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Kasseler Neueste Nachnchien

Freitag, 26 September 1936

Im I baren Schritten wie geistesabwesend umher tien l zerriß die Maschen des GewebeS,

ehe sie so recht gesponnen...

und noch

Schwere Ausschreitungen in Prag

Sturm -er Menge auf das Deutsche Haus und dos Deutsche Theater

Prag, 26. September.

An Prag ist es gestern erneut zu stürmischen De­monstrationen gegen die deutsche Bevölkerung gekom­men. Schon am Bsittwoch hatten sich schon Zwischen­fälle ereignet. Die Aktion richtete sich vor allem ge­gen die Kino», in denen deutsche Tonfilme laufen. Infolge der Demonstrationen haben die tsche­chischen Ktnobesttzer die deutschen Filme von den Programmen abgesetzt: ko *. B.Zwei Herzen im Dreivierteltakt" undDer unsterbliche Lump" Es werden nur noch tschechische Filme gespielt. Die Drahtzieher der Demonstrationen haben also ihr Ziel erreicht.

Die gestrigen Demonstrationen nahmen ihren An­fang auf dem Wenzelsplatz. Obwohl die Po- li,ei Ansammlungen verboten hatte, strömten dort ungeheure Menschenmasien zusammen, die sich zu­nächst in Johlen und Schmährufen gegen die Deut­schen Luft machten. Ein Teil der Menge versuchte gegen das Deutsche Theater vorzudringen, konnte aber die Polizeikette nicht durchbrechen.

Die Menge zog zum Deutschen Haus auf den Graben wo etwa 7o Fensterscheiben zertrümmert und einige Schüsse in das Innere des Hauses abgegeben wurden Die vor dem Deutschen Haus postierten Wachleute wurden von der Menge niedergeschlagen. Bei dem entstandenen Handgemenge wurden viele Personen verletzt. Auch kam es zu einigen Verhaftungen.

Die Demonstranten wurden zurückgedrängt und zogen zum .Prager Tagblatt", um dort dieselben Szenen aufzusühren, wie bor dem Deutschen Haus. Die Gendarmerie ging wiederholt gegen die Menge mit gefälltem Bajonett vor. Dabei wurden zahlreiche Personen verletzt.

Um 9.40 Uhr griff die Polizei vor dem .Pra­ger Tagblall" ein und verhinderte, daß es zu Gewalttaten kam. zum Unterschied vom .Deutschen HauS", wo die Polizei und Gendarmerie erst ein­griff, als die Fensterscheiben bereits in Trümmer ge­gangen waren. Vor dem .Deutschen Hause" liegen

Steine. Ziegel, zertrümmerte Fensterläden. «» stehl aus wie auf einem Schlachtfeld«. Gegen 22 Uhr versammelten sich die Demonstranten nochmals in größerer Menge vor dem Deutschen Theater und ver­suchten unter wüstem Geschrei in das Theater ein­zudringen.

Berittene Polizei säuberte in mehreren scharfen At- racken den Platz. Die Polizei ging immer schärfer vor Deutschsprechende Paflanten wurden von der heulenden Menge umringt. Die Menge hat sich mit Steinen versorgt und schlug wahllos Scheiben auch in den größten Hotels ein. u. a. im Hotel .Espla­nade".

Vor der Zentralbank der deutschen Sparkassen kam es zu wiederholten Zusammen­stößen zwischen der berittenen Wache und den De­monstranten, die sich in den Seitenstraßen immer wieder aufs neue versammelten, um auf den Wcn- zelplatz vorzudringen.

Neue Schikanen im Korridor

Berlin, 26. September.

Die Reisenden der zwischen den, Reich und Ost­preußen verkehrenden"e sind, wie dem -Berliner Tageblati" aus Königsberg gemeldet wird, seit gestern einer neuen unerhörten Belästigung durch dir polnischen Bahnbeamten beim Passieren des Korri­dors ausgesetzt.

Auf s ä m t l l ch e Fahrkarten, die bei den Reitobüros (und nicht direkt an den Schaltern der Reichsbahn) gelöst worden sind, werde eine Rgch- z a h l u n g erhoben, die z. B. für die Fahrt Ber- linKönigsberg 7 RM. bei dritter Klasse, und 10 RM. bei zweiter Klasse ausmache. Die Berechnung erfolge in Zloty, wobei ein Kurs von 0,50 Mk. je Zloty berechnet werde. Die Maßnahme werde damit begründet, daß angeblich bei der Abrechnung zwischen den Relsebüros undder polnischen Staatsbahn" betrügerische Machinationen vorgekommen seien.

