•eite 1-1 Beilage
Zur Wewelsburg!
Situ neue Wauderstrecke des Hessijch-Waldeckijchtu Sebirgs-Brreins.
Mit der Gabelkarte Kassel-Wolfhagen — Wolfhagen-Kassel oder umgekehrt haben die beteiligten Vahnverwaltungen einem lang gehegten Wunsch aus Wanderkreisen entsprochen Da die Regierung mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln im letzten Jahre viel zur Erhaltung der Weidelsburg getan und insbesondere eine gefahrlose Besteigung des Bergsrieds wieder ermöglicht hat, kann dem wandernden Publikum die Benutzung der Gabelkarte die nur 2.10 RM. kostet dringend empfohlen werden.
Der Hessisch-Waldeckische Eebirgsverem hat, ausgehend von dem Gedanken, daß der Wanderer keine Landstraßen marschieren, sondern lieber die Schönheiten des Waldes sehen will, nunmehr in gemeinsamer Arbeit seiner Wegeabteilungen Kassel und Wolfhagen eine mustergültige Wegebezeichnung durch den Wolfhager Stadtwald angelegt, die allen bisher gezeichneten Wanderstrecken würdig an die Seite gestellt werden kann. In Wolf- Hagen beginnt diese Bezeichnung an der abfallenden
. 4t. AJA1--
Mittwoch, 22. Oktober 1936
Straße beim Landratsamt in Ippinghausen am Eingang zur Lekringhäuser Landstraße. Der Weg von Naumburg über die Weidelsburg nach Ippinghausen ist bereits von der Ortsgruppe Naumburg des HWEV. gut bezeichnet und wird demnächst überholt.
Die gesamte Wanderstrecke ist etwe 14 Kilometer lang und kann deshalb auch an schönen Wintertagen bequem erledigt werden. Für Schneeschuhwanderer ist die Strecke vorzüglich geeignet. Im Wolfhagener Stadtwald sind zwei Linien bezeichnet, von denen die eine durch den Alfringhäuser Grund etwa 40 Minuten länger ist, aber landschaftlich viel mehr bietet als der kürzere Weg. Ein Abkommen vom Weg ist bei einiger Aufmerksamkeit gänzlich ausgeschlossen.
Wo die Wanderung begonnen wird bleibt dem Wanderer überlassen, in beiden Orten sind gute Abfahrtsmöglichkeiten und empfehlenswerte Gaststätten zur Genüge vorhanden. Als Zwischenstation kommt Ippinghausen in Frage.
WenderShausen. Schwarzkittelfang. Der hiesige Iagdpächter hatte das Glück, in einem Wildfang ein Wildschwein von ca. 70 Pfund lebend einzufangen.
Bad Sooden. Hohes Alter. Bei bester Gesundheit und körperlicher sowie geistiger Frische konnte der Konrektor a. D. und Organist Ernst Müller seinen 70. Geburtstag begehen. Der betagte Mann leitet noch eifrig den Arbeiter-Fortbildungsverein. — Gesellenprüfung. Die Lehrlinge Wilhelm Aha und Paul Kremmer bestanden die Prüfung für das Elektrohandwerk mit gut.
Riederhone. Landjägerversetzung. Die durch die Pensionierung des hiesigen Landjägers frei gewordene Landjägerstelle ist vom Oberlandjägermeister Krug aus Niederzwehr-n besetzt worden.
3m Nebel
Ein Auto fährt in den Graben.
Wie gefährlich der Nebel den Autofathrern werden kann, erlebte aus der Straße Waltersbrück—Bisch- Hausen der Führer eines Lastkraftwagens. Das Lastauto war mut Ferkeln beladen und fuhr in mäßigem Tempo die Straße entlang. An einer Stratzenkurv« aber mutzte der Fahrer plötzlich wahrnehmen, daß das Auto von der Srratze in den Straßengraben abrutschte. Unter Auhilfenckhme von sechs Pferden wurde das Auto aus dem Graben gezogen und da keinerlei Beschädigungen an dem Wagen waren, konnte die Fahrt fortgesetzt werden.
Waltersbrück. Unfall bei der Ernte. Beim Zuk- kerrübenabfalhren ereignete sich ein bedauernswerter Unfall. Der Arbeiter I. K., der bis Zuin Abend bei der Arbeit geholfen hatte, kam durch Sturz mit einem Bein unter den abfahrenden Wagen und erlitt eine» Beinbruch. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er mit dem Kreiskrankenauto dem Krankenhaus He- pchata zugesührt.
