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Hummer 252*
Montag, 27. Oktober 1930
20. Jahrgang
Optimismus in der preisfenkungsfrage
Verhandlungen des Reichskabinetts mit den Länderregier ungen / Schweres Schiagwetter-Ltngiück im Saargebiet: 92 Tote, 3 Vermißte und 20 Verletzte
Und wieder hundert Todesopfer!
Oie Schlagwetter-Katastrophe von Friedrichsthal
Friedenthal bei Saarbrücken, Sonntag.
Am Sonnabend gegen 15.30 Ufa ereignete sich im Flöz IV A der vierten Tiefbausohle der Grube Maybach in Friedrichsthal eine Schlagwetter- Kohlenstaubexplosion. Bis jetzt sind 86 Leichen zu Tage gebracht worden. Zwei Tote liegen noch unter Tage, drei Bergleute werden vermißt. Voo den Verletzten find vier schwer verwundet, vier gestorben und 16 leicht verletzt.
Da ist die Erde zum anderen Mal geborsten. Diesmal freilich wird es nicht so einfach abgehen mit ein paar hunoert Blutopfern und mit der dumpfen, stumpfen Verzweiflung eines Landes. Hier entfesselt der Aufruhr der Elemente den Aufruhr des Menschen, der auch ein Element ist. von Gott geschaffen und von allen Dämonen gejagt. Es ist nicht ratsam, als offensichtlich Unbeteiligter in diesen Stunden durch die armseligen Straßen des Städtchens Friedenthal zu schlendern und durch die Dörfer Sulzbach, Fifchtal, Quitschied. Heute ist kein Sonntag wie einundfünfzig andere auch im Jahr. Heute tobt der Hatz durch die Gaffen, die Wut, die in ihrer menschlichen Ohnmacht wild-verzweifelt die Hände ballt. Der schwarze Tod hat die Ihren niedergemäht, reihenweise. So schlagen sie einem armen Teufel von Photographen den Apparat ein. Sie sind nicht gsdukd ge Opferlämmer wie die Witwen und Walsen vom rheinischen Ms- dorf. Diese grauen Kumpels, nicht gerade verwöhnt vom Lebes. find — als wären sie angesteckt vom Stotzen Sterben, so sind sie.
*
Schon sind Agitatoren da, fremde Männer, weiß Gott von wo sie kommen, in keiner Belegschaft kennt man sie. Sie verteilen Handzettel: Streik! Nicht mehr hinabsteigen zu den Schatten! Schwarze Diamanten? Lächerliche, romantische Vorstellungen, die Ausbeuter euch eingehämmert haben! Rot ist die Kohle, blutigrot! Und diese Handzettel tun ihre Wirkung mit suggestiver Kraft. Die Kumpels, die eine unendliche Schar von grauen Brüdern sind, haben dieses Leben und Sterben satt. Das erstemal mochten ste's noch hinnehmen, wie eine Schicksalsfügung. Nun aber, da
durchalleHöllen. Selbst in den zerfetzten Schächten von Alsdorf muhten die Rettungsmannschaften nicht so qualvoll wie hier um jeden Schr.tt kämpfen und jeden Atemzug. Der Förderturm, von dem aus die Bergungskolonn.n unter Tag fahren, tst in we tem Umkreis abgejperrt. Auch hier, so hört man, können Explosivgase gelagert sein. Jeden Augenblick mutz mane eine neue Kohlen st aubexplosion für möglich halten. Die sich dennoch an den Bergungsarbeiten freiwillig beteiligten, bis zu deren bitteren, ho,fnungs- losen Ende, wurden Mann' für Mann aufmerksam gemacht, daß sie ihr Leben einsctzten im Dienst der großen Kameradschaft und mit nicht viel mehr Aussicht, als mit jener, die letzten Leichen zu bergen. Nicht einer unter Aberhunderten ist »urückgetreten. R. Kraus.
Srwenhaster Kampf
der Äellungsmannschasten
Saarbrücken, 27. Oktober.
