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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Nummer 160*
Freitag, 11. Juli 1930
20. Jahrgang
Fricks Schulgebete vor dem Staatsgerichishof
Reich gegen Thüringen / Noch keine Klarheit über die Mehrheitsbildung im Reichstag / Entspannung der französisch-italienischen Beziehungen?
Preissenkung
Von Dr. Gustav Stolper
Die Preissenkungsfrage steht gegenwärtig im Mittelpunkt der öffentlichen Auseinandersetzungen. Obwohl wir uns mit den nachfolgenden Ausführungen Dr. Gustav Stolpers, der bekanntlich erst vor kurzem in Kassel einen viel beachteten Vortrag über die aktuellen Probleme der Finanzpolitik gehalten hat, nicht in allen Einzelheiten identifizieren, so glauben wir doch, daß die Darlegungen eines angesehenen Wirtschaftstheoretikers wie Stolper Anspruch auf allgemeine Beachtung haben.
Es gibt Schlagworte, die sich wie eine Sturzwelle über ein Land ergießen. Seit wenigen Wochen ist die Preissenkung zu der Parole geworden, von der Deutschland das Wunder der Rettung erhofft. Die Regierung selbst sucht jeden Tag diesen Glauben zu stärken, die großen Wirtschaftsverbände haben sie zum Gegenstand langwieriger Verhandlungen mit den Gewerkschaften gemacht. Ein u n ge h e u e r schwieriges, kompliziertes Phänomen wird hier etwas gewaltsam vereinfacht. Um was kann es sich handeln, wenn Preissenkung zum Anstoß für den Aufschwung der Wirtschaft werden soll?
In der kapitalistischen Wirtschaft sind steigende Preise Zeichen des Aufstiegs, sinkende Preise Zeichen des Niedergangs. Steigende Preise beleben den Unternehmungsgeist, erhöhen Vie Gewinne, verstärken die Kaufkraft, sinkende Preise lähmen den Unterneh- niungsgeist, bringen Verluste, schwächen die Kaufkraft. Auf den ersten Blick scheint es ein Widersinn zu sein, von einer Preissenkung verstärkte wirtschaftliche Aktivität zu erhoffen. Und es ist auch ein Widersinn, wenn und so lange man nur an die Tendenz zum Sinken der Preise, denkt. Haben sich einmal die gesunkenen Preise auf einem tiefen Mvcau stabilisiert, dann freilich ist der Weg zum Aufftieg frei.
Aber heute handelt es sich nicht nur darum, „was fällt, auch noch zu stoßen", einen Preisrückgang, den die Depression ohnehin erzwingt, noch durch Eingriff von außen zu beschleunigen. Die deutsche Wirtschaftspolitik steht vor der elementaren Tatsache eines ungeheuerlichen Zusammenbruchs der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt. Die wichtigsten Nahrungsmittel und Rohstoffe haben ihren Preis gegen den Höchststand der Nachkriegszeit halbiert, viele stehen unter dem Durchschnitt 1913. Ein paar Beispiele:
Durchschnitt 1913 2. Juli 1930
Weizen, Chicago
90K
91.87
Kupfer, Neuyork
15.56
11.50
Copra, London
31.13.9.
19.17.6.
Rohwolle, London
100
73
Jute, London
30.8.614
21.17.6.
Kautschuk London
3.1%
0.6*/,.