Waltersbrück. Mißgeburt. Aus dem Gutshose wunde ein Kalb geboren mit fünf Beinen und Zwei Schwänzen. Nach eintacn Tagen ging das Tier ein.
Wieder im Gotteshaus
Heinebach weiht seine 200 Jahre alte Kirche.
Feierlich klangen am Sonntag die Glocken vom Turm der alten Kirche herab und luden nach langer Zeit wieder Mn Gottesdienst ein. Nach dem Em- aangsstück ides Posaunenchores schloß sich ein Choral der Gemeinde an. Ein Gesang der Jugendvereine folgte. Alsdann hielt Landespfarrer D. Fuchs Me Festpredigt. Gin Gottesdienst, in welchem Pfarrer Elbrechtz predigte, fand am Nachmittag statt. Am Abend versammelte sich die Gemeinde zu einer Nachfeier im Gotteschause. Ein Vortrag des sind, theol. Alfred Giebel über die Vergangenheit Heinebachs sowie der kirchlichen Verhältnisse, fand lebhaftes Jnter- effe. Kreispfarrer Hollstein-Guxhagen überbrachte im Namen des Kirchenkreises die herzlichsten Glückwünsche, pries «die Schönheit der Kirche und mahnte zu fleißigem Besuch derselben. Der Abend wurde verschönt durch Vorträge des Posaunenchors, Gesangvereins und der Jugendvereine.
Die Opfer des Kriegs
Goßfelden, 21. Oktober.
Die Ortsgruppe Wetter des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter veranstaltete eine gut besuchte Versammlung für die Orte Goßfelden und Sarnau. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Lehrer Schütrumpf, Simtshausen, begrüßte die Kameraden Ebinger und Naumann aus Marburg. Alsdann hielt er ein Referat über »den Stand der Versorgung nach der Notverordnung vom 26. Juli 1930". Hierzu führte er aus, daß Beschädigte nach dem 27. Juli 30 keinen Anspruch auf Versorgung mehr gellend machen könnten. Alle Zusatzleiden, die nicht im ursächlichen Zusammenhang zum Stammleiden stünden, könnten nach dem vorbezeichneten Termin nicht mehr geltend gemacht werden. Auch bei der Versorgung der Witwen und Waisen seien wesentliche Veränderungen vorgenommen worden. Die Berufsausbildung der Kriegerwaisen sei auf das stärkste gefährdet Witwen- und Waisenbeihilfen würden nur noch gewährt, wenn der Beschädigte im Zeitpunkt des Todes eine Rente von 50 v. H. bezog. Die gesamten Elternrenten sollten erneut geprüft werden mit dem Ziel der Rentenkürzung. Aus der ganzen Linie sei ein großzügig angelegter Abbau zu erkennen. Am Schluß seiner Ausführungen betont der Vortragende, daß der Zentralverband jetzt wie früher nur Forderungen erhebe, die im Rahmen der gegenwärtigen finanziellen Möglichkeiten lägen. Er forderte zu engem Zusammenschluß und zu eifriger Mitarbeit auf. Nach den Ausführungen des Kameraden Schütrumpf sprachen noch der Ehrenvorsitzende der Ortsgruppe, Kreistagsmitglied Hofmann Wetter, ferner Kamerad Ebinger von der Ortsgruppe Marburg. Am Schluß der Versammlung erklärten zehn Anwesende aus den Orten Sarnau und Goßfelden ihren Beitritt zur Ortsgruppe Wetter.
Ans der evangelischen Kirche. Die durch Pensionierung des seitherigen Stelleninhabers, Pfarrer Stockhaus, erledigte Pfarrstelle in Aufenau, Kreis Gelnhausen, ist dem Pfarrer F i n ck e - Bochum vom L Dezember d. I. ab verliehen worden.