Dir amtliche Mitteilung über das Unglück lautet: Am Sonnabend, den 25. Oktober, gegen 15,30 Ufa ereignete fich im Flöz IV A der vierten Tiesbausohle der Grube Maybach eine Schlaowetterkohlenstaub- explcsion. Beide Abbauflügel der Steigerabteilung 9 wurden von der Explosion durcheilt, die auf die benachbarte« Abteilungen nicht Lbergreifen tonnte, da die Gesteinsstaubsperre das weitere Umsichgreifen der Explosion verhinderte. Da die Wetterführung nicht gestört wurde, konnten die Rettungsarbeiten sofort ausgenommen werden.
Die Rettungsarbeiten mußten zwar einige Zeit wegen der bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Hitze eingestellt werden, wurden dann aber im Laufe der Nacht zum Montag fortgesetzt.
Bis jetzt find 86 Leichen zu Tage gebracht worden. Zwei Tote liegen noch unter Tage, drei Berg-
lente werden vermißt. Bon den Verletzten find vier schwer verwundet, vier gestorben, lt> leicht verletzt und einer bereits entlassen.
Uefar die Ursache des Unglücks kann nunmehr als seftstefaud angesehen werden, daß es sich um eine Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion handelt, die dann durch Eesteinsrieselung lokalisiert worden ist. Völlig unzutreffend sind die Gerüchte, daß am gestrigen Sonntag auf Grube Maybach eilte neue Explosion stattgesunden habe. Diese Gerüchte erklären sich dadurch, daß gestern die brennenden Gase, nachdem sie berieselt und gelöscht worden waren, dnch Wetterluken an die Oberfläche gesaugt wurden; bei dem diesigen Wetter sanden die Rauchwolke» keinen schnellen Abzug.
Die noch immer gashaltige Luft verhindert die Rettungsmannschaften am Arbeiten, obwohl alle mit Sauerstoffapparaten ausgerüstet sind. Das zu Bruch gegangene Gestein liegt so tief, daß die auf dem Rücken angebrachten Apparate nur hinderlich sind und leicht beschädigt werden können.
G atten der Trauer
Saarbrücken, 27. Oktober.
Am Nachmittag war es den Angehörigen der Verunglückten zum erstenmal erlaubt wor- öen, den mit weißen Astern und Lorbeerbäumen geschmückten Verlesesaal zu betreten, um die in vier langen Reiben auf Stroh gebetteten Lieben zu sehen. Die tiefe Stille wind des öfteren durch lautes Aufschreien ttn.evbrochen, sobald die Frauen, Mütter öder Geschwister ihre Taten erkannten.
Für Mittwoch 9 Uhr ist die Trauerfeier angesetzt.. Anschließend daran findet die Ueberfüh- nitng der Toten in ihre Heimatsorte statt.
Beileidstelegramme sanidten der Reichs- präfDent, der Reichsarbeitsmin-ister und die Reichsregierung, die preußische Regierung und der französische Arbeiisminister Pernot. Zur Linderung der ersten Not in den von der Katastrophe betroffenen Familien stellte die Regierungskommission des Saangebietes einen Betrag von 290 000 Franken zur Verfügung, der durch die Abteilung Volkswohlfahrt sofort zur Verteilung gelangen soll.
es ein Wiedersehen mit dem Granen gibt — die fern vorn Schutz und von den schlagenden Wettern sitzen, mögen tiefgründig vom G.setz der Serie schwatzen! Sie selbst, der Bergknappen totgeweihtcs, lebenstungrtges Heer, ein ganzes Land hat die Nerven verloren. Wer kann es ihnen verdenken? Zn Wochenanfang werden vielleicht sehr wenige Schlote und Hochöfen
Am die Tarifpolilik der Gemeinden
Eigener Drahtbericht.
rauchen im Revier.
