Querschnitt durch ein Kalibergwerk. ^Ganze Schächte eines solchen Bergwerkes bei VieneWurg wurden durch de» Erdrutsch völlig unter Wasser gesetzt).
Ob
«r,
M
Der gesamte Bcchnverkelhr über Vienendurg ist seit Sonntag nachmittag um 5 Uhr von der Reichsbahn» direktion wieder freigegsben worden, mit Ausnahme der zerstörten Güterverkehrsstrecke Bienen- bUTCI^’ClU^Of.
Von den Ingenieuren der Preuhag find Messungen und UntersuchlUigen der weitere« Umgebung Vienenburgs vorgenommen worden. Dabei hat fich herausgcstcllt, daß
der Wassere inbrnch durch den Lkerslutz ver- «rsacht
worden ist, der dl der Nähe des Brockens ent- springt und der bei der Ortschaft Wiedelah seit einigen Tagen versiegt ist. Offenbar Hai das FlüH- clren eine unterirdische Höhlung in der Nähe der Gruben angefüllt, so daß das Waffer von dort sich ernen Durchbruch nach dem Schacht 1 gesucht hat. Die Frage ist nun, ob es gelingen wird, eine Um» lei ung der Oker berzustellen oder die Einbruchsstelle derartig nach hinten abzudämmen, daß in Zukunft weitere» Durchbriuche des Flusses vermieden weroen können. Die Grubenleitung soll entschlossen sein, die Rettung der Zeche unter allen Umständen zu versuchen
Von der 450 Mann starken Belegschaft der drei Schächte sind 100 Arbeiter sofort nach Bleicherode versetzt und von der dortigen Grubenverwaltung übernommen worden. Den Bewohnern der jetzt geräumten Häuser wird gestattet wurden, in ihre Wohnung zurückzukehren nachdem di« Preußag sich
Seite J
Staffelet ffteweffe srachrvhte«
Montag, 1L Mai 1930
Neuer Wassereinbruch in Vienenburg
Lleberraschendes Ltntersuchungsergebnis: Oie Oker als Ltrfache -er Katastrophe
Die heutige Nummer unrM 14 Seiten
Anregung zu dieser Fernkrr'^ost- üligten Derkehrsverbänden au ihn folg dieser Postreise-Linie nicht sehr
schliffen und Schweiz sind Saphire, die zitätszählern Verwendung
(Die Landschaft, die von der künftigen Fernkraftpost erschlofien werden soll, wird in einem besonderen Artikel unserer nächsten Bäderbeilage behandelt. D. Red.)
in den Handel gebracht. Auch in der Fabriken für synthetische Rubine und besonders als Lager in Uhren, Elettri» usw., viel weniger für Schmuckzwecke finden.
Bienenburg, 12. Mai.
Nach den neueste« Feststellungen ist das Waffer in Schacht 2 des Kalwergwerkes wieder um etwa 8b Zentimeter gestiegen. Auch ist auf der großen Ernbruchsstclle am Schacht 1 ein Nachschub von eiwa 100 Kubikmeter Erde erfolgt. Man hat ba- gonuen an der Einbruchstelle das Erdreich durch Sprengschüffe zu lösen und in die Tiefe zu senden, um festzustellen, ob weitere Senkungen erfolgen.
Die Brunnen im ganzen Kreise Vienenburg find versiegt.
Der Haupttrichter an der Schachtfiraße hat sich nach unten geöffnet. Von dem hineingestürzten Kraftwagen ist nicht mehr viel zu sehen. Am „Finkeiihcrd" ist ein neuer Erdstoß erfolgt. Dar östliche Gleis am Rangierbahnhof hat sich gesenkt.
