Kasseler Neueste Nachrichte«
Montag, 23. Juni 1930
1 Beilage — Sette 1
50 Lahre M.G.V.80 Niederzwehren
Weitere Lokalartttel stehe 4. Seite der 2. Bella«
45 Jahre: Conrad Svangenber, rich Flöike, Werner Baumann. 35 1
Benutzt die Parkplätze. Am KSnigMatz, a», dem Platzviertel zwischen KSlnffchestrvtze und Obere Königstratze sowie am Ständeplatz aus der ttmen Seite der südöstlichen Randstraße sind kürzlich Parkplätze eingerichtet worden, die den Zweck M>en, die irotn Durchpanqsverkechr stark in Anspruch genommenen Randstraßen dieser PLtze dadurch zu entlasten, daß die sonst auf der Fahrbahn abgestell- ten Wagen aus den zum Parten bestimmten Furchen Aufstellung finden können. Der Erkenntnis dieser Verkehrsnotwendigkett sollte sich kem Kraftfahrer verschließen. Jeder, der seinen Wagen auf den genannten Randstraßen außerhalb der Pa^platze Mf- stellt, hindert tatsächlich den Verkehr und laust Gefahr, sich strafbar zu machen. Mangel an Verkehrs- disziplin in dieser Richtung zwingt aber außerdem zu noch weitergehenden Maßnahmen, wie den vom krastfahrciilden Publikum und von den Anwichnern meist lästig empfundenen Parkverboten. Solche Maßnahmen können aber vermieden werden, wenn offensichtlichen Verkehrsnotwendllckeiten ohne polizeilichen Zwang Rechnung getragen wird.
diese Gebiete den Männern Vorbehalten war und hier strebte ihr revolutionärer Wille nach einer Aen- derung. Als dann die wirtschaftliche Entwicklung die Industrialisierung brachte, die Menschenkraft durch die Maschine ersetzt wurde, so daß die Prole tarierfrau in das Erwerbsleben gedrängt, Haushalt und Kinder vernachlässigen mußte, war sie es, die mütterlich helfend eingriff. Sie war es, die dre Rot der Töchter besserer Familien erkannte, die — unverheiratet — zu einem überflüssigen „Tanten- bafein" verdammt waren, während ihre Kräfte nach Wirksamkeit drängten.
So kam Helene Lange in die Frauenbewegung. Was sie auf diesem Gebiete geleistet, wie sie hier mit nie erlahmenden Kräften bahnbrechend gewirkt hat, das voll zu werten, wird einer späteren Generation Vorbehalten sein. Unermüdlich tätig, gründete sie 1890 den Allgemeinen deutschen Lehrerinnen- V er ein, rief Lehrkurse für Mädchen ins Leben, in denen der Unterrichtsstoff der Knaben behandelt wurde, um zu beweisen, daß das Mädchen fähig sei, Gleiches zu leisten. Und endlich ward ihr die Freude zuteil, die Früchte ihrer Arbeit zu seben — den Mädchen stand Gymnasium und Studium offen. Mit ihrer Freundin Dr. Gertrud Bäumer, lebte und strebte sie gemeinsam, bis der Tod ihrem arbeitsreichen Leben ein Ziel setzte.
Hat es auch an Anfeindungen — oft sogar aus den Reihen der eigenen Geschlechtsgenosiinnen — im Leben dieser tapferen Frau nicht gefehlt, ungleich größer waren die Anerkennungen und die Ehrungen, die ihr zuteil wurden. (So war sie Ehrendoktor der Universität Tübingen, Ehrenvorsitzende der Demokratischen Partei ufto.) Höher zu werten als all diese äußeren Ehren aber ist wohl das Denkmal, das sie sich in den Herzen der deutschen Frauen gesetzt hat, deren edelste Aufgabe es sein wird, ihrem Vorbilde nachzuleben.
