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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

Nummer 126*

Sonnabend, 31. Nai/Sonntag, 1. Juni 1930

10. Zahrgaa,

Reichstagsneuwahl und Mittelpartei

Keine Arbeitsgemeinschaft der Mitte, sondern eine voMomme« neue Parteibildung? / Heues Geständnis Kürtens

Oer Weg zur Großpartei

Lon unserer Berliner Schristleitung.

Berlin, 31. Mai.

r. Nachdem die BerhaiMungen über die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Mittelpar­teien tat Reichstag gescheitert sind, und nachdem der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Scholz, der Führer dieser Verhandlungen, davon öffentlich Mitteilung gemacht hat, haben nun auch die Demokraten, die sich ebenso wie die Valkskonservativen geweigert hatten, an einer solchen Arbeitsgemeinschaft teilzu- nehmen^ in einer öffentlichen ErMrung zu dieser Frage Stellung genommen. In dieser Erklärung der demokratischen Reichstagsfraktion wird unter an­derem darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen mit dem Ziele geführt worden seien, die in der Re­gierung vertretenen Fraktionen, mit Ausnahme des Zentrums und der Bayrischen Volkspartei, zu einer Arbeitsgemeinschaft zu vereinigen. Die Demokraten feien der Ansicht, daß zur besseren parlamentarischen Zusammenarbeit die Bildung eines Ausschusses aus diesen Fraktionen sehr wohl geeignet sein könnte, daß jedoch in diesem Falle alle in Betracht kommenden Fraktionen herangezogen werden müßten und daß «er Ausschluß der Zemrmnspartei aus einem solchen Ausschuß wahrscheinlich neue Schwierigkeiten hervor- gerusen hätte. Di« Verhandlungen hätten keine Grundlage für die Neugestaltung des Parteiwesens bieten können. Die demokratische Fraktion sei in Usbereinstimmung mit dem Beschluß ihres Partei- ausschuffes in Halle zu einer Mitwirkung an einer Zusammenfassung gesinnungsverwandter Kräfte durchaus bereit. Der Weg dazu könne aber nicht über eine bloße Addition der bestehenden Parteien oder Fraktionen führen. Die erste Vorbedingung wäre vielmehr ein« sorgfältige Klärung der Stellung tu den wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Daß ein Versuch einer Einigung mit politisch, wirtschaftlich und kulturell anders gearteten Parteien scheitern müsse, bedarf keiner weiteren Ausführung. Man brauche nur an die Rede des völkischen Abgeordneten Wendhausen und an die Haltung des Abgeordneten Mumm zu den kulturellen Fragen des Reichstags zu erinnern.

Diese demokratische ErMrung, die in einzelnen Punkten allerdings recht anfechtbar ist, da es sich ja nicht um eine Arbeitsgemeinschafr der jetzigen Regie­rungskoalition, sondern vielmehr um eine Arbeitsge­meinschaft der bürgerlichen Parteien der Mitte, au­ßerhalb des Zentrums handeln sollte, werden in der demokratischen Presse noch weiter kommentiert und unter anderem wird dazu angeführt, daß eine erfreu­liche Zusammenarbeit mit der Treviranus-Gruppe urtb den Demokraten unmöglich gewesen wäre. Zum Beweis dafür wird unter anderem auf die kürzlich gehaltene Münchener Rede des Ministers Treviranus hingewiesen, in welcher dieser föderalistische Anschau­ungen entwickelt habe, die es den Demokraten unmög­lich gemacht hätten, mit ihm und seinen Freunden zu­sammenzuarbeiten.

