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Nummer 196*

Freitag, 22. August 1930

20. Zahr^n-

Hessische Abendzeitung

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Kasseler Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

BrüningsPropaganda der Tai"

Kein Wahlaufruf -er Reichsregierung / Ltnsinnige Gerüchte um das Wehrministerium / Frankreichs Delegation für Genf

Das böse Gewissen

Von Dr. Paul Rohrbach.

Zwischen dem Ende derKöniglichen Republik" Polen im Jahre 1795 und der Aufrichtung des heuti­gen polnischen Staates durch die Entente im Jahre '1919 liegen 136 Jahre. Während dieser Zeit war Po­len zerteilt unter Rußland, Preußen und Oesterreich. Es jst nicht überflüssig, sich daran zu erinnern, daß dte p o l n i s ch e n T e i l u n g e n ursprünglich ein Ver­teidigungsmittel Preußens und Oesterreichs gegenüber Rußland war. Schon Peter der Große hatte ein Auge auf die westliche Ostsee geworfen. Seine Soldaten mar­schierten während des Nordischen Krieges rücksichtslos durch das preußische Pommern, um Schwedisch-Pom­mern anzugreifen. Danzig kam hart an einer russischen Okkupation vorbei. Während des Siebenjährigen Krie­ges war Ostpreußen jahrelang in russischer Hand; die Zarin Elisabeth, Friedrich des Großen bitterste Fein­din, betrachtete es schon als ihr Eigentum. Polen wurde von den Stuften ohne weiteres als Operations­basis benutzt. Katherina II. wollte ganz Polen ein­fach mit Rußland vereinigen. Ostpreußen wäre damit von einer fremden Großmacht umklammert und kaum zu halten gewesen. Da schritt Friedrich ein, verstän­digte sich mit Kaiser Josef II. und nötigte Ruß­land, wenigstens auf den Teil der polnischen Beute zu verzichten, der das Verbindungsstück zwischen Ost­preußen und dem übrigen Körper des preußischen Staa­tes bildete.

Die Polen sagen, dieses Zwischenstück, Pommerel­len die spatere Provinz Westpreußen, sei altes pol­nisches Land und habe nie vorher zu einem Deutschen Reich gehört; das polnische Volk habe hier von An­fang an seine Sitze bis ans Meer gchabt. Beides ist falsch. Westpreußen oder Pommerel­len ist nie von Polen bewohnt gewesen, sondern von einem slawischen Volk, das mit den früheren Be­wohnern Pommerns verwandt war und von dem noch Reste, die Kaschuden, existieren. Die Kaschu- ben sind keine Polen; ebensowenig ist ihre Sprache polnisch. Pommerellen hatte im Mittelalter eigene Herzöge slawischer Nationalität, die sich mit den pol­nischen Königen und Deilfürsten abwechselnd schlu­gen und vertrugen. Ihr Land reichte von der Per- sante, im heutigen Hinterpommern, bis an die Weich­sel, wo die Herzöge die von deutschen Kaufleuten ge­gründete Stadt Danzig als einen Platz, von dem sie gute Einkünfte hatten, zwar nicht besaßen, aber be­günstigten. Im Jahre 1295 starb das Herzoghaus aus. 1309 teilten sich die Preußischen Orden und Brandenburg in das Land. Brandenburg nahm das kleinere, westliche Stück, heute ein Stück Hinterpom­mern; der Orden das größere, ösüiche. Polen verzich­tete durch einen besonderen Vertrag auf seine An­sprüche.

