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Kasseler Abendzeitung

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Nummer 249*

Donnerstag 23. Oktober 1930

20. Lahrgang

248 Todesopfer in Alsdorf geborgen!

Wahrscheinlich noch Tote unter den Trümmern / Grzesinski wird Polizeipräsident von Berlin? / Botschafter v. Prittwitz über die Lage in Deutschland

Das Rätsel der Katastrophe

Eigener Drahibericht.

Alsdorf, 23. Oktober.

Um 1,30 Uhr früh wird amtlich gemeldet: Die Zahl der bisher geborgenen Toten beträgt 248. Die Rettungsarbeiten werden jetzt für einige Stunden unterbrochen, da man bis zum Ende sämtliäser Reviere vorgcdrungen ist.

Es läßt sich noch nichtgenaufeststellen, wie viele n och v e r m i tz 1 werden, da unter den haushohen Trümmermassen noch Leute verschüttet sein können. Die Rettungsmannschaften melden, daß die Strecken teilweise 3400 Meter weit zu Bruch gegangen sind.

Die Rettungsmannschaften haben zehn Stunden und länger gearbeitet, ohne etwas zu essen. Bis tief in die Nacht harrte auch gestern eine große Menschen­menge geduldig aus, um die neuesten Ergebnisse zu erfahren. Am Schacht 1, wo die Toten herausbesörderi werden, standen die Rettungsmannschaften, Sanitäter und Feuerwehr in tiefstem Schweigen und warteten auf jeden Förderkorb, her aus der Tiefe emporstieg.

Die Meldung eines Berliner Morgenblattes, wo­nach eine aus einem Steiger und 20 Mann bestehende Rettungskolonne durch einen Zusammenbruch von Stollen völlig von der Außenwelt ab g e s ch n i t - t e n worden sei, entspricht, wie wir von der Gruben­verwaltung erfahren, nicht den Tatsachen.

Ltrsache immer noch ungek art

Reichstagsabgeordneter Sollmann über das Unglück.

Der Unfallausschutz hat gestern in Anwesen­heit von Vertretern des Gruöensicherheitsamtes Bonn, des Oberbergamtes Bona und der zuständigen Berg­revierbeamten unter Hinzuziehung der Sachverständi­gen der Versuchsstrecke zu Dortmund-Herne sowie der Chemisch-Technischen Reichsanftalt die Grube Anna II befahren. Im Anschluß an die Befah­rung fand eine Zeugenvernehmung und eine eingehende Beratung statt.

Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt. Fest steht, dah dir Sprengstofflager auf sämt­lichen Stollen der Grube in Ordnung find. Die zunächst angenommene Explosion eines Sprengstoff­lagers scheidet somit als Ursache des Unglücks aus. Soweit weiter festgestellt werden konnte, ist auch an dem Unglückstage kein Sprengstofstrausport in die Grube hinein erfolgt. Bei der Befahrung der Grube find bisher Anzeicheu einer Kohlenstaubexplo­sion unter Tage nicht ermittelt worden. Die Be­fahrungen und Untersuchungen werden heute fortge­setzt.

Köln, 23. Oktober Der Reichstagsabgeordnete Sollmann hat den Untersuchungen über die Ur­sachen der Grubenkatastrophe in Alsdors beigewohnt. Sollmann legt seine Beobachtungen und Erfahrungen in einem Bericht derRheinischen Zeitung" nieder, die in mehreren Einzelheiten von den bisher bekanntgegc- benen Feststellungen abweicht. Es heiß' darin u. a.:

Berlin, 23. Oktober.

Mit dem Wechsel im Präsidium des preußischen Innenministeriums ist voraussichtlich auch ein Wechsel im Präsidium der Berliner Polizei verbunden und obwohl ein amtliches Dementi dagegen vorliegt, hält man es in politischen Kreisen doch allgemein für absolut fldjer, daß der jetzige Ber liner Polizeipräsident Zörgiebel in nächster Zeit aus seinem Amte scheiden wird, um in einer der West­provinzen Verwendung als Regierungspräsident zu finden. Als Nachfolger wird der frühere preußische Innenminister Grzesinski genannt.

