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Kasseler Abendzeitung

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Nummer 238*

Freitag, 10. Oktober 1930

20. Jahrgang

Vounglasten aus eigener Kraft nicht tragbar"

Oer frühere Reichsbankpräsi-ent über Deutschlands Lage / Scharfe Angriffe gegen Eurtius / Hindenburg besucht Aachen und Trier

Ser Parteitag von Grenoble

Bon unserem ständigen Pariser Korrespondenten

Paris. 10. Oktober.

Die Radikal-sozialistische Partei, die größte Partei Frankreichs, hält vom 9. bis 12. Okto­ber in Grenoble ihren 27. Kongreß ab. Die hervor­ragende, ja erste Rolle, welche diese Partei im innen- und außenpolitischen Leben Frankreichs gespielt hat und auch heute noch trotz ihrer oppositionellen Stel­lung zur Regierung Tardieu spielt, macht es selbst­verständlich, daß die Augen aller politischen Kreise in den kommenden Tagen nach Grenoble gerichtet sind. Freilich kein Zweifel, der diesjährige Kongreß hat lange nicht die gleiche Bedeutung wie seine Vor­gänger. Wer riefe nicht bewegten Herzens die mit Spannung geladene Reimser Tagung 1929 ins Ge­dächtnis zurück, als das Land ohne Regierung und die sozialistisch und radikalsozialistisch gefärbte Frucht noch nicht reif war, als Daladier an der Aufgabe, eine Linksregierung zu bilden, scheiterte, Tardieu ans Ruder kam und die Radikalen in eine hoffnungslose Opposition warf.

Wesentlich einfacher liegen die Dinge heute. Das Feuer der Ereignisse jener Jahre fehlt. Dafür ist die Glut umso ausgebreiteter. Unter der Decke . . ., hin­ter den Kulissen . . ., in den Wandelgängen der Kam­mer . . ., sagt man, flüstert man, hört man.....

Nun, was vernimmt man? Briand gehe, Poincars komme, Taroieus Haupt werde fallen. Außerdem: Poincars halte eine Regierungsliste Markerepubli­kanische Konzentration" (von den Radikalsozialisten bis zur Gruppe Franklin-Bouillon einschließlich) be­reit, der zähe Lothringer werde sich ins Außenmini­sterium setzen, Herriot habe feine Liste, Pierre Laval, der jetzige Arbeitsminister, die (einige mit und ohne Briand.

Um Briand dreht sich der Tanz eines sehr großen Teiles der heutigen Re­gierungsmehrheit, um die jetzige Re­gierung der Tanz der Ra dikalsozi «li­sten. In das feine Räderwerk des französischen Par­lamentarismus greifen -die Rädchen dieser beiden po­litischen Opponenten oft gleichzeitig ein und laufen in derselben Richtung, die zmn Abgrund fuhrt, in den die Radikalen die Regierung Tardieu, der rechte Flügel -der heutigen Regierung Briand stürzen wollen.

Auch Tardieu würde gerne Briands Haupt ha­ben, aber Tardieu ist klug und ehrgeizig, und er weiß, daß keines Außenministers Stur; seinen eigenen Sturz bedeuten würde. Also wartete Tardieu auf ei­nen Wink des Himmels, wie er sich Briands enledi- gen könne, um seine unzufriedene Rechte zufrieden zu stellen, und auf den Wiederzufammentritt -des Par­laments. Kommt Zeit, kommt Rat, denkt Tardieu, der auf den Stimmungssaiten des Parlaments meister­haft zu spielen versteht. Aber Verlaß ist au-f diese Sailen nicht. Gar leicht sind sie verstimmt und ein ungeschickter Bogenstrich kann sie zerreißen.

Auf einen solchen Bruch arbeitet die Radikal-sozia­listische Partei seit zwei Jahren vergebens hin. Wird er in dieser Parlamentssession gelingen? Die ra­dikalen Strategen hegeiO große Hoff­nungen; haben sie doch seit einigen Wochen un­freiwillige, aber gute Bundesgenossen in den Reckts- kreisen, die Briands Haupt wollen und die Regierung Tardieu von der anderen Seite unterminieren, ge­funden. Die Tagesordnung Chautemps, die der Kongreß angenommen hat, sieht schärfste Op­position gegen die Rechtsregierung Dardi-eus vor, -hält sich im übrigen den Rücken sowohl gegen die Soziali­sten zur Linken als auch gegen die zu einer Konzen­trationsregierung eventuell geneigten Gruppen der Mitte und rechten Mitte frei.

