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Mittwoch, 20. August 1930

Kasseler Neueste Nachrichten

Gelte 3

Ms wir den Mount Everest erstiegen

Den Tod vor Augen

Don

sehens ungefährt erreicht.

1

Sie heutige PWnm mW 12 Seiten

Ohne Narkose

V

Auf seiner Forschunasfabrt in die Gewässer de» nördlichen Eismeeres entdeckte der russische. ElSbre- cher .Sedow" gleich am ersten Tage nach feinet Ab­fahrt aus Rowaja Semlja eine große unbekannte Insel, dere-n Küste sich der Dampfer unter ständigem Loten nähert.

von der Sette an, ein bißchen geduckt, und sagt: Ist er nun verrückt oder wir?"

Fröhlich antwortete ich da:Wir, Herr Doktor!

Als Wengraff fertig ist, fragt er den General nach Verdun. »Gibt e« dort etwas Neues?"

»Nein, noch nicht. Wir kommen nicht weiter."

Das kleine, mumienhafte Gesicht durchflutet eine Mutwelle, und ich sehe ganz plötzlich, Wie es in die­sen starren Augen aufzuckt, bitter und unbeherrscht. Die körperliche Qual hat nichts, aber auch nicht» in diesem Gesicht geändert. Schlaf und Tod hätten es nicht verraten, aber dies: »Wir kommen nicht Wei­ter !"

Wie im Schein des Blitzes sah man des Mnane» eigenstes Antlitz.

Schallplatte«

Tri-Ergo«. Da fast Neunzehntel 6e8 Schallvlattenver- brauch? leichte Unterhaltungsmusik betrifft, ist die auali- tartve Durcharbeitung gerade dieses Plattengenres durch die Schallvlattenfirmen von grober Bedeutung. Tri-Ergon bringt auch im August noch ausschließlich sommerliche Un- rerhaltungSmustk, aber in einer vorsichtigen Auswahl und guten Wiedergabe durch namhaft«' Orchester. Aus neuen Tonfilmen sind nur die besten Schlager ausgewSblt (Der grobe Gabbo, Die Lindenwirtin etc.), die Hauvtmelo- bien aus dem ..Kabinett des Dr. Lariiari" stuat einer der Hauptdarsteller dieses Tonfilms selbst, Kammersänger Karl 3Öfen. Unte'- den neuen Tanzliedern fallen zwei durch «irische bezw. humorvolle Instrumentierung auf, das MarschliebZwilchen Heringsdorf und Swinemün.und der Tangofc8 sptvch der Marabu". Alister einem Marsch- liedervowourri gibt eS schließlich noch «ir.e "alte mit jnet aktuellen Märschen, dem Reichsbanner- «iuü dem Soiia« listenmarsch.

ten, die Fremdstoffe herauSgehült, genäht, steht der Patient uns starr an, lächelt, erzählt, macht einen Witz und lackt vergnügt mit, als Wengraff eine sei­ner Etappenschnurren zum besten gilbt. De- Dok­tor» Augen werden immer größer. Er steht mich an, er sieht JmmSlmann an, ich merke, er nimmt nicht die geringste Rücksicht ein großer Splitter steckt noch mehrere Zentimeter tief in der Schulter. Er holt ihn heraus, und ich beobachte die Augen des Hauptmanns. Tie Pupillen verändern sich nicht, die Lippen pressen sich nicht zusammen, der Puls lauft glatt, und da» Gesicht Ist genau so rosig und frisch wie vorher.

der diesjährigen Ausstellung sehen, man sah den ersten Telefunkenfernscher vor einem Jahr, man kann jeden Tag die Sendungen deS Rundfunksen­ders Berlin-Witzleben sehen wenn man will. Freilich man will meistens nicht. Denn die Re­sultate waren und sind nicht sonderlich erhebend. Die besten Bilder sehen so aus, wie die ersten Kinobil­der, die der alte Herr Skladanowskv im vorigen Jahrhundert erstmalig im »Wintergarten" vorführte. Undeutlich, verschwommen, verregnet . . .

Der Fortschritt zum itcnen Telefunkenfernseher ist gerade für den Laien sehr offensichtlich. darf das Erzeugnis dez Professor KaroluS seelenruhig als das beste hinstellen, was auf diesem Gebiet bis­her geleistet wurde, denn der Fernseher ist nicht verkäuflich und niemand macht .Reklame", der ihm die Stelle anweist, die ihm gebührt.

