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eite 1-1 Beilage

Zur Wewelsburg!

Situ neue Wauderstrecke des Hessijch-Waldeckijchtu Sebirgs-Brreins.

Mit der Gabelkarte Kassel-Wolfhagen Wolfhagen-Kassel oder umgekehrt haben die beteiligten Vahnverwaltungen einem lang gehegten Wunsch aus Wanderkreisen entsprochen Da die Re­gierung mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln im letzten Jahre viel zur Erhaltung der Weidelsburg getan und insbesondere eine ge­fahrlose Besteigung des Bergsrieds wieder ermöglicht hat, kann dem wandernden Publikum die Benutzung der Gabelkarte die nur 2.10 RM. kostet dringend empfohlen werden.

Der Hessisch-Waldeckische Eebirgsverem hat, aus­gehend von dem Gedanken, daß der Wanderer keine Landstraßen marschieren, sondern lieber die Schön­heiten des Waldes sehen will, nunmehr in gemein­samer Arbeit seiner Wegeabteilungen Kassel und Wolfhagen eine mustergültige Wegebezeich­nung durch den Wolfhager Stadtwald angelegt, die allen bisher gezeichneten Wanderstrecken würdig an die Seite gestellt werden kann. In Wolf- Hagen beginnt diese Bezeichnung an der abfallenden

. 4t. AJA1--

Mittwoch, 22. Oktober 1936

Straße beim Landratsamt in Ippinghausen am Ein­gang zur Lekringhäuser Landstraße. Der Weg von Naumburg über die Weidelsburg nach Ippinghausen ist bereits von der Ortsgruppe Naumburg des HWEV. gut bezeichnet und wird demnächst überholt.

Die gesamte Wanderstrecke ist etwe 14 Kilometer lang und kann deshalb auch an schönen Wintertagen bequem erledigt werden. Für Schneeschuhwanderer ist die Strecke vorzüglich geeignet. Im Wolfhagener Stadtwald sind zwei Linien bezeichnet, von denen die eine durch den Alfringhäuser Grund etwa 40 Minu­ten länger ist, aber landschaftlich viel mehr bietet als der kürzere Weg. Ein Abkommen vom Weg ist bei einiger Aufmerksamkeit gänzlich ausgeschlossen.

Wo die Wanderung begonnen wird bleibt dem Wanderer überlassen, in beiden Orten sind gute Ab­fahrtsmöglichkeiten und empfehlenswerte Gaststätten zur Genüge vorhanden. Als Zwischenstation kommt Ippinghausen in Frage.

WenderShausen. Schwarzkittelfang. Der hiesige Iagdpächter hatte das Glück, in einem Wildfang ein Wildschwein von ca. 70 Pfund lebend einzufangen.

Bad Sooden. Hohes Alter. Bei bester Gesundheit und körperlicher sowie geistiger Frische konnte der Konrektor a. D. und Organist Ernst Müller seinen 70. Geburtstag begehen. Der betagte Mann leitet noch eifrig den Arbeiter-Fortbildungsverein. Ge­sellenprüfung. Die Lehrlinge Wilhelm Aha und Paul Kremmer bestanden die Prüfung für das Elektro­handwerk mit gut.

Riederhone. Landjägerversetzung. Die durch die Pensionierung des hiesigen Landjägers frei gewor­dene Landjägerstelle ist vom Oberlandjägermeister Krug aus Niederzwehr-n besetzt worden.

3m Nebel

Ein Auto fährt in den Graben.

Wie gefährlich der Nebel den Autofathrern werden kann, erlebte aus der Straße WaltersbrückBisch- Hausen der Führer eines Lastkraftwagens. Das Last­auto war mut Ferkeln beladen und fuhr in mäßigem Tempo die Straße entlang. An einer Stratzenkurv« aber mutzte der Fahrer plötzlich wahrnehmen, daß das Auto von der Srratze in den Straßengraben ab­rutschte. Unter Auhilfenckhme von sechs Pferden wurde das Auto aus dem Graben gezogen und da keinerlei Beschädigungen an dem Wagen waren, konnte die Fahrt fortgesetzt werden.

Waltersbrück. Unfall bei der Ernte. Beim Zuk- kerrübenabfalhren ereignete sich ein bedauernswerter Unfall. Der Arbeiter I. K., der bis Zuin Abend bei der Arbeit geholfen hatte, kam durch Sturz mit einem Bein unter den abfahrenden Wagen und erlitt eine» Beinbruch. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er mit dem Kreiskrankenauto dem Krankenhaus He- pchata zugesührt.