Von größtem Interesse dürfte der Bericht sein, den der junge Abgeordnete Pierre C o t über die Außenpolitik eingeh rächt hat. Richt so sehr deshalb weil er Briands Locarnopolitik auch weiterhin das Vertrauen ausfpricht, weil er die deutsch-französi­sche Annäherung verkündet, sondern weil er die Starrheit jener berühmten Formel Schiedsgericht Sicherheit Abrüstung, zu deren treuem Hüter erst vor wenigen Tagen Bri­and sich in Genf bekannt hat, verneint. Lot will in seinem Bericht vielmehr der Ansicht Ausdruck geben, daß die Abrüstung, die selbst ein Element der Sicher­heit sei, gleichzeitig mit den anderen als Friedens­garantien bezeichneten Maßnahmen vollzogen wer­den muß. Der Berichterstatter schläat dem Kongreß vor, die offizielle französische These für falsch zu er­klären und die Regierung einzuladen, anläßlich der nächsten Abrüstmtgskonserenz die Inuiative zu einer sehr weitgehenden Verminderung der französischen Strettkräste zu Fuß, zu Wasser und in der Luft" zu ergreifen. .

Pierre Cot geht ganz- mit der deutschen Aua>- sung einig, wenn er weiter auf den Artikel 8 des Völkerbundspaktes aufmerksam macht, wonach der deutschen Abrüstung die Abrüstung der anderen

Schacht vor -en Aeuyorker Bankiers

(Eigener Drahtbericht).

Neuyork, 10. Oktober.

Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht nahm gestern an einem Essen teil, das der Neuyorker Bond-Club ihm zu Ehren veranstaltete. Ueber 500 Per­sonen aus führenden Bantkreiseu waren erschienen. Dr. Schacht führte u. a. aus:

Gerne sei er, obwohl Privatmann, der Ein­ladung gefolgt, um auf Wunsch seiner amerikanischen Freunde seine Ansicht über die augenblickliche Lage Deutschlands auszusprechen. Es ginge in Deutschland jetzt darum, ob das deutsche Volk genügend Beschäf­tigung finden könne, um am Leben zu bleiben. Noch fei die wirtschaftliche Potenz Deutschlands unerschüt­tert, aber die Reserven seien teils durch falsche Finanz­politik, teils durch die Reparationen aufgebraucht, die nicht aus dem Ueberschuß der Wirtschaft, sondern durch Ausnahme neuer Kredite geleistet worden seien.

Die Wahrheit sei nach seiner festen persönlichen Ueberzeugung, daß Deutschland aus eigener Kraft die Annuitäten des Aoungplanes nicht werde zahlen können. Es müßte aus Kosten der übrigen Länder sonst seinen Außenhandel fast um die Hälfte steigern. Er glaube nicht, daß die übrigen Völker gewillt seien, Deutsch land die Zahlung der Annuitäten dadurch zu er möglichen, daß sie zu solcher Steigerung des deut- j scheu Warenexportes aus eigenen Kosten beitrügen. Es könne deshalb nur eine Frage der Zeit (ein, |

wann das Reparationsproblem erneut zur inter­nationalen Diskussion stehe.

Wie auch immer das Schicksal der Reparationen sein möge, Deutschland weide keinen seiner aus­ländischen Geldgeber enttäuschen. Darin sei auch die Aounganleihc miteinbegriffen, unbeschadet ihres, politischen Ursprungs.

Die moralische Kreditwürdigkeit des deut­schen Unternehmertums sei unverändert. Was aber den Kredit für öffentliche Körperschaften betreffe, so sei die Forderung nach finanzieller Ordnung das Hauptproblem des Augenblicks.

