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CDochenbeflage

Dummer tlO

.uaaetei l Neuesten Dachrfchten

IDontag, den 12. IDaf 1950

Florian Geyer^ im Siaatstheaker

Die Rundfrage

Die schöne CDelserfn

<® vom

15301930

Von

Dalbro Banleu

Mrs. Morgan betrat mit fröhlichem Gesichtsaus- druck ihr Zimmer. Die sagte zu Johanna, chrer Zos«, daß sie ihrer Henle nicht mehr bedürfe, da sie zu ar- beiien habe.

Zu arbeiten?" fragte Johanna ungläubig. Die große Diva tat doch sonst nie etwas, was man ihrer Meinung nacharbeiten nennen konnte, denn das bißchen Singen zählte doch nicht.

Aber Mrs. Morgans Erwiderung:Ja, ich habe zu arbeiten, klang so bestimmt, daß Johanna, ohne eine wertere Frage zu wagen, sich entfernte.

Ihre Herrin hatte sich an den Schreibtisch gesetzt unö begann nachzudenken.

Der Vertreter einer großen Franenzoittrug, Mr. Carson, hatte sie heute abend nach beendeter Vorstel­lung in ihrer Garderobe ausgesucht.Meine Zeitung, hatte er gesagt,wünscht einen Beitrag aus Ihrer Feder. Das Blatt veranstaltet eine Rundfrage an be­rühmte Künstler, welche die glücklichsten und die trau­rigsten Augenblicke ihres Lebens waren. Ungefähr dreitausend Worte soll jeder Aufsatz enthalten."

Mrs. Morgan hatte ihre Mitwirkung zugesagt und war nun nach Hause gekommen, hatte ihre Zofe fort- geschickt . . und war nun entschlossen, die Wahrheit niederzuschreiben.

«T-fc m Strumpf.woher er kam und Stiefel,was aus ihm wurde *

der ihr Geheimnis vor den Augen der Welt, vor allem vor dem kaiserlichen Vater Ferdinand I. ber­gen mutzte, datz das schwerste Opfer von Philippiue gefordert wurde: die Verleugnung höchsten Weibes­stolzes, ihres Mutterglücks. Vier Kinder, dieser Ebe entsprossen, wurdenals Findlinge gelegt und nur in vertraulichen Urkunden als Sprösslinge des erz­herzoglichen Paares beglaubigt. Unsagbar, welche Qualen und Martern die stolze Patriziertochter um ihrer Liebe willen getragen, bis sie sich den Entschluß abgerungen, fußfällig die Gnade des Kaisers und die Aussöhnung zwischen Vater und Sohn zu erflehen. Aber ließ sich auch der zürnende Kaiser von der standhaften Treue und der Anmut Philippinens be­siegen, so band er doch auch fernerhin durch einen Eid die Gatten, die Ehe gleich einem dem Habsburger­stamm angetanen Makel vor der Welt zu verbergen. Erst zwölf Jahre nach dem Tode des Kaisers löste ein päpstliches Breve dieses harte Gelöbnis.

Schloß Ambras bei Innsbruck, das bergüberragte, sah die vier karg zugemessenen Jahre des Glücks, die Philippiue frei erhobenen Hauptes an der Seite ihres Gaten zu leben vergönnt waren. Sie hatte sie erlauft mit einem ganzen Leben selbstvergessener Hingabe. In der Hofkirche zu Innsbruck ruhtdie Freifrau von Zinnen bürg an der Seite ihres Gat­ten, der ihr diesen Titel verliehen. Nicht höher aber vermochte er sie zu adeln, als sie selbst sich geadelt durch ihre unerschütterliche Treue. Schön und treu wie die Weiferin so klingt ihr Ruhm durch die Jahrhunderte. H. F.

