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Kasseler Aeuefie Nachrichten
Montag, 21. Juli 1938
habe verlassen können, sei es ihr möglich gewesen, auch in Zeiten, wo Deutschland fast am Abgrund zu stehen schien dieses Landes fest und untrennbar in der alten Verbindung mit dem Reich und Bayern zu erhalten. Dr. Curtiu« gedachte seines Vorgängers in der Leitung der beiri-üen Außenpolitik.
Der Name Gustav Strekemann gehöre der Geschichte an. Er sei sicher, datz die Geschichte ein ruhmvolles Blatt dem Manne widmen werde, der mit weitem Blick und bis zur letzten Erschöpfung seiner Kräfte für seine Ziele gekämpft habe.
Die Besetzung war für Deutschland, so führte der Minister weiter aus, eine unerträgliche Last. Sie war aber auch, selbst vom Standpunkt der internationalen Verträge ein Widersinn, längst überholt durch die Entwicklung der Politik. Die Tatsache, daß das Ziel der Befreiung erreicht wurde, daß sich in den Ländern der Besatzungsmächte doch die politische Vernunft durchsetzte, soll uns in dem Glauben bestärken, daß wir auf dem Wege der Verständigung und fortschreitenden Befriedung nach den Grundsätzen der Ge- rechtigleit weiterkommen und den inneren und äußeren Wiederaufbau unseres Vaterlandes erleichtern.
Noch sint> wir nicht am Ende dieses Weges. Das zeigt uns schon der Blick auf die Saarpfalz und die ganze Saar. Ich gebe aber die Hoffnung nicht aus. daß es- auch in dieser Frage gelingen wird, die Lösung schon vor dem Jahre <9S5 zu finden.
Im Anschluß on f'r. tz'urtius sprach Staatspräsident Dr. Sckmi't e-nb Oberbürgermeister Leilinger. Zum Schluß sprach
Reichspräsident von Hindenburg
selbst. Bei seinen Worten erhob sich die ganze Versammlung. Mit Würde und Festigkeit, mit nie versagender Treue und nie wankendem Mut hat die Bevölkerung der Pfalz, so führte Reichspräsident von Hindenburg aus, in allen Gefahren ihr Deutschtum behalten.
In tiefer Trauer senken wir das Haupt in Er- nnerunq an alle, die Leben und Gesundheit gaben für Heimat und Freiheit. Ihnen allen, die in Beispiel mannhaften Deutschtums für alle Zeiten gaben, gebührt Deutschlands unauslöschlicher Dank. Ihr Vorbild soll uns mahnen, das hohe G>u d-s Vaterlandes über alle persönlichen Interessen und Anschauungen zu stellen und alles
Die Feier
In der festlich gcschnrückten Stadthalle fand Souiiiaßmtttag zu Ehren des Reichspräsidenten ein Festakt stall, bei dem nach einleitenden musikalischen Vorträgen Staatspräsident Dr. Adelung dem Reichspräsidenten den Willkommensgrutz des Hes senlandes entbot. Anschließend begrüßte Oberplir- germeister Dr. Külb int Namen der Stadt den Reichspräsidenten. Sodann tlahm Reichsautzen- minister Dr C u r t i u s das Wort Er wies Daraus hin, daß die Befreiung des Rheintandes der Politik zu danken sei, die in dem Namen des leider zu früh verstorbenen großen Staatsmannes S t r e s e> m a n n ihre Verkörperung gefunden habe. Mit großem Opfermut. habe die Bevölkerung des besetzt gewesenen Gebietes alle Leiden der Besatzungszeit getragen. Freuen wir uns, so fuhr der Minister fort, Wer den Sieg der deutschen Sache, nicht nur um Deutschlands und seiner friedlichen Zukunft-willen; freuen wir uns auch um Europas willen. Ein gesundes, lebensfähiges Europa ist ans die Dauer nur möglich, wenn alle seine Glieder gleichberechtigt und gleichgeachtet sind.