Dr. Schacht fuhr fort:Sie werden mich fragen, ob die Regierung stark genug sein wird, eine solche Politik der finanziellen Ordnung durck"nführen. Ich erwidere daraus, daß uns auch hier das Aus­land durch eine gerechtere Behandlung unserer nationalen und moralischen Forderungen Helsen könnte. Das deutsche Volk ist im ganzen ge­nommen viel zu ordnungsliebend, fleißig und ehren­haft, als daß es den Geist der Unordnung oder den Bolfchewismus zur Herrfchafi gelangen lassen wird. Aber auch hinsichtlich der Reparationsabmachungen wird Deutschland im Rahmen der abgeschlossenen Verträge bleiben. Der Aoungplan steht eine ökono mCche, Abwicklung des Reparationsproblems vor. Es en hält aber auch alle Möglichkeiten einer Neu anpassung, wenn die Unmöglichkeit einer exakten Durchführung sich ergeben sollte.

©er Kampf um Curtius

(Von unserer Berliner SchristleitungZ

th. Berlin, 10. Oktober.

Der heutigen Sitzung der neu gewählten Reichs­tagsfraktion der Deutschen Volkspar­tei sieht man insofern mit einiger Spannung ent­gegen, weil in der Oesfentlichkeit immer wieder Ge­rüchte darüber aufgetaucht sind, daß der Außenmini­ster Dr. Curtius Schwierigkeiten in seiner eigenen Fraktion bekommen werde, und daß infolge­dessen mit der Möglichkeit eines Rücktritts des Außenministers zu rechnen sei.

Zu Siefen Vermurungen hat insbesondere eine Aeußevung der Sem Ernährungsminister Schiele nahestehendenDeutschen Tageszeitung" beiger ragen, die gewisse Zweifel an der Rich­tigkeit des amtlichen Kommuniques über die letzten Käbinettssitzungen äußert, worin be­kanntlich, wie wir berichtet haben, von der einmüti­gen Zustimmung des gesamten Kabinetts zu den Aus­führungen des Außenministers über die Genfer Po­litik und über die außenpolitische Einstellung der Reichsregierung vor dem neuen Reichstag die Rede war. Es wird dort behauptet, daß diese amtliche Mitteilung eine Verlegenheitslösung gewe­sen sei, durch die eine Zustimmung mit der gesamten Politik des Herrn Eurtius vermieden werden sollte.. Diese Darstellung der halb-oppositionellen Rechten ist sachlich unzutreffend, denn in der hier in Betracht fonline.tden Kabinettssitzung hat es nach unseren In­formationen tatsächlich

keinerlei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kabinettsmitgliedern in außenpolitischen Fragen gegeben. Es ist allerdings kein Geheimnis, daß auch innerhalb der Deutschen Volkspartei gewisse Kreise den Wunsch haben, sich von der Po­litik des jetzigen Reichskabinetts möglichst bald zu distanzieren, und daß insolgedessen auch der Gedanke eines Rücktritts des Außenministers Dr. eurtius in diesen Kreisen erwogen worden ist. Keinesfalls ist jedoch anzunehmen, daß in der heutige» Fraktionssitzung sich eine Mehrheit dafür finden würde, daß man den Außenminister Dr. Curtius entweder znr Riederlegnng

feines Amtes oder zum Austritt aus der Fraktion auffordern wird.

Angesichts der Tatsache, daß der Parteiführer Dr. Scholz mit dem Kanzler in der Frage der Durchfüh­rung des Reformprogramms vollkommen einig ist, dürfte eine genügende Garantie gegen irgendwelche lleberrafchungen in oer Außenministerfrage liegen.

Richt unerwähnt darf aber bleiben, daß sich auch in den Pressemitteilungen der Vokkskonser- o a t i v e n, also der Partei des Ministers Trevira­nus, schwere Angriffe gegen Dr. Curtius finden, die in die Sätze ausklingen:Wir sind nach wie vor der Ueberzeugung, daß auf den Posten des Außenmini­sters nicht nur ein verwaltungstechnisch begabter Epigone des Herrn Stresemann gehört, sondern ein Mann, der die außenpolitische Situation Deutschlands, die ohne unser Zutun an Chancen reicher geworden sei, zu meistern versteht."

Das Schicksal -er Staatspartei

th. Berlin, 10. Oktober.