TenniSspielen im langen Rock, wie es noch, Ende des 18. Jahrhunderts üblich war, waren nicht schön aber wendet sich die Schönheit heute nicht auch schon oft mit Grauen über die kniefreien Röcke be­jahrter Damen, O und 3E Beine ältlicher Weiblich­keit hinweg, und wenn sie in noch so schönen flcisch- sonnen- oder rosefarbenen Seidenstrümpfcn stecken? Der Sport war es zuerst, der der Frau den be- wegungsfreien Fuß verschaffte, sie von der Last des im heutigen Verkehr unmöglichen, langen Kleides befreite; keine willkürliche Modelaune, sondern aus dem zeitgemäßen Bedürfnis heraus entwickelt. Ihrer Steigung zur Emanzipation folgend zeigte sie von Jahr zu <xahr etwas mehr von dem sich quali­tativ stets noch verschönenden Strumpf. Aestheten plaudern von dem dadurch entstandenen leichten und freieren Gang, der Schönheit des menschlichen Bei­nes die Dame lächelt sie ist sich der erhöhten Anziehungskraft eines raffiniert bekleideten Frauen­beines, eines gut beschuhten Fußes voll bewußt ob der Strumpf heute seine größte Blütezeit feiert, ob morgen, ob er sich bald wieder wie einst im röh­renförmigen vielleicht zweifarbigen Tricotbeinkleio

steht darin, daß durch den Ruhm, den ich gewann, nicht nur der Ruhm meines Namens stieg, sondern daß es mir auch vergönnt war, zu Amerikas Ruhm beijutragen. O, welches Glück auf Enden könnte an diesen Triumph des Herzens heranreichen."

Sie versiegelte den Brief, und während sie den an­deren in kleine Stücke ritz, murmelten ihre Lippen vor sich hin:Es ist besser so, wer hätte mir denn auch geglaubt?"

Mrs. Morgan überlas, was sie ««schrieben hatte; lange, lange sah sie auf die eng beschriebenen -Sotten nieder, bann trat plötzlich ein Älteres, spöttisches Lä­cheln auf ihre Lippen. Sie' griff nach einem frischen Blatt Papier und begann zu schreiben. Und sie schrieb diesmal so, tote es das Publikum von ihr wünschte und erwartete:.

Dieses schrieb sie:

Der glücklichste AugenbMck meines Lebens war jener, als ich an einem herrlichen Sommer tag, die Arme voll Blumen, eine Melodie auf den Lippen un­ser liebes Häuschen in den Cumberlandschen Tälern betrat

Zwei Neuyorker Herren, auf einer Kunstrebse be­griffen, gingen gerade an unserem Häuschen vorüber und hörten meinen Gesang. Einer von ihnen trat bei uns ein, sprach liebevoll mit meiner Mutter und mir, -um uns zu überzeugen, daß eine glanzende Zu­kunft meiner harre. Wie hoch schlug mein Herz bei diesen Worten! Ich, ein kleines Mädchen aus einem wöltenÄegenen Tal, ich sollte berühmt werden? Tie ganze Nacht konnte ich vor Erregung feinen Schlaf linden. Dieser Mann, mein edler Wohltäter, war der bekannte Mr. Naughton, dessen Edelmut ich stündlich heiß segne.

Und die traurigsten Augenblicke meines Lebens? Ich scheine ein Liebling des Schicksals zu sein! Ja, es sind gespannte Momente, Wenn ich in einer neuen Rolle die Bühne betrete, die Augen des tausendköpfi­gen UngeheuersPublikum" auf mich gerichtet sehe, aber dann nach den ersten Takten der Musik, vergesse ich alles um mich her, versinke ich in Glück und Se­ligkeit Und wenn dann ein Sturm von Beifall a-lls mich ni-sderbraust, da erbebt mein Herz vor Glück, daß ich zu vergehen glaube.