tlnfere Heimat
Km die Giadtsparkasse Großalmerode
10 Minuten Stadtverordnetenversammlung i' in Großalmerode.
In der letzten Stadtverordnetenversammlung kam es sogleich bei Beratung des 1. Punktes der Tagesordnung zu schweren AuseinansersetzunAen zwischen Her Fraktion der SPD. und dem bürgerlichen Siadl- verordnetenvorsteher Markert, wett verlangt wurde, über die Zusammenlegung der S'^adrsParkaffe mit der Zweiganstalt der Kreissparkasse Witzeuhausen geheim" abzustimmen. Da jedoch der Stadlverordneten- vorstöher öffentliche namentliche Abstimmung forderte, verließen die Mitglieder der SPD. den Sitzungssaal. Der Vertreter der Industrie, Fabrikant Goebel, folgte kurz darauf der SPD.--Fraklion, so daß die Versammlung nicht mehr beschlußfähig war. Die Stadtverondnetenversammluina hatte nach etwa 10 Minuten ihr Ende erreicht. Wie wir zu der Ver- schmelzungsaingelsgenhett weiter erfahren, haben sich die intereffterendsn Stellen schon seit einigen Jahren bemüht, die Stadlsparkaffe zu Großalmerode mir per Zweigstelle der Kreissparkasse Witzenhausen zusam- menzulegen. Die Verhandlungen scheiterten aber stets an der ablehnenden Haltung der städtischen Körper- K Zur Zeit sind anscheinend auf Drängen des ngsprästdenten Dr. FriedenSburg-Kaffel und des LandratS von Witzeuhausen wieder Verhandlungen angebähnt, um nunmehr «r einer Einigung in dieser Aktion zu gelangen. Soviel wir etntteteln konnten, hatte die Stadtsparkasse Großalmerode in den letzten Jahren gut« Fortschritt« zu verzeichnen. Wie hierzu noch von zuständiger Stell« er- kläri wird, bemühen sich bereits verschieden« Geschäftskreise, für den Fall der Zusammenlegung der Stadtsparkaffe mit der Kreissparkasse ein größeres Bankunternehmen zur Errichtung einer Filiäle in Großalmerode zu bewegen.
Obcrzwehren. Ein Nachfahr von GrimmS Märchentante -f. Gestern trug man den tm Alter von 82 Jahren verstorbenen Invaliden Christian Pierson, ein Nachfahr der aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts bekannten Märchentante der Gebrüder Grimm, zu Grabe. Der Verstorbene war früher Pflasterer, avbettete im Winter im Steinbruch bei Weimar und machte Jahrzehnte lang den zwei Stunden langen Weg zur Abbott täglich zweimal zu Fuß.
mer überwiesen. Trotz der schlechten Zeiten ist es gelungen, 2 Kurse zustande zu bringen.
Wrexen. In der hiesigen Papierfabrik ereignete sich am Samstag ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Sohn des Steinmetz St. von hier kam zu Fall, und stürzte mit dem rechten Knie aus das scharfe Meffer des Strohschneiders, wobei das Knie sehr erheblich verletzt wurde.
Cölbe. Gelegenheit macht Diebe. Ein Bettler nahm sich bei Abwesenheit der Familie H. den im Kellerfenster liegenden Schlüssel, öffnete das Haus und entwendete aus dem Küchenschrank einen größeren Geldbetrag. Mit den ihm hierbei in die Hände kommenden Schlüsseln der übrigen Zimmer drang er in die übrigen Räume ein und stahl verschiedene Wäschestücke. Durch spielende Kinder, die ihn beobachtet hatten, gelang es, den Landjäger auf seine Spur zu bringen und seine Festnahme zu bewirken.
Alsfeld, Autounfall. Bei der Ablieferung eines neues Auws geriet der Wagenlenker Fuchs in der Nähe der Bierbrauerei Wallach mit dem Wagen ln den Chausseegräben, wodurch di« beiden Insassen erhebliche Verletzungen erlitten.
Biedenkopf. Im Silberkranz. Die Eheleute Aug. Unverzagt, Maschinenmeister des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins beging heute das Fest der silbernen Hochzeit. Unverzagt ist langjähriger Leser der .Kasseler Neuesten Nachrichten".
Aus Eschwege und Umgebung
Waldkappel. Bedeutung des Fremdenverkehrs. In einer von der städtischen Verkehrskommission nach dem Siebrechtschen Saal einberufenen Versammlung sprach Schriftsteller W. Ide über die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs. Sein Vortrag wurde durch Lichtbilder ergänzt, die di« Schönheit der hessischen Heimat vor den Augen der zahlreichen Anwesenden erstehen ließen. Bürgermeister Oeding dankte dem Vorttagenden für seine Ausführungen, bileichzeitig teilte er mit, daß beabsichtigt sei, einen Verkehrsveretn zu gründen.