Dieser Fortschritt, der hier getan wurde, ist der gleiche, den alle Fernseh-Erfinder machen müssen, wenn sie dem ersehnten Ziele zustreben: die Erhö­hung der Anzahl jener Bildpunkte, die innerhalb einer Sekunde übertragen werden. Die Fernseher älterer Systeme zerlegten das Bild in 900 Bild­punkte und übertrugen dieses Bild zehnmal in der Sekunde. Diese an sich schon beträchtliche Leistung ist von Telefunken erhöht worden. Der neue Fern­seher zerlegt das Bild in 2500 Punkte und überträgt eS zwanztgmal in der Sekunde, was einet Gesamt- Übertragung von 50000 Einzelpunkten m der Se­kunde entspricht. Der Forttchritt ist, demnach schon zahlenmäßig genau festzuftellen, er geht von 9000 auf 50 000 Bildpunkte je Sekunde.

Verantwortlich für den voMtfchen Teil: Dr. Walter P e b N t: für bai Feuilleton: German M. .V o n a u. für den lokalen und Hetmattell: Dr. «»f » 3 1

iS» l a 6 e r: für den Handel Rudolf G 'er, für de« Sportteil: Herbert Sv eich: dbowtedakteur: Eduar» S ch n l z-K e f f e l: für den Anzeigenteil: i.V.Rob Bar- m e o er, Berliner Schrittlettuna: Dr. Walter T b u m . Berl'n SW 68. Druck und Verlag: Kasseler J!euene Nachrichten Ä. m. 6. ©.. Kasiel. Kölnische stratze 10.

wissenschaftlichen Wert der und es ist zu wünschen, daß setzung der Arbeiten zur

fen Sauerstoffschlucken zu nehmen. Ich brachte das Gas auf die Maximalgeschwindigkeit des Ausströ. men» und vergrößerte feinen Zufluß noch dadurch, daß ich das Nebenventil meines Apparates auf­drehte. Tas pulverte mich im Nu wieder auf. Da­mit wir zunächst beide ans meinem Apparat atmen konnten, verband ich ein Reserve-I'-Stüa und einen Gummischlauch, den ich glücklicherweise bei mir hatte, mit dem Ausgangsrohr.

Nun selbst wieder versorgt, nahm ich die Unter- suchung des beschädigten Apparats wieder auf und versuchte mit mehr Ruhe und Sorgfalt die Diag- nose zu stellen, anstatt gleich zum Pickel zu greifen. Ich prüfte jetzt die einzelnen Teile vom Mundstück her durch und entdeckte sehr rasck. daß ein gläsernes Verbindungsstück, das bei der Umkonstruttion der improvisierten Masken verwendet worden war, zer­brochen war. Der dicke Gummi, der das Rohr ur­sprünglich schützte, war zum Teil abgestreift worden und das ungeschützte Glas war beim Klettern an irgendeinem Felsen zerbrochen. Da ich glücklicher- weise ein Reserveglas in Besitz hatte, war der Scha­den rasch und leickt behoben, und Bruce konnte wie­der seinen Apparat benutzen.

Entscheidende Minuten.

Es war nötig, ein paar Augenblicke zu rasten Diese paar Minuten aber wurden entscheidend für den Rest des Tags und damit für unser Unterneh­men. Ich hatte bisher noch nicht Zeit und Ruhe ge­funden, um den Zustand meines Gefährten zu be­obachten. Ich batte lediglich verfolgt, tote er ging und kletterte, wie er vorwärts kam, ob ich ihn ohne Seil gehen lassen durfte, ob er sich noch immer auf­recht hielt. Aber jetzt sah ich mit einem Mal, daß auch Bruce ebenso wie früher Dejbir seinem Körper bereits das Aeußerste zugemutet hatte. Noch ein Schritt mehr, und der Zusammenbruch war unver­meidlich. Diese Erkenntnis überkam mich plötzlich wie ein Schlag.

