Einzelpreis 10 Pfennig
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
trf6etnun68weffe: «SLrnMch spchimal noSrntttagO. AbonnememSvietS: für 6en Monat 2JO X bet freiet Zu. ftcllung Inä HauS. tn der Gelchäitsltellc abgeholt 2.10 X. Durch die Poll monatlich 2,80 X ausschließlich Zu. Aellungsgebübr. In Fällen von höherer Gewalt be liebt kein Anspruch aus Lieferung der Zeitung oder aus Rückzahlung deS Bezugspreises. Vertag Lchriitlettung und Druckerei: Kölnische Strotze 10. — Telephon: 6ammelnummet 6800. Juristische Sprechstunde leben Dienstag von 5 bis 7 Uhr Kölnische Strotze Nr 10.
Hessische Abendzeitung
Anzeigenpreise: Geschäfts, und Fumtlien-Anzetgen bte 80 mm • Seife 11 Pfennig. Kleine Anzeigen a»l Raffel das Wort 7 A. Auswärtige Kleine Anzeigen die 80 mm breite Zeile 11 A. Anzeigen im Reklameteil die 78 mm breite Zeile 45 A Otfertgebühr 25 A (bei Zustellung 85 cki. - Für da« Erscheinen von Anzeigen in bestimmten Ausgabe», an besondere» Plätzen und für telephonisch erteilte Austräge keine Gewahr. 'Jtedj. uungsbeltäge innerhalb »o» 5 Tagen zahlbar. Gerichtsstand Kastel. — Postscheckkonto Frankfurt o. M. 6380.
Hummer 189*
Donnerstag, 14. August 1930
20. Zahlung
Handelspolitische Entscheidungen im Kabinett
Kündigung des Finnland-Vertrages? / Wirths Reform: Heraufsetzung des Wahlalters zunächst nicht geplant / Blutige Zusammenstöße in Nürnberg
Osthilfe-Apparat untersteht Brüning
Eigener Drahtbericht.
Berlin. 14. August.
Die Verhandlungen über die personelle Seite der Osthilfe, die gestern abend in der Reichskanzlei zum Abschluß gelangt find, haben, so berichtet die „Boffische Zeitung" als Ergebnis die unmittelbare Unterstellung des Appa. rates der Osthilfe unter de» Reichs- kanzler gebracht.
An die Berliner Zentralstelle werden seitens des Reichs außer dem Minister Trevi ranuö der Ministerialdirektor im Reichsernährungsministerium W a ch s m a n n, der die Osthilfe bisher ressortmäßig bearbeitet hat, sowie der bisherige demokratische Abgeordnete Roenneburg entsandt werden Die preußische Regierung wird durch den Wohl- fahrtsminifter Hirtsiefer, den Staatssekretär Krüger und Dr. Lauffer vertreten fein.
Hefter die Besetzung der fünf Unterkommis- k a r i a t e in den Oftprovinzen ist ebenfalls eine Verständigung erfolgt. Für Ostpreußen wird Ministerialrat Muffehl vom preußischen Landwirtschaftsministerium, für Pommern von Drewitz, für die Grenzmark Ministerialrat Frankenbach, für Breslau der dortige Regierungsvizepräfident Dr. Schwendp und fnr Oberschtosicn Oberregierungsral Trietmann dir Geschäfte des Osthilfekommissariats versehen.
Schiele stellt die Kabineitsfrage?
Um die Kündigung des deutsch-finnischen Handels Vertrages.
bei den Plänen, die Dr. W i r t h dem neuen Reichstag vorlegen möchte,
einer der wichtigsten Punkte, nämlich die Heraufsetzung des Wahlalters fallen.
Blättermeldungen, die das Gegenteil behaupten, sind nach unseren Erkundigungen unzutreffend. 'Vielmehr beabsichtigt der Reichsinnenminister, sich im Rahmen der verfassungsmäßigen Bestimmungen zu halten, also dem Reichstag keine verfassungsändernden Gesetze vorzulegen. Dabei muß er aber Rücksicht auf Artikel 22 der Verfassung nehmen, in welchem das Wahlalter auf 20 Jahre festgesetzt ist. Wenn also in diesem Punkte eine Aenderung vorläufig nicht geplant ist, so wird sich die Wahlreform vermutlich auf die
Herstellung kleinerer Wahlkreise und auf die Herabsetzung der Zahl der Abgeordneten
erstrecken, also zwei Punkte, über die keine verfassungsmäßigen Bindungen vorliegen.