Obwohl durch diese Erllärungen des Verhand­lungsführers Dr. Scholz und der Demokraten die Be­strebungen auf Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der Mitte vorläufig als gescheitert anzusehen sind, sollen doch

die außerparlamentarischen Bemühungen zur Zufammenfaffung der bürgerlichen Mittelparteien weitergeführt

werden. Diese Bestrebungen sind schon seit etwa zwei Jahren tat Gange und sind unabhängig von den par­lamentarischen Verhandlungen des Abgeordneten Scholz geführt worden. Es handelt sich dabei vor al­lem um dieFront 1929*, sowie um die Jugeitagrup- pen einiger bürgerlichen Parteien, die in gemeinsa­mer Arbeit seit langem propagandistisch für die Bil­dung einer neuen bürgettichen Staatspartei der Mitte eintreten. Der Grundgedanke bei dieser Bewe­gung geht in der Richtung, daß

nicht eine Zusammenfassung der jetzigen bür- gerlichen Mittelparteien in Frage kommen soll, t sondern daß die jetzigen Parteien ausgelöst

" * werden müßten und daß aus dem Wählerftand

< dieser Parteien eine vollkommen neue Partei ' gegründet werden muß.

Zweifellos wäre es notwendig, daß die führenden politischen Kräfte der jetzt bestehenden Parteien in diese neue Partei übergehen müßten, wenn überhaupt ein Erfolg mit diesen Bestrebungen verbunden sein soll. Aber man kann feststellen, daß zum mindesten einige der maßgebenden politischen Persönlichkeiten der jetzigen bürgerlichen Mittelparteien mit diesen neuen Gründungsbestrebungen sympathisieren und evtl, bereit fein würden, aus den Bestand der jetzigen Partei zu verzichten, wenn eine derartige Neugrün- dung zustandekäme. Allerdings wird man auch dafür ein psyc^>logisches Moment bezw. die richtige politi­sche Konjunktur abwarten müssen, die wohl erst dann gekommen Wgre, wenn eS in der nächsten Zeit wirk­

lich zu einer Reichstagsneuwahl kommen sollte. Immerhin ist es bemerkenswert, daß nach dem Schei­tern der parlamentarischen Verhandlungen über eine Arbeitsgemeinschaft die propagandistische Arbeit für die Bildung einer neuen bürgerlichen Mittelpartei dennoch fortgesetzt werden soll.

Zeppelin vor Neuyork

Renyork, 31. Mai.

Graf Zeppelin*, der um 3.10 Uhr von der Radio- Marine-Compauy in der Delaware-Bay gehört wurde, wird jetzt ungefähr um 5 Uhr (11 Uhr M. E. Z.j über Lakehurst erwartet. Man nimmt an, daß er vor der Landung in Lakehurst einen Rundflug Über Neuyork zusführen wird. Die Vertreter der an der Internatio­nal Zeppelin Transport Company beteiligten Banken und Zudustrieunternehmen sind mit einem Extrazug

Düsseldorf, 31. Mai.

Zu der Meldung, daß Kürten _ern dem Amts­gericht zugeführt worden ist und daß gegen ihn ein Haftbefehl erlassen worden sei, ist noch ergänzend zu berichten, daß durch diese rein formelle Maßnahme des Gerichtes keineswegs Kürten aus den Händen der Polizei genommen wird, und daß nun der Unter­suchungsrichter das Wort hat. Es wird vielmehr be­tont, daß die polizeilichen Vernehmungen noch bis in die ersten Tage der nächsten Woche hinein sortge- setzt werden und erst nach Abschluß der polizeilichen Vernehmungen Kürten dem Untersuchungsrichter übergeben wird.

Die Hauptverhandlung gegen Kürten

soll in der September-Periode des Schwurgerichtes stattfinden. Mit der bevorstehenden Beendigung der polizeilichen Vernehmung rückt der Fall Stausberg immer mehr in den Vordergrund des Interesses. Be­kanntlich hatte damals Stausberg gestanden, den Mord an der kleinen Rosa Ohliger und dem Invali­den Scheer begangen zu haben. Tas Verfahren gegen Stausberg wurde bald eingestellt und er wurde der Irrenanstalt überwiesen, angeblich wegen seiner All­gemeingefährlichkeit und nicht wegen seiner Schuld an den Mordtaten. Außer den beiden genannten Mordtaten wird Stausberg auch eine Reihe Schlin­genüberfälle zugeschrieben, die er ebenfalls eingestan­den haben soll. Die Kriminalpolizei stand bisher auf dem Standpunkt, daß Stausberg tatsächlich auch der Mörder der kleinen Ohliger und des Invaliden Scheer gewesen sei, während ein großer Teil der Presse und auch höhere Gerichts- und Kriminalbeamte nicht zu