Den würdigen Rahmen zu dieser ernsten Feier gaben Orgel- und Violinvorträge (Elisabeth Ellenberg, Nanny Hiege) sowie gesangliche Darbietungen der Damen Elisabeth Pennrich, Brigitte Schulte- Tigges und Maria eRinhold-Schäfer. -ü-
Emer bedeutenden Krau zu Ehren
Helene Lange Gedächtnisfeier
Sonntags-Ausflug
Eine Familie auf dem Heimweg von WilhelmS- tal — Vater, Mutter, fünf flachsköpfige Kinder. Endlos und langweilig dehnt sich die sonnendurch- glühte Landstraße.
Der Mann denkt: „So langwellig und öde wie mein Sehen!" Schemenhaft gaukeln vor seinen von der Sonne geblendeten Augen palmenbewachsene fremde Gestade. Dunkle geschmeidige Männer, Araber in weißem Burnus, verschleierte, schlanke Frauengestalten mit stolzem, wiegendem Gang. Ja so lieft er es in feinen Büchern, die sein Heiligtum sind. Seemann hatte er werden wollen. Sein Vater hat ihn zu der .sicheren" Beamtenlaufbcchn beredet. Run sitzt er tagein, tagaus im Rechnungsbüro —* Zahlen — Zahlen — nichts wie Zahlen!
Die Fran denkt: .Eigentlich ist es verrückt, s» weite Touren zu machen! Was kostet das an Schuhsohlen! Und die Miete und das Schulgeld sollen auch wieder teurer werden. Dann sind wir überhaupt verratzt! Gehaltserhöhung gibt's doch bestimmt nicht. Morgen ist erst der zwanzigste. Ob Karl wohl noch Geld hat? Ich mutz ihn drum fragen. Ich habe nur noch 12 Mark für den Haushalt. Oder ob ich das Geld für den Gasmann an» reiße? Ob die Gasanstalt mir's bis zum Ersten stundet? Ach Gott, was hatte ich's als Mädchen so gut! 8 Stunden Maschine schreiben — Kleinigkeit! Me froh war man doch damals! Man hatte hüb, sche Kleider, ging hin und wieder ins Theater. Wenn ich wieder auf die Welt komme, bleibe ich ledig. Diefes Leben nannte die Mutter nun „Versorgung". Ihr Blick stteist die Kinder. »Nein — die möchte ich doch nicht misten und Karl doch auch nicht! Wenn nur die Geldmisere nicht wäre! Nicht immer dran denken!" Die Landstraße nimmt kein Ende. „Singt Kinder, dann marschiert sich's bester!" „So scheiden wir mit Sang und Klang" singen d'.e hellen Kinderstimmen. — Ein Auto jagt vorüber —* ein großer eleganter Wagen, ein Herr — eine vornehme Dame darin. „Wie gut die's 'gaben — keine Sorgen. Glückliche Menschen!" denken Mann und Frau.
Die Dame im Auto denkt: „Fünf Kinder! Hätte ich nur ein einziges! Wie reich ist doch die Frau! Und bann: -Ob Mermiers wieder nach Ostende kommen? Er ist doch ein flotter, liebenswürdiger Mensch. Die Frau weiß garnicht, wie gut sie s hat! Harry dagegen — ewig Geschäfte, Banftonferenzen, nie Zeit für mich. Was habe ich schließlich von un- ferrn vielen Geld! Ich bin ja doch allem! Man könnte die Frau mit den vielen Kindern beneiden."
