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Kummer 193*
Dienstag, 19. August 1930
20. Jahrgang
Hessische Abendzeitung
beith^nten äuSoaben «„ 4 (Zustellung 85 j). — Kür bas Erscheinen von Anzeigen in
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<nel Oäuu- puristische e-vrechstunbe leben Dienstag von 5 bis 7 Ubr Kölnische Stratze Nr.1L
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Nefsrmpläne vor dem Michskabinett
Wirth» Wahlresorm: Vermehrung »er Wahlkreise un» Abschaffung »er Reich»,iste / Neue Besprechungen »er Mitte,Parteien / Gandhi» Botschaft
lung, daß der Einigungsversuch mit Gandhi
Gemeinsamer Wahlavfmf?
eigentlich zur Zeit noch gar nicht spruchreif sind. Da jedoch das Reichskabinett von sich aus auf ein nftioe« Eingreifen in den Wahlkampf nicht verzichten will, *- mutz es natürlich bestrebt jein, die Bevölkerung dar»
auf Erfolg versprechen, als es ursprünglich den Anschein hatte, und man wird infolgedessen damit zu rechnen Haven, daß am Donnerstag ein gemeinsamer Wahlaufruf der vier genannten Gruppen veröffentlicht wird, in welchem dann wohl auch alles weitere über die künftige Zusammenarbeit der neuen Fraktionen im kommenden Reichstag zu lesen sein wird.
den Inhalt der G a n d h i - B o t sch a f t folgende Einzelheiten zu wissen:
Gandhi erkennt an daß der Vizekönig von Indien und die englische Regierung angesichts der Zusammensetzung der Mitglieder der Roundtable-Konferenz nicht in der Lage ist, an der Unabhängigkeit Indiens bezw. den Dominion-Status als Ergebnis der Roundtable-Konferenz festzuhalten. Gandhi verlangt jedoch, daß der Vizekönig und die englische Regierung die Erreichung dieses Zieles während der Roundtable- Konferenz ausdrücklich anstreben. Als Beweis für die Anerkennung dieser Politik fordert Gandhi eine weitgehende politische Am n e st i e. Rach Durchführung dieser Amnestie sei er bereit, die von ihm entfachte Bewegung der Gehorsamsverweigerung zu beenden.
Der „Daily Telegraph" betont, das Programm Gandhis habe sich nur insoweit geändert, als er nicht mehr dem Parlament, sondern der Regierung seine Politik diktieren wolle. Zum Schlüsse seiner Ausführungen kommt der „Daily Telegraph" zu der Feststel-
Obeu von links nach rechts: Prälat Leicht (Bayr. Bolkspartei), Hugenbcrg (Dentschnatlonale Lolks- partei), Adolf Hitler (Rationalsozialiften).
Unten von links nach rechts: Reichsminister Dr. S chiele (Landvolk), Graf Westarp («onkerv. Bolks- partei), Thälmann (KPD.)
Das Reichsverkehrsmin isterimn hat fich fetzt bereit erklärt, die Schaffung eines Luftamtes nach Möglichkeit beschleunigen. Ein solches Lustamt ist bereits im neuen Luftgesetz vorgesehen, das an die Stelle des im Fahre 1922 geschaffenen treten soll.
Wre dte „Bosstsch, Zeitung" mitteilt, werden aber »och mindestens zwei Jahre vergehen, bis dieses neue Lnftgesetz in Kraft treten wird, weil bei der verhältnismäßig jungen Materie des Luftverkehrs noch mancherlei rechtliche Schwierigkeiten zu überwinden find und das neue Gesetz dem internationalen Luftrecht angepaßt werde» muß.
