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Kasseler Abendzeitung

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20. Zahr^chng

Freitag- 5. September 1930

Tiummer 208*

950 Todesopfer in Santo Domingo

Furchtbare Folgen der Sturmkatastrophe / Englische Kritik am Paneuropaplan / Hölz taucht im Wahlkampf auf

SOProzent der Bevölkerung obdachlos!

höhte Bedeutung veigemeffen, da man damit rechnet, daß sie einen Ausgleich zwischen Frankreich und Italien vorbereiten.

fen. Berenguer wird, wie er mitteilte, morgen nach San-Sebastian zum König reisen. Zm Lande herrscht überall Ruhe.

(Eigener Drahtbericht).

Reuyork, 5. September.

Die beunruhigenden Meldungen über eine Ka­tastrophe, die große Teile der Insel Haiti, nament­lich deren östlichen Teil und vor allem die Hauptstadt der Dominikanischen Republik, die Stadt Santo Do­mingo, betroffen haben sollte, (wir haben bereits darüber berichtet) haben stch leider in vollem Um­fang bestätigt. Von Stunde zu Stunde mehren sich die Schreckensnachrichten, wobei es aber an ganz ge­nauen Angaben über den Umfang des Unheils noch fehlt, da in und bei Santo Domingo alle Tele­graphenleitungen und Funkanlagen zerstört sind und dieses Gebiet seit 24 Stunden von jedem Verkehr abgeschlossen ist.

<3^ REPUBLIK' "JAMAIKA -SAN DOMINGOSi- ---------------------- - o

ATLANTISCH ?x^=ÖTEÄN^

Rach einer jetzt aus Santo Domingo vorliegenden Nachricht beträgt die Zahl der bei dem Tornado- Unglück Verletzten über 1200 und die der Toten 95 0.

In den Straßen der Stadt spielen sich erschüt­ternde Szenen ab. Ta Nahrungsmittel und Medi­kamente fehlen, ist Seuchengesahr vorhanden. Die Stadt ist vom Hinterlande vorläufig noch völlig abgeschlossen, so daß mit zu spätem Eintreffen der Hilssmannschaften gerechnet werden kann. Der Tor­nado zieht mit ewas verminderter Geschwindigkeit in nordwestlicher Richtung weiter, so daß er wahr­scheinlich auf dem südlichen Teil Floridas austresfen

überschwemmt, so daß übcr lOO 000 Menschen obdachlos geworden sind. An einzelnen Stellen hat der Wasserspiegel die Dächer der Häuser er­reicht. Eisenbahn- und Telephonverbindungen find unterbrochen.

Studentendemonstration in Buenos Aires

Reuyork 5. September.

Associated Preß meldet aus Buenos-Aires, daß eine gestern spät abends gegen die Regierung gerichtete Demo..stration von Studenten in einer Hauptstraße wiederholt Ruhestörungen verursachte. Etwa 30 Studenten und Polizisten wurden dabei ver­wundet und zwei Personen getötet. Auch in anderen Stadtteilen kam es zu Tumulten, bei denen geschossen wurde.

Während der Kabinettssitzung versuchten etwa 2000 Studenten den Regierungspalast zu erreichen, wurden jedoch nach mehrfachen Zusammenstößen mit Partei­gängern Jrigoyens von der Polizei zerstreut.

La Ration" erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß das Kabinett den Gesamtrücktritt angeboten und den Präsidenten gleichfalls zum Rücktritt aufgefordert hat. Präsident Jrigoyen soll jedoch erneut den Rücktritt ab­gelehnt haben. Die Lage wird als äußerst gespannt geschildert. Die Theater sind geschlossen, die Straßen verlassen.

England als Vermittler?

Alexander in Rom.

London, 5. September.

Mit großem Interesse wird in England der Be« such des Ersten Lords der Admiralität Alexander in Rom verfolgt. Seine Bespre­chungen mit dem italienischen Admiral Sirianni, der an der Londoner Flottenkonferenz teilgenommen hat, lassen daraus schließen, daß die Verhandlungen über die Beschränkungen der Rüstungen zur See im Sinne der Londoner Konferenz fortgesetzt wer­den.

Im Hinblick auf die gegenwärtigen Beratungen in Genf wird diesen Unterhandlungen eine er-

3n Spanien herrscht Ruhe

sagt Ministerpräsident Berenguer.