DorBörsenzeitung- zufolge soll das preu­ßische Staarsministerium in einer Sitzung gestern abend diese Frage erörtert haben. Das Blatt bezeich­net es, wie die meisten anderen Blätter, als sicher, daß der frühere Innenminister Gezesinski Nachfolger des Präsidenten Zörgiebel werden wird.

DasBerliner Tageblatt", das betont, die Ernennung sei nicht Sache des Ministerpräsidenten oder des Innenministers, sondern des Staatsministe­riums, bericht« im Gegensatz zurBörsenzeitung", daß das Dtaatsministerium tn -der nächsten für An­fang der kommenden Woche in Aussicht genommenen Sitzung sich erst mit der Angelegenheit beschäftigen wird. Das Blatt begrüßt tote geplant« Wtsderbe- trauung des als energisch bekannten früheren Innen­ministers mit der wichtigen Stellung an der Spitze her Berliner Polizei als einen weitere« Schritt im

Dix Untersuchung scheint mit zweifelsfreier Deut­lichkeit zu ergeben, daß die ursprüngliche Annahme, es habe eine Sprengstoffentladung stattgefunden, fal­len gelaffen werden muß. Es wurde festgeftellt. daß die letzte Anlieferung von Sprengstoff 3000 Kilo­gramm Wetterdetonit B. und 2000 Kilogramm Dy­namit Nr. 1 am L Oktober erfolgt ist. Diese Sprengstoffmengen wurden nach übereinstimmenden Zeugenaussagen noch am selben Tage in die unter­irdischen Lager geschafft. Fn der Nähe des Schachtes standen aber über Tage 150 Liter Benzin zum Füllen der Benzinlampen (der größte Teil der Grubenlam­pen ist elektrisch). --Ein größerer Benzoltank in der Nachbarschaft, der bis vor kurzem benutzt worden ist, soll nach den übereinstimmenden Aussagen aller Be­teiligten. auch Arbeitern, jetzt leer gewesen sein.

Die 150 Liter Benzin bringt man jedenfalls mit der Explosion in Verbindung, jedoch bezweifeln insbesondere die Arbeiter, daß das Benzin der Hauptherd des Explofionsunglückes gewesen sei. Die Arbeiter vermuten entgegen der Annahme man­cher Fachleute doch eine Schlagwetterexplo­sion unter Tage. Der gewaltige Lustrruck von unten habe oben das Fatz Benzin zertrümmert und

Reuyork, 23. Oktober.

Der deutsche Botschafter in Washington von Prittwitz-Gaffron ist von seinem Ur­laub zurückgekehrt. Er «ab der Presse gegenüber beruhigende Erklärungen über die Lage .in Deutschland ab und stellte dabei fest, daß die poli­tische Entwicklung der letzten Monate hauptsächlich aufdieungünstigeWirtschaftslage zurück- zusühren sei.

Die Welt brauche keine Revolution in Deutschland zu befürchten. Das deutsche Bolt sei nicht gewillt, sein Geschick den Extremen in die Hände zu legen. Die Reichsregierung werde die Po­litik konstruktiver Arbeit for-führen, nachdem ihr die Reichstagsabstimmung den Weg dazu geebnet habe.

Kritik an Brian-

Her»«: Briands Methoden sind zu langsam und zurückhaltend.

Paris, 23. Oktober.