gang durch Pyrmont die 1 Externsteine und Paderborn
Stimmt der Besitzer aber nicht zu. bann tarn er dazu gezwungen werden. Er gibt aber die theoretisch ihm qehörendewMtneralien nicht enffchäDigungs los her. Tas Bergwerk ist verpflichtet, ihnr eine laufende Summe, deren Höhe gesetzlich geregelt ist, zu zahle». In dieser Summe ist enthalten: eine An .Miete" für die Benutzung des Erdraumcs. ein Entgelt für die abgebauten Mineralien und ein Entgelt für alle Schäden, die beim Verträgsabzchlutz vorauszuschen waren. Man rechnet in jedem Füll mit einer Senkung des Erdreichs. Die Enttchadt- gung für diese Minderung ist also in der lausendc»
Berantwortlich für den politischen Teil: Dr. Walter Pehnt; für das Feuilleton: German M. Vonau: für den lokalen und Heimrtfeil: Dr. Hans Joachim Glatzen: für den Handel: Rudolf Gläser: für den Sportteil: i. 55.: Dr. W. Pednt: Pholoredakteur: Eduaid S ch u I z-K e f f e l: für den Anzeigenteil: Konrad Wachs- mann, -r Berliner Schrift!«tun«: Dr. Walter Thum, Berlin SW 68. — Druck und Verlag: Kaffeier Neueste Nachrichten G. m. b. Kaffei, Kölnische Straße 10.
Am Sonntag vormittag wurde nach einem Rund« ■ ; Rückfahrt über Detmold, die
nm nach Kastel angetreten.
berett erklärt hat, die notwendigen Abstützungsar- beticn auf -hre Rechnung vornehmen zu laste».
Ter Waffereinbruch in das Vienenburger §kali- salzberg.oerk ist im Hinblick auf ferne wirtschaftliche Auswirkung das größte und schwerste Grubenunglück, das in der Bergindustrie in der Provinz Hcmnover je z» verzeichnen gewesen ist, wird doch
der Schaden von sachverständiger Seite arH mindestens 40 Millionen Mark beziffert.
Es handelt sich va keineswegs nur um das Kaliwerk selbst, sondern voraussichtlich auch um die großen Benachteilicnmgeu die z. B. dem Effenbühn- verkchr erwachsen nd, um die Ansprüche der ge- schadigten Gemeinde, der Grundeigentümer usw. Die Förderunoseinnahmen fallen weg, während die Löhne iür die Belegschaft fürs erste weiterzuzahlen stird. Von allergrößter Wichtigkeit tft ferner die Fra.ze wie weit das Saiz unter ine wchrenenläufe des Personen- und Schnellzugsverkehrs reicht, uns ob es möglich fein wird, diesen in absehbarer Zeit, wen» überhaupt, wieder aufzunehmen, oder ob eine vollständige Verlegung der Siinten erfolgen muß Da es feststcht, daß nicht etwa nut Lauge m die Grubenbaue gelangt, sondern Flußwasser eingedrungen ist, so kann kein Zweifel daran bestehen. daß das gesamte Salz sich auflösen wird. Zn diesem Falle tft durch kein Pumpwerk Rettung zu schaffen. Für sehr auffallend wird es gehalten, daß die einzelnen Schächte nicht durch Dammtüren abgetrennt waren, um beim Einbringen von Waffer in den einen Schacht di« anderen bichchalien zu können Man hält dies tu Sachverstand tgenkreisen für um so eigenartiger als schon vor Jahren das Eindrittgen von Waffer zu bekämpfen war und damals entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen waren
Wie erkenne ich künstliche Edelsteine?
Schon Vor Jahrzehnten ist die Darstellung richtiger Diamanten gelungen, doch sind diese Erzeugnisse auch heute noch so winzig, daß sie praktisch bedeutungslos sind. Anders liegt das, wie Professor Dr. Arrien Johnsen tn Velhagen u. Klasings Monatsheften auseinanderfetzt, bei Saphiren und Rubinen. Schon um die letzte Jahrhundertwende bat der Franzose 9L Verneuil unter Benutzung reiner Schmelzfliiffe von über 2000 Grad Celsius rote Rubine und Saphire künstlich aus den Stoffen Tonerde und Chromoxvd bezw. Tonerde, Titanoxnd und Eisenoxvd hergestellt, und heutzutage wird die Synthese dieser beiden Edelsteine in großem Maßstab vom Elektronwerk (I. G. Farben) in Bitterfeld betrieben. Die DarsteUunq erfolgt aus Schmelzfluß, wobei sich große birnenförmige Kristalle bilden; auch sie sind ähnl ch den natürlichen Kristallen aus parallelen Schichten ausgebaui, Die oft abwechselnd heiler und dunkler gefärbt sind. Aber diese Schichten sind nicht ebcnflächig, sonder» der birnenförmigen Kristallobersläche parallel und daher ebenso gekrümmt oder gebogen wie diese; hieran und an den häufig eingeschloffenen Luftblasen können wir die synthetischen Rubine und Saphire von den echten, natürlichen unterscheiden. Die Sitter« selder Rubine und Saphire werden von der „Deutschen Edelsteingesellschastt in Idar an der Nahe ge»
... UN- wer haftet für den Schaden?
