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Mittwoch, 24. September 1930 / 2. Beilage

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Oie Pfarrkirche in Neustadt

Von Ioh. Keppler, Sparkassenrendant a. O.

Unter den Bauwerken der Stadt Neustadt ist die Pfarrkirche das zweithöchste Gebäude, der schlanke Dachreiter auf dem Chor erreicht eine Höhe von 45 Metern, wovon 2,40 Meter auf das an der Spitze angebrachte eiserne Kreuz entfallen. Die Kirche, welche der hl. Dreifaltigkeit geweiht, ist im Jahre 1502 von dem hessischen Hofmeister, Junker Hans von Dörnberg erbaut. Neustadt stand in den Jahren 14771550 unter der Psandcherrschaft der Herren von Dörnberg. Der schlichte viereckige Durm, welcher an der Westseite durch eine breite abgeböschte Strebe­mauer gestützt wird, ist viel älter, er stammt noch von der ersten Kirche, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht war, her, deren Erbanungszeit nicht seststeht, aber wahrscheinlich kurz nach der um 1270 erfolgten Gründung der Stadt erfolgt sein dürfte, Ende des 13. oder anfangs des 14. Jahrhun­derts. An der Nordseite des Turmes wurde im Jahre 1849 eine Vorhalle und in den Jahren 1878/80 an der Nordseite des Chores eine Sakristei angebaut. Der alte Turm, der ein ziemlich hohes Zeltdach trägt, paßt in seiner jetzigen Höhe nicht zu der Kirche, die Glocken hängen zu niedrig, ,o vaß das Ge­läute nicht zur vollen Wirkung kommt. Nach einem Gutachten des Bezirkskonservators Dr. Nickel, Mar­burg, im Jahre 1901 war eine massive Aufmauerung des Turmes um 3,20 Meter vorgesehen, deren Aus­führung an der Kostenfrage scheiterte.

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An der Nordseite des Chores außen an den Fen­stern der ehemaligen Sakristei, find drei große st e i n e r n e Kugeln von Basalt eingemauert, über welchen die Jahreszahl 1462 steht. Diese Kugeln

erinnern an eine Belagerung der Stadt durch den Landgrafen Heinrich von Hessen-Marburg. Da­mals stritten sich D'iether von Isenburg-Büdingen und Graf Adolf von Naflau um den erzbischöflichen Stuhl in Mainz. Hierdurch entstand zwischen den beiden Prätendenten ein blutiger Krieg, durch den die Erzdiözese Mainz schwer geschädigt wurde. Aus beiden Seiten verpfändete man, um die Mittel zum Kriege zu bekommen, die Kirchengüter. Diether von Isenburg verpfändete auch Neustadt an den Landgrafen Heinrich III. von Hessen-Marburg für eine Geldsumme von 4000 Gulden. Hiervon wollten jedoch die Neustädter nichts wissen und hielten es mit Adolf von Nassau. Dieser kam im Januar 1462 nach Hessen und hielt am 25. desselben Monats seinen Einzug in Neustadt, nahm die Huldi­gung der Bürger entgegen und bestätigte der Stadt ihre Privilegien. Nach dessen Abzug rückte Landgraf Heinrich im Juli 1462 mit seinem Heere in die Main­zischen Besitzungen in Oberhessen, eroberte die Mel- nau bei Wetter und die Rellenburg bei Neustadl. Die Stadt belagerte er gleichfalls und lag 14 Tage davor. Aber die Stadt wehrte sich tapfer und so sehr der Landgraf sich auch anstrengte, so konnte er doch nicht Herr der Stadt werden. Da eilte Landgraf Ludwig von Mederhessen herbei und vermittelte zur Verhütung weiteren Blutvergießens zwischen Hein­rich und der Stadt einen Vergleich am 30. Juli 1462 des Inhalts, daß die Feindseligkeiten eingestellt wer­den sollen bis zur endgültigen Entscheidung, wer der rechtmäßige Erzbischof von Mainz sei. Der Krieg ent­schied zugunsten Adolfs von Nassau und dieser blieb Erzbischof.