Waltersbrück. Mißgeburt. Aus dem Gutshose wunde ein Kalb geboren mit fünf Beinen und Zwei Schwänzen. Nach eintacn Tagen ging das Tier ein.

Wieder im Gotteshaus

Heinebach weiht seine 200 Jahre alte Kirche.

Feierlich klangen am Sonntag die Glocken vom Turm der alten Kirche herab und luden nach langer Zeit wieder Mn Gottesdienst ein. Nach dem Em- aangsstück ides Posaunenchores schloß sich ein Choral der Gemeinde an. Ein Gesang der Jugendvereine folgte. Alsdann hielt Landespfarrer D. Fuchs Me Festpredigt. Gin Gottesdienst, in welchem Pfarrer Elbrechtz predigte, fand am Nachmittag statt. Am Abend versammelte sich die Gemeinde zu einer Nach­feier im Gotteschause. Ein Vortrag des sind, theol. Alfred Giebel über die Vergangenheit Heinebachs so­wie der kirchlichen Verhältnisse, fand lebhaftes Jnter- effe. Kreispfarrer Hollstein-Guxhagen über­brachte im Namen des Kirchenkreises die herzlichsten Glückwünsche, pries «die Schönheit der Kirche und mahnte zu fleißigem Besuch derselben. Der Abend wurde verschönt durch Vorträge des Posaunenchors, Gesangvereins und der Jugendvereine.

Die Opfer des Kriegs

Goßfelden, 21. Oktober.

Die Ortsgruppe Wetter des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter veranstaltete eine gut be­suchte Versammlung für die Orte Goßfelden und Sarnau. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Lehrer Schütrumpf, Simtshausen, begrüßte die Kameraden Ebinger und Naumann aus Marburg. Alsdann hielt er ein Referat über »den Stand der Versorgung nach der Notverordnung vom 26. Juli 1930". Hierzu führte er aus, daß Beschädigte nach dem 27. Juli 30 keinen Anspruch auf Versorgung mehr gellend ma­chen könnten. Alle Zusatzleiden, die nicht im ursäch­lichen Zusammenhang zum Stammleiden stünden, könnten nach dem vorbezeichneten Termin nicht mehr geltend gemacht werden. Auch bei der Versorgung der Witwen und Waisen seien wesentliche Verände­rungen vorgenommen worden. Die Berufsausbil­dung der Kriegerwaisen sei auf das stärkste gefährdet Witwen- und Waisenbeihilfen würden nur noch ge­währt, wenn der Beschädigte im Zeitpunkt des To­des eine Rente von 50 v. H. bezog. Die gesamten Elternrenten sollten erneut geprüft werden mit dem Ziel der Rentenkürzung. Aus der ganzen Linie sei ein großzügig angelegter Abbau zu erkennen. Am Schluß seiner Ausführungen betont der Vortragende, daß der Zentralverband jetzt wie früher nur Forde­rungen erhebe, die im Rahmen der gegenwärtigen finanziellen Möglichkeiten lägen. Er forderte zu en­gem Zusammenschluß und zu eifriger Mitarbeit auf. Nach den Ausführungen des Kameraden Schütrumpf sprachen noch der Ehrenvorsitzende der Ortsgruppe, Kreistagsmitglied Hofmann Wetter, ferner Kamerad Ebinger von der Ortsgruppe Marburg. Am Schluß der Versammlung erklärten zehn Anwesende aus den Orten Sarnau und Goßfelden ihren Beitritt zur Ortsgruppe Wetter.

Ans der evangelischen Kirche. Die durch Pensio­nierung des seitherigen Stelleninhabers, Pfarrer Stockhaus, erledigte Pfarrstelle in Aufenau, Kreis Gelnhausen, ist dem Pfarrer F i n ck e - Bochum vom L Dezember d. I. ab verliehen worden.

