenn ich mein Leben lang gearbeitet und gestrebt habe, so war ich immer beseelt von dem Gedanken an meine Familie. Ich wollte meinen Kindern ein sorgenfreies Dasein schaffen. Und nun, so fuhr der Angeklagte mit erstickter Stimme fort, werde ich beschuldigt, mich an meinen Kindern, die ich über alles geliebt habe, vergangen zu haben. Meine Herren Richter, ich erkläre, daß ich vollständig unschuldig bin.
Mit erhobener, Stimme sagte Frenzel dann: Ich habe noch so viel" Stolz und Ehrgefühl, daß ich um meinen Namen kämpfe und ich werde, solange ich noch ein Hemd aus dem Leibe habe, und solange ich noch die Kraft besitze, um meinen Namen kämpfen, da ich vollkommen unschuldig bin. Wie meine Tochter zu den Beschuldigungen gekommen ist, ist und bleibt mir ein Rätsel. Ich erkläre nochmals, daß ich vollständig unschuldig bin.
Die Sitzung wurde nunmehr geschlossen und das Gericht zog sich zur Urteilsberatung zurück, die auch am Sonntag fortgesetzt wurde.
Das Urteil soll am heutigen Montag verkündet weiden.
Deutschlands modernstes Telegraphenamt
Zum ersten Male in Europa: „Schnurförderung".
Leipzig, 1. Dezember.
Der gesamte Leipziger Telegraphenbetrieb ist in diesem Jahre zentralisiert worden. Mit der Zusammenfassung in dem Gebäude in der Hospitalstraße war eine völlige Modernisierung verbunden. Zwar ist das Amt Leipzig mit 14000 Telegrammen täglich nicht das größte, wohl aber das besteingertchtete Amt. Rohrpostverbindungen mit allen größerey Postämtern beschleunigen die Beförderung von den Postanstalten zur Zentrale und umgekehrt. Die wichtigste Neuerung aber ist die — nicht mit der bekannten Seilpost zu verwechselnde — „Schnurfördernng", ein System von gruppenweise angeordneten Schnüren, die die Telegramme von einem Arbeitsplatz zum anderen bringt und die bisher einzige derartige Anlage in ganz Europa darstellt. Mit Hilfe der Schnurförderungsanlage läßt sich die Zeit für die Weitergabe von Telegrammen im Durchgangsverkehr auf weniger als die Hälfte reduzieren. Klopfer (Summer), Fernsprecher, Springschretber und — im internationalen Verkehr mit Prag, Wien und London — der Hughesapparat, ein moderner Fernschreiber, vervollständigen die Apparatur des Zentra'amtes. Eine eigene Stromanlage macht es vom städtischen Leitungsnetz unabhängig.
Der Jnsbruckek Biologe Professor Haberlandt hat erstaunliche Experimente unternommen. Es gelang ihm herausgeschnittene und stillstehende Herzen von wirbellosen Tieren nach einiger Zeit wieder zum Schlagen zu bringen. Er verwendete dazu ein Gemisch aus Schneckenherzen und einem Hormon-Präparat.
Ltmberto Llrbano als Rigoletto
Gastspiel im Kasseler Staaistheater
Phot. Nehrdich
Statt einer Kritik wollen wir kurz den Verlauf dieses enttäuschenden Opernabends schildern:
* * *
Das Theater ist bis auf den letzten Platz besetzt. Ausverkauft. Man sieht nicht einmal die „Leute vom Bau". (Außer den Herren in der Regie- und Jnten- dantenloge, in der übrigens auch Herr Künnecke, der Komponist des liebenswürdigen ^Vetter von Dingsda"
und — neuerdings des „Tenors der Herzogin" fitzt.) Zeder ist feierlich gespannt.
So feierlich gespannt war man auch, als Baklanoff unlängst in der gleichen Rolle gastierte und dann stimmlich enttäuschte, eine Verstimmung, die indes durch Baklanoffs überragende Darstellung des Rigo- letto wieder wett gemacht wurde.
Maestro Urbano liebt nicht, wir wissen das von seinem letzten Konzert, den nach italienischer Sitte viel zu frühen Beginn der Oper. Seine Verspätung ist national begründet. So hat man Zeit, sich des Konzerts zu erinnern, in dem llrbano die Frauen mit dem Liebeslied „Caro mio Ben“ bezauberte und in dem wir die strahlende Höhe vermißten, die wir von seinen Schallplatten und von Radioübertragungen kannten. Es war damals das tragende schöne Piano, das ihm Beifall eintrug, natürlich bis zu einem gewissen Grade auch die blendende Erscheinung dieses ungewöhnlich großen Italieners. Von Temperament haben wir damals nichts gemerkt, überlegen wir....