Zum Schluffe gedachte der Minister der deutschen Brüder an der Saar.
Der ReichSs-Lrfldent
dankte darauf für die freundlichen Begrüßungsworte. Er verband damit seinen Dank au die Bewohner der Stadt Main; und des Heffenlandes für die freundliche und herzliche Bewillkommung. Unser aller Deuten und Fühlen, so führte der Reichspräsident dann u. a aus, ist heute beherrscht von Dankbarkeit. In Fesseln der Unfreiheit, lange Zeit hindurch abgcschnürt vom deutschen Wirt- sclzafisgebiet und ganz auf sich selbst gestellt, fremder Gewalt wie starken Versuchungen preisgegeben, haben Männer und Frauen dieses Landes in ihrem Deutschtum ausgeharrt in vorbildlicher Treue. Mit ihnen allen
bedauere auch ich daß der Mann, mit besten Ramm sich das Bemühen um die Befreiung des rheinischen Gebietes unlösbar verknüpft, daß Gufttzv Strcsemann heute nicht mehr unter den Lebenden weilt. Wir gedenken in dieser Stunde seine« als eines Nbannes, der in vaterländiccher Pflichterfüllung seiner selbstgestellten Aufgabe der Befreiung der Rheinlande treu bis zum letzten Atemzuge gedient hat und als Opfer dieses Dienstes von uns gegangen ist.
Wenn wir unseren Blick von dem Heute dem Morgen zuwenden, so geht unsere Hoffnung dahin, datz der Tag der Befreiung von fremder Besatzung ein Fortschritt aus dem Wege zum wahren Urieden und zur vollen Freiheit sein möge. Wir wollen hoffen, datz nufere deutschen Brüder und Schwestern an der Saar bald wieder mit uns vereintgt sein werden Wenn das erreicht wird, ist bem Frieden Europas und der Versöhnung der Nachbarvölker der beste Drenst geleistet worden.
Möge sich zur Freiheit am Rhein im ganzen deutschen Baterlande endlich auch die Einig- leit gesellen! Dann, aber auch nur dann werden wir die Kraft haben, die uns wieder Vop- wärts und aufwärts bringt.
Nach dem Hech des Reichspräsidenten fang die Menge gemeinsam das Deutschlandlied. Der Reicht Präsident folgte dann einer Einladu g dcS Staatspräsidenten Dr. Adelung und des Oberbürgermeisters Dr. Külb zu einem Frühstück im Kurfürstlichen Schloß.
Um 3 Uhr erschien das Luftschiff „G r a f Zep- peltn" über der Stadt, um dem Reichspräildenwu feine Huldigung darzubriugen.
Hindenburg in Wiesbaden
Oberpräfideut Haas begrüßt den Reichspräsidenten.
Wiesbaden, 21. Juli.
Der Reichspräsident wurde auf der Fahrt von Mainz nach Wiesbaden in Biebrich von dem 0 6 er« präfidenteu der Provinz Hessen-Nassau, Haas, int Namen der preußischen Regierung begrüßt. Wie in allen Orten, durch bte ber Reichspräsident fuhr, hatten auch hier Vereine und Verbände Aufstellung genommen. Dem Reichspräsidenten wurden allenthalben stürmische Huldigungen dargebracht. Besonders herzlich war auch die Begrüßung in Wiesbaden, wo auch aus der weiteren Umgebung große Menschenmasten zusammengestrümr waren.
Im Wiesbadener Kurhaus sand nach der Begrüßung des Reichspräsidenten durch Oberbürgermeister Krücke ein kurzer musikalischer Festakt
Trennende zu überbrücken durch die Treue zu Heimat und deu1sck>em Volke Diesem Ziele zu dienen geloben wir, indem wir rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland es lebe hoch!
