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Oer Wahlkampf in Kassel

Prof. Or. Hoetzsch über konservative Arbeit im Staate

Weitere Lokalnachrichten

Förden schnelles Sauen

Beschleunigte baupolizeiliche Behandlung der Bauanträge.

Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffertt- llcht einen Erlab des preutzischen Ministers für Volkswohlsahrt. in dem es heißt: Die »roße Zahl der Erwerbslosen und die schwierige Lage der ge­samten Wirtschaft nötigen dazu, jedes Unterneh­men, bei dem Arbellskräfte beschäftig, werden, in jeder Weise auch durch die Behörden zu förbein. Aus diesem Grunde werden die Baupolizeibehörden aber auch alle sonstigen bei der Ausführung von Bauten beteiligten Behörden allen Bauvorhaben gegenüber größtes Entgegenkommen zei­gen müssen.

Dieses Entgegenkommen wird in erster Linie in einer möglichst beschleunigten geschäftlichen Behand­lung der Bauanträge zu bestehen haben. Wenn auch das Entgegenkommen nich, dazu führen darf, daß sich die Bauherren und Bauunternehmer willkürlich über die Forderungen Hinwegsetzen, die der Sicher­heit und dem Bestreben auf Schaffung gesunder Wohnungen dienen, so wird doch in einer Zeit der wirtschaftlichen Slot von der Durchführung mancher Forderung im Wege der Ausnahme oder Befreiung abgesehen werden können, deren Erfüllung zu an­derer Zeit unerläßlich erscheint. Die Baupolizei wird in den Fällen, in denen sie das Bauvorhaben nicht unverändert genehmigen kann, dieses nicht ein­fach abzulehnen, sondern durch sachgemäße Beratung des Bauherrn eine Lösung anzustreben haben, die eine möglichst beschleunigte Ausführung des Bau­vorhabens ermöglicht.

Llnzuverläsfiger Rauschgifthandel

Für den Handel mit Giften aller Art gibt es genaue gesetzliche Vorschriften, deren strenge Inne­haltung im Interesse der öffentlichen und privaten Sicherheit dringend geboten ist. Die bestehenden Strafvorschristen ahnden indes nur die vorsätzliche Mißachtung der Bestimmungen, während ein bereits vorliegender aber noch nicht verabschiedeter neuer Gesetzentwurf auch die Fahrlässigkeit bestrafen will. So ist für die Gerichte in manchen Fällen, wo eine Vorsätzlichkeit nicht, eine Fahrlässigkeit hingegen leicht nachzuweifen ist, eine zwiespältige Lage ent­standen. denn man neigt überall zu der Auffassung, daß auch die Fahrlässigkeit im Umgang mit Giften als strafwürdig zu gelten hat...

Unter dieser gesetzgeberischen Zwiespältigkeit stand eine Verhandlung, die vor dem Großen Schöf­fengericht gegen den früheren Drogengroßhändler S., dessen Prokuristen L. sowie gegen vier Apotheker ge­führt wurde. Eine vorgenommene kreisärztliche Re­vision des Giftlagers bei dem Angeklagten S. hatte nämlich eine große Unordnung zu Tage gefördert. S. hatte in zahlreichen Fällen Rauschgifte, wie Mor­phium, Opium und Kokain ohne die vorgeschriebene Bescheinigung des Reichsgesundheitsamtes ausgelie­fert. Die Abgaben waren allmählich so groß gewor­den. daß die fohlenden Mengen nicht mehr beschafft werden konnten. Um sich nun gegenüber dem Reichs­gesundheitsamt zu decken, reichte S. gefälschte Unter­lagen und Ausstellungen ein.

Die lange Verhandlung förderte für di« Schuld der Apotheker nur unzureichende Anhaltspunkte zu Tage. Lediglich in einem Falle konnte die Abgabe von Morphium ohne ärztliche Bescheinigung fest- gestellt werden. Auch hinsichtlich des Angeklagten S. konnte nur in einem Falle die vorsätzliche Miß­achtung der gesetzlichen Vorschriften über den Han­del mit Rauschgiften festgestellt werden. Dazu kam natürlich noch die Einrichtung unrichtiger Unter­lagen an das Reichsgesnndheitsamt. Die Menge der aus unstatthafte Weise von S. abgegebenen Rausch­gifte konnte nicht einwandfrei gekläri werden, jedoch ergab sich als ziemlich sicher, daß sie keinesfalls groß genug gewesen sind, um eine mißbräuchlich« oder gar strafwürdige Verwendung zu fördern. Der Haupt- angeklagte S. erhielt 200 Mark und ein Apotheker

Die Konservative Bolkspartei hatte für ihre zweite Wahlversammlung in Kassel, die gestern abend in der Stadthalle stattfand, den Spitzenkandidaten im Wahlkreise 19, Professor D r. Otto H o e tz s ch, als Redner gewonnen.

