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Ar 215 Zwanzigster Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

Gonnabend/Gnnntag, 13u/14. September 1930 / 6. Vellage

Tragödien in Königsgräbern / Von 6 Leonard Woolley

Ln letzter Stunde

Wann wir- gewählt?

Exotische Wahlen / Von E. von Ltngern-Sierriberg

glutheißer argentinischer Sommertag. I nige Gauchos beginnen _ auf de rGui dar re Zu klirn- chlen Strahlen senket die Sonne ihr Pern nnu jtimmen, ehe sie zum Dan-^ki über gchen.

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Alfred Polgar als Dramatiker. Zusammen mit dem Dramatiker F. Th. Csokor hat Alfred Polgar einen Roman des sowjetrussischen Schriftstellers Katajew „Die Defraudanten" dramatisiert. Die Komödie roH mit Max Pallenberg in der Hauptrolle im Wiener Volkstheater zur Uraufführung gelangen.

halb des Grabes gelötet, dann die Rampe hinunter­gebracht und mit all ihre« unberührten Schmuck an ihren Platz gelegi worden sind. Auch die Tiere müs­sen ja noch am Leben gewesen sein, als sie Wagen die Rampen hinunterzoqen, und dann müssen die Stallknechte, die sie führten, und die Kutscher tn den Wagen gleichfalls am Leben gewesen sein.

Somit darf man sicher annehmen, dass die Opfer lebend in den Schacht hinuntergingen.

Daß sie tot oder wenigstens ohne Bewußtsein waren, wenn die Erde hineingeworsen und über ihnen festgetreten wurde, sst ebenso sicher anzuneh­men; denn in jedem andern Fall hätte ein Kampf stattfinden müssen, der in der Haltung der Leichen seine Spuren hinterlassen hätte. Diese sind aber stets durchaus ruhig zurechtgelegt. Sie liegen in der Tat so gut geordnet und ausgerichtet, daß wir annehmen müssen, daß sie jemand in dem Schacht zurechtlegte, nachdem ihnen das Bewußtsein geschwunden war. Aus der Tatsache, daß in A-bar-gis Grab die Har­fen oben auf den Leichen lagen, geht hervor, daß jemand zum Schluß in das Grab trat. Es ist höchst­wahrscheinlich. daß die Opfer zu ihren Plätzen gin­gen, ein Giftnahmen — Opium oder Haschisch wür­den ausreichen — und sich der Reihe nach hinlegten Nachdem das Gift gewirkt hatte, ob es nun Schlaf oder Tod verursachte, wurde die letzte Hand an ihre Körper gelegt und der Schacht gefüllt. Nichts Rohes scheint in der Art ihres Todes gelegen zu haben.

Nichtsdestoweniger ist der Anblick der Ueberbleib- sel der Opfer mit den goldenen Blättern und farbi­gen Perlen, die in Menge auf den zerdrückten und zerfallenen Schädeln lagen, grausig genug.

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auf dem Grunde 8,20 mal 7.30 Meter. Man erreichte ihn wie gewöhnlich durch eine geneigte Rampe.

Drinnen lagen die Leichen von sechs Dienern und 68 Frguen.

Die Männer lagen an der Seite entlang neben der Tür. die Leichen der grauen waren in regelmäßigen Reihen über den Fußboden verteilt. Alle lagen aus der Seite, die Beine leicht angezogen, die Hände vor dem Gesicht. Sie waren so eng aneinanderge- drängt, daß die Köpfe der einen Reihe auf den Bei­nen der nächsten Reihe ruhten. Hier ließ sich noch deutlicher etwas beobachten, was schon in den Grä­bern der Schub-ad und ihres Mannes ziemlich au­genscheinlich gewesen war: die Ordnung, in der die' Körper lagen, das gänzliche Fehlen irgendwelcher Anzeichen von Gewalt oder Schrecken.