*
Für die Eingeschloffenen besteht keine Hoffnung mchr. Sehr ruhig, ohne jedes sichtbare Zeichen von Erregung, macht der Beamte der französischen Bergwerksdirektion uns diese Mitteilung. Nur ein kleines Achselzucken, das seine Worte untermalt. Er ist Überhaupt pflichtgemätz wenig geneigt, Erklärungen abzugeben. Worte der Erschütterung, des Mitempfindens, der Bewegung? Ach, wie hilflos ist doch das Wort: wie sinnlos! Vom Tod spricht man im Telegrammstil. Und von den Ursachen überhaupt nicht. Die Direktion bedauert, Ihnen über die mutmaßliche Ursache der Katastrophe keine Aufschlüffe geben zu können! Man spricht von der Explosion einer Benzollokomotive? So, spricht man davon? .... Man wird noch sehr viel davon- sprechen, von dieser Hypothese und von anderen auch. Gerüchte, völlig unkontrollierbar noch und vielfach schon in der ersten Ueberlegung als abwegig zu erkennen, geboren aus allgemeinem Nervenzusammenbruch, flattern auf. Kein verantwortungsbewußter Beobachter will sich diese Gerüchte, diese Angriffe gegen die französische Bergwerksdirektion ungeprüft zu eigen machen. Die Echuldfrage wird vor aller Oeffentlich- keit geklärt werden muffen. Da hilft fein Versteckenspiel. Es erhebt sich vor allem die eine Frage, die in diesen Stunden von den Sachverständigen immer wiederholt wird: Ob die noch vorgcschr ebenen Sicher- heitsmatznahmen, ob insbesondere die Kontrollen des unter Tag verwendeten Materials, immer mit jener peinlichen Genauigkeit durchgeführt wurden, die auch eine landfr-mde und in ihrer Wirksamkeit zeitbegrenzte Direktion der Humanität schuldig ist. Ueber diese Fragen Hilst kein Achselzucken hinweg.
Inzwischen haben die Bergknappen den KampfmitdenElementenaufgenommen. Es gibt kein stärkeres Erlebnis als diesen Anblick: wie ein paar Gerettete, mit rauchgeschwärzten Gesichtern noch und von Husttnkrämpfen geschüttelt, das machen b:e giftigen Dämpfe, mit denen die Lungen sich oollgcsogcn haben, umkehren auf der Stelle, kaum haben sie noch recht aufgeatmet und ein paar Schritte auf dieser schönsten aller Erden probiert, um nun, selbst Retter, den Bergungsarbeiten den W g zu weisen. Dieser Weg zur vierte» Tiefbausohle fühtt
th. Berlin. 27. Oktober.
Nachdem das Reichskabinett in der vorigen Woche den Haushaltsplan verabschiedet hat. sollen nun in den ersten Tagen dieser Woche die einzelnen Gesetzentwürfe vom Retchskabinett endgültig verabschiedet werden, die zum großen Finanz- und Re- formprogramm der Regierung gehören.
Eine große Zahl dieser insgesamt etwa 30 Entwürfe ist bc.eils seit längerer Zeit fertiggestellt und es handelt sich nun nur noch um die Verabschiedung der letzten in Betracht kommenden Vorlagen. damit das Gesamtmaterial <Etat und Reformentwürfe) etwa Mitte oder Ende dieser Woche dem Reichsrat ü verwiesen werden kann der dann von der nächsten Woche ab bis Anfang Dezember den Gesamtkompler dureharbeiten wird. Fm Laufe dieser Woche wollen auch der Kanzler und der Finanzminister die
Besprechungen mit den Länderregierungen
,n Ende führen. Am Freitag werden die Unterredungen mit den Vertretern der kleineren norddeutschen Länder und der Hansastädte beginnen, und am Sonnabend wird eine Unterredung des Kanzlers mit der sächsischen Regierung in Dresden stattfinden.
In einem Schreiben, welches der Staatssekretär des Reichswirtschastsministeriums Dr. Tuende- l e n b u r g an die Länderregierungen gerichtet Hatz werden die Regierungen aufgesordert. für eine
Preissenkung im Anschluß an die Senkung der Kohlenpreise
zu sorgen. Diese Aufforderung wird bei den Länderregierungen wahrscheinlich ein Anzahl verschiedener Maßnahmen notwendig machen. Vor allem werden die Länderregierungen darauf wahrscheinlich bemüht sein, die Gemeinden zu veranlassen, daß im Rahmen der Neuregelung der Steuerverteilung von dem jetzigen System wieder abgegangen wird, bei welchem immer noch der Versuch gemacht wurdt, einen Teil der städtischen Schulden durch Erhöhung der Tarife, <Gas, Wasser, Elektrizfät usw.) zu betten. Länderregierungen sind bekanntlich die Aufsichtsbehörden gegenüber den Gemeinden, aber sie haben trotzdem nicht die Möglichkeit, auf die
Tarifpolitik der Gemeinden
einen unmittelbaren Zwang auSzuüben. Vielmehr
können sie nur indirekt auf die Tarifpolitik der Gemeinden einwirren.
