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Nummer 210*

Montag, S. September 1930

20. Jahrgang

Wieder blutige Zusammenstöße in Indien

Nach dem Abbruch der Ausgleichsverhandlungen / Gerüchte um Jrigoyen / Die deutsche Delegation in Genf eingetroffen

Attentat auf einen Cisenbahnzug

Werte von 4,7 gegen 3,6 Milliarden Franken in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eingeführt. . Die Zunahme innerhalb von sieben Monaten beträgt da-

Etgener Drahtbericht.

nach nicht weniger als 1,1 Milliarden gleich 30 v. H. während die englische Einfuhr in der gleichen Zeit

London, 8. Sept.,

Rach dein Zusammenbruch der Bermittlungsver- handlungen mit Gandhi nehmen die Unruhen in Indien wieder zu. Durch einen Anschlag auf einen Eisenbahnzug. etwa 10 Kilometer von Kalkutta entfernt, wurden vier Personen getötet und 15 verletzt. Die Attentäter hatten die Bolzen aus den Weichen genommen, so daß der Zug ent­gleiste.

Bei einer religiösen Feier in einer Vorstadt von Bombast stießen Hindns und Mohammedaner zusammen, wobei zwei Personen getötet und 34 ver­letzt wurden. Bei der Rückkehr einer Hinduprozession kam es zu erneuten Zusammenstößen. Die Polizei gab drei Salven ab. Sechs Personen wurden ver­letzt. Jin Ratangarh wurden mehrere Läden ge­plündert. Die Unruhen nehmen einen sehr ern­sten Charakter an, <-a die Polizei steuer gab, wurden sieben Personen verletzt.

und zu Wucherpreisen absetzten. Drei Händler und drei Angestellte der Eenoffenschaftsläden wurden zum Tode, die übrigen Beteiligten zur. Internierung in einem Konzentrationslager verurteilt.

Frankreichs größter Lieferant

Paris, 8. Sept.

Der deutschen Ausfuhr ist es in diesem Jahr gelungen, sich den ersten Platz.in der Liste der französischen Einfuhren zu sichert. Sie hat nacheinander die belgisch-luxemburgische Zollunion, England und nunmehr auch die Ver­einigten Staaten überflügelt.

Nach den soeben veröffentlichten Ziffern der fran­zösischen Zollstatistik hat Frankreich in den ersten sieben Monaten des Jahres 1930 deutsche Waren im

von 3,5 auf 3,2, die amerikanische von 4,3 auf 3,7 Milliarden Frank zurückgegangen ist. Dagegen steht unter den Kunden Frankreichs Deutschland nach wie vor an dritter Stelle. Die französische Ausfuhr nach Deutschland weist mit 2,6 Milliarden Frank gegenüber dem Vorjahr nur die geringe Ab­nahme von nicht ganz 200 Millionen auf.

Tardieu arbeitet mit dem Notstift

Paris, 8 .Sept.

DemJournal" zufolge belaufen sich die A b - striche am Budget, die der Ministerrat geneh­migt hat. auf rund sechs Milliarden Frank. Hiervon sollen in erster Linie das Kriegsministerium das Marineministerium, das Lustfahrtministerium und das Kolonialminifterium betroffen werden.

Auftakt in Genf

Von unserem in Genf weilenden pariser Korrespondenten

Im Pundschab -Bezirk wurden 14 Bomben und eine große Menge von Explosivstoffen gefunden, die einer großen revolutionären Verbindung gehör­ten. Im Sagar-Bezirk, wo rund 10 000 Bauern in den Aufstand getreten waren, setzten sich die Kämpfe im Dschungel fort, nachdem dos Hauptdorf von den englisch-indischen Truppen gestürmt worden war. Es kam zu blutigen Zu­sammenstößen mit Truppen des Kolhapurstaates, als die Aufständischen über die Grenze gehen wollten. 55 Menschen wurden dabei verletzt.

Jrigoyen liegt im Sterben?