Wicklung widersetzen, niederzureißen. bm »efonbcren bedeute es für Frankreich einen glatten Selbstmord, wenn es dazu die Hand reichte, die Fes- tCn siegreichen Aufschwung der deutschen Wirtschaft heute noch hemmen . . .

Rohmen wir dazu noch die »militärische Gefahr" -Deutschlands, an die heute wieder der Durchschnilts- r-unerschütterlich fest glaubt, so kann man sich bildlich geiprochen, die Stärke des Netzes vor- stellen, worin heute Briand zu zappeln scheint. Ist er darum endgültig gefangen, muß man gar mit 1 e rn e m baldigen Sturze rechnen?

Der französische Geist rühmt sich seit Descartes gerne einer scharfen Logik. Dafür aber nimm er das Recht in Anspruch, in seiner inneren P i- tik io unlogisch wie nur möglich zu sein e eingangs sckwn erwähnt, sind die Wandelgäng« - xS Palais Bourbon mit all ihren Intrigen zum Teil weingstens an die Seeufer von Genf versetzt: damit haben Briands Gegner, ohne sich vielleicht darüber genau Reckien sch ast abzulegen, das Wagnis unter­nommen, den aalglatten Politiker auf seinem eigenen Terrain zu schlagen, was bis jetzt eigentlich noch niemand gelungen ist. So erlebte man das Merkwiirdisie, daß Gestalten, die eigentlich nur auf Pariser Boden denkbar sind, plötzlich in den «appichbelegtcn Hallen des Völkerbundes auf- tanchten; etwa die gefürchtete »graue Eminenz", des Tigers Kabinettchef Mandel, der in der Kunst des Ministerstürzens seinem berühmten Meister noch fast überlegen ist; oder der einflußreiche Führer der .patriotischen Jugend" Taittinger, faschistischer Deputierter von Paris; und auf der andern Seite die Gegenspieler Herriot und Pa in le, von minder,wichtigen Persönlichkeiten gar nicht za reden All diesen Intrigen gegenüber befolgte Briand seine altbewährte Taktik: Er machte seinen Rücken noch runder, trippelte mit kleinen, Weichen, fast unhör-

Gan; ohne Wunden ging eS dabei natürlich nicht ab, mel weniger jedoch für ihn, als für die andern; als echter Seemann kentlt. er ja das Lavieren tote kein zweiter. Nach einer herzlichen Unterhaltung mit dem Reuhsaußenminister hielt er seine von lOoproz. französischem Geiste durchtränkten Reden -über, die Minderheiten. Wie kann man einem Staatsmann, der s o sprach, in Paris entgegentreten ihn des -Verrats an Frankreichs Interessen" zeihen? Einem Staatsmann,»-der sich-auf seine patrwtische Haltung in der Abrüstung»- und in der Sicherhetts- frage berufen kan'n?

Das aller find Trümpfe, die überhaupt nicht zu schlagen sind; und wir können versichert sein, daß Briand noch andre in Bereitschaft hält. Zum Bei­spiel das Trumpfass: Briand fällt nicht allein, sondern er zieht notgedrungen auch den als Halb­gott von den Nationalisten verehrten T a r d i e u mit sich. Denn hält sich Tardieu selber durch dte aus Leib und Leben verschriebene Kammer, so halt Briand ihn durch den Senat, der dem Löwen von Belfort nie verzeihen konnte, daß er den Ruhm seines Lieblings Poincare verdunkelt. Und weiter: Es ist ein beliebter, nie versagender Schachzuq Briands, stets einen Nachfolger im Hin- ergrund zu verbergen. Der »Dauphin* heißt in dieiem Falle Pierre Laval, der als Arbeitsminister gefährliche Klippe der Sozsalversichernugen glücklich umschifft« und dadurch ein« währe Katastro­phe verhinderte. Es gibt in der französischen Lite­ratur eine Gestalt namens Gribouille, die sich aus .lauter Furcht vor dem.Regen ins Wasser stürzte: Tarhtou ist . viel zu klug, ein solcher Gribouille zu 'ein. Dr. Pütz.