Der Mann denkt: „Sechs mal hunderttausend Mark!" Wer gibt mir die? Ob ich sie bis Mtti- woch auftreibe? Das ist der allerletzte Termin! Ich muß, ich muß es schaffen! Und wenn nichts Dann jage ich mir eine Kugel durch den Kops! Ach hätte ich doch die Depots nicht angegriffen! Dann ginge ich jetzt in Ehren aus des Vater gutem, altem Geschäft." Sein Blick streift die Frau an ferner Seite .Marion in kleinen ärmlichen Verhältnissen? Die zarte, verwöhnte Frau?" Er unterdrückt ein Stöhnen. „Ich muß es auf tret» en, ich muß! Von fernher tönt der Gesang der SonntagSausflugler. .Ach, wer's doch so gut hätte wie die. Wie glücklich sind die — so unbeschwert und ohne Sorgen!
schk. Ein Kaffee im Wiefeugrtmd. Ein orginelles Waldkaffe überraschte dieser Tage die unterhalb des Saurasens u. der Heflenschanre lustwandelndenKaffe- laner: am Wege von der Prinzenquelle nach Harleshausen hat sich fairett am Waldrand ein neues Kaffee- und Pensionshaus aufgetan, das den poetischen Namen „Im Wiesengrund" nicht nur führt, sondern oud> belegt. Tie Besitzerin, Frau Erna Wilke, hat den glücklichen Gedanken gehabt, im An- sekluß an den stattlichen Neubau den Walv im Naturzustand ihrem Gartengrundstück einzuverleihen. Auf Wiese und unter schattigen Bäumen fühlt man sich wie „draußen", bet Eindruck eines typischen Kaffeegartens ist dadurch glücklich vermieden worden; auch die aünstige Sage nabe der Straßenbahn und doch vollkommen isoliert vom Durchgangsverkehr dürfte dem neuen Unternehmen viele Freunde juftchren.
Um die Freiheit des Evangeliums
Die vierhundertjährige Wiederkehr des Tages bet feierlichen Ueberreichung des Augsburger Bekennt» nistes wurde gestern von den evangelischen Gemeinden unserer Stadt unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung in würdiger Weise gefeiert. In den einen guten Besuch verzeichnenden, mit Darbietungen von Gesang- und Musikchören geprägten_ (Bottes» bienften zeigten die Geistlichen den 25. Juni 1530 als einen Tag großen Geschehens, an dem das Evangelium einen Sieg gegenüber allen erstrebten Unterdrückungen und der Vernichtung des Erbes der Reformation erfahren habe. Der Gedenktag bringe die Mahnung nahe „Was du ererbt von deinen Vatern hast, erwirb es, um es zu besitzen!"
Abends vereinten sich viele Hundett« im Kasseler Dom zu einer liturgischen Gedenkfeier, die Organist Ferdinand Münstermann mit einem Fest-Hymnus von K. Piutti eröffnete. Der Kasseler L-oappella-Chor gab den Höhepunkt mit einigen unter der Stabführung von Kapellmeister Längs wohlklingend vorgetragenen Werken von Schütz, der Motette von Georg Schumann „Wie schön leuchtet der Morgenstern" und dem Eoral „Gloria sei dir gesungen". Kreispfarrer Lic. Bachmann waltete als Lituvg u. verlas einige Stücke aus der Augsburger Konfession das Bekenntnis zum Glauben, zur christlichen Kirche und Gemeinde und von der inneren Kraft des Evangeliums. Stehend sang die Gemeinde die bekannten Choräle, vor allem drang Luthers Schutz- und Trutzlied machtvoll durch die großen Hallen. Mit den brausenden Klängen der von F. Münster mann gemeisterten Fuge in 6-moll von Bach erreichte die erhebende Feierstunde ihren Abschluß. :1r-
Welche Bedeutung ftt unserer Zeit der Mänuergesang hat, das bewies in den letzten Wochen besonders deutlich das Mitteldeutsche Sängerbundesfsst. Da hatten sich die vielen kleineren Chorvereinigungen zusammengesunden zu einem großen Ganzen und gezeigt, daß ihr Mühen und Arbeiten, von der Menge sonst nicht beachtet, vielleicht manchmal gar verachtet, Leistungen ber- vorbmchte, die ihren Sinn und ihr Bestehen rechtfertigten.