Neuyork, 8. September.

Wie aus Buenos Aires gerüchtweise verlautet, soll Jrigoyen, der verhaftet war, aber wieder freize- lasien worden ist, infolge eines Schlaganfalles im Sterben liegen. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt jedoch noch nicht vor.

Picepräsident Martinez hat die Regierungsze- schäfte dem General Uriburu und dem Admiral Storni übergeben. Uriburu hat ein provisorisches Kabinett gebildet, dessen Leitung er seWst übernom­men hat und zu dessen Vicepräsidenten der konser­vative Abgeordnete Enrique Santa Marina berufen wurde. Konteradmiral Carlo Shermelo wurde zum Polizeichef von Buenos Aires ernannt. Das Kabi­nett hat den Belagerungszustand im ganzen Lande erklärt. Nach der Entwaffnung der Polizei über­nahmen Truppenwbteilnngen den Ordnungsdienst.

General Uriburu hat eine Kundgebung er­lassen, in der er die Auflösung des Parlaments ver­spricht. Die Armee sei durch die Regierung Jrigoyen gezwungen, das Land vom Chaos und Ruin zu ret­ten. Die Zahl der Revolutionsopfer beläuft sich auf mindestens 50 Tote und mehrere hundert Ver­letzte.

In Washingtoner RegierungÄreisen erhofft man von dem Umsturz in Buenos Aires eine Besserung der Beziehungen zwischen Argentinien und den Ver­einigten Staaten.

England und Amerika

Neuyork, 8. September.

Obwohl in Washington bereits amtlich dementiert worden ist, daß die Engländer hinsichtlich einer Kon- f e r e n z zur R e v i s i o n des Schuldenabkommens Fühler ausgestreckt haben, erhalten die dahinlautenden Gerüchte jetzt wieder neue Nahrung. Senator Bar­kley (Kentucky), der soeben aus Europa zurückgekehrt ist, erklärte, daß man in London tatsächlich von einem derartigen Schritt rede. Ein höherer englischer Beam­ter soll erklärt haben, Großbritannien werde voraus­sichtlich nicht imstande fein, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Als Grund seien insbesondere die neuen amerikanischen Zolltarife bezeichnet worden.

Senator Barkley ist der Ansicht, daß die euro­päischen Staaten im Begriffe sind, Vergeltungs­maßnahmen gegen die hohen amerikanischen Zölle zu treffen. Er befürchtet, daß die amerikanische Aus­fuhr infolge dieser Maßnahmen weiter abnehmen und die Arbeitslosigkeit wieder in den Vereinigten Staa­ten zunehmen wird.

Lebensmittelschieber zum Tode verurteilt

Moskau, 8. September.

Die staatliche politische Verwaltung hat eine Gruppe von Schiebern ermittelt, die aus den Ee- nossenschastsläden mit Hilfe von Tausenden gefälschter Lebensmittelkarten Lebensmittel und andere in be­schränkten Mengen vorhandene Waren entwendeten

Genf, 8. September.

Es gibt Neuerungen rein äußerer Natur, die kraft einer geheimnisvollen Verbindung Marksteine find für eine innere Wendung. So erscheint es Vielen als ein bemerkenswertes Symptom, daß die Vollver­sammlung des Völkerbundes erstmalig den düsteren, unbequemenReformationssaal" worin so gar nichts reformiert wurde verläßt und in das mit vielen Kosten hergerichteteWahlgebäude" einzieht. Bekanntlich i st der Mensjh nicht nur, wie er i tz t und schläft, sondern auch wie er sitzt, und niemand, der die armen Politiker und Journalisten, gleich Heringen in der Tonne, stundenlang in schwülster Lust einge­pfercht sah, konnte sich darüber wundern, daß die Stimmung zum Schluß alles andere als rosig zu sein pflegte. Diese Leute sind keine Uebermenschen, in Paris zu verleben pflegte; es heißt, die Au s- Widerstandskrast sind Grenzen gesetzt, vom Geistigen gar nicht zu sprechen. Nehmen wir also die optimisti­schen Zeichen, wo wir sie nur finden; die Ereignisse werden schon selber dafür sorgen, daß die Rosafarbe rasch genug ins Dunkle tönt. Betrachten wir es auch als gute Vorbedeutung, daß in das vielbesuchte Pressezimmer des Palastes am Wilsonquai eine große Karte Europas gebracht wurde, auf der all die, die mit dem Voltaireschen Pangloß diese Welt als die bestmögliche ansehen, ihren Irrtum berichtigen kön­nen. Der Völkerbund ist eine so konservative Ein­richtung, daß man jede Neuerung, und sei es die kleinste, mit Freuden begrüßt.