Hitler über seine Ziele

Abschluß seiner Vernehmung im Leipziger Prozeß Eine Erklärung des Staatssekretärs Zweigert

Wir habe« bereits gestern über eine» «roße» Teil der Ausführung««, die Pitler als Zeug« im Prozeß gege» di« Rcichswebrofliziere gemacht bat, berichtet. Wir verSileatliche« beute de» Schluhteil der gestrige» Ber»ebm«»«e» und lalle» für die Leier, i» der«« Ausgabe nur der Aula«« des gestrige« Berichtes e«t- balte» war, eine kurze crgävzcude Uebersicht folge«:

Nachdem sich Hitler über die Befehlsgewalt tn der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei geäußert hatte, las der Vorsitz e n d e einen Ar­tikel vor. tn dem es u. a. hieß: »Ueber di« Schwere des Kampfes läßt uns Hitler nicht im unklaren, denn er sagt: Köpfe werden in diesem Kampf in den Sand rollen, entweder die anderen oder die unse­ren, also sorgen wir, daß es die anderen sind!" Das kann man, so fährt der Vorsitzende fort, auffassen als Hinweis aus eine gewünschte Revolution. Was für eine Bewandtnis hat es mit diefem Zitat?

Hitler: Ich glaube, der Verfasser Muchow hat hier die große geistige Revolution im Aug« gehabt, in der wir uns befinden.

Wenn die Bewegung in ihrem leaalem Kampfe fiegt, so wird ein deutscher Staatsgerichtshof kommen, der November 1918 wird seine Sühne finden, und es.

werden auch Köpfe roTtäC T

Die große nationale Revolution wird als innerpoliti- fcher Vorgang aufgefaßt, für die Nationalsozialisten ist er aber eine allgemeine geistige und völki­sche Erhebung des deutschen Volkes, eine Er­hebung des geknechteten «Deutschtums. Eine solche Bewegung wird nicht mit illegalem Mitteln vor­bereitet. Wenn in Deutschland noch zwei bis drei Wahlen stattfinden, wird die NSDAP, in der Mehrheit sitzen. Diese Bewegung wird kommen, es fei denn, man gibt dem deutschen Volke feine Le­bensmöglichkeit. Deutfchland ist durch die Friedens­verträge geknebelt. Die gefamte deutsche Gesetzge- bung ist nichts anderes als eine Verankerung der Friedensverträge.

Wir aber sehen diese Verträge nicht als ein Gesetz an, sondern als etwas Aufgezwungenes.

Wir erkennen unfere Schuld am Kriege nicht an. vor allem nicht für die kommenden Geschlechter. Wenn wir gegen die Verträge mit allen Mitteln Stellung nehmen werden, befinden wir uns in einer Revo­lution. Wir werden gegen diese Verträge vorgehen, sowohl auf diplomatischem Wege, wie wir auch Stel­lung gegen sie nehmen werden durch ihre restlose

Umgehung. Das kann vom Angesicht der Welt aus als illegales Mittel angesehen werden, geschieht aber erst, wenn die Partei mit legalen Mitteln gesiegt hat.

Vorsitzender : Welche Bewandtnis hat es mit dem

Dritten Reich?

Hitler: Die nationalsozialistische Bewegung wird in diesem Staat mit den versassungsmDigen Mitteln das Ziel zu erreichen suchen. Die Verfassung schreibt uns nur die Methoden vor, nicht über das Ziel. Wir werden auf diesem ver­fassungsmäßigen Wege die ausschlaggebenden Mehr­heiten in den gesetzgebenden Körperschaften zu erlan­gen versuchen, um t» dem Augenblick, wo uns das ge­lingt, den Staat in die Form zu gießen, die unseren Ideen entspricht.

Der Vorsitzende faßte die Aussage, Hitlers nun dahrn zusammen, daß die Errichtung des Dritten Rei­ches auf verfassungsmäßigem Wege erstrebt werde.