tlnfere Heimat

Km die Giadtsparkasse Großalmerode

10 Minuten Stadtverordnetenversammlung i' in Großalmerode.

In der letzten Stadtverordnetenversammlung kam es sogleich bei Beratung des 1. Punktes der Tages­ordnung zu schweren AuseinansersetzunAen zwischen Her Fraktion der SPD. und dem bürgerlichen Siadl- verordnetenvorsteher Markert, wett verlangt wurde, über die Zusammenlegung der S'^adrsParkaffe mit der Zweiganstalt der Kreissparkasse Witzeuhausen ge­heim" abzustimmen. Da jedoch der Stadlverordneten- vorstöher öffentliche namentliche Abstimmung forderte, verließen die Mitglieder der SPD. den Sitzungssaal. Der Vertreter der Industrie, Fabrikant Goebel, folgte kurz darauf der SPD.--Fraklion, so daß die Versammlung nicht mehr beschlußfähig war. Die Stadtverondnetenversammluina hatte nach etwa 10 Minuten ihr Ende erreicht. Wie wir zu der Ver- schmelzungsaingelsgenhett weiter erfahren, haben sich die intereffterendsn Stellen schon seit einigen Jahren bemüht, die Stadlsparkaffe zu Großalmerode mir per Zweigstelle der Kreissparkasse Witzenhausen zusam- menzulegen. Die Verhandlungen scheiterten aber stets an der ablehnenden Haltung der städtischen Körper- K Zur Zeit sind anscheinend auf Drängen des ngsprästdenten Dr. FriedenSburg-Kaffel und des LandratS von Witzeuhausen wieder Verhandlun­gen angebähnt, um nunmehr «r einer Einigung in dieser Aktion zu gelangen. Soviel wir etntteteln konnten, hatte die Stadtsparkasse Großalmerode in den letzten Jahren gut« Fortschritt« zu ver­zeichnen. Wie hierzu noch von zuständiger Stell« er- kläri wird, bemühen sich bereits verschieden« Ge­schäftskreise, für den Fall der Zusammenlegung der Stadtsparkaffe mit der Kreissparkasse ein größeres Bankunternehmen zur Errichtung einer Filiäle in Großalmerode zu bewegen.

Obcrzwehren. Ein Nachfahr von GrimmS Mär­chentante -f. Gestern trug man den tm Alter von 82 Jahren verstorbenen Invaliden Christian Pierson, ein Nachfahr der aus dem Anfang des vorigen Jahr­hunderts bekannten Märchentante der Gebrüder Grimm, zu Grabe. Der Verstorbene war früher Pflasterer, avbettete im Winter im Steinbruch bei Weimar und machte Jahrzehnte lang den zwei Stun­den langen Weg zur Abbott täglich zweimal zu Fuß.

mer überwiesen. Trotz der schlechten Zeiten ist es gelungen, 2 Kurse zustande zu bringen.

Wrexen. In der hiesigen Papierfabrik ereignete sich am Samstag ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Sohn des Steinmetz St. von hier kam zu Fall, und stürzte mit dem rechten Knie aus das scharfe Meffer des Strohschneiders, wobei das Knie sehr erheblich verletzt wurde.

Cölbe. Gelegenheit macht Diebe. Ein Bettler nahm sich bei Abwesenheit der Familie H. den im Kellerfenster liegenden Schlüssel, öffnete das Haus und entwendete aus dem Küchenschrank einen größe­ren Geldbetrag. Mit den ihm hierbei in die Hände kommenden Schlüsseln der übrigen Zimmer drang er in die übrigen Räume ein und stahl verschiedene Wäschestücke. Durch spielende Kinder, die ihn beob­achtet hatten, gelang es, den Landjäger auf seine Spur zu bringen und seine Festnahme zu bewirken.

Alsfeld, Autounfall. Bei der Ablieferung eines neues Auws geriet der Wagenlenker Fuchs in der Nähe der Bierbrauerei Wallach mit dem Wagen ln den Chausseegräben, wodurch di« beiden Insassen erhebliche Verletzungen erlitten.

Biedenkopf. Im Silberkranz. Die Eheleute Aug. Unverzagt, Maschinenmeister des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins beging heute das Fest der silbernen Hochzeit. Unverzagt ist langjähriger Leser der .Kas­seler Neuesten Nachrichten".

Aus Eschwege und Umgebung

Waldkappel. Bedeutung des Fremdenverkehrs. In einer von der städtischen Verkehrskommission nach dem Siebrechtschen Saal einberufenen Versammlung sprach Schriftsteller W. Ide über die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs. Sein Vortrag wurde durch Lichtbilder ergänzt, die di« Schönheit der hessischen Heimat vor den Augen der zahlreichen Anwesenden erstehen ließen. Bürgermeister Oeding dankte dem Vorttagenden für seine Ausführungen, bileichzeitig teilte er mit, daß beabsichtigt sei, einen Verkehrsveretn zu gründen.