Die Vorkvmmniffe tn Vienenburg werden einen Rattenkönig trott Schadenersatzansprüchen nach sich ziehen. Sie fallen in den absonderlichsten' Bereich der modernen Rechtssprechung, in den Bereich des Mgemeinen Bergrechts. Dieses Bergrecht geht seit Jahrhunderten eigene Wege. Es ist das einzige Gebite der Rechtsprechung, in dem der Begriff des Eigentums, dessen Schutz sonst oberster Grundsatz jeglicher Rechtsprechung ist, eingeschränkt wurde. Der Eigentümer eines Grundstücks glaubt im allgemeinen, daß er uneingeschränkter Besitzer des gesamten Grund und Bodens .bis zum Erdmittelpunkt" und des getarnten Luftraums bis an die Grenzen der Atmosphäre ist.
Mit der Atmosphäre haben sich die RechtSgelehr- ten früherer Zeiten nicht beschäftigen müffen. da jeder Rechtsanspruch auf den »Lustraum" graue Theorie war, solange -Das Fliegen nicht erfunden wurde. Heute gibt es bereits richterliche Entscheidungen, die dartun, daß ein solcher Anspruch aus den Luftraum nicht besteht. Der Eigentümer darf ohne besondere Genehmigung nicht einmal eine Leuchtschrift auf die Wer feinem Hause stehende WoAenwaW projizieren lasse» M-r das sind siblicstlieb Rechtsfragen, die augenblicklich noch nicht M mmd* akut sind.
lieber die Frage, wem die Erde ratter dem an Privatbesitz befindlichen Grund und BWen gehört, hat man sich dagegen seit jeher schon den Kops zerbrochen. Das Bergrecht ist daher auch eines der ältesten Rechtskomplexe, der in allen Staaten am frühesten feste Formen annahm.
Es gibt Staaten, in deren Gesetzen der Grundsatz verankert ist, daß alle Bodenschätze dem Siaat gehören. Man nennt das -Nationalisierung der Bodenschätze". In anderen Staaten wiederum sind Kompromißlösungen vorgenommen worden. So auch in Preußen, in dessen Bereich fich das Kalibergwerk Vienenburg ja befindet. Für Preußen gilt .das Allgemeine Bergrecht aus dem Jahre 1865. Für den Bereich der Proving Hannover ist es mit Rücksicht aus die damals auflommende Kali-Industrie an Jahre 1895 mit SoWervestimmungen erweitert worden. Nach diesem Bergrecht ist der Besitzer von Grund und Boden theoretisch auch tatsächlich Besitzer des darunter gelegenen Erdraumes. Wenn ein konzessioniertes Bergwerk die Absicht hat, in diesem Erdraum einen Abbau vorzunehmen, muß es den Besitzer um dessen Zirstimmmig ersuchen.
Direktor Holst erklärte, daß die Reichspost, die häufigen Angriffen ausgesetzt sei, auch im Falle der neuen Fernkraftpost nicht ohne Kritik geblieben fei. Er habe, als die r _ linie von den beteiligten _____
gelangt sei, den Erfolg dieser Postreise- , . , optimistisch beurteilen können. Aber trotzdem habe er geglaubt, der Anregung Folge geben zu müffen, da die Landschaft es wirklich verdiene, dem brerten Frem-
Erste deutsche Fernkraftpost Kassel-Bremen
Probefahrt der Teilstrecke Kassel-Pyrmont
Enischädtgungszahlung bereits mbegriffen. Sobald aber darüber hinaus schwerere Scdamgungen eu> trc.cn, dann ist das Bergwerk für diesen Schaden erst recht haftbar, nach dem Ge;etz auch „über eigenes Verschulden hinaus". Tas heißt, auch dann, wenn baS Bergwerk nach menschlichem Ermessen alles ge» tan hat, um den Schaven zu verhindern.__
Im Fall Vienenburg ist aljo fcie Sergtoerfswr- Wallung in jedem Fall haftbar. Sie muß ;edcn Schaden wiedergutmachen, der durch dre Erosenkun- gcn an Gebäuden und anderen Anlagen entstanden ist.