Der Männerchovgesang wird fast nirgends so sehr gepflegt wie in Deutschland. Jeder Ort hat seinen Männergesangverein. Sie alle pflegen das deutsche Dolks- und Kunstlied, bemühen sich um dessen Wiederauferstehung in unserer Zeit des Jazz. Man sollte diesem Bemühen mehr Verständnis entgegenbringen, als es heute geschieht, und nicht nur die Großaufführungen, wie beim Mitteldeutschen Sängerbundesfest besuchen, sondern auch die Vorführungen in kleinerem Rahmen, die sicher immer von der ehrlichen Arbeit der Vereine zeugen. Und wer wollte Arbeit nicht anerkennen?
Besonders freuen wir uns, dies bei einem Verein eines unserer Kasseler Vororte tun zu können. Am Sonnabend unfa Sonntag
feierte der Männergesangverein 1880 Niederzwehren sein SOjähriges Jubiläum
in dem bunffreudig geschmückten Saal des .Fürstenhofes" unter großer Beteiligung. Nach einem gut gesprochenen Prolog von Eg. Correus und dem Begrü- ßunaschor des Vereins hieß der Vorsitzende, Herr Wilh. Saur, die Gäste und als Vertreter der Regierung und des Landrats Herrn Dr. Meyer willkommen. Anschließend trug der Steilere Gesangverein zwei Chöre „Sonne!" und „Frühling wird es doch einmal“ vor. Die mit all ihren Feinheiten wiebergegeben würben.
Dann hielt Rektor Seibert faie Fest- und Weiherede. Er führte aus, baß ein Geburtstag ein Tag neuer Vorsätze sei. Jm«r Größeres verlange man heute, immer neue höhere Anforderungen stelle die Zeit, deshalb könne es auch für den Verein kein Rasten geben. Nicht nur künstlerische Aufgaben habe der Verein, sondern auch vaterländische und soziale, verlange doch eine Harmonie der Töne immer eine Harmonie der Herzen. „Hem Dienst am deutschen Lied!", dafür weihte er die neue Fahne und übergab sie dem Vorsitzenden zur treuen Sorge.
Dr. Meyer verlas ein Handschreiben des Oberpräsidenten und überreichte im Namen des preußischen Ministers für Kunst unfa Wissenschaft dem Verein die
mann, Stint. Schaumann. Jvh. Ctamm.
Lehrer Deys kann auf eine zehnjährige Dirigententätigkeit zurückblicken. Ihm wurde zur Ehrung ein Diplom übergeben. Hiernach trug der Gemischte Ckor, mit viel Beifall ausgenommen und wiederholt, „Ein Schifflein sah ich fahren" vor. Turnerische Aufführungen der Jungen- und Mädchengruppen des Turnvereins 1887 und der Sportvereinigung Niederzwehren mürben mit Exaktheit und Gewandtheit durchgeftihrt. Der Radfahrerverein zeigte großes Können im Saal- kunftfahren. Im ftöhlichen Beisammensein bei Musik- und Gesangsoorträgen fand der Abend feinen Ausklang.
Am Sonntag morgen vereinigte man sich zur Ehrung der im Weltkrieg Gebliebenen am Denkmal. Wiegand Eerland und Fritz Küchmann. sie ruhen in frember Erde. Das ist ein ernstes Lied.
Der Nachmittag war wieder dem Leben gewidmet. In fröhlichem, buntem Festzuge ging es durch die Hauptstraßen des Ortes zum Festplatz, wo Volksbelustigungen aller Art, Preisschießen und Tanz bis zu später stunde für reges Leben und laute Freude sorgten.
bronzene Pipette für Verdienste um den Chorgesang und bas deutsche Lieb mit bem Bildnis Zelters, dem ersten Förderer der Chorgesangbewegung.
Als Vertreter des Bürgermeisters und der Gemeinde Niederzwehren, der sich augenblicklich in Stettin aufhält, übermittelte Herr Steinlauermeister Jordan die besten Wünsche für bas Fortbestehen des Vereins.