Meine Gefühle sind immer ein Stück meiner selbst. Ich will hier nicht eine kaltblütige, psycho­logische Analyse des mich sintflutartig überstürzen­den Wandels zu Papier bringen, in den mich diese Erkenntnis Versetzte, sondern nur den Anfangs- und Endzustand meine» Denkens und Fühlens andeu-

^estlicke Tagung 6e8ReichövrrbandkS Deutscher Ton-

unb iJcufiflebrer". die vom 2.-7. Oktober 1930 in Dresden ttattfinöet, ist eine Reihe von Festkonzerten vettmnden, die von der (Scneraltntenbani und dem Rat der «tadt Dres­den gemeinsam mit demReichsverband" dnrchaesuhrt wer­den. Die StaatSover brlnqt unter CSeneraltnnftfMr-itor Fritz Rufck die Uraufführung einer Over von Otbmar Schoeck. Außerdem bringt Fritz Busch in ein-m Konzert der Staatskapelle solgende neue Werke mr Murfitbrur ?: 4. Sinfonie von Max Travn: Ter Dvbuk. Borwikl für Orchester von Bernhard S-kles: einte für Violine und Orchester von Karol Rathaus: Divertimento für Orchester von Je. von Wolnirt. Ein zweites Orchesterkonzett wird von dem Philharmonischen i^chester in Dresden unter Ge- neralmusikdirektor Baut Schemottug durchgcnihit. Dos Programm bringt: Heitere Mustk für kleines Orchester von Max Butting:Venedig 1790 , Kantate für Tenor und Or­chester von Herbert Trantow: Orchester-Vartattonen von Arnold SÄSnberg: Sonzertino für Cembalo und Kammer­orchester von Wolfaana Jacobi: Sechs Orchefterlteder von Karl Wiener:Variete" vvn I. G. Mraczek. In ,wet Kammermiisikkonzcrtcn werden ebenfalls neue Werke am- gefüärt. Auch die Kirchenmusik wird auf der Tagung be­sonders berücksichtigt.

Nun ist ein Einzelbild, das sich aus 2500 Punk­ten zusammensetzt, an sich schon wesentlich besser als ein Bild, das sich aus 900 Einzelelementen zusam­mensetzt. Um aber den Eindruck einer sortlausen- den Bewegung zu erhalten, muß das menschliche Auge eine größere Zahl von Einzelbildern in der Sekunde aufnehmen. Die Projekttonsapparate de» Ainos liefern zwcknzig Bilder in der Sekunde und der Eindruck der fortlaufenden Bewegung ist voll­kommen. Der neue Fernseher hat diese Zahl gleich­falls erreicht. Und wenn die Bewegungen früher ruckartig und zerrissen erschienen bei nur zehn Einzelbildern in der Sekunde so ist diesem Uebel- stand nunmehr abgeholsen und der Gesamteindruck dementsprechend gut. .....

Die Grenze der zu fordernden LetstungSfahigkett ist damit freilich noch nicht erreicht. Das Bild von 15 mal 15 Zentimetern Größe ist für den »Haus­gebrauch" zu klein. Größere Bilder erfordern eine größere Zahl von Bildpunkten. Die Zahl 50 000 wird noch aus ihr Vielfaches erhöht werden müssen. Erst mit der Phantastischen Zahl von einer halben Million Bildpunkten wäre das Ideal des Fern-

gieue Funde im Trierer Tempelbezirk. Nachdem be­reits vor längerer Zeit im Trierer Tempelbezirk em rrachtvoller Diana-Torso aus Marmor gefunden wurde, ist nunmehr auch ein herrlicher Marmor-Torw eines jugendlichen Gottes zutage gefördert worden. Der Torso ist vermutlich eine Darstellung des Gottes Bacchus oder Apollo und geht wahrscheinlich auf ein gutes griechisches Vorbild zurück. Dieser neue Fund tm Trierer Tempetbezirk beweist wieder den großen - ----- Wert der Trierer Ausgrabungen,

" weitere Mittel zur Fort- ietfügung gestellt werden.

50000 Bildpunkie in einer Sekunde!

Telefunken schlägt den Fernseh-Rekord (Sonderbericht für die R. R. R.)

Die Speisung der Hungrigen

p. Rom.

Sie wissen doch, was ein Wohltätigkeitsbankett ist? Da sammeln sich furchtbar reiche und furchtbar vor- nehme Leute in einem festlichen Saal, zahlen einen reichlichen Obulus und nehmen dann ein nicht minder reichliches Mahl zu sich. Der Reingewinn kommt tonn hungrigen Kindern" zugute, die am schönsten Tag ihres Lebens nicht annähernd jo gut essen, rate thre Wohltäter esfür" sie tun.