denstrom zugänglich gemacht zu weiden, nm fo den Interessen der Bevölkerung, die durch die Verhältnisse gezwungen sei. sich der Fremdeilindusttie zuzuwenden, zu dienen.
Daher habe die Reichspoftverwaltung vorläufig verfuchsweise die Linie mit drei Fahrten in der Woche von Kassel »ach Pyrmont und zwei Fahrten wöchentlich von Bremen nach Pyrmont vorgesehen.
Er wolle hoffen, daß sich sein Pessimismus als unberechtigt Herausstelleti und die Einrichtung fich zum Wohle aller auswirken werde. Die Reichspost werde wie in diesem Fall, selbst wenn die sichere Rentabilität nicht von vornherein feststehe, zu ihrem Teil alles tun, um den Verkehr und damit den Wohlstand des deutschen Volkes zu heben.
Wp. Kassel, 12. Mai.
Aus Anlaß der für Ende Mai vorgesehenen Inbetriebnahme der ersten detttschen Fernkraftpost Kassel- Bremen, die dazu dienen soll, das landschastlich hervorragende, aber leider bisher nicht genügend bekannte Weserbergland dem allgemeinen Fremdenverkehr zu erschließen, veranstaltete die Oberpostdirektton Kassel am Sonnabend eine Pressefahrt auf dem ersten Relfe- abschnitt Kassel-Pyrmont, an der außer Vertretern der Presse aus Dortmund, Essen/Ruhr Berlin, Bremen und Kassel der Kommissar des Reichsposttnini- steriums, Abteilungsdirektor Holst-Dortmund, der stell- verttetende Präsident der Obcrpostdirektwn Kassel, Oberpostrat Diebel, der Dezernent des Kraftfahrtwesens bei der Oberpostdirektion Kassel, Oberpostrat Bittlinski, Verkehrsdirektor Dr. Rehorn-Kassel Vortragender Rat Dr. Müllershausen vom Bremer Magistrat, der Landrat des Kreises Hofgeismar. Dr. Prange, Direktor Meyer-Hermann und Major a. D. Bartsch vom Verkehrsverband Weserbergland und Reichsbahnoberrat Goudefroy von der Reichsbahn- direttion Erfurt teilnahmen.
Die mit dem neuen 30sitzigen Ausflugwagen tn Kassel begonnene Presse- und Besichtigungsfahrt führte die Teilnehmer über Hann. Münden, Veckerhagen, Bursfelde, Gieselwerder durch das im Hellen Frühlingsschmuck prangende Fulda- und Wesertal nach Earlshafen. Trotz des einsetzenden Regens bot dre Fahrt auf den mit Blutenbäumen umsäumten Straßen durch die herrlichen Wälder, die in den kontrastreichen Frühlingsfarben ungemein reizvoll wirkten, einen unbeschreiblichen Genuß. Immer neue Ausblicke und landschaftliche Schönheiten boten sich dem Auge und vertieften den bei allen, Teilnehmern vorherrschenden Eindruck, daß die Einrichtung dieser Fernkraftpost eine Notwendigkeit ist, um dem Deutschen seine schöne Heimat zu zeigen, aber auch den in jedem Jahr nach Deutschland kommenden ausländischen Fremdenstrom zum Besten der schwer um ihre Existenz kämpfenden Bevölkerung durch das schone Weserbergland zu leiten.