Rangoon beläuft sich auf 174 Tote und über 1500 Brrwnndete, darunter viele, die in grausamer Weise verstümmelt wurden. Auf den Straßen wurde unter Frauen und Kindern ein furchtbares Blutbad ange­richtet. Bon den in die Krankenhäuser übergesührten Verletzten schweben noch etwa 80 in Lebensgefahr.

Die indische Regierung ist angesichts der Bemühun­gen von Kongreßseite, eine verschärfte Form der all­gemeinen Gehorsamsverweigerung in Indien durch Boykotte verschiedener Art und Nichtzahlung von Steuern einzuführen, zu neuen Maßnahmen überge­gangen. Es find Bestimmungen erlassen, die den loka­len Behörden Mittel zur Bekämpfung des Feldzuges der Steuerverweigerungen an die Hand geben. Eine andere Verfügung ist gegen di« verschiedenen Arten

«ach Lakehurst tfigeatflt ®s wird erwartet, daß wei­tere Konferenzen mit Dr. Eckener vor der Abfahrt de« Graf Zeppelin* au» Lakehurst oeabfichtigt find.

Bon Bord des LuftschiffesGraf Zeppelin* ist beim Luftschiffbau Friedrichshafen heute morgen der fol­gende direkte Funkspruch eingegangen:Um 4 Uhr mittlere Ereenwi^eit 100 Km. nördlich Kap Hatteras. Erwarten Eintreffen Lakehurst 10 Uhr mittlere Green­wichzeit. Alles wohl.*

Lakehurst, 31. Mai. In einem hier eingegangenen Funkspruch von Bord desGrasen Zeppelin* teilt Dr. Eckener mit, er werde nicht vor 6 Uhr örtlicher Zeit (12 Uhr MEZ.) landen, falls der Gegenwind nicht abnehme Den Gegenwind, der die Herab­setzung der Stundengeschwindigkeit - auf rund 70 Kilometer verursachte, tratGraf Zeppelin* auf dem letzten Drittel von San Juan nach Reuhork an.

Enttäuschung in Havanna.

Wie aus Havanna gemeldet wird, herrscht dort grenzenlose Enttäuschung darüber, daß der erwartete Besuch desGraf Zeppelin" nicht erfolgen konnte. Große Menschenmengen waren in die Stadt gekom­men, um das Luftschiff zu sehen. Sämtliche Hotels waren überfüllt, alle Vorkehrungen für die Landung waren bereits getroffen.

dpr Ueberzcugung gelangen konnten, daß der fchüch- terne, vor einem Kind sich versteckende Idiot Staus­berg der Mörder fein sollte. Run meldet der Poli­zeibericht, daß Kürten auch die Fälle des Stausberg zugegeben und sie mit den genauesten Einzelheiten ge­schildert hat, daß aber noch eingehende Ermittelungen über die Richtigkeit der Angaben erforderlich seien und daher zunächst nichts Näheres gesagt werden könne. Es ist aber wohl kaum daran zu zweifeln, daß Kür­ten, der bisher nach seinen Aussagen und Schilderun­gen auch durchweg einwandfrei überführt werden konnte, der Täter im Falle Ohliger und Scheer ist.

Reform der Arbeitslosenversicherung

Berlin, 31. Mai.