Eschwege. Feuerwehralarm! In Oberhone fand eine Feuerwehralarmübung des Feuerwehrbezirks Niederhone statt. An der Uebuna nahmen sämtliche Wehren des Bezirks teil. Sie stand unter der Leitung des Kreisbrandmeisters Ed. Döhle-Eschwege und des Bezirksbrandmeisters Bachmann-Niederhone
Eschenstruch. Reue Wasserleitung. Um den bisherigen Wassermangel in ben höher gelegenen Orts- totten zu behoben, beschloß hie Gemeind« den Bau einer neuen Wasserleitung. Die Hessische Braüdlasse hat einen beträchtlichen Zuschuß zu den Kosten in Aussicht gestellt. Die Arbeiten selbst wurden von Hon Firmen Wonzol-Giterhagon und Küll- mer-Ouenwl übernommen und sinh bereits im Gange Sie sollen so gesondert werden, Hatz bereits Mitte November Has Wert dem Betrieb übergeben werden kann.
Eschenstruth. Ein jahrelanger Wunsch unserer Gemeinde sieht jetzt seiner Verwirklichung entgegen. Schon lange litt der Höher gelegene Teil unseres Ortes an Wassermangel. Besonders deutlich machte sich aber derselbe bei den letzten beiden Großbränden im Januar und im August bemerkbar. Aus diesem Grunde erklärte sich auch ausschließlich die Hessische Brandkasse bereit, einen Teil der entstehenden Kosten zu der neuen Leitung zu tragen. So wurde denn End« August dieses Jahres in der Gemeindevertretersitzung der Bau einer neuen Wasserleitung beschlossen. Die Bauunternehmer» stellten alle ausgesteuerten Arbeitslosen für die AuSschachtungsarbei- ten ein. Man hofft, daß die neu« Leitung Mitte November betriebsfertig ist. Außerdem sollen überall im Ort Hydranten angeschlossen werden. Durch die Siedlungsgemeinschaft .Hessische Heimat" wurde hier mit dem Bau von 3 neuen Wohnhäusern begonnen. Es sind Doppelhäuser, die 6 Familien ein Heim bieten werden.
Zierenberg. Erhöhung bet Realsteuern. Die Städtveroihneten stimmten her Erhöhung der Realsteuern von 120 auf 250 Prozent zu, um ine «tatsmäßigen Ausgaben in Höhe von 195 813,30 Mk. sicherzustellen. Außerdem wurde Has Waflergeld unter Festsetzung einer Mindestfreigrenze erhöht. Weiter mußte der elektrische Strom um 5 Pfennig aus 45 Pfennig hie Kilowattstunde und die Zählermiete um 100 Prozent erhöht werden. Nack einer Mitteilung des Vorsitzenden dürste infolge ver starken Belastung beS WoWahrtsetats vorn Magistrat die Ein- führung der Bürgersteuer beantragt werden, doch bestehen bei einem Doll der Stadtverordneten hiergegen starke Bedenken.
Veckerhagen a. d. Weser. Für die Kaninchenzucht. Der im Januar d I. gegründete Kaninchen-Züchterverein erfreut sich im Orte, sowie in der Umgebung einer guten Entwicklung dies beweist die ständige Zunahme neuer Mitglieder. Es werden von den Züchtern gute Tiere verschiedener Rassen gezüchtet. Um noch mehr an die Oeffentlichkeit zu treten, ver- anstaltet der Verein am Sonntag den 26. Oktober 1930 in seinem Vereinslokal Gills, Veckerhagen, ein großes Preisschietzen, wobei den Siegern wertvolle Preise von lebenden Kaninchen zufallen.
Verna. Wütendes Feuer. Die Scheune des Landwirt Heinrich R. und das Gemeindebackhaus brannten ab. Di« Ortsfeuerwehr unt> die benachbarten Wehren vermochten nur das Wohnhaus und die Rachdargebäude zu retten.
Bebra. Beginn der LandwirtfchastSschule. An der Landwirtschastsschule wurde der neue Winterrursus der Mädchenklaffe am 14. Oktober eröffnet. Es nehmen 20 Schülerinnen daran teil. Die Probelehrerinnen Gudewins nnd Rösler wurden der Schule als weitere Lehrkräfte von der Lairdwtrtschastskam-
Eschwege. Der Kleinkaliberschützenverein Eschwege veranstaltete unter großer Beteiligung ein Wettschießen. Beim Vereinsmeisterfchaftsschietzen wurden Anacker mit 160 Ringen, Schröder mit 148 Ringen und Vaupel mit 1-40 Ringen die besten Schützen. Beim Preisschießen errang Buchbach den 1. Preis.