Hitler wurde hieraus die Reichswehr-Sonder- Winmex.,des..Völkischen, Beobachters" vom 26. Matz 1929 vörgehalken die eine wehrpolitische Rede Hitlers enthielt." Er erklärte dazu, die Veröffentlichung fei in dieser Form erfolgt, weil sie

die grundsätzliche Stellung der NSDAP, zum Wehrprogram«

enthalte. Die Reichswehr sei Exponent der politi­schen Parteien. Die politische Mehrheit im Reichstag bestimme und verfüge über Geist und Charakter der deutschen Wehrmacht. Sie könne der Wehrmacht die ihr genehme Form geben.

Auf den Einwurf des Vorsitzenden, daß der Reichs­präsident den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht habe, erklärt« Hitler: Dieser Oberbefehl hat nichts zu tun mit dem Geist der Organisation und dem Aus­bau des Heeres.

Vorsitzender : Wußten Eie davon, daß zwei der Angeklagten Anfang November 1929 zum politi­schen Bureau der NSDAP, kamen?

H i t l e 7 : Ich habe davon gehört. An sich emp­fangen wir grundsätzlich keine Deputationen.

Ich habe «ie gewußt, daß ZellenbUduu- beabsichtigt ist.

Ich halte seit 1923 keinerlei Verbindung mit der

Wehrmacht aufrecht. Ich habe nie mit Offizieren Der» Nach der Mittagspause wurde

Staatssekretär Zweigeri

vom Reichsinnenministerium vernommen. Er erklärte: Das Reichsministerium des Innern ist im Besitz von umfangreichem Material, ans dem sich nach seiner An­sicht ergibt, daß die Nationalsozialistisch« Deutsche Ar­beiterpartei schon seit ihren Anfängen u m st ü r z - lerischeZiele verfolge.

Das Reichsministerrum des Innern habe schließlich noch Material dafür, daß der Führer der NSDAP., Adolf Hitler, vor dem sogenannten Hitlerputsch ge­genüber den zuständigen bayerischen Stellen Loyali- tätserfiärungen in dem Sinne abgegeben habe, daß er z. B. ehrenwörtlich versprochen habe, keinen Putsch zu machen, daß et aber

trotzdem am ». September 1923 den bekannten Putsch in München ins Werk gesetzt

habe, weswegen er vom Volksgericht München mit fünf Jahren Festungshaft bestraft worden feü

Staatssekretär Z w e i g e 11 erklärte dann: Er könne nicht auf Grund eigener Wissenschaft dafür ein­treten, daß Die amtlichen Feststellungen, die dem Mini- terium zugegangen sind, auch stimmen.

Zum Schluß seiner Ausführungen erklärte der Reichsanwalt Dr. Nagel, . daß sich das Ma­terial des Innenministeriums nicht so rechtzeitig heranschaffen und bearbeiten lasse, daß ein ungestörter Fortgang des Prozesses gewährlefltet werde. Er stelle daher für den Fall der Verwertung dieses Materials den Antrag auf Vertagung. Rechtsanwalt Dr. Sacks widersprach dem Antrag, worauf die Ver­handlung bis 4 Uhr nachmittags unterbrochen wurde.

Hitler wird' vereidigt

Nach ber Pause wurde die Frage der Vereidi­gung der Zeugen Weiß, Wagner, von Pfeffer und Hitler behandelt.

Der ReichSantoalt beantragte, eine Vereidi­gung nicht vorzunehmen.

Der Senat verkündete nach kurzer Beratung fol­genden Beschluß: Der »Zeuge Adolf Hitler ist auf feine Aussagen zu vereidigen, weil gesetzliche Gründe für die Nichtvereidigung nach Ansicht des

Gerichtshofes nicht vorliegen. Die vereidkgung bet Zeugen von Pfeffer. Weiß und Wagner wird aus­gesetzt.

Nach dem Beschluß des Senat», Adolf Hitler auf feine Aussagen zu vereidigen, erklärte Staatssekretär Dr. Ztoeigeri, ihm scheine auf Grund diefes Befchlus- fes feine Anwesenheit zwecklos zu sein.

Staatssekretär Zweigert wurde entlassen nnb vet- ließ mit ben übrigen vom Innenministerium ent» sanbten Beobachtern ben Sitzungssaal.

