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Nummer 278*

Donnerstag, 27. November 1930

20. Jahrgang

Deutschlands Appell an den Völkerbund

Oie Protestnote wegen der polnischen Llebergriffe geht heute nach Gens ab / Lteberfall auf das deutsche Heim in Thom

Keine Gondertagung in Genf

(Von unserer Berliner Schrtftleitung.)

th. Berlin. 27. November.

Die schweren Uebergriffe der Polen in Ostoberschlesien haben gestern abend den Gezenstand einer langen Beratung des Reichskabinetts gebildet. Auf Grund des Berichtes des deutschen Generalkon­suls in Kattowitz von Grünau ist das Reichskabinett zu dem Beschluß gelangt,

heute eine Protestnote an den Generalsekretär des Völkerbundes nach Genf abzusenden.

Diese Note wird von umfangreichem Beweis­material über die Vorgänge in Ostoberschlesten be- «leitet sein und wird voraussichtlich morgen ver­öffentlicht werden, wenn sie in Genf eingetroffen ist. Die deutsche Rote wird sich, damit der deutsche Schritt keine Verzögerung erleidet, Vorbehalten, die Einzel­heiten der Vorgänge noch nachzutragen. Es ist anzu­nehmen, daß

gleichzeitig auch noch diplomatische Schritte eingeleitet werden, um der Beschwerde den notwendigen Nach­druck zu verleihen. Außerdem werden die Ereig­nisse in Pommerellen Gegenstand einer be- sonderen Beschwerde der deutschen Min­derheit sein, der sich die Reichsregieruna gewis- scrmaßen als Nebenkläger anschließt. Beide Be­schwerden werden nun im Januar gemeinsam vor den Rat kommen.

Der Außenminister Dr. Curtius hat in der ge- strigen Kabinettssitzung. auf Grund des Berichtes des Generalkonsuls ein genaues Bild der Lage in Ober­schlesien gezeichnet und rechtlich die Möalichkeiten ent­wickelt, die für die deutsche Regierung in der Frage eines Einspruchs bestehen. Die Regierung hat sich daraufhin entschlossen, unter Bezugnahme auf Artikel 72 der deutsch-polnischen Konvention, an den Völkcr- bundsrat zu appellieren, aber sie hat

davon Abstand genommen, eine sofortige Sonderta­gung des Bölkerbundsrates zu verlangen»

Dafür sind verschiedene Gründe maßgebend gewesen, die vor allen, in der Richtung zu suchen sind, daß der Völkerbundsrat ohnehin im Januar zusammentreten wird, während eine Sondertagung, wenn sie auf unsere Anregung hin vom Präsidenten des Völ­kerbundes einberufen würde, wahrscheinlich frühe­stens gegen Ende Dezember stattfinden könn­te. Durch diese unmittelbare zeitliche Aufeinander­folge der beiden Ratstagungen würde die Sonder- tagung politisch entwertet werden und damit dem Zweck, den die deutsche Regierung in der Richtung einer Wiedergutmachung der Ostoberschlesischen Uebergriffe gegen die deutschen Minderheiten ver­folgt, zweifellos nicht gedient werden.

Keine Unbesonnenheiten!

Aufruf an die Bevölkerung des oberschlcsischen Jnduftriebezirks.

Gleiwitz, 27. November.

Angesichts der Erregung in Overschlesien wegen der Terrorakte gegen die deutsche Minderheit in Ost­oberschlesien erläßt der Polizeipräsident des Jndu-

striebezirks einen Hufruf an die Bevölkerung, in wel­chem er dringend bittet, sich auf keinen Fall zu ir­gendwelchen Gewalttätigkeiten gegen die polnischge­sinnte Bevölkerung oder gegen polnische Staatsange­hörige hinreißen zu lassen, da jede derartige Hand­lung den Erfolg der von der Regierung zu unterneh­menden Schritte auf das schwerste gefährden würde.