Außen an der Südseite des Chores und im In­nern am Schlußstein des Chorgewölbes ist das Wap­pen des Erbauers Hans von Dörnberg und seiner zweiten Gemahlin Luzia von Hatzfeld ange­bracht.

An der Außenseite des Chores befindet sich ein Grabstein, der tm hohen Relief die beiden Verstorbe­nen, Johann von Fischbach, gestorben 1448 und seine Frau Ehlheidi, gestorben 1446, Tochter Heinrichs von Gittingen, zu beiden Seilen des Kruzifixes knieend, mit ihren Wappen darstellt.

Am Nordeingang der Kirche befindet sich ein Weihwalserstein vom Anfang des 16. Jahrhun­derts, ein halb achteckiges Prisma unten abgerundet, oben mit einem Blattgewinde geschmückt. Der spät- gotssche Taufstein befindet sich in der Turm-

Der aus der Barockzeit stammende Hochaltar, ein Meisterwerk der Holzschnitzkunst, enthält die le­bensgroßen Figuren der vier Apostel: Matthäus mit dem Kinde, Markus mit dem Löwen. Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler.

Rechts neben dem Hochaltar steht die mit Holzschnitzerei reich verzierte Kanzel, deren Schalldeckel Engel und die Statue der hl. Maria schmücken. Im Seitenschiff befinden sich zwei Altäre: ein Klappaltar (Schnitzaltar) mit der Darstellung der Kreuzigung und vier weiteren Passionsszenen, sowie der steinerne Kriegsgedächtnisaltar. An dem Pfeiler verkünden zwei Holztafeln die Namen von 71 Sol­daten, die im Weltkriege 19141918 den Heldentod fürs Vaterland starben. Auf der Holzempore im Hauptschiff steht die Orgel, erbaut von Orgelbauer Schreiber in Schmalkalden. Sie enthält 30 klingende Register, wird mittels Röhrenpneumatik gespielt und elektrisch betrieben. Die im Kriege abgelieferten Pro­spektpfeifen sind leider noch nicht wieder ersetzt, so daß das herrliche Werk nicht vollständig gespielt wer­den kann. Die früher vorhandene Empore ist bei der allgemeinen Renovation der Kirche in 1905 durch Dechant August Ebel beseitigt worden, wodurch der Gesamteindruck der Kirche erheblich verbessert wor­den ist.

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Zwei neue Charfenster. sowie die übrigen Fen­ster lieferten das Elysche Institut für kirchliche Kunst in Kassel. Ein vierter Altar Kreuzigungs-Gruppe wurde auf der Empore im Seitenschiff angebracht. Der Chor erhielt eine Tieferlegung, wodurch Raum für Aufstellung des Gestühls gewonnen wurde. Die 9000 Mark betragenden Kosten der Renovation trug die Stadt Neustadt, welche nach altem Herkommen die Baupflicht der Kirche zu tragen hat.

Bon den fünf Kirchenglocken, die vor dem Kriege hoch über dem niederen Erdenleben im blauen Himmelszelt als Nachbarinnen des Donners schwebten, mußten drei heruntersteigen und als Opfer auf betr Altar des Vaterlandes gebracht werden. Einige von ihnen hatten fast 500 Jahre vielen Gene­rationen freud- und leidvolle Stunden mit ihrem ehernen Munde verkündet und an jedem wechselvollen Verhängnis, das unten tief dem Menschenkinds ent­gegen trat, laut teilgenommen. Gar vieler Menschen­ohr wurde gerührt, wenn die Glocke mit dem Betrüb­ten klagte, oder stimmte zu der Andacht Chor. Der Abschied der drei Kirchenglocken, wozu sich als vierte noch die Sturm- oder Feuerglocke vom Rathausturm gesellte, war für die Bevölkerung recht schwer. Denn was immer dem Menschenkinde das wechselnde Schicksal brachte, es schlug an ihre metallenen Kro­nen^ die es. erbaulich weiterklangen.

