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Sekte 2

Kasseler Neueste Nachricht«

Montag, I. September 1930

*

haften Beifall.

-tze-.

chen wir eine Beamtenpartei?" Amtmann May be- l sich keine Möglichkeit, Ersparnisse zu machen!

4

Be-

Etwa 1000

(Caroline von Schlegel 1801).

Jean Paul.

Der kluge Zeitgenosse / Aus dem Irrgarten der Kritik

(Ludwig Speiset.)

und Weber.

Lutz Weltmann.

Inthronisation des ersten Berliner Bischofs. Sonn­tag vormittag fand in der Hedwigskirche, der die Würde einer Kathedrale verliehen wurde, die feier­liche Inthronisation des Bischofs Dr. Schreiber statt.

v'el mit den der der

Da auch ein Kritiker über keinen Körperteil ver­fügt, mit dem er zehn Premieren binnen 6 Tagen bewältigen kann, lasse ich über die Urausführnng Von Fritz Schwieferts Lustspiel:

Hiller suchte «die Thomaner Muttersöhne mit Ab­scheu gegen die Kruditätem Bachs" zu erfüllen

Im Ständehaus sprach gestern abend der Reichs­tagsabgeordnete M o r a t h über das Thema:Brau-

Mitte, mit sehr viel Anmut und viel Witz Die Re­gie hatte Heinz Dietrich Ke n: e r, der die ganze Wohnung der Junggesellen unnötigerweise auf die Drehbühne setzte."

grüßte namens Der Ortsgruppe Kastel der Deutschen Volkspartei die Erschienenen. Dann nahm Aüg. M o - r a t h das Wort.

Der Reichstag hat," so führte der Redner aus. am 18. Juli, als der Reichspräsident ihn auflöste, seine schwerste Stunde gehabt. Die erstrebte Einigung des Bürgertums, in dem die Unterschiede gar nicht so groß seien, konnte nur von der Mitte ausgehen, wo die Deutsche Volkspartei den Kristallisationspunkt hätte bilden müssen. Dem Gedanken des Zusammen- schlustes gehöre die Zukunft. Es frage sich nun, ob

eine Beamtenpartei Zweck und Bedeutung habe. Diese Frage verneint der Redner. In welchem Ver­hältnis ständen nun Volkspartei und Berufsbeam­tentum -zueinander?" Redner streifte die von der Deutschen Volkspartei seit dem Jahre 1923 betrie­bene Außenpolitik und hob die hohen Verdienste des von ihr gestellten Außenministers Dr. S t r e s e - mann hervor, der den heutigen Stand der außen­politischen Dinge im Interesse des ganzen deutschen Volkes geführt habe.

Seit Jahren", so fuhr er fort,habe die Deut­sche Volkspartei mit Anträgen im Reichstag auf das jetzt vom Kabinett Brüning begonnene Finanz­reformwerk hingewirkt. Jeder sei daran interessiert, daß das Reich seine Zahlungen nickt einstelle, sonst breche alles zusamcken; auch die sozialen Leistungen wären dann nicht aufrecht zu erhalten. Bei dem ge­planten Sanierungswerk seien direkte Steuern nicht zu vermeiden. Die direkten Steuern, die kein Volk der Erde in dem Matze wie das deutsche hat, hätten zum Zusammenbruch unzähliger Unternehmungen geführt und die Arbeitslosigkeit zum grotzen Teil ver­schuldet. Die sckwie-iae Finanzlage verpflichtet zu großer Sparsamkeit. Bei den vielen Beamten biete

ftes Genüge finden.

Henrik Ibsen.

ersuche den Verkauf dieser Schrift zu verbieten, und dadurch üblen Folgen Vorbeugen zu Helsen.

Leipzig, am 28. Jan. 1775.

Dr. Joh. August Ernesti, allzeitiger Decanus der Theol. Facultät alhier." (Das Buch wurde darauf durch den Zensor in Dachsen verboten).

Schiller.

Wallensteins Lager" wurde in Weimar gegeben. Jean Paul war mit seiner Jeanette Pauline drin, lief mitten aus dem Stück aus der Loge unv lief; Ach, was ist das für ein barbarisches Zeug!"