Grenzbahnhof Neubenischen
Neu-Bentschen, 14. August.
Die Inbetriebnahme des Grenzpersonenbahnhofs Neu-Bentschen, der auf Grund des Versailler Vertrags gegenüber dem an Polen wbgetre- lenen früheren deutschen Knotenpunkt Bentschen errichtet werden mußte, um die durch die Grenzziehung zerschnittenen LinienBerlin-Posen-Lands-
berg-Bentschen und Leipzig-Guben-Bentschen wieder tn einem Punkt zusammenzufassen, ist heute nacht statt verlaufen.
Um 4.30 Uhr lief fahrplanmäßig als erftfer Zug aus dem Auslandsbahnsteig der Ostpreußen- scknellzug D 52 ein, dem um 4,50 Uhr aus dem Jn- landshahnsteig der Zug von Meseritz folgte. Mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Reichsbahn hat die Reichsbahndirektion in Frankfurt (Oder) von einer offiziellen Feier abgesehen. Zu den ersten einlausenden Zügen war lediglich der Präsident der Reichsbahndirektion Osten, Matibel (Frankfurt a. O.) erschienen.
Wege zur Verständigung
Reichstagspräsident Lobe
über die deutsch-polnischen Beziehungen.
Warschau, 14. August.
Das Krakauer Blatt „Nowy Dzieunik" veröffentlicht ein Interview mit dem Reichstagspräsidenten 8 ö b e über außenpolitische Fragen. Löbe erklärt, daß Deutschland nicht nur gegenüber Frankreich, sondern auch gegenüber Polen zu einer friedlichen Politik gezwungen sei. Sowohl in Deutschland als auch in Polen fei die nationalistische Agitation noch sehr stark, weshalb die Zeit zu einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern noch nicht gekommen fei. Vor allem müsse jetzt die wirtschaftliche Annäherung angestrebt werden, denn dort, wo wirtschaftliche Lebensnotwendigkeiten bestimmend auftauchten, kühlten sich die politischen Leidenschaften langsam ab. Deshalb müsse der deutsch-polnische Handelsvertrag gegenwärtig als die einzig mögliche Brücke für eine deutsch-polnische Verständigung angesehen werden.
th. Berlin, 14. August.
Nachdem vor kurzem durch das Scheitern der privaten Verhanolungen über die Einfuhr sinnländi- fcher Butter nach Deutschland, die Frage einer Kün- fttgung des deutsch-finnischen Handelsvertrages akut geworden ist, wird nunmehr das Reichskabinett heute zu einer Sitzung zusammen- *rf£en' öu dieser Frage Stellung nehmen
will. Tie Wichtigkeit dieses Gegenstandes geht unter anderem daraus hervor, daß der Reichsaußenmini- ster Dr. Curtius, der sich bisher in Badenweiler aufhielt, heute früh, wegen der Teilnahme an dieser Kaftinettsttzung wieder in Berlin eingetroffen ist.
Man rechnet mit der Wahrscheinlichkeit, daß das Reichskabinett sich für die Kündigung des finnischen Handelsvertrages aussprechen wird. Insbesondere drängt der Ernährungsminister Schiele stark in dieser Richtung u"d der „Vorwärts" will sogar wissen, daß Schiele in dieser Angelegenheit die Kabinettsfrage gestellt hat.
Wenn das Kabinett, wie man annimmt, heute zu dem Beschlüsse einer Kündigung des Vertrages gelangt, so wird der Vertrag drei Monate später außer Kraft treten, und dann würde gegenüber Finnland, sowie gegenüber den anderen meistbegünstigten Staaten der autonome Butterzoll von 50 Mark wieder Geltung erlangen.
Etwas anders liegt es beim Käse-Zoll, der nicht nur gegenüber Finnland, sondern auch gegenüber einer Reihe von anderen Staaten speziell vertraglich gebunden ist, sodaß er durch die Kündigung des finnischen Handelsvertrages nur gegenüber Finnland, nicht aber gegenüber den anderen in Betracht kommenden Ländern außer Kraft treten würde.
