7lr. 205 / Zwanzigster Jahrgang
Kasseler Neoeste Tkachrichien
Dienstag, 2. September 1930 / 1. Beilage
Neues aus kaffel
Kassel, 2. September.
Ein Nachtrag
Man schreibt uns:
Die in meinem Artikel „Ein Wort zur Kirchenwahl" i Sonnabend-Nummer) ausgesprochene Befürchtung, mißtrauische Gemüter könnten auf 6en Gedanken kommen, daß bei den Kirchenmahlen ein bewußtes Fernhalten fortschrittlicher Listen vorliege, Hal unerwartet schnell neue Nahrung erhalten. Bezeichnenderweise erst in der letzten vor dem Wahltag (31. August) erscheinenden Nummer einer Kasseler Zeitung findet sich ein Ausruf zur Kirchenwahl im Wahlbezirk Eschwege-Witzenhausen-Kaufungen, der Vas Vorhandensein einer Liste B verschweigt, dafür aber der „Einheitsliste" A (Wepler) alle erdenklichsten sozialen und fortschrittlichen Absichten nachrühmt. Das wäre an sich nichts Besonderes, — wenn nicht dieser Aufruf unterzeichnet wäre: „Wählt die Liste Wepler! Der Wahlausschuß."
Ich frage das Landeskirchenamt: Wer ist dieser Wahlausschuß? Es bestehen zwei Möglichkeiten: 1. Wenn es der für Vie Organisierung und korrekte Durchführung der Wahl amtlich eingesetzte Ausschuß ist, so ist dessen erste Pflicht unbedingte Neutralität. Setzt er sich öffentlich für eine bestimmte Partei ein, — man stelle sich so etwas bei einer Reichstags- Wahl vor! — so verletzt er diese Pflicht und hat zu verschwinden. Selbstverständlich wäre in diesem Falle die Wahl anzufechlen. 2. Wenn es sich dagegen um «neu „Wahlausschuß" für die Liste A (Wepler) handelt, so ist diese Ausdrucksweise eine Irreführung der Wähler und eine Methode, die jeder ehrlich Denkende auch im politischen Wahlkampf scharf verurteilen würde. Es wäre tief bedauerlich, wenn unsere Kirche solche Kampfmittel dulden würde.
Vielleicht schafft hierin meine zweite Frage die unbedingt erforderliche Klarheit: Wer finanzierte diesen Aufruf?
Schließlich frage ich: Was ist eine Einheitsliste und wer stellt sie auf? Nach alledem, was wir seither bei dieser Wahl sahen und hörten, kann ich nur antworten: Eine Bevormundung und Ausschaltung der Wühler, denn wenn in solcher Weise für eine ohne Zutun der Wähler entstandene Liste Propaganda gemacht werden und jeder Gegenvorschlag öffentlich als Unfug bezeichnet werden darf, dann kann von einer Kirchen wähl beim besten Willen nicht mehr die Rede sein. Wilhelm Ide, Kassel.
Lachen im Gtaötpark
Ein Gastspiel des Peter Prang-EnsembleS.
Ein Gemütsmensch, der in allen (Situationen seinen trockenen Humor bewahrt, ein rührender Familienvater, der Herr im Hause ist, wenn es seine Frau erlaubt, eine ewig durstige Seele, die dauernd .Koks aus die Heizung schütten" muß, das ist der Portier, alias Fürst von Poitiers, die rothaarige, schnapsnasige, kolossal ulkige Rolle von Peter P r a n g, dessen rheinisches Temperament über die schlimmste Laune den Sieg davonträgt.
Die Geschichte die Werner Sreifcer geschrieben hat, ist ein schwieriges Durcheinander von Verlobungen und Schwindel, in dem der Portier einmal zum Ahnherrn eines Grafengeschlechts ernannt wurde, dessen jüngster Vertreter, von Berndt Werner dem gewandten Regisseur, voll Schmiß dargestellt, die jüngste Portierstochter heiraten will. Er hat sie schon halb erobert, da werden die beiden Grasen — den älteren spielt Adolf Demuth mit einer wunderbar komischen geschniegelten Brüchigkeit — als Falschspieler entlarvt werden. Peter Palm, der Portier, glänzt als Held, indem er den alten Gauner sestnimmt. Danach erhalten dann die Töchter ihre richtigen Bräutigämer.