Wir sind oft gefragt worden, wie die Opfer in den Königsgräbern ihren Tod fanden, aber es ist unmöglich, eine bestimmte Antwort zu geben. Die Knochen sind zu zerdrückt und zerfallen, um eine Todesursache zu verraten, die auf Anwendung von Gewalt schließen ließe Aber die allgemeine Lage der Leichen erbringt einen starken Beweis. Sehr viele dieser Frauen trugen einen Kopfschmuck, der an sich sehr zart war und leicht tn Unordnung ge­bracht worden wäre; er wurde aber stets in guter Ordnung ausaesunden abgesehen von den durch den Druck der Erde hervorgerufenen Schäden. Das wäre unmöglich, wenn matt die Trägerinnen auf den Kopf geschlagen hätte, unwahrscheinlich, wenn sic zu Boden gefallen wären, nachdem man sie erstochen hätte. Ebenso unwahrscheinlich ist es, daß sie autzer-

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schwermuttrunkene Lieder an. Dann setzen fast ohne Liebergang tobende Banjos mit klappernder Beglei­tung ein. Die Paare verlieren sich im schwarzen Schatten der Gärten, in denen Nachtblumen süße Düfte ausströmen. Fledermäuse huschen lautlos um die Lampions und nur aus oct Ferne klingt das aus - reizeitde Weinen der Guitarren. Die Tänzer erhitzen sich am Wein, an der Musik und am schwülen Hauch der Nacht, und manches Messer wird in der Scheide gelockert. Plötzlich ertönen laute „Bivas!". Der Wahl­kandidat, der einstimmig gewählt worden ist, erscheint, von seinen Freunden begleitet, in der Posada. Alles umdrängt ihn u. in tönenden Worten «dankt er für das ihm erwiesene Vertrauen. Neue Tonnen mit Wein werden vom Wirte bereit gestellt, und das Fest nimmt seinen Fortgang, bis sich wieder die Sonne am östlichen Horizont zeigt. Dann werden die Pferde gesattelt, und bald galoppieren die Gauchos wieder tn Scharen durch den einsamen Camp. Die Wahl

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Farmer: .Was ist das? Fließendes Wasser?

Halten Sie mich für einen Karpfen?!"

*

.Sie können also wählen: dreißig Tage Gesäng- nis eiter zweihundert Mark!"

„Ja wenn es dem Herrn Richter egal ist, nehm« ich lieber das Geld!"

♦

.Friedrich, sieh doch, diese herrlichen Brillanten im Schaufenster, dieses Blitzen, die Augen tun einem beinahe weh!"

.Du hast recht! Laß uns weitergchen!"

Das Grab Kömg A-bar-gis und das der Köni­gin Schub-ad waren genau gleich Aber während das erstere auf . ein und derselben Ebene lag, war die Grabkammer der Königin unter der allgemeinen Bodenhöhc ihres Grabschachtes angelegt worden. Wahrscheinlich waren sie Mann und Frau: der Kö­nig war zuerst gestorben und begraben worden, und es war der Wunsch der Königin gewesen, so nahe wie möglich neben ihm zu liegen. Zu diesem Ende hatten die Totengräber den Schacht des Königs wieder geöffnet, indem sie in ihn hinuntergingen, bis der Oberteil des Kammergewölbes erschien Dann hatten sie ihre Arbeit im Hauptschacht unter» brocheiz und hinter der Kammer einen Schacht ge- firabeu, in dem das Steingrab der Königin errichtet werden konnte. Ader die Arbeiter wußten von den Schätzen, bte im Grab des Königs lagen, und diese Versuchung war zu groß. Der äußere Schacht, in dem die Leichen der Hofdamen lagen, war durch eine 1,80 Meter starke Erdschicht geschützt, die sie nicht anrühren konnten, ohne entdeckt zu werden. Die reichere Beute in der Königskammer selbst dagegen war nur durch die Ziegel des Gewölbes von ihnen getrennt.

Sie durchbrachen das Gewölbe, schleppten ihre Bente fort und fetzten die große Kleiderkiste der

Königin über das Loch, um ihren Frevel zu verbergen.

Nur so ist es zu erklären, daß das beraubte Ge­wölbe unmittelbar unter dem unberührten Grab der Königin lag. Die Verbindung von Schub-ads Ste'.n- kammer mit dem oberen »Todesschacht", wie wir jetzt diese offenen Schächte nannten, in denen dte mitbestatteten Leichen lagen, bildete eine genaue Parallele zu dem Grab des Königs und in gerin­gerem Maße auch zu den andern Königsgräbern. Unzweifelhaft folgten, wenn ein Mitglied des Kö­nigshauses starb, ihm alle Hofleute ins Grab. ~er König hatte wenigstens drei Leute bei sich tn seiner Kammer und 62 im Todesschacht. Die Königin be­gnügte sich mit etwa 52 insgesamt. Hier batteu wir eine einzige Steinkammer und einen offenen Todes­schacht. Wo ein größeres Steingebäude mit Zwei oder vier Räumen vorhanden war, war einer für den königlichen Leichnam und der Rest für das 'n derselben Weise geopferte Gefolge bestimmt. Der Brauch war derselbe, nur der Raum für dte Opfer war in verschiedenen Fällen verschieden.

