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Kasseler Neueste Nachrichten

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Hummer 168*

Montag, 21. Juli 1930

20. Zahlung

MJHU

pariser Begleitmusik zur Rheinlandfeier

ltnsachliche Angriffe der chauvinistischen preffe / Würdiger Verlaus der Hindenburgtage am Rhein / Ein Fest der deutichen Volksgemein chasi

Verdiente Abfuhr der Hetzer

Eigener Drahtbericht.

Paris, 21. Juli.

Die französische Presse berichtet auch weiterhin ein­gehend über den Verlauf der Besreiungsfeiern im Rheinland. Das Hauptaugenmerk richtet sich diesmal auf die Rede des Reichspräsidenten von Hindenburg, der in Mainz den Frieden Europas von der Rückgabe des Caargebtetes abhängig gemacht habe.

Das nationalistischeEcho de Paris" gibt unter der UeberschriftDer zweite Tag der Reise Hin­denburgs, gekennzeichnet durch einen Triumph des Stahlhelms" ein ausführliches Stimmungsbild, in dem der Aufmarsch des Stahlhelms einen brei­ten Raum einnimmt. Der Triumph, den der Stahl­helm in Mainz und Wiesbaden gefeiert habe, sei unge­wöhnlich und erdrückend gewesen. Es sei

chauvinistischen Blätter Frankreichs, die nur darauf ausgingen, die Saarverhandlungen unmöglich zu machen. Italien dürfe ganz ungewöhnliche Forderun­gen an Frankreich stellen, ohne daß man Einspruch erhebe,

sowie aber der Versuch gemacht werde, die S a a r- frage durch ein gemeinsames Uebereinkommcn zu regeln, erhebe sich ein großes Geschrei, weil die Interessen eines halben Dutzend französischer

Industrieller auf dem Spiele ständen. Den franz Chauvinisten genüge es nicht, die Ereigniffc in Deutschland zu entstellen, indem sie z. B. die Auf- ltzsung des Reichstages als einen Staatsstreich hinstellten, die Ausführungen des Reichs- autzenministers in Speyer, der die Rhein­landräumung als einen Schritt auf dem Wege zur Annäherung bezeichnet habe, wird aber wohl­weislich verschwiegen.

Man verlange, so führt die Volonte weiter aus, von den französischen Nationalisten izicht, den Ereig­nissen in Deutschland blind und dumm gegenüber- zustehcn, man könne aber wohl verlangen, ohne aufreizendes Polemisieren die Wahlen abzuwarten.

Siildenburgs Triumphfahr!

für einen Franzosen schmerzlich, zu erleben, daß Frankreich alle wahren Garantien einem soge­nannten pazifistischen Deutschland geopfert habe.

Wenn in Mainz auch ein Aufmarsch des Reichsban­ners stattgefunden habe, so habe ihm doch die Diszip­lin und die Kraft gefehlt, die vom Stahlhelm ausge­gangen sei. Mau habe den Eindruck einer Beklom­menheit und Zaghaftigkeit gehabt. Frankreich sei jedenfalls durch die Feier mit deutscher Bru­talität gewarnt worden. (Und die Ausführun­gen, die vor allem der deutsche Außenminister über die Notwendigkeit einer deutsch-französischen Verständi­gung bei den Befreiungsfeiern gemacht hat? Sie sind anscheinend der Aufmerksamkeit der Herren Pertinax und Gefährten ganz und gar entgangen!) .

Zu einem geradezu phantastischen Artikel versteigt sich Löon Daudet, der Führer der französischen Royalisten, in derAction Francaise". Er ergeht sich in Ausdrücken gegen die französischen Minister, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Von den Befreiungsfeiern im Rheinland und der deutschen Antwort auf die französische Denkschrift des Europa- Staatenbundes ausgehend,

schildert Daudet die drohende Kriegsgefahr

und wendet sich zunächst gegen Briand und Poincarö. Er, Daudet, wisse aus sicherer Quelle, daß Deutsch­land die Versicherung von England habe, im Falle eines Krieges mit Polen oder Frankreich neutral zu bleiben.

*

Erfreulicherweise enthebt uns ein französisches Blatt, die den Radikalsozialisten, der größten franzö­sischen Partei nahestehendeVolonte" der Pflicht, uns mit diesen Aeußerungen der nationalsozialisti­schen Pariser Presie kritisch zu befassen. DieVolon­te" wendet sich nämlich energisch gegen die Hetze der

Conderbericht der Kasseler Neuesten Nachrichten.