H e r v s wendet sich in derViktoire" gegen die An­schuldigungen derAction Francaise", daß er mit

DieD A Z." nimmt dagegen scharf zu dem ge­planten Wechsel Stellung. Das Matt erinnert an toie RedeGrzesiu'kiam 30.3uni des vergansenen Jah­res in Frankfurt am Main, in der er gesagt habe, daß toie deutsche Arbeiterschaft diejenigen, die ihre politi­schen Rechte mit Gewalt anzu asten versuchten, dies­mal wirklich an toie Laternenpfähle anfknüpfen wür- v« uwd spricht von einem unklugen und gefährlichen Plan. Auch die Situation der Reichsregierung würde durch eine solche Geste auf das äußerste erschwert werden.

Neuer Schiedsspruch?

Die Rachoerhandlnugen im Berliner Metallarbeiter­konflikt.

th. Berlin 23. Oktober.

Für den heutigen Tag find die RachvrrHand­lungen im Berliner Metallarbejter- ftreik in Berlin anberaumt. Man nimmt an, - der Reichsarbeitsminister im Einvernehmen mit dem Reichskanzler dahin streben wird, in den heute begin­nenden Rachverhandlungeu eine« neuen Schieds­spruch zu erzielen, der niedrigere Prozentfätze für den Lohnabbau oorsteht und der infolgedefieu viel­leicht «ine Basis der Einigung für bei-« Parteien bil­de» könnte.

das anslaufende Benzin fei durch irgendwelche noch nicht geklärte Einwirkung explodiert und habe das Gebäude in Trümmer gelegt. Der Schacht fei durch den Stoß von unten luftleer geworden, und nun fei durch die Benzinexplosion ein Rückschlag der Flammen nach unten erfolgt. Wodurch die Schlagwetter entzün­det worden seien, bleib« allerdings auch bei dieser Kombination noch ungeklärt.

Interpellationen im Landtag

Fm preußischen Landtag sind von verschiedenen Fraktionen Interpellationen zu dem Grubenunglück cingebracht worden, die sich sowohl mit der etwaigen Schuld frage als auch mit Abwehrmaßnahmen für die Zukunft und mit der Fürsorge für die Hinter­bliebenen der Verunglücktenei'djäftigen.

So hat die soziald « mokra 1 ische Fraktion eine Große Anfrage eingebracht, in der das Staats­ministerium gefragt wird, ob alles seitens der Staatsre­gierung geschehen sei, um die schlimmste Not von den in Mitleidenschaft gezogenen Bergarbeiter-Familien abzuwenden, ob es in der Lage sei, die Ursache die­ser Erplosion dem Landtag mitzuteilen und ob die bergpolizeilichen Vorschriften für das Lagern der Sprengstoffe im unterirdischen Betrieb innegehalten worden seien.

Die Zentrumsfraktion weist in einer Gro­ßen Anfrage darauf hm, daß im Steinkohlenbergbau sich die Klagen der Bergarbeiter über Unfälle mehren die auf yicht genügende BeackMug der Bergpolizei­vorschriften durch die Grubenverwaltungen zurück­zuführen sei. .

Briand an einem Strang ziehe. Im Gegenteil sei er überzeugt, daß die Briandsche Methode mit ihrer Langsamkeit und Zurückhaltung unwirksam sei und Deutschland zur Verzweiflung bringe, anstatt es zufrieden zu stellen. Gegenüber dieser Zurückhal­tung schlug er ein mutiges Revisionsverfah­ren vor, das darin bestehe, alles zu prüfen, was im Versailler Vertrag als undurchführbar anzusehen sei und Was Frankreich ohne Gefahr zugestehen könne.

*

Fronttämpferverbände fordern Briands Rücktritts.

Paris, 23. Oktober. Verschieden« Frontkämpferver­einigungen, die nach ihrer Erklärung demGeist des Sieges treu geblieben" sind, haben einen ständigen Wach- und Aktionsausschuß der ehemaligen Front­kämpfer geschaffen. Dieser Aktionsausschuß veranstal­tete gestern im Wagramsaal eine große öffentliche Kundgebung, an der, wie behauptet wird, 10 000 Per­sonen teilgenommen haben. Die Versammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, in der die gegen­wärtige internationale Lage als logische Folge der durch den Geist von Locarno symbolisieren auswärti­gen Politik bezeichnet, die sofortige energische Umstel­lung der französischen Außenpolitik und als unerläß­liche Bedingung hierfür die endgültige Entfernung Briands gefordert werden.

