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Kasseler Neueste NachMen

Kaffeler Abendzeitung

erf<6dnnnBeroetfe: wvSenMS fefiSma! nachmlstasS. UbonnementSvrei«: für »en Monai 2.30 jf 6« freier Zu­stellung Ins Haus, in der (Selchaiisstelle ubgcdoll 2,10 Jt. Durch die Post monatlich 2,80 Jt ausschlieblich Za- sttllangsgebübr. In Kallen von böberer Gewalt besteh! kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder aut Rtickzablung des Bezugsvretses, Verlag, Lchriftlettung und Druckerei: Kölnische Srrahe 10. — relcvbon: Lammelnummer 6800 itnrifb’ftbe svrechüunde leben Dienstag von 5 bis 7 Udr Kölnische Strotze Nr. 10.

Hessische Abendzeitung

flnjetaennretfe: SeschLfts. art »amitten.«n-etsen die 30 mm. Seite 11 «fennl, Meine «nsetoen an« Kassel das Wort . A. Auswärtige Kleine Anzeigen Sie SO mm breite Zeile 11 4. Anzeigen im Rcklameteil die <8 mm breite Zeile «5 4 Ottertgebübr 25 Jt (bei Zustellung 85 41. - Kür das Erscheinen von Anzeigen ia bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für televbonisch erteilte Auftrtge keine Gewähr. Re», mrngsbeträge innerhalb vom 5 Tagen zahlbar Gerichisnond Kassel. — Postscheckkonto Seanfiuti o. M. 6380,

Kummer 264*

Montag, 10. November 1930

20. Jahrgang

Oer neue Nationalrat in Oesterreich

66 Chr.stlich-Soziale, 22 Sozial? emokraten, 19 Anhänger und 8 Hekmatb'ock-Vertreter / Belgische Sozialdemokraten gegen Aufrüstung

Koalitionsfrage macht Gorgen (Eigener Drahtbericht).

Wien, 10. November.

Nach den Ermittlungen der HauptwahlbehSrde stellt sich das Endergebnis der gestrigen Rationalratswah- leit folgendermaßen dar:

Die Sozialdemokraten erhalten 72 Man­date (71),

die Christlich Sozialen 66 (73) Mandate, der Nationale Wirtschaftsblock und Landbund 19 (12 und 9) Mandate,

der He i m a ( b l o ck, der früher keinen. Kandidaten ausgestellt hatte. 8 (—) Mandate.

Dazu ist zu bemerken, daß die Christlich-Sozialen mit einer Wiener Gruppe der Hei,»wehren und mit de» Heimwehren Riederösterreichs ein Wahlbündnis hatten, während der nationale Teil der Heimwehren sowohl in Wien als auch in sämtlichen Provinzen eigne Kandidaturen in Gestalt des Heimatblocks auf­gestellt hatten. Der Nationale Wirtschaftsblock und Landbund umfaßte die frühere Grotzdeutsche Partei und den aLndbund und steht unter Dr. Schoberss Führung.

Von den Parteien, welche keine Mandate erhielten, entfielen auf die Nationalsozialisten in ganz Oesterreich 99 356, aus die Kommunisten 20 691, aus die österrei­chisch.-. Bolkspartei t1987, auf die Demokratische Mit tclpartei 6917, auf die Jüdische 2134, aus die Kaiser­treue Volkspartei 157 und aus die Nationaldemokraten 54 Stimmen.

Insgesamt beträgt die Zahl der abgegebenen sozial­demokratischen und komniunistischen Stimmen 1623 070 Stimmen, die der bürgerlichen Parteien und der Nationalsozialisten 1645 881; in Wien betrug die Zähl der abgegebenen nationalsozialistischen Stimmen 23 938, der kommunistischen Stimmen 10 591 Stimmen.

*

Tie Frage ist fetzt, wie die Nkehrheitsbildung er­folgen würde. Die bisherige Kombination ergibt selbst bei wohlwollender Neutralität des Schober­blocks, nur eine so geringe parlamentarische Mehr­heit. daß ein ausgesprochener Regierungslurs, wie er gewiß doch wohl angeftrebt wird, wohl kaum ein­gehalten werden kann. Es wird daher nichts übrig bleiben, als daß die Christlich-Soziale an Schober, den sie vor der Wahl gestürzt haben, wie­der mit der Bitte um Unterstützung heran treten.

Oie Derieilung -er Restman-ate

Starhcmberg im ersten Ermittlungsverfahren ohne Mandat.

Wien, 10. November.