Der Vorstand des Gewerkschaftsringes deutscher Arbeiter und Angestellten und Beamtenverbände hat zur Frage der Reform der Arbeitslosenversicherung Stellung genommen. Er lehnt die durch den Vor­stand der Reichsanstalt vorgeschlagene neue Regelung der Arbeitslosenversicherung ab, soweit diese Vor­schläge untragbare Verpflichtungen für die Arbeitslo­sen bringen und außerdem an der als Grundlage not­wendigen Reform Vorbeigehen. Eine sozial gerichte­ter« Gestaltung der Versicherung erscheint nur mög­lich, wenn die nachweisbar ungünstigen Risiken be­sonders behandelt würden. Weiter fordert der Ge werkschaftsring Staat und Unternehmertum auf, alle möglichen Schritte zu gehen, um die durch wachsende Arbeitslosigkeit herbeigeführte Not zu lindern und drohende Gefahren für die Staats- und Wirtschafts­ordnung zu vermeiden.

von Boykotten und sonstige Belästigungen und Ein­schüchterungen von Einzelpersonen gerichtet, die auf Geheiß des Kongresses bereits in zahlreichen Orten durchgeführt werden. Beide Verfügungen treten in der Residenzschaft Bombay sofort in Kraft. Die Zahl der Toten bei den Unruhen in Rangoon hat sich nach den letzten Feststellungen aus 174 erhöht. Die Gesamt­zahl der Verletzten ist noch immer nicht bekanntgegeben worden. Zur Zeit ist in Rangoon alles ruhig und das Eeschäftsleben ist wieder ausgenommen worden.

Motorboot mit 59 Personen gekentert

Santo Monika (Kalifornien), 31. Mai.

In der Nähe der Küste ist gestern nachmittag ein mit 59 Personen besetztes Motorboot gekentert. Ein großer Teil der Insassen konnte gerettet werden, doch find, soweit fich bisher überblicken läßt, mindestens zwanzig Personen ertranken.

Das Fest des Liedes

W. P. Als vor zwei Jahren der Deutsche Sänger­bund in Wien sein Sängerfest feierte, als aus allen Gauen unseres Vaterlandes Lausende und Abertau- sende sangesfroher Männer in die Heimatstadt Franz Schuberts eilten, als sich die Abgesandten des über das ganze Erdenrund verstreuten Auslandsdeutsch- tumS mit den Brüdern aus dem Reich und aus «en österreichischen Ländern zum feierlichen Treugelöbnis zus«mmenfaüden, da offenbarte die Liebe zum dentschen Liede, die unser Volk heute wie einst beseelt, von nettem und stärker denn je ihre gewaltige Macht. Und wer sich damals vergegenwärtigte, mit welchen großen persönlichen Opfern diese Wiener Sängerfahrt von der großen Mehrzahl der Teilnch- mer erkauft worden war, wer wußte, wie schwer ver­dient die monatlichen Beiträge für die Reisekassen waren, «em wurde ein Glaube zur srohen Gewißheit: Der Glaube, daß auch heute im deutschen Menschen Kräfte lebendig sind, die uns über alle kulturellen und seelischen Krisenund über alle parteipolitischen und weltanschaulichen Kämpfe unserer Zeit hinweg zu ge­meinsamen Zielen führen.

Mitteldeutschlands Sänger halten in diesen Tagen bei uns Einkehr, und wenn dieses Kas­seler Sängerfest in feinen Ausmaßen mit der gewal­tigen Wiener Feier «es Jahres 1928 auch nicht ver­glichen werden kann, in dem einen Punkte bestehen keine Unterfchiede: Auch dieses Fest ist ein Fest des deutschen Liedes und ein Bekenntnis zu dieser die Gegensätze und Röte unseres kulturellen und seeli­schen Lebens überwindenden Macht. Es wird heut­zutage ein ungeheurer Mißbrauch mit dem kleinen und doch inhaltsschweren Wort«Fest* getrieben. Vergnügungen und Veranstaltungen gibt es in dieser von schweren Sorgen erfüllten Zeit in Ueberfluß, und manchmal scheint es, als wolle unser Volk seine Röte in ihrem lärmenden Brausen übertönen. Kritik an dieser Entwicklung ist sicherlich oft am Platze, aber wer Kritik übt, darf nicht übersehen, daß der Mehr- zahl der Veranstaltungen, die alsFeste" gelten wol­len, wegen ihrer inneren Leere dieser Ehrenname garnicht zukommt. Ihnen allen fehlt die Weihe, die einem wahren Feste erst Wert und Charakter gibt. Ein Fest des deutschen Liedes aber, wie wir es jetzt begehen, hat diese Weihe, es hat Daseinsberechtigung, weil es Quellen reinster Freude und seelischer Er­quickung erschließt.