knüpfen haben, daß Dr. Scholz dann auch die ^uhlung mit her Linken wieder auf- nimmt, denn er hatte bekanntlich die Parole der bürgerlichen Sammlung auf breitester Basis ausge- gebcu, und er hat die Verhandmngcn mit der Staatspartei ausgesprochenermaßen nur deshalb nicht zu Ende geführt, toetl die Verhandlungen mit der Rechten ergebnislos geblieben waren, und weil er keine einseitige Bmdung nach links wünschte. Es besteht jedenfalls Grund zu der Annahme, daß die Volkspartei, wenn am Donnerstag ein solcher gemeinsamer Wahlaufruf mit den rechtsstehenden Gruppen zu- standekomint, erneut die Fühlung mit der Staatspartei suchen wird. Diese Vorgänge sind besonders bedeutsam, weil am Sonntag der Zentralvorstand der Deutschen Bolkspartei in Berlin tagt, der sich über die bisherigen Verhandlungen mit den Rachbargruppcn der Rechten und
tft. Berlin, 19. August.
Tag Reichskabinett will heute zusammentreten und fich voraussichtlich den ganzen Tag über mit verschiedenen Reform-Entwürfen beschäftigen, die in den Refforts inzwischen ausgearbeitet worden sind. Es wurde schon in der vorigen Woche daraus hingewiesen, daß die F i n a n z r e f o r m, um die es sich politisch betrachtet, z. Zt. ganz vordringlich handeln würde, leider noch nicht soweit ge- diehen ist, daß schon ein Beschluß des Kabinetts möglich ist. Vielmehr wird der Finanzminister Dr. Dietrich in der heutigen Sitzung wahrscheinlich nur *" "«uz allgemeinen Grundzügcn über dieses Problem berichten. Ebenso ist es mit der Reichsre- f o r m, deren Gestaltung im einzelnen noch nicht fest- steht und die wohl auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werde» muß. Dagegen haben die Entwürfe über die Wahlresorm greifbare Gestalt angenommen und es ist anzunehmen, daß dieser Gegenstand heute das hauptsächlichste Thema der Kabi- ncttssitzung sein wird.
Der Entwurf an das Reich, den Minister Dr Wirth ausgearbeitet hat, geht auf frühere Pläne zuruck und wird sich, wie schon gemeldet, im Rah - b_e r Verfassung halten, so daß keinerlei Beschlüsse mit zwei Drittel-Mehrheit notwendig sein wurden. Jedenfalls wird dieser Entwurf leider auch nur Bruchstück bleiben, denn man wird an die so wichtige Frage der Heraufsetzung des Wahlalters auch nicht Herangehen, sondern sich lediglich auf die Vermehrung der Wahlkreis« und auf die Einschränkung des Verhältniswahlrechtes beschränken.
Gegenwärtig gibt es im Deutschen Reiche 35 Wahlkreise, deren Bevölkerungszahl zwischen 1 und 2% Millionen schwankt. Rach dem neuen Entwurf sollen künftig 162 Wahlkreise gebildet werden mit einer Durchschnittsbevölkerungszahl von 300 000. Dadurch soll eine engere Fühlungnahme zwischen den jeweiligen Kandidaten und ihrer Wählerschaft ermöglicht werden. Die Reststimmen aus den einzelnen Wahlkreisen sollen dann in Zukunft in den Wahlkreisen selbst errechnet und aufgeteilt werden, so daß eine der wichtigsten Neuerungen der Wahlreform darin bestehen würde, daß die jetzt übliche Reichsliste verschwindet.
Es ist unschwer zu erkennen, daß die Behandlung einer solchen Frage, die z. Zt. nicht akut ist, weil ja der neue Reichstag noch nach dem alten Wahlrecht gewählt werden muß, unzweifelhaft in »ewiffem Zusammenhang mit der Wahlpropaganda steht, da das Kabinett Brüning bisher noch nicht auf atu dere Weife dazu gekommen ist, eine flenteinfame Wahlparole des Kabinetts herausznbrinflen. Man hofft offenbar, durch die populäre Form der Wahlreform Eindruck auf die Wählerschaft zu machen und im Sinne der Stimmenabflabe für die bürgerlichen Regierungsparteien zu wirken.
Paris. 19. August.