Zwei Ersatzglocken wurden am 5. April 1929 be­schafft und am 8. April durch Dechant Weber-Mar­burg feierlich geweiht. Sie stammen aus der Glockengießerei H. Humpert in Brilon (Westfalen) und kosten 5000 Mark. Durch die Opferwillig^ der Einwohner wurden 3500 Mark aufgebracht, auch die Neustädter in Detroit in Nord-Amerika stifteten 1500 Mark. Die größte Glocke auf den Ton d ab* gestimmt, wiegt 18 Zentner.

Im Schiff der Kirche sind im Laufe der Zei­ten manche Beisetzungen erfolgt.

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In den Zeiten des 30jährigen Krieges hatte nicht nur die Stadt und ihre Bewohner un­sägliche Drangsale zu erdulden, sondern auch die Kirche wurde beraubt. Im Dezember 1621 lag Christian von Braunschweig mit seinen Truppen hier und wie uns die Chronik berichtet, wurde alle fahrende Habe, Geld und Lebensmittel, Kleidungs­stück«, Vieh, alles was nur Wert hatte, geraubt, und

was nicht wegzubringen war, in boshafter Weis« zerstört. In der Kirche wurden Schränke. Kisten und Kasten zerschlagen, sämtlicher Kirchenvorratr Meßgewänder, Chormäntel, drei kostbare Kruzinkt, zu Meßgewändern gehörig, mit guten Perlen, etlichen Edelsteinen und goldenen und silbernen Zierraten, alles zusammen im Werte von 1349 Gul­den fortqeschleppt.

Dem Pfarrer Pauli wurde bei seiner Ausflucht an der Pfarrhauspforte sein neues Festgewand ge­waltsam hinweggerissen und das ganze Pfarrhaus ausgeräumt. Ein Meßgewand brachte der Förster Bester wieder zurück. Tie zusammengeschmolzene Metallmasse von den 3 Monstranzen fand sich spä­ter wieder auf der Kellerei vor, die zwei Kelche aber blieben verschwunden.

Die lutherische Reformation hat in Neustadt um das Jahr 1527 ihren Eingang gefunden und von 1530 ab hat der spezifisch katholische Gottesdienst in der Pfarrkirche anfgehört. Als dann später die katho­lische Gegenreformation einsetzte und das Stift Amöneburg einen Kanonikus Bernhard Jä­ger als Pfarrer von Neustadt präsentierte, fand der katholische Glaube wieder Eingang und in 1597, also nach 70 Jahren, wurde wieder der erste katholische Priester an der Pfarrkirche eingestellt.

Bei der. in den Augusttageu 1925 vorgenomme- neu Neubeschieferung des Dachreiters durch die Dachdecker Gebr. Konrad und Georg Niepoth von Neustadt hoffte man in der Kuppel unterm Kreuz Aufzeichnunge n aus früheren Jahrhunderten zu finden, was aber nicht zutraf. Vom Magistrat wurde ein Schriftstück versaßt, welches über die jetzi­gen Verhältnisse der Stadt sich ausspricht. Das­selbe ist nach Unterzeichnung in einer versiegelten Flasche verwahrt und in der Blechkuppel des Dach­reiters angebracht worden.

Die Feier der Kirchweih fand früher am 8. September, Maria Geburt, statt. Ms Tag der Weihe gilt dieser Tag des Jahres 1504. Vom Jahre 1510 ab wurde die Feier wieder aus den alten Tag Dreifaltigkeitssonntag, zurückverlegt, laut Eintrag in der städtischen Weinrechnung von 1510.3 Vier­tel ufs Rathus inventionis stac Crucis Suffraga- nco", die Kyrmesie Widder zurugke zu legen."

Die jetzige Kirchweih fällt in die schönste Jahres­zeit und erfreut sich eines regen Besuches von Gästen aus Ober- und Niederhessen.

Huscht ein Wolkenschatten über den Hang hin, dann glüht das Glanzhuhn in trüberem Schimmer, das Gold ist weicher, das Kupfer kühler, und die smarag­denen Töne sind ein Ueberzug von schillerndem Pa­stell. Kommt aber wieder heller Sonnenschein, dann zerstreut sich das weiße Licht aus des Glanzhuhns Ge­fieder in der ganzen Farbenletter des Spektrums.