Dann wird es dunkel.- Kurzes Vorspiel leitet zu der strahlenden Szene des herzoglichen Festes über, die leider die schönste Szene des Abends bleiben sollte. Wundervolle Einheit von Musik, Licht, Farben, Tanz und Bewegtheit der schwärmenden Gäste. Eugen Schürer, den man zum Herrn über Rigoletto-Ur- bano gesetzt hat, singt „mit Anstand und Würde" seine Romanzt, leider zu forciert in Ton und Mimik. Rach dem graziösen Menuett hört man zum erstenmal den East. D. h. man hört ihn, solange das Orchester schweigt. Aber schließlich ist ja für Rigoletto im ersten Akt nichts Sangbares. Höchstens das Schauspielerische könnte interessieren, und das ist vorläufig matt: llrbano schleppt sich durch den Raum, seine Bewegungen sind übermäßig getragen wie das Tempo, in dem er spricht und singt. Er hemmt das Ensemble mehr als daß er es fördert und mitreißt. Ein merkwürdiger Italiener. Das Publikum ist starr und rührt keine Hand nach dem ersten Akt.
Zm zweiten Akt müssen wir bald die Hoffnung
aufgeben, daß Urbanos Stimme den Anforderungen dieser Partie genügt. Rach der Szene mit Spara- fucile (Niklaus „deckt" den Gast „zu"), in seinem Monolog „Pari siamo ..." erleben wir einen Rigoletto, der die Szene fast jeglicher Dramatik entkleidet, der Glanz und kultivierte Ton von Urbanos Piano verliert sich im Forte, die Stimme ist verschleiert, klingt hohl und trägt nicht durch den großen Raum. Auf die erste Enttäuschung folgt die zweite: das Duett zwischen Gilda und dem Herzog. Schürer übertreibt, er fällt trotz der Heimlichkeit der Szene „mit der Tür ins Haus". Diese Liebesszene spielt eher in Riga als in Mantua. Hilde Oldenburg, der man mangels eines Koloratursoprans die Partie der Gilda anvertraut hat, müht sich redlich, partitur- getreu zu singen. Daß die Szene peinlich wirkte, kann man Hilde Oldenburg nicht als Tadel anrechnen. Ihre Fähigkeiten liegen auf anderem Gebiet.
Die Enttäuschung des Publikums entlädt sich demonstrativ in dem Beifall, den Schürer nach der Eingangsarie des dritten Aktes auf offener Szene erntet. Hier ist, das will der Beifall sagen, eine Stimme, deren Material überzeugt, eine Stimme, die klingt und trägt. Beachtlich bleibt in dieser Szene nur der rhythmisch reizvolle Chor der Hofleute und die aufblühende Stimme Hilde Oldenburgs, die sich im letzten Akt dann zu überraschender Größe entfaltet. Die zwei Glanznummern des Schlußaktes, die berühmte Kanzone „Ach wie so trügerisch" und das dramatische Quartett mißglücken nur zum Teil. Schürer forciert auch hier so sehr, daß der Atem nicht vorhält, die Kanzone ist ohne Glanz. Das Quartett wird dadurch, daß Urbanos Bariton fast ganz ausfällt und Ljuba Senderowna ehenfalls enttäuscht, zum Duett zwischen dem herrlich tragenden Baß des Josef Niklaus und dem strahlend über dem Orchester stehenden Sopran Hilde Oldenburgs.
Während man nach dem Finale den Beifall, mit dem man bisher sehr gespart hat, pflichtschuldigst und mit Rücksicht auf die teuer bezahlte Eintrittskarte ergiebig nachholt, diskutiert man draußen bereits, innerlich fertig mit dem Wesentlichen, die Kuriosa des Abends. Unter anderem: „E r hat, haben Sie es gemerkt, fünf Worte Deutsch gesprochen." — „So? Wann denn?" — „Im dritten Akt, wo Rigoletto den Hofleuteu nachplappert: Was gibts Neues, du Narr?"
Wie England seine Wohnhäuser vor lteberschwemmungen schützt
Ein hoher Ziegelsteinnnterba« ist der beste Schutz des Hauses gegen die alljährlich wiederkehrenden Ueberfchwemmungen, von denen die englischen Flutz- und Küstenstädte besonders schwer betroffen sind. Diese Vorrichtung will man jetzt an allen Hauneubauten hochwasserreicher Städte durchführen.
