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Kasseler Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

20. Jahrgang

Sonnabend/Sonntag, 2./3. August 4930

Nummer 179*

Koch-Wesers neuer Appell zur Sammlung

Ein Bries an den volksparteilichen Führer Or. Scholz / Oer Weg zur Sammlung frei? / 25 Millionen Dollar-Anleihe zur Arbeitsbeschaffung

Rücktritt vom Aktionsausschuß

Eigener Drahtbericht.

ersten 25 Tagen des. Juli sei der vogesehene Plan der Ernteerfaflung nur zu 17,8 vom Hundert durchgeführt worden. Als Gebiet, das besonders rückständig ist, wird die Ukraine mit 6,4 vom Hundert genannt. Im Kaukasus sei der Plan in einem Umfange von 23,28 vom Hundert durchgeführt worden.

Es wird ausdrücklich hervorgehoben, daß in fast

Oer Kampf ums (Llysöe

Paris, 2. August.

Frankreichs Präsident Gaston Doumergue, ge­nanntEastounet", ist trotz seines berühmten Dauer­lächelns herzlich amtsmüde; an die Freiheiten seiner schönen südlichen Heimat gewöhnt, erscheint ihm der Palast im aristokratischen Faubourg St. Honorö nichts als ein vergoldeter Käfig, zu dem der gestrenge de Fouquieres, Oberzeremonienmeister oderMaitre du Protocole", die Schlüssel hält. Er wird also unter keinen Umständen Anwärter auf sieben weitere ,Mgnojahre" sein: der Kampf um d'e bereits inner­halb zehn Monaten stattzufindende Wahl ist mit voller Wucht entbrannt.

Die Machtvollkommenheit des französischen Re­publikpräsidenten ist größer als die manches gekrönten Hauptes, und gerade die letzten Jahre haben den Be­weis dafür erbracht, wie entscheidend sein politischer Einfluß in kritischen Augenblicken sein kann. Man kann also wohl sagen: die Entscheidung über Frank­reichs zukünftigen politischen Weg fällt weniger im Mai 1932 bei den allgemeinen Kammerwahlen, son­dern bereits im Juni 1931; und so erklärt sich der gewaltige Ansturm, der auf der. alten Elyseepalast jetzt schon eingesetzt hat.

Als erste Persönlichkeit muß immer noch P o i n- care genannt werden. Er ist von den Folgen seiner schweren' Operation völlig geheilt, fühlt sich jung und kräftig genug, seine politische Rolle weiterzu­spielen. Aus einem alten persönlichen Ehrgeiz her­aus hat er sich vorläufig uni den Posten eines Stab­trägers bei der Pariser Anwaltkammer beworben: doch hat es nicht den Anschein, als oh er darum von der Bühne abtreten wolle. Rur schreibt man ihm die Absicht zu, als Verantwortlicher Minister­präsident die Leitung von Frankreichs Geschicken zu erstreben; zu diesem Ende entfaltet er eine rege Tätigkeit als Wahlmacher, ohne daß es heute schon möglich wäre, seinen Bewerber genau zu be­zeichnen. Man denkt natürlich vor allem an Bri­ll nd, der 1912 Poincares Wahl gegen Pams durch­setzte: und in diesem Zusammenhang muß aus eine angeblicheFalschmeldung" hingewiesen werden, wo­nach die 'beiden Politiker zusammen nach Arcachon bei Bordeaux gereist seien, um sich in der Villa eines ehemaligen Ministers von ihren AnstrengUL gen zu erholen. Die .Ente" war in Wirklichkeit ein Versuschballon und hatte den Zweck, die längst ent­zweiten Männer wieder miteinander zu versöhnen; Poincare sollte seine Angriffe auf die Briandtche Politik in derNation" aufgehen und auch Bar- thou, der eben in denAnnales" einen heftigen Feldzug gegen Locarno führt, in die Front der Briandfreunde herüberziehen. Der Plan ist aller Währscheinlichkeit nach gescheitert; aber Briand hat mehr als eine Saite aus seine Bogen, und von allen Elhfeebewerbern gilt er heute noch als der aussichtsreichste.