Einzelne nationale Abordnungen haben es dies­mal eilig gehabt und kamen bereits mehrere Tage vor Beginn der Ratssitzungen, die bekanntlich ihrer- setts um 48 Stunden der Vollversammlung vorher- qehen, in Genf an. Dazu rechnen gewisse Dele­gationen des Balkans, die vorher, unbe­lauscht von indiskreten Ohren, ihre Sonderge­schäfte abwickeln wollen; zugleich geht ihr Be­mühen dahin, eine geschloffene Front herzustellen, um später in entscheidenden Fragen mit aller Wucht ihre Jntereffen geltend machen zu können. So war es an dem Orte, wo heute die größten Intrigen der Welt gesponnen werden, noch immer, und so wird es für absehbare Zeiten wohl auch bleiben.

Ueberrascht hat diesmal nur die vorzeitige Ankunft Hendersons,

der sonst seine »Mußestunden vor der Versammlung in Paris zu verleben pflegte; es heißt, die Aus­sprache mit Briand habe den Abgrund zwischen den englischen und den fran­zösischen Zielen besonders in der Frage der Neuordnung Europas so unüberbrückbar erscheinen lassen, daß der diplomatische Tee um di« Hälfte der vorgesehenen Zeit gekürzt wurde. Einem Journali­sten sagte der englische Außenminister,er habe ihm nichts zu sagen". ^Jch danke Ihnen," antwortete der Journalist schlagfertig,denn Die wiederholen mir gegenüber wortwörtlich Ihre Rede an Briand."

Henderson wie jedem andern in Genf weilenden Politiker kann es eben nicht verschlossen sein, daß Briand diesmal, mehr als es je der Fall war, als Gefangener die Ufer des Lemansees betritt; seineMitarbeiter", von denen mehrere wütende Gegner jeder Friedens- und Verständigungspolitik sind und aus ihrem reinen Machtstandpunkt nie ein

Hehl machten, .sind in Wirklichkeit feine Wächter, in erster Linie der

junge, ehrgeizige Unterstaatssekretär Marcel Her and, den man mit Recht als dasAuge

Tardieus" bezeichnet.

Den letzten Kampf um seine Freiheit kämpfte der alte, müde Fischer von Cochcrel im Verlaufe des entschei­denden Ministerrates, wo Tardieu selber dieunver­rückbaren Ziele jeder französischen Politik" aufstellte; er rettete habet nur, daß über fein Lieblingskind, die organisatorische Neugestaltung Europas, nicht nur in Privatunterhaltungen, sondern auch vor den versam­melten Nationen gesprochen werden dürfe.

Der wütende, halb taktisch, halb aufrichtig ge­meinte Feldzug der gesamten Rech ts- »reffe erreichte in den letzten Tagen feinen Höhe­punkt, und man verflieg sich zu folgender Behaup­tung:Das geeinigte Europa wtrd, genau wie das geeinigte Deutschland und Preußen, unter deut­scher Führung sein, oder es wird nicht fein." Die Folge ist, daß man die völlige Isolierung des Reiches mit allen Mitteln betreibt.

Im ganzen Osten ist die französische Diplomatie gerade in den letzten Wochen fieberhaft tätig gewesen.