Oer verhaftete Generalsiaatsanwatt
Paris, L Dezember. 1
Ein tragikomisches Abenteuer hat kürzlich der Pariser Generalstaatsanwalt Donat Guigue erlebt; er ist nämlich vor seinem Büro im Pariser Justizpalast verhaftet und eingefperrt worden. Glücklicherweise dauerte die Hast nur 10 Minuten. Der Justrz- palast ist am Sonntag geschlossen. Nur ein Richter, der an diesem Tage Dienst hat, ist für dringende Fälle anwesend, aber den Rechtsanwälten ist der Zutritt versagt. An einem Sonntag Morgen wollte nun der Generälstaatsanwalt, der noch dringende und unaufschiebbare Arbeiten zu erledigen hatte, sich in fein Büro begeben. Die Wache an der Eingangstür erkannte ihn und ließ ihn respektvoll durch; auch beim Betreten des oberen Stockwerkes ließ man ihn bereitwillig durchgehen, aber als er dann vor die Tür seines Zimmers tarn, stellten ihn zwei Stadtwachen und fragten ihn, was er hier zu suchen habe. „Ich bin der Generalstaatsanwalt", sagte er, „ich muß unbedingt in mein Büro". Aber diese Erklärung sand ungläubige Gesichter, und der eine der beiden Männer ein Unteroffizier, schnitt alle weiteren Einwendungen mit dem kurzen Befehl ab: „Folgen Sie uns!" Sie brachten den hohen Beamten in eine Zelle in der in dem Palast befindlichen Polizeiwache und meldeten bann den Vorfall. Als der wachthabende Inspektor sich den Eingelieferten ansah, rief er ent» sttzi aus: „Sie haben den Generalstaatsanwalt verhaftet!" Nun stammelten die beiden Eutschuldigun- gen und Erklärungen, aber nun war es an diesem, ihnen das Wort äbzuschneiden. Er beglückwünschte sie zu ihrer Wachsamkeit, sagte, sie hätten nur ihre Pflicht getan und versprach ihnen, sie zur Beförderung zu empfehlen.
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Daß beliebte Künstler in Amerika gegenüber de« Rundfunkgesellschaften nicht vorsichtig genug verfahren können, beweist ein Erlebnis des bekannten Flu- sierbaritons Jack Smith; bei einem Konzert in Los Angeles mußte er plötzlich die Feststellung, machen, daß heimlich ein Mikrophon an das begleitende Klavier angeschlossen war und eine Sendegesellschaft ohne besondere Unkosten seine Kunst der ganzen Stadt üuermittelte. Jack Smith hat den Rundfunkleuten etwas geflüstert!
Vor der Aufführung las man bereits in den Zeitungen, daß in Anbetracht des ausoerfauften Hanfes ein zweites Gastspiel abgeschlossen sei. Wenn schon .... könnte man Urbano dann nicht wenigstens in einer Rolle gastieren lassen, die seine glänzende Erscheinung auswertet und dem lyrischen Charakter seiner Stimme entgegenkommt? Ich finde, auch Urbano ist das feinem guten Ruf schuldig.
G. M. Vonau.
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Anmerkung: Wie das Staatstheater soeben mit« teilt, findet das bereits angesagte zweite Urbano- Gastspiel nicht statt.
Operngemeins^kft in Oesterreich. Die Stadttheater kleinerer Gemeinden sind durch die schlechte Wirtschaftslage gegenwärtig fast überall gezwungen, ihre Vorstellungen einzustellen. Trotzdem ein starkes Theaterbedürfnis besteht, bespielt man sie jetzt von gün= füg gelegenen Zentralen aus. So ist gegenwärtig auch eine österreichische Städtebund-Oper gegründet worden, die ihren Sitz in Wien hat und Aufführungen in Baden, St. Pölten, Kremms, Bruck und Wiener Neustadt veranstaltet.
Theaterabbau — Theaterneuban. Um durch Vorstellungen in zwei Häusern die EinnalMen und das Interesse des Publikums am Theater zu steigern, wird die Verwaltung des Aachener Siadttheaters de« großen Saal des Konzerthauses durch Einbau einet Bühne und einer Beleuchtungsanlage spielfähig machen. Bei volkstümlichen Preisen sollen hier vorwiegend nur heitere Werke zur Aufführung kommen, zunächst das Lustspiel „Geschäft mit Amerika", bann als Erstaufführung das erfolgreiche Lustspiel „Grand Hotel", das nur im Konzerthaus aufgeführt urrb. Weiter wird Ralph Benatzky's Operette „Meine Schwester und ich" für das Konzerthaus einstudiert.
Amerikaner-Uraufführung in Königsberg. Tas Kö- niSberger Neue Schauspielhaus, das bereits Mitte R-ovember eine Uraufführung, das Lustspiel „Drer- mal Waterloo" von Eugen Gürster, hevausbrachte. wird am 29. November das Schauspiel „Luf.fahrt A. G." von John Tos-Passos unter der Regie von Intendant Dr. Fritz Jeßncr für Deutschland urauf« führen. Der Verfasser ist einer der bekanntesten modernen amerikanischen Dichter, dessen Romane „Ter 42. Breitengrad" und „Manhattan Transter" auch in Deutschland viel Beachtung sanden. Das Schauspiel »Lun fahr: A. G." behandelt die heutigen Zustände in Amerika in dichterischer Form,