Fernand B o u i s s o n, der äußerst geschmeidige Porsitzende der Kammer, hatte in erster Linie auf die Freundschaft Tardieus gerechnet, um chm die Pforten des Prabdentschafrspalastrs zu öffnen. Aber Bouisson ist Sozialist, wenn auch einerin Rosenwasser", und Andre Serbien haben eben in Ranzig eine auffällig scharfe Attacke geg:n den Marxismus geritten: die Aussichten des schlauen Marseillers sind dadurch um ein Bedeutendes ge­sunken, und er kommt höchstens noch, renntechnisch gesprochen, alsOutsider" in Frage. Würdig und unbescholten stellt sich als weiterer Elyseekandidat Paul D o u m e r vor, der greise Vorsitzende des Senats; Frankreich hätte in ihm einen leidenschafts­losen unparteiischen Präsidenten, nach der Art etwa wie Emil Loubet: aber die Zeiten sind dafür nicht sehr günstig, und der brennende Ehrgeiz eines Tardieu könnte sich mit einer solchen ausgegliche­nen Persönlichkeit kaum abfinden. Denn es muß hier die Bemerkung eingeschaltet werden: der Lowe von Belfort" Andre Tardieu isi fest entschlösse«, unter allen Umständen die Elyseewahlen zumachen".

Ms geschickter Spieler hat Tardieu seinen Plan noch nicht völlig aufgedeckt; doch lassen manche An- reick.'n daraus schließen, daß er dahin geht, einen möglichst schwachen Mann in den Elvseepalast zu bringen, von dessen Entschlüssen der ehrgeizige Politiker nicht allzuviel zu befürchten Härte. So erregte es berechtigtes Aufsehen, als er im Ran­ziger Stadthaus den Vorsitzenden des Armeeaus schuffes im Senat Mbert Lebrun eine hoch­politische Rede halten ließ und dazu osten­tativ Beifall klatschte Lebrun ist ehe­maliger Minister und war während des Krie­ges AbZeordueter von Stiel); es umschwebt ihn die patriotische Mystik des Lothringers, und Poincare selber kann dem Senator des Departements Meur- the-et-Moselle seine Hilfe nicht gut versagen. Es mag hier gehen wie gewöhnlich in solchen Fällen: Der am meisten gibt, gewinnt am meisten. Tardieu und Poincare wollen beide die politische Macht, zu der ihnen ein gefälliger Präsident immer wieder verhülfe. Tardieu verfügt heute Wer die Rationa­listen der Kammer, die gestern noch den Lochringer cüs .Retter des Vaterlandes" umjubelten: aber trotz allen Schmeichelns ist es ihm jetzt noch nicht ge­lungen, die Gunst des Senats zu erwerben, der ihm sinne schlechte Lau« bei jeder Gelegenheit aujs

Berlin, 2. August.

Wie wir aus politischen Kreisen erfahren, hat Reichsminister a. D. Koch-Weser, der Führer der neuen Deutschen Staatspartei, ein Schreiben an den Vorsitzenden der Demokratischen Partei Scholz gerichtet, worin er erklärt, wenn seine Person im Wege stehe, weil er die Art der Gründung der neuen Partei zu verantworten habe, so sei er bereit den Weg freizumachen und schlägt vor, zur Aus­schaltung aller Hemmnisse, daß sowohl er wie Dr. Sckolz sich von der Führung der neuen Partei zurück­halten und sie anderen Kräften überlassen wollten.

Koch spricht des weiteren die Ueberzeugung aus, »atz es nur so gelingen werde, alle gefinnungsver- wandten Kreise zu fruchtbarer politischen Arbeit einer großen Staatspartei in diesem Wahlkampf zu ver­einen, um eine verhandlungssähige Mehrheit im neuen Reichstag zu erlangen.

Wie wir hören, hat im Verlaufe dieses seines Schreibens Koch-Weser feine Tätigkeit im Aktionsausschuß bereits niedergelegt und an seine Stelle ist der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff getreten.

Rußlands Drotversorgrmg gefährdet

- Kowno, 2. August.

Wie aus Moskau gemeldet wird, wurde in der letzten Sitzung der für die Brotversorgung verant­wortlichen Behörden festgestellt, daß trotz aller ener­gischen Maßnahmen der Regierung die Ernteer­gebnisse bisher nur u n g ü n st i g waren. In den

th. Berlin, 2. August.