Eschwege. Beteiligung an der Hessischen Heimstätte. Die Stadwerordneten beschlossen in ihrer letzten Sitzung, den Geschäftsantett der Stadt bei der Hessischen Heimstätte in Kassel von 50 Mark aus 3000 Mark zu erhöhen. Zum Nachfolger des aus dem Gewerbesteuerausschitß ausgeschiedenen Beigeordneten Schuchardt Wurde Geschäftsführer Ernst Götting gewählt. Ferner wurde angeregt, dl« Liste der Wohnungssuchenden von neuem nachzuprüfen, um ein genaues Bild über die Zahl der fehlenden Wohnungen zu erhalten.
Eschwege. Goldenes Ehejubiläum. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit konnten bet bester Gesundheit die Eheleute Hegemeister Schröder begehen.
Aus dem alten Hessen und
Waldeck
Vergessene Jubiläen / Von cand. phil. Max Beck-Bergheim
Fast jede Stadt feiert irgendeinmal irgendein Altersjubiläum, seien es tausend, elfhundert oder noch mehr Jahre. Bei den kleineren Orten ist man hierzu nicht geneigt, denn meistens weiß man kaum, wie alt die Orte sinh Es sei hier nun versucht, eine Anzahl von alten Orten zusammenzustellen, die die Tausend auch schon erreicht haben und zugleich sei, wo dies möglich, die Bedeutung der Namen auch angegeben. — Da ist das Dors
Affoldern an der Eder,
das um 840 als A s f a l t r a austauchte. Es ist also schon fast 1100 Jahre alt. Sein Name ist vielfach gedeutet und eigenartigerweise ist man auf das nächst- liegendste noch scheinbar nicht gekommen. Man deutete ihn als Apselbach, setzte also die alte Endung —a— gleich althochdeutsch aha, was im allgemeinen auch stimmt und dann Bach heißt (so in Wrrba, Bebra, ober in erhaltener Form der Endung in Bibe- rach, was im Grund« dasselbe wie Bebra ist), hier aber nicht notwendig zur Erklärmtg ist. Denn Af- faltra dürste doch wohl gleich ahd. ajfoltta sein, was einfach Apfelbaum heißt. Der Ortsname würde hier also auf die Beschaffenheit der Gegend Hinweisen, während das — Apfelbach nicht sinngemäß sein würde, da ein Bach hier nicht in Frag« kommt, also die Deutung völlig utrfinni« wäre.
Ebenso all ist das benachbarte Mehlen,
dar zuerst N0 erwähnt ist, als Mehelina. 850 übergab Go zwar der Fuldischen Kirche unter dem Abt Hatto, Affoldern. Gleichen (bei Gudensberg) Buhlen Viermünden (in Hessen) und Schreufa, Mehlen, Hier sehen wir also gleich eine Anzahl hessischer und wal- decktscher Orte aufgeMlt,
Die alle schon um 850 existieren.
Hierher gehören auch noch Anraff alz Antraffa, und Züschen als Turschinum. Aelter dagegen sind Giflitz
alsJusfelze und Bergheim, von denen das erste um 800, das andere bald nach 800 erwähnt ist. Fritzlar Geismar bei Fritzlar und der untergegangene Ort Haräbirge oder Herberge bei Naumburg werden schon 774 erwähnt. Etwas jünger ist Wohl Böhne als Bunahu und Mandern als Mandium. Helsen wird als Heliso um 870 angeführt. Ebendann auch das Dorf Massenhaufen, das aber um seiner Sln- merkung Halder besonders interessant ist. Es heißt nämlich Masinghuson-Matt oder auch Silva Masiu- gorum. Es ist daher zweifelhast, ob hier ein Ort vorliegt oder ob es sich um eine reine Gebietsbezeichnung handelt, die sich erst später in einen Ortsnamen umwandelte. Vielleicht wohnte hier ein Tetl- stamm, der sich etwa Maftngi nannte. — Es folgen nun die Orte die ihre
Entstehung einem allen Edelhof verdanken.