Mein Auge nahm ein Zittern in dem Frauen­haarfarn wahr, ich warf das Glas herum und hatte ein ausgefärbtes Glanzhuhn im Blickfeld. Der Tau und das weiche Licht der ersten Morgendämmerung trübten sein wundervolles Kleid. Seine klaren, brau­nen Augen blitzten bald hier, bald da, als es die Köpfe winziger Blumen zwischen dem Grase abrupfte.

©in Viertelstündchen lang geschah nichts Neues; dann tauchten eine ganze Stunde lang Glanzhühner einzeln vder paarweise auf, einmal auch drei zusam­men. Endlich waren 14 Vögel versammelt, alles aus­gefärbte Hähne. Ihr Treffpunkt war eine große Lich­tung, die bereits die Spuren früheren Wirkens trug; hier gruben sie emsig nach Engerlingen und sasttgen Knollen. Sic scharrten niemals wie gewöhnlichs Ge­flügel, sondern pickten und pickten nur immer mit ihren starken Schnäbeln. Alle drei oder vier bekun­den standen sie aufgerichtet da, äugten rasch umher und suchten dann sorgfältig den ganzen Himmel ab.

Randglossen zum Mufitteben

John Forsell, der auch in Deutschland bekannte Kammersänger und Lecker der Stockholmer Oper, ist rückständig genug, um die Mode der vollen Kör- persormen abzulehnen und sein gesamtes Personal in das Schlankhettsbad zu schicken. Denn in einem Rundschreiben an seine Theatermitglieder erkennt er dem Publikum das Recht zu. von den Darstellern nicht nur eine schöne Stimme, sondern auch einen wohlgebauten, schlanken Körper als Augenschmaus zu verlangen. Wer also zukünftig in Stockholm ein Engagement sucht, hat sich vorher einer hoch­notpeinlichen Körperuntersuchung zu unterziehen. Künstler, die einen Gastspielvertrag eingehen wollen, werden gut daran tun, sich vor Antritt des Gast­spiels einer ausgiebigen Hungerkur zu unterziehen, falls sie nicht in der Lage sind, durch ein ärztliches Attest sich über ihren Körperuntfang ausreichend auszuweisen.

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Dr. W. Lipps veröffentlicht eine Untersuchung über den Etnfluß der Musik aus den Milcherrrag der Kühe. Zahlreiche Versuche haben ergeben, daß die musikalische Einwtrkung während des Melkens eine Leistungssteigerung von zwei bis zehn Prozent er­ziele. Ueber eine bestimmte musikalische Geschmacks­richtung der Mtlckkübe ist einstweilen noch nichts be­kannt geworben. Immerhin wäre es von besonderem

Zwei Arien Ofchungeliod / Bon William Beebe

Von William Beebe erscheint demnächst bei Brock­haus in Leipzig ein neues Buch:Im Dschungel der Fasanen". In den Dschungeln des Himalaja und Borneos hausen die farbenschönsten Vögel der Erde, Silberfasanen, Glanzfasanen, Pfauenfasanen und der Argus-Pfau. Der kühne Forscher, der sich übrigens kürzlich in einer besonders konstruierten Taucherglocke 443 Meier eine bisher nie erreichte Zahl tief in das Meer senken ließ und deshalb in letzter Zeit soviel genannt wurde, hat auf der Fasanenjagd die gefährlichsten Abenteuer erlebt. Manches Mal kreuz­ten Elefanten unheildrohend feinen Weg: mordgie­rige Tiger und beutelustige Panther umschlichen oft seinen Liegeplatz. Ost mußte sich der Forscher durch grausames Rotangdornengestrüpp guälcn, in dem un­zählige Blutegel lauerten.

