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Nummer 236 *
Mittwoch, 8. Oktober 1930
20. Jahrgang
Oer Kanzler erstattet Hindenburg Bericht
Keine Erteilung neuer Vollmachten / Das Kabinett in -en außenpolitischen Fragen einig / Energisches Vorgehen gegen die brasili anischen Ausstän-ischen
Mgierungserfolge in Brasilien
(Eigene Drahtmeldung.)
Der unfähige Völker-un-
Russischc Stritt! an der Genfer Arbeit.
Kowno, 8. Oktober.
Vision des Youngplans sei eine wirtschaftliche Gesundung Deutschlands unmöglich.
Er weist die Behauptung zurück, die Besoldungsreform von 1926 habe den Beamten mehr gegeben als begründet war. Er erklärt demgegenüber, die beabsichtigte Gehaltskürzung sei u n b e r e ch t i g t, in ihrer Form unsozial und werde daher abgelehnt. Die gegen die Beamten der Länder, Gemeinden und öffentlichen Körperschaften geplante Sondergesetzgebung mit ihrem verfassungsänderndem Charakter führe zu unerträglichen Härten und sei abzulehnen.
Die auf Preisabbau gerichteten Maßnahmen hätten bisher noch keinen bemerkenswerten Erfolg gehabt. Die Beamtenschaft müsse das dringende Ersuchen an die Reichsregierung richten, ihre "Machtmittel nachhaltiger als bisher dem Ziel des Preisabbaus dienstbar zu machen. Auf tätige Mitwirkung bei der Durchführung aller ihrer wirtschaftspolitischen Maßnahmen durch die Beamtenschaft könne die Regierung rechnen.
th. Berlin, 8. Oktober.
Die gestrige Sitzung des R e ich s k a b i n e 11S ist iw außenpolitischer Hinsicht von besonderer Bedeutung, da es sich dabei nicht nur um die Billigung der in Genf betriebenen Politik, sondern auch zugleich um die Einigung des Kabinetts über den weiteren außenpolitischenKurs gehandelt hat.
Die amtliche Mitteilung, die gestern abend über diese Kubinettsitzung ausgegeben wird, stellt fest, daß das Reichskabinett den Ausführungen des Reichsaußenministers über die Völkerbundstagung und über die im Reichstag einzunehmende Stellung einmütig zustimmte. Dieser Satz hat jedoch wesentlich mehr Inhalt als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Man erinnert sich, daß in letzte. Zeit von politischen Gruppen, so auch von der Wirtschaftspartei und von der gemäßigten Rechten, die hinter dem Kabinett Brüning stehen, in der Oeffentlichkeil der Wunsch nach einer sofortigenRevisiondes Youngplanes und nach Anmeldung eines Moratoriums vertreten worden ist. Der Reichskanzler und der Außenminister stehen jedoch im Gegensatz dazu auf dem Standpunkt, daß der jetzige Augenblick nicht geeignet wäre, eine derartige Aktion zu unternehmen. Der Reichskanzler stellt die Durchführung des Resorm-Programms unbevingt an die Spitze seiner gesamten Tätigkeit. Die Meinung in den ihm nahestehenden Kreisen in dieser Frage geht vor allem dahin, daß selbstverständlich die Revision des Young- planes ein erstrebenswertes Ziel bedeute, welches über kurz oder lang in Angriff genommen werden müsse, daß aber die unerläßliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Beschreiten dieses Weges darin zu erblik- ken sei, daß zunächst einmal Ordnung im eigenen Hause geschaffen werde, und dazu solle gerade das große Reformprogramm der Regierung dienen.
In der gestrigen Kabinettssitzung sind nun fast sämtliche Mitglieder der Regierung anwesend gewesen, unter anderem auch die Minister Schiele, Trevira- n u s und Dr. B r e d t, also gerade die Vertreter derjenigen Gruppen, die, wie erwähnt, in der Oeffentlich- keit mit Wünschen nach sofortiger Revision des Young- Planes hervorgetreten sind.