Nachdem diese Feier ihr Ende gefunden hatte, trat der Reichspräsident auf den Balkon des Stadthauses hinaus, vor dem sich eine schier endlose Menge drängte. Die Menge brach in nicht endenwollende Iubelrufe aus. Atemlose Spille setzte aber ein. als der Reichspräsident folgende Worte sprach: .Meinem Dank für di? Treue der Pfalz habe ich in der Festsitzung im Rathaus soeben Ausdruck gegeben. Sie alle bitte ich. stets eingedenk zu sein dieses Beispiels vaterländischer Bürgerpfticht und über allen Streit des Tages das Vaterland zu stellen. Dann wird es mit uns vorwärts und aufwärts gehen/
Von Speyer aus trat der Reichspräsident bei herrlichem Wetter die Fahrt durchs P s 8 l z e r L a n d an. In N?ustadt a. d. H. fand eine kurze Begrüßung statt, lieber Deidesheim. Königsbach und Ruppertsberg ging die Fahrt nach Ludwigshafen und von hier über Mannheim und Worms nach Mainz, wo der Reichspräsident Sonnabend abend kurz nach 7 Uhr eintraf.
Die Stabt prangte int festlichen Schmuck Auf dem .^>allenv|gtz steht noch der mächtige Mast mit der Reichsighne. die in jener noch unvergessenen Nacht nach Abzug der fremden Truvpen hochgezogen wurde. Girlanden über Girlanden, Fahnen über Fahnen, am Rbeinuker und die Straßen entlang bis in die verwinkeltsten Gäßchen.
Ms. kurz nach 7 Ubr das Schift „Hindenburg" in Sicht kommt, kracken Böllerscküsse. Flieger kreisen am Himmel. Hochrufe brausen empor. Oberbürgermeister Dr. Külb begrüßte in kurzen Worten den hohen Gast. Er gedenkt der Stunde, die zum ersten Mate den höchsten Würdenträger der deutschen Republik nach Mainz führt und fordert auf zum Hoch auf den deutschen Gast Der Reichspräsident spricht kurze Worte des Dankes. Dann geht die Fahrt durch die Straßen der Stabt. Mensckenmass^n umschlingen den Waoen. Die fttrze Rundfahrt endet am Deuftckordenshaus, wo der Reichsprästdent seine Wohnung nimmt
in Mainz
statt, bei dem eine Dichtung „Befreites Rheinland" zum Vortrag kam. Den Schluß bildete der letzte Satz aus der Ersten Simphonie von Brahms, gespielt vom Städt chen Kurorchester unter Leitung des Generalmusikdirektors Schurich.
Der Reichspräsident verließ dann wieder von begeisterten Zurufen begleitet, Wiesbaden, um nach Eltville zu fahren, wo er Gast des Reichskomis- sars Freiherrn Langwerth von Simmern ist.
Gedenken an Strejemamr
Mainz, 21. Jult
Reichspräsident von Hindenburg hat an Frau Dr. Strefemann folgendes Telegramm gerichtet:
„Bei der erhebenden Befreiungsfeier in der Stabthalle zu Mainz haben wir in Trauer unb Dankbarkeit Ihres verstorbenen Herrn Gemahls gedacht, bem es nicht beschicken war, ben Dank ber Bevölkerung für feine bis zum Tode pflichttreue und aufopfernde Arbeit zu erleben. Ich bitte Sie, bei diesem Anlaß ben Ausbruck meines Gedenkens und ergebenste Grütze entgegenzunehmen, gez. von Hindenburg."
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Retchsanßenminister Dr. Curtius hat Sonntag nachmittag in Begleitung des langjährigen Referenten für die befetzten Gebiete, Vortragenden Legationsrat von Friedberg, einen Lorbeerkranz ant Grund st ein des Stref eman n-E hrenmals niedergelegt
Brünings Sparaktion
(Von unserer Berliner Echristleitung.)
th. Berlin, 21. Juki.