Befchwerben über ihre Behanblung durch den Untersuchungsrichter brachten im weiteren Verlauf der Verhandlung Dr. Frank und Haupt­mann Pfeffer sowie Leutnant Huschenbett vor: er unp alle feine Kameraden hätten sich wie Verbrecher behandelt gesuhlt. Der Reichsanwalt fragte, ob die Zeugen sich verabredet hätten, beute Beschwerden über die Untersuchungsmethoden vorzudringen. Mehrere Zeugen traten vor und stellten eine ge­meinsam« Verabredung entschieden in Abrede.

Die Zeugen Adolf Hitler und Oberstleutnant Ribbentrop wurden entlassen. Dann Wurde um 16.45 Uhr bte Verhandlung abgebrochen.

Aus dem ersten Teil der Hitlerfchen Aussagen sei hervorgehoben, daß Hitler erklärte, zu keiner Stunde sei der Zweck der Organisation der Kampf gegen den Staat gewesen.

Er habe, so sagte Hitler weiter, stets den Stand­punkt vertreten, daß jeder Versuch einer Zer­setzung der Reichswehr Wahnwitz sei. Er habe nur den Wunsch, daß das Heer wie das deutsche Volk den neuen, nationalsozialistischen Geist aufnehme.

Dr. Reinhold tritt in ben AufsichiSrat bet Ull­stein A G. ein. Wie der Verlag Ullstein mitteilt, wird der demnächst stattfindenden GV. der Ullstein A.--G. vorgeschlagen werden, den früheren Reichs- Minister der Finanzen, Dr. Peter Reinhold, in oxit Aufsichtsrat zu wählen. Reichsminister Dr. Rein­hold ist außerdem, wie weiter mitgeteilt wird, alS führender Mitarbeiter berVosfischen Zeitung" gewonnen. Dr. Reinhold wird sich insbesondere mit politischen und wirtschaftlichen Fragen befassen.

Das Vermächtnis

Variation einer östlichen Fabel

Von Melchior Vischer

In der albanischen Stadt Berati lebte Vari Bobba moha.mmepanlsck)on Glaubens, gleichwohl aber ein echter Nachkomme des großen albanischen Ahnen Alsksandros.

Vari Bobba hatte viele Jahre im Auslande ge­lebt; dort hatte er auch seine Reichtümer erworben, getreu dem alten albanischen Gesetz, das jedes Steh­len im eigenen Lande bestraft, bas Stehlen im Aus­lände aber als Heldentat feiert, weil es ben natio­nalen Besitzstand des albanischen Dolles vermehrt. Vari Bobba hatte dennoch viele Feinde, weil eS auch in Albanien kleinliche Menschen gibt, die reiche Men­schen nicht leiden mögen. , .

Der reiche Dari Bobba batte viele Pferde.

Er war eilt großer Tierfretmb; Pferde aber liebte er besonders. Er ließ sie in großen Hürden frei um- berlausen, Gras fressen und Wasser trinken. Vari Bobba wußie um ihr Geheimnis; dies war es: sind die Pferde heiter, reiben sie ihre Hälse aneinander nnb wiehern. Sind sie traurig, lassen sie ihre Köpfe hängen. Sind sie böse, schlagen sie auS. Varr Bob­ba wußte, daß ein freies Leben den Pferden gefallt.

Nie ließ er es zu, daß man seine Pferde vor den Pslua spannte; denn das gefällt den Pferden nicht. Ihre Augen werden scheu und sind auf der Lauer. Sie denken nach, wie sie ihr derbes Joch abschutteln könnten. So lernen die Pferde das Denken.

Unter allen Pferden war eines, bas hatte sich Dari Bobba aus Persien mitgebracht. Es war sein Lieblingspserd und hieß Mirza.

Eines Morgens war Mirza tot.

Ein Feind Vari Bobbas hatte bas Tier tn der Nacht vergiftet.

Vari Bobba War untröstlich. Er trauerte einen ganzen Tag um sein Lieblingspferd, und trank nichts. , . _

Auch die Pferdewärter bekamen nichts zu essen. Dafür wurden sie aber zu Mittag und am Abend ausgepeitscht. . ,,

Im nächsten Morgen ließ Varr Bobba Mirza tn Kinern Garten begraben.

Er weinte babei. Nur er und zwei Diener waren zugegen, als die letzte Erde über das tote Pferd ge­worfen wurde.