London, 27. November. Zu dem t e r r o r i st i- schen Vorgehen des Verbandes der polni­schen Aufständischen gegen die deutsche Bevölkerung in Oberschlesien meldet dieMorningpost", der man sicherlich keine Schönfärberei zugunsten Deutschlands vorwerfen kann, aus Warschau, daß unabhän­gige und zufällige Wahrnehmungen die bisherigen Berichte b e stä t i ge n. Die genannte Organisation habe eine provozierende und feind­selige Haltung gegen die deutsche Minderheit wäh­rend der letzten Wahlen gezeigt, die hinreiche, um, sei es auch nur teilweise zu erklären, warum die Zahl der deutschen Stimmen so zu rückgegangen sei.

Mrrfall auf das deuffche Heim in Thorn

Thorn, 27. November.

Eine Anzahl von Polen überfiel am gestri­gen Nachmittag das deutsche Heim in Thorn. Bereits vor 8 Tagen war einmal eine polnische Bande in das deutsche Klublokal eingedrungen und hatte eine Lampe zertrümmert. Sie hatten ober damals von weiteren Ausschreitungen Abstand genommen, da nur ein Deutscher anwesend war. Sie hatten ge­rufen: -Es lohnt sich nicht, wir kommen aber wie­der, wenn mehr Deittsckie hier sind".

Am gestrigen Mittwoch nachmittag gegen 5% Uhr drangen zunächst drei Polen in das Lokal ein. Sie überfielen die dort befindlichen drei Deutschen mit Stühlen und Stöcken. Fünf noch hinzukommende Polen bewarfen dann die Deutfchen mit Bierflaschen und demolierten die gesamte Einrichtung des Lokals. Ein aller deutscher Herr wurde schwer verletzt, zwei weitere Deutsche leichter. Die Einrich­tung wurde vollkominrn zertrümmert.

Die herveigerufene Polizei erschien erst nach längerer Zeit und nahm schließlich eine Verhaf­tung vor. Von dem Vorfall wurde dem deut­schen Konsul in Thorn sofort Mitteilung gemacht, der auch am Tatort erschien und Ermittlungen an­stellte.

*

Im Reichstag ist ein nationalsozialistischer Antrag eingegangen, der die Reichsregierung ersucht, umge­hend die erforderlichen Maßnahmen zu tteffen, um aus dem Millionenheer der männlichen Arbeitslosen einen freiwilligen Grenzschutz von mindestens 100 000 Mann zur Abwehr polnischer Uebergriffe längs der heutigen deutsch-polnischen Grenze aufzuftellen.

Vor der Entscheidung des Kabinetts

Heute noch Nachverhandlungen -er Sozialdemokraten mit Stegerwald

th- Berlin, 27. November.

Die Verhandlungen, die der Reichskanzler gestern mit den Vertretern der Reichstagsfraktionen geführt hat, konnten noch nicht endgültig zum Schlüsse gebracht werden, da es sich bei der Besprechung mit den Sozialdemokraten heraussteüte, daß diese noch einige Wünsche in Bezug auf die letzten Notverordnun­gen vom Juli haben. Diese Wünsche erstrecken sich auf eine Abänderung der Bestimmungen über den soge­nannten-Pfg.- Krankenschein. Die Sozial­demokraten verlangen, daß in diesen Bestimmungen Ausnahmen für langfristige Erwerbslose und Tuber­kulose-Kranke eingefügt werden sollen. Wegen diesen Spezialforderungcn wird heute noch eine Sonderver­handlung der Sozialdemokraten mit dem Arbeitsmini­ster Dr. Stegerwald stattsinden, und dann wird der sozialdemokratische Fraktionsvorstand zusammen­treten. Man nimmt an, daß hinterher noch eine Un­terredung mit dem Kanzler stattfinden wird, um das Ergebnis dieser Sonderbesprechungen festzustellen.