Die Vertreter des Reichsverbandes derDeutschenJndüstrie werden am kommen­den Montag den Reichskanzler aufsuchen, um mit ihm über die wirtschaftliche Lage und über die ge­planten Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft zu verhandeln. In diesem Zusammenhänge wird auch die Anordnung des Reichsarbeitsministers bespro­chen werden .wonach beider Vergebungöfsent- licher Aufträge die Firmen nicht berücksichtigt werden sollen, die ihren Arbeitnehmern gegenüber ein offenbar unsoziales Verhalten an den Tag legen.

Am Freitag nachmittag fand in Berlin die Grün­dungssitzung der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten A.-G. statt. Diese Ge­sellschaft soll mit einem Kapital von 150 Millionen Mark ausgestattet werden und

auf der Grundlage der Forderungen des Reiches und der produktiven Erwerbslosenfürsorge große Auslandskredite zunächst etwa 25 Mil- lionenDolla^für öffentliche Arbeiten aufneh­men. Die Verhandlungen zur Beschaffung einer solchen Ausländsanleihe sind bereits mit einem englischen und einem amerikanischen Ban­ken Konsortium ausgenommen. Der Betrag dieser Anleihe soll größtenteils zum Ausbau wert- schassender Anlagen verwendet werden.

Deutlichste zu erkennen gibt. Hier herrscht nahezu unumschränkt Poincare: rund nach einer alten Ge­pflogenheit entscheidet der Luxembourg, nicht der Palais Bourbon, über die Präsidentenwahl.

Zusammenfassend läßt sich also sagen: Rach Aus­scheidung aller Nebenfiguren, zu denen außer den Genannten auch der ehemalige Finanzminister Che- ron, der gegenwärtige Justiminister Raoul Peret und der zweite Vorsitzende der Kammer Bouillout-Lafont rechnen, bleiben als Anwärter zum Elys« zwei Per­sönlichkeiten auf dem Plan, Aristide Briand und der gestern noch so gut wie unbekannte Senator Lebrun. Briand ist der Vertreter einer bestimmten Politik, sein Name ein Symbol. Gegen diese Politik und die­ses Symbol wird heute in Frankreich zum General- sturm geblasen. Bis jetzt hat noch keiner den Mut gehabt, den Minister Briand zu stürzen: die Furcht vor der schlimmen moralischen Wirkung einer solchen Tat im Ausland ist zu groß. Man hat sich mit dem bekannten Erfolg darauf beschränkt, denFriedens­worten" des Quai d'Orsay einen gewaltigen- stungsplan entgegenzufetzen, jede »europäische" Kede

allen Gebieten sich Mängel eingestellt hätten, die un­ter allen Umständen beseitigt werden müßten, wenn die Brotversorgung nicht völlig zusammenbrechen solle. Rur einer kleinen Anzahl von Kellektivwirtschat- ten konnten Belohnungen ausgezahlt werden, da sie den Plan zum Teil mit Ueberschutz ausgeführt haben.

Panik in Hankau

Die Kommunisten im Anmarsch.

Nanking, 2. August.

Die Stadt Tschangtscha in der Provinz Hunan ist nach offiziellen Berichten des Marineministeriums nach längerer Beschießung der kommunistischen Stellen durch ein Kanonenboot von der Nanking-Regierung zurückerobert worden. Die Kommunisten haben Tschangtscha geräumt und befinden sich in nordwest­licher Richtung auf dem Vormarsch nach Hankau. Prä­sident Tschiangkaischek hat zwei Divisionen zur Ver­stärkung der Garnisonen nach Hankau beordert. Der Bevölkerung von Hankau hat sich, wie die Blätter melden, angesichts des unaufhaltsamen Vormarsches der Kommunisten, eine große Panik bemächtigt, da ein baldiger Angriff auf Hankau befürchtet wird.

Zum Schutze der englischen Bewohner Hankaus ist der KreuzerCumberland" in Hankau eingetroffen. Zwei englische Zerstörer sollen die im Sommerkurort Kuline wohnenden Ausländer Wernehmen.

