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Nummer 148*

Freitag, 2Z. Lum 1930

20. Jahrgang

Kasseler Abendzeitung

trfSeimntg8»efffi w8Swrt!W5 feiSBmaT nadnnfftaee. AbonnementSvreiS: Hbt bett Monat 2JO Jt bet freier Zu. ftetluns tnS ßau«. in 6er Geschattsllelle abgeholl 2.10 Jt. Durch Oie Post monatlich 2,30 Jt auSfchliehlich Zu. srM^xrs ä derer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf

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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Neueste Rachnchieu

Finanzprogramm mit oder ohne Parlament?

Kompromißstimmung im Kabinett / Heute entscheidende Sitzung / Furchtbares Explosionsunglück in Kanada

Nach Dietrichs Ernennung

Oie Krise in der Volkspartei

beginnt. Angesichts dieser Sachlage werden die Fraktionen erst heute abend oder morgen in der Lage sein, Stellung zu nehmen und insolgedeffen hat auch die Volkspartei ihre Entscheidung über ihr Verhältnis zum Minister Dr. Curtius noch einmal vertagt.

Prohibitions-Dämmerung

Von

Or. Paul Rohrbach

In einer Besprechung, die Dr. Schal; mit Dr.

Alarmnachrichten aus Bolivien

Oie jüngste Revolution in Südamerika

SarSeftW"um die Saargruben

Kundl, einem früheren

deutschen Offizier, gerichtet

bolivianischen Gesandtschaft

VliH schlägt in Dynamit

31 Arbeiter getötet

Berliner Meldung

hatte, ergab sich, daß Dr. Curtius am Min­der Abendsitzung des Kabinetts tatsächlich Regierungsvorlage gestimmt hat und nicht, Volts-Partei es von ihm gewünscht hatte.

Curtius wvch in i ü r die wie die

für die volksparteilichen Abänderungsvorschläge ein- getreten war. Die Volkspartei wird also deut Außenminister nahelegen, entweder aus der Regie­rung oder aus der Dolkspartei auszutrete«. Wel­cher Weg gewählt wird, steht vorläufig noch nicht fest, da man zunächst abwarten muß, welchen Er­folg die Verständigungsbemühungen haben werden, die sich dann natürlich auch in Gestalt einer Krise m der Volkspartri auswirken könnten.

haben.

Von der konnte obige tverden. Es

DieVolonte" beschäftigt sich noch einmal mit den deutsch-polnischen Grenzzwischenfällen und versucht feftzustellen, worauf diese neue deutsch-polnische Span­nung zurückzuführen ist. Polnischerseits behauptet man, Deutschland setze die Zwischenfälle in Szene, um die Unmöglichkeit des Weiterbestehens des Korridors zu beweisen uno aus eine Revision des Versailler Ver­trages hinzuarbeiten. Selbst wenn man dieser Un­terstellung einen Kern des Wahren nicht absprechen könne, so sei es doch auf der anderen Seite eine un­widerlegbare Tatsache, daß Polen seit langem sein Augenmerk auf Ostpreußen richte, das es sich gern ganz einverleiben möchte, sei es durch direkte Aktio­nen, sei es durch eine Zoll-Union.

stört wurde. Nach den bisherigen Feststellungen sind von den auf dem Bagger befindlichen 42 Arbeitern 31 umgekommen. Elf Personen, die bei der Explosion über Bord geschleudert wurden, wurden später in schwerverletztem Zustande aufgefischt. Das Dynamit sollte zu Sprengungen im Flußbett des St. Lorenz­stroms verwendet werden.

Programm getadelt, ja sie sprechen sogar davon, daß die Anwendung des Artikels 48 für einseitige Steuer­erhöhungen einen Mißbrauch der Autorität des Reichs­präsidenten bedeuten würde.