Eschwege. Feuerwehralarm! In Oberhone fand eine Feuerwehralarmübung des Feuerwehrbezirks Niederhone statt. An der Uebuna nahmen sämtliche Wehren des Bezirks teil. Sie stand unter der Lei­tung des Kreisbrandmeisters Ed. Döhle-Eschwege und des Bezirksbrandmeisters Bachmann-Niederhone

Eschenstruch. Reue Wasserleitung. Um den bishe­rigen Wassermangel in ben höher gelegenen Orts- totten zu behoben, beschloß hie Gemeind« den Bau einer neuen Wasserleitung. Die Hessische Braüdlasse hat einen beträchtlichen Zuschuß zu den Kosten in Aussicht gestellt. Die Arbeiten selbst wur­den von Hon Firmen Wonzol-Giterhagon und Küll- mer-Ouenwl übernommen und sinh bereits im Gan­ge Sie sollen so gesondert werden, Hatz bereits Mitte November Has Wert dem Betrieb übergeben werden kann.

Eschenstruth. Ein jahrelanger Wunsch unserer Gemeinde sieht jetzt seiner Verwirklichung entgegen. Schon lange litt der Höher gelegene Teil unseres Or­tes an Wassermangel. Besonders deutlich machte sich aber derselbe bei den letzten beiden Großbränden im Januar und im August bemerkbar. Aus diesem Grunde erklärte sich auch ausschließlich die Hessische Brandkasse bereit, einen Teil der entstehenden Ko­sten zu der neuen Leitung zu tragen. So wurde denn End« August dieses Jahres in der Gemeindevertre­tersitzung der Bau einer neuen Wasserleitung be­schlossen. Die Bauunternehmer» stellten alle ausge­steuerten Arbeitslosen für die AuSschachtungsarbei- ten ein. Man hofft, daß die neu« Leitung Mitte No­vember betriebsfertig ist. Außerdem sollen überall im Ort Hydranten angeschlossen werden. Durch die Siedlungsgemeinschaft .Hessische Heimat" wurde hier mit dem Bau von 3 neuen Wohnhäusern begonnen. Es sind Doppelhäuser, die 6 Familien ein Heim bie­ten werden.

Zierenberg. Erhöhung bet Realsteuern. Die Städtveroihneten stimmten her Erhöhung der Realsteuern von 120 auf 250 Prozent zu, um ine «tatsmäßigen Ausgaben in Höhe von 195 813,30 Mk. sicherzustellen. Außerdem wurde Has Waflergeld un­ter Festsetzung einer Mindestfreigrenze erhöht. Wei­ter mußte der elektrische Strom um 5 Pfennig aus 45 Pfennig hie Kilowattstunde und die Zählermiete um 100 Prozent erhöht werden. Nack einer Mittei­lung des Vorsitzenden dürste infolge ver starken Be­lastung beS WoWahrtsetats vorn Magistrat die Ein- führung der Bürgersteuer beantragt werden, doch be­stehen bei einem Doll der Stadtverordneten hierge­gen starke Bedenken.

Veckerhagen a. d. Weser. Für die Kaninchenzucht. Der im Januar d I. gegründete Kaninchen-Züchter­verein erfreut sich im Orte, sowie in der Umgebung einer guten Entwicklung dies beweist die ständige Zunahme neuer Mitglieder. Es werden von den Züchtern gute Tiere verschiedener Rassen gezüchtet. Um noch mehr an die Oeffentlichkeit zu treten, ver- anstaltet der Verein am Sonntag den 26. Oktober 1930 in seinem Vereinslokal Gills, Veckerhagen, ein großes Preisschietzen, wobei den Siegern wertvolle Preise von lebenden Kaninchen zufallen.

Verna. Wütendes Feuer. Die Scheune des Land­wirt Heinrich R. und das Gemeindebackhaus brannten ab. Di« Ortsfeuerwehr unt> die benach­barten Wehren vermochten nur das Wohnhaus und die Rachdargebäude zu retten.