Von dem Brauch der Wohltätigkeitsessen ist man auch im faschistischen Italien nicht abgekommen, nach­dem das alte Italien es darin zu einer gewissen Voll- kommenheit gebracht hatte. Als der Präsident einer wohltätigen Gesellschaft kürzlich aber seine Caste um sich versammelt hatte, hielt er vor dem Beginn des Essens eine kleine Ansprache. Er setzte voraus, daß dte Herrschaften, die der hungrigen Kinder wegen hter- hergekommen seien, zu Hause doch sicherlich auch ganz gut essen wurden. Man habe es für unnötig befunden, sic deshalb mit einem Essen, das schwerlich besser jein könne, »u langweilen. Viel interessanter wäre es, Dinge zu kosten, die von hungrigen Kindern genossen werden, wie es auch die hungrigen Kinder interes­sieren würde, einmal von den Speisen der Reichen zu essen. Man reichte den vornehmen Leuten daraufhin eine maaere Wassersuppe, einen getrockenen Fisch und je zwei Pflaumen pro Person. Als das Bankett dann solcherart schnell zu Ende gegangen war, Afne-en sich zwei Flügeltüren und man konnte tm Nachbarsaal hundert ärmlich qetkibete Kinder sehen, dte soeben ein opulentes Mahl verzehrten, das nämliche, das die Gäste eigentlich für sich erwartet hatten.

Ob die wohltätigen Leute das nächste Mal wieder- kommen werden das ist eine Frage für sich. Aber die Stellungnahme der Kinder ist wichtiger und die sind ganz bestimmt zufrieden gewesen.

d. Berlin, 20. August.

Die Telefunkengefellschaft hat ihren verbesserten Fernseher der Presse vorgeführt. Ddr Sender stand in Nauen, der Empfänger int idyllischen Haveldörf­chen Geltow. Wir saßen in einem verdunkelten Raum vor dem hölzernen Kasten bei Fernsehers der immer noch die stattliche Größe einer Telefon­zelle bat und erblickten auf einer Mattscheibe von 15 mal 15 Zentimeter Umfang das, was sich im Senderaum Nauen zutrug. Das war nichl ein groß­spuriges »Schauspiel", wie es in London kürzlich verbreitet wurde, auch keine farbenprächtige »Revue" die in Amerika angeblich! durch Fernseher zu sehen sein soll. Das war lediglich der Kopf oder das .Brustbild" einer sprechenden Person. Aber

man sah diese Person in vollster Klarheit, mit allen Einzelheiten, in bet Vollkommenheit eines fluten Kinobildes,

nicht mehr »verregnet", nicht mehr von roten Farb- klecksen überwuchert, nicht mehr mit Schatten, bie sich hoffnungslos in der Dunkelheit verlaufen. Man sah den Menschen, der 20 Kilometer nordwärts in Nauen vor dem Sender stand, genau so. wie wir unseren Gesprächspartner nach zehn Jahren am öffentlichen Fernseher sehen wollen: nämlich klar, deutlich, einwandfrei. Da» ist her Fortschritt.

Denn das Fernsehen ist ja an sich kein Traum mehr, sondern Wirklichkeit, Man tragt nicht mehr ob, sondern tote man fernsieht. Man sah Fernseher schon aus der vorjährigen Funkausstelluna in voller Tätigkeit, man wird sie in ein paar Tagen auch auf

Karn da, aufrecht und läckelnd, ein Hauptmann an. Den Rock zugeknöpft bi» an den Hals und über der ganzen Erscheinung das Strahlen seiner blauen, fanatischen Augen. Er mußt« es erst zwei­mal wiederholen, daß er verwundet sei, bis wir e» alaubten. Und als wir ihm den Rock abnahmen, fanden wir. daß die Schulter, über der nur ein Taschentuch lag. völlig zerfetzt war. Unzählige kleine Granatsplitter staken tief int Fleisch. Der Knochen war zerschmettert, Tuchsetzen und Staub zolltief in der Wunde. Der Mann mußte gründlich vorge­nommen werden. Wie aber Dr. Wengraff sagt, daß ick die Narkofe machen soll, richtet der Hauvtmann sich mit gesträubtem Schnurrbart in die Höhe:

»Ick wünsche nicht narkotisiert zu werden!"

Ich sehe, der Doktor denkt: »Der Mann ist feig." Er hat nun mal seine Ueberzeugungen.

»Ueberlassen Sie da» mit," grobst er den ver­wundeten an.