Die „Republigue", das Organ der radikalen so- zialistischen Partei, will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß Ministerpräsident Tardieu persönlich die Führung der französischen Abordnung aus der kommenden Tagung des Völkerbundes übernehmen wird. Außenminister Briand. Kriegsminister Maginot und der Vizepräsident des Senats Lebrun würden sich ihm anschließen. Der Minister für öffentliche Arbeiten Pernot, die beiden Berichterstatter über den Nonngplan in der Kammer und der Abgeordnete Fabry fallen die Zusammensetzung der Abordnung vervollständigen.
Führer im Wahlkampf
Reue erfolgversprechende Verhandlungen zwischen DVP., Wirtschaftspartei, Landvolk und Konservativen
th. Berlin, 19. August.
Die Verhandlungen zwischen den bürgerlichen Parteien, die in der vorigen Woche ausgenommen werden sollten, um wenigstens zwischen Bolkspartei, Konservativen, W i r t sch aft sPa r t ei und Landvolk zu einer engeren Verständigung zu kommen, nachoein zwischen Bolkspartei und Staats- Partei die Verhandlungen gescheitert waren, sind gestern endlich wieder in Fluß gekommen. Diesmal handelt es fich um eine Einladung des Ministers Treviranus. In der Besprechung hat man sich, wie wir hören, weitgehend über die Frage des Erlasses eines gemeinsamen Wahlaufrufes geeinigt. Allerdings sind die Besprechungen auch gestern noch nicht endgültig zu Ende geführt worden, so daß man am Donnerstag wieder zusammenkommt. Aber dabei wird es sich voraussichtlich nur um die endgültige Fertigstellung des gestern vorbereiteten Wahl- «mfruses und um die Unterschriften handeln.
Im allgemeinen glaubt man in den beteiligten Kreisen, daß diese Berhandlmigen doch mchr Aussicht.
Telegraph", allerdings als einzige englische Zeitung .... B w ..... w v .
und ohne Quellenangabe, in der Lage zu sein, über ' nunmehr als mißlungen bezeichnet werden müßte.
Tardieu fährt nach Genf
Eigener Drahtbertcht.
Wahlparolen der Wirtschaft
(Von unserer Berliner Cchriftleitung.)
Je mehr wir uns dem 14. September nähern, um so deutlicher wird man zu spüren bekommen, daß alles was sich gegenwärtig in Politik und Wirtschaft begibt, in irgend einer Beziehung zur Reichstagsneuwahl steht. Von der Politik ist das eine Selbstverständlich- I feit, aber von der Wirtschaft gilt es diesmal in um so höherem Grade, weil seit langem schon die allgemeine I Ueberzeugung herrscht, daß die weitaus meisten politischen Schwierigkeiten, die ja auch die I Auflösung des Reichstages im letzten Grunde herbeigeführt haben, auf wirtschaftliche Ursachen zurückgehen.
Immer und immer wieder ist in den parlamentarischen Debatten und in den Kundgebungen der Re- I gierung hervorgehoben worden, daß alle Maßnahmen I der Regierung und alle gesetzgeberischen Beschlüsse des I Parlaments in der gegenwärtigen Lage nur schwache | Hilfsmittel sein können, um uns über ein Stadium I Hinwegzubringen, welches bis zur sogenannten Wiederankurbelung der Wirtschaft wohl oder übel überwunden werden muß. Niemand ist sich im Zweifel darüber, daß die riesenhafte Arbeitslosigkeit der tiefere Grund unserer Wirtschaftskrise und zugleich die Ursache unserer politischen Bedrängnis ist. Ebenso besteht aber auch Einmütigkeit darüber, daß diese Welle der Erwerbslosigkeit, die ja nicht nur über Deutschland, sondern neuerdings auch über andere Länder, insbesondere über Amerika, hereingebrochen ist, nicht allein durch das Eingreifen der Regierung und des
I Parlaments überwunden werden kann, sondern daß eine Gesundung in erster Linie nur durch einen Wiederanstieg der auf so vielen Gebieten in einer schweren Krisis befindlichen Wirtschaft erwartet werden kann.