Und nicht die geringste meiner Glückseligkeiten be-

Phot Nehrdieh

Karl Ebhardt in der Titelrolle.

bettelnden Handwwerksburschen gegeben haben Per ihn unweigerlich so rasch wie möglich tn Aiko- b?I umsetzt, ist er für uns ja auch gestorben, und die Wenigsten ahnen, daß sein Leben dann immer noch einen Höhepunkt hat, aus dem er wie der Phö­nix aus der Äsche in neuem farbenprächtigem Ge­wände erscheint.

Wenn in einer heutigen Großstadt von vielleicht 500 000 Menschen nur jederein Paar Stiefel im Jahr forttoirft und dieselben auf einem Berg ge­sammelt würden es müßte doch eine ansehnliche Höhe zustande kommen und sie sollte zu nichts mehr nütze sein?

Man muß durch Gassen alter Städte schlendern, um zu erfahren, daß auch Mülleimer und Lumpen­händler ihre eigene Poesie habe. Vom einsam ver­lassenen Stiefel des auf der Walze lebenden Fecht­bruders, den wohl jeder schon bei Spaziergängen auf freiem Feld ober im Chausseegraben traf, bis zum einst eleganten, jetzt nunmehr ausgeplatzten Tanzschühchen einer Schönen, wird jeder in der Tat gesammelt, um durch das Fegefeuer der chemi­schen Fabrik geläutert, langsam zu einer .Schlapp­kohle" genannten Menge verarbeitet zu werden. Er- neut mit Eisen und Pottasche geschmolzen kommt sie als sogenanntes gelbes Blutlaugensalz aus dem Schmelzofen hervor. Jedoch noch nicht genug »och einmal fügt die Hexenküche Eisen hinzu und der Extrakt dieser alten Lederlumpen ist eine der schönsten, bekanntesten Farben Berliner Blau geworden. Würd' heute noch der Rocksaum eines blauen Damenkleides den kleinen Stiesel küssen es wäre nichts unrechtes dabei es bliebe ja in der Verwandtschaft . . .

Noch manches weiß die Chemie aus dem Blut­laugensalz des alten Leders zu gewinnen, ich erinnere hier nur an die Bedeutung der Blausäure, des Chemikers Scheele, Liebig verwandte es zur galvanischen Versilberung doch das würde zu weit führen und ich hoffe, ich habe meine lederne Aufgabe nicht zu ledern gelöst.

llnd dieses schrieb sie:

Die glücklichsten und traurigsten Augenblicke mei­nes Lobens fließen ineinander tote Sonnenschein uüd Rogen an einem gewittrigen Tag. Der glücklich­ste Augenblick meines Lebens war Her, als Gail mich bat, ihn zu heiraten und als ich mein ganzes Leben an seiner Seite in den Talern von Cumberland zu verbringen träumte, statt Arien und Lieder zu singen. Wenn ich in Gails blauen Augen seine große Siebe zu mir las, dünkte ich mich im Paradiese. Wir mach­ten Zukunftspläne .... Gail wollte sich einen Laden einrichten und ich wollte dort mit ihm arbeiten

Und als ich Gail zu meiner Mutter brachte, und als er sagte, er wolle ihr nicht die Tochter nehmen, sondern wolle ihr einen Sohn schenken, da küßte sie ihn, weinte vor Glück und führte ihn vor Vaters Bild. Und dann blieb Gail zum Abendessen, und der Disch würbe mit dem besten Porzellan, das wir besaßen, gedeckt. Und meine Mutter ließ meinen Verlobten schwören, datz er mich nie aus unserem lie­ben Tal entführen werde. Er «hielt auch sein Verspre­chen. Ich war es, die den Patt brach. Ja, aber an jenem Abend erreichte ich den denkbar höchsten Grad von menschlichem Glück, und die ganze Nacht lag ich wach in einem süßen Taumel, voll der sonnigsten Hoffnungen für die Zukunft. Das waren die glück­lichsten Augenblicke meines Lebens!