Der Ordens st aat war ein Glied des alten Deutschen Reiches. Von 1309 bis zum zweiten Frie­den von Thorn, 1466, war also auch Pommerellen deutsches Reichsgebiet. In diesen anderthalb Jahr­hunderten hat der Orden viele deutsche Sied­ler ins Land gezogen und deutsche Ortschaften angelegt. Wenig berührt von der Germanisierung blieb die sandig-waldige Mitte des Landes, die ^^fler Heide Sie ist sehr dünn bevölkert, mit nur 15 bis 20 eeelen auf den Quadratkilometer. Auf einer Nationalitaienkarte erschien sie von jeher als em slavisch gefärbter Fleck zwischen den beiden Bän- d^n deuischer Besiedelung, die sich nördlich und siid- biAt»°hb^Oflen Uni> bie künf- bis sechsfache Volks- .Es 'st auch falsch, anzunehmen, in den Jahrhun- berten der polnischen Herrschaft von 1466 bis 1772 Pommerellen eingewandert. ^a«-r»anb Iam furchtbar herunter, aber die deutsche Bevölkerung erhielt sich zum Teil, und dieser Rest war iwch vorhanden, als das Land an das friederi- cianifche Preußen kam. Man kann also einfach sagen, daß Pommerellen politisch rund 300 Jahre zu Deutschland und ebensolange zu Polen gehört hat, daß es ethnographisch niemals polnisch gewesen ist, und daß die Zetten polnischer Herrschaft ein Ruin, die der deutschen eine Wohltat für das Land waren.

Der Niedergang offenbart sich auch heute. Die wirtschaftlichen Verbindungen sind zerschnitten, Han­del und Gewerbe in den Städten sind bankerott, und die Stimmung unter der kaschubischen und selbst unter der jetzt zugewanderten polnischen Bevölke­rung tft gegen Warschau so gereizt wie möglich. Aus den Steuern von Pommerellen wird teils der neue Hafen von Gdingen bezahlt, teils dienen sie zur Füllung östlicher Löcher.

Es war und ist noch heute polnische Politik, aus den Weichselstädten Thorn, Graudenz und Brom- berg (an dem Weichselzufluß Braches aus Pomme­rellen und dem Netzegebiet soviel w«e möglich Deutsche zu verdrängen und die Auwanderung von Polen zu fördern. Das ist zu emem großen Teil gelungen. Pommerellen, die Weichselniederung und der Netzegau bilden das eigentliche Korridor- gebiet. Dadurch, daß man Deutsche enteignet und

znm Abwandern zwingt, zerstört man aber nicht Deutschlands Ansprüche auf ein Land, in dem nie eine andere Kultur etwas geschaffen hat außer der deutschen, das in den Jahrhunderten seiner Zuge­hörigkeit zu Deutschland geblüht hat und in der pol­nischen Zeit das äußerste Bild der Verwahrlosung bot, und das ein unentbehrliches Verbindungsglied zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reich bildet.

Es ist sicher kein Zufall, daß auch im Auslande, in Frankreich und England, vernünftige und über­legende Menschen die deutsch-polnische Grenzfrage und das Korridorpröblem als unerledigt betrachten. Es rührt auch nicht nur vom Blick auf Die Karte her, der die Zerreißung Deutschland offenbart, sondern es kommt auch davon, daß die Ausländer in diesem einen Punkt wenigstens einet ganz einheitlichen und geschlossenen deutschen öffentlichen Meinung begegnen. In den westlichen,demo­kratischen" Ländern macht das politischen Eindruck, und wenn die neueste amtliche polnische Erklärung sagt, friedliche Revision sei ein Beweis -der Un­wissenheit »der des bösen Willens" so ist darauf nur zu erwidern, daß der polnische Lärm e t n B e- weis der Sorge und des bösen Gewissens ist.

politisches Attentat in Spanien

Madrid, 22. August.

In Valencia wurden auf offener Straße auf den ehemaligen Präsidenten der Patriotischen Union Del- gado 5 Revolverschüft« abgegeben. Delgado wurde schwer verletzt. Man nimmt an, daß es jtch um em politisches Attentat handelt.

pariser presse wieder in Erregung (Eigene Drahtmelduvg.)

Paris, 22. August.

Die in der französischen Presse verbreitete Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des Generals Heye und die Wiedergabe der in diesem Zusammen­hänge veröffentlichten deutschen Kommentare veran­laßt die meisten Blätter zu neuen Ausfällen gegen Deutschland. Vor allem die Deutung eines Berliner Abendblattes, wonach General Heye den Rechtskreisen ein zu treuer Anhänger der Repu­blik sei, während sein Nachfolger von Hammerstein wesentlich andere Ziele verfolge, wird hier redlich ausgenützt.