Die neue Woche wirb im Zeichen ber von bet Reichsregierung auf Grund bes Artikels 48 zu erlas- fenben Notverordnungen stehen. Reichskanzler Dr. Brüning hatte bekanntlich seine Teilnahme an ben Befreiungsfeiern abgesagt. Diese Absage ist vor allem beshalb erfolgt, weil bereits jetzt täglich interne Reffort Vorbesprechungen über bie zu erlaffenben Ver- orbnungen stattfinden. Die erste Kabineltsit- z u n g in biefer Angelegenheit wirb allerdings erst erfolgen, wenn nach den Rheinlanbfeiern, etwa am Donnerstag, fämttiche Reichsminister in Berlin versammelt sein werden. Man will bann bem Gesamtkabinett bereits ein fertiges Programm ber neuen Verordnungen vorlegen.
Wie ber „Montag-Morgen" in diesem Zusammenhänge zu berichten weitz, haben der Reichskanzler unb ber Reichsfinanzminister bie Absicht, mit ber Dur ch- führung bes Sparprogramms, bas ursprünglich erst im Herbst bem Reichstag vorgelegt werben sollte, fofort gu beginnen. Es soll da- bei bem Sparkommissar Sämisch ein entschei- benber Einfluß eingeräumt werben. Man nimmt an, baß Dr. Sämisch burch seine Erfahrungen als Prästbent bes Rechnungshofes unb als Sparkom- miffar genügenb Einblick in bie einzelnen Refforts erhalten hat, um eine ganze Reihe von sofort durch- führbaren Maßnahmen Vorschlägen zu können. Ein Teil biefer Vorschläge, bie man von bem Sparkom- miffar erwartet, bürste bann mit Hilfe bes Artikels 48 burchgesetzt werben.
„Kein Bruöerkamvf"
Surgfriebe Hitler-Straffer?
Berlin, 21. Juli.
Zwischen den beiden nationalsozialistischen Gruppen, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Hitler-Goebbels) und den revolutionären Nationalsozialisten (Buchrucker-Otto Straffer) sollen, wie eine von der „Welt am Montag" veröffentlichte Korrespondenzmeldung wissen will, seit gestern Verhandlungen über eine Vereinbarung im Gange fern, die eine gegenseitige Bekämpfung des Wahlkampfes verhindern soll. Die Abmachungen sollen unter der Parole „Kein Bruderkampf" vor der Oefsentlichkeit bekanntgemacht werden.
Das gleiche Blatt berichtet weiter, daß sich zwei Verfammlungen von Nationalsozialisten in Mannheim und Heidelberg für Gründung einer „D eutsch- sozialen Rassenpartei" ausgesprochen hätten
Das Ersatz-Parlament
Berlin, 21 Juli.
Nach der Auflösung des Reichstags eriftiereit noch der Auswärtige Ausschuß und der sogenannte U ebie r w a ch» ng>s au s s chu ß des Reichs- tags weiter. Der offizielle Name dieses zweiten Ausschnffes im Artikel 35 der Reichsverfassung ist allerdings „Ausschuß zur Wahrung ber Rechte der Volksvertretung gegenüber der Reichsregierung. Daraus könnte man folgern, daß oitfer ständige Ausschuß eine Art Ersatz-Parlament sein soll, daß er also z. B. in der gegenwärtigen heiklen Lage die neuen Notverordnungen aufheben könnte, bte der Reichspräsident zu erlassen beabsichtigt Politiker und Staatsrechtler halben jedoch erhebliche Zweifel, c6 die Befugnisse des Ausschusses so woit gehen.
Fest steht allerdings, daß der Ueberwochungsa»»> schuß die Rechte eines Ausschusses besitzt.
Dächer bestehen keine Bedenken dagegen, daß die Reichsregierung mit diesem gemeinsam die Steuer» senkungsvorordnung erlaßt, die derReichsrat kürzlich schon genchmigt hat, mit der sich der Reichstag aber nidrt mehr beschäftigen konnte. Es handelt sich hier um den Steuerabzug vom Kapitalerträge festverzinslicher Werte, zu dessen Aufhebung die Regierung allerdings nur mit Zustimmung des Reichsrats und eines ReichSiagSausschusses, durch besonderes Gesetz ermächtigt worden ist.