Von bekannten christlich-sozialen Natio­nalräten sind bisher wiedergewählt: Bundes­kanzler Vaugoin, Außenminister Seipel, Unterrichts­minister Schmitz, Handelsminister Heinl, Landes­hauptmann von Niederösterreich Buresch und die Rationalräte Dr. Kienböck, Dr. Kunschak und Drexel. Von Sozialdemokraten: Bürgermeister Seitz.

Otto Bauer, Julius Deutsch, Glöckel, Danneberg und Leuthner. Der ehemalige Bundeskanzler Dr. Scho­ber ist mehrfach wiedergewählt.

Unter den Kandidaten, welche im ersten Ermitt­lungsverfahren vorläufig kein Mandat er­rungen haben, befinden sich noch der bisherige groß­deutsche dritte Präsident des Nationalrates Dr. Waber, der steyermärkische Landeshauptmann Dr. Rinielen, die Heimwehrsührer Starhemberg, Dr. Steidle, Pfriener und Major Fey, fer­ner der großoeutsche Abgeordnete Dr. Hampel- Steiermark und der in Kärnten vom Heimatblock als Kandidat ausgestellte ehemalige Landeskomman? dant von Kärnten. General Hülgerth.

Wenn auch die Reststimmen bereits in dem Ge­samtergebnis der Wahlen eingerechnet sind, erfolgt die Verteilung der Re st Mandate erst nach Verhandlungen innerhalb der einzelnen Parteien im Laufe der nächsten Wochen. Innenminister Fürst Starhemberg dürfte wieder ein Restmandat erhal­ten, desgleichen Justizminister Hueber, der ebenfalls noch ohne Mandat ist.

Das Wiener Ergebnis

Wien, 10. November.

Rach Berechnungen der Hauptwahlbehörde ver­teilen sich unter Einrechnug der Reststimmen die Mandate im Wahlkrcisverband Wien folgender­maßen: Sozialdemokraten 30 (plus 1), Christlich- Soziale 11 (minus 3), Rationaler Wirtschaftsblock und Landbund 4 (plus 2).

Ruhiger Verlauf

Wien, 10. November.

Die Nationalratswahlen, die gestern um 5 Uhr nachmittags abgeschlossen wurden, sind hier bei sehr starker Beteiligung der über 1,4 Millionen Wahlbe­rechtigt, besonders auch der Frauen, in vollkom­mener Ruhe vor sich gegangen. Hierzu dürfte wesentlich das schon Sonnabend mittag in Kraft ge­setzte und bis morgen früh anhaltende Alkohol­verbot beigetragen haben, das zahlreiche Gastwirte veranlaßte, ihre Betriebe überhaupt zu schließen. Auf den Straßen sah man ständige Bewegung, ein fort­dauerndes Kommen und Gehen der Wahlpflichtigen, die sich der Bedeutung ihrer Aufgabe voll bewußt schienen, wobei von Anreißertum ebensowenig zu be­merken war, wie von Schlepperwesen. Auch Polizei war nicht mehr als alltäglich in den Straßen zu sehen. Hier und da soll mit Wahlzetteln, die bereits in Wahlumschlägen enthalten waren, Schwindel versucht worden sein.

Kommunisten gegen Polizei

Vier Schwerverletzte in Hilden bei Düsseldorf

Düsseldorf, 10. November.

I» Hilden bei Düsseldorf hatten dieKommu- niften für Sonntag zu einer große» Stratzen- kundgebung gegen die Nationalsozialisten auf- gerusen. Trotzdem die Polizei die Veranstaltung verboten hätte, rückten am Sonntag nachmittag aus Richtung Geresheim, Benrath und Ohligs kom­munistische Züge in die Stadt ein. Die Hildener Po­lizei versuchte, mit Unterstützung der Landjägerei, die Umzüge aufzulösen. Die Beamten wur­den jedoch derart bedrängt, daß sie schließlich von ihren Schußwaffen Gebrauch machen mutz­ten, da von allen Seiten aus sie eingehauen wurde. Dabei wurden vier Personen, darunter eine unbetelligte Frau, schwer verletzt. Auch meh­rere Polizribeamte erlitten niehr oder weniger schwere Verletzungen, davon einer eine» Messerstich in de» Unterleib.

Llngebetene Gäste

Kommunisten überfallen eine nationalsozialistische Versammlung.