DasOeuvre" spricht von bedeutenden militä­rischen Umwandlungen. Auch dasJournal" hebt die Bedeutung des bevorstehenden Wechsels im Ober­kommando hervor. Das Blatt versucht, zwischen diesem Ereignis und den in letzter Zeit immer wieder ausge­tauchten Gerüchten von einer bevorstehenden Dikta­tur in Deutschland eine Parallele zu ziehen.

Auch dasEcho de Paris" spricht von der für Frankreich so gefährlichen Bewegung in der Reichs­wehr, falls Generalmajor von Hammerstein Heyes Nachfolger werde. DerExcelsio r" betrachtet Ham- merstem als den erfolgreichsten Verfechter einer ak­tiven Zusammenarbeit der Reichswehr mit der Roten Armee. Er sei diejenige deutsche Militärperson, die sich am häufigsten nach Rußland be­

geben habe. Auch dieEr« Nouvelle" vertritt diese Auffassung und fügt hinzu, daß von Hammerftein ein entschiedener Gegner der Locarnopolitik sei und alle Hebel für ein d e u t s ch - r u s s i s ch e s M i l i t ä r» bündnis in Bewegung setze.

Die nachfolgende Meldung ist die beste Antwort auf diese neuen antideutschen Ausfälle der Pariser Presse:

Groener dementiert

th. Berlin, 22. August. 1

Die Gerüchte über ven bevorstehenden Rück­tritt des Generalobersten Heye haben de« Reichswehrministerium Anlatz zu einem geharnisch­ten Dementi gegeben.

Dieses Dementi erstreckt sich vor allem darauf, daß in Berliner Blättern behauptet worden war, innerhalb des Reichswehrministeriums bestünde eine Gruppe von Generälen, die mit Hilfe sowjetrussi­scher Truppen das verlorene Gebiet im deut­schen Osten wieder gewinnen wollte«, und datz iu- folgedesscn politische Meinungsverschiedenheit«, in­nerhalb der Reichswehr zum Rücktritt Heyes fühyen würden. Der Reichswehrminister weist mit grosser Entschiedenheit darauf hin, daß seine Polittt ledig­lich vom verantwortlichen Ministerium und von nie*

Kartellpreise und Reichskabinett

(Von unserer Berliner Schriftleitung.)

th Berlin, 22. August.

Das Reichskabinett setzt seine Arbeiten auf dem Ge­biete der Reform-Entwürfe eifrig fort. Nach der in­zwischen erfolgten Veröffentlichung des Entwurfs über die Wahlreform wird das Kabinett sich heute ein­gehend mit den Grundfragen der Finanz- r e f o r m beschäftigen und außerdem voraussichtlich zu den bekannten Empfehlungen des Reichswirtschafts- rates über die eventuelle Beseitigung bestimmter kar­tellierter Preise beraten. Es ist anzunehmen, datz zu dieser letzten, besonders wichtigen und aktuel­len Frage ein Bcschlutz des Kabinetts heute veröffent­licht werden kann.

Wie das Kabinett dieses brennende Problem der P r e is g e st a l t u n g in der Praxis behandelt, geht vor allem aus den bereits gemeldeten Bestrebun­gen hervor, die die Reichspost bei der Vergebung ihrer umfangreichen Aufträge von 200 Millionen Mark un­ternommen hat. Der Zusammenhang zwischen diesen praktischen Verordnungen und den theoretischen Er­örterungen über die Gestaltung der Kartellpreise ist nicht zu verkennen. Ebensowenig aber kann man an der Tatsache Vorbeigehen, datz das Reichskabinett alle diese Beratungen und Veröffentlichungen unzweifel­haft in den Rahmen der aktiven Wahlpropa­ganda hineinstellt, und datz Wahlreform, Finanz­reform und Preisgestaltung einige der wichtigsten Fra­gen sind, in denen die Reichsregierung durch ihre posi­tiven Beschlüsse auf den Gang des Wahlkampfes Ein­fluß zu nehmen sucht.