Bebra. Beginn der LandwirtfchastSschule. An der Landwirtschastsschule wurde der neue Winterrursus der Mädchenklaffe am 14. Oktober eröffnet. Es neh­men 20 Schülerinnen daran teil. Die Probelehre­rinnen Gudewins nnd Rösler wurden der Schule als weitere Lehrkräfte von der Lairdwtrtschastskam-

Eschwege. Der Kleinkaliberschützenverein Eschwege veranstaltete unter großer Beteiligung ein Wettschie­ßen. Beim Vereinsmeisterfchaftsschietzen wurden Anacker mit 160 Ringen, Schröder mit 148 Ringen und Vaupel mit 1-40 Ringen die besten Schützen. Beim Preisschießen errang Buchbach den 1. Preis.

Eschwege. Beteiligung an der Hessischen Heim­stätte. Die Stadwerordneten beschlossen in ihrer letzten Sitzung, den Geschäftsantett der Stadt bei der Hessischen Heimstätte in Kassel von 50 Mark aus 3000 Mark zu erhöhen. Zum Nachfolger des aus dem Gewerbesteuerausschitß ausgeschiedenen Beige­ordneten Schuchardt Wurde Geschäftsführer Ernst Götting gewählt. Ferner wurde angeregt, dl« Liste der Wohnungssuchenden von neuem nachzuprüfen, um ein genaues Bild über die Zahl der fehlenden Wohnungen zu erhalten.

Eschwege. Goldenes Ehejubiläum. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit konnten bet bester Gesundheit die Eheleute Hegemeister Schröder begehen.

Aus dem alten Hessen und

Waldeck

Vergessene Jubiläen / Von cand. phil. Max Beck-Bergheim

Fast jede Stadt feiert irgendeinmal irgendein Altersjubiläum, seien es tausend, elfhundert oder noch mehr Jahre. Bei den kleineren Orten ist man hierzu nicht geneigt, denn meistens weiß man kaum, wie alt die Orte sinh Es sei hier nun versucht, eine Anzahl von alten Orten zusammenzustellen, die die Tausend auch schon erreicht haben und zugleich sei, wo dies möglich, die Bedeutung der Namen auch an­gegeben. Da ist das Dors

Affoldern an der Eder,

das um 840 als A s f a l t r a austauchte. Es ist also schon fast 1100 Jahre alt. Sein Name ist vielfach ge­deutet und eigenartigerweise ist man auf das nächst- liegendste noch scheinbar nicht gekommen. Man deu­tete ihn als Apselbach, setzte also die alte Endung a gleich althochdeutsch aha, was im allgemeinen auch stimmt und dann Bach heißt (so in Wrrba, Be­bra, ober in erhaltener Form der Endung in Bibe- rach, was im Grund« dasselbe wie Bebra ist), hier aber nicht notwendig zur Erklärmtg ist. Denn Af- faltra dürste doch wohl gleich ahd. ajfoltta sein, was einfach Apfelbaum heißt. Der Ortsname würde hier also auf die Beschaffenheit der Gegend Hinweisen, während das Apfelbach nicht sinngemäß sein würde, da ein Bach hier nicht in Frag« kommt, also die Deutung völlig utrfinni« wäre.

Ebenso all ist das benachbarte Mehlen,

dar zuerst N0 erwähnt ist, als Mehelina. 850 über­gab Go zwar der Fuldischen Kirche unter dem Abt Hatto, Affoldern. Gleichen (bei Gudensberg) Buhlen Viermünden (in Hessen) und Schreufa, Mehlen, Hier sehen wir also gleich eine Anzahl hessischer und wal- decktscher Orte aufgeMlt,

Die alle schon um 850 existieren.

Hierher gehören auch noch Anraff alz Antraffa, und Züschen als Turschinum. Aelter dagegen sind Giflitz

alsJusfelze und Bergheim, von denen das erste um 800, das andere bald nach 800 erwähnt ist. Fritzlar Geismar bei Fritzlar und der untergegangene Ort Haräbirge oder Herberge bei Naumburg werden schon 774 erwähnt. Etwas jünger ist Wohl Böhne als Bunahu und Mandern als Mandium. Helsen wird als Heliso um 870 angeführt. Ebendann auch das Dorf Massenhaufen, das aber um seiner Sln- merkung Halder besonders interessant ist. Es heißt nämlich Masinghuson-Matt oder auch Silva Masiu- gorum. Es ist daher zweifelhast, ob hier ein Ort vorliegt oder ob es sich um eine reine Gebietsbe­zeichnung handelt, die sich erst später in einen Orts­namen umwandelte. Vielleicht wohnte hier ein Tetl- stamm, der sich etwa Maftngi nannte. Es folgen nun die Orte die ihre

Entstehung einem allen Edelhof verdanken.