Einig stnd sich Politiker und StaatSrechtler anderseits darin, daß der Ueberwachungsausschuß nicht die Besngnis hat, in die Verwaltungs- icbäfte der Reichsregierung einzugreisen. Strittig bs-ibt also das va-wftcken liegend« Gebiet der ac» setzgrberischsn Zuständigkeit. Mer selbst tn oppositionellen Kreisen dürften Bedenken bestehen, eine solche Zuständigkeit des Ueberwachungsausfchnfles cin.Zi'nehmen. Das könnte nämlich dazu führen, daß eine Regierung gelegentlich den Reichstag auf längere Zeit in die Ferien schickt und an seiner Stelle alle notwendigen Gesetze nut einem dem Kabinett gerade ergebenen Ueberwachungsausschutz macht.
Enpen-Malmedy fordert Selbstbestimmungsrecht
Eupen, 21. Juli.
Die vier deutschen Zeitungen in Eupen-MalmedH richten anläßlich der belgischen Unabhängigkeitsfeier einen Aufruf an die belgische Regierung und an die belgischen Abgeordneten und Senatoren, in dem sie unter Hinweis darauf, daß die Eupen-Malmedyer unter Mißachtung von Recht, Vertrag und Volkse willen belgisch geworden stnd, das Naturrecht der Selbstbestimmung beanspruchen.
Weiter heißt es: Alle Welt weiß und auch objektiv denkende Belgier geben zu, daß die Volksbefragung von 1920 eine Komödie und daher als Voraussetzung für unsere Abtrennung vom Reich unbrauchbar war. Die Behauptung, die Mehrheit unserer Bevölkerung wolle bei Belgien verbleiben, ist durch die Wahlen von 1929 überzeugen- widerlegt worden. Wir sind der festen Ueberzeugnng, daß eine baldige gerechte Lösung der Frage Eupen-Malmedy geeignet ist, den leider noch immer nicht ungetrübten Bezieh Hungen zwischen Belgien und Deutschland eine entscheidende Wendung zum Besser ren zu geben. Eine ungelöste Frage Eupen-Malmedy, aber wäre ein ewiger untilgbarer Hohn auf die belgische Freiheit selbst und ihre jetzige Jahrhundertfeier.
Hur die Schweiz fehlt noch
Alle Antworten aus Brianbs Fragebogen abgesandt.
Paris, 21. Juli.
Die bulgarische Regierung hat gestern dem französischen Gesandten in Sofia ihre Antwort auf vri- ands Europa-Memorandum überreicht. Die Antworten Griechenlands und Jugoslawiens stnd ebenfalls nach Paris unterwegs. Von den zur Meinungsäußerung eingeladenen 26 europäischen Staaten haben nunmehr alle mit Ausnahme der Schweiz geantt »ortet
Rüstungen zum Wahlkampf
Wie sieht der Wahlzettel aus? / Kinheitsbestrebungen der Rechten gescheitert
th. Berlin, 21. Juli.
Die technischen Wahlvorbereitungen haben bereits begonnen. So hat am Sonnabend im R eich s i n n e n min iste r i u m eine erste Besprechung stattgefunden über die Reihenfolge, in 6er die Parteien auf dem Wahlzettel au (geführt werden sollen. Diese Frage hat schon in früheren Fällen zu erheblichen Sieitigkeiten geführt, da in der Reichswahlordnung nicht vorgesehen ist, an welche Stellen. diejenigen Parteien gestellt werden sollen, bie bei der letzten Wähl noch nicht als selbständige Parteien vorhanden waren. In erster Linie ist für die Aufstellung des Wahlzettels der Grundasatz maßgebend, daß die Parteien in der Stärke aufeinander folgen, die sie bei der letzten Wahl erreicht haben.