Und das deutsche Volk hat diese Erquickung in sei­nem harten Daseinskampf bitter nötig. Die vier furchtbaren Frauengestalten, der Mangel, die Not, die Schuld und die schrecklichste unter ihnen, Frau Sorge, sind überall in deutschen Landen eingezogen. Sie ha­ben den Egoismus zum Losungswort erhoben, sie ha­ben Klüfte gerissen, sie haben Stand gegen Stand, Land gegen Land, Partei gegen Partei und Volksge­nossen gegen Volksgenossen gehetzt. Ihre Wühlarbeit hat bei vielen den Gedanken an die Allgemeinheit, an Volk und Vaterland untergraben, hat Tausenden den Glauben an das Leben, die Lust und Freude am Schaffen genommen.

In dieser Notzeit hat das deutsche Lied seine be­sondere Mission. Ströme gesunder Kraft fließen aus ihm stärkend in die Herzen der Mutlosen; sie fließen reinigend in die Seele der anderen, die, vom Egois­mus angekränkelt, den Blick nach falschen Zielen schweifen lassen. Im deuffchen Liede haben sich die besten seelischen Kräfte unseres Volkes erhalten; es singt von allem, was das deutsche Herz bewegt, von Liebesfreud und Liebesleid, von Heimweh und Ab­schied, von Wanderschaft und frohem Tatendrang. Deutscher Frohsinn, Lebensmut und Lebens­wille, Treue und Liebe zu Heimat und Vaterland und vor allem die Sehnsucht nach deutscher Einigkeit, die erst dem Begriff Vaterland lebendigen Inhalt gibt, erfüllen das deutsche Lied. Diese Kräfte den sor­genbelasteten Menschen unserer Zeit zu vermitteln, ihnen die tröstliche Gewißheit zu geben, daß das Löben sich nicht im Materiellen erschöpft, ist seine große Aufgabe.

Ihrer Verwirklichung dient auch das Fest, zu dem sich Mitteldeutschlands Sänger jetzi in den Mauern Kassels zusammengefunden haben. Denn der deutscke .Männergesang fft seit jeher der treueste Hüter dieses wesenhaft deutschen Liedes gewesen. Auch er ist ein Sachwalter der großen Aufgabe, über die sozialen, wirtschaftlichen, politischen und religiösen Gegensätze hinweg das deutsche Volk zu einen durch jenen vater­ländischen Gedanken, der von keiner Partei in Erb­pacht genommen ist und genommen werden kann. In­dem er die Liebe zur Heimat und zur deutschen Kunst weckt und für die vom Gemüte, nickt vom Verstände bestimmie deutsche Lebensausfassung wirbt, schreitet er diesem Hochziele zu.

Seit jeher hat sich der Männergesang der Erfüllung dieser Ausgaben mit Hingabe gewidmet. Als nack den Freiheitskriegen die ersten deutschen Männergesang­vereine ins Leben traten, lebten in ihnen und in den Liedern die sic sangen, die unerfüllte Sehnsucht nach deutscher Freiheit und Einbeit und das brennende Verlangen nach all den Zielen, die von Der Fcdcr der Wiener Dipl-'-'-^y go'>>cke,i wurden, {ort. Tie

Kürten und der Kall Stausberg

Das wachsende Schuldkonio des Düsseldorfer Mörders

Oie Greuel in Rangoon (Eigene Drahtmeldung.)

London, 31. Mai.

Daily Expreß* berichtet ans Bombay: Di« Zahl der Opser der mehrtägigen Schreckensherrschaft in