Der erste traurige kam wenige Monate später, als jener Mann aus Neuyork mich zufälligerweise singen gehört hatte. Er war mit einer Künstlergruppe auf einer Gastspielreffe durch unsere stillen Täler gekom­men. Es ging uns damals schlecht. Meine Mutter war leidend, bedurfte unserer Pflege, und unsere Rente wollte nicht reichen. Auch Gail hatte Pech gehabt, er war gestürzt, hatte das Bein gebrochen und die Wunde wollte nur schwer heilen. Ich fühlte, daß ich jetzt etwas unternehmen müsse. Und da kam gerade Mr. Naughton und versprach mir Gratisunterricht in Network und für meine freien Stunden einen kleinen Nebenverdienst. Und ich dürfe meine Mutter Mitnahmen, sagte er. Jene Tage sind

einen ziemlichen Luxus bedeutete. Da das Stricken kaum bekannt war, mußte er genäht werden und es gehörte dazu eine große Geschicklichkeit, den Strumpf gut sitzend und ohne Falten herzustellen, was wie­derum seinen Preis erhöhte. Als dann in Cam­bridge um 1589 der Strumpfwirkerstuhl von Lee erfunden wurde, der über Venedig ins deutsche Erz­gebirge kam, begann feine Blütezeit. Zuerst aus Wolle, Baumwolle, für Herren und Damen herge­stellt, wurde er im Anfang des 17. Jahrhunderts auch schon aus Seide angefertigt und es ist amüsant zu beobachten, wie er zeitweise immer mehr ans Tageslicht kam, um sich dann auch wieder für lange Zeit unter Schleppen und schweren Reiterstiefeln zu verstecken.

Nach Beendigung des 30jährigen Krieges waren ei wohl die Franzosen, die wieder mehr Wert auf Fuß und Bein legten, es mit Watte ausstopsten, wo seine Form zu wünschen übrig ließ, mit Bändern und Zwickeln hantierten, und Grazie und Kokette­rie man denke an Schäferspiele, Nymphentänze auch auf diesem unteren bisher verhöhnten Gebiet zu ihrem Recht kommen ließen.

Dann warf die französische Revolution so man­ches über Bord und vollends dje Vorrechte der ga­lanten Zett; di« elegante Kleidung der Wohlhaben­den bekam immer mehr den Stempel des Gutbür­gerlichen, Soliden aufgedrückt. Zeitweise schwand der Strumpf ganz als Gebrauchsgegenstand und gleich der Antike wandelten die Frauen barfuß oder in Sandalen einher. Der männliche Strumpf sank voller Bescheidenheit in sich zusammen und ward das, was man auch heute noch alsSocken bezeich­net. Es galt als unpassend vom Strumpf zu re­den, geschweige denn ihn sehen zu lassen. Kleists Gras von Strahl konnte noch so bitten und feinem Kätchen von Heilbronn zureden, ihm durch den Bach zu folgen, ei machte lieber den weiten Umweg, bis an des Baches Quelle, ehe es den Rock fchürzte .bis an den Knöchel nur bis an die äußerste, unterste Kante der Sohle". Ein heute noch und meist zu lustig gesungenes Volksliedchen aus dem Jahre 1838, kündete deutlich auch die Ansicht, die Verzweiflung der kleinen schwäbischen Bauerndirn' : Z' Lauterbach hab i mein Strumpf verlorn', ohne Strumpf geh' i net hoam!"

Und was würden diese beiden hübschen Vertre­terinnen ihrer Geschlechtes sagen, wenn sie ihre heutigen Mitschwestern sehen würden?

Gewiß das Tanzen mit den langen Schleppen Über dem Arm, die Schleppen auf der Straße, das

für mich in einen dunklen Schleier gehüllt. Nur an meinen Abschieb von Gail erinnere ich mich noch.

Abieu Bessie, sagte er leise,wirst du im Früh­ling wioderkommen?" i

,Zch werbe kommen!" versprach ich und glaubte auch daran.

Nie aber habe ich unsere Täler wiedergesehen!