Professor Hoetzsch begann seine Rede mit einigen Ausführungen über die Außenpolitik, die ja bekanntlich sein aHuptarbeitsgebiet ist. Innen- und Außenpolitik seien aufs engste miteinander verbun­den, uno wenn die gegenwärtige Krise zum Tyil auch auf die Mißwirtschaft früherer Regierungen zurückzuführen fei, fo fei sie zum anderen doch in der großen Weltwirtschaftskrise begründet. Das deutsche Volk allein werde die Krise nicht überwin­den können, dazu sei vielmehr die internatio­nale Zusammenarbeit unentbehrlich. Gerade jetzt tage in Genf wieder der Völkerbund, und wenn diese Arbeit noch viel berechtigte Kritik finde, so könne sich doch ein machtloses Deutschland, das in der Mitte Europas liegt, nicht von ihr fernhalten. Als wichtigste außenpolitische Aufgaben bezeichnete Professor Hoetzsch dann den Ausgleich der Rüstungen und die Ausdeutung und Anwen­dung des Artikels 19 des Völkerbundspaktes.

Auf innerpolitifchem Gebiete, fo führte der Red­ner weiter aus, fei zur Ueberwindung der gewalti­gen Vertrauenskrise in Wirtschaft, Staat und Kul­tur vor allem ein

Bekenntnis zum Positiven und zur verantwor- tungsbewutzten Mitarbeit

notwendig. Jene billige Kritik, die sich in dem SatzEs nützt ja doch nichts" erschöpfe, fei abzu­lehnen. Durch Rettung der Finanzen und Ent­lastung der Wirtschaft müsse erst einmal der Grund zur Gesundung gelegt werden. Die Konservative Bolkspartei halte unbedingt fest an dem Gedan­ken des Privateigentums, weil das privat- wirtfchastliche Interesse die Triebkraft des wirt- fchafttichen Fortschritts sei. Die Tatsache, daß das Verhältnis von Besitz zu Nichtbesitz wie 1:2 stehe, führe aber zu der Erkenntnis, daß nur ein

sozialer Ausgleich zwischen Besitz und Nichtbefitz die Krise überwinden könne. In alle Kreise des Volkes müsse der Gedanke der Opferbereitschaft hin- eingetragen werden, es gälte Arbeit im Dienste der sozial gebundenen Gemeinschaft des Staates zu lei­sten.

Die Krise des Staates lasse sich nicht nach den Rezepten des Radikalismus heilen. Auch das Spiel mit dem Wort Diktatur sei entschieden abzuleh­nen. Was sei denn die Schwäche der Weimarer Ver­fassung? Es fehlten im Staate die konservativen Kräfte und Gegengewichte, ohne di« keine parlamen- tarifche Demokratie bestehen könne. Diese Kräfte

50 Mark Geldstrafe, während di« übrigen Angeklag­ten auf Kosten der Staatskasse freigesprochen wurden.

Musik im Walde

Wer am Sonnabend nachmittag die Waldwiese über der neuen Druse! betrat, wurde Zeuge eines fesselnden Bildes. Frohe Menschen Lehrer, Freunde und Mitglieder des Kasseler Musikseminars um­säumten die Hänge; eine junge Musikantenschar Seminaristinnen stand konzertbereit aus grüner Matte. Eine Serenataim Walde zu fingen war ihr Vorhaben, und wo hätte sie eine reizvollere Stätte fin­den können als hier! So lernten wir ein köstliches kleines Werk des jungen schlesischen Tondichters Mar­tin Schlensog, ein Loblied des Waldes nach Versen von

einzuschalten, sei die Aufgabe, die sich die Konser- vative Volkspartei gestellt habe. Prof. Hoetzsch be­tonte dann die Notwendigkeit der Reichsresorm und die Wiederherstellung von Ordnung, Sau­berkeit und Sparsamkeit im staatlichen Leben und streifte kurz auch die Frage des Slot« Opfers. Er trat dafür ein, daß an den Grund­rechten des Berufsbeamtentums nicht gerüttelt wer­den dürfe, er bekannte sich aber auch zu der Be­gründung, die für das Notopfer gegeben worden sei. Denn in einer Zeit, in der Millionen Volksge­nossen keine Arbeitsmöglichkeil hätten, müsse die Be­amtenschaft, die doch wenigstens eine sichere Le­bensgrundlage habe, mithelsen, daß der außerordent­liche Notstand beseitigt werde.