Wenn nun festgestellt werden kann, daß das Reichskabinett gestern einmütig den Ausführungen des Außenministers zngestimmt hat, so geht daraus die wichtige politische Tatsache hervor, daß die Vertreter der gemäßigten Rechten im Kabinett sich ebenfalls von den Gründe» des Reichskanzlers und des Außenministers überzeugt haben, wonach es wichtiger ist, im Augenblick zunächst einmal die Durchführung der inneren Sanierung mit allen Kräften anzustreben, und erst dann, wenn im Inneren Ordnung geschossen ist, auf der neuen finanzpolitischen Basis an die Revision des Youngplanes heranzugehe».
Gehaltskürzung und Preisabbau
Entschließung des Deutschen Beamtenbundes ' ■ y?
Berlin, 8. Oktober.
Der Gesamtvorsiand des Deutschen B e am tenbuildes befaßte sich eingehend mit dem Wirtschafts- und Finanzplan der Reichsregle- rnng und legte seine Stellungnahme in einer Entschließung nieder, in der er u. a. darlegt, ohne Re-
Oer außenpolitische Kurs
Eigener Drahtbericht.
Neuyork, 8. Okwber.
Nach argentinischen MAdnngen ist der brasilianische Kreuzer „S a n t o s" im Hafen von Rio Grande do Sul eingetroffen und hat die Aufständischen mit einem Ultimatum aufgefordert, sich zu ergeben. Im Weigerungsfälle solle die Stadt beschossen werden. Viele Aufständische stnd auf argentinisches Gebiet übergetreten, wo sie entwaffnet wurden.
Da die Lebensmittolknappheit in Rio de Janeiro sich weiter empfindlich bemerkbar macht, hat die Regierung sich veranlaßt gesehen, die gesamten Lebensmittelvorräte zu beschlagnahmen und den Verlauf selbst in die Hand zu nehmen. Diese Maßnahme erweist sich als umso notwendiger als gewissenlose Spekulanten die Lage auszunützen drohen.
ernsten Lage erwarte das Volk von den Staatsmännern keine doktrinären Kontroversen, sondern klare, bestimmte Lösungen für alle dringlichen Probleme, die die Zukunft des Landes betreffen. Nur die republikanische Partei, die nicht dogmatisch und voreingenommen sei, sei in der Lage, die wirtschaftlichen und sozialen Probleme objektiv, desinteressiert und wissenschaftlich zu prüfen, und die größtmögliche Einigung um ein Programm des Friedens und des Wohlergehens zustandezubringen.
I mokratie. Hilferving gab zunächst eine Analyse der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in dem Sinne, daß sie die Klassengegensätze verschärft habe und zu einer Massenbewegung von unten und einer Einzelreaktion von oben geführt habe; das sei die Gefahr von heute, durch die gleichzeitig Parlamentarismus und Demokratie gefährdet seien. Für die Sozialdemokratie ergebe sich die Aufgabe, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß die Möglichkeit, ans parlamentarischem Boden zu kämpfen, erhalten bleibe.
Es wurde dann eine Resolution angenommen, in der u. a. erklärt wird, die Breslauer Soziabdemokra- tische Partei halte es für ihre Pflicht, mit aller Entschiedenheit zu erklären, daß sie nicht nur keine Möglichkeit für die Teilnahme der Sozialdemokratie an der Regierung sehe, sondern daß sie dringend von einer solchen Beteiligung wie von einer sogenannt e n w o h l w o l l e n d e n Opposition abrate. Die Partei müsse jetzt vor allen Dingen den Kampf um die Lebenshaltung der breiten Massen und schließlich auch um die Erhaltung der Demokratie führen.
Echo -e Paris-Weisheiten
Paris, 8. Oktober.