Fünf Jahre des Lernens hatten nun für mich be­gonnen, fünf harte Jahre der Enttäuschung und iber Schmeichelei, des Kampfes und des endlichen Sieges. Zwei Fahre nach unserer UsbersiebeLung nach Neu- vork starb meine Mutter. Sie sehnte sich nach ihrem heimatlichen Tal; die große, fremde Stabt tötete sie.

Anfangs schrieb ich häufig an Gail, aber der gute, ehrliche Junge verstaub es nicht, seine Gefühle brief­lich auszudrücken, und feine Briefe kamen immer spärlicher. Da beschloß ich heimzufahren, um meinen lieben Gail zu heiraten und an seiner Seite ein be­scheidenes, glückliches Dasein zu führen.

Aber Mr. Naughton lachte, als er meinen Plan vernahm,, er sagte, ich schulde ihm nun viel zu viel Geld, und außerdem hätte ich eine so glänzende Zu­kunft vor mir, daß es ein Verbrechen wäre, si« für einen tölpelhaften Land jungen hinzuwerfen. Und dann sagte er mir, datz er mich liebe!

Die Welt nennt ihn ja meinen Wohltäter, den Mann,der die Morgan entdeckte.

O bittere Ironie!

Ich blieb. Gaff, dem ich geschrieben hatte, ich könne nicht abkommen, würbe später zu ihm kommen, antwortete nicht auf diesen, auch nicht aus meine spä­teren Briese.

Und das Leben ging weiter, der Erfolg kam, und ich stürzte mich wie eine Verschmachtende in das Le­ben, damit endlich das Vergessen käme.

Ich habe keine Ratschläge für junge Mädchen, die zum Theater gehen wollen, jedes Menschenleben mutz seinen eigenen Weg gehen, er führe/wohin er wolle.

die durchschnittene Hose---der Strumpf

verbergen wird, wer kann? sagen?? Indes ta­deln wird mich heute niemand, derweil ich etwas mehr vom Strumpf habhören lassen ist's viel­leicht doch weniger noch als man heute von .ihm sieht."

Vom Strumpf zum Schuh ift nur ein kurzer Weg, aber haben Sie einmal nachgedacht, was aus biefem treuesten Begleiter unseres Lebens wird, wenn er nach unseren Begriffen ausgedient hat abgebaut werden muß.Stiefel muß sterben, ist noch so jung, jung, jung" singt das alte Stuben« tenlieb ja sterben muß er wohl und wenn wir ihn in den Mülleimer oder dem an der Tür darum

Ein Lebenspsad, der aus der umsorgten Gebor­genheit und glanzvollen Helle eines Patrizierhauses durch das Dornengestrüpp tief schmerzlicher Heim­lichkeiten, Demütigungen und Erniedrigungen emporführte zu kurzen Glücks jähren offener Ge­meinschaft mit dem geliebten Mann, ehe er von des Daseins Höhe jäh hinabsank in das Reich des Todes bas war Philippiue Weisers wirr verschlungener Lebensweg, über dem als unverrückbarer Leitstern bas Licht treu harrender Liebe geleuchtet.

Wenn je einem Menschenkind es an der Wiege nicht gesungen worden, daß es gebemütigt beiseite stehen, ihm von adelstolzen Sippen und feilen Höf­lingszungen bas Brandmal der Unebenbürtigkeit verachtungsvoll aufgedrückt werden würde, so diesem von allen guten Genien mit reichsten Gaben gesegne­ten Sprößling des königlichen Kaufmannsgeschlechtes der Welser. Gleich den Fuggern hatten sie den armen deutschen Kaiser Karl V. bittend vor sich gesehen und dem allzeit Gelbbedürftigen des öfteren mit großen Summen und durch die Ausrüstung von Flotten wertvolle Hilfe geleistet. Zum Dank dafür war ihnen neben wichtigen Handelsrechten im Reich bet ritter- mäßige Abelsstond verliehen worben. Aber dies alles vermochte nicht die tiefe Kluft zu überbrücken, die nach bem fest verwurzelten Glauben jener Zeit einen Sprossen des Stammes Habsburg, einen Nef­fen jenes bem Augsburger Kaufmannsgeschlecht ver­schuldeten Kaisers, von bei Tochter des Welserhauses schied, mochte sie sich auch jedem Fürstenkind an An mut und Bildung ebenbürtig erweisen, mochte sie auch landauf und -ab alsdie schöne Welserin" ge­priesen werden. Tas wundersam fesselnde Frauen­antlitz, das im Bildnis von der Wand des Schlosses Ambras grüßt, läßt uns noch heute den Zauber ahnen, der einst seinem Urbild eignete. Aber allzu hoch türmte sich der Wall der Vorurteile, als daß er selbst von der siegreichen Schönheit und dem festen Willen dieser Frau im Sturm hätte durchbrochen werden können.