Nacheinander redeten nun die Vertreter der amoefen- ben Eastvereine unb überreichten dem Verein als Zeichen bet Freundschaft ihre Geschenke.
Der Verein kann auf eine große Zahl von Iubilaren blicken, ja, sogar einer bet Gründer lebt noch unb wat von Köln trotz seines Alters zum Ehrentage „seines" Vereins gekommen. Der Vorsitzende überreichte ihm die Ehrennadel mit dem goldenen Kranz. Fürwahr, eine seltene Ehrung!
Die stattliche Anzahl bet übrigen Jubilate, deren Liste mit bet Angabe der Dauer ihrer Vereinszugehörigkeit hier folgt, erhielt die Ehrennadel mit dem silbernen Kranz:
Wettere Lokalnachrichten
Fronleichnamsprozession
auf dem Friedrichsplah
Wo eben noch aus den Zelten des Mitteldeutschen Sängetfestes Jubellieber freudigster Lebensbejabung erklangen, stiegen am Sonntag vormittag zu Füßen des Landgrafen Friedrich ernste Choräle in den strahlenden Himmel. Unter Entfaltung höchsten Gepränges feierte die katholische Kirche Fronleichnam, ihr größtes Fest, an welchem überall die Gottheit in Brotsgestalt in aller Oeffentlichkeit verehrt wird. Tausende von Katholiken Kassels und bet näheren Umgebung bildeten eine glanzvolle Heerschau katholischer Glaubensüberzeugung.
Als um 9 Uhr morgens sämtliche katholischen Kirchen ihre Glocken erschallen ließen, wurde zunächst in feierlichem Zuge das Allerheiligste aus St. Eli- fabeth zum prächtig geschmückten Hauptaltar überführt. Hier zelebrierte Pfarrer Rotzbach aus Wehlheiden unter großer Assistenz ein feierliches Levitenamt. Welch ein erhabener Anblick, als zur Wandlung die Musikkapellen schwiegen, die hochgehobene Hostie die Gläubigen in die Knie zwang und ein Wald von Fahnen sich senkte!
Rach dem Hochamt begann die eigentliche Prozession. Kassel hat, wie selten eine andere Stadt, auf dem riesigen Friedrichspkatz eine günstige Möglichkeit, die Prozession sich machtvoll entfalten zu lassen In den frühesten Morgenstunden waren an den vier Ecken des Platzes weitere Altäre, ganz in Blumen versunken, errichtet worden. Ms der Umzug begann bot sich den Augen ein farbenprächtiges Bild, wie aus dem Mittelalter, dar. Wehende Fahnen, weitz- gctleibete Mädchen mit Lilien, ernste Tracht der Ordensschwestern, bunte Metzknaben mit Weihrauch und Schellen: so leuchtete die kostbare Monstranz mitten zwischen dem Goldbrokat der Geistlichkeit von Mtar zu Altar. Die vereinigten Kirchenchöre sangen unter der Leitung von Hans Hartung klangrein alte gregorianische Choräle.
Nach 11 Uhr war die machtvolle Kundgebung zu Ende. Die freiwillige Sanitätskolonne nahm sich in der ehemaligen Kriegsschule leichter Ohnmachtsanfälle an. Die Schutzpolizei versah musterhaft die Ordnung und zahlreiche Zuschauer folgten ruhig und gespannt dem nicht alltäglichen Ereignis.
Mm der Unfälle
Aus der Station Kragenhof wurde am Sonntag abend einem ISjährigen Mädchen im Abteil ein Finger durch Zuschlägen der Tür abgeschlagen. Durch ein« zufällig anwesende Schwester der Erholungsstätte Kraigenhof wurde her Verunglückten die erste Hilfe M- teil durch Anlegen eines Notverbandes. Mit einem späteren Zug konnte das Kind die Fahrt fortsetzen.
