Einzelpreis 10 Pfennig
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
trfj$etnuns8roetfe: wöchentlich sechsmal nachmittags. AbonnemeniSvreiS: ffit den Monat 2,80 X bei tretet Zu» Kellung ins Haus, in der Geschättsstell« abgebolt 2.10 X. Durch die Pott monatlich 2,30 X ausschließlich Zu- genung88eDü6i:. In Kallen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch aus Lieferung der Zeitung oder aus Rückzahlung deS Bezugspreises. Verlag. Schristleitung und Druckerei: Kölnische Straße 10. — Telephon: Sammelnummer 6800. Juristisch« Sprechstunde leien Dienstag von 5 bis 7 Uhr Kölnische Straße Nr. 10.
Hessische Abendzeitung
llnzetgeripreise: GeschSstZ. und Familien-Anzeigen die 80 ww»Zeile II Psennig. Kleine Anzeige« au« Kassel das Wort 7 4. Auswärtige Kleine Anzeigen die 30 mm breite Zeile 11 4. Anzeigen im Reklameteil di« 78 mm breite Zeile 45 4. Offertgebühr 25 4 (bei Zustellung 85 j). — Für das Erscheinen von Anzeigen in bestimmten Ausgaben, an besonderen Plätzen und für telephonisch erteilte Aufträge keine Gewähr. Rech» nungsbeträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichtsstand Kassel. — Postscheckkonto Krankfurt a. M. 6380.
Nummer 183*
Donnerstag, 7. August 1930
20. Jahrgang
Deutsche Wirtschaftskrise im englischen Urteil
Britische Elektro-Ln-ustrielle zur Weltwirtschaftslage / Koch sagt ab, Scholz verhandelt mit Höpker-Aschoff / Kaum noch Aussicht auf Verständigung
Verstärkte Reparattonsfchwierigkeiien
Eigener Drahtbericht.
legt, da inzwischen zahlreiche englische und japanische Kriegsschiffe in Hankau am Yangtsekiang vor Anker liegen und bereit sind, bet weiteren Ausschreitungen der Roten Truppen in Ak- tion zu treten.
Agrarhilfe
Von r
Heinrich von Sybel, M. d. R. I
Sammlungsaktion vor dem Scheitern (Von unserer Berliner 6,djriftLeitung.)
th. Berlin, 7. August.
Obwohl im Laufe des heutigen Nachmittags noch zwei wichtige Unterredungen des volksparteilichen Parteiführers Dr. Scholz mit dem Vertreter der Deutschen Staatspartei Dr. Höpker-Aschoff einerseits und mit den Vertretern der vom Grafen Westarp gegründeten konservativen Partei andererseits stattfinden werden, läßt sich schon jetzt mit einiger Sicherheit die Linie der Politik übersehen, die die Deutsche Volkspartei weiterhin zu treiben gedenkt.
Diese Politik läuft eindeutig darauf hinaus, daß die Volkspartei den Wahlkampf selbständig zu führen gedenkt und daß alle weiteren Versuche einer Einigung der Mitte auf die Zeit nach dem Zusammentritt des neuen Reichstags verschoben werden sollen. Das Aeuherste, was von den gegenwärtigen Verhandlungen unter Umständen noch erwartet werden kann, ist eine Einigung Uber einen gemeinsamen Wahlaufruf und über ein späteres Zusammenarbeiten der Fraktionen im neuen Reichstag.
Dagegen erscheint es wohl bereits als ausgeschloffen, daß irgendeine Verschmelzung der Parteien oder eine feste Bildung auf eine spätere Arbeitsgemeinschaft erreicht wird. Auch von einer
Listenverbindung oder ähnlichen Mitteln des Zusammenschluffes für den Wahlkampf dürfte kaum noch die Rede sein. Immerhin aber wird man den Verlauf der beiden Besprechungen abwarten müssen, ehe man ein endgültiges Urteil über die Möglichkeiten weiterer Sammlungsbestrebungen der Mitte im gegenwärtigen Stadium des Wahlkampfes fällt, aber es wird in den Kreisen der Parteileitung der Deutschen Volkspartei bereits jetzt nachdrücklich betont, daß die Bestrebungen zur Sammlung der Mitte fortgesetzt werden sollen, wenn der neue Reichstag versammelt sein wird, ein Zeichen dafür, daß man bei der Parteizentrale der Deutschen Volkspartei diese Bestrebungen für den Augenblick ziemlich pessimistisch beurteilt.