Das Wortkonservativ" bereite in manchen Kreisen vielleicht Hemmungen. Die modernen Konservativen wüßten, daß kein Weg zur Vergangenheit zurücksühre; sie ver­langten Achtung vor dieser Vergangenheit, aber nur das, was aus der Vergangenheit lebendig sei, solle leben bleiben und organisch weiterentwickelt werden. Di« Konservative Volkspartei wolle

die Positive Rechte schaffen, die bisher so sehr gefehlt habe.

Gerade wer das Zentrum von der Sozialdemokra­tie lösen wolle, müsse dafür forgen, daß die Ver­bindung nach rechts erhalten bleibe. Dieser Weg eröffne auch die einzige Möglichkeit, die preußifchen Koalitionsverhältnisse zu ändern.

Es sei Vorauszusehen gewesen, daß die Sch o l z - sche Sammlungsaktion scheiterte, weil man nicht gewußt habe, wozu und worauf gesammelt werden sollte. Die Konservative Partei lehne auch den Gedanken eines Bürgerblockes aus sozialen Gründen ab, aber sie sei, wenn auch die weltanschau­lichen Unterschiede biteben, doch bereit, mit allen, die sich für die Rettungsarbeiten der nächsten Zeit ein­setzten, zusammen zu schaffen. Der 14 September werde die Frage heantworten, ob das Parlament eine

arbeitsfähige, verantwortungsbewußte und auf­baubereite Mehrheit

haben Werde, oder ob Deutschland in das Chaos stürzen werde.

Frau Anna v. Gierke umriß dann in län­geren Ausführungen die Aufgaben, die die Frau und vor allem die konservative Frau int Staate habe. Als Vertreter der jungen Generation sprach schließlich noch Regierungsasiessor Dr. Hüter, der seine Darlegungen in die Forderung ausklingen ließ: Schafft den starken Staat und den verantwor­tungsbewußten Menschen. Eine Aussprache wurde von den Versammlungsteilnehmern, die den Red­nern lebhaften Beifall spendeten, nicht gewünscht.

Matthias Claudius, kennen. Knapp, klar und schlicht rollt sich hier in Streichquartett, zwei- und dreistim­migem Thorsat;e und Solorezitativ ein frisch erfun­denes, meisterlich durchgeführtes Tonstück auf, dem die junge Musikantengruppe unter Grete Wagners Lei­tung sichere, klang- und ausdrucksvolle Wiedergabe zu­teil werden ließ. Als musikalischer Nachtisch folgten zwei Volkslieder in selbst erarbeiteter Kontrapunktik; alte deutsche Volkslieder und Duos für zwei Block­flöten, die sich stimmungsvoll der Umgebung an« schmiegten. Hier erlebte man ein Waldidyll in ver­schwiegener Einsamkeit, ein frohes gemeinsames Musi­zieren, wie man es sich fürs Haus so gern erträumt.

GeschäftserSffnung. Unter dem NamenDer M o d e h u t" tritt das Hnthans Fritz Wolf, Entengasse 13, in den Kreis der Kasseler Geschäfts-

Mittwoch, 10. September 1930

Kasseler Neueste Nachrichten

___________________________Seite 3 1. Beilage

Welt. Die freundlich dekorierte Schaufensterfront ist für die Altstadt wirklich etwas Besonderes und ent­spricht ganz der modernen Ausgestaltung des Jn- nenranmes. Die Geschäftsleitung wendet sich vor allem dem Verkauf von Damenhülen zu. Dem ver­wöhnten Geschmack stehen neueste und beste Pariser Modelle zur Auswahl.

Al Iolson im Universum

Sag es mit Liedern."