Das ganze Ensemble tat sein Bestes. Lore Rosenthal und Leui Wittmann gaben die nimmer zungenmüden Schwägerinnen Palm und Haase. Max Brenner als Nachtwächter wachte nur aus seinem wohlverdienten Schlummer auf, um mitzüteilen, daß es auf Wache nichts Neues gäbe. Hamtt Freer und Marita Marx gaben die beiden so verschiedenen Töchter Palm voll jugendlicher Charme. Otto Ahrens war der typische stud. Phil., Franz Erdmann gab den braven jungen Kaufmann, der sich mit List und Schneid die Braut erobert. Die Rollen der Zimmervermieterin und des Kriminalbeamten waren bei Doris Harnisch und August Vollstedt in guten Händen. Denn das Publikum dankte ihnen ebenso t-i-haft wie den anderen. rgr.
Wahlen und Beamte
Ein Antrag der Rationalsozialisten.
Die NSDAP, sendet uns einen Antrag zur nächsten Stadtverordnetensitzung, der wie folgt lautet:
„Namens der Stadtverordnetengruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei beabsichtigen wir. folgenden Antrag zu stellen, den wir auf hie Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung zu setzen bitten: Es gehr das Gerücht, der Magistrat habe die städtischen Beamten verpflichtet, 1. der NSDAP, nicht anzugehören, 2. für sie bei den Wahlen nicht die Stimme abzugeben, 3. die Versammlungen dieser Partei nicht zu besuchen. Dies bedeutet, wenn es stimmt, einen derartig unglaublichen Verstoß gegen die Reichverfassung, daß wir beantragen, die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: „Der Magistrat wird ersucht, seine Verfügung betreffend Nichtzugehürigkeit von Beamten zur NSDAP., betreffend Nichtabgabe der Stimme bei der Wahl für die NSDAP, und betreffend Nichtbesuch von Versammlungen der NSDAP, mit sofortiger Wirkung aufzuheben und die Aufhebung allen Beamten und Angestellten der Stadt Kassel bekannt zu geben."
Des weiteren hat die Partei zwei Anträge zum Fall Collet und einer anderen schwebenden Affäre eingebracht.
H. Kühne
1. Vors. des Kasseler Ziegenzuchtverbandes.
Vorbildliche Ziegenzucht in Kastel
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Körung der Zuchtziegenböcke des Zuchtziegenverbandes Kassel-Stadt.
Unter reger Beteiligung fand im hiesigen Stadtbezirk die Körung der Zuchtziegenböcke statt. Die eifrige Arbeit der Züchter zeigte sich in den Resultaten in bestem Lichte. Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Kühne und die aus den Herren Siernon Heß und Kühne bestehende Körkommiffion können mit den gezeitiggten Leistungen zufrieden fein. Ein Vertreter des Magistrats wohnte der Veranstaltung bei, aus der als Sieger folgende Verbandsmitglieder hervorgingen: 1. Preis: Uloth und Opfermann, je ein zweiter Preis Bretthauer und Köhlr, zweimal, der dritte die Herren Brede, Küllmer und Franke.
Willkommen! „Graf Zeppelin"!
Wie Kassels großer Tag verlaufen wird
Der große Tag Kassels ist da, an dem der „Graf Zeppelin" nicht nur eine Landung, wie es am 17. 8. vorgesehen war, sondern zwei Landungen durchführen wird. Dem Luftschiffbau ist es besonders zu danken, daß es auf diese Weise allen Kreisen der werktätigen Bevölkerung ermöglicht ist, dem interessanten Landungsmanöver mit seinem umfangreichen Rahmenprogramm, das vormittags und nachmittags das gleiche ist, zu billigsten Eintrittspreisen beizuwohnen. Das Luftschiff trifft Punkt 8 Uhr vormittags von Süden her anfahrend am Flugplatz ein ohne die Stadt zu überfahren, vergewissert sich zunächst, ob alle Landungsvorbereitungen ordnungsmäßig getroffen sind und hält sich bis 8,30 Uhr in niedriger Höhe über den Flughallen. Während dieser Zeit startet unser deutscher Kunstflugmeister Gerhard Fieseler zu seinem Kunstflug zu Ehren der Luftschiffbesatzung.