Sie bemüht sich, die Bande fester zu ziehen, die Bündnisse zu verstärken, und jeneGliederung" Euro­pas herzustellen, die alle Hoffnung auf einen zukünf­tigen Rechtszustand vernichtet. Das sind die Richt­linien, die Briand im Hinblick auf die Genfer Tagung halb freiwillig, halb gezwungen zu den sei­nen machte; kein Wunder, wenn der Tee am Quai d'Orsay für ihn wie für Henderson einen bitteren Beigeschmack hatte.

Aber selbst wenn aus den bisher Schiebenden Ge­schobene werden mußten, so steht doch fest: daß die elfte Sitzung des Völkerbundes nahezu gänzlich von dem Europagedanken beherrscht fein wird. Mit andern Worten: .Das Schwergewicht der hoch- politifchen Ereigniffe wird noch viel mehr als es bis jetzt der Fall zu sein pflegte indenJnlrigenund Verhandlungen der.Kulissen liegen. Sämt­liche Regierungen Europas haben, die meisten mit be­merkenswerter Klarheit und Offenheit, ihren Stand­punkt kundgegeben: das völlig unerwartete Ergebnis war, daß Frankreich plötzlich zurückwich, wie wenn es Angst vor seiner eignen Kurage hätte Heute will, schülerhaft gesprochen, Frankreiches nicht mehr gewesen sein"; es wird durch feine Regie- rungspreffe nicht müde, die Schwierigkeiten, ja die Unmöglichkeit eines solchen Planes darzutun, der zu­dem, wie wir sahen, diekontinentale Vorherrschaft Deutschlands für alle Zeiten sichern würde." Der auf­richtige Teil biefer Haltung hat folgende Gründe: Frankreich batte, bevor es durch den Mund Briands feinen europäischen Vorschlag machte, wohl an die neuen Tatsachen und Verhältnisse gedacht, die damit eng verknüpft schienen, nicht aber an die veränderte Atmosphäre, deren Hauch sofort spürbar wurde. Innerhalb kürzester Zeit ist, wie kein aufmerksamer Beobachter leugnen kann, so

etwas wie ein politisches und gefühlsmäßiges Wunder geschehen: Die Perspektiven haben sich verändert, die Umriffe der Dinge find andere geworden.

Die Augen scheinen hellsichtiger zu fein und ver­borgene Dinge und Zusammenhänge plötzlich zu ent= decken. Dies ist das Unerwartete, das Neue, das

man gegenwärtig in Paris fürchtet; unter dem Zei­chen dieses ebenso Mächtigen wie augenblicklich noch Undefinierbaren steht die 11. Vollsitzung des Völ­kerbundes. Die Ergebnisse mögen noch so ma­ger und unbefriedigend fein: der Anstoßist gegeben und niemand wird, mit Zola zu reden, die mar« jchierende Gerechtigkeit aufhalten können. Sei es die Frage der Minderheit en, fei es das © a ar« Problem oder gar die Prozedur zur praktischen Anwendung des Artikels 9 über die Revision friedensgefährlicher Grenzen es liegt hier be­kanntlich ein chinesischer Antrag vor der besprochen werden muß: UeberaU verspürt manneue Luft", (Wir geben diese hochinteressanten Ausführungen unseres Pariser Korrespondenten wieder, ohne uns allerdings die darin zum Ausdruck gebrachte rela­tiv optimistische Beurteilung der Entwicklung ganz zu eigen machen zu können.)

Was aber, so fragt man mit einiger Sorge, ge­schieht mit der Abrüstung? Die Abrüstung gehört zu den Dingen, von denen das Wort des be- rüchtigen Vorsitzenden im Dreyfußprozeß gilt: daß über sie nicht gesprochen werden darf. Dr. Pütz.

<£urtiti6 bei Schober

Die deutsche Delegation in Genf.

Genf, 8. September. ?