In Earlshafen versammelten fich die Teilnehmer mit den Vettretern der Stadt Earlshafen in dem herrlich am Weserstrom gelegenen Kurhaus zu einem gemeinsamen Frühstück, bei dem Landrat Dr. Prange- Hosgeismar auf die besonderen Schönheiten der Land- schgfte. di- in manchen Liedern gepriesen werde und miferkli viele alte Sagen verknüpft seien — die Stü« det ^-r.inm holten sich hier den Stoff zu ihren Märchen —, himvies. Von Earlshafen aus ging dann die Fahrt weiter Wer Höxter-Corvey, wo eine kurze Besichtigung der Klosterkirche stattfand, Holzminden und Polle nach Pyrmont, wo die Teilnehmer an der Pressefahrt von der Kuryxrwaltung herzlich aufgenommen wurde». Das Wetter klärte sich auf, so daß bei strahlendem Sonnenschein das internationale Bad, das sich rühmen kann, den schönsten Kurpark Deutschlands zu besitzen und das die Hauptstation der neuen Linie darstellt, ausgiebig besichtigt werden konnte.
Auf Einladung der Kurverwaltung fanden fich die Teilnehmer abends im Kurhaus zusammen. Kur- direttor Gallion hieß die Gäste herzlich willkommen.
Der Sinn der neuen Linie.
Oer Tonfilm und die Opernbühnen im Reich
Oer Generaüntendairt der preußischen Staatstheaier über seine Tonfilm-Pläne
tntenbant der Preußischen StaatSchoater, Stetten, beschlagen, an der Gründung einer neuen deutschen Lonfilmgesellfchaft mit Reinhardt an der Stütze mit« zuwirken. Diese Nachricht hat in der deutschen Thea- terwelt außerordentliches Aussehen hervorgerusen und allgemein wird liefern Schritt große Bedeurung für hie künstlerische Entwicklung des Tonfilms beigemessen. In der Oefferrtlickkeit hat die beabsichtigte Jrlmbeteilvrung des Intendanten vielfach Mitzoer- ständnisic btrtiotyerufen, umso m«br, als Generalintendant Tietfen selbst in dieser Angelcaenbeit bisher keine Erklärungen abgegeben hat. Unser Berliner Mitarbeiter hatte als erster Journalist Gelegenheit, Herrn Tietje» über feine Tonfilm-Pläne zu befragen. Der Generolintendawt erklärte dabei etwa folgendes:
„Meine Tonfilmpläne find während der letzten Tage in der Oeffentlichkeit vielfach falsch gedeutet worden. Eines möchte ich von Anfang an richtig stellen' der preußische Staat hat keinesfalls die Absicht als Filmunternehmer aufzutreten, um den mitt! lere'n und kleineren Bühnen im Reich den Lebensfaden abzuschneiden. Meine Beteiligung an der neu- aegründeten Filmgesellschaft hat vielmehr die umgekehrte Tendenz, den mittleren und kleinen Bühnen ihre Existenz zu wahren. v ~
Wer heute die Entwicklung des Tmifflms und die Lage der deutschen Bühnen mit offenen Augen sieht, wird zugeben müffen, daß die mittleren und kleinen Bühnen, die zum großen Teil jetzt schon schwer zu kämpfen haben, in Zukunst durch den TonfUm noch weit mehr gefährdet sein werden. Wenn erst einmal überall technisch einwandfreie Tonfilme laufen werden, die eine Oper in allererster Besetzung wteder- geben, dann können die Bühnen der mittleren und kleinn Städte mit dem Kino nicht mehr in Wettbewerb treten. Gemessen an der bisherigen Entwicklung des Tonfilms, scheint diese Zeit nah, sehr nah. Nur eine Maßnahme kann den Bühnen helfen — und diese Maßnahme haben wir, wenn auch noch nicht durchgeführt, so doch jetzt eingeleitet und porbereitet.