In den Kreisen der Reichsregierung hofft matt, daß die augenblicklich im Gang befindliche P r e i s s e u- kungsattion trotz der erwähnten Schwierigkeiten einen fühlbaren Erfolg haben wird, und daß auch die Länderregierungen bei dem Versuch, auf die Herabsetzung der Gemeindetarife für Gas, Wasser u. Elektrizität einzuwirken, Erfolg haben werden.
Wieder Verhandlungen im Lohnkonsiikt?
th. Berlin, 27. Oktober.
Heute gehen im Reichsarbeitsministerium die Verhandlungen über Lohnkonsiikt in der Berliner Metallindustrie weiter. Man erwartet nach wie vor, daß es zu einer Einigung ohne VerhiudliclfteitZerklärung des Schiedsspruchs kommen wird. Dafür würde allerdings eine Basis wohl nur dann gegeben fein, wenn weitere Teile sich vorläufig mit einer kurzfristigen Verlängerung der jetzt geltenden Tarife abfinden, es ist aber sehr zweifelhaft, ob die Arbeitgeber, die sich bereits mit dem Schiedsspruch einverstanden ertlärt hatten, aus eine derartige vorläufige Lösung eingehen würden.
Die 10 Tage, die dieser Stteik in der Berliner Metallindustrie bereits andauert, haben nach einer (allerdings schwer kontrollierbaren) Berechnung der ,Montagspost" angeblich nicht weniger als 20 Millionen Mark gekostet und zwar dadurch, daß die sogenannten festen Kosten der Metallindustrie (Unterhaltung der Maschinen, Verzinsung des Kapitals, Verwaltungsunkosten usw.) im wesentlichen unverändert weiter laufen und in 10 Tagen etwa 20 Millionen ausgemacht haben, denen nur 10 Millionen Ersparnisse an Löhnen gegenüberstehen. Bei den Arbeitnehmern wiederum kommen diese 10 Millionen Löhne als entgangener Verdienst auf das Verlustkonto, und diese 10 Millionen werden — immer der ,Mon agspost" zufolge — für die Arbeitnehmer nur durch die Streikunterstützungen und bie Arbeitslosenunterstützungen ausgeglichen, deren Gesamtsatz höchstens 4 Millionen beträgt.
Alsdorf und Friedrichsthal
W. P. Wir sind ja so stolz, wir Menschen, stolz bis zum Hochmut. Stolz auf bas, was Menschengeist unb Menschenhand geschaffen haben. Wir berauschen uns an bem Gefühl, die Natur, Erde so gut wie Wasser unb Luft, zur Dienerin unseres Willens, zum Werkzeuge unseres Könnens gemacht zu haben. Wir überheben uns, weil wir bie Erbe mit Gebäuden unb Stäbten, mit Schienensträngen unb Wegen bedeckt haben, weil wir gelernt haben, ihren Mutterboden zur Hergabe immer reicheren Fruchtsegens zu zwingen, weil wir in ihr Inneres gedrungen sind, um die Schätze der Tiefe, um Kohle unb Eisen, zu holen. Wir jubeln, weil bas donnernde Lied unserer Motore die Lüfte durchsingt, weil selbst die geheimnisvollen Kräfte dieses Elementes uns dienstbar geworden sind. Wir sind stolz bis zum Hochmut geworden, und wir vergessen darüber vieles.