Aber Hauptmann Immelmann Eßt sich nicht einfckücktern.

»Nein," sagt er, »dann muß ich wieder fleben. Das ist meine Anaeleaenßeit, 06 ick mich meines Willens berauben lasse. Ich hakte ruhig. Sie kön­nen die Sacke in Ordnung bringen, genau so tote mit Narkose "

Ick versuche gut zuzureden. Wengraff verärgert, erklärt: »Di« Overation ist sehr schmerzhaft, ick muß einen ganz tiefen und breiten Einschnitt macken. Knochen und Granatsplitter müssenrmt». Also nehmen Sie Vernunft an. Ich würde Ihren Wil­len respektieren, wenn es möglich wäre, aber die Oderation läßt sich nickt ohne Narkose machen. Lokalanästhesie kann ich nicht anwenden."

»Ich würde mich auck nickt mit lokaler Narkose operieren lassen. Ick halt» ruhig. Yangon Sie an."

Der Ton war so energisch, daß Wengraff die Schultern zuckte und anfing. Und während nun hübsch in der Wunde herumgepuhlt wird, geschnit-

Saptoln G. Z-. Finch

Das Hauptziel der unter Leitung des dem- fchen Gelehrten Professor Dr. Dvhrenfurth ste- henden Himalaja-Expedition war die Ersteigung J9161 h"hen Kangcheniunga, ves zwctt- hochsten Berges der Welt, dessen Gipfel bisher keines Menschen Fuß betreten hat. Nach den neuesten Meldungen muß dieses Unternehmen als gescheitert betrachtet werden. Einige Mitglieder der Expedition sind bereits nach Kalkutta zurück- gekehrt. wissenschaftlicher Hinsicht dagegen d/e Ausbeute der Forscher außerordentlich reich sein. Das Unternehmen Dyhrensurths weckt die Erinnerung an die Besteigung des Mount Everest im Jahre 1922 durch' die beiden Ena- lander General Bruce und Captain G. I. Finch, die gleichfalls vor unüberwindlichen Sckwierig- keiten zurückwichen. Captain Finch hat in feinem Suä »Ter Kampf um den Everest" (Verkaa F. A. Brockhaus-Leipzig) diesen Kampf gegen Ra­turgewalten in dramatischer Weise geschildert. Mit Genehmigung des Verlage» Brockhaus druk- ken wir aus Finchs Buch einen Abschnitt ab. Ms wir die Flanke des Mount Everest etwa zur Hälfte geguert, aber wenig an Höhe gewonnen hat­ten, beschlossen wir in einer Höhe von etwa 8260 Meter unfern Kurs nochmals zu ändern, und hielten UN» nun gerade hinaus zum Gipfelgrat.

Wir hatten abermals etwa 100 Meter an Höhe gewonnen und hatten gerade unter dem Gipfel einen bon einer steilen Felsplatte gekrönten, etwa zehn Meter boben Borsprung erreicht, da ries Geofkrep auäl -k)ch bekomme kein Gas mehr!" Blitzschnell drehte ick mich herum: Bruce war unter mir, er tastete nach den Felsen und versuchte in verzweifelnder Anstrengung, die paar Meter, die un» trennten, noch zu überwinden. So rasch, als es mir möglich war, stieg ick über die Felsen zu ihm hinunter und stand gerade in dem Augenblick an feiner Seite, als er unter dem Schwinden seiner Kraft nach hinten zu stürzen drohte, wo haltlose, ewige Leere sich über entsetzlicher Tiefe auftat.

Aus dem Felsvorsprung.

Ein rascher Griff mit meiner freien Linken nach seiner reckten Sckulter nun hielt ich ihn. Mit dem Gesicht riß ich ibn an die Felsen und zog ihn, wäh­rend er seine Kräfte im langsam to'ederkehrenden Bewußtsein sammelte, empor auf den Felsvorsprung wo ich ibn herumdrehen unb in sitzende Stellung bvlngen konnte, mit dem Rücken an den Felsen. Ich vabm ihm die schwere Last von den ^dinttern und ruckte ihn zurecht, und da kam es noch einmal keu- rfwnb und atemlos von seinen Lippen: »Ich bekomme kein Gas mehr!" Ick gab ibm sofort mein Mund- rohr und bemühte mich, mit der ganzen Last meines Apparates und des übrigen Geväcks am Rücken, den Schaden an Bruce» Sauerstoff-Apparat festzuftellen und ui beheben.