Die erste Landung wird zwischen 8,30 Uhr und
9 Uhr erfolgen
Sofort nach der Landung wird Bürgermeister Lahnt e y e r in Vertretung des zur Zeit beurlaubten Oberbürgermeisters die Luftschiffbesatzung an der Gondel begrüßen, worauf einer der Luftschiffkommandaitten antworten wird. Beide Reden werden durch Mikrophon übertragen. Sodann werden zwei Schulmädchen in silberneil Pokalen den Luftschifführern den Ehrentrunk der Stadt Kastel überreichen, die sich anschließend in das goldene Buch der Stadt Kassel eintragen werden; übrigens erfolgte die letzte Eintragung anläßlich der Fieseler-Ehrung im Juli 1928. Da das Luftschiff bis 10 Uhr liegen bleibt, wird ein Gondelkonzert für Unterhaltung der Besatzung und Fahrgäste sorgen. Drei weitere Kapellen werden auf den verfchiedenen Plätzen und Festhallen konzertieren. Durch den Großlautsprecher wird ferner die Berliner Konzertsängerin Leni Sone einige Lieder vortragen.
Um 9,30 Uhr tritt der deutsche Kunstflugmeister zum ersten Male an das Mikrophon, plaudert aus feinem Leben und feinen künftigen Plänen. Um 10 Uhr schildert Fieseler noch am Rundfunk den Start des Luftschiffes zu feiner Deutschlandfahrt, sodann begibt er sich in feine Maschine, um zusammen mit den übrigen anwesenden Passagier- und sonstigen Flugzeugen, ca. 6—8, dem großen stattlichen Bruder für einige Kilometer das Ehrengeleit zu geben. Nach dem Start verläßt man aber noch nicht den Flugplatz, sondern schaut sich zunächst noch den Aufstieg der Montgolfiere an, die einige Ueberraschungen bereiten wird.
Um 14,30 Uhr beginnen wieder die großen Platzkonzerte
auf dem Flugplatz, um 15 Uhr die zahlreichen fliegerischen Künste ähnlich wie am Vormittag, beginnend mit der Montgolfiere. Die Konkurrenz der 10 000 Ballone wird auf ein bestimmtes Zeichen hin gestartet... bis um 17 Uhr pünktlich zur Sekunde der „Graf Zeppelin" wieder am Horizont erscheint.
Während der Inständigen Liegezeit werden alle Vorbereitungen für den neuen Aufstieg des Luftschiffes getroffen.
Kassel wird sich morgen in alt hergebrachter Weise als verkehrsfreundliche Gastgeberin zeigen müssen, darum heraus mit ben Fahnen fchon im Laufe der Nacht, wenn bekannt geworden ist, daß das Luft- fchiff nach Kassel unterwegs ist. Vor allem aber mutz es Ehrenpflicht aller Kasseler Bürger sein, wenigstens an einer der beiden Zeppelinlandungen teilzunehmen. Ueberhaupt scheint uns der Besuch unseres Flughafens an diesem Ehrentage, der zugleich einer der grössten Fremdenverkehrstage Kassels zu werden verspricht, eine Selbstverständlichkeit zu sein.
Statt Omnibus auch Straßenbahn
Um allen Wünschen der Bevölkerung wegen des Verkehrs nach dem Flugplatz gerecht zu werden, wird die Linie A an diesem Tage innerhalb des Stadtgebietes eingeschräntt, bezw. stillgelegt. An diesem Tage haben ausnahmsweise die Strecken- und Schülerkarten auf biefer Linie auch auf den gleichen Linien bei der Strassenbahn ohne Zuzahlung Gültigkeit. Die Straßenbahn unterhält auf ihren Strecken einen verstärkten Verkehr.
Anruf: «Luftschiff!"
Am Tage der Zeppelinlandung verlegt das Stadt- Verkehrsamt fein Büro auf den Flugplatz. Die Dienststelle im Rathaus ist an biefem Tage geschlossen. Das Stabtverkehrsamt wirb von morgens sieben Uhr ab bem Publikum telephonisch Auskunft über den Besuch unb die Landung des Luftschiffes geben. Zwecks fchneller Abwicklung des Telephongesprächs genügt es, bem Telephonamt das Stichwort „Luftschiff" zuzu- rufen.
Bon 6 Uhr ab Brötchen.
Aus Anlaß der Landung des „Zeppelin"-Luftschif- fes am 3. b. Mts. ist bas 'Offenhalten ber Verkaufs stellen vva Backwaren sowie bas Austräger. von Back
waren an diesem Tage von 6 Uhr ab zugelassen worden.