Im übrigen hat der Kanzler seine Verhandlungen mit den Fraktionsführern beendet. Er hat gestern nachmittag zunächst eine mehr als zweistündige Unterredung mit dem Führer der Deutsch-

nationalen Dr. Hugenberg gehabt, in welcher der Gesamtkomplex des Reformprogramms einer ge­nauen Erörterung unterzogen wurde. Sodann er­folgte die bereits erwähnte Besprechung mit den So­zialdemokraten und weiterhin ein Empfang des volks­parteilichen Vorsitzenden D i n g e l d e v, der den Kanz­ler darauf aufmerksam machte, daß jedes Abweichen des Kabinetts von der politischen Grundlinie seines Programms natürlich auch eine Aenderung der Hal­tung der Volkspartei mit sich ziehen mürbe. Schließ­lich hat der Kanzler noch den Vertteter der Bayerischen Volkspartei, den Prälaten Leicht, empfangen.

Man hat aus der Gesamtheit der gestrigen Be­sprechungen im wesentlichen den Eindruck gewonnen, daß ^bie Schwierigkeiten jetzt nicht mehr so sehr mit der Frage der parlamentarischen oder außerparlamen­tarischen Erledigung des neuen Reformprogramms, als vielmehr mit den Abänderungswünschen Zusam­menhängen, die vor allem von sozialdemokratischer Seite in Bezug auf ju Notverordnungen vom Juli vorgebracht werden. Es wurde festgestellt, daß die mehr oder minder glatte Erledigung dieser Streitfra­gen, die sich an die alte Notverordnung anknüpfen, von Einfluß auf die Behandlung des neuen Reformpro­

gramms sein wird, wobei man allerdings immer noch von der Auffassung ausgeht, daß noch nicht jede Möglichkeit einer parlamentarischen Lösung ge­schwunden sei.

Es ist anzunvhmen, daß daS R e i ch s k a b i n e t t entweder heute abend, oder, wenn sich die letzten Nachverhandlungen mit dem Reichsarbeitsministrr verzögern, spätestens morgen in der Lage sein wird, den abschließenden Bericht des Reichs­kanzlers entgegenzunehmen und über die wetteren Schritte BeMuffe zu fassen.

Antirussische Stimmung in Paris

Paris, 27. November.

DerMatin" erklärt ju den Anschuldigungen des int Moskauer Prozeß angeklagten russischen Profes­sors Ramsin gegen P o i n c a r e und B r i a n d, daß die Angelegenheit durch Dementi des Außenmini­sters unv des ehemaligen Ministerpräsidenten, sowie

einem diplomatischen Schritt des französischen Bot­schafters in Moskau nicht als beigelegt betrachtet wer­den dürfe. Da es dem russischen Diktator Stallin ge­fallen habe, das Wort dieser Staatsmänner derart herabMwürdigen, so bleibe für Frankreich nichts an­ders übrig, als mit Rußland keinerlei Beziehungen mehr aufrecht zu erhalten und dem russischen Botschafter in Paris seine Pässe zu überreichen.

-Königreich Kanada"?

London, 27. November. 1

Der Sprecher des kanadischen Parlaments beabsich­tigt, in der nächsten Sitzungsperiode einen Anttag ein­zubringen, wonach der Name Dominion Kanada in Königreich Kanada" umgewandelt werden soll. Der König soll das Recht erhalten, in Kanada unmittelbar Adelstitel usw. zu verleihen. Die Stellung des Gene­ralgouverneurs soll in die eines Vizekönigs um­gewandelt werden-