Mit unersättlicher Eier nach Tieren schleppte Beebe einen ganzen Tierpark mit durch die Dschun­geln. Dabei halsen ihm seine Dajaks, Angehörige eines borneanischen Kopfjägerstammes. Als der Wil­deste unter ihnen, Djorak, eines Tages von einer Spritztour zurückkehrte, baumelten ihm acht noch blu- tige Köpfe um den Gürtel

Nachstehend lassen wir Beebe selbst noch vor Er­scheinen seines Buches über ein Erlebnis berichten:

Trotz des Dunkels ging ich rasch, denn ich kannte das Gelände; und nach einer Kletterei von etwa 150 Metern erreichte ich den Kamm des Berges schon vor Sonnenaufgang. Ich hielt mich gut verborgen auf der diesseitigen Böschung, kroch dann noch 100 Meter weiter und schlüpfte in mein Lisblingsversteck zwischen vorspringenden Felsblöcken und zwei alten Zedern. Unter mir ragten Tannen, Föhren, Zedern und Eichen kerzengerade aus dem stetten Hang auf. Alle paar Meter standen die Bäume dünner zusammen; auf diesen offenen, parkähnlichen Flecken bildete wei­cher Rasen einen natürlichen Teppich. An einer Stelle war das Gras mit unzähligen purpurnen und weißen Anemonen besternt; aber die vorherrschenden Wüten waren langstielige Erdbeeren, die hier kilometerweit wuchsen. Ich hatte mich kaum niedergelassen und mein Glas eingestellt, um das Gelände vor mir ab­zusuchen, als sich Unheil niedersenkte. Mit einem Flü­gelrauschen, das beim Niederstoßen zum Brausen anschkwll,

fiel ein Adler aus dem Nichts herab, griff irgendein kleines Tier und strich über bas Tal, wo er meinem Blick entschwand. Die Spitze einer gro­ßen Schwinge sandte von einem Tannenzweig einen Schauer von Tau hernieder, als der Vogel wieder hinausstrebte, und ich starrte auf die schwankenden Nadeln und überlegte, ob Das, was hier ge;chwh, wohl Wirklichkeit war aber nur ein Traum. Kaum hatte der Zweig ausgeschwungen, da flog ein kleiner grüner Sänger daruas und lieg sein Lied erschallen, das un-

vernünfttg vertrauensselig klang. Die Anhnungs- losigkeit des winzigen Vögelchens verstärkte nur das Gespenstische -der furchtbaren Kraftentfaltung vor nur einer Sekunde.

lieber die halbvermoderte Rinde eines gestürzten Baumes vor meinem Versteck tarn eine große Schnecke gekrochen. Mir gänzlich unbekannt; war diese für die wissenschaftliche Menschheit ein Fremdling; sie sollte im Laufe der Zeit nach einer hälv> Erbe von einem Schneckenkundi­gen untersucht und nach ihrem Entdecker benannt .«eioeii. aoer uns beiden war der gegenwärtige Mangel und die bevorstehende Ehre gänzlich unbe­wußt, wie ja auch das Geschlecht desÄndenus ibeebei" noch heute in glücklicher Unwissenheit über unsre veränderten gevatterlichen Beziehungen da­hinlebt.

Das große Weichtter kroch auf der feuchten Riitde entlang, auf der es einen breiten glänzenden Schleim­str elfen zurücklietz, dann machte es langsam kehrt und wanderte zurück. Unterdessen hatten verschiedene Tier­chen, ein paar Fliegen und Spinnen sowie zwei Waldschaben, versucht, die klebrige Bahn zu queren oder sich darauf niederzulasien und waren gefangen worden.

Die riesige Schnecke steuerte auf sie los; unver­meidbar wie.das Schicksal erreichte und zermalmte sie die Unglücklichen, die sie unter ihre bleifarbigen Sei­ten sog, wobei chre stieläugigen Fühler fürchterlich herumspielten. Das Ganze wickelte sich so langsam und sicher ab, die Schnecke wirkte so scheußlich, und ich -hatte alles so dicht vor Augen, daß ich Tiere von viel bedeutenderer Größe -hingemordet zu sehen ver­meinte.

Erlebnis mit Kolibris

Kurz darauf traten die Schauspieler auf, deren Ankunft ich erwartet hatte, und ich wünschte, jede Minute möchte sich zur Stunde dehnen.