Das Zentrum befindet sich also nach wie vor allein in der Bundesgemeinschast des Kabinetts und es ist daher begreiflich, daß der Kanzler zunächst den Versuch machen dürste, eine Verständigung mit den Parteien herbeizusühren, ehe er zu Gewaltmaß- nahmen greift. Eine solche Verständigung wird natürlich nur auf dem Boden materieller Aende- rungen der Regierungsvorlage möglich sein. Dr. Brüning wirb deshalb nach seiner RüMehr aus Neudeck zunächst Besprechungen mit einigen Partei­führern haben, ehe die entscheidende Kabinettsitzung

Reuyork, 27. Juni.

In der Nähe von Brockville in der kanadischen Provinz Ontario wurde ein riesiges Baggerboot auf dem St. Lorenzstrom, das eine große Dynamitladung an Bord hatte, vom Blitz getroffen. Die Dynamitla­dung explodierte, wobei der Bagger vollständig zer-

Paris, 27. Juni.

Der außenpolitische Berichterstatter des Journals, der unter dem Pseudonym Saint Brice zeichnet, bringt im Zusammenhänge mit dem Besuch des deutschen Botschafters von Hoesch bei Vriand einige Gedanken über die Saarverhandlungen, die umso bemerkens­werter erscheinen, als sie den Eindruck erwecken, von offizieller Stelle eingegeben worden zu fein Saint Brice betont, daß die Saarverhandlungen des­halb in den letzten Monaten keinerlei Fortschritte ge­macht hätten, weil man sich deutscherseits noch nicht damit abfinden wolle, daß Frankreich sehr Wohl den Ablauf der im Versailler Vertrag vorgesehenen Zeit abwarten könne. Es sei bis dahin im Besitze der Gruben und habe die wirtschaftlichen Vorteile. Wenn Deutschland daher in den vorzeitigen Besitz des Saar­gebietes gelangen wolle, so müffe es sich endlich ent­schließen, ein wirklich vorteilhaftes Angebot zu unter­breiten, d. h. ein ganz anderes als die ungenügenden, für die man bisher versucht hat, Frankreich zu ge­winnen.

Oer 45. Todesfall in Lübeck

Lübeck, 27. Juni. In der vergangenen Nacht ist wieder einer der mit dem Tuberkulosepräparat ge­fütterten Säuglinge gestorben, so daß sich damit die Zahl der Todesfälle auf 45 erhöht. Krank find noch 68, gebessert 74, gesund 64 Säuglinge.

Berlin, 27. Juni.

Der Reichspräsident hat nach dem gestrigen Vor- irng des Reichskanzlers in Neudeck den Reichsminister Dietrich unter Entbindung vom Amte des Reichswirt- fchaftsministers zum Reichsminister der Finanzen er­nannt und den Staatssekretär im Reichswirtschafts­ministerium Dr. Trendelenburg bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichswirt- sch iftsministers beauftragt.

Die deutsch-polnische Spannung

Paris, 27. Juni.

Rußland braucht Kriegsmaterial

London, 27. Juni. Wie die »Morning Post" aus Washington meldet, hat Staatssefretär Stimson gestern mitgeteilt, daß die Sowjetregierung Milttär- slugze-uge, Unterseeboote und Munition von ameri­kanischen Firmen zu kaufen versucht habe. Stimson hat dem Blatt zufolge erklärt, daß das Staatsde­partement derartige Geschäfte nicht billigen könne. Die amerikanische Politik werde unverändert bleiben, selchst wenn andere Länder Waren liefern. _

Die Streikunruhen in Sevilla

Madrid. 27. Juni.

Infolge des Streikes hat sich die Lage in Sevilla weiter verschärft. Der Verkehr ist vollkommen lahm­gelegt. Alle Läden sind geschloffen. Von den Arbei­tern wurden revolutionäre Umzüge veranstaltet. Aus dem Demonstrationszug heraus fielen Schüffe. Die Bevölkerung ist in größter Aufregung. Die Ausländer sind an Bord der Schiffe geblieben. Die Polizei Hai drei bekannte Syndikalisten verhaftet.

_ heute früh nicht bestätigt ist also möglich, daß es sich bei den Meldungen über eine Flucht des Präsidenten Siles, um englische, französische und amerikanische Ten- denzmeloun.gen handelt, die den mit Siles befreun­deten General Kundt diskreditieren sollen.