Jedenfalls wird von der Regierung offen zugege ben, datz sie von der Vorlage dieser Resormpläne be­sondere propagandistische Wirkungen erwartet. Man spricht dies in der Form aus, datz die Regierung lie­ber eine Propaganda der Tat betreibe, als daß sie sich zu der Veröffentlichung eines W a h l a u f - r u f es entschlietze. Damit werden die schon gestern von uns angezweifelten Behauptungen widerlegt, datz die Regierung beabsichtige, einen Sammelaufruf für die Reichstagswahl herauszubringen. Die Regierung scheint auch durch das Schicksal, welches verschiedene andere Aufrufe (siehe auch Seite 2!) erfahren haben, gewissermatzen gewarnt zu sein, sodatz sie wohl kaum noch Neigung haben dürfte, sich auf das schwierige und wenig erfreuliche Gebiet der öffentlichen Aufrufe zu begeben.

Nochmals von Olbenburg-Zanuschau

Berlin, 22. August.

Zu den Meldungen, über seine Unterredung mit Minister Schiele veröffentlicht Herr von Oldenburg- Junuschau auf vorn Wege über seinen Landesverband folgende Erklärung:

L Ich habe auf der Durchreise durch Berlin eine kurze Unterredung mit dem Herrn Ernährungsmini­ster Dr. h. c. Schiele gehabt, den ich seit Jahren zu kennen den Vorzug besitze. Ich wollte mich infor­mieren über die voraussichtlich« Geftaltung der Preifc unserer landwtrtjchajtlichen Produkte und die Form

und das Ausmaß der für Ostpreußen geplanten Hilfs­maßnahmen. Zu politischen Verabredungen war ich weder befugt noch beauftragt.

2. Es ist falsch, daß ich mit dem Herrn Geheim­rat Hugenberg über eine Aenderung der Liste für Ostpreußen verhandelt habe. Ich habe mich um die Liste nicht gekümmert, da ihre Zusammenstellung nicht mich angeht, sondern Sache der Parteileitung ist.

3. Ich habe die Spitzenkandidadur der Deutschna­tionalen Volkspartei für Ostpreußen angenommen, da ste mir unter Berufung auf mein Pflichtgefühl und in der Hoffnung abverlangt wurde, in meiner Hei- matprovtnz dadurch einer noch größeren Zersplitte­rung vorzubeugen.

Lord y Abernon über Strösemann

London, 22. August

DerManchester Guardian" veröffentlicht aus dem dritten Bande der Erinnerungen Lord d'Abernons den Abfchnitt, in dem der ehe­malige englische Botschafter in Berlin feine Bezie­hungen zu Stresemann im Jahre 1921 begonnen habe, als Stresemann auf die englische Botschaft gekommen sei, um ihm vier Fragen von weltpoli- ttscher Bedeutung vorzulegen. Die Fragen seien so klar abgefaßt gewesen, daß d'Abernon zweifelte, ob England darauf antworten würde. Lord Curzon, der damalige englische Außenminister, ebenso tem­peramentvoll in Rede und Schrift wie Stresemann, habe aber sofort die Bedeutung der Fragen erkannt, und sie ebenso offen beantwortet, tote sie gestellt waren.

Der schwerste Entschluß, den Stresemann zu fas­sen gehabt habe, fei der Abbau der passiven Resistenz an der Ruhr gewesen. Stresemann habe erwartet, daß als Ergebnis dieses Schrittes eine Erleichterung für die Industrie Westdeutsch­lands eintreien werde. Poincars habe aber den Verständigungsfreunden in Deutschland eine schwere Enttäuschung bereitet. Trotzdem fei Stresemann konsequent geblieben in seiner Politik, eine Rege­lung z wisch-» Deutschland und Frankreich unter ver­nünftigen Bedingungen herbeizuführen.