Zu der Forderung der Grubenarbeiter Deutschlands nach Revision des Youngplanes, die in einem Artikel der „Bergbauindustrie" erhoben wurde, schreibt das „Echo de Paris", daß die Sozialisten den Mut haben müßten, ihre Gewerkschaften darauf hinzuweifen, daß der Wiederaufbau der zerstörten, Gebiete Frankreichs auf Kosten der französt- ia>£: 5'eLu cb.cr (?) durchs führt worden sei, während die Reichsregierung das Geüd zum Fenster hin- ausgeworfen habe. Die deutschen Sozialisten müßten weiter den Mut haben, ihre Gewerkschaften daran zu /erinnern, daß das neue Fittanzprogramm Dr. Brünings keine Ermäßigung des Heereschaushalts vorsehe.
Dabei dürften auch Rücksichten auf die Reise mitsprechen, die Reichsbankprästdent Dr. Luther (der sich übrigens mit dem Reichskanzler und dem Außenrnini- ster in der Beurteilung dieser Fragen vollkommen einig ist) nach Amerika wegen des notwendigen Ueberbrllckungskredits unternehmen wird.
Der Reichskanzler wird sich heute zvm Reichspräsidenten von Hindenburg begebe», um ihm aber das Ergebnis seiner Besprechungen mit den Parteiführer» Bericht zu erstatten, nachdem gestern abend mit der Unterredung des Kanzlers mit den Vertretern der Bayrische» Volkspar- tei die Reihe dieser Besprechungen endgültig abgeschlossen worden ist. Die Vermutung, daß der Reichskanzler bei dieser Gelegenheit vom Reichspräsidenten die Erteilung irgendwelcher Vollmachten erbitten wird, geht zweifellos in die Irre, denn im Augenblick sind derartige parlamentarische Vollmachten noch nicht erforderlich.
Ueber den parlamentarisch einzuschlagen d e n W e g ist gleichfalls bereits ausreichende Klarheit geschaffen, so daß auch hierüber irgendwelche neuen Vereinbarungen mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg für de» Augenblick nicht notwendig sein werden. Es ist nach wie vor anzunehmen, daß nach dem Zusammentritt des Reichstags der Kanzler zunächst mit der Hilfe der Sozialdemokraten über die ersten Schwierigkeiten hinwegkommen wird, wobei hauptsächlich die großen politischen Entscheidungen über das Reformprogramm und damit über die künftige Mehrheitsbildung im Parlament in Betracht kommen.
Oer Weg -er Sozial-emokratie
Die Regierung hat eigene Verkaufsstellen bereits eingerichtet.
Rach Meldungen aus Rio de Janeiro befindet sich die gesamte brasilianische F l ot t e auf der Fahrt nach Porto Alegro, um sich mit den Landtruppen zum Kampfe gegen die Aufständischen zu vereinigen. Die Regierungstruppen sollen Minas Gc- raes und die Stadt Palmyra (das Zentrum der Milchwirtschaft" zurückerodert haben. Tie Aufständischen wurden von Regierungsflugzeugen mit Bomben beworfen.
„Nationale Wachsamkeit notwen-ig"
Der Führer der französischen Radikalen zur außenpolitischen Lage.
Paris, 8. Oktober.
Aus dem morgen in Grenoble beginnenden radikalen Parteitag wird der Abgeordnete Chautemps über die allgemeine politische Lage Bericht erstatten. In diesen von der „Ere Nouvelle" veröffentlichten Darlegungen heißt es über die außenpolitische Lage, die wirtschaftliche Anar- ch i e, die in der ganzen Welt die Nachkriegsperiode kennzeichne, das ungeheure Steigen der Produktionsmittel, während die politische Unruhe in mehreren Ländern Elend und eine Währungssenkung herbei- führe. hatten die Industrie in eine fürchterliche Ueberproduktionskrrse und Arbeitslosigkeit gebracht. Inmitten dieser Krise verschärfe sich die Rivalität der Nationen untereinander, während die Lage der Landwirtschaft, die einmal schlechte, einmal gute Ernten habe, schwierig fei.