Staatsmänner desAuslands

HI Herbert Hoover

Am Michigansee, unmittelbar vor den Toren Chi­cagos, ist eine neue Siedlung entstanden. Sie ist Hooverville getauft worden. Im allgemeinen ist es natürlich für einen Staatsmann höchst ehrenvoll, wenn sein Familienname als Ortsbezeichnung . in die Geographie einzieht. Im Fall Hooverville aber lie­gen die Dings ein wenig anders. Den paar tausend armen Teufeln, die just den dollargesegnetsten Chi­cagoern ihre Hütten und Baracken vor die Nase ge­setzt haben, war es herzlich wenig um eine Ehrung ihres Staatsoberhauptes zu tun. Weshalb sollten sie den Herbert Hoover auch ehren? Etwa weil sie alle Mann für Mann ohne Arbeit waren, weil sie kein Geld hatten, Eisen und Zement für ihre Neubauten zu kaufen, weil die Schuttabladestellen ihre wichtigsten Baumateriallieferanten wären? Ach nein, was da am Michigansee aufgebaut wurde, war gewiß keine Mustersiedlung. Aber diese Siedler hatten trotz aller Nöte noch so viel Galgenhumor, daß sie sich selbst, ihr eigenes Werk und zugleich jene Prosperität, jenes Irn-Wohlstand-leben", von dem der Präsidentschafts­kandidat Hoover anno 1928 so nette und anmutige Bilder entworfen hatte, zum Besten haben konnten. Drum nannten sie dieses Gemisch von Hütten, Ba­racken und anderen undefinierbaren WohnIelegenhei- ten Hooverville, und drum bekam auch eine der pom­pösen Straßen in dieser pompösen Stadt das Namens­schildProsperitätsstraße". Eine in Holz, Backstein und Lehm geschriebene Satire auf die Hooversche Prosperitätspolitik also das ist dieses Hooverville.

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Die Vernunft hat über das Gefühl gesiegt," kom­mentierte ein Neuyorker Blatt den glänzenden Er­folg, den Herbert Hoover just vor zwei Jahren bei der Präsidentschastswahl errang. Einen Punktsieg hatte man, damals dem republikanischen Kandidaten wohl zugetraut, aber daß sein demokratischer Gegner k. o. gehen würde, hatten nur die wenigsten erwartet. Denn zweifellos hatte dieser Al Smith, den die Demokraten der Wählerschaft präsentierten, seine Qualitäten. Seine gerade, lebensfrohe Art mußte eigentlich das Herz des kleinen Mannes gewinnen, und als Redner von Temperament und volkstümlicher Begabung war er seinem republikanischen Gegner, der von seinem sorgfältig gearbeiteten Manuskript nie­mals loskommt, weit überlegen. Aber trotz aller menschlichen und rednerischen Qualitäten Al Smiths machte Herbert Hoover das Rennen. Der Verstand iegte über das Gefühl, und dieser Verstand erinnerte die Wählerschaft an die P r o s p e r i t ä t, an das Blühen und Gedeihen der Wirtschaft, das den Re­publikanern zu verdanken und durch die Wahl eines Republikaners am besten zu sichern sei.

Prosperität war das Schlagwort, mit dem Hoover einen großen Teil der Wählerstimmen fischte, und was sonst noch auf sein Konto kam, verdankte er der Tatsache, daß er hundertprozentiges Pankeetum reprä- entierte, während sein Ecgner, mochte er auch sonst noch so brav und sympathisch sein, diese hundert Pro­zent nicht erreichte. Denn ein Mann, der am katho­lischen Glauben seiner Väter festhält und sich dadurch von der Mehrzahl seiner Mitbürger unterscheidet, ent- pricht nun einmal dem Wunschbilde des Durch- chnittsamerikaners, der Has Typische und Uniforme liebt, nicht völlig. Al Smith hat das am 6. Novem­ber 1928 zu fühlen bekommen.

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Herbert Hoover ist Amerikaner vom Schei­tel bis zur Sohle. Die Genealogen haben frei­lich feftgestellt, daß Hoovers Vorfahren aus Deutsch­land stammten, und daß sein Name nur die amerika­nische Form des guten deutschen Namens Huber sei.

Aber es ist nun schon zweihundert Jahre her, daß die Ahnen des amerikanischen Präsidenten ans irgend­einem Orte im Badensischen die Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten angetreten haben, und be­kanntlich genügt ja leider zumeist schon eine viel kür­zere Zeit, um aus einer gut deutschen Familie echte Pankees zu machen.