Für uns ist wohl der Kolibri das leuchtendste, far- benprächttgste Geschöpf auf Erden, ein seltsames klei­nes Wesen von der Regsamkeit und dem Gewicht ei­nes Kerbtteres, Dem Gehirn eines Vogels und der Schönheit eines Opals. Stellen wir uns einen sol­chen vor, seiner munteren Lebhaftigkeit entkleidet, aber viele Male vergrößert, und vor uns stecht

das Glanzhuhn des Himalajas.

Unten ist es pechschwarz: der Busch bestecht aus etwa zwei Dutzend Federjuwelen, die an der Spitze zier­licher nackter Halme zittern. Sein Mantel schimmern­den Metalls aber spottet jeder Beschreibung; denn je nachdem das Sonnenlicht darauf fällt, wechseln des Gefieders Farben,

Die Quelle ihrer besonderen Furcht war leicht ju er­raten, die großen schwarzen Adler, die kilometerhoch wie Staubpünktchen in -den Lüsten schweben. Die glitzernde Gesellschaft äste lautlos, nur bann und wann erscholl ein gedämpftes, tiefkehliges Geglucke.

Als die Sonnenstrahlen die Lichtung erreichten, war -das Bild unvergeßlich: 14 lebende, hin und her wandernde Spiegel, eine einzige Pracht von Blau, Smaragdgrün, Violett und Purpur mit einem gele­gentlichen Aus flammen von Weiß, eingefaßt von einem Hintergrund. grünen Rasens und schwarzen, frisch aufgewühlten Lehms.

Als die Glanzhühner eine halbe Stunde geäst hat­ten, wurden sie plötzlich unruhig. Verschiedene ver­schwanden unter den Deodarzedern ringsum, und alle standen lauschend und wachsam. Tann ästen sie nut noch flüchtig, und ein Vogel nach dem andern verließ die Blöße, bis nur zwei zurückblieben. Jetzt verlangte aber mein gemarterter Körper fein Recht; mit einem Stöhnen der Erlösung reckte ich die verkrampften Glie­der und rüttelte dabei einen Zweig. Im Rn stoben Die beiden Vögel schwirrenden Fluges auf, schwebten über die Tannenwipfel von bannen unö entschwan­den allmählich in den Rebeln des tieferen Tals mei­nem Blick. Bis zuletzt funkelten sie wie Edelsteine.

Wert, hierüber Näheres in Erfahrung zu bringen, um der Unternehmungslust der jüngsten schöpferi­schen Gebrauchsmusiker ein neues Tätigkeitsfeld zu eröffnen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß im kom­menden Jahre dieNeue Musik Berlin 1931 das Gebiet der Melk-Komposition in ihr Programm auf­nimmt. Eine gieuortentteruna der .Gebrauchsmusik" ist somit unschwer vorauszusagen. Vielleicht ist das »Zentralinstttttt für Erziehung und Unterricht" be­reit, in Zukunft Musiklehrkurse für Molkereibesitzer und deren Angestellten einzurichten?

Der musikalische Rekordfimmel tteibt unbeirrt neue, ungeahnte Blüten. In einer kleinen Wirt­schaft in Bocholt hat sich, dem ..Münsteriseben An­zeiger" zufolge, ein Mann niedergelassen, der sich stolzWeltmeister tm Klavierspielen" nennt und hundert Stunden lang einen sehr einseitigen Bor­kampf mit dem Klavier ausficht. Und gleichzeitig haben sich in Berlin am Kttrsiirftendamm (natürlich) vier Uazzspteler auf einmal als Dauermusiker prä­sentiert, die Tag und Rocht hindurch stieren Blickes und mit verquollenen Augen ununterbrochen Uazz- muftf produzieren. Je länger ein derartiger Unfug dauert, desto mehr verdienen diese Opfer des Rekord­wahnsinns bedauert zu werden. Was wag uns die Zukunst 'aus diesem Gebiet noch für Ueberraschtm- gcn bescheren?