Am Seilreformen!
th. Berlin, 14. August.
Die Reichsregierung beschäftigt sich zur Zeit mit einigen Reformmaßnahmen, die im neuen Reichstag praktisch durchgeführt werden sollen. Es handelt sich dabei sowohl um die große Finanzreform, von der schon zur Zeit der Beratung der letzten Steuergesetze immer wieder die Rede war, und um die Pläne der Reichsreform und der Wahlreform.
Die Blättermeldungen, daß die Vorlage über die Reichsfinanzreform bereits spruchreif geworden sei, haben sich nicht bestätigt. Vielmehr wird an dieser Vorlage im Finanzministerium noch eifrig gearbeitet. Die Pläne, die der Reichskanzler auf dem Gebiete der allgemeinen Reichsreform hegt, lassen sich im einzelnen noch nicht genau übersehen, wahrscheinlich wird es sich aber zunächst
nur um einige Resormmatznahmen auf verwaltungstechnischem Gebiet handeln.
Ebenso werden auch die Wahlreformvor- schlüge, die im Reichsinnenministerium bearbeitet werden, zunächst nur einen provisorischen Eha- rakter haben und sich auf einige Teile des Gesamtproblems erstrecken. Insbesondere wird voraussichtlich
politische Schlägerei in Nürnberg (Eigene Drahtmeld
Nürnberg, 14. August.
Gestern abend fand eine von den Kommunisten nach dem Herkules-Velodrom einberufene öffentliche Versammlung statt, zu der alte Parteien aufgefordert worden waren. Die Nationalsozialisten hatten sich zahlreich eingefunden. Von den Kommunisten sprach R e m m e l e. Als er den nationalsozialistischen Führern vorwars, daß sie zu hohe Gehälter in ihre Taschen fließen ließen, antwortete ein Nationalsozialist, der Kommunist Büchs hafte 100 000 M. veruntreut. Remmele erwiderte, diese 100 000 M. hätten zur Unterstützung der Partei Verwendung gefunden.
Hebei die dann einsetzende Schlägerei gehen die Aussagen auseinander. Nach einer Version soll
vom Podium ans mit Li-rgläsern nach den natio- nalsozialistischen Führern zuerst geworfen
worden sein. Daraufhin entwickelte sich eine regelrechte Schlacht zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten mit Biergläsern, Stühlen, abgebrochenen Tischbeinen. Da die Ausgänge den ins Freie drängenden Dersammlungsbesuchern nicht genügten, kletterte eine größere Anzahl aus den Fenstern. Der Saal ist stark beschädigt. Die Polizei griff mit dem Gummiknüppel ein, unterstützt von bei
Feuerwehr, welch« die Kämpfenden durch kräftige Wasserstrahlen trennte.
Die Schlägerei setzte sich dann auf der Straße fort, wobei die Streitenden Zaunlatten und Hiebwaffen benutzten. Die Schlägerei war etwa um 3411 Uhr im Saal ausgebiochen, und noch lange nachher mußte die Polizei in den angrenzenden Straßen und auf dem Bahnhofsplatz mit dem Gummiknüppel vorgehen.
Insgesamt wurden 65—70 Personen verletzt.
14 bei den Schlägereien Verletzte wurden ins Städtische Krankenyaus gebracht, von denen elf nach kurzer Zeit in ihre Wohnungen gebracht werden konnten. Drei Schwerverletzte blieben im Krankenhaus. Lebensgefahr besteht bei keinem. Wie verlautet, befinden sich unter den Verletzten auch die drei nationalsozialistischen Führer Streicher, Holz und Liebel.
♦
Lüneburg, 14. August. In einer nationalsozialistischen Versammlung im Bahnhofsviertel kam es gestern abend zu einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten.
Nach Beendigung der Rede des Referenten verlangte ein Kommunist das Wort Die Frage, ob es stimme, daß Moskau den Befehl gegeben habe, die Nationalsozialisten tot zu schlagen, wo immer es anginge, wurde mit Ja beantwortet. Daraufhin wurde dem Kommunisten das Wort nicht erteilt. Als er von seinem Platz aus sprechen wollte, griff der sehr starke Saalschutz ein, und es entspann
sich eine schwere Schlägerei, bei bei mehiere Personen erheblich verletzt wurden.