Mit der Ernennung Dr. Dietrichs ist ein Teil der so weitverzweigten Krise gelöst, aber es handelt sich dabei wie gesagt, nur um einen Teil, während noch eine Reihe anderer wichtiger Probleme offen bleibt. Dr. Dietrich übernimmt mit der Ernennung zum Reichsfinanzminister eine sehr schwere Aufgabe, denn die Erbschaft Dr. Moldenhauers ist nicht leicht zu liauidieren, besonders da der Reichskanzler gemein­sam mit Dr. Dietrich, offenbar gesonnen ist, zunächst auf den Moldenhauerschen Bahnen ein Stück weiter zu wandeln. Dr. Dietrich, der als eine der energisch­sten Persönlichkeiten int Parlament gilt, hat schon seit langem den Wunsch gehabt, in das Reichsfinanzmini­sterium einzutreten. Er war seinerzeit sehr unzufrie­den, als er beim letzten Kabinettswechsel aus dem Er­nährungsministerium in das Wirtschaftsministerium übersiedeln mußte, da die Volkspartei sich das Finanz­ministerium bereits für Dr. Moldenhauer gesichert hatte. Er wollte schon damals Finanzminister wer­den und hat seinerzeit recht heftige Auseinander­setzungen mit mehreren anderen Kabinettsmitglie­dern in dieser Frage gehabt.

Nun tritt Dr. Dietrich sein Amt unter ganz beson­deren Voraussetzungen an, da ja die Regierung sich darüber klar ist, daß sie ihr Programm wahrschein­lich nur auf Grund besonderer Vollmachten, also der Anwendung des Artikels 48 und der Drohung einer eventuellen Reichstagsauflösung durchführen kann. Es bleibt abzuwarten, ob Dr. Dietrich ein bes­seres Schicksal als sein Vorgänger haben wird. Je­denfalls ist er sich darüber klar, daß er dieses Risiko lediglich für seine Person eingchl, denn

feine Fraktion hat er dabei nicht hinter sich.

Die vorläufige Berufung des Staatssekretärs von Trendelenburg zur Leitung des Wirtschaftsministe­riums hat selbstverständlich nichts anderes zu bedeu­ten, als daß der Reichskanzler das Wirtschaftsmini­sterium vorläufig offen lassen will, um es bei einer evtl. Aenderung der parlamentarischen Lage doch noch der Volkspartei anzubieten. Im Augenblick ist es dem Kanzler selbstverständlich nicht möglich, einen Volks­parteiler zum Wirtschaftsminister zu ernennen, da ja die Volkspariei gewissermaßen auf dem Sprunge steht, vollkommen aus dem Regierungsblock auszuscheiden. Insolgedeffen ist es ein recht geschickter Schachzug des Kanzlers, wenn er das Wirtschaftsministerium im Augenblick noch nicht endgültig neu besetzt, denn dte Deutsche Volkspartei ist dadurch gewissermaßen vor die Frage gestellt, ob sie es vorzieht, den Außenmini­ster Dr. Curtius ebenfalls aus der Regierung abzu­berufen, oder statt dessen wieder mit 2 Ministern, also in der vollen bisherigen Starke, in der Regierung ver­treten zu sein. Welchen Weg die Volkspartei wählen wird, dürfte sich wahrscheinlich schon in der heutigen Fraktionssitzung ergeben. Die weitere Entwicklung der innerpolitischen Lage wird im wesentlichen von der Stellung der Fraktionen zu den Deckungsvorlagen des Kabinetts beeinflußt werden. Der Kanzler muß nach seiner Rückkehr aus Neudeck heute nachmittag in der bereits angekündigten Kabinettssitzung sich mit sei­nen Ministern über die Deckungsvorlagen schlüssig werden. Man hat jedoch Grund zu der Annahme, daß es sich hier nicht nur um eine redaktionelle Ueberarbei- tung,. sondern evtl, doch um materielle Aenderungen von nicht geringer Wichtigkeit handeln wird. Jeden­falls sind die

Parteien des Reichstags durchweg entfchloffen, ihre endgültige Stellungnahme bis zur Kenntnis­nahme des Wortlautes der Regiernngsentwürfr zu vertagen.