Der demokratische Parteiführer Dr. Koch-Weser hat gestern einen Bries an Dr. Scholz gerichtet, worin er ihn bittet, die für heute zwischen Scholz und Koch in Aussicht genommene Besprechung mit seinem Stellvertreter Dr. Höpker-Aschoff abzuhalten. Dr. Scholz wird dem Wunsche des demokratischen Parteiführers Dr. Koch trotz der Kritik, die Höpker- Aschoff gestern in der „Köln. Ztg." an der volksparteilichen Sammlungsaktion geübt hat, nachkommen und wird die heutige Besprechung mit Dr. Höpker-Aschoff abhalten, da Koch von seinem gegenwärtigen Aufenthalte in einem Sanatorium bei Dresden heute nicht nach Berlin kommen will.
London, 7. Ang. uff.
Die Vereinigung der britischen Elektro-Industriellen veröffentlicht einen außerordentlich bemerkenswerten Bericht über die gegenwärtige Weltwirtschaftslage. Die ordnungsmäßige Sicherung des Goldstandards, so heißt es in dem Bericht, wird durch die Zahlung der deutschen Tribute und durch die Schuldenleistungen an die Bereinigten Staaten unmöglich gemacht. Eine
starke dauerhafte Wiederbelebung des Handels sei abhängig von der Abschaffung der Tribute
und von der Wiederbegebung der Anleihen durch die Vereinigten Staaten und Frankreich in größerem Ausmaße.
Die Aufsaugung großer Mengen Goldes durch die Vereinigten Staaten und Frankreich auf allen wichtigen Märkten der Welt, insbesondere aber in Südamerika und im Fernen Osten habe dazu geführt, daß dem internationalen Markt die Mittel für die Wiederbelebung des Handels entzogen würden. Vor 1932 könne kaum mit einer wirklich umfassenden Befferung gerechnet werden.
lieber die Lage in den wichtigsten Industrieländern heißt es dann weiter, daß sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland die Wirtschaftskrise viel ernpfindlicher sei als in Großbritannien. In dem darauf bezüglichen Abschnitt heißt es:
Deutschland befindet sich wahrscheinlich in der am meisten kritischen Lage von allen drei Ländern.
Die Reparationsschwierigkeiten sind verstärkt worden durch die Abschaffung der Sachlieferungen und durch die Kommerzialisierung eines Teiles der deutschen Reparationsschulden. Es ist nach wie vor richtig, daß die deutschen Reparationen nur durch eine bedeutende Kapitaleinfuhr gedeckt werden können. Diese Kapitaleinfuhr hat eine unnatürliche Belebung der Ausfuhr zufolge, die entweder durch Deflation im Jnlande oder durch zwangsweise Herabsetzung der Preise erreicht wird, oder letzten Endes durch eine Substanzausfuhr Deutschlands an das Ausland erreicht werden kann. Die kürzlich erfolgte Herabsetzung der Preise in der deutschen Eisen- und Stahlindustrie und die Verminderung der Frachtsätze für Kohlen für Ausfuhrzwecke sind deutliche Beweise dafür, daß die deutsche Regierung den Wunsch hat, die
Ausfuhr «m jeden Preis zu steigern, eine Methode, die zu Rückwirkungen in anderen Ländern und zur Versteifung der internationalen Wirtschaftslage führen muß.
Am Schluß des Berichts wird die besondere Lage Großbritanniens und der Dominions behandelt und festgestellt, daß sich die Hoffnungen der Anhänger der Gold-Theorie nicht erfüllt hätten. Der Gold-Standard habe die englische Aktion nicht verändert und im Gegenteil zu einer Lähmung des Innen- markies geführt. Wichtig sei nun eine Belebung des heimischen Verbrauchs und eine Beschneidung der Einfuhr.