Ein starkes Polizeiaufgebot stellte die Dränung mit Hilfe des Gummiknüppels wieder her.
„Nation in Waffen"
Die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in Rußland.
Sorono, 14. August.
Wie aus Moskau gemeldet wind, hat der Zentral- vollzugsausschuß das neu im Rat der Volkskommis- sare ausgearbeitete Gesetz gutgeheißen, daß die Einführung der allgemeinen Militärdienst- Pflicht vorsieht. Tiefem Gesetze zufolge wird die aktive Heeresmacht durch eine Art „Nation in Waffen" ersetzt werden. Alle Teile der Bevölkerung sollen zu einem kriegsproduktiven (!!) Dienst herangezogen werden, der in bei Ärbeitsdienstpflicht in den Jndustriewerken und in bei Landwirtschaft usw. besteht. Hand in Hand damit soll eine rein militärische Ausbildung gehen.
Bei den Studenten wird sich dieses Gesetz dahin auswirken, daß sie gleichzeitig mit ihrem Studium einen Militärpflichtkursus mitnmchen. Auch der Landbevölkerung wird weitgehende Unterweisung im Heeresdienst zuteil.
Noch 80000 Streikende
in Norbfrankreich.
Paris, 14. August.
Trotz der in den letzten Tagen im nördlichen Industriegebiet erfolgten Arbeits-Wiederaufnahmen beträgt die Zähl der Streikenden immer noch über 80 000.
Wie Havas ferner aus Lille berichtet, haben die sozialistischen Gewerkschaften der Metallindustrie eine Entschließung angenommen, in der sie sich bereit erklären, die Grundlage eines am 1. August 1930 vor- geschlagenen Kompromisses anzunehmen. Sie haben ihre Delegierten in diesem Sinne ermächtigt, eine Lösung herbeizuführen.
Die Delegierten der Textilarbeiter haben auf der Präfektur um eine Aussprache ihrer Delegierten mit den Arbeitgebern nachgesucht. Die Arbeitgeber lehnen in einem Schreiben an den Präfekten die Sitte a b, Sie erklären, wenn die Ausfüllung der Fabrikvorräte und die bamit verbundenen ungünstigen Bedingungen anbauern würden, würden sie zur Stilllegung ber Betriebe, die seit Monaten drohe, gezwungen fein. Außerdem seien die Löhne elf mal so hoch wie vor dem Kriege, dt. Familien- und sonstigen Zulagen gar nicht gerechnet. Daraufhin haben die Textilarbeitergewcrkschasten die Vermittlung des Arbeitsministeriums angerufen.
Angora Hai Sorgen
In den letzten Wochen ist die Türkei in den Brennpunkt ber großen Weltpolitik getreten. Zunächst wirb sich bie Türkei in kürzester Zeit über bte Regelung ber Voikriegsschulben zu entscheiden haben, bann wurde bekannt, daß zwischen dem Vertreter ber Kruppwerke unb ber Regierung in Angora ein neuer Lieferungs- vertiag in Höhe von 45 Millionen Mark abgeschlossen würbe, bann brach ber Kurbenauf staub aus unb mit ihm eine ernsthafte kriegerische Komplikation, bte schon rein finanziell an den Grundlagen des Staates rütteln muß. Faßt man alle diese Ereignisse zusammen, so kommt man zu ber Ueberzeugung, baß die Tüikei sich im Augenblick in einer sehr ernsten Krise befindet, die nicht ohne Rückwirkungen auch auf bas Auslanb bleiben kann.