Es sind fast alle di«, die auf Haufen endigen. Ihre Entstehung fällt zumeist in die Zeit Mitte bis Enoe des 9. Jahrhunderts. Es finden sich: Wuringreshus, d. h. Haus des Wuringes (?) für Wirmighausen um 850. AlgereShus als Alleringhausen. bann Hirt- wardeshus als Herzhausen um 900.

Bon 900 werden endlich noch genannt:

Tuistai für Twiste. 850 Wetiun für Wethen um 900, Ryadra für Rhadern um 800, Beranthorpe für Berndorf 850, Fliathorpe, als Flechtdorf 850, eben­dann auch Helmonscode für Helmscheid, Goddeleue- schem für Goddelsheim 888, u a.

Diese Ortsnamen sind so gewählt, daß sie all« nur solche Orte angeben, die über 1000 Jahre alt sind. Was über die Grenze von 900 hinansgeht, ist ausgelassen. Manchem Ort möchte man ein Weit höheres Alter zuschreiben, aber da Belege fehlen, müssen wir uns mit den hier gegebenen Zahlen be­gnügen. Gesagt werden muß noch, daß mcht alle Ort« hier angeführt worden sind.

Hochwasser

Ohm und Wohra treten übet die Ufer.

Die anhaltenden Niederschläge der letzten Tag« haben einen Austritt der Ohm, Wohra und Kleim aus ihren Usern zur Folge gehabt. Das weite Ohm­tal von SHjveinsberg bis Anzefahr gleicht einem großen See Auf Anordnung des Lawdratsamls Würben bie Schleusen bei Anzefahr unb Schönbach geöffnet

Arm und verlassen

Mittel- und obdachlos von den Mitmenschen verlassen, suchte einer den Tod.

Einen Selbstmordversuch beging in Warburg ein jugendlicher Heimatloser. Passanten der Kasseler Straße fanden int Dunkel der Nacht einen jungen Menschen bewußtlos auf dem Wege. In der An­nahme. es handle sich um einen Betrunkenen, legte man ihn am Rande der Straße nieber. Ein Mit­leidiger nahm sich jedoch des Mannes an und fand bcchb heraus, daß er von heftigen Schmerzen ge­plagt wurde. Die Ueberführung in das St. Petit* Hospital wurde von einem herbeigeholten Polizei­beamten veranlaßt. Hier stellte sich heraus, daß bet Unglückliche eine bedeutende Menge Salmiakgeist zu sich genommen hatte. Eine sofort vorgenommen« Operation rettete den Lebensmüden. Das Wohl­fahrtsamt nahm sich seiner an und ermöglichte ihm die Heimreise zu den Eltern. Hunger und Elend haben den Armen zu der unseligen Tat getrieben.

Aus Waldeck

Waldeck. Einbau einet Bahnhofswirtschaft. Im Bahnhofgebäude wird eine Wirtschaft eingebaut Dieser Plan bei Eisenbahndirektion wird von allen Reisenden mit Freuden begrüßt. Bedauert wird all- gemein, daß zu den Arbeiten keine ortsansässige Handwerksmeister zugezogen wurden, ja diese nicht einmal zur Abgabe von Preisosferten aufgefordert wurden. ___________

Besörsterungskosten der Gemeinden

im Bezirk des ehemaligen Fürstentums Waldeck. I

Berlin, 21. Oktober.

In der heutigen Sitzung des preußischen Land- »ags wurde der Ausschußantrag vorgelegt:

Der Landtag wolle beschließen den Uranttag der Uba. Keller uinb Gen. »Das Staatsministermm wird ersucht, eine Abänderung des bemängelten Zustandes in der Weise durchzuführen, daß m ifibcm Falle nur der geringere Satz, der für die unter 10ü ha. liegenden Forstslächen gilt <m Beforsterungs- tosten je Hektar zu zahlen ist" m folgender Fassung anzunehmen:

»Tas Staatsmrnisterium wird ersucht, zu prüfen, ob nicht eine Aenderung der gesetzlichen Verhältnisse in Waldeck in Bezug auf die Beförsterungskosten an* gebracht erscheint", an den Hauptausschuß zuruck­überwiesen.

Waldecker Kuriosa

Zusammengepelll von Max Beck-Bergheim.