* Ä
Oie Gonderzüge
Zur Bewältigung des stärkeren Personenverkehrs hat die Reichsbahnbirektion Kassel in den Zugpausen zwischen den fahrplanmäßigen Zügen noch Sonder- züge vorgesehen und zwar für die Vormittagslandung in der Zeit von 6,45 Uhr bis 7,55 Uhr, für die Nachmittagslandung in ber Zeit von 13,15 bis 14,45 Uhr ab Bahnhof Kassel Hbf. Ebenso sind für die Rückfahrt ab Waldau am Vormittag in ber Zett von 10,20 Uhr bis 11,00 Uhr und am Nachmittag von 18,20 Uhr bis 19,40 Uhr Sonderzüge in Aussicht genommen. Die Abfahrt der Sonderzüge für die Rückfahrt wird von Fall zu Fall auf bem Flugplatz durch Lautsprecher bekanntgegeben. Von Treysa, Bebra und Corbach verkehren Sonderzüge, die unter Umgehung des Bahnhofes Kassel unmittelbar nach Waldau durchgeführl werden.
Das ganze Europa hört mit
Zugegeben, daß Zepvelin-Lanöungen und -Starts vlel- fack vom In- und Ausland übertragen worden sind. Was uns bewegte, den Befuck Kassels zu übertragen, ist das Besondere, das Abweichende von äbnlichen Reportagen.
Bedenken Sie: Wegen des Zevvelinbesuches wandelt eine Großstadt womit wir Kassel meinen, einen Werktag in einen Lest- und Feiertag! Das bedingt ein Interesse, eine Begeisterung »äusser Potenz. Höchstens einige Gegenden des Auslandes werden noch mehr dem Luftschiff zuae- iubelt haben, als es das Weltmeer überflogen hatte. Aber es müßte merkwürdig zugehen, wenn nicht die Begeisterung der feiernden Stadt Kassel auf dem Flugplatz spontan ber- vorbrechen sollte, irgendwie Gestalt annehmend. Diesen Augenblick zu erfassen, die Welle der Begeisterung weiter- schwingen zu lassen zu den vielen, die daheim bleiben mutzten, zu denen, die in der Ferne des frohen Ereignisses gedenken — das ist einet der Gründe, mit dem Mikrophon auf den Waldauer Flugplatz zu geben.
Und weiter der glückliche Umstand, Gerhard Siefeltr zu unseren Mitbürgern zählen zu dürfen, ihn, der längst Anspruch daraus gehabt hätte, endlich einmal zu vielen Taufende» sprechen zu können, war schließlich ausschlaggebend. Da er selbst mit kühnen Kunsttlüaen mitwirkt im Rahmen der Darbietungen, ergeben sich Möglichkeiten stärkster Revoqtagefvannuna. Der Flieger lebt in einer besonderen Welt wie der Rundfunkreporter wie der Hör- spieldichter. Alle drei, obwohl täglich unter uns. find Menschen mit anderen Gesichten, mit einer irgendwie verfeinert«», vielleicht sogar exzentrischen Bovstelbuntzstvelt. Die drei Tvven. gewachsen, geschaffen durch neue technische und künstlerische Möglichkeiten unserer Epoche, treffen fich am Mikrophon, um das in Worte umzusormen, was man unmittelbares Erleben nennt. E. K. B.
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Wie wir hören, überträgt auch der Deutfchlandfender Königswustervausen die Rundfunkreportage vom Waldauer Flugplatz. Damit ist es möglich, nicht nur tn ganz Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland «n der Ueber- tragung teilzunehmen.
MrkMeuden und Zeppelin
„Wie wird das Wetter am Mittwoch werden? Wird es regnen, wird es stürmen? Wird man in Backosenhibe auf Waldaus Fluren braten und schmoren?" Wohl nichts von alledem, — wir werden — unberufen toi, toi, toi! — ein Wetterchen bekommen, ein Zeppelinwetterchen, wie es die fchwer enttäufchten Kasseläner ssch verdient haben, — mit strahlendem Sonnenschein, einem angenehm kühlen Lüftchen, das die Fiebergluten der Ermattung bei den vielen Tausenden wohltuend dämpfen wird, und einen Simmel, der sich als wirkungsvolle Folie für das schlanke gelbe Ungetüm mit einem blitzfunkelblauen Tuch überziehen wird. Alt und jung beschäftigt fich seit Tagen mit dem groben Ereignis. Auf der Straße, im Bus, in der Straßenbahn, sogar auf dem Wochenmarkt ist jede zweite Frage „Gehen Sie morgen nach Waldau?" Mein Buttermann legte mir voller Zevvelinbegeifterung zetttreut eine Stange Käse in den Korb statt eines Pfundes Butter, und ich felBft ertappte mich dabei, daß ich nachdenklich in ein Fatz saurer Gurken guckte, als ich einen Blumenkohl erstehen wollte. Morgen zur gleichen Zeit werden wir den Himmel absuchen nach unserem hohen Gast, dafür gehörte der heutige Bormittag noch der Pflicht, dem Wochenmarkt und feinen appetitlichen Erzeugninen.