Die mittlere und kleine Opernbühne mug selbst den Operntonfilm spielen! Das wird, so glaube ich, in Zukunst der einzige Weg jein, um die Theater als solche zu retten. Damit soll nicht gesagt sein, daß diejenigen Opernbühnen, die Tonfilme in ihr Reperwir aufnehmen, auf eigene Bühnenoarstellung völlig ver- Kichien sollen. Das wollen wir auf keinen Fall, denn wir wünschen keineswegs, daß aus den Opernbuhyen Sinas werden sollen. Das Programm bei Opcrnton-
filme wird fich, fo glaube ich, immer auf die Darstellung einzelner großer Opern beschranken muffen, zu deren Inszenierung die Mittel der mittleren und kleinen Bühnen im Reich ohnehin nicht ausreichen werden. Diese großen Opern lediglich wurden auf dem Spielplan durch Tonfilme ersetzt werden. Alle anderen Opern aber sollen wie bisher durch das eigene Ensemble der Oper zur Aufführung gelangen.
Diese Entwicklung, die schon, heute nut Sicherheit vorausgesagt werden kann, bringt natürlich gewisse 8arten mit sich. Aber wir müffen unbedingt Mit dieser ntwicklung rechnen und sie in unseren Planen stark berücksichtigen! Nichts wäre hier weniger am Platze, als eine Vogel Strauß-Politik, die die Ereignisse ruqtg an sich herankommen läßt. . . Denn dann wurden sehr bald private Unternehmer auftauchen, die die Kinos mit mehr oder weniger schlechten Operntonfilmen überschwemmen und so die meisten der so hart um ihre Existenz kämpfenden Opernbühnen im Reich völlig ruinieren würden. .
Ueben wir von Staats wegen emen maßgeblichen Einfluß auf die Operntonsilm-Produttion aus, so erscheint zunächst einmal ein bestimmtes künstlerisches Nivea« gesichert. Denn niemand wird so leicht den Chören und Sängern, den Inszenierungen der Staatsopern Konkurrenz machen können. Zweitens werben m i i Operntonfilme in allen Stabten, in denen sich Opernbühnen befinden, nur an diese Theater weiters geben. Die Kinos bleiben ausgeschaltet, die finanzielle Basis der Opernbühnen wird nicht verschlechtert. Im Gaenteil wird die Oper dann von allen solchen Inszenierungen entlastet, die sehr kostspielig find und die letzte» Endes doch nicht den gleichen Erfolg haben können, wie eine technisch einwandfreie Tonsilmdarstellung mit ersten Kräften.
Noch ist der Tonfilm nicht so weit, um diese Opernpläne ausführen zu können. Bedenkt man aber, wie außerordentlich rasch die technische Entwicklung auf diesem Gebiet bisher fortgeschritten ist, so wird man an eine Verwirklichung dieser Plane in absehbarer Zeit glauben müssen. Heute beispielsweise ist der Tonfilm noch nicht imstande, die großen Chorszenen im .^ohengrin“ befriedigend wiederzugeben. Was aber wird morgen fern?
Man mag diese Entwicklung beurteilen, wie man will, sie wird nicht ausbleiben. Und ein großer künstlerischer Vorteil ist nickt zu leugnen: Künftig wird man auch in bei kleinsten Stadt OperuaufführmM»
alleieisten Ranges genießen können. Die ersten Kunst, ler der Welt werde» auch in den Opern der kleinsten Städte fingen. . Das Publikum wird, so glaWe ich, diese Entwicklung nicht bereuen.
Gewiß find brs dahin Schwierigkeiten mannigfacher Art zu überwinden. Abgesehen von den so dringend notwendigen technischen Verbesserungen des Tonfilms, werden auch wir uns der Aufgabe widmen müssen, die Textbücher, die Inszenierung für den Tonfilm umzuformen, die Sänger für den -tonfilm zu erziehen.
Das Schauspiel wird meiner Ansicht nach auch von dem Tonfilm der Zukunft nicht wesentlich beeinträchtigt werben. So wie es bet stumme Finn nie ver- dränaen konnte, wirb ihm auch bei Tonfilm nicht viel anhaben können. Denn ein Schauspiel kann man Werall auch mit wenigen Künstlern mit bescheibenen Mitteln inszenieren. Es leibet lange nicht so wie die Oper unter zwangsmäßigen Sparsamkeitsmaßnahmen. Autzerbem ist bas Schauspiel in seiner Eigenart weit weniger für ben Tonfilm geeignet als die Oper. Das wesentliche Interesse bes künstlerisch hochstehenden Tonfilms wird in Zukunft die Oper erfassen!"