Welche Verwüstungen ein solcher Preissturz in den Produkttonsländern heraufbeschwört, kann man sich in Deutschland als einem Land der Verarbeitung mit nur sehr schmaler Rohstoffbasis kaum vorstellen. Nur einen kleinen Vorgeschmack davon hat die deutsche Landwirtschaft zu spüren, deren Elend ein Teil des Weltelends ist, die aber doch durch die deutsche Zollpolitik die Stöße, die vom Weltmarkt ausgehen, nur gedämpft empfängt. Aber Deutschland ist Rohstoffverbraucher, es profitiert von den sinkenden Rohstoff- preisen (wenn man von der Agrarnot absieht). Es scheint selbstverständlich, daß nun das allgemeine Preisniveau den Rohstoffpreisen folgt, daß alles im selben Verhältnis billiger wird. Aber die Wirklichkeit sieht bisher etwas anders aus. Die verschiedenen Preisindices haben sich in Deuffchland so entwickelt:
^2 v
5
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2-5-2
o
(ö 2
ÄZZ
s
Ja-**
s
£s
s
1913
100
ioo
100
100
100
Mai 1930
110,7
123,8
151,5
174,8
146,7
In diesen Ziffern drückt sich eine Unzahl von weltwirtschaftlichen und innerdeutschen Problemen aus. (Die anderen großen Industrieländer, vor allem Amerika und England, zeigen ganz ähnliche Unregelmäßigkeiten.) Woran liegt es, daß überall die fertige Ware, die der Verbraucher kaufen mutz, soviel teurer ist als der Rohstoff? Das hat mehrere Gründe. Zwischen Rohstoffpreis und Fabrikatpreis liegt der Spielraum für Löhne, Steuern, Zinsen, Unkosten und Gewinne. Wir wissen, wie sich jeder einzelne dieser preisbildenden Faktoren entwickelt hat. Die Löhne sind in der ganzen Welt gestiegen. Nicht nur die Geld- sondern auch die Reallöhne. Der Anteil der Arbeiterschaft am Volkseinkommen ist gewachsen, teils, weil das in der erfreulichen Entwicklungstendenz der kapitalistischen Wirtschaft überhaupt liegt (das Entwicklungstempo der Löhne war in Deutschland vor dem Kriege nicht langsamer, sondern eher schneller als seither), teils, weil die gesteigerte politische Macht der Arbeiterklasse ihr einen wachsenden Anteil an der Entfaltung der Wirtschaft erzwingt.
Starkes Interesse der Oeffentlichkeit
Eigener Drahtbericht.
Leipzig, 11. Juli.
Unter dem Borfitz des Reichsgerichtsprästdente« Dr. Bnmke ist der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich am Freitag vormittag zusammengetreten, um die Klage des Deutsche» Reiches gegen da» Laad Thüringen, wegen Empfehlung von Schnlgebete», die im Amtsblatt der Thüringer Staatsregiernng am 22. April 1930 erfolgt ist, zu verhandeln.
Das klagende Reich ist vertreten durch Staatssekretär Zweigert, durch den Präsidenten des Landesamtes für Heimatwesen Dr. Kneip, durch Konfistorial- rat Professor Dr. Eger und durch Prälat D. Mautz- bach, Universitätsprofessor der Theologie in München. Das beklagte Land Thüringen hat seine Vertreter in den Personen des Geheimrats Professor Dr. Schnabel, des Geheimrats Dr. Eerstenhauer und des Mitgliedes des Thüringer Landeskirchenrats Geh. Konsistorialrat Dr. Thieme.
Der Verhandlungssaal ist ü6erfüllt. Es zeigt sich für diese Verhandlung ein starkes Interesse nicht nur bei den Vertretern auswärtiger Zeitungen, sondern auch beim breiten Publikum, wie man es für Verhandlungen des Staatsgerichtshofes sonst nicht gewohnt ist.
Der Borfitzende, Reichsgerichtspräfident Dr. Bnmke, richtet vor Eröffnung der Berhaudlnngen an die Zuschauer die Bitte, sich während der ganze» Dauer der Verhandlungen ruhig zu verhalten und Störungen zu unterlassen.
parteipropaganda um jeden Preis
Kommunistische Agitation in Hausdorf.
Hausdorf, 11. Juli.
Eine hier abgehaltene kommunistische Versammlung nahm einen ruhigen Verlaus. Die Bevölkerung stand jeder Kundgebung ablehnend gegenüber; ein Arbeiter forderte in der Versammlung, daß man doch alle Streitigkeiten wenigstens solange zurückstellen möge, bis die Toten geborgen seien. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der die Verhaftung der Grubendirektoren gefordert wird. Außerdem wurde eine kommunistische Zelle in Hausdorf gegründet.