Madrid, 5. September.

Ministerpräsident General Berenguer drückte im Gespräch mit einigen Pressevertretern seine Be­friedigung über die Maßnahmen des neuen Finanz­ministers aus, die eine ausgezeichnete Aufnahme bei der öffentlichen Meinung gefunden Hatton. Dies be­sagte, sägte der Ministerpräsident hinzu, daß die ge­samte Presse darauf vertraue, daß der neue Finanz­minister entschlossen sei, energisch vorzugehen.

Die Zensur werde aufgehoben werden, er­klärte Berenguer weiter. Wir gehen, führte er aus, unseren Weg weiter, ohne uns auch nur einen Strich von der vorgezeichneten Linie zu entfernen, um dem Lande endgültig normale Zustände zu verschaf-

Ernste Krlse in Australien

London, 5. September. 1

Ein Teil der australischen Arbeiterpar­tei in Reu-Südwales erhebt heftigen Widerspruch gegen die weiteren Vorschläge zur Ausgleichung des Staatshaushaltes, die in der Hauptsache darauf be­ruhen, daß die Herstellungskosten herabgesetzt werden müssen. Es muß abgewartet werden, wieweit sich diese Auffassung auch in anderen Teilen der Arbeiterpartei Australiens durchsetzen wird.

Davon wird es abhängen, ob es zu einem Bruch innerhalb der parlamentarischen Arbeiterpartei und damit zu einem Sturz der Regierung komme« wird.

Englischer Vorstoß gegen Brian- Eigener Drahtbericht.

London, 5. Sept.

Zu Beginn der Lölkerbundsverhandlungen ver­öffentlicht dieTimes" einen Artikel, der deutlich erkennen läßt, daß die britische Politik grundle­gende Aenderungen in der Redaktion des Völkerbundspaktes nicht mitmachen will.

Mehr denn je sei es für Großbritannien, das Interessen in der ganzen Welt habe, notwendig, sich zu einer klaren Politik in jedem einzelnen Punkte zu entscheiden. Hiervon dürften die englischen Vertreter in Gens nur wenig abweichen. Für die Gegenwart und Zukunft sei dieser Punkt besonders wichtig, da eine Reihe von ernsten Fragen zur Erledigung stün­den, wie z. B. die finanzielle Unterstützung von sol­chen Staaten, die Opfer eines Angriffes seien, ferner die Aenderung des Völkerbundsstatutes, um es mit dem Kellogg-Pakt in Uebereinstimmung zu bringen. Auch die f Mandats-Konventionen über Palästina seien von großer Wichtigkeit, und endlich stünden die Briandschen Paneuropa-Vorschläge zur Erörterung.

Die englische Politik müsse unter allen Umständen eine vorsichtige Zurückhaltung gegenüber

allen Tendenzen zeigen, die dahin zielen, schon jetzt militärische und sonstige Mittel des britischen Welt­reiches für künftige Fälle, die man im einzelnen gar nicht übersehen könne, festlegen zu wollen. So sehr England auch alle Maßnahmen zur Verhinderung von Kriegen unterstütze, so müsse es sich doch im Hin­blick auf seine besondere Lage bewußt sein, daß man den Gebrauch von Gewalt nicht vollständig ausschalz len könne. Feste Regeln für die Behandlung inter­nationaler Schwierigkeiten seien daher für die Mit­glieder des britischen Weltteiches nicht schmackhaft. Deshalb werde

die britische Politik sich hauptsächlich darauf ein­stellen, die betreffenden Einrichtungen eher zu ver­stärken, als neue zu schaffen. So solle man z.B. die Frage aufwerfen, ob es wirklich notwendig sei, einen neuen allgemeinen Pakt abzuschließen, dessen An, nähme die einzelnen Unterzeichnermächte dazu ver, pflichten würde, alle internationalen Streitfälle ohne Ausnahme auf friedlichem Wege beizulegen. Das beste Mittel zur Förderung der Schiedsgerichts­barkeit sei, nicht die Zahl der Schiedsgerichtskörper- schafteu beliebig zu vermehren, vielmehr müßten die Aufgaben des Völkerbundes gefestigt «udge stärkt werden.

Wahlrecht und Wahlzwang (Don unserer Berliner Schriftleitung.)

wird.