Die „Legionen" von Hühnern und Hähnen scheinen am vergangenen Sonnabend von den Sauskauen restlos geschlagen worden zu sein. Der heutige Markt zeigte nur noch einige „Trümmer" dieser Armee, ein Dutzend Hähnchen zu 1,10—1,90 Mark, einige Tauben zu 70—90 Psg. und vier junge Enten zu 1,30 Mark das Pfund. Aus den Fisch- körben guckten ein paar handfeste Hechte zu 1,30 Mark, dicke Aale zu 1,00 Mark, Schuppette, Barben und Brassen zu 1 Mark und Fuldafische zu 60—70 Pfg„ während ssch Seefische mit Seelachs und Goldbarsch zu 40 Pfg., Schellfisch zu 45 Psg. und Kattfisch zu 55 Psg. als kopflose Angelegenheiten präfenttetten. Die Hühner nnd Enten legen ihr Ei wieder für 12 Pfg.. was ihnen am Sonnabend nicht unter 13 Pfg. feil war. Die Buttervreise ssnd beständiger wie das Wetter mit ihrem alten Preis von 1,70 und 1,80 Mk.
Wenn die vielen Brombeeren, die an den Markt kommen, restlos verkonsumiett werden in Gestalt von Marmeladen und Gelee, wird es viel gesunde Menschen in Kassel geben, und das kann man für 30 Pfg. das Pfund billig und obne Anstrengung haben! Auch Holunderbeeren zu 20—25 Pfg. find sehr gesund für den, dem nichts fehlt. Zwetfchen — mit und ohne „Mädchen" — waren für 18 Pfg., Eier- pflaumen zu 30 Pfg., köstliche Weintrauben von 40—60 Psg. und Pfirsiche zu 50 Pfg. zu haben. In Birnen grosse Wahl von 25—40 Psg., ebenso in Aepfeln vom Gelee- und Musavfel zu 10—15 Pfg. bis zum Edelapfel von 25—35 Pf. Ein Körbchen Johannisbeeren für die, die ssch nicht rechtzeitig eingedeckt und wundettchöne Quitten zu 25 Pfg. für das herrlichste aller Gelees.
Die Mengen der Einlegegürkchen zu 25 Pfg. werden langsam geringer, dafür gibt es dicke gelbe Senfgurten zu 15—20 Pfg., ein paar Pujfbohnen zu 20 Pfg., grüne Boh
nen zu 10—12 Pfg. und Wachsbobnen zu 15 Pfg. Wunder- voll im Geschmack ssnd die zweite Ernte Sckotenerbsen zu 40 Psg. Spinat kostete 15 Psg., Wirsing 10, Rotkohl 12 und Weißkraut 8 Pfg. Für den verwöhnten Gaume» Champignons für 1 Mark. Als Schluß die Salattveife- karte: Tomaten von 10—15 Pfg., schneeweisser Sellerie 20 PlS. die Knolle, Nüßchen 25 Pfg. das Viertelpfund, Entzt» - vien 15—25 Pfg., Kopfsalat 5—15, Salatgurken 20—30 Psg.
Der gemischte Chor „Sangeslust"-Dortinunb weflte am Sonntag in unseren Mauern, um die Sehens- toünbigfeiten, vor allem die Wflhelrnshöhe in Augenschein zu nehmen. Vormittags wurde der Altstadt und unserer Karlsaue ein Besuch abgestaitet. Am Sriegerbentmat wurde durch den Dirigenten Herrn Guß eine stimmungsvolle Wei'hestuiMe eingeleitet, die i allen Teilnehmern und den anwesenden Gästen un- I vergeßlich sein wird . Guter Ehorklang zeichnete die > bargebrachten Chöre aus, gern hätte man von diesen Perlen noch mehr gehört. Die kleine Sängerschar war mit Herz und Seele bei ber Sache unb folgte willig bem Stabe ihres Dirigenten. Nachmittags wurde der Wilhelmshöhe ein Besuch ab gestattet, und hier war man voll des Lobes über all das Gesehene. Bei Kaffee unb Kuchen wurde in fröhlichster Stimmung noch manches Lieblein begeistert „aus frischer Kehle" geschmettert. Gar zu schnell verflogen die Stunden. Aber Kassel und die Sängerfahrt bleibt für die Teilnehmer ein Blumenstrauß schönster Erinnerungen. K. K.