Gleichzeitig gestalte das Anwachsen des N a-
Die Moskauer -Jswestija" nimmt zu den Verhandlungen der Tagung des Völkerbundes Stellung und sagt, die diesjährige Tagung sei in jeder Hinsicht ergebnislos und unfruchtbar gewesen und hätte alle vorangegangenen Tagungen übertroffen. Die Tagung habe deutlich die Unfähigkeit bewiesen, die Grund aufgab en des Völkerbund e s z u l ö s e n. Es habe sich gezeigt, daß auf der einen Seite wieder ein neuer imperialistischer Krieg und auf der anderen Seite eine gemeinsame Front der sowjetfeindlichen Staaten vorbereitet würde.
Das Blatt nntersttetcht, daß die englisch-französischen Gegensätze, die während der konservativen Regierung in den Hintergrund getreten waren, mit neuer Kraft entflammt seien. Auch die italienisch- französische Spannung habe einen noch nicht dagewesenen Grad erreicht. Schließlich habe die Versammlung einen völligen Zusammenbruch pazifistischen Illusionen erbracht und mit voller Deutlichkeit die Verschärfung der gezenwärtigen internationalen Lage ergeben.
Seipel über die Bedeutung der Wahlen
\ Wien, 8. Oktober.
Die „Neue Frese Presse" meldet: Mitglieder des diplomatischen Korps erschienen gestern beim Bundesminister des Aeußern Dr. Seipel.' Im Laute der Unterhaltung brachten sie die Sprache auf gewisse Vorkommnisse der letzten Zeit und wiesen auf das große Interesse hin, das die weitere innerpolitisehe Entwicklung Oesterreichs im Auslande finde. Außenminister Dr. Seipel erklärt, daß man red-
Breslan, 8. Okwber.
In enter überfüllten Funktionär- und Vertreter- Versammlung der SPD. Breslau sprach Dienstag abend der frühere Reichsfinanzminister HiIfer- ding über die kouuuevven Aufgaban der «ozialde-
tionalismus in Deutschland, die Drohungen des italienischen Faschismus und die wieder auftretenden Konflikte an den verschiedenen Punkten Europas den Frieden unsicherer, und mache nationale Wachsamkeit notwendiger. Angesichts dieser
nerische Entgleisungen während einer Wahlbewegung, ob sie nun von der einen oder von der anderen Seite kamen, nicht allzu ernst nahmen müsse. Die Wahlen werden in Ruhe vor sich gehen. Die ruhige Weirer- autoiMung nach Den Wahlen werde garantiert.
Brünings Sondierungen
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
Dr. Th. Allzuviel Neues hat der Reichskanzler heute nicht zu berichten, wenn er sich zum Reichspräsidenten von Hindenburg begibt, um ihm das Resultat seiner Unterredungen mit den Vertretern der neuen Reichstagsfraktionen mitzuteilen. Zwar hat Dr. Brüning den Kreis dieser Besprechungen sehr weit gezogen. Nur die Kommunisten waren von diesen Empfängen im Reichskanzler-Palais ausgeschlossen. Alle anderen Parteien, gleichgültig ob sie hinter der jetzigen Regierung oder in mehr oder minder schroffer Opposition stehen, sind vom Kanzler über die Grundzüge des vor kurzem veröffentlichten Regierungsprogramms uitterrichtet und um ihre Meinung befragt worden. Sie haben, wie nicht anders zu erwarten war, alle erklärt, daß sie selbstverständlich die Stellungnahme zu den Plänen des Kabinetts ihren Fraktionen Vorbehalten müßten, aber Dr. Brüning dürfte trotz dieses verhältnismäßig schematischen Verlaufes aller Unterredungen doch schon einen gewissen Ueberblick darüber gewonnen haben, auf welchen Wegen eine Mehrheitsbildung im Reichstage wenigstens für die allernächsten Aufgaben und Abstimmungen angestrebt werden kann. Er hat absichtlich fast sämtliche Parteien eingelad.rn. «voraus ,:.-rvorgeht, daß er leine irgendwie, in Betracht rommende Möglichkeit einer parlamentarischen Verständigung unausgeschöpft lassen will.