Das städtische Irrenhaus in Santo Domingo wurde dem Erdboden gleichgemacht und eine Anzahl Geisteskranker, die unverletzt davongekommen waren, rannte in der S adt wild umher, bis sie schließlich vom Militär wieder eingefangen wurden. Auch die Gebäude der ZeitungLa Ovinion" wurden zerstört.

Die Bezirke Djevavilla, Duarte und San Carlos bilden gleichfalls einen Trümmerhaufen. 90 Prozent der Bevölkerung find obdachlos.

Sehr schwer wurde von dem Wirbelsturm auch die britische Insel Dominica betroften, auf der 35 Personen getötet wurden.

Santo Domingo, die Hauptstadt der Dominika­nischen Republik im Osten der Insel Haiti, hat 31000 und mit den angrenzenden und zur Stadt ge­schlagenen Gebieten 45 000 Einwohner Es wurde als erste spanische Stadt in bei neuen Welt von Barto­lome Colon am 4. August 1496 gegründet, 1689 und 1691 aber durch zwei Erdbeben großenteils zerstört. Jetzt ist über die Stadt abermals durch Sturm Ver­derben gekommen.

Hilfsmaßnahmen für das LlnglückSgebiet

Reuyork, 5. September.

Hilfsexpeditionen zu Lande und in Flugzeugen find zur Linderung der ersten Bedürfnisse der Obdach­losen in den betroffenen Gebieten bereits unterwegs.

Die Regierungen von Haiti und Porto Rico ha­ben Vertreter des Roten Kreuzes mit Lebensmitteln entsandt, das amerikanische Rote Kreuz hat 15 000 Dollar nach Santo Domingo überwiesen.

Rach Meldungen aus Lissabon wurden die Azoren am Donnerstag von einem Orkan heimgesucht, der ungeheuren Schaden anrichtete. Besonders betroffen wurden die beiden Inseln Jorgo und Floris, aus de­nen die Ernte restlos zerstört und zahlreiche Gebäude beschädigt wurden.

Oer Brahmaputra steigt!

Tausende und Abertausende obdachlos.

London, 5. September.

Weite Teile des Rorth-Gong-Bezirkes in Assan fmd infolge plötzlichen Ansteigens des Brahmapulra

th. Berlin, 5. September.

Angesichts der außerordentlichen Bedeulung, die bei der bevorstehenden Neuwahl des Reichstages der Steigerung der Wahlbeteiligung zukommt, ist in der Oeffentlichkett wiederholt davon die Rede gewesen, ob es nicht möglich wäre, aus dem Wahlrecht et ne Wahlpflicht zu machen.

Ter Gedanke der Einführung der Wahlpflicht ist auf verschiedene Weise in die Oesfentlichkeit getragen worden, so u. a. auch durch einen Antrag, den die volksparteiliche Fraktion des Sächsi­schen Landtages eingebracht hat. In diesem Antrag wird die Sächsische Regierung aufgefordert, mit der Reichsregierung wegen der Einbringung ei­nes Entwurfes über die Wahlpflicht in Verbindung zu treten. Diese Bemühungen, das Wahlrecht zu einer Pflicht umzugestalten, d. h. diejenigen, die von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen, mit einer Geldstrafe zu belegen, haben jedoch für den Augenblick keine Aussicht auf Verwirklichung.

Erstens ist bis zur bevorstehenden Neuwahl des Reichstages die Frist viel zu kurz, als daß noch irgend etwas in dieser Frage unternommen werden könnte, und zweitens muß festgestellt werden, daß in Deutsch­land die Mehrzahl der ausschlaggeben­den Parteien sich schon zu früheren Zeitpunkten gegen die Wahlpflicht ausgesprochen halben, und daß diejenigen außerdeutschen Länder, bei denen die Wahlpflicht in der einen oder anderen Form besteht, keinebesondersgutenErfah- rungen gemacht haben. Man hat im allgemeinen festgestellt, daß die strikte Durchführung der Wahl­pflicht im wesentlichen auf behördliche Schika­nen herauslauft, bei denen der politische Efsekt ver­hältnismäßig geringfügig ist. Infolgedessen beobach­tete man, daß auch dort, wo die Wahlpflicht besteht, ein Abbau dieser Einrichtung im Gange ist.