Hirtenbrief -er österreichischen Bischöfe

Zu den Rationalraiswahlen.

Wien, 23. Oktober.

Die katholischen Bischöfe und Erzbi­schof« in Oesterreich haben für die Natio­nalratswahlen einen Hirtenbrief erlassen, keine Stimme einer kirchenfeindlichen, unchristlichen oder religionsfeindlichen Partei zu geben. Alle sollten ausnahmslos zur Wahl kommen und nur zuver­lässige, echt christliche Abgeordnete wählen.

Als unchriftlich werden unter anderen bezeichnet, die schrankenlose Pressefreiheit, die absolute Souve­ränität des Volkes, der übertriebene heidnische Natio­nalismus, der selbstsüchtige und rücksichtslose Libera­lismus und die Gedanken von der Errichtung eines kommunistischen und bolschewistischen Zukunfts­staates. Alles das seien die Irrtümer, die die Kirche als unchristltch erkannte habe und verurteile. Dieser Hirtenbrief wird am Sonntag von allen Kanzeln herab in Oesterreich verlesen werden

Neues amerikanisches Luftschiff

London, 23. Oktober.

Das amerikanische Marineidepartement hat im Itaaishaushalt für 1932 für Marincluftfahrtzweck« 134 Millionen Mark eingesetzt. Davon sollen 6,5 Mil­lionen Mark für den Ban eines neuen Luft­schiffes Z. R. S. 5 bestimmt sein.

Die Gerüchte über eine Aufgabe des Luftschiff­baues in der amerikanischen Marine beftätigen sich also nicht. Ob das Programm voll zur Durchfüh­rung kommt, wird von den Sparmaßnahmen -es Präsidenten abhängen.

Moskau fürchtet den Winter

Moskau, Ende Oktober.

Der Feind, den die Moskauer fürchten, sind nicht die -ausländischen Imperialisten", denn diese sind fern und untereinander uneinig. Auch hieinneren Feinde" jagen dem Sowjetbürger keinen Schrecken ein, denn die G. PU. wacht und nahezu täglich er­innert sie durch zahlreiche Hinrichtungen daran, daß sie eine würdige Nachfolgerin der Tscheka ist.

Moskau sürchtet sich vor dem Winter, fürchtet sich vor den langen Monaten neuer Entbehrungen. Dte Flüsse Rußlands bedecken sich mit Eis und bald wird auch in der Sowjethaup stadt der Winter em- ziehen. Die .Wintersaison" ist in Moskau durch die

Rationierung von Brennholz eröffnet worden. Die sehr ungünstige Gestaltung der Holzflößung und der Holzbereitstellungen hat diese Maßnahme notwendig gemacht. Von jetzt ab erhält die Bevölkerung Brennholz ans dem gleichen Wege wie die Lebensmittel und Verbrauchswaren nur gegen Starten durch die Genossenschaften. Angestch-s des großen Avbeitermangels bei den Ab­holzungsarbeiten sollen Schulen und andere kom­munale Betriebe in der Weise mit Brennholz versorgt werden, daß ihnen stehender Wald zur Verfügung gestellt wird. Man wird es also in diesem Wtnter erleben, daß Lehrer und Schüler Un­terricht Unterricht sein lassen und mit Beilen und Stricken bewaffnet in die Wälder ziehen werden, um sich Das nötige Brennholz zu beschaffen. Die Rano- nierung von Brennholz hat die tiefe Depression, Die über' der Sowjethauptkast lastet, noch weiter ver­stärkt. ,