Daun kamen seine Freunde. Denn Vari Bobba hatte ein festliches Totenmahl Herrichten lassen.

Während des Mahles pries er die Vorzüge seines LieblingApferdcs laut. Immer und immer wieder.

Tas Totenfest dauerte bis nach Mitternacht.

Am frühen Morgen wurde Vari Bobba von Büt­teln des Stadtrichters verhaftet.

Seine Feinde hatten angezeigt, daß er ein Pferd mit allen mohammedanischen Totengebräuchen be- ftattet hatte. Als wäre das Pferd kein Tier, sondern ein wirklicher, albanischer Muselmann gewesen. Da­durch habe Vari Bohba den Großen Propheten ge­lästert und verhöhnt.

Dari Bobba stand gefesselt vor dem Richter, der ein strenges und gerechtes Gesicht hatte. Zwei Mittel rechts und zwei Büttel links. Er in ihrer Mitte.

Der Stadtrichter konnte vor »Zorn kaum ruhig sprechen; er fuhr den Gefangenen Höfe an:

.Du räudiger Floh, hast dich vermessen, den Großen Propheten zu lästern. Verteidige dich, komm mir aber mit dem Hauch deines lästerliches Mundes nicht zu nahe! --- .Sprich! Bist du nicht einer von der verruchten Sekte, welche die Pferde anbetet--?"

Pari Bobba verneigte sich tief, trotz der Stricke, die bei jeder Bewegung hart ins Fleisch schnitten.

Schauspieler-Gagen

Der Tonfilm hält die Spitze.

Die Stargagen der Schauspieler schwanken gegen­wärtig wie Börsenkurse. Im allgemeinen ist festzu­stellen, daß für die Sprechbühne ein Abbau der Spitzenpreise bereits eingetretcn ist. Sv ist beispiels­weise die Lagesgage von Kortner, die vor einigen Monaten noch um 800 Mark lag, gegenwärtig auf die Hälfte gesunken. Mit 400 Mark Tagesgage rangieren auch Forster und Deutsch auf gleicher Höbe. Außer­halb dieser. Berechnung stehen die Gagen für Pallen­berg und Hans Albers. Pallenberg spielt als eigner Unternehmer mit einer Tqgesgarantie von 2000 Mk. pro Abend und je nachdem wie der Termin liegt, auch für 500 Mark. Tie Gage für Hans Albers wird durch den Tonfilm diktiert. Nach den ersten Erfolgen Albers im Tonfilm ist feine Tonfilmgage von 10000 Mark heule bereits auf 80 000 Mark im letzten Ton­filmangebot emporgeschneut.

Die Gagen des Ensemble-Schauspielers erster Qualität, wie sie in Berlin gezahlt werden, bewegen sich auf einem Durchschnitt von 100 bis 200 Mark pro Lag. Im Ensemble decken sich diese Gagen auch mit

Denn er hatte Ehrfurcht vor den Richtern. Dann sprach er:

»Gerechter und Weiser Richter! Ich gehöre keiner verbotenen Sekte an und nie in meinem Leben habe ich Mohammed gelästert. Es ist wahr, ich habe mein Pferd begraben, ich habe laut geklagt und noch lange werde ich das gute Lier beweinen, denn es war", hier konnte Vari Bobba die richtigen Worte nicht finden, er stotterte, .--gerechter Richter--

wenn du wüßtest--*

-Elender. ich weiß alles!" Die Stimme des Rich­ters überschlug sich.

»Alles--- ??? Vari Dobba lächelte. ^So

weißt du auch, erhabene Leuchle des Gesetzes, daß das «ute Pferd Mirza ein Testament gemacht und dir darin ein Legat don fünfzig Goldstücken ausge­setzt hat, die dir noch heute in feinem Namen über­reichen soll---?"

»Löst ihm die Stricke'!" befahl der strenge Rich­ter den Bütteln. Tann schaute er Vari Bobba freundlich an und sagte: .Eile, Vari Bobba, eile nach Haufe. Dein Pferd War groß und edel. Auch, ich traur« über seinen Tod. Nun geh im Namen deS Großen Propheten, denn ich sehe wohl, daß man dich schändlich verleumdet 'bat!"

denen erster Schauspielerinnen, wobei Lucie Höflich mit 400 Mark pro Tag ungefähr die Spitze hält. Pallenberg-Gagen beziehen dagegen die Dorsch und die Maffary, die etwa mir 1500 Mark pro Tag hono­riert werden. Früher gehörte zu dieser Gruppe auch die Bergner, doch wird die Gage der Bergner heute schon weit niedriger genannt, vorausgesetzt, daß die Künstlerin sich zu einem längeren Engagement ent­schließen würde, etwa zwischen 800 und 1000 Mark pro Abend.