Mr mögen uns anfangs noch so sehr gegen die Sentimentale Fabel dieses Films wehren, wir mögen sie englischen Dialoge mit unterlegtem deutschen Text befremdend empfinden, auf die Dauer können wir uns der irgendwie faszinierenden Wirkung des Schauspie­lers und Sängers Al Iolfon nicht entziehen, ob er nun einen frischen Schlager vor dem Mikrophon singt, oder seine melancholischen Lieder im Gefängnis oder sein berühmtes Kinderlied vomLittle Pal . Wieder ist wie imSinging sool" Davy Lee Jolsons kind­licher Partner, wieder ist eine Krankheit des Kindes Anlaß zu stärkster Bild- und Tonwirkung. Nur das Bajazzo-Ende des Singing fool ist in ein Happy end umgehogen. Ausgezeichnet gelungen ist die Milieu­schilderung: der amerikanische Rundfunkbetrieb mit witzigen Glossen auf das Reklameunwesen und bas Leben im Zuchthaus. Im Beiprogramm läuft neben Groteske und Wochenschau ein Tonkurzfilm, der unter anderem die Revellers mit ihrem berühmten Schlager Dinah präsentiert. (Wer die Revellers bisher nur von Schallplatten kannte, wird auch weiterhin ihre akustische der optischen Wirkung vorziehen.) Vu.

* *

Im Capitol

läuft als Reprise die bis jetzt noch nicht übertroffene TonfilmoperetteDer Liebeswalzer" mit Willy Fritsch, Georg Alexander, Lilian Harvey usw. Auch wer den Film schonhörte", wird einen zweiten Besuch nicht bereuen.

Dom Starkstrom erschlagen

Tödlicher Unglücksfall in Hoof.

Wiederum hat der Gebrauch einet elektrischen Handlampe ein junges Menschenleben gefordert. Der hier aus Berlin bei seinen Schwiegereltern zu Besuch weilende 25 Jahre alte Otto Saßforth wollte int Keller eine Wand ausbessern, hierbei wurde er durch den elektrischen Strom einer selbst- gefertigten Handlampe getötet, obgleich die Span- nun nur 220 Volt betrug. Ms seine Braut ihn im Keller auffand, stellte sie glücklicherweise den Strom vorher ab. Alle Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg. Der bedauerliche Vorfall zeigt, _ daß alle Anlagen und Einzelteile nur erst dann gefahr­los sind, wenn sie regelmäßig vom Fachmann über­wacht werden.

Sohin gehen wir am Donnerstag?

Staatsthcatcr:Don Juan", 19,30 Uhr.

Kleines Theater: ErstausführungAmnestie", 20 Uhr.

Stadtvark (Saal):Se Durchlaucht, her Portier". 20,In Uhr Palast-Theater:Die Verschollenen" uni)Sein bester Freund", Wochenschau.

Heute, Mittwoch:

Prentz. Has: Konzert.

Paulaner Bräu: Konzert.

Gewinne 5. Klasse 35./261. Prenb.-Snddentschen Klafsen- Lotterie. 27. Zjehlingstag, 9. September. Ohne Gewahr. 10 0OO Mark: 144 168. 5000 Mark: 332 204. 3000 Mk.: 1-2 384, 22 666. 72 137, 230 128, 284 122, 327 570, 350 843, 368 503. 2000 Mark: 30 845, 43 488, 75 577, 89 667, 101 793, 144 423, 153 314, 176 028, 177 814, 188 300, 234 501,

250 957, 259 988, 279 954, 282 959, 316 211, 389 683. 1000

Mark: 19 398, 31 419. 33 767, 36 041, 48 431. 60 789, 82 055, 82 500, 92 205, 95 350, 97 837, 98 811, 99 465. 108 761, 109 534,

110 808, 132 878, 133 346, 143 211, 145 338 , 63 571, 164 225,

247 260, 249 624, 2-61 012, 273 811, 288 825, 290 202, 291 377.

293 434, 295 094, 296 142, 296 838, 296 869, 307 276, 311165,

321 908, 382 723, 384 501. 500 Mark: 2437, 25 093, 27 045, 40 399, 43 993. 51 877, 84 378. 91 233, 93 503. 94 385, 96 268, 95 478, 104 335, 117 168, 124 088, 124 150, 124 546, 138 087, 138 962, 140 330, 142 046, 156 534, 159 024. 184 400, 193 636, 200 803, 203 419, 208 120, 212 004, 212 747, 218 912, 223 532,

236 775, 241 165, 242 972, 252 630, 257 595. 262 689, 264 124.

267 168, 272 893, 277 128, 286 034, 286 523, 296 304, 297 141.

297 521, 300 589, 304 182, 305 120, 308 060, 312 410, 331 560,

336 722, 338 246, 338 770, 341 426, 341 733, 345 751, 347 211,

356 690, 357 373, 358 477, 376 534, 380 068, 381433, 383 431, 397 037.

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