Vorläufig haben allerdings außer dem Zentrum sämt­liche Regierungsparteien ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Regierungsprogramm deutlich erken­nen laffen. Die Gegenvorschläge der Volkspartei wur­den bereits gemeldet. Die Demokraten Haden eine neue Erklärung veröffentlicht, in der sie be­tonen, daß sie an der Verweigerung des Notopfers unbedingt festhalten. Auch die Wirtschaftspar­te i ist noch einmal an die Oeffentlichkeit getreten mit einer Reihe von Vorschlägen, die sich im wesentlichen an die Vorschläge der Volkspartei anschließen und die Christlich-Nationalen, die sich in einer Frak­tionsgemeinschaft mit dem Minister Treviranus befin­den, haben in sehr scharfen Worten das Regierungs­

London, 27. Juni.

Wie aus La Paz gemeldet wird, soll die Anf- ftandsbewegung in Bolivien mit einem Erfolg der Aufständigen geendet haben. Die Regierung soll ge­stürzt worden fein und Präsident Siles bereits das Land verlassen haben. In der Provinz Lruro hat sich ein Regiment Regierungstruppen dem Aufstand a»geschloffen. Am Donnerstag ist es in La Paz zu Stratzenkimpfen zwischen Regierungstruppen und Demonstranten gekommen, wobei über dreißig Per­sonen getötet und hundert verlätzt worden seien Die Demonstrationen sollen sich u. a. auch gegen dm Generalstabschef der bolivianischen Armee, General

Sturm über Island

Gestörte Zahrtausendfeier

Kopenhagen, 27. Juni.

Wie aus Reykjavik gemeldet wird, erhob sich gestern abend gegen Ende des Festes auf der Thing- valla-Ebene ein Sturm, der mehrere Zelte umwehte. In den späten Abendstunden setzte ganz überraschend ein heftiges Schneegestöber ein. Alles was nur irgend­wie konnte, eilte zu den Autos, um nach Reykjavik zu fahren. Der plötzliche Aufbruch der vierzigtausend Menschen, die am Donnerstag auf der Thingvalla- Ebene versammelt waren, glich der wilden Flucht eines Heeres. Im Übrigen verdient ein Vorgang er­wähnt zu werden: Als die Abordnung der Färöer eintraf, wurde ihnen zu Ehren die Färöer Unabhän­gigkeits-Flagge gehißt, was vor allen bei den Dänen einiges Erstaunen hervorrief.

Kein politisches Ereignis der letzten Jahre hat in den Vereinigten Staaten so viel Aussehen er­regt, wie vor einigen Tagen der Sieg des früheren amerikanischen Botschafters in Mexiko, Morrow, in der Senatsvorwahl für den Staat New Jersey. Mor­row war nämlichnasser" Kandidat und erhielt über 400 000 Stimmen; seintrockener" Gegenkandidat Fort nicht viel mehr als den vierten Teil. Damit ist es zum ersten Mal zu einem wiMichen Durchbruch der wachsenden Stimmung gegen die Prohibition ge­kommen.

Morrow hat sich bei der Ausstellung seiner Kan- bibatur ausdrücklich für die Abschaffung des Zusatzes Nr. 18 zur amerikanischen Verfassung ausgesprochen, der das Alikoholverbot enthält. Trotz dieser betonten Stellungnahme ist er mit so großer Mehrheit ge­wählt worden. Er hat, im Unterschied zu dem bis­herigen Verfahren nicht weniger tatsächlicher Geg­ner der Prohibition, jede halbe Stellungnahme ver­schmäht, obwohl er Aussicht hat, auf der nächsten Konvention der republikanischen Partei anstelle des jetzigen Präsidenten Hoover als offizieller Parteikan­didat für die Präsidentschaft vorgeschlagen zu werden.