Die Sowjetführer geben selbst offen zu, daß die Lebensmittellage/ gespannt bleiben wird, und zwar vor.allem bei Fleisch und Fetten. Man beab­sichtigt den Ausfall auf diesem Gebiet durch eine ver­stärkte Versorgung mit Fleischprodukten, vor allem mit Heringen, auszugleichen. Wie gespannt die Lage ist, zeigt der Umstand, daß die Sowjetbehorden

den Kreis der Bezugsberechtigten bei Lebens­rnittelnnach dem Klaffenprinzip" verringern wollen, um einebeschränkte Bevölkerungsschicht" ausreichend versorgen zu können.Wer nicht ar­beitet, soll auch nicht essen!", lautet, wie schon ein­mal in den Zeiten des Kriegskommunismus, die Parole. In Wirklichkeit hat aber auch derjenige, der arbeitet, wenn überhaupt, nur sehr wenig zu essen. Besonders katastrophal gestaltet sich jedoch in letzter Zeit die Verpflegung der Schulkin­der.

Ab L November wird in Moskau ein

neues Lebensmittelkartensqftem

eingeführt, wonach die gesamte Bevölkerung der Sowjethauptstadt in sieben Kategorien eingeteilt wird. Zur ersten Kategorie gehören dte Arbeiter der Industrie, die Eisenbahner, die Ingenieure und Tech­niker, zur zweiten Arbeiter nichtindustrieller Betriebe, Studenten, Schutzleute, Kriminalbeamte, Briefträger, Koche, Dienstmänner usw., zur dritten Kategorie die Familienmitglieder der zur ersten Kategorie gehöri­gen Personen, zur vierten Angestellte und deren Fa­milienmitglieder, sowie die Familienmitglieder der zur zweiten Kategorie gehörigen Personen, schließlich Invaliden, Rechtsanwälte undsonstige Werktätige". Erst die fünfte Kategorie umfaßt die freien Berufe, die sechste Kinder bis zu 14 Jahren, die siebente die Saisonarbeiter. Ab 1. Januar wird auch eine ein­heitliche Lebensmittelkarte auf dem ganzen Gebiete der Sowjetunion eingeführt. Die Jahreskarte soll aus vier Quartalblättern und zwölf Monatsblättern bestehen.

Zu den Lebensmittelsorgen des Moskauers kom­men in letzter Zeit in noch stärkerem Maße als bisher

Kleider- und Schuhsorgen

hinzu. Die Sowjetregierung hat bereits Werkstätten eingerichtet, in denen alte und unbrauchbare Klei­dungsstückeauf neu umgearbeitet werden. Die Be­hörden und Betriebe sind angewiesen worden, Lum­pen und Abfälle zu sammeln und sie den Kleiderwerk­stätten zu übergeben. Wegen Mangels an Leder sol­len Schulkinder Bastschuhe erhalten.

Die Preise steigen inzwischen immer wei­ter. Der Eesanttindex der Kleinhandelspreise im Privathandel, der in der Versorgung der Bevölke­rung in vielen Gebieten noch immer eine bedeutende Rolle spielt, ist 1929/30 um 114,4 Prozent gestiegen, darunter bei Industriewaren um 105,4 Prozent und bei landwirtschaftlichen Produkten um 129,2 Prozent. Die Kaufkraft der städtischen Bevölkerung geht im entsprechenden Verhältnis zurück.

Auch dieser Winter wird vergehen und im Früh­jahr wird die Sowjetpresse wieder neue Hoffnungen auf Kollektivierung, Industrialisierung, Ernte und andere schöne Dinge setzen. Unter welchen Opfern aber dasDurchhalten" im kommenden Winter er­kauft werden wird, kann man sich nur schwer au», malen,

Grzesinski Berliner Polizeipräsident?

Eigener Drahtbericht.

Sinne der Zusammenfnffuug der preußischen Macht­mittel.

Deutschland denkt nicht an Evolution

Botschafter von prittwih an die amerikanische presse