So war es ein dunkel-verhängnisvoller Schicksals­tag in Philippinens Leben, der ihr Jahre bitterster Kämpfe aber auch leidvollsten Glücks erschloß, als ihr, der Zwanzigjährigen, auf dem Reichstag von Augs­burg der junge Erzherzog Ferdinand II. entgegentrat und beider Herzen in rasch auflodernder Leiden­schaft einander zustrebten. Und der jähe Funke wuchs empor zur hell und stetig brennenden Flamme, wuchs und erstarkte an dem Widerstand einer Welt, an der den Liebenden aufgezwungenen Heimlichkeit. Jahr um Jahr ihrer Jugend sah Philippiue dahingleiten sie aber trug nicht Reue darum, sie harrte in un­erschütterlichem Glauben des Tages, der sie mit dem geliebten Mann vereinigen würde. Doch als er nach einem Jahrzehnt erschien, ba war cs kein stolzes, freies Sichbekennen zu dem liebenden Weib; eine heimliche Trauung war der Beginn neuer Heimlich­keiten und Erniedrigungen. So dicht war bet Schleier,

In der alten Kirschbaumeckvitrine in Großmütter­chens Biebermeierstübchen liegen, unter taufenb fei­nen Nichtigkeiten, ein Paar weiße Strümpfe, hand­gestrickt, und doch hauchdünn, mit wechselndem Ro- fenlnöfpentanfenmufter und oben am Rand sind zartabgetönte blaue Perlchen als Abschluß in Form einer Blattbordüte eingestrickt. Auch Namen und Jahreszahl sind eingestrickt.Gestrickt" mein Kind, nicht gestickt, ober gar aufgenäht tote es heute wohl geschieht, und dann pflegte die welke Hand der Greisin wie liebkosend über das zarte Gewebe zu streichen »die Brautstrümpfe Deiner Urgrotz- mu er".

Die heutige Generation hatte vielleicht nur ein mitleidiges Lächeln, ein Achselzucken für diese un­praktischen Kuriosa aus alter Zeit; sie ist an den Strumpf gewöhnt wie an etwas selbstverständlich Alltägliches und weiß vielleicht noch nicht einmal, daß er auf kein ehrwürdiges Alter zurückblicken kann. Individualität fehlt ihm auch, ist er doch ur­sprünglich nichts anderes, als eine verlängerte Hose gewesen.

Das klassische Altertum kannte den Strumpf nicht.

Zum ersten Mal zeigte er sich im Mittelalter. Der Pluderhose des 16. Jahrhunderts verdankte er wohl feine Entstehung. Man fagt, daß den Landsknechten das Anziehen der oben fehl weiten, und unterhalb des Kniees, ebenso engen Hose zur Last wurde und sie kurz entschlossen das Kleidungsstück durchschnitten, so, in zwei Teile geteilt, ergab das untere den Strumpf. Die Italiener und Spanier sträubten sich am längsten gegen diese neue Mode, die von Deutsch­land ausgehend, sich rasch verbreitete, aber immer­hin zuerst noch ein Vorrecht der Männer war, auch