Die Einwohner von Freienhagen, erzählt man, hätten einst ausgemacht, nur der solle ihr Bürger­meister werden, der den bestenRelm machen könne. Eine Frau, die gern Frau Bürgermeisterin werden wollte, deren Mann aber sehr dumm war, machte sür diesen folgenden Reim:Ich heiße Johannes Baren­brand und stelle meinen Stock hier gegen die Wand. Der Mann aber sagte bei der Wahl:Ich heiße Johannes Bärenbrand ununun stalle mitten Stock hie gegen die Mure." Worauf nicht er, sondern seine Frau Bürgermeister geworden sein soll.

Vom Sachsenhäufer Schweinehirt wird er­zählt, er habe früher beim Zusammenrufen der Schweine im Dorfe folgenden Ruf gebraucht:Tulu- lut, tululut, tululut, Sugge tut, Pöttekon terbroken, Miälk gesopen, tululut, tululut, tululut.

*

1686 brachte in Mengeringhausen eine Frau zwei Töchter und einen Sohn zur Welt. 1700 starb in Let- dorn ein Mann im Alter von 102 Jahren.

*

Die Mengeringhauser Chronik berichtet tm Jahre 1663:Ao. 1530 circa Festum Barthol. AP ist schleu­nige feurige Hitz« in bet Luft bey Hellern Tag« geflogen, daß man an etlichen Orten meinte, es brannten Häuser: und hat die Leute so verhttzt daß etliche Menschen an derselbigen Plage innerhalb 1-. Stunden starben; welche Plage genannt ward der Englische Schweiß. Die aber 24 Stunden des Schlafs sich enthalten konnten, wurden dadurch vom Tode er-

Am 25. März 1640 ist in Hessen und Waldeck ein schweres Erdbeben gewesen, sodaß btc Hauser sich bewegt haben. 1638 hat am 7. Oktober der Schnee ttt Waldeck so hoch gelegen, daß an den meisten Orlen di« Aussaat nicht mehr stattfinden konnte.

Rundfunk

Programm des Frankfurter und Kasseler SettberS.

Donnerstag, bett 23. Oktober.

7.308.30: Frübkonzert auf Schallplatten

12.20: Mitiagsständchen (Schallvlattenf

1515.50: Bon Stuttgart: stunde der Jugend: Wir. spie, leit Zirkus. Hörspiel für ÄmLer von Ilie Obrig Personen: Reporter: Karl Ebert: Zrrkusdirektor: Fred Höger: August: Karl Karn«: Frau: Elte Reimann: Mädchen: Thea Struve-Jöbnnen: ei« Junge Spielleitung: A. G. Mcht«

16.00: Aus dem Kurbaus Wiesbaden: Konzert des Kur- orcheft«s Leitung: Musikdirektor Hermann Jrmer

17.50: Vorirag von Dr. Fritz SeckelSoll die Oper fort* bestehen?"

18.05: Zeitjragcn _

18.35:Eine Viertelstunde Deutsch vo« Dr. Fr. Walln«

19.05: Französischer Sprachunterricht

19.40: Zeitbtticht: Septembertagung der Völkerbundes m Genf Bearbeitet von Aetualis Spielleitung C. W. Stuhtmann

20.20: Zither-Konzert Susfitbreude: Martin Hofier (Zither) unb Mitglieder des Rundfunkorchesters

30.50: Die Instrumente des Orchesters VIII. V«traa von Hans Rosbaud Blechblasinftrumente: Wald­horn (bie Herren Angermaun, Bergmann. Labahn und Heudrich)

21.20: Overetten-Adenb des RirndfittckorchefterS Leitung: Reinhold Merten: Mitmtrkende: Lista Hettman», Overetten-Soubrette ..... .

22.80: Einbrecher um Mitternacht, et« kriminalistisches Hörspiel vo« Otto Schwerin

23.00: Nachrichten, Sportbericht unb Wettermeldung .

KSnigsw«fterbaufe«:

77.30: Uebertragung Berlin: Frühkonzert

10.1512.00: Uebertragung aus dem Festfaal bei Kwll: Kundgebung anläßlich b« 7. Bundestage des Deutschen Beamtenbundes

1312.55: Schallplattenkonzert:Potpourris auf _ ram- mophon"

1415.00: Schallplattenkonzert

16.8017L0:Ueberrragung des NachrnittagSkonz. Berlin

17.3017.55: Hausmusik

20.00: Au» Köln: Musikalischer Durcheinander

Kanach: Bo« Berlin: Tanzmusik