WieElemenceau sein« Memoiren verkaufte

Ein amerikanisches Buchhändler-Journal erzählt die Vorgeschichte der Clemenceau-Memoiren, die, wenn sie wahr ist, den damals 80;ährigen Cleincnceau als einen überaus gerissenen Geschäftsmann zeiat. Clemenceau waren bte Gerüchte zu Ohren gekom­men, daß die Memoiren des Marschall Foch in Ame- rika mit Gold ausgewogen worden wären. Durch einen Mittelsmann ließ er anfragen, was ein be­kannter Neuyorker Verleger denn für eine zusätz­liche Ermnerungsschrist Clemenceaus zu diesen Memoiren zahlen würde. Umgehend erhielt er die Antwort^ 10000 Dollar. Clemenceau war übet die

Höhe dieses Angebots entsetzt und glaubte zuerst an ein Mißverständnis. Um ganz sicher zu gehen, ließ er zurückkabeln, daß er unter 30 000 Dollar nicht in Verhandlungen eintreten wurde. Das Angebot wurde sofort akzeptiert. Darauf verlangte Clemenecau einen Scheck von 2000 Dollar, ohne Verrechnung als auf den Vorschuß auf das künftige Honorar. Das Gold wurde dem Bevollmächtigten Clemenceaus per Kabel übet» wiesen.

Darauf hüllte Clemenceau sich in völliges Schwei­gen. Er beantwortete weder Briefe noch Kabel und weigerte sich, seinen Vertreter und di« Agenten des Verlages, die eigens nach Frankreich gekommen waren, zu empfangen. In der Zwischenzeit soll Cle­menceau aus feinen Manuskripten und den schon vorher gesammelten Denkschriften die Memoiren zufammengestellt haben. Zwei Monate war Clemen­ecau in der Memoirenangelegenbcit für niemanden zu sprechen. Dann ließ er den Vertreter des Ver­lages zu sich kommen, um die Verhandlungen wieder aufzunehinen. Er verlangte letzt 75 000 Dollar und be­kam sie sofort und zwar auf Barscheck.

Der Maler Otto Müller -j». In Breslau ist der Maler Otto Müller, Professor an der fchlesifchen Kunsthochschule, der einst zu den führenden Perfön- kichkeilen der modernen Vereinigung derBrücke" ge­hörte, nach langem schwerem Leiden, nur 56 Jahre alt, in einem Sanatorium gestorben. Otto Müller war von Geburt Schlesier, er stammte aus Libau an der böhmischen Grenze, doch seine entscheidende Entwicklung vollzog sich tn Dresden, wo er sich um 1908 mit Pechstein, Kirchner, Heckel, Schmidt-Rott- luff zu jener revolutionären Malergruppe zusammen­fand, deren Einfluß auf den neue» Weg der beut« scheu Kunst fett ber Erschütterung des älteren im- pressionlftifchen Sezessionsprogramms nicht hoch ge­nug angeschlagen werden kann.

Die amerikanische Presse begrüßt Erich Kleiber. Die Berufung des Generalmusikdirektors der Berliner Staatsoper Erich Kleiber zum Dirigenten ber Neu- vorker Philharmonischen Sinfoniekonzerte, findet tn der amerikanischen Prcsse ein durchaus sympathisches Echo. Das erste Konzert, das am 2. Oktober in der Carnegie Hall stattfinoen soll, wird bereits als gro­ßes musikalisches Ereignis angekündigt. Die ameri­kanische Presse erinnert daran, daß Kleiber als Autorität auch für die musikalische Gegenwartspro- blematik gilt, und druckt dte Erwartung aus, daß es gelingen wird, Kleiber auch für die Leitung einer modernen Operaufführung als Gastdirigent während seines Aufenthaltes in Amerika zu gewinne«.

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