Bewaffnete Intervention in China?
Schanghai, 7. August.
Die durch das Vorgehen der meuternden und plündernden Roten Armee am mittleren Pangtsetal hervorgerufene Beunruhigung scheint vorerst beige-
Jn Schanghai verfolgt man die Entsendung von Kriegsschiffen und Truppen durch die ausländisch >n Mächte mit größter Besorgnis und erblickt in diesen Maßnahmen den er st en Schritt zu einer bewaffneten Intervention.
*
London, 7. August. Eine Abteilung britischer Infanterie in Stärke von 5 Offizieren und 110 Mann hat sich am Mittwoch von Schanghai nach Hankau begeben, und wird dort der Besatzung des Kreuzers „Cumberland" beigegeben werden. Die Abteilung führt Maschinengewehre mit sich und am Freitag wird eine weitere Abteilung folgen. Drei Zerstörer der 24. Zerstörerflottill- sind in Hankau eingetroffen, 4 weitere Zerstörer sind unterwegs.
Mi Monter
'XV
affe gegen Streikende
Zuspitzung der Lage im nordfranzösischen Gtreikgebiet
Paris, 7. August.
Die Streiklage in der Textilindustrie int Gebiet von Roubaix-Tourcoing hat sich im Laufe des gestrigen Tages weiter verschärft. Die Zahl der streikenden Arbeiter beläuft sich in diesen Bezirken aus 80 000. In Halluin ist gestern der Generalstreik beschloßen worden. Infolgedessen werden heute einige andere Industriezweige, so die Wäschereien, Eummifabriken und Tapetenfabriken stillgelegt werden. — Während auf französischem Boden Ruhe herrscht, kam es gestern abend auf belgischem Gebiet zu ernsten Zwischenfällen. In der Nähe von Menin griff ein Demonstrationszug von 1500 Streikenden die Gendarmerie an, die mit blanker Waffe und aufgepflanziem Bajonett zu einem Gegenangriff überging. 20 Streikende wurden verletzt, darunter mehrere schwer.
Eine weitere Verschärfung hat die Streikbewegung in Nordfrankreich durch die Beteiligung von etwa 300 000 Bergarbeitern in den Departements Amzin Nord und Pas de Calais erfahren, denn diese haben gestern durch ihren Verband eine von den Unternehmern schon wiederholt abgelehnte Forderung auf Bezahlung der Ferien gestellt.
„Oer Wolf im Schafspelz"
Die „Sa Plata-Zeitung" über Poincarö.
Berlin, 7. August.
Gegenüber dem am 30. Juli gleichzeitig int Pariser „Excelfior" und in der „Nacion"-Buenos Aires erschienenen Artikels Poincarös, worin dieser in der gewohnten Weise Deutschland verdächtigt und selbst die Person des Reichspräsidenten in die politische De
batte zieht, erklärt die „L a P l a t a - Z e i t u n g" in Buenos Aires in einem Leitartikel:
Poincarss Kritik an der Person des Reichspräsidenten gehe sehr fehl, denn dieser habe Beweise genug dafür geliefert, daß er die neue Zeit besser verstehe als Poincars, dessen Eeistesver- faffung mehr und mehr an die Clemenceaus erinnere. Poincar4s wiederholte Warnungsruse vor derReichs- wehr und seine von jedem einigermaßen objektiv Gesinnten als sehr fadenscheinig erkannten Argumente für Frankreichs Ansprüche auf das Saargebtet seien allmählich etwas komisch. Poincars widerspreche sich selbst, indem er einerseits den Dank dafür vermisse, daß Frankreich ohne vorherige Garantie für einen geordneten deutschen Haushalt und für die pünktliche Erfüllung des Voung-Planes das Rheinland geräumt habe, auf der anderen Seite aber die vollkommen verfassungsmäßigen deutschen Notverordnungen, die gerade der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen dienen sollten, als ein Anzeichen diktatorischer Gelüste und der Rückkehr zu den alten autoritativen Anschauungen hinstelle.
Poincare erscheine als ein Wolf im Schafspelz, der mit allen Mitteln versuche, in der Welt Mißtrauen gegen Deutschland zu säen.