Was die Regelung ber türkischen Vorkriegs- schulden anlangt, fo ist nunmehr von dem Finanzsachverständigen der Sette Ottomane (ber Vertretung der Gläubigerstaaten) ein Gutachten ausgearbeitet worden, das zur Zeit noch den Regierungen ber Gläubigerländer vorliegt, in Kürze afftet veröffentlicht werden wird. Wenn auch der Wortlaut dieses Gutachtens noch nicht bekannt tst, so dürste doch schon setzt seststehen, daß es sich in der Hauptsache mit ber Kreditfähigkeit ber Türkei besaßt. Die Ansicht des Gutachters wird hier ntcht gerade optimistisch klingen. Bis jetzt bestand zwischen der Türkei und der Sette Ottomane ein vorläufiges Wommen, nach dem sich Angora bereit' erklärte, jeden zweiten Tag ein Srittel der Konstantinopeler Zolleinnahme der Seite Ottomane auszuliefern. Sie übrigen zwei Drittel der Zolleinnahmen sollen dagegen in den Händen der türkischen Regierung in Gestalt eines Vorschusses verbleiben. Man hatte sich darüber geeinigt, daß dieses vorläufige Abkommen in dem Augenblick zu einer^ endgültigen Regelung der Vorkriegsschuldensrage führen sollte, in dem das Sachverständigengutachten der Sette Ottomane vorliegen würde. Der Rat der Sette Ottomane steht nun auf dem Standpunkt, daß dieses vorläufige Abkommen an ganz bestimmte Bedingungen geknüpft worden fei, die von der Türkei aber nicht erfüllt worden seien, woraus sich nun für die türkische Regierung die Verpflichtung ergebe, das Pariser Coupons-Älbkommen vom 13. Juni 1928 zu erfüllen. Anscheinend handelt es sich bei diesen Bedingungen um Fragen des türkischen Haushaltsetats, d. h. also um Sparmaßnahmen, die von der türkischen Regierung hätten durchgeführt werden müssen.
Die Türkei betont nun gegenüber diesen Vorwürfen, daß ihr Etat an unb für sich schon so knapp bemessen sei, baß kaum bie bringendsten Aufgaben des türkischen Wiederaufbaues hätten erfüllt werden können. Betrachtet man sich den türkischen Etat, so findet diese Behauptung insofern eine gewisse Stütze, als größere Beträge nur für den Wiederaufbau des Landes und für den Wehretat zur Verfügung gestellt weiden. Was nun den Wiederaufbau des Landes betrifft, so kann die Türkei mit Recht sich auf den Standpunkt stellen, daß die Zahlungsfähigkeit des Staates erst dann tatsächlich gesichert ist, wenn die dringendsten Arbeiten durchgesiihrt seien, bie eine Erschließung ber reichen Bodenschätze des Landes gewährleisten. Diese notwendigen Arbeiten beziehen sich in der Hauptsache auf die Ausgestaltung der sehr im argen liegenden Verkehrsoerhältnisse des Landes. Man hat neue Automobilstraßen gebaut, Kanäle für die Binnenschiffahrt errichtet und auch versucht, das Eisenbahnnetz auszudehnen, was unbedingt notwendig war, weil sonst der Abtransport der Bodenschätze vom Innern des Landes an die Küste bie Rentabilität bes türkischen Exports außerordent» lich belastet hätte.
Di« zweite große Ausgabenfumme des türkischen Haushalts fließt dem W e h r e t a t zu. Sie beträgt annähernd 40 Prozent bes Staatshaushalts, das ist immerhin ein Betrag, ber, gemessen an den Verhältnissen in anderen Ländern, außerordentlich hoch ist. Nimmt man aber zur Kenntnis, daß die für Wehrzwecke ausgeworfene Summe nur ungefähr 83 Millionen Türkenpfund beträgt, fo wird man nicht gerade behaupten können, chaß die türkische Regierung in einem ungewöhnlichen Maße Summen für die Ausgestaltung des Heerwesens zur Verfügung stellt. Die Türkei braucht ihr Heer, das zeigt schon der Kut- oenamfstanü, fcei wohl kaum niedergeschlagen roenbe« könnte, wenn sich die türkischen Truppen nicht in dar Verfassung befänden wie sie jetzt sind. Wenn sich alsh bie türkische Regierung zu 6er Behauptung findig daß ihre Ausgaben sich durchaus im Rahmen des al» fohlt Notwendigen bewegen, so wird man hiergegen nicht viel einwenden können, zumal es seststehen dürfte, daß die Unterhöhlung der türkischen Staatsmacht und das Brachliegen der reichen Bodenschätze des Landes kaum die finanzielle Leistungsfähigkeit der Türkei steigern und die Forderungen ber Gläubigermächte der Türkei befriedigen könnten.
Aus Grund all dieser Tatsachen glaubt die titrBr jche Regierung bei ihren Zahlungen an die Del(