Der heutige Herr im Weißen Hause darf den Ruh­mestitelSelf-made-man" für sich in Anspruch neh­men. Aus kleinen Verhältnissen arbeitet .--er sich die Stufenleiter, die zu Rang, Reichtum und Würden führt, empor. Werkstudent an der Leland Stanford- Universität und Bergwerksingenieur das sind die ersten Etappen. Mit jungen Jahren schon avanciert Herbert Hoover zum Generaldirektor des chinesischen Vergwerkswesens. Der Krieg öffnet ihm, dessen Name längst in der Industrie- und Bankwelt einen guten Klang hat, den Weg in die Politik; er wird der amerikanische Napoleon der Ernährung", und auf diesem Gebiete der Lebensmittelversorgung erringt er seine ersten großen Erfolge als Politiker und Organi­sator. Es ehrt übrigens den Menschen Hoover, daß er nach Abschluß des Krieges seine Hilfsaktionen auch auf die besiegten Völker ausdehnt, und bekanntlich hat der amerikanische Präsident auch neuerdings den Mächten Vorschläge unterbreitet, durch die verhütet werden soll, daß bei zukünftigen Kriegen der Hunger zum Mittel der Kriegsführung gemacht werde.

Das organisatorische Talent Hoovers ist im Kriege entdeckt worden und bei der Vorliebe, die der Amerikaner für alles Organisatorische hat, ist es geradezu eine Selbstverständlichkeit, daß sich die Prä­sidenten Harding und Coolidge dieses Organisations­künstlers bedienen. Der Handelsminister Hoover wird, wie ihm die amerikanische Presse immer wieder bekundet, derProsperitätsminister", und es war sein Wunsch und seine Hoffnung, daß auch seine Präsident­schaft einmal als eine Aera der Prosperität, als eine Blütezeit des wirtschaftlichen Lebens, in der Geschichte gerühmt werden würde. Eine Hoffnung, durch die freilich die Wirklichkeit einen dicken Strich gemacht hat...

In einem kleinen Schriftchen hat Hoover, damals noch Handelsminister, seine wirtschafts-philosophischen Ansichten niedergelegt. Freilich darf man sich unter dieser Wirtschaftsphilosophie keine abgrundtiefen Weisheiten vorstellen. Es ist eine Philosophie, die einen praktischen Zweck erfüllen soll, Hoovers Schrift will den Glauben an dieLebenskraft des in Ent­wicklung begriffenen Bekenntnisses, nach dem wir bis­her in unserem Lande (und, wie man im Sinne Hoo-. vers weiter sagen kann, ganz famos) gelebt hatten, auf alle Bürger der Staaten übertragen. Hier schreibt ein Mann, der in den Vereinigten Staaten die beste aller mötzlichen Welten sieht, ein Mann, der in seinem Pankeestolz zu der reichlich überheblichen Fest­stellung kommt:Wir haben an Europa mehr zurück­gegeben, als wir von dort empfingen."

Amerikanischer Individualismus" heißt der Generalnenner, auf den Herbert Hoover alle Wesensäußerungen seines Volkes zurückführt, und das etwa ist das System, das der philosophierende Wirtschaftspraktiker aufbaut: Das Selbstinter« esse des einzelnen ist dietreibende Kraft- zur Führerschaft und Produktion", es kann heute und in der nächsten Zukunft noch nicht ausgeschaltet werden, ohne daß die amerikanische Wirtschaft der Gefahr der Vernichtung ausgesetzt werden würde. Diese materialistisch klingenden Sätze werden dann aber prompt durch eine Reihe von idealistischen Forderungen abgeschwächt:Der Indio» dualismus ist nicht nur ein Ansporn zur Produkt»» und ein Weg zur Freiheit^ er allein erkennt auH tfI