Vielleicht noch wichtiger, als die Stellungnohm« Morrows ist die Ansprache, die kurz vorher der frü­here Generalanwalt der Vereinigten Staaten, Wik- kersham, vor etwa 500 Teilnehmern eines Kongresses von 'Sozialarbeitern", das heißt von Personen, die tätigen Anteil an sozialen Reformen nehmet gehal­ten hatte. Wickersham wurde im Mai 1929 von Hoo­ver zum Vorsitzenden der .Kommission für Durch­führung und Beobachtung der Gesetze" ernannt. Dieser Titel war eine Umschreibung für die Ausgabe, die Prohibition durchzuführen. Nun hat gerade der Mann, der das tun sollte, erklärt, die Prohibition in den Vereinigten Staaten halbe ihren Zweck, das heißt die Beseitigung der Herstellung und des Genus­ses von alkoholischen Getränken, nicht erreicht, und et sei zu der Einsicht gekommen, es wäre bester, sie preiszugeben; man solle bett Kampf gegen den Mko- holismus nicht mehr durch die Polizei führen lasten, sondern durch öffentliche Aufklärung und durch staat­liche Kontrolle des Verkaufs von Spirituosen.

Auch der republikanische Senator Blaine von Wis­consin hat eine Vorlage int Kongreß eingebracht, das 18. Amendement solle schon jetzt widerrufen werden. Er erklärte sich aber bereit, da die Mehrheit der Kongreßleute für baldigen Beginn der Sommerver- tagung war, die Abstimmung bis über den Sommer zurückzustellen.

Es gibt Leute, die glauben, daß Hoover selbst im Herzen mit Preisgabe der Prohibition einverstanden sei. Bisher hat er die grundsätzliche öffentliche Aeußerung zur Prohibitionsfrage vermieden und sich darauf beschränkt, zu erklären, solange eine Verfas­sungsbestimmung formelle Gültigkeit habe, müffe sie auch durchgeführt werden. Er ist darum in einer schwierigen Lage, weil er ohne Zweifel an Populari­tät eingobüßt hat und seinen Haupt-Rückhalt nur noch bei den strengen Sekten hat, für die das 18. Amendement ein Rührmichnichtan ist.

Zur Untersuchung der durch die Prohibition ge­schaffenen Lage besteht eine besondere Senatskommis­sion, die f»genannte Lobby-Kommission (Lobby heißt eigentlich Vorhalle, ist aber in Amerika zugleich ein Ausdruck für das, was man bei uns Hintertreppen­politik nennt). Dieser Kommission hat derUniersu- chungsfekretär" der methodistischen Kirchenorganisa- tionfür Temperen;, Prohibition und öffentliche Sittlichkeit", Pickett, einen Geheimbericht unterbreitet, in dem die Katholiken, die Juden, der letzte demokra­tische Präsidentschaftskandidat Alfred E. Smich urtb die Spirituoseninterestenten miteinander beschuldigt werden, sie hätten versucht,das Staatsschiff anzu- >bohren". Gemeint sind ober in der Hauptsache die Gegner der Prohibition. Im Senatsausschuß ent­stand eine heftige Debatte. Einer der Hauptkämpfer für das 18. Amendement, der methodistische Bischof Cannon, der sich allerlei zweideutige Finanz- urtb Börsentransaktionen hat zuschulden kommen lasten, war in der Wahlkampagne 1928 einer der schärfsten Propagandisten für Hoover. Dienafle" Partei im Senatsausschuß wollte ihn bei der Debatte durch die Hervorziehung feiner dunklen Geschäfte in die Enge treiben; dieTrockenen" behielten aber die Oberhand, die Fragen an Bischof Cannon wurden nicht zuge- laffen und die Veröffentlichung das Pickettschen Be­richts wurde beschlossen.

Demgegenüber steht jedoch der Umschwung in der öffentlichen Meinung außer Frage. Wer Amerika kennt, der weiß auch, daß es drüben an jedem Ort und in jeder Gesellschaft nur vom Geld abhängt, so­viel alkoholische Getränke jeder Art, vom Bier bis zum Whisky zu bekommen, wie einer wünscht. Für die jungen Leute ist es schon seit JahrenEhren-