Marguerite durch drei-

(im Theater in der Stresemannstratze) den Bericht meines Kollegen Julius Bab folgen:

'Dchwiefert ist früher schon mit etlichen sehr ernst­haften, nicht unbegabten aber doch nur halb glück­lichen Dramen hervorgetreten. Hier ist ihm nun plötzlich in überraschender Weise eine Ader leichter, lustiger, heiterer Anmut aufgesprungen, die ausS

Liebenswürdigste gefangen nimmt und .bendrein in Deutschland einen Seltenheitswert besitzt.

Er erzählt eine Geschichte von drei Junggesellen, die brüderlich eine nette Wohnung teilen, die sich eines Tages alle drei verlieben und, wie sich dann herausstellt, alle drei in dieselbe Person. Sie wohnt gegenüber, ist sehr hübsch, aber von den Dreien bis­her ganz unbeachtet geblieben. Sie selber kennt sie aber recht gut und hat nun wohl beschlossen, an den drei Gleichgiliigen ihre Rache zn nehmen. An ver­schiedenem Ort, in verschiedener Art verlieben sich alle drei in sie: für den hochmodernen Arzt ist sie die kalt-sachliche, moderne Jungfrau, für den ehr­geizigen Geschäftsmann die überaus mondäne, bla­sierte junge Frau, für den Schauspieler die roman­tisch-verliebte kleine Bürgerin. Und sie bringt es fertig, unmittelbar nacheinander mit allen Dreien in ihrer eigenen Diele ein Rendezvous zu baden.

Tas ist lustig, wenn auch nidr sehr wahrschein­lich. Und das Bißchen an vernünftiger Erklärung,

war, nis> enz und die ng so gut wie

Beamtenpartei?

Wahlversammlung der Deutschen Volkspartei.

Liebe auf dem Lande

(Berliner Theaterpremieren.)

Berlin, 1. September.

Man nehme I. M. WoikowsKomödie aus dem heutigen Rußland", die Klabund (mit einem Herrn Fritz Nagel) unter dem TitelDie Liebe auf dem Lande" verdeutscht hat, nicht gewichtiger als sie ist: als eine Bauernposse, die zufällig im neuen Rußland spielt. Hebet neue Wirklichkeiten, über neue menschliche Konflikte sagt sie nichts aus. Es bleibt eine groteske Zuspitzung, daß eine Frau am gleichen Tage heiratet, sich scheiden läßt, wieder hei­ratet und sich nachts in einen Dritten verliebt. Da­zu bedarf es nicht der sowjetruffischen Gesetzgebung, nach der die Ehe eine Privatsache ist, noch der leich­ten Scheidungsmöglichkeit auf Antrag eines Ehe­partners. Aber indem der Sowjet-Standesbeamte, ein andrer Puck, feine Rolle in dem Stück spielt und selbst der Dritte wird, den die Siebe pack: und boi sich behält, gibt es beste Situationskomik. Die Dialoge sind oft flach, aber der Aufbau der drei Akte ist gute Lustspieltradition in Gogols Art. Tas geht im Tempo eines amerikanischen Grotesksilins und zwischendurch gibt es Zustündliches: wie der Sowjetkommissar auf dem Lande eine Respektsper­son ist, die ihre Macht mißbraucht wie nur je eine im zaristtschen Regime; Wie sich die Beziehung der Geschlechter verschiebt, sobald die Intelligenz der Frau zunimmt. Und in dieser Art. Das sind so Farbfleckchen auf einer Allerweltsgroteske. Feh­lings Inszenierung schlägt aus ihr ein Funkenge- sprühe unauslöschlicher Heiterkeit. In den Haupt­rollen sieht man Lucie Mannheim, Bildt, Granach

der Einfall mit dem atteit Diener der Drei, der mit kleinen Ansprachen das Publikum über seine drei Herren und die jew-ültge Situation ansklärt, rückt das Ganze in eine Theateratmosvhäre, bei Der man nach der Wahrscheinlichkeit nicht mehr

Trotzdem versuchte man, die Masse gegen die Beam­tenschaft aufzuhetzen. Man habe Das Notopfer ver­langt; die Volkspartei dagegen habe die Mittel an­derswoher zu beschaffen gesucht. Morath forderte vor allem Kürzung der Ueberweisung an Länder und Gemeinden. Die allgemeine Krise zwingt uns auch in der unbedingt als erforderlich anzuerkennenden Fürsorge für notleidende Volksgenossen int Rahmen des Möglichen zu bleiben. Wenn man mehr aus der Wirtschaft herauspumpen wolle, als sie leisten könne, gehe sie zugrunde und das bedeute, daß der Staat in Gefahr komme!

Notwendig sei es, daß man jetzt einen arbeitsfähi­gen Reichstag wähle, der die Katastrophe verhindern könne, denn Katastrophe bedeute blutigen Bürgev- frieg. Der Beamte, der sich als Staatsdiener mit gan­zem Herzen der Republik hingebe, müsse sich nun ettt- scheiden, ob er sich den Parteien anschließen wolle die den Staat zu zertrümmern trachten, oder ob er seiner Pflicht gereckt werden wolle, indem er dazu beiträgt, einen arbeitsfähigen Reichstag zu schaffen. Die sach­lich-ruhigen Ausführungen des Redners fanden leb-

Kassel im Zeichen des Wahlkampfs

Gtaatspartei Deutsche Volkspartei Zentrum

Warschau, 1. Sept.

Gestern mittag fand hier auf dem Theaterplatz die angekündigte Kundgebung gegen die Rede des Reichsministers Treviranus und gegen deutsche Revisionsbestrebungen im Osten statt. In Anbetracht des schönen Wetters hatten sich auf dem geräumigen Platz etwa 15000 Personen, darunter auch zahlreiche Neugierige eingefunben. Der Direktor der halbstaatlichen Landwirtschaftsbank, Ge­neral Gorecki, hielt eine gegen die deutschen An­sprüche aus polnisches Gebiet gerichtete Rede, wobei er u. a. auch die gegen die Polen gerichtete Aktion der Ukrainer mit deutschem Gelde (!?) in Verbindung brachte. Hierauf wurden entsprechende Entschließungen angenommen

Mehrere hundert Demonstranten, zumeist halb­wüchsige Burschen, wollten dann noch vor der deutschen Gesandtschaft eine Kundge­bung veranstalten. Die Straße, in der sich das Gefandtfchaftsgebäude befindet, war jedoch inzwischen auf beiden Seiten von starken Polizeiabteilungen, die eigens zu diesem Zweck mit Stahlhelmen ausgerüstet waren, abgesperrt worden. Die Menge versuchte wie­derholt, den Polizeiriegel zu durchbrechen, die Schutz­mannschaft konnte jedoch die Absperrung aufrecht er­halten.

(Slach Zelter: Briefwechsel mit Goethe.)

Goethe.

Die Leiden des jungen WerHer.

Präsentiert d. 30. Jan 1775.

Pro Memoria

an die Churs. Büchercommission.

Es wird hier ein Buch verkauft, welches den Titel führt, Leiden des jungen Welcher. Diese Schrift ist eme Apologie und Empfehlung des Selbst' mords, und es ist auch um deswillen gefährlich, weil es in witziger und einnehmender Schreibart abgesaß: ist. Einige gelehrte und sonst gefetzte Männer haben gesagt, daß sie sich nicht getraut hätten, das Buch durchzulesen, sondern es etliche Male weggelegt hät­ten. Da die Schrift also üble Impressionen machen kann, welche, zumal bei schwachen Scuten, Weibsper­sonen, bey Gelegenheit aufwachen, und ihnen ver­führerisch werden können, so hat die theol. Facultäi für nöthig gesunden zu sorgen, daß diese Schrift unterdrückt werde: dazumal jezo der Exempel des Selbstmordes sreguentiv werden. Daher ich die Löbl. Bücher-Commission im Name» jener hierdurch

das der Autor im dritten Akt gab, hatte die Direk­tion so ziemlich gestrichen. (Theaterdirektionen haben nun einmal eine nicht erklärliche aber offenbar un­überwindliche Abneigung regen alles Vernünftige). Indessen, Schwieferts D'.a'og ist so voll freundlicher, spielender Anmut, daß man auch den dramatisch schwachen Schlußakt noch gern überdauert. Schon

polnische Hetze gegen Deutschland

Immer noch Lärm um die Treviranus-Rede

fragt. Karl Etlinger svieltr diesen Alten seiner liebenswürdigsten Theaterlaune. Von drei Männern war Hörbiger als Mime lustigste. Als Frau stand Carola Reher in

, , vor dem Stadttheater it^Kattowitz, unb nach mehreren An­sprachen, die sich scharf gegen die Rede des Ministers Treviranus richteten, setzte sich ein Demonstra­tionszug in Richtung des deutschen Generalkonsu­lats in Bewegung. Es wurden starke Polizeikräfte eingesetzt, um den Zug abzudrängen. Trotzdem ge­

Jean Paul ist in Gedanken, ja m fernen Emp­findungen erhaben, aber seine Phantasie ist gemein; sie malt nur niedrige Gegenstände mit Wahrheit, und gerade die Phantasie ist das Spiegelbild des Menschen. (Grillparzer)).

Richard Wagner.

Götterdämmerung: Wie bequem ist die Methode, jeder wiedererscheinenden Person, jeder ähnlichen Lage, * jeher wie verkehrenden Gedankenverbindung ein und dasselbe klingelnde Leitmotiv, gleichsam eine Hundemarke anzuhängen. Me muß es um die geistige Verfassung jener Jünglinge und Greise be­stellt fein, die an einer solchen poetisch-musikalischen Armutei nicht nur Wohlgefallen, sondern auch höck>-

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lang es den Demonstranten, die polizeiliche Ab­sperrung zu durchbrechen und

i« Sturmschritt »ach dem Gebäude des deutsche« Generalkonsulats

zu eilen, wo dem Zuge ein zweiter Ring von Polizei­beamten entgegentrat. Nachdem sich die Demonstran­ten in Beschimpfungen gegen das Deutschtum ergan­gen hatten, begab sich der Zug nach dem Wojewod­schaftsgebäude um dem Wojewoden Erazynski eine Entschließung zu überreichen mit der Bitte, diese an Marschall Pilsudski weiterzuleiten. Während des Zuges wurden vor den Eeschäftslokalen der deutschen Zeitungen Drohrufe ausgestoßen. Starke Polizei­abteilungen, die Dort postiert waren, verhinderten aber Ausschreitungen.

In der Resolution wurde versichert, daß Polen bis zum letzten Blutstropfen jeden Fußbreit polnischen Bodens verteidigen werde. Vom Völkerbunde wird verlangt, Deutschland zu zwingen, eine Versicherung abzugehen, daß die Westgrenzen Polens unantastbar seien.

Auch in Lodz Zwischenfalle

Lodz, 1. September.

Zeit der Gärung im Volke sei ein guter Nährboden für den Radikalismus, den der Redner ab- leihnt. Die große Gefahr däbei wäre, daß sich rechts und links bewußt oder unbewußte die Hände reichten, wodurch das bolschewistische Chaos drohe Dagegen sei der gesunde Aktivismus der Seibfterhalmnz zu setzen, denn das deutsche DoK, das jede Diktatur ad- lehne. sei vor Gott ' und der Geschichte mündig ge­sprochen.

Anschließend wurden noch einige Anfragen beant­wortet, die aus der Mitte der Versammlung heraus gestellt wurden. Die Anfrage eines Vertreters der Friedensgesellschaft, wie sich die Staatspartei zur Landesverteidigung stellte, beantwortete Major a. D. Herrmann dahin, daß es eine Selbst­verständlichkeit fei, jede Möglichkeit auszunutzen, die uns offen stände, um der Politik Nachdruck zu ver­leihen. Denn Deutschland fei von einem Kranz von bis au die Zähne bewaffneter Länder umgeben, vin.

Tie einzige Einheit, die ich in Ibsen entdecken tarnt, ist die seiner Verdrethheit. Worin er sich wirk­lich immer gleich geblieben ist, das ist seine voll­ständige Unfähigkeit, einen einzigen Gedanken deut­lich zu denken, ein einziges der Schlagworte, die er seinen Stücken hier und da auspinselt, zu begreifen, aus einem einzigen Vordersatz die richttge Folgerung abzuleiten. (Max Nordau. 1893).

Gerhart Hauptmann.

Schluck und Jau" undHenschel": Die rüden Albernheiten, die uns neulich unter dem Aushänge- schild eines Schimpf- und Scherzspiegels (Schluck und Jau) angefroten und die gemeine Melodramatit des Kolportagefuhrmanns Henschel.

_ (Maximilian Harden. 1900).

Frank Wedekind.

In der deutschen Literatur von heute gibt es nichts, was so gemein ist, wie die Kunst Frank Wedekinds. (Julius Hart. 1901).

Esser vor den Zentrumswählern

Die Zentrumspartei hielt am Sonntag abend ht den Bürgersälen eine Wahlversammlung ab, zu der sie Reichstagsabgeordneten Esser als Redner gewonnen hatte. Abg. Esser wies zu Beginn seiner Ausführun­gen auf die schicksalhafte Bedeutung des Wahlkampfes hin. Die Zentrumspartei kämpfe nicht in der Verteidigung, sondern in energischem Angriff, um die Politik des Kanzlers Brüning zu sichern. Ihr Gegner fei der Pessimismus, der weite Kreise erfaßt habe, seien die Stimmungen, die durch die wirtschaft­liche Notlage angefacht würden. Eine starke Front derer müsse gesammelt werden, die nüchtern die Wirk­lichkeit erkennen, die sich von den Interessen der Par­teien und Gruppen freimachten und dem Staatswohl dienten.

Wegen seines Mangels an ernstem Wollen fei der letzte Reichstag gescheitert. Der Vorwurf, daß das Zentrum das Kabinett Müller gestürzt habe, entbehre jeder Berechtigung. Bis zur Selbstaufopferung habe es feine Mission, die Brücke zwischen den staatsbeiahenden Parteien von rechts und links zu fein, erfüllt. Der Wahlkampf habe eine Annäherung zwischen Zentrum und Bayerische Volkspartei gebracht, sonst aber ' stehe alles übrige mehr oder weniger gegen die Zen­trumspartei, zumal die Hoffnungen auf die Samm­lung Der bürgerlichen Mitte, wie freilich zu erwarten gewesen fei, nicht in Erfüllung gegangen seien.

Nachdem der Redner die anderen Parteien einet kritischen Würdigung unterzogen hatte, wandte er sich gegen die Vorwürfe, die gegen das Zentrum von den politischen Gegnern erhoben werden. Das Zentrum werde nie unb nimmer bei aller Betonung bet nationalen Würbe ben Boben bet Verständi­gungspolitik verlassen. Den Kriegsgegnern müsse allerdings gesagt werden, daß sie durch ihr un­vernünftiges Verhalten Schuld an dem Wachsen bet nationalistischen Bewegung in Deuischlanb trügen. Es sei auch nicht wahr, baß bas Zentrum Diktatur­gelüste habe; es habe bis zum letzten Augenblick für eine parlamentarische Lösung gekämpft, unb die Auflösung sei nur gekommen weil sich bei der entschei­denden Abstimmung die Linke auf die Rechte unb bie Rechte auf bie Linke verlassen hätte- Ferner sei es unverantwortlich, wenn bas Zentrum bet sozialen Reaktion verbächtigt werbe. Die Reformen feien bet einzige Weg, um bas ganze soziale Werk zu retten ; wer an biefen Reformen nicht mitarbeite, müsse sich barauf gefaßt machen, baß in einMl Iaht bie sozialen Leistungen vielleicht überbaypjL nicht mehr aufgebracht werben könnten.

Abg. Esser gab bann einen kurzen Ueberblick üb eie bie sonstigen Reformpläne des Kabinetts Brüning unie ging baoei besonders ausführlich auf bas NotS opfer bet Beamten ein. Das Zentrum sei rl Ueberzeugung, baß bet Staat ohne ein betufsfreubigee Beamtentum nicht gebeihen könne,unb es werbe bie)eil Ueberzeugung stets Rechnung tragen; bas BeamtenW tum müsse aber erkennen, was es ben anberen Stan-W ben. bie nicht wüßten, ob sie morgen noch ihr ViM hätten, voraus habe, unb es werbe bann einseheM baß bas Notopfer eine moralische Pflicht eine Pflicht ber christlichen Nächstenliebe sei. Der gV rechte Ausgleich ber Interessen müsse bas oberste Gesetzt bes Handelns fein. Mit einem Hinweis auf bie kulturpolitischen Aufgaben bes Zentrums schloß ber Rebner seine sehr beifällig aufgenommenen Aus­führungen.

Drei Parteien hatten am Sonntag abend zur Wahlversammlung etngelaben: Staatspartei Deut­sche Volkspartei unb Zentrum. Die neugegrünbete Deutsche Staats Partei stellte ich in einer gut besuchten Versammlung int Gv. Vereinshaus bet Wählerschaft vor. Nach kurzen Begrüßiingsworten des Versammlungsleiters Dipl.-Kaufmann Leihner. nahm

Regierungsrat Körber

Stellung zur Gründung der Staarspartei, Es fei erfreulich baß sich bie ehemalige demokratische Partei nick ber Junddeutsche Orden in gemeinsamer Front zusammengefunden hätten, um auf gleichem Wege MM gemeinsamen Ziele zu gelangen. Dem Volke muffe klar gemacht werden, vaß bas politische Ge­schehen dem Staate seinen Inhalt gebe. Vor zwei Monaten wurde bie, Rheinlanhbefreiung gefeiert, überschattet von wirtschaftlichen und innerpolinschen Sorgen. Es gelte, jetzt endlich bie Herzen bes Vol­kes zu beleben, um Damit die Volksgenossen zusam­men zu führen. Wenn ein hervorragender Führer der Sozialdemokratie zugebe, daß seine Partei nicht im Stande gewesen sei, eine Staatsibee heraus­zustellen, so gelte das für die ganze Demokratie. Man begnügte sich bisher mit einem normalen Funk­tionieren der Demokratie und betonte habet zu viele Aeirßerlichketten. Die Seele aber würbe nicht in dem Maße erfaßt, wie man erwarten durfte.

Zu ber Frage:Sind wir ein Staatsvolk oder em Jnteresientenhaufen?" glaubt der Redner, daß das Volk als Ganzes weder das eine noch bas an­dere in unserem heutigen Staate sei. Wären wir ein Jnteressentenhausen, hätten wir die bergingenen schweren Zeiten nicht überstanden. Ein Startsvolk seien wir ebenfalls nicht, denn es hätte nicht jeder einzelne bezw. jede Partei die Verantwortung für bie getroffenen Maßnahmen übernommen. Das nüchterne Bewußtsein, dem Staat feine Gestalt zu geben, lebe in ben breiten Massen noch nicht. Dem Staat stehe man als einem komplizierten Mechanis­mus gegenüber, in dem die Bürokratie und die Finanzämter ungehindert ihr Zepter schwängen. Man fühle i«h Wohl, wenn man regiert würbe

Wo liege die große Hemmung, ben Staat leben­dig zu gestalten? In der ungesunden wirtschaftlichen Entwicklung. Die Geschichte der Republik zeige, daß wir hochkapitalistischer seien als in der Vorkriegszeit. Die Regierungen hätten mit verschränkten Armen zugeschen, weil diese Ent­wicklung zwangs lausig gewesen fein sollte. Die heu­tige Ausgabe fei, den deutschen Volksstaat zu einem Stück von uns selbst zu machen. Dazu bedürfe es der Organisierung der staatsbewußten Kräfte, um den Staat, gegen zersetzende und zerstörende Ele­mente zu schützen. Wodurch? Durch ein Reform­werk von größtem Ausmaße. Um das Hebet der Arbeitslosigkeit an der Wurzel auszurotten, müsse die Parole lauten: -Schasst Arbeit!" Nicht durch ein Notprogrmmn, sondern durch ein Arbeitsbeschaffungsprogramm auf weite Sicht. Ein weiteres Problem sei die endgültige Siegelung der Verhältnisse zwischen Reich, Ländern und Gemein­den, um das Reich von unten heraus neu aufzu­bauen. Das Problem der Reich sre syrm fei

tfmbeä nicht nur eine finanzielle, sondern eine des Reichs- und Volksgedan- kens, um d/s Einheitsbewußtsein aller Deutschen zu stärken./ Weiter behandelte der Redner bie Probleme ber Arbeitslosenversicherung, der Boden- und Wvhnnitgsresornt, der kommunalen Ausgaben, der Ostsiedlung und Agrarpolitik und der Wahl­reform. Es sei unbedingte Ausgabe der Staatspatiei den Staaksgedanken zu Vertreten, die staatsbürger­lichen Elemente zu sammeln und sich mit allerEnergie für das obige Reformwerk einzusetzen.