Der Streit über die verschiedenen Wege, auf denen man der Wirtschaft von außen her zu Hilfe kommen könne, hat zur Verschärfung der parteipolitischen Gegensätze erheblich beigetragen, und daher rührt es, daß im gegenwärtigen Wahlkampfe die wirtschaftlichen Parolen eine noch größere Rolle spielen werden, als es schon in normalen Zeiten der Fall zu sein pflegt. Der Ruf nach allgemeiner Sparsamkeit wird zwar zu jeder Zeit und überall zu hören sein, niemals aber mit solcher Eindringlichkeit, wie in der Gegenwart. So ist es nicht verwunderlich, daß die Wirtschaft stark im Mittelpunkt des Kampfes um das neue Parlament stehen wird.
Man wird habet einen Unterschied zwischen den allgemeinen grundsätzlichen Forderungen der Parteien auf wirtschaftspolitischem Gebiete einerseits und dem Kampf um aktuelle wirtschaftliche Einzelfragen anderseits zu machen haben. Die wirtschaftlichen Kampfparolen der Parteien, soweit sie grundsätzlicher Patur find, liegen zumeist seit langem in den Parteiprogrammen fest, und werden daher auch diesmal nicht allzuviel Neues bringen. Die Forderungen der Landwirtschaft nach erhöhtem Zollschutz werden in dem altgewohnten Gegensatz zu dem Ruf der Linken nach Beschaffung billiger Lebensmittel für die werktätigen Massen der Bevölkerung stehen. Die Industrie wird im Bunde mit den ihr nahestehenden bürgerlichen Parteien nach gesteigerten Exportmöglichkeiten verlangen, und Handwerk und Gewerbe werden in erster Linie die Spitze ihrer Propaganda wieder gegen die Uebersteigerung der Realsteuern richten. Ein besonderes Merkmal des jetzigen Wahlkampfes wird jedoch darin liegen, daß ohne Unterschied der Partei ganz allgemein der Ruf nach Sparsamkeit auf allen Gebieten der öffentlichen Betätigung viel lauter als sonst zu hören sein wird. Neue Abstriche am Reichshaushalt, Reformen auf allen Gebieten der öffentlichen Verwaltung bis hinauf zum staatsrechtlichen Aufbau des Reiches und der Länder, werden gerade unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten von allen Seiten gefordert werden. Eine der bekanntesten wirtschaftlichen Organisationen, der Hansabund hat fich schon seit langer Zeit weit auf das politische und staatsrechtliche Gebiet vorgewagt, um hier Aen- bentngee zu erreichen, die zwar in keinem direkten Zusarumenhang mehr mit der Wirtschaftspolitik im engeren Sinne stehen, die aber unter den heutigen außergewöhnlichen Verhältnissen ebenfalls mit wirt- schastspolitifchen Rücksichten begründet werden können. Die Regierung als Repräsentant des staatlichen Apparates, dem man von allen Seiten her zu Leibe gehen will, befindet sich eigentlich in einer gewissen Abwehrstellung, wenigstens soweit die einzelnen Ressorts in Frage kommen. Sie hat aber den interessanten Versuch unternommen, fich selbst als Ruser im Streit an die Spitze dieser Sparsamkeitsbewegung zu stellen, und man kann den Zusammenhang mit der Wahlpropaganda schwerlich verkennen, der sich daraus ergibt, wenn man gerade jetzt Mitteilungen Über allerlei Reformpläne des Reichskabinetts liest, die
Keine Einigung mit Gandhi?
London, 19. August.
Trotzdem über den Inhalt des Gandhi-Memorandums an den Vizekönig von Indien keine offiziellen Verlautbarungen erfolgt sind, behauptet der „Daily
Sollte eine derartige Vereinbarung der rechtsstehenden bürgerlichen Gruppen zustandekommen, so ,,uvll ^Uu#uuimuppvii oe
nmrbe man ohne weiteres die Folgerung daran zu I Linken ausführlich aussprechen wird.
Neuordnung des Luftverkehrswesens?
Das Verkehrsministerium plant die Schaffung eines »Luftamtes"
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Cf.:
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