Eins der ersten parlamentarischen Probleme ist gegenwärtig begreiflicherweise die Haltung der Nationalsozialisten, und natürlich hat die Frage eines Zusammenwirkens mit den Parteigängern Hitlers auch in den Sondierungen des Kanzlers bei den Vertretern der anderen Parteien eine wichtige Sioüe gespielt. In dieser Hinsicht ist allerdings eine eindeutige Klärung ebensowenig wie über die Haltung der Nationalsozialisten selbst erzielt worden. Die Nationalsozialisten wollen ihre politische Aktions- kraft jetzt anscheinend weniger auf den Reichstag-. als auf das Ziel einer preußischen Neuwahl konzentrieren. Dieses Verfahren wird.allgemein als ein sehr geschickter taktischer Zug bewertet. Man könnte davon sprechen, daß die Partei, um ein militärisches Bild zu gebrauchen, ihren Anfangserfolg vom 14. September erst durch diesen Nachstoß in Preußen zu einem wirklichen Siege auszubauen gedenkt, anstatt auf der zwar stattlichen, aber immerhin für sich allein unzulänglichen Basis im Reichstage den Kampf zu führen. Dabei kann vorläufig vollkommen dahingestellt bleiben, ob der angestrebte Volksentscheid, der ja nicht vor Februar durchgeführt werden kann, zu einem positiven Erfolge führt. Schon die Agitation für diesen Volksentscheid ist ein neues erhebliches Aktioum in der Rechnung Hitlers und seiner Freunde.
Falls die Natioiialsozialisten ihr politisches Arbeitsprogramm tatsächlich im wesentlichen auf diese Fortsetzung der außerparlamentarischen Tätigkeit einstellen sollten, würden im Reichstag vielleicht geringere Schwierigkeiten von ihnen zu erwarten sein, als man unter dem ersten Eindruck des Wahlergebnisses annahm. Trotzdem bleibt es natürlich äußerst zweifelhaft, ob und wie eine Zusammenarbeit mit ihnen im Parlament möglich ist. Der Kanzler dürfte bei seinen Unterredungen feftgestellt haben, daß die Meinungen der Parteien in dieser Frage weit aus« einandergehen. Besonders interessant ist die Zwiespältigkeit der Anschauungen im Zentrum. Während Dr. Brüning persönlich offenbar in voller Unvoreingenommenheit und zugleich in lieber« einstimmung mit dem rechten Flügel der bürgerlichen Mitte und einem Teile seiner eigenen Parteifreunde den Versuch einer solchen Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten unternehmen will, scheint bei der Mehrheit des Zentrums schon jetzt die Ueberzeugung festzustehen, _bag ein solcher Versuch unbedingt fehl- schlagen müsse. Verschärft wird diese Tendenz durch den Konflikt, der aus Anlaß einer Kundgebung des Mainzer Erzbischofs zwischen der Hitlerbewegung und der katholischen Kirche entstanden ist. Andererseits steht es zu diesem Bilde im Gegensatz, daß von einem rechtsstehenden Zentrumspolitiker vor wenigen Tagen der Versuch gemacht wurde, zwischen Nationalsozialismus und Katholizismus gewissermaßen eine Brücke zu schlagen, und daß in der Frage der Neubesetzung des Reichstagspräsidiums im Zentrum die Anschauung vertreten wird, man könne zwar keinem Kommunisten, wohl aber einem Nationalsozialisten den Poften eines Vizepräsidenten im Reichstage anvertrauen. Nimmt man hinzu, daß die Wirtschaftspartei, die gemäßigte Rechte und die Deutsche Volkspartei ebenfalls — und darüber haben ihre Vertreter dem Reichskanzler keinen Zweifel gelassen — für den Versuch einer Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten eintreten, so dürfte einigermaßen feststehen, daß Dr. Brüning auch »em Reichspräsidenten gegenüber seine Bereitschaft erklären wird, de»