Stuttgart, 10. November

Las Polizeipräsidium teilt mit: Trotz polizeilichen Verbots der russisch en Revolrkttonsf^ier in

der Stadthalle und der damit zusammenhängenden Kundgebungen versuchten die K"mmunisten in den Abendstunden des Sonnabends von verschiedenen Plätzen der Stadt aus Temonstrationszüge su bilden und auf dem Marktplatz eine Ersatzkundgebung zu ver­anstalten. Verschiedene Umzüge mußten von der Po­lizei zerstreut und der Marktplatz geräumt werde». Hierbei mutzte verschiedentlich vom Gummiknüppel Gebrauch gemach» werde»..

In Zuffenhausen versuchten gegen 8 Uhr abends Kommunisten aus Feuerbach, eine natio­nalsozialistische Versammlung in der Turnhalle gewaltsam zu stören. Der Ueberfall war von den Kommunisten planmäßig vorbereitet. Kurz vor Beginn der Versamlung wurden von verschiede­nen Seiten Steine in die Fenster der Turnhalle, wo die nationalsozialistische Versammlung stattsano, ge­worfen. Zu gleicher Zeit versuchten mehrere Kom­munisten, ohne Entrichtung des Einttitispreises ge­waltsam in die Turnhalle einzudringen. Dadurch ent­stand eine Schlägerei, bei der abgebrochene Stuhl­beine und Messer in Aktion traten. Es gab viele Sch werverletzte, darunter einen Kommunisten, dem im Eifer des Gefechts von einem eigenen Partei­genossen der Bauch aufgeschlitzt wurde. Auch ein Polizeibeamter erlitt erhebliche Verletzungen. Das Stuttgarter Uebersallkommaudo traf nach zehn Minu­ten ein und säuberte de« StttA,

Kein Verbot der nationalsozialistischen Partei. Eine Korrespondenzmeldung, wonach ein Verbot der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei un­mittelbar bevorstehen soll, wird uns sowohl von preu­ßischer wie auch von der Reichsinstanz vollkommen in Abrede gestellt. Es wird namentlich von der Reichsinstanz vollkommen in Abrede gestellt. Es wird namentlich von der Reichsinstanz festgestellt, daß nichts dergleichen geplant sei.

Selglsche Sozialisten

gegen Sesesttgnng-baisten

Brüssel. 10. November.

Der Parteitag der,belgischen Sozialisten beschäftigte sich außer mit wirtschaftlichen Fragen auch mit der Gefahr eines neuen Krieges und in Verbindung mit diesem Problem mit den Projekten der belgischen Regierung für die Landesvertei­digung. Aus der eingehenden Diskussion über die

Darlegungen des Berichterstatters, der die Möglich­keit eines neuen Krieges nicht leugnete, aber für die Politik der Abrüstung eintrat, ging folgende Stel­lungnahme der belgischen Sozialisten hervor:

Der Versailler Vertrag sei ein Gewaltfrieden. Der Weg zur Revision sei im Vertrage selbst vor- .ezeichnet, und man müfic aus diesem Wege für die Revision kämpfen. Ma» behaupte häufig, daß eine solche Poli.ik die Rationalisten unterstützt, diese Ueberlegung dürfe aber die Sozialisten auch in ihrem Kampfe für die Gerechtigkeit nicht aushalten. Man wisse noch nicht, ob die belgische Regierung zwei Milliarden oder nur 300 Millionen für den Ausbau der Befestigungen fordern werde. Aber selbst wenn die Regierung nur 300 Millionen beantrage, so sei schon das zuviel.

Proucquere erklärte, in einer längeren Rede daß die Sozialisten, gegen jeden Tribut für den Ausbau der Befestigungen stimmen würben, denn der europäische Friede könne nicht durch Be- leftigunge», sondern nur durch internationale Zu­sammenarbeit sichergestellt werden.

Technik und Giaaiskunst

Von Rrichsminister a. D. Dr. Eugen Schiffer.

Deutschland, das scheinbar überall dabei war, geriet in Wahrheit in eine n o t splendid iso- lat i o n und verlor zugleich, da der Bülowblock von 1907 nur ein taktischer Erfolg war, die innere Kraft und Geschlossenheit, die allein es ermöglicht f>ä*te gegenüber dieser Isolierung auf sich selbst zu beruhen und in sich selbst die Sicherung seines Ta-

neue Gedankenkreise? Bringt es uns in der geschicht- chen Erkenntnis der Veraangenhett und dem Ver

'^•nävnie für die Geoenwart weiter?