Auch Max Reinhardts Interesse wird im Rahmen seiner Tätigkeit bei der deutschen „United Artists" vor allem der Oper gewidmet sein. Es ist ein alter Lieblingsplan Reinhardts. Opern zu inszenieren, und seine geniale Begabung für bildhafte und szenische Gestaltung wird sicherlich auch aus den neuen Opern- tonfilm einen großen Einfluß haben. Tietjen zusammen mit Reinhardt, zusammen mit einer Reihe erster Künstler — das berechtigt die Oper der Zukunft zu großen Hoffnungen!
Der Zusammenschluß bet „Hniteb Artists" ist ein deutliches Anzeichen dafür, baß die Kunstform der Oper in ein neues, hoffnungsvolles Entwicklungs- stadium tritt. Hans Vertun.
Znm dritten Male „Leipziger Bach-Feier". Tie im Iabre 1927 von der Stadt Leipzig geschaffene „Bach Fcicr" wird in diesem Jahre am 21. und 22. Juni siattfinden. Während d-ie beiden vorangehenden Bach-Feiern Uraufführungen der .Kunst der Fuac" uiw Des „Musikalischen Opsers" brachten, ist bei Der diesjährigen Feier ein ftantatenabenb, eine Kammer musikveranstaltung, ein Cembalokonzert und die Aufführung der Jobannispassion vorgesehen. Als Mitwirkcnde sind gewonnen: AnnN Ouistorp, Ilona Durigo, Karl Erb, Alfred Paulus, Adolf Busch, Rudolf Sertin, Günther Ramin; die Gewaudhauä- Cborvereinigung, der Thomanerchor und bas Stadt- vrchester. Tie Gesamkleitung der drillen Bach-Feier ist dem Tstomaskantor, Prof. T. Tr. Karl Straube, übertragen worden. .....-----------
Eine Theater-Festwoche in Hamburg. Anläßlich der Tagung bes Jnternatwnaleri Theater-Kongresses bes Weltthealer-Bunbes in Hamburg in bei Zeit vom 12. bis 20. Juni wird auch eine Festwoche der Theater veranstaltet werden, an der neben dem Hamburger Stadttheater und einem anderen deutschen Ensemble das Moskauer Kammertheatcr, das Thsstre National de l'Odeon, voraussichtlich die Comedie Francaise und auch die Opera Comique teilnehmen werden. Neber die Einzelheiten des Programms finden zurzeit noch die Verhandlungen statt. — Anläßlich des Kongresses wird auch das Museum für Hamburger Geschichte in Verbindung mit der Staatsbibliothek eine Theaterausstellung veranstalten, die die Entwicklung des Hamburger Theaterwesens von den ersten Anfänge» bis zur Jetztzeit zeigen soll.
SumorWsche SSr
Wunschabenb.
„Ich möchte gern ei» SchnberAtth höre», Herr Kapellmeister!"
„Ein bestimmtes?* >
„Ja, warte» Sie mal, die Sache mit bet» Taschenmesser!"
„Mit bem Taschenmesser?"
„Ab, jetzt habe ich es- Ich schnttt e8 gern tn alle Rinde» ein."
Im Restaurant.
„Wie, sch als alter Stammgast bÄomme hentr rtut ein Stück Fleisch, wo Sie mir sonst immer zwei Stück bringen?!"
„Verzechen Sic, Herr Bnber, die Köchin hat gewiß vergessen, cs durchzuschneiden.
Mildernde Umstände.
„Wie konnten Sie, ein unbescholtener ftmger Mann, einen Mantel stehlen?" sagte der Richtet vorwurfsvoll. „Nun haben Sie Ihre Stellung verloren und Sorge und Kummer über Ihre Eltern gebracht." ,Ja," sagte der Angeklagte reumütig, „und paffen tat er mit auch nicht."
Höchste Gefahr.
„Sperren Sie mich ein! Sperren Sie mich rasch ein!“ Mit diesem Ausruf stürzte bei kleine Man» ins Polizeirevier: .Ich habe eben meine Frau mit einer Kanne getroffen.“ „Ist sie tot?“ „Kein, aber dicht hinter mir her.