Zum Schluß hob dÄbernon hervor, daß Strese­mann den größten Anteil an dem Erfolge der Frie­denspolitik der letzten Jahre habe, denn er hab« viel größere Fähigkeiten besessen, auf die öffentliche Meinung seines Landes einzuwirken als Briand oder Chamberlain. Stresemanns hervorragende Eigenschaft fei, fein persönlicher Aut gewesen. Im Jahre 1925 hätte kaum eine Lebensversicherungsge­sellschaft gefunden werden können, die eine Police auf das durch Attentate gefährdete Leben des deut­schen Staatsmannes abgeschloffen hätte. Strese­mann war, so schließt der Lord, Deutschlands klüg­ster und mutigster politischer Berater. (D'Abernons Erinnerungen erscheinen demnächst auch in einer deutschen Ausgabe im Paul List-Verlag, Leipzig. Wir werden auf bie Neuerscheinung noch zurück­kommen.) ,

mand anders bestimmt werde.

Diese klare und feste Erklärung wird auch von der Opposition offenbar mit Genugtuung zur Kennt­nis genommen. Der .Vorwärts" stellt heute fest, es sei natürlich blanker Unsinn, wenn man behaupte, daß gewisse Stellen im Reichswehrministe­rium mit Rußland zusammen Krieg gegen Frank-, reich und Polen führen möchten.

Immerhin bleibt die nicht dementierte Tatsache bestehe,r, datz gewisse Meinungsverschiedenheite« zwischen Heye und anderen Generälen vorhanden seien, und datz infolgedessen voraussichtlich der Rück­tritt des Chefs der Heeresleitung in diesem Winter zu erwarten ist. j

Ratstagung erst am 5. September

Genf, 22. August.

Die Raistagung des Völkerbundes, die am 5. September in Genf beginnen sollte, wird voraussicht­lich auf den 8. September verschoben werden und nur zwei Tage, bis zu Beginn der Vollversammlung am 10. September, dauern. Die Arbeiten des Rates, die während dieser beiden Tage nicht erledigt werden können, sollen in der üblichen Ratstagung am Schluß der Vollversammlung zur Beratung gelangen. Dar­unter dürfte sich vor allem der polnisch-litaulsche Streitfall und der Bericht des Mandatsausschusses über die englische Palästinapolitik befinden, weil man versuchen wird, in beiden Fällen die der Erledigung dieser Frage noch entgegenstehenden Schwierigketten durch private Verhandlungen aus dem Wege zu räu­men. Auch die Arbeiten der Völkerbunds- Vollversammlung sollen nach Möglichkeit , be­schleunigt werden, um mit den Beratungen spätestens Ende September abschließen zu können. In erster Linie wird diese Beschränkung mix Rücksicht auf die am 4. Oktober in London beginnende britifdje R ei chskonferenz angeftrebt, weil das gesamte Personal des Foreign Office, sowie die Vertreter der Dominions, die an der Genfer Vollversammlung teil» nehmen, zu diesem Zeitpunkt in London zurückerwar- tet werden.

Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik, Doumergue, fand gestern ein Ministerrat statt. Außenminister Briand unterbreitete den Bericht, in dem er die Antworten der verfchiedenen Regie­rungen auf seinen Vorschlag einer föderativen Ge­staltung Europas zusammengefaßt hat, und machte Anregungen hinsichtlich des weiteren Meinungsans. tansches, der hierüber in Genf im September gepfbw gen werden soll.

Der Ministerrat befaßte sich sodann mit der Se» vorstehenden Völkerbundstagung. Die französi- sche Delegation wird sich aus 14 Mitgliedern zusammensetzen. Es werden ihr u. a. angehören: Ms Delegierter Außenminister Briand, Arbeitsmi­nister Laval, und Handelsminister Flandin; als stell- vertretende Delegierte Minister für öffentliche Arbei­ten Pernot, Unterstaatssekretär für Wirtschaft, An- bre Francoin, Ponccc, Unterftaatssekretär für Laub« wirtschaft Seiet,