Auf die Sitte der Menschenopfer wurde durch die Entdeckung eines großen Todesschachtes mehr Licht geworfen, den wir im letzten Winter ausgru- bcn Etwa acht Meter unterhalb der Oberfläche stie­ßen wir auf eine Masse Schlammziegel, die nicht regelrecht gelegt, sondern zusammengestopft waren und nicht einen Fußboden, sondern wie wir errieten, den Verschluß eines Schachtes bildeten. Unmittel­bar darunter konnten wir die sauber in die Erde ge­schnittenen Seiten eines Schachtes unterichetden, bte sich nach innen neigten und mit Schlamm glatt ver­dutzt waren Als wir ihnen folgten, fanden wir den größten Todesschacht, den der Friedhof bis letzt ge­liefert hat Er war ungefähr rechteckig und matz

Humoristische Ecke

Arzt: -Sie klagen über nervöse Herzbeschwerden? Worauf führen Die das zurück?"

Patient: „Aus das Angeln".

Arzt: .Aber Angeln ist doch eine sehr ruhige Be­schäftigung ?"

Patient: .Jawohl, aber ich angle ohne Angel­karte."

Der nachfolgende Bericht ist mit Genehmigung des Leipziger Verlags Brockhaus dem hochinter­essanten Buch „Ur uns die Sintflut. Sieben Jahre Ausgrabungen in Chaldäa. der Heimai Abrahams" von C Leonard Woolley entnommen „lieber die laisächliche Arbeit unserer Erpedition, ihren Betrieb und ihre Ergebnisse hat bisher niemand in zusam­menhängender Form berichtet Diese Lücke habe ich auszufüllen versucht" schreibt der Verfasser im Vor­wort. Die Ausgrabungen haben eine vollständige Umwälzung unserer Kenntnis von den Anfängen menschlicher Kultur gebracht. Schon etwa 3500 v Ehr bestand in Ur eine al e Kultur, der selbst die Griechen sehr viel verdanken Das macht die Aus­grabungen in den tiefsten Schichten von Ur so au­ßerordentlich tntererant Die meisten Aufschlüsse gaben die Königsgräber mit ihren märchenhaft rei­chen Fundstücken und dem Grauen, das in ihnen wohnt Den Köniacn und Königinnen folgte 'hr ganzer Hofstaat ins Grab. In einem dieser Todes­schächte wurden nicht weniger als 74 Leichen gesun­den. Als Rebenfrucht erbrachten die Grabungen den« Beweis daß die Sintflut ein historisches Ereignis ist *

Hören wir nun den Verfasser selbst: ,

Es ist ein l . „ In fast senkrechten Strahlen fenoet ine ------- ,

Feuer auf die ansgedörrie Pampa. Der Himmel ist eintönig weihblau, wie geschmolzenes Metall. Vor oem leichten Winde, 6er aus einem Gutherde zu kom­men scheint, wirbeln gelbe Staubwolken, die die Erde wie mit einem häßlichen Schleier bedecken. Es ist Wahl im Städtchen Rio Negro, und deshalb galsp- pieren scharen von Gauchos, den Poncho über_öic

Schultern geworfen, den Lasso um die Bolas am Sat­telknopf, durch den Camp, nm rechtzeitig ihre Stim­men abgeiben zu können. Aber die Mitiaghitze zwingt zur Siesta. Irgendwo im Schatten eines Eukalvp- tusbamnes wird ein Feuer aus Halmen entzündet und in den kleinen Kesseln Wasser gekocht Sobald es siedet, wird die Bombilla bereit gehalten und das sie­dende Wasser über den Mate gegossen. Der schwarze, mit Sirup in Rollen gepreßte Tabak wird geschabt und in trockenen Maisblättern zu Zigaretten gerollt. Das Dörrfleisch wird mit Wein oder Zuckerrohr­schnaps hinuniergespült, dann 6rüden die Gauchos den Filzhut tief über die Augen, besteigen wieder ihre Pferde und retten weiter durch die Steppe.