Bis Stunden kommen, bie uns dieses Vergessen schmerzend wieder ins Gedächtnis hämmern. Stunden der Not und der Heimsuchung, die uns lehren, wie klein das Menschenwerk, wie schwach des Menschen Können ist. Stunden, die uns das Wort „Tand ist das Gebilde von Menschenhand" in seiner ganzen Größe und Härte verstehen laffen. Stunden, in denen die Natur, die wir für die Sklavin unseres Willens hielten, die Ketten sprengt. Und auch uns, big wir von dem Leid, das dann über unsere Mitmenschen kommt, nicht selbst betroffen sind, die wir von ihm nur hören und lefen, lehrt diese Schule des Unglückes Demut und Selbsterkenntnis. Sie läßt uns erkennen, wie wenig Grund zum Hochmütig- fein vorhanden ist, und wieviel Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit notwendig sind, um der Schwierigkeiten Herr zu werdest, und sie läßt uns demütig sein vor dem, was außerhalb des menschlichen Wollens und Könnens steht, mögen wir es nun Zufall, Schicksal oder anderswie nennen.
Kaum ist der Bergmannsgruß, den die Kameraden den zweihundertsechzig Toten von Alsdorf zur letzten Grubenfahrt nachriefen, verklungen, noch weilen unsere Gedanken bei den Frauen, den Müttern und Kindern, denen diese Zweihundert- unbsechzig genommen sind, noch beschäftigt, noch lastet auf uns bie Frage, roie diese Katastrophe auf bem Annaschacht entstand, da jagt schon wieder eine neue llnglücksbotschaft durch das Land: Schlagwetter- Explosion im Saargebiet. Und wieder bringen der Draht und der Funk die Meldungen, die es uns zur traurigen Gewißheit werden lassen, daß die Totenliste von Friedrichsthal wächst und wächst, daß die Hoffnung^ die im Schacht noch eingeschlossenen Bergleute zu retten, von Stunde zu Stunde geringer wirb.
Die Knappen vom Maybachschacht werben wie all die Hunberttausende in den Kohlenrevieren an Ruhr und Saar, im Wurmgebiet und in Oberschlesien an diesem Sonnabend, an bem bie toten Kameraden von Alsdorf zur letzten Ruhe gebettet wurden, noch stiller als sonst an ihre schwere Arbeit gegangen sein. Und vielleicht sind ihre Gedanken bei dem „Glück auf“, mit dem sie sich von den Ihrigen trennten, zu jenen Familien gewandert, bei denen es kein Abschiednehmen und teine Heimkehr von Vater, Bruder oder Sohn mehr gab. Vielleicht auch war auf ihrem Schacht, in dem sie heute wie gestern und wie immer einfuhren, eine Fahne auf Halbmast zum Gedenken der Toten von Alsdorf gehißt; eine Fahne, die wenige Stunden später nicht mehr allein für die Zweihundertsechzig vom Schacht Anna II wehte. Und sie sind eingefahren, diese saarländischen Bergleute, weil die Pflicht, Brot zu verdienen, sie zwang. Weil die Menschen Kohlen gebrauchen, um ihre Zimmer zu wärmen, unb weil die Maschinen der Menschen stillstehen, wenn sie mit den schwarzen Schätzen der Erde nicht gefüttert werden. Sie find eingefahren, und hundert von ihnen sind dort unten geblieben. Die schlagende Wetter find durch die Stollen und Gänge des Maybachschachtes gebraust, alles vernichtend, was ihnen an Leben begegnete. Der Tag der Alsdorfer Totenfeier ward der Todestag der Friedrichs- thaler Bergleute...
Alsdorf und Friedrichsthal — zwei Schicksalsschläge, die uns Demut lehren, die unsere Herzen mit Liebe für die Schwester und Brüder, bie von diesem Schicksal getroffen wurden, erfüllen müssen: Und werktätig muß diese Liebe sein; wir müssen, jeder so gut wie er es in diesen Notzeiten vermag, denen helfen, die bitteres Leid erfahren haben. Ee, witz ist es in erster Linie Sache der Erubenoerwal« tungen und des Staates, die materielle Not, in dß die Angehörigen der toten Bergleute geraten find, ,y lindern; unsere Sache aber ist es, durch tatkräftige Hilfe uns zu jener Schicksalsgemeinschaft zu bekennen, die wir, ein Volk, das in Stände und Berufe zerfalle» ist, sonst leugnen. Das Unglück legt die Schranken, die uns sonst trennen, nieder, es läßt uns erkennen, was die anderen an Opfern für uns bringen.
Kein Stand aber bringt tagtäglich größere Opfer, als die Männer im schlichte? Bergmannskittel. Ihr Kampf um das Bvi»