Mainz, 21. Juli.

Der Höhepunkt von Hindenburgs Rheinreise ist er­reicht. Die Hülle vom Befreiungsdenkmal auf dem Schillerplatz im goldenen Mainz ist gefallen, der Fest­akt in der Stadthalle ist vorbei, des Reichspräsidenten Worte an die deutsche Nation sind verklungen. Aber sie sind nicht ins Leere verhallt. Wer nicht dabei ge­wesen ist, kann sich keine Vorstellung machen von der unbeschreiblichen Ergriffenheit, von der die gewaltige Festversammlung gepackt war. Hinden­burgs Rede war, man weiß es, auf den Grundgedan­ken der deutschen Einigkeit abgestimmt. Immer wie­der wiederholte der Reichspräsident dieses Wort von der Einigkeit; er gedachte ihrer, als er der rhei­nischen Bevölkerung den Dank des Vaterlandes aus­sprach. Er rief zu ihr auf, da die Wiederaufrichtung Deutschlands noch schwere Opfer verlangen wird. Und es war der Mittelpunkt von Hindenburgs großer Rede, wohl der politisch bedeutungsvollsten, die er seit seiner Präsidentschaft gehalten hat, als er Einigkeit im Wunsche nach einem freien, gleichberech­tigten Europa forderte, auf dem allein dauern­der Frieden erwachsen kann.

Statistiker haben in aller Eile errechnet, daß die Worte: Frieden! und: friedlich! die häufigsten in der Ansprache des Reichspräsidenten wie in der überaus wirkungsvoll vorgetragenen Rede Curtius' waren. Wenn man schon vor einigen Tagen darauf Hinweisen konnte, daß die Reden und Feierlichkeiten völlig auf den Ton versöhnlichen Zukunftswillens abgestimmt sein würden, ist diese Voraussicht durchwegs in Er­füllung gegangen. Es wäre auch unmöglich, in die Atmosphäre kaum gebändigten Jubels, die Hindenburg am Rhein umfängt, Mißtöne hineinzutragen. Der

sozialdemokratische Verband der oberrheinischen Be­zirke hatte allerdings, um jede Berührung mit dem Stahlhelm zu vermeiden, seine Mitglieder aufgesor- dert, den Feiern fernzubleiben. Als aber der Reichs­präsident in Mainz an Land ging, . stand unter den ersten, die ihn jubelnd begrüßten, Otto Hörsing, der Vorsitzende des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, und ebenso waren allerorten die sozialdemokratischen Eemeindefunktionäre genau so zur Stelle wie die bür­gerlichen.

Es war wirklich eine Feier der Volks­gemeinschaft. Wir haben im unbesetzten Teile Rachkriegsdeutschlands ähnliche, gleichsam selbstver­ständliche nationale Solidarität niemals erlebt. Und manchem von uns graut es ein bißcben vor der Rück­kehr nach Berlin, da im einsetzenden Wahlkampf die Gegensätze schärfer Betont sein werden. Wer diese Tage aus nächster Nähe miterlebt, möchte freilich an­nehmen, daß sich der Wahlkampf zumindest hier, am Rhein, in ernsteren und würdigeren Formen als an­derswo abspielen wird. Unmöglich will es scheinen, daß es dem Parteiegoismus, mag er auch in der Wahl seiner Mittel nicht gerade schüchtern sein, gelingen sollte, diese Menschen hemmungslos gegeneinander zu verhetzen, die heute in so prachtvoller Ein- mütigieit zusammenstehen. In all diesen Tagen war nicht ein einziges gehässiges Wort zu hören, hat es keinen Mißklang und keine falschen Nebengeräusche gegeben.

Nur eines bereitet eine gewisse Sorge: das ist die Ueberanstrengung, die Hindenburg offen­sichtlich auf sich nimmt. Speyer, die Pfalzfahrt im Auto, Ludwigshafen und Worms, die Rheinreise, der Tag von Mainz und nun Wiesbaden und Eltville