Für einen Fuhrmann aus der Gartenstraße hatte der am hellichten Tag beliebte reiche Mohlgenuß schlimme Folgen. Der Mann schlief auf seinem Fuhrwerk ein und stürzte ab, wobei er unter die Räder des eigenen Wagens geriet. Er hatte schwere Verletzungen an den Beinen und am Kopf davongetragen und mußte in das Karlshospital überführt werden.
Trotz aller Warnungen nimmt das Baden in der freien Fulda außerhalb der Badeanstalten hin Ende. Darum hat erst Sonntag wieder diese Unvernunft ein neues Todesopfer gefordert, nachdem der vergangene Sonntag zwei Opfer brachte. Diesmal ist es ein Sjähriger Knabe, der Sohn Otto des in der Müllergasse wohnenden Arbeiters Krengel. Der Klein« badete unterhalb des Fuldahafens und bette sich auch in tiefe Wasser begeben. Plötzlich versank er und kam nicht wieder hoch. Zwei junge Leute, die den Vorgang vom gegenüberliegenden Ufer beobachtet hatten, sprangen sofort ins Wasser. Rach einigen Minuten hatten sie auch den Körper des Jungen geborgen, aber das Leben war bereits entw'chen, so daß auch die zweistündigen Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg hatten.
In der Holländischen Straße hat sich Sonnabend mittag ein älterer Zimmermann In seiner Wohnung erhängt. Man fand den Lebensmüden tot auf und ließ die Leiche in das Karlshospital bringen. Wie es heißt, hat der Kummer über eine unheilbare Krankheit den Mann zu dem tragffSchritt veranlaßt.
In einer Maschinenfabrik im Stadtteil Rothenditmold flog einem jungen Schmied aus Harleshausen am Dampfhammer ein schwerer Eisenblock auf den Fuß und fügte ihm eine bösartige »Quetschung ju, sodaß er durch faie Unfallwache Holzmarkt in seine Wohnung befördert werden mußte.
_ Unser „Vater Kröning" ist eine Stufe höher gerückt. Hatte er sich bisher nur um lebende und tote Menschen zu kümmern, so muß er sich jetzt auch des armen Viehes annehmen. Am Sonnabend nachmittag wurde nämlich ein Bauersmann aus Landwehrhagen, der durch die Hitze einen gewaltigen über den Durst „gesäuselt" hatte, mit feinem Fuhrwerk am Töpfenmarkt von der Sttaßenbahn angefahren. Glücklicherweise ging es dank der Geistesgegenwart des Straßenbahnführers ohne großen Schaden ab, doch wurden Pferdelenker, Pferd und Wagen im Karlshospital untergebracht. •
In Niederzwehren stürzte beim Fußballspiel auf bem Sportplatz ein älterer Spieler so unglücklich, daß er mit einem Bruch des Unterschenkels von der Unfallwache am Holzrnarkt in das Ellsabethkranken- haus geschafft werden mutzte.
Bei einem Ausflug wollte man beim Mckochen in der Nähe des „Steinernen Schweiachens" den terrae» brannten, aber noch heißen Spirituskocher füllen, als dieser explodierte und einem 6jährigen Knaben schwer im Gesicht und an beiden Händen verbrannte. Die Arbeitersamariterkolonne sorgte für die Aufnahme im Rotenkreuzkrankenhaus.
Leiche gelänbet und erkannt. Zwischen Dennhau- fen und Bergungshausen wurde am Samstag abend eine männliche Leiche aus der Fulda geborgen und durch den Bergungstrupp in die Leichenhalle des Karlshospitals gebracht. Es handelt sich um einen 21jährigen Adam W. aus Mtenbauna, der seit Pfingsten vermißt wurde.