Sin ewig Junger
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Phot. Eberth
Heute feiert Eisenbahn-Telegrahhen-AMtent Friedrich Neppe, Berlepschstraße 7, seinen 80. Geburtstag. Der alt Herr hat den großen Krieg als Freiwilliger mitgemacht. Er war einer ber ersten, ber sich zum Heeresdienst meldete. Er führte 19 Transporte nach Frankreich, brei nach Rußland. Neun Monate lang war er Offizierstellvertreter beim Feldartillerie-Regiment 11, die übrige Zeit beim Traindepot auf bem Müncheberg.
Soweit der Tatbestand. Und nun muß man sich den Jubilar mal ansehen. Zeigt er- nicht den Geburtsschein vor und sagt, er sei achtzig Jahre — jeder lacht hell aus. Kein Fältchen auf der Stirn, kaum ein Zeichen des Alters. Aus höchstens 50 Jahre würde er geschätzt. Dieser Greis im biblischen Alter, befreit von Jugendsrische, sagt: „Ich sichle mich wie ein Dreißigjähriger!" ♦
And noch zwei Achtzigjährige
Am heutigen Tage, 2. September feierte bie Bezieherin unserer Zei- bung, Frau Elise Költzsch düng, Frau EliseKöltzsch Witwe des Eisenbahnkassenvorstehers Hermann Költzsch in Kassel, im Kreise ihrer Kinder, ihren 80. Geburtstag, in körperlicher unb geistiger Frische. ;
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Den gleichen Geburtstag feiert Frau Christine Herborbt, Tränkepforte 4. Sie war 60 Jahre lang als Einlegerin in dem Betriebe bei A.-G. für Druck unb Verlag, borm. Gebr. Gotthelst, tätig. Der Jubilarin, bie schon lange Abonnentin bet ,K. N. N." ist, sprechen auch wir unseren herzlichen Glückwünsche aus unb
wünschen ihr einen weiteren gesegneten Lebensabend. , , . .
Ein alter Wehlheiber.
Der Jnvalibe Ftiebtich Euler, Kochstraße, ein alter Wehlheiber, feiert heute feinen 69. Geburtstag. Seit vielen Jahren ist er Leser unserer Zeitung unb bem Gesangverein^ Frohsinn gehört er als treues Mitglieb an.
Gewinne 5. Klasse 35./261. Prenssifch-Snddcntickien fite*» fen-Lotterie. 20. Ziehungstag. 1. September. Cb«e «vewähx, 25 000 Mark: 13 245. — 10 000 Mark: 114 807 , 322 319. - 5000 Mark: 144 752, 182 659. — 3000 Mark: 2468, 4139, 5662, 31 669. 145 305, 153 519, 250 091, 300 149, 316 517. — 2000 Mark: 130 521, 157 787, 167 795, 171 680, 173 6?* 199 585, 245 581, 272 290, 326 905, 847 450. 347 819, 378 OW 397 905. — 1000 Mark: 460, 28 272. 30 166, 43 557, 86:40 98 536, 100 030, 109 156, 118 233, 130 283, 136 785, 143 <19 153 933, 156 068, 170 442, 176 835, 177 344, 177 391, 183 570,
190 563, 211 898, 217 829, 228 185, 236 258. 238 945, 244 146,
254 172, 274 160. 275 293, 294 472, 296 610, 308 386, 309 842,
315 237, 323 685, 335 514, 337 773, 369 261, 372 139, 384 432.
— 500 Mark: 4859, 5245, 20 696, 29 1 54, 31 430, 35 062. 36 905, 37 888, 46 849. 56 176. 58 754 , 61 835 , 70 099, 72 323, 74 528, 80 185, 83 234, 91 906, 106 353, 114 742, 115 385, 119 371, 121 309, 121 569, 121 697, 128 807, 129 045, 131 021,
160 917, 167 468, 169 368, 173 479, 182 959, 193 088, 214 063,
214 543, 228 034, 244 794, 250 542, 252 533, 261 114 , 268 151,
279 790, 306 432, 309 547, 315 825, 324 738, 326 759, 328 473»
383 737, 388 666, 389 595, 391 816.