es ist ein Programm, das schon für einen jüngeren Mann eine ungeheure Belastung wäre Hindenburg hat bis zu diesem Augenblick noch keine einzige freie Sekunde gehabt. Man weiß, wie erlist er seine Pflich­ten nimmt. Und da es nun seine Pflicht ist, in per­sönlichem Kontakt mit der rheinischen Bevölkerung zu stehen, läßt er sich jeden Orts­bürgermeister, jede Abordnung, jeden Festredner per­sönlich vorstellen. Er führt Hunderte von Gesprächen an einem Tag. Und all das in beispielloser zeitlicher Hetze. Sein unmittelbarer Begleiter, Staatssekretär Meißner, hält dies ist wörtlich und nicht bildlich zu verstehen die Uhr mit dem Sekundenzeiger in der Hand. Und wenn die Umgebung des Reichspräsiden­ten gelegentlich meint, ihr Chef könnte sich nun auf wenige Augenblicke zurückziehen, so ist er es, der sich als Vater der Nation fühlt und nicht als Chef und immer wieder zur Stelle ist, zu sprechen, zu danken, zu grüßen, zu winken. Dabei ist zu bedenken, daß erst ein Teil der Reise vorüber ist.

Dem heutigen Ruhetag auf dem Schlosse Elt­ville des Reichskommijsars Langwerth von Sim­mern folgen die Feiern in Kreuznach und schließ­lich die Hauptbefreiungsfeier am deutschen Eck von Koblenz. Dieser Hauptbefreiungsfeier kommt auch erhöhte politische Bedeutung insofern zu, als der preußische Ministerpräsident Otto Braun seine Festrede, wie man hört, benützen wird, um ein, nach dem Stahlhelmzwischensall doppelt notwendiges und doppelt willkommenes Bekenntnis zu Hinden­burg abzulegen.

Nein, der Reichspräsident macht sich's in diesen Tagen wahrhaftig nicht leicht. Er stellt sich bis an die äußerste Grenze des physisch Möglichen in den Dienst der Sache. In der offiziellen Welt wird aus begreif­lichen Gründen des Taktes wenig über diese Dinge gesprochen. Aber das deutsche Volk empfindet sie umso natürlicher, umso feinfühliger, umso stärker. Und als Hindenburg von dem großen Toten sprach, der den Rest seines Lebens dem Dienst des Vaterlandes opferte, waren sie von einer tiefen Ergriffenheit er­schüttert, die nicht unserem Stresemann allein galt. Rene Kraus.

*

Hindenburgs Dank an die Pfalz

Der Festtag in Speyer.

Speyer, 21. Juli.

Den Mittelpunkt der Befreiunsfeier am Sonn­abend bildete der Festakt im Alten Sitzungssaale des Stadthauses. Als Erster hielt Ministerpräsident Held eine Begrüßungsrede. f

Reichsaußenminister Dr. Curtius

überbrachte sodann die Grüße und den Dank der Reichsregierung. Mit besonderem Stolz könne die Pfalz auf die vergangenen Jähre zurücksehen. Rur weil sich die Reichsregierung auf den geschlossenen Willen der Bevölkerung der Pfalz und am Rhein

w

Kundgebung des Reichsbanners

Mainz, 21. Juli.

Das Reichsbanner, das Sonnabend beim Empfang des Reichspräsidenten am Rheinufer Spa­lier gebildet hatte, veranstaltete Sonntag vormittag aus dem Halle-Platz eine eindrucksvolle Befreiungs­kundgebung, Bei der Reichsminister a. D. Severing u. a. aussührte: Wir freuen uns mit unseren hes­sischen Volksgenossen des Tages, an dem der Behaup­tungswille und das unerschütterliche Vertrauen die Besreiungstat vollBracht haben. Das Reichs­banner müsse sich bei seinen Veranstaltungen aber auch daran erinnern, daß es noch Zukunftsauf­gaben zu lösen habe. Das deutsche Volk, das bis 1918 in einem scheinkonstitutionellen Staate gelebt habe, müßte erst lernen, von Demokratie und Par­lamentarismus den richtigen Gebrauch zu machen.

Bundesvorsitzender H ö r f t n g nahm auch zu den Ereignissen der letzten Tage Stellung und führte u. a. aus: Wir sind kein Bund von Parteien, sondern ein Bund der aktivsten Kräfte der Republik., Möge der 14. September die besten republikanischen Kräfte in den Vordergrund stellen. All? Republikaner ver­eint für die soziale, demokratische, freie deutsche Re­publik! Das ist unser Wille

*

Unsere Bilder zeigen links die freudig gestimmte Menschenmenge in einer der festlich geschmückten Stra­ßen Speyers. Rechts: der Reichspräsident in Speyer. Siebe» ihm Rrichsaußenminister Dr. Curtius rmv Ministerpräsident Held.

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