Außenminister Dr. Curtius ist in Begleitung der Ministerialdirektoren Dr. Gaus, Dr. Ritter uud Dr. Zechlin, des Gesandten von Freytag und des Geheimrates Weiszäcker gestern um 12 Uhr in Genf eingetroffen. Zur Begrüßung waren der deutsche Generalkonsul Dr. Völkers, der deutsche Gesandte in Bern Dr. Blüller, der Untergeneralsekretär des Völkerbundes Dufour-Föronce, verschiedene andere höhere Beamte des Bölkcrbundssekretariats, die in Gens ansässigen Vertreter der deutschen Preffe und zahlreiche Angehörige der deutschen Kolonie er­schienen.

Dr. Curtius begab sich, begleitet von dem Gesand­ten Dr. Müller, in das Hotel Metropol, wo die deut- sche Delegation ihren Sitz hat. Von der nach dernGeu. fer See liegenden Vorderfront des Hotels weht eine große Flagge in den deutschen Reichsfarben. Den Nachmittag benutzte der Minister zu Besprechun­gen mit' den Mitgliedern der deutschen Delegation, von denen einige, darunter die Geheimräte von Friedberg und Frohtvein, schon vorher in Genf ein« getroffen waren.

Mit dem gleichen Zug wie Dr. Curtius ist auch der österreichische Bundeskanzler Dr. S ch.o b e r an­gekommen. Dr. Curtius besuchte bereits gestern nachmittag den österreichischen Bundeskanzler. Er hat bei dieser Gelegenheit mit ihm über die in Genf zur Verhandlung stehenden Fragen Fühlung ge­nommen.

Reichswehruniform darf im Saargebiet nach wie vor nicht getragen werden. (Eine Berliner Morgen­zeitung meldet, daß die Saarregierung soeben ein Dekret herausgegeben habe, das den im Saargebiet weilenden Reichswehrangehörigen das Tragen der Reichswehruniform verbietet. Wie wir von unter­richteter Seite hören, handelt es sich hier um eine alte Bestimmung, die wahrscheinlich von der Regie- rungskommissron anläßlich der Räumung des Rhein­landes der Bevölkerung ins Gedächtnis zurückge- rufen werden sollte. Man wollte offenbar vermei­den, daß es zu Zwischenfällen zwischen Reichswehr­soldaten und Angehörigen des französischen Saar- schutzes käme. Die Angelegenheit wird sofort aus dem Wege geräumt sein, wenn, wie man hofft, del Saarschutz in kurzer Zeit zurückgezogen wird.

14 000 Schuß Jnsauteriemunitiou gefunden. Be» amte der Politischen Polizei der Landeskriminal- Polizeistelle Magdeburg in Verbindung mit Beamten der Polizeioerwaltung Burg stellten bei der Coß- mannschen Eisenmetall-A.-G. Essen, Abteilung Ab­bruch, in Burg, ein Munitionslager von rund 14 000 Schuß gebrauchsfertiger Jnfanteriemunition fest. Die Firma Coßmann übernahm vor Jahren die Burger Eisenwerke. Die Munition soll schon früher als Schrottmaterial dorthin gekommen sein. Die Patro­nen sind in fünf Kisten verpackt und lagen im Oel- keller. Die Munition ist polizeilich sichergestellt und ein Verfahren wird eingeleitet

Zusammenstöße in Ettlingen

Ettlingen, 8 September. Bei einem kommu­nistischen Jugendtreffen kam es hier gestern zu Zusammenstößen zwischen Kcminunisten und der Polizei. Als eine von der Polizei festgenom­mene Kommunistin von der Menge wieder befreit wurde, machten die Beamten vom Gummiknüppel Gebrauch. Am Nachmittag kam es zu neuen Zusam­menstößen, als die Kommunisten einen Umzug den­noch abhalten wollten, der verboten worden war. Die Polizei, die erneut tätlich angegriffen wurde, mußte auch hier die Hiebwaffe anwendeu