Tas Buch en Hält eine Unmasse von Anektzoien -ft out. mi meist boshafter Zuspitzung erzählt. So •-»eit tze ni*t — n,nn’*,""rtT oa«» awiK«»

-"mttakeit Italiens ausaehöblt: utro aut _ bte’« fo ck»mal gewordenen Basis wurde eine unübersehbar -Tn-erterte Außenpolitik. eine auf eine überstürzte ’tnb überbtzte Ueberindnstrmlisieruna aufgebaute M«hai'idelsnolnik, eine expansive Floaten- und Ko- 'oniolavli'k. kurzum eine regelrechte Weltpolitik auf« -ft’aut. Auch im Innern wurde die bi^enae Trog- -'s*.' (iK-v-HrWi* -rn—er ft-’fw'T u—b k-^wächer.

9» diese» Tage« wird der zweite Teil der BLlow- fche» Denkwürdigtette» erscheinen. Wir erteilen im folgenden einem Politiker, der in der Vorkriegszeit nnd während des Krieges dervorgeireten ist. das Wort »« einer kritische» Betrachtung des ersten Bandes" der Bülowsche« Erinnerungen. Qbue uns die Ausfüh­rungen Schissers, der während des Krieges bekannt­lich Betbmann-Hollweg naüeitand. rueige« zu machen, glaube» wir doch, daß sei» Artikel allgemeine Be­achtung verdient, weil er den Blick ans die «rohen grundsätzliche« Frage« der Borkriegsvolitik lenkt lllovyrighi für diese« Artikel bei Nordische Gesell­schaft, Lübeck!.

Die Denkwürdigkeiten des Reichs­kanzlers Fürst Bülow stutz auf vier Bände berechnet. Der erste Band, der bereits erschienen ist, behandelt die Zeit vom sttatssekremriat bis zur Marokkokrife, der zweite Band kommt in diesen Ta­gen heraus. Schon der erste Band umfaßt nicht ioeniger als 634 Seiten nebst Vorwort, Vorbemer­kung und Anhang. Das darf uns nicht abschrecken. Wer drei Jahre als Minister des Auswärtigen und neun Jahre als Reichskanzler die Geschäfte des deut­schen Reiches führte und die Geschicke dos deutsche» Belkes lenkte, muß uns etwas zu sagen haben. Wenn er es recht ausführen tut — umso besser.

Noch aus einem anderen Grunde griffen wir be« "ierig nach diesem — Wr'gens sehr vornehm und geschmackvoll ausgestatteten — Buche. Vor seiner Herausgabe waren Auszüge in einer Berliner Ta­geszeitung erschienen. Sie enthielten ganz über­wiegend mir Schilderungen, die ein Überaus un« zünftiges Licht auf Wesen und Gebavren des letzten »aifers warfen. Man hatte die Hoflmmg, daß es sich hier um eine tendenziöse Auswahl einzelner aus dem Zusammenhang gerlssener Stellen handle, nnd daß wenn dieser Zusammenhang wieder herge stellt würde, der Verfasser von dem peinlichen Ver­dacht gereinigt erscheinen werde, er habe die Ver- öflenflichung f~hter Erinnerungen bauDtBMich dazu benutzt, den Mann zu verunglimpfen, dem er auf scr Höhe feines Lebens in einer besonderen Amts- nnd Vertrauensstellung nabe gestanden hatte. Die r-offnuroa hat sich nicht erfüllt. Die Angriffe gegen Wilhelm II. ziehen sich durch das ganze Werk; man kann sie als die Korsettstangen des Buches bezeich­nen Sie büßen im Zusammenhänge nichts an ihrer .^eftigfeit ein; ihre verletzende Schärfe wird eher noch gesteigert durch die bei ihnen angewandte Me­thode. Bül-w schleudert nämlich seine Pfeile nur -.um Teil selbst und unmittelbar auf fein Opfer, gitm andern Teil bedient er sich schriftlicher oder mündlicher Aeußerungen Dritter, die er wiedergi'bt, so daß er für sich den Schein der ObjÄtivität rettet.

Bei andere« Sterblichen tzgaegen verort Bülow einfacher, derber, gröber: gegen Graf Monts und Kiderlen, Delbrück und Harnack, Graf Posadowfky 'ind Admiral von Senden uns ungezählte andere. Vor allem haben es ihm Bethmann und Jagow an­getan. Ihrer Unfähigkeit und Unge'chickthelt, Kurz- nchtihkeit. Unbesonnenheit und überhaupt Uninläng- . oT ?. ."-in;- Unglück -i-' cltfT’