Wahltag ist Festtag. Vor oer Posada, dem Wirts­haus, stehen Scharen von schwarzäugigen Mädchen mit Blumen im Haar. Die Ballone sind geputzt, bunte Fahnen und allerlei Plakate schmücken die Straßen. Ein berittener Bettler, der zu faul bst von seinem Pferde zu steigen, reicht an einem langen Stock ein Gefäß in die Fenster und fammelt Münzen ein. Im­mer mehr Gauchos reiten in den Hof der Schenke, entfatteln ihre Pferde und unterhalten sich laut über Politik und Frauen. Der Wirt ist der Bevollmäch­tigte des WahlkaiMdaten, und deshalb bewirtet er feine Gäste mit Wein und Schnaps und zahlt jedem für feine Stimme einen Satz von einigen Pesos, die sofort im Nationalspiel „Siete y medio" angelegt wer­den. Wehe dem Landfremden, der am Spiel teilnoh- men wollte, er verliert sicher, und wenn er es wagt, gegen das Falschspiel zu protestieren, so sitzen Messer und Revolver bei den Gauchos sehr lose.

In der großen, hartgestampften Halle sitzt das Wahlkomitee an der Urne. Oppositionelle werden nicht geduldet, und sollte sich doch ein unerwünschter Wahlzettel in die Urne verirrt haben, so wird er sorgfältig beim Ab zählen herausgefischt und durch eine Handvoll anderer ersetzt. Die Bewohner des Pampastädtchens kümmern sich nicht sonderlich darum, denn schon ruft eine schrille Glocke zum Ave Maria, und eine durchsichtige Dämmerung, hinter der sich pvunkhaft die Sterne entzünden, senkt sich herab. Ei-

Von 8 Uhr vormittaqs bis 5 Uhr nach­mittags. Möglichst schon vormittag- wählen.

wo wir- gewühlt?

Wo gewählt wird, geht aus den Pla­katen an den Anschlagsäulen hervor.

Stimmschein- oder Wahlscheininhaber önnen in jedem beliebigen Wahllokal wählen.

ist beendet. m

Nicht überall geht es bei den Wahlen so gesittet und sriedlich zu. In einigen siidamerilanischen Staa­ten und auch in Meriko sind unliebsame Kandidaten wiederholt angeschossen und unter der Anklage von Hochverrat rechtzeitig ins Gefängnis gesperrt worden. In San Pedro in Paraguay z. B., in dem sonst so ru­higen und freundlichen Lande, in dem sich nur die beiden Parteien der „Roten" und „Grünen", ohne recht zu wissen warum, befehden, sollten die Wahlen im Regierungsgebäuve stattfinden. Gerade gegenüber befindet sich das Gasthaus von Medrano, in dem sich die Wähler zu stärken pflegen. Nachdem nun die Wahlen glücklich beendet waren und die „Grünen" den Sieg davongetragen hatten, eröffnete plötzlich ein „Roter" aus dem Fenster des Gasthauses mit einem Winchestergewehr das Feuer auf das Wahllokal. Die ganze Wahlkommistion mit dem Regierungsvertreter an der Spitze ergriff die Flucht und rettete sich in ei­nem Boot auf den Rio Jeghui. Unterdessen bemäch­tigte sich der Role der Wahlurne und verschwand mit ihr im unzulänglichen Lagunenlabyrinth.

ZU

Spottpreisen

Vormittags 9 Uhr

der angekündlgte

WO/

IQ Restpaare

was mutz man mitbringen?

Die Wahlausweiskalte, ober, falls diese nicht mehr vorhanden, irgend einen anderen Ausweis (polizeilichen Melde­schein, Steuerzettel, Invalidenkarte, Fa- milien-Stammbuch oder bergt) Blei­stift nicht vergessen.

wie wird gewühlt?

Ieber Wähler erhält im Wahllokal einen amtlichen Stimmzettel. Ankreu­zen ber zu wählenden Partei auf dem Stimmzettel. Sodann wirb ber Stimm­zettel in einen Umschlag gesteckt, ber ebenfalls im Wahllokal ausgehänbigt wirb.

Strafverfolgung wegen Wahlfälschung

setzt sich ber aus, ber boppelt wählt ober seine Stimme unter falschem Namen abgibt.

Auskünfte in Wahlangelegenheiten

in Zweifelsfällen im Rathaus, Zimmer 43, ununterbrochen am Wahltage von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmit­tags.