Systematisch tastete ich alle Verbindungsstücke ab zwischen Apparat und Zvkinder, der sich bis zum Druck- und Strommesser als intakt erwies, und konstatierte, daß .die Meßapparate funktionier­ten und der letztere unvermindert die Entnahme von 2,4 Liter in der Minute anzeigte. Mit dem schwe­ren Gewicht meiner Traglast am Rücken und selbst ohne Sauerstoffzufuhr, war ick übereilia und selbst nicht ganz bei Sinnen und Kräften und nahm an, der Fehler müsse an einem Bruck des den Strom­messer verlassenden Augaangsrohrs liegen (ein anderer Apparat hatte früher einmal fckon diesen Schaden gezeigt, der ganz mit d-m jetziaen Befund Äbereinstimmte). In meiner Verzweiflung nahm ick meinen Pickel, um den Strommesser mit einem Hieb berunterzuhaiien und da» zu Brnee führende Saugrobr direkt mit dem AuSaanasrobr des Re- duktionsventils verbinden zu können. (Das Rot­ventil, da» vorsorglich angebracht war, erwiel sich bet Vieser Art des Versagens al» nutzlos.)

Rettung aus höchster Gefahr.

Bevor ich aber mein Vorbaben in die Tat um­setzen konnte, ging mir selbstbie Lust" aus, und ich batte höchste Rot, schleunigst mein Atemrohr auS Geoffreys Mund zu ziehen, um eine Reihe von tic­

IF.E.BUCH

20-22

Ich glaube, der Doktor arbeitete noch ein bißchen rücksichtsloser, als durchaus nötig war, um zu sehen, wie weit er gehen kann. Mir wurde säst Übel. Und Immelmann merkt plötzlich, wie wir uns fassungs­los ansehen. Gr lacht und faflt:

»Nachher werde ich Ihnen erzählen, Warum ich mich nicht narkotisieren ließ."

Der Doktor macht «ine Verbeugung, bie Abwehr, Aerger und Staunen vereint, unb ich sehe ein selt­sam glückliches Leuchten auf dem Gesicht des Man­nes, den ich verbinde. Wie ich fertig bin, springt er vom Operationstisch, zieht sick den Waffenrock an, ohne sich helfen zu lassen, schüttelt dem Doktor die Hand, bedankt sich und sagt: »Run will ich Ihnen sagen, warum ick so starrköpfig bin. Ick bin Be­kenner der christlichen Wissenschaft. Ick habe mich immer dafür eingesetzt, daß der Dille, der Geist stärker i-st al« der Körper. ES war mir eine unend- licke Freude, meine Ueberzeugung an mir selbst er­proben zu können."

Der Doktor lächelt und erwidert mit geziemender Hochachtung: »Herr Hauptmann, ich bewundere Ihre Tapferkeit."

Antwort: »Rein, Herr Doktor, ich war gar nicht tapfer, keine Spur. Ick habe überhaupt nickt den geringsten Schmer, empfunden. Ich habe mich wirklich von meinem Körper befreit."

Mr fachen un» an. Ich konnte nicht ander», als fbm sagen: »WaS Sie zum Helden macht, ist, daß Sie die Kraft Ihre» Willens verwenden, um zu dienen."

Er schüttelte nrir herzlich die Hackd, dann wandte er sick zum Arzt: »Wann kann ich au» der Behänd- lung entlassen werden? Meine Stute brauchen mich."

Und Wengraff über die Schulter weg: »In acht Togen."

Als Immelmann fort isi, sicht Wengraff mich

Erlebnisse einer Krankenschwester

Aus dem dieser Tage von uns besprochenen Krieas- taaebuch der Schwester Henriette Riemann (Verlag Vocmel», Berlin) sehe» wir heute ein interessantes Kapitel wieder:

Man hatte gemeldet, daß in einer Viertelstunde Pin schwerverwundeter General zur Operation käme.

Während wir zu ordnen, zu sterilisieren, vorzu­bereiten beginnen, schwirren in da» Klirren der Instrumente, durch Weiße Wolken von Gaze und Watte irgendwelche Spottworte von »Etappe" und verirrter Kugel", um in ordensschnüfselnde Rüh­rigkeit überzugehen

Tann brächten sie ihn. Blutüberströmt mit einer Schläfenwunde.

General von Jacobi.