Die Verteilung dieser Mittel wird in enger Zu­sammenarbeit mit der Reichsanstalt für Arbeitslosen- Versicherung durchgeführt werden und zwar in Form von Krediten, nicht von Subventionen, die von den Kreditnehmern zu verzinsen und zu amor­tisieren sind. Es sollen nur solchen Kreditnehmern Vorzchüsse gewährt werden, die in der Lage sind, die Rentabilität der vorgesehenen Anlagen nachzuweisen. Dadurch will man verhindern, daß Wie bei früheren Notstandsarbeiten, Werte geschaffen werben ,bie zwar eine Zeitlang den Arbeitsmarkt entlasten, jedoch auf die Dauer immer wieder neue Zuschüsse erfordern.

*

Berlin, 2. August. Die mit einem Bankenkonsor- tium unter Führung der Reichsbank gepflogenen Verhandlungen über die Finanzierung deS Arbeits- und Beschasfnngsprogramrn« der Deutschen Reichsbahn find erfolgreich abgefchloffen. Von dem Gesamtbetrag von 150 Millio­nen Reichsmark Schatzanweisungen find bereits 75 Millionen Reichsmark begeben, während der Rest am Kapitalmarkt unterg-bracht werden soll. Damit ist die im Auftrage des Reichskabinetts vom Reichsverkehrs- minister seit längerer Zeit aus das nachdrücklichste be­triebene Eingliederung der Reichsbahn in das Ar- beitsbeschaflungsprogramm der Reichsregierung zur Tatsache geworden.

Briands mit einem vernehmbaren Trommelwirbel zu begleiten. Das Spiel kann natürlich nicht endlos weiterdauern.

Die Vorbereitungen zur Präsidentenwahl gestalten sich zu einer Art Machtprobe, wobei sich die Geister scheiden müssen. Briandweitz heute, datzsein stärkster und unerbittlichster Gegner sein eigener Ministerpräsident ist. Tar­dieus Sinn für die .Imponderabilien" der Außen­politik ist nicht sehr entwickelt, und der europäische Widerhall, der ein Sturz Briands erwecken müßte, würde ihn persönlich nicht viel kümmern. Aber er zählt in den Reihen seiner Anhänger Männer genug, die sich für die tatsächlichen Grundlagen der franzö­sischen Weltmachtstellung keine Illusionen machen: und denen erscheint ein brutaler Abschied des Mannes von Locarno für Frankreichs Außenpolitik als zurzeit noch nicht tragbar. In ihren Augen war die von Tardieu inspirierte Ranziger Rede des Elyse- anwärters Lebrun ein schwerer Fehler: Das natio- nalisttsche Streitroß hat viel zu früh die Briandschen Zügel abgelegt. Dt. A, i.ütz,

Jugend und Parteien

W. P. In diesen Wochen, in denen das Geschäft der Wahlvorbereitungen überall mit Hingabe betrieben wird, haben die Hüter der Parteiheiligtümer eine Ent­deckung gemacht, von der sie umso lauter und umso eifriger reden, als selbst die Unentwegtesten unter ihnen um das Geständnis nicht herumkommen, daß diese Entdeckung bei etwas mehr gutem Willen schon längst hätte gemacht werden können und müssen. Der jun­gen Generation, deren Wünsche und Forderungen bis­her von der Mehrzahl der zünftigen Politiker so ge- flissentlich übersehen wurde, gilt dasheureka, gilt dieser RufIch hab'- gefunden", den fast jeder von den Parteigewaltigen jetzt anstimmt. Die Jugend ist als politischer Machtfaktor entdeckt worden. Sie wird heute von allen Seiten umhätschelt und umworben; ihre Vertreter werden zu den ent­scheidenden Beratungen über Parteineugründungen und Parteiumgruppierungen hinzugezogen. Sichere Plätze auf den Reichs- und Wahlkreislisten werden ihnen zugesichert, und alle Tore stehen weit offen, auf daß die junge Wählerschaft ihren Einzug in die Parteien halte. Ganz gewiß: Diese Entwicklung wäre mit Freuden zu begrüßen, wenn man wüßte, daß hier nicht wahltaktische Rücksichten mit im Spiel wären, wenn man überzeugt fein könnte, daß die Par­teien ihr Interesse der Jugend zuwenden, weil sie endlich die Bedeutung des Generationen. Problems und den Wert der positive? Mitarbeit der Jugend erkannt haben. Darf man aber diese Ueberzeugung hegen? Besteht bei den Parteiführern überhaupt Klarheit über das Wollen und Wünschen der Jugend, und ist nicht zu befürchten, daß die Kräfte die in der jungen Generation lebendig sind, von ihnen am falschen Platze eingesetzt, ja sogar zu parteiegoistischen Zwecken mißbraucht wexdeu.