Außerdem steht in Deutschland der Artikel 125 der Reichsverfassung im Wege, der bekannt­lich die Freiheit der Wahle» garamiert, also natür­

lich auch die Wahtfreiheit, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen oder nicht. Trotzdem würde man es an Regierungsstelle nicht für unmöglich halten, in einem einfachen Wahlgesetz für diejenigen, die der Wahlurne fernbleiben, eine Geldstrafe einzuführen, aber die prak­tischen Schwierigkeiten und die juristtschen Bedenken, die einer solchen Maßnahme enigegenstehen, sind im­merhin so große, daß bis auf weiteres bei uns m i t der Einführung der effektiven Wahl­pflicht nicht zu rechnen ist, und zwar weder für den Augenblick, noch für die nächste Zukunft.

Max Hölz' Oebut

Die Musikkapelle rettet di« Situation.

th. Berlin, 5. September.

Bei den Kommunisten ist ein« besonders radi­kale Persönlichkeit wieder aufgetaucht, die in den säMscheu Unruhen von 1923 eine Rolle spielte. Es handelt sich um Max Hölz, der lange Zeit in Ruß­land gewesen ist und gestern in einer Versammlung der Kommunisten im Sportpalast in Berlin anwesend war und dort auch das Wort erhielt. Er sprach n. a. davon, man müsse dafür sorgen, daß in Deutschland ebenso wie in Sowjetrußland eine E. P. U. alsbald ihre Arbett ausnehmen könne, und daß Severing, Zörr- giebel und Konsorten erschossen würden. Man müsse auch dafür sorgen, daß die Führer der Polizei miter­schossen würden.

Da Max Hölz bei diesen Worten auf die Stelle im Saale zeigte, wo sich die Polizei aushielt, gab es ein großes Durcheinander, und die Führer der K.P. D. waren über diese Wendung der Dinge natürlich sehr entsetzt. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als schnell die Musikkapelle spielen zu lassen und damit dem Redner das Wort abzuschnei- den. Da die Polizei ausreichende Sicherheitsvorkeh- rnngen getroffen hatte, kam es zu keinen weiteren Zwischenjällen.

Dieser Artikel derTimes" wendet sich also noch einmal deutlich gegen die weitgehenden Paneuropa - Vorschläge Briands. Bekannt­lich lehnte England in seiner Antwort an Frankreich schon damals die Einrichtung eines besonderen euro­päischen Bundes ab und verwies Briand auf die Mög­lichkeit, innerhalb des Völkerbundes gewisse Maß­nahmen zu treffen, die in gleicher Weise zur Erhal­tung des Friedens bienen könnten.

Oie Lücke im Driand-plan

Scharfe Kritik des deutschen Minderheitenführers Ulitz

Genf, 5. September.

Der 6. Rationalitätenkongreß beschäftigte sich heute mit den europäischen Einigungsbestrebungen. Der Führer der Deutschen in Ostoberschlesien, Abg. Ulitz, betonte in seinem ausführlichen Referat die grundsätzliche Zustimmung der Minderheiten zu dem Gedanken eines europäischen Staatenbundes. Der Plan Briands enthalte aber eine große Lücke, da er nur Staaten kenne und nicht dieVölkeralsVöl- k e r. Wenn Briand in seinem Memorandum betone, daß die Zeit günstig sei, zeige er damit einen Opti­mismus, der im Hinblick auf gewisse Vorfälle vielleicht nicht ganz begründet fei. Wenn in einzelnen Staaten die Erörterung der Anschlußfrage als Kriegsgrund angesehen werde, so spreche das gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung der Völker. Solange es Staa­tengruppierungen gebe, die ihre deutliche Spitze gegen andere europäische Staaten richten, könne man wohl sagen, daß die Staatsmänner Europas vom Flügel­schlag der neuen Zeit noch nicht berührt seien.

Der Assimilationstheorie, die Poincare verttat, würden die Minderheiten ihren unbeugsamen Lebens­willen gegenüberstellen. Herrn Briand müsse man zu­rufen, nicht nur französisch zu denken, indem er Staat und Volk gleichsetzt, sondern europäisch. Der jetzt ein­geschlagene Weg führe noch nicht zum Ziele. Das Ziel müsse sein: Der Friede Europas auf der Grundlage des Friedens unter den europäischen Völkern.

Die Rede wurde von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen.