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Hummer 199*
Dienstag, 26. August 1930
20. Jahrgang
Das Kabinett berät die Finanzreformpläne
Abschluß der Beratungen bis Donnerstag / Ergebnislose Verhandlungen im ^uhrbergbau / Englische Einladung zu einer Kohlenkonferenz
Kein Wahlaufruf der Regierung
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
th. Berlin, 26. August.
Bevor der Reichskanzler, wie die meisten seiner Ministerkollegen in der zweiten Hälfte dieser Woche Berlin verläßt, um sich aktiv am Wahlkampfe in zahlreichen Städten des Reiches zu beteiligen, will das Kabinett noch die Grundzüge der Finanz- und Steuerreform verabschieden, wie dies auf dem Gebiete der Wahlreform.bereits in der vorigen Woche geschehen ist. Allerdings wird es sich bei der Finanzreform nicht um den weitgespannten Komplex handeln, der seinerzeit den Plänen und Vorschlägen des Finanzministers Dr. Moldenhauer zugrunde lag, sondern man wird sich aus ein weit engeres Gebiet beschränken. So wird z. B. von einer Senkung der Einkommensteuer oder ähnlichen Weitgreisenden Maßnahmen zunächst nicht die Rede sein können.
Das Kabinett will versuchen, aus denjenigen Gebieten, auf denen ohne allzu umfangreiche und langwierige Vorbereitungen in verhältnismäßig kurzer Zeit etwas Positives und Praktisches geschehen kann, einige Entwürfe auszuarbeiten und den parlamentarischen Körperschaften vorzulegen, ohne sich auf Projekte einzulaflen, deren Durchführung im Augenblick sowohl aus finanziellen als auch praktischen Gründen nicht möglich sein würde. Unter diesen Umständen kommt als Gegenstand der Steuerreform wahrscheinlich in erster Linie da^Gebiet der Realsteuern in Betracht, und man hofft vor allem, in der Gewerbesteuer erhebliche Senkungen eintreten lasten zu können. Ueber den Ausgleich ist etwas Bestimmtes noch nicht festgesetzt.
Jedoch wird man vermutlich auch hier zu einer Steuer greifen, die schon jetzt für Gemeinde und Länder besteht und nur zum Teil für ihren ursprünglichen Zweck ausgenützt wird, so daß unter Umständen daraus die erforderlichen Mittel zum Ersatz der bei einer Senkung der Gewerbesteuer fehlenden Beträge genommen werden könnte. Weitere Einzelheiten über dieses Projekt lassen sich im Augenblick schon um deswillen nicht sagen, weil das Kabinett erst im Laufe des heutigen Tages sich darüber schlüssig werden wird, welchen Weg man bei der Steuerreform beschreitet.
Die Sozialdemokraten machen bereits jetzt Opposition; der »Vorwärts" behauptet heute, es werde sich bei der Finanzreform des Kabinetts Brüning um eine Erhöhung der Lohnsteuer und um eine Beseitigung der Lohnsteuererstattung handeln. Diese Vermutungen gehen nach unseren Informationen durchaus in die Irre, vielmehr werden sich die Vorschläge des Kabinetts, wie bereits erwähnt, auf dem Gebiete der Realsteuer bewegen.
Die Beratungen des Reichskabinetts werden hegte wahrscheinlich schon am Vormittag beginnen »und den ganzen Tag über, vermutlich auch morgen noch andauern. Das Kabinett möchte gern noch zu einem Abschluß kommen, um mit einer Veröffentlichung über die Finanz- und Steuerreform, seine Arbeiten vor dem letzten Stadium des Wahlkampfes sozusagen abzuschließen.
Man verspricht stch in Regierungskreisen von diesen Beschlüffen und Veröffentlichungen eine beffere Wirkung auf die Wählerschaft, als es durch einen Wahlaufruf der Regierung geschehen konnte.
von dem nun wohl endgültig Abstand genommen worden ist.
Das Kabinett wird stch gerade in Finanzfragen allerdings wohl nur mit Veröffentlichungen und Ankündigungen grundsätzlicher Natur begnügen müssen, denn die Einzelberatungen werden dann die Arbeit der Ressorts im Finanzministerium sein, wo man sich im übrigen bereits mit der Aufstellung des kommenden Etats für 1931 beschäftigt, der selbstverständlich, entsprechend den Ankündigungen des Finanzministers, nach den Grundzügen strengster Sparsamkeit ausge- arbeitet werden mutz.
Paris und die Korridorfrage
Erkenntniffe der französisch»« Linkspreste.
Paris. 26. August.
Es vergeht kein Tag, in dem nicht wenigstens eins oder zwei der großen Pariser Blätter sich mit der deutschen Außenpolitik beschäftigen, um die Feststellung zu machen, daß die deutschen Revision s- f o r d e r n n a e n nicht von einer Einzelpartei, sondern ohne Unterschied der Parteien, vom ganzen deutschen Volke vertreten würden.
Das »Journal des Debats" meint, man habe geglaubt, daß Deutschland als Gegenleistung für die zahlreichen Zugeständnisse, die man ihm machte, wenigstens provisorisch die gerechten (?!) Aende- rungen anerkennen würde, die sich in Europa vollzogen hätten. Wenn Deutschland von einem Kampfe für das Recht spreche, so sage es die bewußte Unwahrheit, denn die Aenderung der deutsch-polnischen Grenze bedeute nichts weniger, als eine Vergrößerung und Steigerung des Sreites, der darin bestehen würde, urpolnische (?) Bezirke dem Reiche ein- zuverleiben. Der .Temps" ist derselben Auffassung und zieht aus der gegenwärtigen Lage die Schlußfolgerung, daß die deutsche Regierung von morgen, ob sie durch Brüning oder irgendeinen anderen Kanzler Vertreter würde, der augenblicklichen Strömung Rechnung tragen müsse. Besonders dann, wenn die Zusammensetzung des neuen Reichstages ebenso ungleich werde wie die des alten, müsse die Regierung besonderen Wert auf außenpolitische Fragen legen, damit sie ihre bestimmte Mehrheit im Reichstage findet, mit der sie auf innerpolitischem Gebiete arbeiten könne.
In den Aeußerungen, soweit sie die Linkspresse betreffen, kommt jedoch die Auffassung zum Vorschein. daßdiedeutschenForderungennicht so ungerechtfertigt erscheinen, wie man dies dem französischen Volke und der ganzen Welt gern glauben machen möchte. Der „Q u o t i d i e n" betont, daß die Frage des Danziger Korridors nur durch eine schiedsgerichtliche, internationale Rechtsprechung geregelt werden könne. Der Völkerbund, so erklärt das Blatt, werde wohl oder übel eines Tages den deutsch-polnischen Streitfall auf frieblidtem Wege erledigen müssen.
Die „B o l o n t e" wendet sich gegen jede gewaltsame Aenderung der Grenzen, die außerdem nicht in der Absicht Deutschlands liege, erkennt aber an, daß es eine LügeinderKriegsfchuldfrage gibt, von der man aber nicht sprechen dürfe, ohne Verwirrung zu schaffen, weil sie im Versailler Vertrag nie» dergelegt worden sei.
Deutsch-englische Kohlenkonferenz?
(Eigene Drahimeldung.)
London, 26. August.
„Daily Herold" meldet: Das Arbeitsminitzerium hat Vertreter Deutschlands zu einer im nächsten Mo not abzuhaltenden Konferenz in London eingeladen, um über die Frage der Arbeitszeit im Bergbau zu verhandeln, in der bei der im übrigen erfolgreichen Genfer Besprechung keine Einigung erzielt werden konnte. Es verlautet, daß die Gelegenheit vielleicht auch dazu benutzt werden wird, um eine Ver» einbarung über den internationalen Marktplan zu erörtern.
Der Bergbausekretär Shinwell und die hohen Beamten des Bergbauamtes glauben, daß ein Abkommen über die Arbeitsstunden nur dann in Anwendung treten kann, wenn es von einem Plan zur Re- gelung des Kohlenhandels auf dem Exportmarkte begleitet ist. Die britischen Bergwerksbesitzer sind zwar »och nicht genug organisiert, um bestimmte Pläne aus
zustellen. Aber die Hervorragendsten unter ihnen sehen ein. daß das Problem in Angriff genommen werden müsse. Die neue - Bergwerks-Akte wird die Grubenbesitzer zwingen, den Jnlandsmarkt zu organisieren und daraus könnte sich dann eine Organisation entwickeln, die das internationale Problem behandelt.
Oie Lohnkämpfe im Ruhrbergha u
Essen, 26. August.
Ueber die T a r i f v e r h a n d l u n g e n, die em Montag zwischen den Zeche irverbänden und den Bergarbeitergewerkschaften ftattfariben, wird u. a. folgendes bekannt:
Die Unternehmer-Dertreter begründeten die K ündigung der Lohntarife mit dem Hinweis, aus die Wirtschaftskrise uns die Notwendig
keit eines Preisabbaues. Die Senkung des Preisstandes könne nur in Verbindung mit einer Herabsetzung der Gestehungskosten erfolgen. Ein Lohnabbau sei umsomehr erforderlich, als auch der Kohlenabsatz sich in den letzten Monaten erheblich verschlechtert habe, die Kosten aber die gleichen geblieben seien. Da eine Serckung der Selbstkosten bisher noch mcht eingetreten fei, so hielten die Zechenverbände einen Abbau der Löhne um 10 v. H. für erforderlich. Im Falle der Nichtberücksichtigung dieser Forderung würde ein Weiterer Abbau der Belegschaften unvermeidlich fein.
In Erwiderung dieser Darlegungen betonten die Gewerkschafts-Vertreter, daß ein Abbau der Kohlenpreise nicht mit einem Lohnabbau verbunden zu werden brauche. Gerade bei der Ruhrkohle feien große Handelsspannen vorhanden, die eine Senkung der Preise ohne Lohnabbau ermöglichten. Die Bergarbeiter «hätten int Gegenteil ein Recht aus Lohnerhöhung, zumal sie durch die außergewöhnlich hohe Zahl von Feierschichten in große Not geraten seien. Die Bergarbeitervertreter forderten daher eine Lohnerhöhung von 50 P f g. pro M->nn und Schicht..
Da eine Einigung nicht erzielt werde« konnte, wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Die anschließenden Schlichtungsverhandlungen blieben ebenfalls ergebnislos und wurden auf den 4. September vertagt.
„Oer befrackte Diener
des Weißen Hanfes"
Neuyork, 26. August.
Rach Meldungen aus Santiago de Chile glaubt man in offiziellen Kreisen, der Kreuzer „Almirante Grau" mit Präsident Leguia und dessen Familie befinde sich noch in Cannao. Meldungen, wonach der Kreuzer in Richtung Panama fuhr, werden hier bezweifelt. Wie verlautet, lehnte Oberst Sanchez Cerro, der Führer der Jnsurgentenbewegung Südperus, die Einladung der Junta, nach Lima zu kommen, ab. Cerro erklärte, er betrachte die Junta als eine Schöpfung Leguias, und er begnüge stch daher vorläufig mit d^r Organisierung Südperus.
Die neut Regierung von Peru hat, wie die Western Union bekauntgibt, für alle Kabeltelegramme nach Südperu die Zensur eiugeführi. Chiffresendun
gen sind verboten. Nach Meldungen aus mehreren Staaten Lateinamerikas hat die Jnsurgentchn- bewegung Südperus beifällige Aufnahme Gefunden. Nach einem Telegramm der Afsoeiated Preß aus der Stadt Mexiko beglückwünscht „El Universal Grafieo" das Volk von Peru zum Sturz Leguias, der ein »befrackter Diener des Weißen Hauses" gewesen sei.
In G u y a q u i l (Ecuador) wurden die Extrablätter mit den Nachrichten über Leguias Sturz mit Begeisterung ausgenommen. Durch Umzüge wurden die weiteren Nachrichten vom Fortschritt der Revolution gefeiert.
Nach Meldungen der Associated Preß aus 8 a P a z (Bolivia) nahm die Bevölkerung, die kürzlich erst selbst eine Revolution durchmachte, die Nachrichten von der Erhebung Perus mit Begeisterung auf.
Bombenattentat in Kalkutta
Auf den Polizeidirektor. 1
Kalkutta, 26. August.
Auf den Pollzoidirettor von Kalkutta, Sir Charles Tegart ist ein Bombenattentat verübt worden. Dahei ist einer der Täter ums Leben gekommen. Man fand bei ihm Bomben und einen Revolver. Ein anderer Inder, der gleichfalls verletzt war, wurde von der Polizei verhaftet. Er trug einen Revolver und eine Bombe bei sich und gab an, Student der Rechte zu fein. Ein dritter an dem Attentat beteiligter Mann ist entkommen.
Geheimpolizei und indische Soldaten nahmen im Saufe des Tages eine Anzahl Haussuchungen vor. Um Mitternacht wurden in einer Studentenherberge fünf Studenten und zwei andere Personen verhaftet. Zn einem der durchsuchten Häuser soll eine Liste mit den Namen der Mitglieder einer terroristischen Organisation gesunden worden sein, die Attentate in Kalkutta und ganz Bengalen plante.
70 Todesopfer in Lübeck
Noch 60 Kinder krank.
Lübeck, 26. August.
Am heutigen Dienstag vormittag berichtet das Lübecker Gesundheitsamt abermals von zwei weiteren Todesfällen unter den mit dem Calmette-Präpa- rat geimpften Säuglingen. Damit sind jetzt im ganze« 70 Todesfälle zu verzeichnen; krank sind noch sechzig Kinder.
Krauen au her Wahlurne
Wen wählt die Frau?
Es ist eine alte Erfahrung — die jeder aktive Politiker bestätigen wird — daß vielmehr als die wahlberechtigten Männer die Frauen ihre besonderen Lieblinge unter den Parteien ha>ben und daß die Wahl- beieiligung der weiblichen Wählerschaft den Kandidaten in sehr ungleicher Weise jugute kommt.
Extreme Gedanken stoßen bei den Frauen im allgemeinen auf wenig Gegenliebe. Beliebt sind dagegen in der Frauenwelr ausgesprochen kqnservative Parteien. So wäre z. B. das Zentrum mit etwa 12 Sitzen weniger in dem aufgelösten Reichstag vertreten gewesen, wenn 1928 das Wahlrecht für Frauen noch nicht bestanden hätte. Auch die Deutschnätionalen hätten etwa g Mandate weniger gehabt, die Volkspartei 2 die Kommunisten dagegen 8 mehr, ein Beweis dafür, daß die Wählerschaft der letztgenannten Gruppe sich nur zum kleinen Teil aus Frauen zusammensrtzt.
Auffallend ist auch, daß gerade die politischen Gruppen, die sich feit Fahren schon für das Wahlrecht und die Gleichberechtigung der Frau eingesetzt haben, verhältnismäßig wenig .^weibliche Stimmen" erhielten. Es ist dies sicherlich nicht weibliche „Undankbarkeit", sondern entspringt wohl dem Umstand, daß die Politik dieser Parteien in ihrer Aktivität mehr Männer^ache ist, während beispielsweise die Ziele des Zentrums oder evangelischer Gruppen dem Fühlen der Frau viel näher liegen!
Wieviel Frauen wählen?
Es ist natürlich vollkommen ausgeschlossen, heute schon zu sagen, wieviel Frauen am 14. September zur Wahlurne schreiten werden, um ihre seit dem 12. November 1918 bestehenden Staatsbürgerrechte auszuüben. Eines aber kann wohl prophezeit werden:
Daß sich keinesfalls wieder eine so starke Wahlbeteiligung der Frauen erreichen lassen wird, wie bei den ersten Wahlen der dmitschen Republik. Damals war das Wahlrecht (das für den politisch denkenden Menschen eine sehr ernste Pflicht ist) für die Frau noch Ausdruck einer neuen Freiheit, die sie sich in jahrelangem erbitterten Ringen erkämpft harte. Und
daher war es auch verständlich, daß die ersten Wahlen tatsächlich entscheidend beeinflußt wurden von der weiblichen Wählerschaft.
Dieser Drang zur Wahlurne hat selbstverständlich langsam wieder nachgelassen. Die Frau ist nun doch wohl „unpolitischer" als der Mann! Und gerade in ihren Reihen hat sich natürlich die Wahlmüdigkeit bemerkbar gemacht, die bei den Wahlen zu dem verflossenen Reichstag manchen Parteien eine empfindliche Lücke riß.
Leider haben die leitenden Stellen es versäumt, statistisches Material über die Wahlbeteiligung der Frauen zu sammeln. Rur in vereinzelten Bezirken hat man Zählungen vorgenommen, die aber ein klares Bild nicht ergeben. In Berlin waren bei den Reichs- tagswahlen im Fahre 1928 unter 2 550 096 Wählern 1 179 525 Männer und 1320 571 Frauen: noch ungünstiger war das Verhältnis in Hessen, wo 322 326 Männer und nur 279 317 Frauen mr Wahlurne schritten. Die Wahlbeteiligung der Frauen ist also außerordentlich gering gewesen, d-nn man darf hierbei nicht vergessen, daß es im deutschen Reichsgebiet rund 2 Millionen Frauen mehr gibt als Männer . . .
Wahlrecht ist Wahlpflicht!
Rach den bisher vorliegenden Berichten aus dem Reich scheint dieses Mißverhältnis bei der Wahlbeteiligung am 14. September noch größer zu werden. Ist die Wahlmüdigkeit an sich schon groß, so ist sie in den Reihen der Frauen geradezu erschreckend!
Es erscheint uns daher als besondere Pflicht, mit allem Ernst zu betonen, daß mehr als bei vorhergehenden Wahlen das Schicksal des deutschen Volkes am 14. September in die Hand auch der Frauen gelegt (st! Genau wie der Mann haben sie nicht nur die Möglichkeit, sondern die sehr ernste Pflicht, die Zukunft des deutschen Dvikes zu beeinflussen nach ihrem Willen.
Nicht durch die Aeußerung der Unzufriedenheit und durch ständige Mäkelei wird irgend etwas besser oder anders bei uns! Sondern allein durch die Ausübung des mühsam erkämpften Wahlrechts, das eine Pflicht dem ganzen Volke, dem Staate und der heranwachsen- ben Generation gegenüber ist. WJS,