Ein gelbes, zerknittertes Gesicht, dem der schwarze Schnurrbart etwas Wachsfigurenartiges verleiht. Steif und puppenartig scheint der ganze Mann, hilf. Io» in den rotgestreiften Hosen, wie ein kleiner Nuß­knacker, unversöhnlich starr. Sein Gesicht bleibt im ärztlichen Verhör unbeweglich, und die Antworten bis ins kleinste genau. Tas Knie zertrümmert, die Schläfe verletzt, und al« der Verband gelöst wird, spritzt da» Blut über die Aerzte und den Ver­wundeten.

Als ich die Narkose machen will, winkt er ah.

»Lassen Sie, Schwester, e» wird auch ohne Be­täubung gehen."

»Wie Erzellenz wünschen," sagt Dr. Wengraff.

Beschleunigt wird pernäht. Er liegt still, sein Ge­sicht verändert sich unter dem springenden Blut­strahl nicht. Während et zurechtgeschneidett wird, sagt er mit einem kleinen, vertrockneten Lächeln:

»Wie wäre es, Herr Doktor, ick wäre nicht ab­geneigt, wenn ich nach der Operation einen Kognak bekäme."

Als ich mit dem Kopfverband fertig bin, be­kommt er ein Gla» Kognak. Dann geht'» an den Knieverband. Hie unb da richtet. Wengraff eine kleine Frage an ihn, die Instrumente klirren Erzellenz wirft eine Bemerkung über das Wetter ins Leere. Das Bein wird geschient, er liegt ruhig, sch kann beinahe die kleinen Fältchen um Auge und Nase zählen. Seine Augen sind wie zwei kleine blankvolierte Kugeln. Ihr Ausdruck: Verachtung, Pflickt. Die Hände wie au» Leder.

Der Puls ist tadellos. E» dauerte ziemlich lause, bis das zerschmetterte Knie tm Verbände lag.

ten: Wissen, Selbstvertrauen und der von her Hofs- nung getragene Glaube an die Möglichkeit der Durchführung dar hatte uns die Kraft gegeben, während wir uns selber einsetzten und höher giv- felwärtS stiegen. Der Kamps ums Leben während der zwei Nächte im Hocklager hatte unserer Begei­sterung gar keinen Abbruch getan, und auch der Zu­sammenbruch von Tejbir, obwohl er ein harter Scklag war und schwere Gedanken ausgelöst hatte, konnte un» nichts von unserer Ueberzeugung und unserer Energie nehmen. Nicht einen Augenblick lang war mir der Gedanke gekommen, daß wir unser Ziel nicht erreichen könnten. Gut und rasch und stetig waren wir vorwärts gekommen, der Gipfel lag vor uns: noch etwas weiter, unb wir würben auf bei Spitze stehen auf bem höchsten Gipfel der Wolt auf dem vielumworbenen, schwer umkämpf- ten.

Das Ziel vor Äugen und dennoch: Zurück!

Und nun plötzlich war alles wie eine Vision ver­schwunden. --Es war kein Ziel mehr vor uns.

Kalte Nüchternheit war eingetreten. Mr faßen allein, mit Mächten und Gedanken kämpfend, hoch über der Welt auf hartem, unerbittlichem Fels, kal­tem Schnee, dem Ungewissen vreilgegehen.---

Meine Gedanken jagten sich. Ick felbst hätte noch gut weitergehen können. Die Zeit lag hinter mir, wo ick nock nicht meiner eigenen Sicherheit vertraut und nach der wirklichen oder moralischen Hilfe des Bergfeils verfangt hatte. Aber fckon allein der Gedanke daran schien mir wie Verrat an meinem Gefährten, dessen jünaere Iahte ibm nickt erlaubt hatten, sich das Training zu erwerben, da» mir nun zugute kam, und dessen mangelnde olvine Vorschule ibn nicht so an das Ertragen von Stra­pazen gewöhnt hatte, wie ich es gekernt hatte.

Wir machten neck ein Paar Schritte gegen den Gipfel bin. Das stellte die Sachlag- nur noch fta- ter. Und ich sah ein, was kommen würde, wenn ich nicht unerbittlich der besseren Einsicht aehorchte. Aber als Beweis für den unbeugsamen Willen mei- n«S lieben Kameraden will ick noch sagen, daß ihm der schwere Kummer in den Auaen stand, al» das WortUmkehr!" mflscheidend über meine Lippen kam.

Oberst