Innerhalb der Deutschen Staatspartei sind die nachträglichen Auseinanderjetzungen über das Aus­scheiden der Iungdeutschen selbstverständlich noch nicht zum Stillstand gekommen. Der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff und der Staatssekretär a. D. Dr. Meyer haben an die Or­ganisationen der Deutschen Staatspartei ein Rund­schreiben gerichtet, worin erklärt wird, daß die Orts­gruppen der Staatspartei unter allen Umständen ausrechtzuerhalten seien, und daß nur die Frage ge­klärt werden müsse, ob die aus dem iungdeutschen Lager hcrvorgegangenen Mitglieder dieser Ortszcup- Pen bei der Stac spartet bleiben oder sich wieder der Volksnationalen Vereinigung anschließen wollen.

Weiterhin ist die Frage aufgerollt worden, ob der Versuch einer Verbindung mit der Deut­schen Volkspartei unternommen werden soll, aber es wird in diesem Rundschreiben festgestellt, daß ein derartiger Versuch schon von der Volksna.io- nalen Gruppe aufgegeben worden ist. Irgendwelche Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei sind jedenfalls zur Zeit nicht im Gange.

Völker folgen muß. Er nennt dies eine .st r i k t e I Pflicht", der sich Frankreich nicht entziehen dürfe.

Der Bericht schließi mit der Erwartung, daß nie- I mals Deutschland durch die Haltung Frankreichs ge­zwungen werde, dgs Abrüstungsproblem vor dem Haager Schiedsaerichtshof zu tragen.

Nach der innerpolitifchen Debatte verspricht die Diskussion über dieses Problem ohne Zweifel sen­sationell zu werden. Die Meinungen werden hart auscinanderprallen, denn es ist durchaus nicht so, als ob die Parteipolitik in dieser Frage einheitlich wäre. Cot gehöri dem linken Flügel der Partei, der Richtung Daladier an. Außerdem ist noch nie solcher Schärfe diese Frage formuliert

worden. Herriot z. P. ist ein Verfechter j>er offi­ziellen französischen Sicherhcitstbese, und er hat viele und einslußreiche Freunde in der Partei. Es ist zweifel­haft, ja kaum w a h r f ch e i n l i ch, daß die radi­kale Richtung Daladier Cot sich be­haupten wird. Im besten Falle wird eine beiden Richtungen gerecht werdende, verklgusuliertc Formel angenommen werden, welche diePolitik der natio­nalen Sicherheit" mit der der internationalen Ab­rüstung und Solidarität in Einklang zu bringen sucht. Denn guch bei der Radikal-sozialistischen Par­tei legt man sich nicht gerne aus eine in den Augen der Franzosen derart radikale Lösung in der die- fen Leuten so unangenehmen Abrüstungsfragc fest.

Herbfi im freien Trier

Reichspräsident von Hindenburg ist heute im Rheinland eingetroffen, um den Städten Aachen und Trier den Besuch abzustatten, der seinerzeit bekanntlich wegen der furchtbaren Brückenkata« strophe in Koblenz abgesagt wurde.

Heute weilt der Reichspräsident in Aachen, wo er von der Bevölkerung begeistert begrüßt wurde. Nach einem Begrüßungsakt vor der Technischen Hochschule sand ein Empsang im Rathaus statt.

Die letzten Trauben prangen in den Rebgärien rings um Trier, der Moselstadt, die sich die älteste Stadt Deutschlands nennt. Viel Regen hat es gege­ben seit dem FrLhsommer, seit diese schöne Stadt ihr Gesicht so entscheidend veränderte: damals im Mat und Juni sah man hier die Straßen bevölkert von sranzösischem Militär, auch Kolonialtruppen fehlten nicht bis zum letzten Tag. Lastwagen rasselten mit Proviant beladen durch die engen Straßen, Züge von Panzerwagen kehrten von Hebungen heim in die einst deutschen Kasernen, aus den Türmen der Eisenkolosse ragten die horizontblauen Gestalten mit den zierlichen Stahlhelmen derFranzmänner" ... Dann trotteten wieder Gruppen französischer Schulkinder vor einem her, merkwürdig ältliche Gesichter, dunkel und unfroh gekleidet. Auch die Damen der Offiziere und Be­amten, die hier ganze Straßenzüge bewohnten neu gebaut für sie machten diesen ältlichen und etwas altmodischen Eindruck. Französische Provinz.