In der Besprechung, die unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Dr. Wirth mit den Vertretern der Parteivorstände stattfand, -hat man sich auch noch nicht endgültig geeinigt. Man hat lediglich vereinbart, daß tne ersten zehn Plätze in folgender Reihenfolge verteilt werden: 1. Sozialdemokraten, 2. Deutschnationale, 3. Zentrum, 4. Kommunisten, 5. Deutsche VoWpartei, 6. Demokraten, 7. Wirtschafts- Partei, 8. Bayerische Volkspartei, 9. Nationalsozialisten, 10. Christlich-nationale Bauernpartei.
Zum Reichswahlletter ist auch diesmal wieder ber Direktor des Statistischen Reichsamts Professor Wagemann in Aussicht genommen.
Oie Spaltung der Oeutschnationalen
Innerhalb der Parteien ist man jedenfalls eifrig bemüht, bie ersten Vorbereitungen für ben Watzt- kampf zu treffen. Das Hauptinteresse wenbet fich jeweils naturgemäß ben Borgängen innerhalb ber beutfchnationalen Partei zu. Wie wir erfahren, haben von ben 25 beutfchnationalen Abgeordneten, bie am Freitag gegen bie Aufhebung ber Rotverorbnung gestimmt haben, im Lause bes Sonn abenb 18 Abgeorbnete in einem Schreiben an bie beutschnationale Reichstagsfraktion ihren Austritt aus ber Fraktion erklärt. Ferner hat GrafWestarp in einem Schreiben an Geheimrat Dr. Huaenberg feinen Austritt aus ber deutschnatio- nalen Volkspartei erllärt.
Wie die „Montagspost" ferner aus beteiligten Kreisen der Rechten erfahren ha>ben will, sollen die Ver- bondlunaen, die die Bildung einer oroßcn Rechtsfront zum Ziele hatten, gescheitert sein. Es habe sich als unmöglich erwiesen, diejenigen Gruppen politisch zusammenzufassen, die einst ün deutschnationalen Lager vereint waren.
Es handelt sich dabe» um folgend« vier G r u p- t>ea; d*gi(jti4r»efc*ak Bauern, Gruppe Westarp,
Gruppe Treviranus und Gruppe der Christlich-Sozialen.
Vier Gruppen marschieren getrennt
Die stärkste Gruppe von diesen vier Gruppen, die also anscheinend getrennt in den Wahlkamps ziehen, sind die Christlich-nationalen Bauern; man rechnet damit, daß Reicksernährungsminister Schiele an die Spitze dieser Bewegung tritt. Am morgigen Dienstag findet eine Landbundsüh- rer-Tagung statt, und man' zweifelt nicht daran daß in biefer Besprechung Schiele als der Führer der Christlich-nationalen Bauern gewählt werden wird.
Die Gruppe Westarp
will mit der Parole „Für Kaiser und Reich" in den Wahlkampf treten. Ob diese Formel selbst gewählt wird, ist noch offen Entschieden ist aber, daß Graf Westarp grundsätzlich das Bekenntnis zur Monarchie auf die Fahne feiner neuen Partei schreiben will. Dieser Umstand hat auch bie Verhandlungen zum Scheitern gebracht, die in Verbindung mit der
Gruppe Treviranus
geführt wurden, da diese Gruppe nickt an die Zugkraft der Hobcnzollernvarole glaubt. Vielmehr wollen diese Abgeordneten mit dem Stichwort: „In Reick und Preußen ohne Sozialdemokratie" in den Wahlkampf ziehen. Die Treviranusaruppe hat denn auch zunächst ein Kartell mit den Deutsch- Hannoveranern gebildet.