Don der Feuerwehr. Die Feuerwache Mauerfir. wurde nach der Opernstraße gerufen, um einen auf ungeklärte Weise entstandenen Kellerbrand, der durch Packmaterial und Holzwolle reiche Nahrung fand, zu unterdrücken.
aufgebracht werden können, so müßte die allgemeine Bitte an alte Gesellschaftskreise ausgesprochen werden, auch in diesem Sinne Hilfe zu bringen. Da die Not keinen Maßstab kennt und die Beduvfttgkeit unserer notleidenden Kollegen mit einem Wort grenzenlos Tft, stehen wir auch nicht an, unsere Bitten und Wünsche auf alle Überhaupt nur bestehenden Möglichkeiten auszudechnen. Es gehört ein warmes Herz und eine offene Hand dazu, wirklich helfend einzu- schreiien und nur ein Aufruf größten Maßstabes könnte hier verantwottungslose Gemüter bewegen, auch das Ihrige beizusteuern, das Los einer verelendeten Schicht von Arbeitskräften zu erleichtern, die einst zu den besten unseres Landes gehörte und für die leider bisher nur mit ungenügenden Mitteln gesorgt wurde.
Aus vorstehenden Ausführungen wollen Sie, sehr geehrter Herr Reichspräsident, ersehen, daß wir lediglich an die Linderung der größten Not gedacht Haben".
45 Jahre: Eonrad Svangenbera. 40 Jahre: Heinrich Flörke, Werner Baumann. 35 Jahre: Heinrich Berninger, Lorenz Berninger Heinrich Schröder. Wilhelm Siebert I, Daniel Siebert. 30 Jahre: Adam Hose, Johannes Jordan, Wilh. Diek. Heinr. Tettor, Jak. Nachbar, Ludwig Mootz, Jak. Siebert I, Jak. Siebert II, Martin Heinemann. 2 5 Iahre: Asmut Siebert, Johannes Saur, Hein- rich Hole, Wilhelm Lipphardt, Gs. Correus, Heinr. Hart-
„Vor allem streben wir die Veranstaltung einer öffentlichen Sammlung an, die solchen Erwerbslosen zugute kommen soll, die auf Grund ihres Alters oie Möglichkeit einer Wiedereinstellung aller Voraussicht nach nicht mehr ertoarten können, damit es wenigstens Einzelnen möglich wird, wirffchastliche Darlehen zu erHÄten, die ihnen den Aufbau einer kleinen Existenz ermöglichen Es sei hierbei gleich vorausgefetzt, daß wir bei dem allgemein bestehenden Mißtrauen gegen Wohffahrtseinrichtungen uns Aufsichtspersonen erbitten, welche die Verwendung dieser Gelder kontrollieren. Ferner wäre es sehr erwünscht, wenn älteren Angestellten und Angehörigen geistiger Berufe nach langen Jahren der Entbehrung wieder einmal die Möglichkeit geboten würde, einen Sommeraufenthalt auf ibem Lande zu nehmen und wenn gesellschaftliche Organifationen fowie auch begüterte Familien in einem gewissen Zusammenhang Patronate übernehmen wurden, d. h. einerseits ftir Verpflegung, anderseits für freie Wohnung sorgen könnten. Was dem @in$elnen nicht möglich ist, wäre bestimmt durch Zusammenarbeit verschiedener Geber- kräste zu erreichen. Auch Kurorte müßten für derartige Existenzen einmal auf die übliche Kurtaxe verzichten, wenn keine Freifahrterlaubnis oder Herab- setzung des Fahrpreises zu erlangen ist.
An dieser Stelle fei auch gesagt, daß eine große Anzahl von geistigen Arbeitern nicht mehr in der Lage ist, ein warmes Mittagessen einzunech- men, da selbst die Wohlfahrtseinrichiungen der Städte einen Porttonspreis nehmen. Es handelt sich ja haupffächlich um eine verschämte Armut, die um fo deprimierender ist, als man derartigen Existenzen mit größter Vorsicht und Menschlichkeit begegnen muß Da die genannten Kategorien von Erwerbslosen, um überhaupt erwerbsfähig zu bleiben, einer einigermaßen ansehnlichen Garderobe bedürfen, jür deren Ergänzung niemals die notwendigen Mittel
Staatliches Theater.