Fräulein Erna Machold sprach über die Stel­lung unb Aufgabe der Frau im Staate. Es gelte, unter den Anschauungen der vergangenen Zetten restlos aufzuräumen. Dringende Reformen täten Not, um den Frauen eine wirkliche Heimat zu schas­sen. Mit Hingabe und Freudigkeit müsse sich bie Fran für ben Staat einsetzen. Als letzter Redner sprach der

stellvertretende Ordenskanzler des Jung­deutschen Ordens Mojar a. D. Herrmann-Berlin-

Er unterstrich die Ausftihrungen seiner Vorredner. Die Staatspartei sei die logische Folgerung der poli­tischen Entwicklung der letzten Jahre. Die heutige

.Heute nachmittag ist eine Gruppe halbwüchsiger urschen plötzlich vor ben Häusern, in denen die Re­ktionsräume ber in Lodz erscheinenden deutschen geblätterFreie Presse" undLodzscher Volks- tung untergebracht sind, erschienen. Es wurden ifter eingeschlagen. Eine zweite Gruppe Demonstranten ist unerwartet vor dem Hause er­neu, in dem das deutsche Konsulat unter« cht ist. In diesem Hause wurden mehrere Mkster in den Privatwohnungen eingeschlagen. In eiben Fällen schritt die Polizei sofort ein und ver­hinderte weitere Ausschreitungen. Die Untersuchung der Fälle wurde unverzüglich energisch eingeleitet

Strafanträge im Opel-Prozeß. Im Opel-Prozeß stellte der Staatsanwalt folgende Strafanträge: Gegen den Angeklagten Junge und Stumpf wegen Landsriedensbruch in Tateinheit mit Hausfriedens­bruch 6 Monate, eine Woche Gefängnis, gegen die Angeklagten Maurer, Wetdamer, Albus, Treusch und Hahn wegen LanÄftiedenSbruch je 6 Monate Ge­fängnis. Gegen den preußischen Landtagsahgeord- neten Müller beantragte er 14 Tage Gefängnis. Gegen die Angeklagten Greiss und Henrich bean­tragte er Freispruch.

linier diesem Titel gibt Rudolf R. Goldschmidt, selbst Kritiker, soeben im NielS Kamvmann Verlag in Heidelberg ein höchst amüsantes Buch heraus. Dichter, Maler und Musiker, die langst in die Un­sterblichkeit eingegangen sind, erscheinen hier im Hohl­spiegel der sehlurteilenden Zeitgenossen. Das lesens- merte Buch, aus dem wir nachstehend einige Proben bringen, ist ein nachdenklich stimmendes Dokument menschlichen Irrens.

I. S. Bach.

Dieser große Mann würde die Bewunderung ganzer Nationen fein, wenn er mehr Annehmlichreit hätte und wenn er nicht seinen Stücken durch ein schwülstiges und verworrenes Wesen das Natürliche entzöge und ihre Schönheit durch allzu große Kunst verdunkelte . Wett er nach seinen Fingern urteilt, so sind seine Stücke überaus schwer zu spielen, wenn er verlangt, die Sänger und Instrumentalisten sollen durch ihre Kehle und Instrumente eben das machen, was er auf dem Klaviere spielen tarnt. Me Ma­nieren, alle kleinen Auszierungen und alles, was man unter der Methode zu spielen versteht (General­baß), drücket er mit eigentlichen Noien aus, unb das entzieht feinen Stücken nicht nur die Schönheit brr Harmonie, sondern es machet auch den Gesang durch aus unvernehmlich. Kurz, er ist in der Musik das­jenige, was ehemals der Herr von Loheastcin in der Poesie war.

(I. A. Scheide inDer Crittsche Musikus 1737).

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