Frankreichs Ausgaben wachsen
Paris, 7. August.
„Slatin“ glaubt zu wissen, daß die Ausgaben im Etat für 1931 sich um 6 Milliarden Francs höher stelle« werden, als im Etat für 1930,
Die Bemühunacn. zwischen der Volksvartei und der konservativen Gruppe des Grafen Westarp eine Verständigung herbeizuführen, sind durch die Festlegung der Konservativen auf den monarchistischen Gedanken naturgemäß erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht worden. Die Anschauungen über die Möglichkeiten einer weitergehenden Einigung find zwar selbftverständlick, aeteitt, aber überwiegend besteht doch die Auffassung, daß nicht mehr allzuviel pofitive Ergebnisse von den weiteren Verhandlungen erwartet werden können.
Dr. Scholz wird dem Vertreter der Staatspartei Dr. Höpker-Aschoff voraussichtlich den bekannten Vorschlag erneut unterbreiten, wonach die Sammlung aller Parteien von den Volkskonservativen bis zur Staatspartei angestrebt werden müsse und wenigstens ein gemeinsamer Wahlaufruf aller diefer Parteien ausgearbeitet werden solle. Dieser Vorschlag von Dr. Scholz wird aber von der Deutschen Staatspartei höchst wahrscheinlich abgelehnt werden, ganz abgesehen davon, daß die W i r t s ch a s t s p a r t e i, die ja in die Samtnlnngsakrion der bürgerlichen Mitte ebenfalls einbezogen werden nfollte. bisher keinerlei Neigung gezeigt hat, sich diesen Bestrebungen anzuschließen, sondern offenbar gesonnen ist, den Wahlkampf ebenfalls allein durch; u führen.
Vor Ernennung der Ostkommiffare
Berlin, 7. August.
Das preußische Kabinett verhandelte am Mittwoch cingehcnd mit Vertretern der Reichsregierung über die Einzelheiten der in den Notverordnungen des Reichspräsidenten vorgesehenen Lsthitfe. Es kamen, wie die „Germania“ berichtet, nur sachliche Gesichtspunkte zur Sprache.
Die Personalfragen werden erst am Donnerstag spruchreif werden. Am Donnerstag dürfte die Ernennung des Reichskommifsars, des preußischen Staatskvmniiffars, sowie der preußischen Unterkom mtjfatc erfolgen, *
Wir fetten die Reibe von Artikeln, in denen fitBtenSe Persönlichkeiten ans den nerfchiedentten Lasern tbre politischen Ziele darlcaen. fort und geben benie dem Direktor des Reichslandbnndes nnd Mttzlie» der Ebrittl.-nationalen Bauernpartei H. von «vbel das Wort. Unsere eigene Stellungnahme zn den lebhaft umstrittenen Fragen, mit denen stch der Verfall« beschäftigt. wird durch diefe Veröffentlich«»« selbstverständlich nicht feftgelegt.
Der Radikalismus, der stets nach der Parole handelt „Alles oder Nichts", wird natürlich auch das unter Reichsernährungsminister Schiele Geleistete zu bagatellisieren versuchen, obwohl eine sachliche Prü« jung des Erreichten ergibt, daß die gegebenen Möglichkeiten voll ausgenutzt worden sind, daß das Rettungswerk der Landwirtschaft wirksam in Gang gesetzt worden ist und, wenn fein« Weiterführung gesichert wird, den erhofften Erfolg einet Sanierung der deutschen Landwirtschaft haben wird.
Zum Beweis dieser Behauptung seien weniMens einige Beispiele angeführt. Als die Reichsregierung des Jahres 1927 zu Beginn des Jahres 1928 zurück- trat, stand der Weizen auf 245 Mark je Tonne. Ein Jahr später war der Weizenpreis auf 224 Mark gefallen und hatte bei Rücktritt des Kabinetts Mül« ler-Dietrich wieder etwa 245 Mark erreicht. Inzwischen hatte sich jedoch die Weltmarktlage für Weizen gefahrdrohend verschärft. Die im April 1980 vom Kabinett Brüning-Schiele ergriNenen Maßnahmen zeitigten beim Weizen den beachtlichen Erfolg, daß der Inlandspreis bis zum Schluß des alten Erntejahres - um etwa 37 Mark je Tonne gestiegen ist, während der Weltmarktpreis gleichzeitig um etwa 24 Mark je Tonne fiel. Was wäre aus dem Weizen geworden, wenn die Energie und Agrarpolitik des Kabinettes Brüning-Schiele sich nicht bewährt hätte!?