Änt Mittwoch, den 25. Juni — D 37 — wird da? Lustspiel „die Attraktion" zum letzten Male aufaefubtt. In dieser Aufführung verabschiedet sichHerr Jasse nach dreijähriger Tätigte« im Staatlichen Theater tn der Rolle des „Filivin" vom Kaffeler Publikum.
Kleines Theater.
Und nun Lil Dagover ... Als Abschluß der GastsvieA im Kleinen Theater in dieser Spielzeit ist es der Direktion gelungen, die F-Imich.nispielerin Lil Dagover für ein einmaliges Gastspiel am 4. Juli zu verpflichten. 3irr Aufführung gelangt ein neues Lustspiel von Louis Berneuil. betitelt „Was nützt die schönste Krau, wenn üe keine Zeit bat?'
JubUäu«. Heute begeht der Arbeiter Arno S ö r i ch i von den Stadt. Werken A. G. sein Löiäbrigcs Jubiläum im Dienste der Liadt. In Anerkennung seiner treuen Dienste wurde dem Jubilar ein Dankschreiben des Ma- glürats überreicht.
Ein Notschrei
Die „Rotgemeinschast der älteren Angestellten, Kaufleute und Arbeiter griffiger Berufe" wandte sich an den Reichspräsidenten in einem Notruf, in dem es ri. a. heitzr: ____ _____
Wenn die junge Generation des sog. „schwachen Geschlechtes" die Bildungsmöglichkeiten in Gleichberechtigung mit dem Manne voll ausschöpft, so denkt sie wohl selten daran, welcher Kämpfe und Energie s bedurft hat, um das zu erreichen, was ihr heute als eine Selbstverständlichkeit erscheint. Aber selbst die an der Frauenfrage Unbeteiligten horchen auf, wenn der Name
Helene Lange,
der tapferen, herzenswarmen Vorkämpferin für die Lebensinteressen der Frau, genannt wird, die nach einem segensreichen Leben im Alter von 82 Jahren und doch viel zu früh für die Ihren geschieden ist.
Ihrem Gedächtnis galt eine erhebende Feier, veranstaltet vom Verband Kaffeler Frauenvereine, an der neben unendlich vielen Anhängerinnen auch Die Vertreter der Behörden teilnahmen.
Julie b. Kästner fand in einer schlichten, von Herzen kommenden Ansprache innige Worte der Verehrung und des Dankes für die mütterliche, edle Frau
>r Leben dem Dienst an ihren Geschlechtsgenos- sinnen geweiht. Die Tausenden von ihnen den Weg gewiesen in ein freieres Leben, in eine vorwärts- ftrebenbe Entwicklung.
Oberstudienrätin Mend e hielt der Entschlafenen die Gedächtnisrede. Sie ließ vor uns das Bild des schlichten, rechtlich und ftteng bürgerlichen Oldenburger Kaufmannshauses erstehen, dem Helene Lange entstammt. Von glühendem Wissensdrang erfüllt, vertiefte sie sich fast allzufrüh in die Bibliothek des Vaters und als dieser nach Beendigung ihrer Töch- terfchulausbildmtg starb, war eS ihr sehnlichster Wunsch, Lehrerin zu werden. Aber ebenso — wie sie bereits bitter empfunden, daß die intereffanteften und anregendsten Debatten nur von den Männern geführt wurden, verwehrte man ihr den Lieblings - wunfch unb gestattete ihr endlich, sich ihr Brot als Erzieherin zu verdienen. In diesem Beruf erkannte sie, wie unzulänglich die weibliche Bildung sei und mit eiserner Energie bereitete sie sich als Autodidaktin auf ihr Lehrerinnen-Examen vor und beschäftigte sich später mit den alten Sprachen, Philologie, Soziologie und Nationalökonomie. Auch hier empfand sie es wieder als ungerecht, daß das Eindringen in
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