Das ist nun alles vorbei, einschließlich des Herrn Generals, der eine stattliche Privatvilla inmitten der Stadt bewohnte. Unsere Zeit lebt so schnell, daß das Ganze heule wie ein Spuk wirkt, der vor- llbergeflogen ist. Frieden liegt über Trier, dieser be­schaulichen Stadt im weiten Moselbecken, die schon so manchen Wechsel der Geschicke sah. Römer kamen un­ter Caesars Führung zum erstenmal in diese Gegend, fanden Siedlung und Heiligtümer der Treuerer im Flußtale und an den Abhängen und legten hier einen Poften bei der Moselbrücke an, die aus römischen Quadern noch heute den Fluß überschreitet. Später gründete Kaiser Augustus die Vcrwaltungsstadt ^Augusta Treverorum". Es muß schon ein lebhafter Verkehr in solch einer römischen Weltstadt gewesen sein, wie Trier sie schließlich darstellte, als es im dritte,; Jahrhundert Kaiserresidenz wurde. Aus je­ner Zeit stammen ja auch noch die großartigen Bau­ten wie Porta nigra und Thermenpalast, Dom und Basilika, die heute noch mehr oder weniger erhalten oder wiederhergestellt in römischen Riesenmassen über der mittelalterlichen Bischofsstadt ragen.

Viel sah Trier in seinen oft zerstörten Mauern. Im größten aller Kriege sah es die deutschen Heer­säulen sich grau und endlos durch seine Straßen bewe­gen, gewaltig war dieses Quartier an der uralten strategischenRLmerstraß e".

Im Herbst 1918 ergossen sich die Truppenmassen der Alliierten in diese Kasernen in und um Trier. Furchtbar war der Zustand, in dem sie sie fast zwölf Jahre später verließen. Ruiniert war auch der ein­stige Wohlstand der Stadt nach diesen zwölf Jahren. Deshalb herrschte damals keine helle Freude, kein lauter Jubel, als die Besatzung endlich ab­rückte. Manfeierte" im Bewußtsein, daß nun erst neue Schwierigkeiten sich auftürmen würden, wirtschaftliche Aufgaben, die zu lösen die unglückliche Lage des Vaterlandes schwerlich erlau­ben würde. Man erwartete damals als ein Zeichen der Treue Deutschlands zu feiner schwergeprüften Westmark den Besuch des greisen Reichs­präsidenten. Man wollte sich im Jubel über sein Erscheinen selber innerlich freimachen von dem Druck der Rot und der Dumpfheit erlittener Erniedri­gung. Monatelang besprach man noch unter den Augen der Franzosen den großen Festtag. Fahnen­geschäfte boten ihre Flaggentuche an, und einer dieser Geschäftsleute wurde von der Besatzung gemaßregelt, als er im Schaufenster in seiner Ankündigung das WortBefreiungsfeier" erwähnt hatte. Die Stim­mung war drohend und schwül bis zum Schluß. Für den Tag des Besuches Hindenburgs waren ganze Straßen und ein neuer Sportplatz, ein Stadion, hergerichtet worden. Viele Tausende bereiteten sich zu der Feier rings im Lande vor. Man muß dieses immer abseits gelegene bäurische Trierer Land kennen, um zu er­messen, was dieser Besuch damals kurz nach der Be­freiung bedeutet hätte! ... Da brach unter einer Schar Zuschauer in Koblenz bei der dortigen Feier des Hindenburgbesuches eine Brücke zusammen. Das Wasser der dort in den Rhein mün­denden Mosel verschlang ein halbes hun­dert Opfer. Es war die Nacht, bevor der Reichs­präsident nach der Moselhauptstadt kommen sollte. Der Besuch wurde in dieser Nacht noch abgesagt. Der Ober­bürgermeister der Stadt brachte die Trouerkunde selber mit nach Trier.

Ein seltsamer Morgen folgte: Ueberall prangte" Fahnen und Blumengewinde, in vielen Schausi" fteru stand Hindenburgs Bild. Die Schuljug '