In einer Tagung am 20. Juli im Lünenschloß in Hagen faßten die Vorsitzenden und Stellvertreter der Arbeitsgemeinschaften aus Rheinland und Westfalen der Volkskonservativen Vereinigung folgende Beschlüsse: Als Spitzenkandidat in Westsalen-Nord und Westfalen-Süd wird der Füh. rer der Volkskonservativen Vereinigung Reichsmini- ster T r e v i r a n u s aufaestellt. als Spitzenkandidat in den Wahlkreisen Düsseldorf-Ost und Düsseldorf- West der Vorsitzende der Reichstagsfraftion der Christlich-nationalen Arbeitsgemeinschaft von Lind- einer-Wildau. Im Interesse der Sammlung aller recktsllebenden Gruvven sollen die weiteren Plätze ber Gruppe einstweilen offen bleiben.
Die Christlich-Sozialen, unter der Führung von Mumm gehen mit dem Christlichen Volksdienst und mit der Bolks- rechtsvartei zusammen. Die Frage, ob wenigstens eine Listenverbindung dieser vier Gruppen im Wahlkampfe irgendwie zustande kommt, ist noch un- entschiedeu.
Sauevwein veröffentlich am Montag im „Mattn* einen Artikel über bie Vereinigten Staaten von Europa im Zusammenhänge mit 6em Völkerbund, der vorn französischen Außenministerium zum mindestes beeinflußt fein dürfte. Die Antworten 6er eingelade, nen Staaten, so betont Sauerwein, bedeuteten eine Volksabstimmung für den Völkerbund; selbst diejenigen, die sich früher über seine Untätigkeit beschwert hätten, schrieben ihm heute seltene Verdienste zu. Es handele sich nur darum, ein Mittel zu finden, damit 6er Europa-Staatenbund in enger Verbindung mit dem Dölkerbundssekretariat bleibe, aber auch die Möglichkeit habe, in unmittelbare Bet ziehungen zu den interessierten Mächten zu treten.
Während der sitzungsfreien Zeit des Völkerbundes müsse der Präsident des Staatenbundes mit dest Mitgliedern der übrigen Staaten verkehren können, ohne gezwungen zu sein, seine ganze Tätigkeit auf ben Notenaustausch mit dem Völkerbundssekretariat zu beschränken. Es fei vielleicht in Erwägung zu ziehen, ob man ihm nicht einen ständigen Vertreter deS Völkerbundes zur Seite stelle. Wenn ein Teil von Staaten die Notwendigkeit erkannt hätten, die Türkei und Rußland ebenfalls in den zu gründenden Staatenbund einzuschliehen, so wäre dies em Grund mehr, dem Bund seine Selbständigkeit zu belassen, da es sonst schwer fallen würde, für ihn die Länder zu gewinnen, die den VöLerbund bekämpft oder nicht anerkannt haben.
Aegypten vor neuen Ltnnrhen?
Kain», 21. Juli.
Anläßlich eines für heute geplanten Versuches der Wafd-Anhänger. trotz der Auflösung des Parlaments eine Sitzung sowohl im Senat wie im Abgeordnetenhause abzuhalten, sind von der Regierung umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. I» Uebereinstimmung mit bem Manifest der Regierung, daß sie unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung sorgen würde, haben Truppen die wichtigsten Gebäude der Stadt besetzt.
Obwohl man für heute Unruhen in Kairo befürchtet, ist doch die Stimmung unter der Bevölkerung Ömlich ruhig, da man angesichts der großen Vor- tSmaßnabmen der Behörden Vertrauen zu Sidky Pascha gefaßt hat. Bisher herrfcht sowohl in Kairo wie in allen anderen Städten Ruhe.
Auf einer am Sonntag abgehaltenen Konferenz der Waidpartei wurde beschlossen, eine Petition an König Fuad zu richten und ihn um die Anberaumung einer Sondersitzung des Parlaments zu ersuchen, auf diese Weise könnten nach den Erklärungen der Wafd- Führer am heutigen Tage Sensationen vermiede» werde».