spielte. Sie sino vollgültige Beweise für die Schluß­folgerung, wie sie der Verfasser selbst mit folgcnbeit Worten zieht: „Kaiser Wilhelm 11. hat ost geirrt, er ist oft, nur zu oft, falsche Wege gegangen. Aber wenn er viel gesündigt hat, so ist von Speichelleckern Weihrauchstreuern und Kriechern auch viel .an ihm gesündigt worden". Sagte nicht schon Tacitusss es cÄbe keine Tyrannen, wenn es keine Sklaven gäbe. Nülow selbst freilich hat, wenn wir ihm glauben Dürfen, „frei von Schuld und Fehle bewahrt die kttidlich reine Seele". Aber doch nicht er allem. Es gab außer ihm und den wenigen, die vor seinen Au­gen Gnade finden, noch eine ganze Anzahl von Pe­inlichkeiten, die aufrecht ihren Weg gingen, schlichten Männerstolz vor Königsthronen zeigten und es ver­standen, den Dienst am Staate mit der Freiheit des Menschen zu vereinigen. Die sanden sich auch i» den hohe» und höchsten Stellen; und indem sie nicht tn das von Bülow gezeichnete Bild der Zeit ausgenom­men wurden, wird dieses Bild schief-

Dann aber die zweite und größere Enttäuschung. iyr sachliche Gehalt d->s Buckes ist unverhastnis- mäßig gering. Es mag nicht einmal besonders be- tont werden, daß die Richtigkeit der^tatsächlichen An- aaben anscheinend nicht immer über allen Zwettel erhübe» ist. Der frühere Reichsaubemnmlster ~r Rosen hat bereits in einem nicht unwichtigen Punkte der Angelegenheit des Windsorvertrages, «egen sie Widerspruch erhoben. Aber auch wüst: Was nutzt eS uns, daß Bülow sich immer wieder zu Bismarck brennt, seine Verabschiedung beklagt und belämmert --d sie dem Kaiser zum schwersten Vorwur, macht? Er sollte vor unseren Augen etnen Ver­gleich der Bismarck scheu P alittk mit der nachbismarckschen ziehen, die dcch Wesentliche» feine eigene war, und uns dartun, warum m die Politik des ersten Kanzlers unter, feinen Aach- ;Dtoern teils beibehalteit, teils amgegeben, und welcbe Folaen diese vorichdetzenartige Emitellung ge­habt hat. Bismarck ist in feiner Anßenvolttik un­entwegt von der äußersten Gefährdung feiner gran­diosen Reichsschöpfung als dem beberrschendeii Gs- sichtSvuickt ausgegangen, «r^hai niemals an eine neue Machterweiternng gedacht, sich nicht einmal ve -siolich der Macht, die er bereits errungen hatte, in Sicherheit gewiegt, dauernd unter, dem. cauchemär des coaliiions gelitten und das -Piel mieden fuuf Kuaeln wahrlich nicht aus Freiwe am jonglieren aeftnelt Deshalb hat er den Dretbmid geschallen, ach um England bemüht. Frankreich durch Kolou>al- »rwerb abzulenken versucht, mit Rußland den Rnck- ‘•nTn4v>rirn.i'3i'’cr*t~g ge'chl^a-n. tza<ür gesorgt, daß Deutschland den Boden der Autarkie nicht garzusehr erltere. und sich gegen Rio fern und Kolonialvolitir <->.<»» m<g»r nis bloß zum'ckdaltmd ae-eich Cr bnugte weder die Bestrebungen von Stosch noch die Plane -on Tirvitz. Rach seinem Abgang wurde das ^un- ■^ament deut-eher Machwel una immer schmaler, Rutz- >anb abaestoßen. Fraickresth verärgert, England zu- --iickaewiefen. der Dreibund durch die sortschreltentze

zu. ' Am allerschlechtesten aber kommt Mathias Erz- , 1'^ew.eien der ^eiouno onra> berger und Hugo Preutz. Philipp Scheidemann und I 'Setzung. der Dopve/monarchle und^ die ganz besonders Friedrich Ebert, der erste Reichs­präsident weg. Erst in einem der späteren Bände wird er, wie der Verlag in seiner Vorbemerkung mitteilt, dem „biederen Gastwirt" gerechter.

Immerhin snw alle diese Dinge zwar für die Wertung des Autors? aber nicht für die seines Wer- 'es bestimmend, lieber sie entscheidet envas Anderes Was bringt es an Sachlichem? Bringt es Ans- efqrnn/i >>urch »ei'e GästRtSw,»k«<>

klatsch darstellen, gewähren sie einen Einblick ■ -t S/>ti •*! bettt

sich damals diePolttik, zumal diePersonalpolittk, ab-

feins zn sinden. Das war der Weg zum Weltkrieg, und Bülow hat seine Begehung zwar nicht erö's- net, aber beinahe hemmungslos mitgea