Es sind fast alle di«, die auf Haufen endigen. Ihre Entstehung fällt zumeist in die Zeit Mitte bis Enoe des 9. Jahrhunderts. Es finden sich: Wuringreshus, d. h. Haus des Wuringes (?) für Wirmighausen um 850. AlgereShus als Alleringhausen. bann Hirt- wardeshus als Herzhausen um 900.
Bon 900 werden endlich noch genannt:
Tuistai für Twiste. 850 Wetiun für Wethen um 900, Ryadra für Rhadern um 800, Beranthorpe für Berndorf 850, Fliathorpe, als Flechtdorf 850, ebendann auch Helmonscode für Helmscheid, Goddeleue- schem für Goddelsheim 888, u a.
Diese Ortsnamen sind so gewählt, daß sie all« nur solche Orte angeben, die über 1000 Jahre alt sind. Was über die Grenze von 900 hinansgeht, ist ausgelassen. Manchem Ort möchte man ein Weit höheres Alter zuschreiben, aber da Belege fehlen, müssen wir uns mit den hier gegebenen Zahlen begnügen. Gesagt werden muß noch, daß mcht alle Ort« hier angeführt worden sind.
Hochwasser
Ohm und Wohra treten übet die Ufer.
Die anhaltenden Niederschläge der letzten Tag« haben einen Austritt der Ohm, Wohra und Kleim aus ihren Usern zur Folge gehabt. Das weite Ohmtal von SHjveinsberg bis Anzefahr gleicht einem großen See Auf Anordnung des Lawdratsamls Würben bie Schleusen bei Anzefahr unb Schönbach geöffnet
Arm und verlassen
Mittel- und obdachlos von den Mitmenschen verlassen, suchte einer den Tod.
Einen Selbstmordversuch beging in Warburg ein jugendlicher Heimatloser. Passanten der Kasseler Straße fanden int Dunkel der Nacht einen jungen Menschen bewußtlos auf dem Wege. In der Annahme. es handle sich um einen Betrunkenen, legte man ihn am Rande der Straße nieber. Ein Mitleidiger nahm sich jedoch des Mannes an und fand bcchb heraus, daß er von heftigen Schmerzen geplagt wurde. Die Ueberführung in das St. Petit* Hospital wurde von einem herbeigeholten Polizeibeamten veranlaßt. Hier stellte sich heraus, daß bet Unglückliche eine bedeutende Menge Salmiakgeist zu sich genommen hatte. Eine sofort vorgenommen« Operation rettete den Lebensmüden. Das Wohlfahrtsamt nahm sich seiner an und ermöglichte ihm die Heimreise zu den Eltern. Hunger und Elend haben den Armen zu der unseligen Tat getrieben.
Aus Waldeck
Waldeck. Einbau einet Bahnhofswirtschaft. Im Bahnhofgebäude wird eine Wirtschaft eingebaut Dieser Plan bei Eisenbahndirektion wird von allen Reisenden mit Freuden begrüßt. Bedauert wird all- gemein, daß zu den Arbeiten keine ortsansässige Handwerksmeister zugezogen wurden, ja diese nicht einmal zur Abgabe von Preisosferten aufgefordert wurden. ___________
Besörsterungskosten der Gemeinden
im Bezirk des ehemaligen Fürstentums Waldeck. I
Berlin, 21. Oktober.
In der heutigen Sitzung des preußischen Land- »ags wurde der Ausschußantrag vorgelegt:
Der Landtag wolle beschließen den Uranttag der Uba. Keller uinb Gen. »Das Staatsministermm wird ersucht, eine Abänderung des bemängelten Zustandes in der Weise durchzuführen, daß m ifibcm Falle nur der geringere Satz, der für die unter 10ü ha. liegenden Forstslächen gilt <m Beforsterungs- tosten je Hektar zu zahlen ist" m folgender Fassung anzunehmen:
»Tas Staatsmrnisterium wird ersucht, zu prüfen, ob nicht eine Aenderung der gesetzlichen Verhältnisse in Waldeck in Bezug auf die Beförsterungskosten an* gebracht erscheint", an den Hauptausschuß zurucküberwiesen.
Waldecker Kuriosa
Zusammengepelll von Max Beck-Bergheim.