Junge Generation wie jedes Schlagwort, so weckt auch dieser Begriff, mit dem heute in der poli­tischen Diskussion soviel operiert wird, leicht falsche Vorstellungen. Er ist vor allem deshalb gefährlich, weil sich mit ihm das Vorstellungsbild eines geschlosse­nen Ganzen verbindet. Ein Bild, das der Wirklichkeit aber keineswegs entspricht. Wenn man heute von der jungen Generation, von ihrem Vormarsch und ihrer Einordnung in das politische Leben spricht, vergißt man nur zu oft, daß diese Jugend schon ihrem Lebens­alter nach in zwei große Gruppen zerfallt: Hier die zahlenmäßig schwache Gruppe der auch diese Bezeichnung ist wieder eines jener vieldeutigen SchlagworteÄriegsgeneration" jenes Ge­schlechtes also, das heute die Mitte der dreißiger Jahre erreicht hat, und dort das Millionenheer der Jungen und Jüngsten, die während des Krieges noch Kinder waren und erst seit kurzem in den Besitz ihrer staats­bürgerlichen Rechte eingetreten sind.

Die einen, aufgewachsen in der Vorstellungswelt der Vorkriegszeit, auf gerüttelt und aufgeweckt durch das Kriegserlebnis, das die Mehrheit von ihnen zu Opferbereitschaft, EemeinschastsgefWl und sachlichem Denken und Handeln erzog, und daneben die anderen, die neue Jugend, ledig aller trabitioneHen Bindun- gen, radikal, aber, wie man mit Recht gesagt hat, radi­kalselten hinsichtlich der letzten Ziele, sondern viel« mehr der Gesten", energiegeladen, aber ohne den rich­tigenBlick fürs Ganze, für die tatsächlichen Schwie­rigkeiten der ungelösten Probleme". Zwei Gruppen, die in sich wieder vielfach in Bünde und Verbände ge- spalten find, die sich Wer als Ganzes deutlich von­einander unterscheiden. Und die trotz allem Trennen- den doch ein Gemeinsames haben: Die Eegensätz- lichkeitzu der alten, zu dervorkriegs- zeitlichen Generation, die auch heute noch das politische Leben beherrscht, und die erst jetzt unter dem Zwang der Ereignisse der Jugend den Weg frei­machen will ober wenigstens freizumachen verspricht.

Es kann nicht oft und nicht deutlich genug gesagt werden, in wie starkem Maße die Ueberwindung der gegenwärttgen Parteikrise von der Lösung ber Seite» rationenfrage abhängig ist. Schon im alten Reichstag konnte man beobachten, daß das Zusammengehörig­keitsgefühl der Gleichaltrigen oder besser gesagt der Eleichjungen die parteipolitischen Gegensätze mildert^ ja in einzelnen Fällen sogar ausglich, und zweifellos wird dieses Moment die Neugruppierung dck« Parteien in erheblichem Maße beeinflussen.

Wirflicher Jugend war der Staat", so hat Stress« mann einmal gesagt,niemals eine Versicherung« anstatt auf Gegenseitigkeit. Wahrer Jugend rog< der Staat immer nur die Verkörperung einer Jds^ die Organisation der nationalen Volksgemeinschaft." In diesen Sätzen hat der verstorbene Staatsmann, der die Gedanken der Jugend kannte und verstand, ange­deutet, was die junge Generation, soweit sie sich nicht aus Enttäuschung über die bisherige Entwicklung auf den Standpunkt der absoluten Verneinung zurückge- zogen hat, an den Aelteren auszusetzen hat, und il welchen Zielen sie trotz aller anderen Meinungsver- Wedenheiten einig ijt Mit ihrer Interessenpotük'

Ankurbelung der Wirtschaft