Hausdorf, 11. Juli. In der letzten Nacht ist es lediglich gelungen, bic 12 Zoten der Abteilung 17, die man gestern rm Laufe des Tages entdeckt hatte, au die Ervoberfläche zu bringen, wo st« im Zechen- gebäube der Wenzeslausgrube aufgebahrt wurden. Weitere Tote sind bisher noch nicht geborgen, da sich den Rettungsmannschaften zu große Schwierigkeiten ehtgegenftelten. (Siehe auch 1. Seite 2. Beilage!)
polens Antwort an Briand
Eigener Drahtbericht.
Warschau, 11. Juli.
Die polnische Morgenpreffe veröffentlicht am Freitag eine kurze Inhaltsangabe der polnischen Antwort auf Briands Paneuropa-Vorschlag. In der Rote stellt sich Polen vollkommen auf den Standpunkt Frankreichs, was wiederholt hervorgehoben wird und besonders in der Unterstreichung der Forderung klar zum Ausdruck kommt: Zuerst und vor aOen Dingen politische Sicherheiten.
Mit einem Blick auf Sowjetrutzland wird unter anderem erklärt, die Paneuropa-Union sei Hon keiner Seite gegen ein anderes Volk gerichtet und trage deshalb keinen Angriffscharakier.
paris-Rom
Briand über die außenpolitische Lage.
Paris, 11. Juli.
Jrn Außenausschutz der Kammer erklärte Briand, die französisch-italienischen Unterhandlungen seien unterbrochen worden, weil die Atmosphäre durch gewisse Kundgebungen gestört worden sei und gab die Vorschläge bekannt, die hinsichtlich des Flottenproblems
und der übrigen Mischen beiden Ländern schwebenden Fragen ins Auge gefaßt worden seien. Er verlas die Antwort an die italienische Regierung, in der erklärt wird, daß kein Schiff vor dem Monat Dezember auf Kiel gelegt werden würde, so daß die Aufrechterhaltung des status quo während der Verhandlungen zwischen den Regierungen gewahrt bleibe.
Briand sprach dann allgemein über die außenpolitische Sage und erklärte, ein Krieg in Europa sei nicht möglich und auch nicht zulässig. Das wesentliche sei, Frankreichs auswärtige Politik mit seiner Sicherheit zu kombinieren.
*
Paris, 11. Juli. „Echo d e Paris" will die Ergänzung der Ausführungen über das französisch- italienische Problem, die Außenminister Briand gestern vor dem Kammerausschutz für auswärtige Angelegenheiten abgab, berichten können, daß Briand auch erklärt habe, nochvorAblaufeinesJah- res sei eine weitgehende Entspannung in den französisch-italienischen Beziehungen zu erwarten. Es sei völlig unnütz, an den Völkerbund zu appellieren, um den Konflikt zu regeln, der seiner Ansicht nach dadurch nur noch verschärft werde
Die Steuern betragen in der ganzen Welt ein Mehrfaches ihrer Vorkriegssumme. Der Krieg lastet heute noch schwer auf Siegern und Besiegten. Die hohen Preise in der Welt sind seine bittere Frucht. Die Zinsen haben bis vor wenigen Monaten die Produktion in einem Maße verteuert, das man vor dem Krieg für unvorstellbar gehalten hätte.