Die Einwohner von Freienhagen, erzählt man, hätten einst ausgemacht, nur der solle ihr Bürgermeister werden, der den bestenRelm machen könne. Eine Frau, die gern Frau Bürgermeisterin werden wollte, deren Mann aber sehr dumm war, machte sür diesen folgenden Reim: „Ich heiße Johannes Barenbrand und stelle meinen Stock hier gegen die Wand. Der Mann aber sagte bei der Wahl: „Ich heiße Johannes Bärenbrand un—un—un— stalle mitten Stock hie gegen die Mure." Worauf nicht er, sondern seine Frau Bürgermeister geworden sein soll.
Vom Sachsenhäufer Schweinehirt wird erzählt, er habe früher beim Zusammenrufen der Schweine im Dorfe folgenden Ruf gebraucht: „Tulu- lut, tululut, tululut, Sugge tut, Pöttekon terbroken, Miälk gesopen, tululut, tululut, tululut.
*
1686 brachte in Mengeringhausen eine Frau zwei Töchter und einen Sohn zur Welt. 1700 starb in Let- dorn ein Mann im Alter von 102 Jahren.
*
Die Mengeringhauser Chronik berichtet tm Jahre 1663: „Ao. 1530 circa Festum Barthol. AP ist schleunige feurige Hitz« in bet Luft bey Hellern Tag« geflogen, daß man an etlichen Orten meinte, es brannten Häuser: und hat die Leute so verhttzt daß etliche Menschen an derselbigen Plage innerhalb 1-. Stunden starben; welche Plage genannt ward der Englische Schweiß. Die aber 24 Stunden des Schlafs sich enthalten konnten, wurden dadurch vom Tode er-
Am 25. März 1640 ist in Hessen und Waldeck ein schweres Erdbeben gewesen, sodaß btc Hauser sich bewegt haben. 1638 hat am 7. Oktober der Schnee ttt Waldeck so hoch gelegen, daß an den meisten Orlen di« Aussaat nicht mehr stattfinden konnte.
Rundfunk
Programm des Frankfurter und Kasseler SettberS.
Donnerstag, bett 23. Oktober.
7.30—8.30: Frübkonzert auf Schallplatten
12.20: Mitiagsständchen (Schallvlattenf
15—15.50: Bon Stuttgart: stunde der Jugend: Wir. spie, leit Zirkus. Hörspiel für ÄmLer von Ilie Obrig — Personen: Reporter: Karl Ebert: Zrrkusdirektor: Fred Höger: August: Karl Karn«: Frau: Elte Reimann: Mädchen: Thea Struve-Jöbnnen: ei« Junge — Spielleitung: A. G. Mcht«
16.00: Aus dem Kurbaus Wiesbaden: Konzert des Kur- orcheft«s — Leitung: Musikdirektor Hermann Jrmer
17.50: Vorirag von Dr. Fritz Seckel „Soll die Oper fort* bestehen?"
18.05: Zeitjragcn „ „ _
18.35: „Eine Viertelstunde Deutsch vo« Dr. Fr. Walln«
19.05: Französischer Sprachunterricht
19.40: Zeitbtticht: Septembertagung der Völkerbundes m Genf — Bearbeitet von Aetualis — Spielleitung C. W. Stuhtmann
20.20: Zither-Konzert — Susfitbreude: Martin Hofier (Zither) unb Mitglieder des Rundfunkorchesters
30.50: Die Instrumente des Orchesters — VIII. V«traa von Hans Rosbaud — Blechblasinftrumente: Waldhorn (bie Herren Angermaun, Bergmann. Labahn und Heudrich)
21.20: Overetten-Adenb des RirndfittckorchefterS — Leitung: Reinhold Merten: Mitmtrkende: Lista Hettman», Overetten-Soubrette ..... .
22.80: Einbrecher um Mitternacht, et« kriminalistisches Hörspiel vo« Otto Schwerin
23.00: Nachrichten, Sportbericht unb Wettermeldung .
KSnigsw«fterbaufe«:
7—7.30: Uebertragung Berlin: Frühkonzert
10.15—12.00: Uebertragung aus dem Festfaal bei Kwll: Kundgebung anläßlich b« 7. Bundestage des Deutschen Beamtenbundes
13—12.55: Schallplattenkonzert: „Potpourris auf _ ram- mophon"
14—15.00: Schallplattenkonzert
16.80—17L0:Ueberrragung des NachrnittagSkonz. Berlin
17.30—17.55: Hausmusik
20.00: Au» Köln: Musikalischer Durcheinander
Kanach: Bo« Berlin: Tanzmusik