Auf dem Roggen markte fand Reichsernäh« rumgsminister Schiele besonders schwierige Verhältnisse vor. Während der Roggenpreis Ende Mörz 1929 206 Mark je Tonn betragen hatte, war er Ende März 1930 auf den katastrophalen Tiefstand von 145 Mark angelangt. Bor allem lasteten auf dem Roggenmarkte Voreinfuhren von 600 000 Tonnen Gerste und 250 000 Tonnen Mais. Das Sicherheitsventil einer stärkeren Verfütterung des Roggens war also fast vollständig verstopft. Durch Erhöhung der Gern stcnzölle und zielbewußte Handhabe des Maismonopols ist es aber gelungen, einer weiteren Ueb«- schweinmung des deutschen Marktes mit ausländischen Futtermitteln sehr rasch einen wirksamen Damm ent« gegenzustellen. Durch Maßnahmen auf den verschiedensten Gebieten gelang es innerhalb eines Vierteljahres den inländischen Roggenpreis von 145 auf 177 Mark herauf zu bringen, obgleich die ausländischen Roggenpreise weiter absackten. So fiel z. B. der Preis für polnischen Roggen frei Grenze in diesem Vierteljahre von 95 Mark auf 57 Mark. ■
Dieser Erfolg genügt freilt chnoch nicht. Das beweist schon die Tatsache, daß das Zollgefetz als Richtpreis für Roggen 230 Mark versieht. Die Erreichung dieser Rentabilitätsgrenze wird aber zweifellos durch das neue Brotgesetz, durch das etwa 1 Million Tonnen Roggen in Zukunft jährlich mehr der menschlichen Ernährung zugeführt werden, stark gefördert werden. Ferner wird es für die künftige Gestaltung des deutschen Getreidemarktes von ausschlaggebender Bedeutung sein, wer die Handhabung des Vermahn lungszwanges durchführen wird, dessen Verlängerung Reichsernährungsminister Schiele noch kurz vor Toresschluß durchgesetzt hatte. Daß eine energische Handhabung des Vermahlungszwanges ein wirksames Mittel ist, beweist nicht nur die Preisentwicklung von Weizen während der bisherigen kurzen Amtsperiode von Reichsernährungsminister Schiele, sondern auch der starke Rückgang der ausländischen Weizeneinfuhr im Wirtschaftsjahr 1929-30 auf fast die Hälfte des Vorjahres.
Weniger günstig liegen die Verhältnisse auf dem Schweinemarkt. Gewiß hat die Zollerhöhung von 18 auf 27 M. die Einfuhr auf ein Mindestmaß beschränkt. Zugleich ist es gelungen, die Schweineausfuhr wesentlich zu steigern. Trotzdem läßt das starke Anwachsen der inländischen Schweinebestände, insbesondere die starke Vermehrung der Zuchtsauen und Ferkel, einen weiteren Rückgang der Schweinepreise befürchten. Die Auflösung des Reichstages hat auch hier eine wichtige Hilfsmöglichkeit zum mindesten gehemmt. Reichsernährungsminister Schiele will die notwendige Marktentlastung dadurch erreichen, daß er die ostdeutsche Landwirtschaft von dem Zwange befreit, ihre Ueberschußmengen an Roggen, Futtergetreide und Kartoffeln, die zur Zeit entweder unabsetzbar oder nur mit Verlust absetzbar sind, durch den Schweinemagen zu jagen. Es ist kennzeichnend; daß dieser Zwang dazu geführt hat, daß die Schweinebestandsziffern in den preußischen Ostprooinzen um 24 Prozent, in den eigentlichen Schweinemastgebieten, den westlichen preußischen Provinzen, dagegen nur um P