Aber der Widerspruch zwischen den Grundpreisen der Rohstoffe und Lebensmittel und den Industriepreisen hat die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise gestürzt, die sie je durchleben mußte. Das Mißverhältnis muß gemildert wenden, wenn die Krise überwunden werden soll. Der Weg dazu führt nicht über wohlgemeinte Deklamationen. Es ist ein sehr unfruchtbarer Streit, ob dieser ober jener beginnen soll. Die Richtung ist eindeutig vorgezeichnet. Ein Betrieb entläßt Arbeiter, wenn er keine lohnende Beschäftigung hat, und er stellt Arbeiter ein, wenn er lohnende Beschäftigung bekommt. Alles hängt somit davon ab, ob für die deutsche Industrie eine höhere Rentabilität erreichbar ist. Ohne das gibt es keine Milderung der Krise. Dies ist der springende Puntt der großen Aktton, um die sich jetzt Regierung und Wirtschaft bemühen Die Löhne werden umso höher bleiben können, je tiefer es gelingt, Steuern und Zinsen zu senken. Und umgekehrt: Unterbleibt die Steuer- und Zinssenkung, dann rettet keine Macht der Welt die Arbeiterschaft vor einem schweren Druck aus ihre LebenshLk.»„g. Steuersenkung ist die Aufgabe der großen Finanzrejorm, Zinssenkung
hängt von der Wiederherstellung der deutschen Kapi- talkrafi ab. (Denn wir wissen, daß die rapide Herabsetzung ber Diskontsätze der Reichsbank bisher an der deutschen Kapitalnot wenig geändert hat, daß der Kapitalzins von überraschend verbilligtem Geldzins bis her kaum berühtt ist.) Aber auch die Wiederherstellung bes deutschen Kapitalmarkts ist ein Problem — ein Hauptproblem — der Finanzreform. Sie ist das A und O der Entwicklung, von der das deutsche Schicksal abhängt. Es gibt keine ausreichende Kapitalbildung in Deuffchland, so lange wir Besitzsteuern haben, die die Vermögensbildung strafen und die Kapitalflucht prämiieren, und zumal Steuern, die, wie die Gewerbesteuer, unmittelbar die Produktion belasten. Es gibt keine Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft, solange nicht Gewerbesteuer und Einkommensteuer in allen Stufen scharf gesenkt sind. Erreichbar ist das nur durch Einschränkung der öffentlichen Ausgaben und durch einen Umbau des Finanzsystems, der das Schwergewicht der Einnahmen von Einkommen und Besitz auf den entbehrlichen Verbrauch verschiebt.
So erweist sich die Finanzreform als die entscheidende soziale Aufgabe der deutschen Politik, als der Schlüssel zur Lösung der Probleme, mit denen die deutsche Politik und die deuffche Wirtschaft heute, allzuoft in höchst dilettantischen Vorstellungen befangen, zu ringen versuchen. Das deutsche Wirffchaftsproblem ist lösbar. Seine Lösung setzt nur etwas mehr Einsicht und festen Willen voraus, als bisher zu erkennen ist.
Alles noch in der Schwebe
Brünings Mehrheitsbildung. — Optimismus trotz verschiedener Absage».
th. Berlin, 11. Juli.
Während im Steuerausschuß des Reichstags di« Einzelberatungen über die Deckungsprobleme des Reichskabinetts bereits begonnen haben — wobei sich gestern zur allgemeinen Ueberrafchung die Sozialdemokraten bei der Abstimmung über den § 1 des Reichshilfegefetzes der Stimme enthielten —, sind die Bemühungen um die Mehrheitsbildung für das Regierungsprogramm gestern nur in Einzelbesprechungen und Fraktionssitzungen weitergeführt worben. Eine Parteiführer-Zusammenkunft oder eine Kabinettsitzung kommt für den Augenblick in dieser Materie nicht in Betracht. Der Reichskanzler hat dagegen die Vorsitzenden der demokratischen Fraktion, der Bayerischen Volkspartei und der deutschnationalen Fraktion in Einzelbesprechungen empfangen, denn auf diese drei Parteien kommt es bei der Mehrheitsbildung vor allem an, da von den anderen bürgerlichen Parteien die Zustimmung zum Deckungsprogramm im wesentlichen vor- liegt und da auf die Sozialdemokraten ohnehin nicht zu rechnen ist.
Der demokratische Fraktionschef hat dem Kanzler gestern allerdings nur wiederholt erklären könne«, daß seine Froktton die Kopfsteuer nicht bewiöigy* möchte, ohne daß gleichzeitig die Schankverzehrsteuer eingeführt würde. Er konnte sich darauf berufen, daß gestern eine Tagung des demokratischen Partei Vorstandes stattgefunden hatte, die ausführlich, zur politffchen Sage Stellung nahm und di« sich ebenfalls gegen die Kopfsteuer einstellte. Der Führer der Bayern, der Abgeordnete Leicht, hat dem Kanzler mitteilen müssen, daß seine Fraktion ebenfalls noch nicht bereit ist, für die Kopfsteuer zu ' stimmen, und auch der deutschnationale Abgeordnete Dr. Oberfohren hat dem Kanzler lediglich einen ablehnenden Bescheid seiner Fraktion übermitteln können. Trotzdem nimmt man im Reichstag das negative Ergebnis dieser drei Sonderbesprechungen nicht allzu tragisch, und yon wartet ab, was jetzt in den Fraktionen und dem Steuerausschuß des Reichstags vor sich gehen wird.
Bon den zMreichen Fraktionsfitznnge« des gestrigen Tages sind vor allem die der Sozialdemokraten, der Deutschnationalen und der Demokraten wichtig. Die Sozialdemokraten haben über ihre Fraktionssitzung eine Mitteilung veröffentlicht, die in einer scharfen Ablehnung gipfelt, sodaß man nun mit besonderer Spannung darauf wartet, ob die Sozialdemokraten in der heutigen Sitzung des Steuerausschuffes sich wie» herum so wie gestern der Stimme enthalten, oder ob sie heute sofort zur Ablehnung übergehen werben. Die Deutschnationalen haben keinerlei Mitteilung herausgegeben, aber man weiß, daß bei ihrer Fraktionssitzung ebenfalls wieder in ablehnendem Sinne zum Deckungsprogramm Stellung genommen wurde. In der Sitzung der de- mokraffschen Fraktion würden selbstverständlich die gleichen Bedingungen gestellt, wie auf der Tagung des Parteivorstandes.
Es ergeben sich für die weitere Behandlung der Vorlagen im Steuerausschuß folgendeMöglich- teiten: Wenn die Sozialdemokraten nicht ihre Haltung bedeutend verschärfen (was man allerdings nach den gestrigen Fraktionsbeschlüssen glaubt), so wäre es möglich, daß die Sozialdemokraten sich beim Notopfer und der Einkommensteuer der Stimme enthalten, während die natürlich bei den sozialen Reformen und bei der Kopfsteuer unbedingt Nein- Stimmen abgeben werden. Die Deutschnationalen dagegen wollen wiederum das Notopfer und die Sintommenfteuer unbedingt ablehnen, würden aber möglicherweise bei der Kopfsteuer und den sozialen Reformen Stimmenthaltung üben, da diese Pläne den deutschnationalen Forderungen eigentlich recht weitgehend entsprechen. Sollte es zu einem derartigen Abstimmungsergebnis kommen, so würde man das gefamte Teckungsprogramm mit wechselnder Mehrheit annehmen können, nämlich auf der Grundlage wechselnder Stimmenthaltung der großen Oppositionsparteien der Rechten und der Linken. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, wird sich sehr bald im Steuerausschuß des Reichstaas zeigen. ->Sollten die Verhandlungen des Steuerausschuffes in dieser Hinsicht ein negatives Resultat ergeben, so wäre die zweite' Lesung im Plenum gar iticht erst einzuleiten, die anderfalls am Monta» beginnen sollte, sondern in diesem ungünstigen, aber auch unwahrscheinlichen Falle, würde die Regierung sich vielleicht schon am Sonnabend darüber schlüssig werden, ob der parlamentarische Weg verlassen werden soll und ob man andere Maßnahmen zur Durchführung der Steuergesetze ergreifen will.
Die Initiativanträge der Regierungsparteien über Kopfsteuer und Aenderung des Paragraph» 163 liege« bis jetzt »och nicht vor, werde« eher üb