Einzelpreis 10 Pfennig
Kasseler Abendzeitung
•rtlefwinttBrodfe: wMeittnA sechsmal «achmsttasS. R6onnemtnt8orttB: für de» Mona! 2,30 Jl bei freier Sn* •tunnfl t»e 6<m«. tn der Ses»«stStt-lle abeeboll 2,10 / Durch die «oft monatlich 2.30 Ji auSschltetzltch Zu. BeHnna«gebfibT. 3» HSllen von höherer Gewalt bt ftebt kein Ansvruch aus Lieferung der Zeitung oder aus «ü-kzahlung de» Be,ug»vr«tseS. Verlag, schriftletwng und Druckerei: Kölnische Strohe 10. — Telephon: Gammelnummer 6800. Juristische Sprechstunde iede» DienSta, von ö bi» 7 Uta «ölutsche Strafte Nr 10.
Hessische Abendzeitung
«lueigenvretfe: GeschSfi». und Samtlten-Un^igen die 80 mm»Zeile II Vfrnnig. »leine »nidgen au» Safte! da» Bort 7 4. SuSwärtige »leint Anzeigen die SO mm breite Zetir 11 4. Anzeigen im Reklameteil bte 78 mm tadte Zdle 45 4 Ofsertgebühr 25 4 (bet Zustellung 85 4). — Kür da» Erscheinen von Anzdgen in bestimmten Ausgaben, an besondere» Vlähcn und für teleohonisch erteilte Auftrage feine Gewähr. Rechnung» deträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar Gerichtsstand Saftes. — Postscheckkonto Kran Nuri a. St. 6880,
Nummer 108*
Freitag, 9. Mai 1930
10. Iahrgauß
Aufregung im englischen Außenamt
Wegen Londoner Blättermeldungen über die indischen Vorgänge / Das Reichskabinett sichert sich vor parlamentarischen Betriebsunfällen
Journalisten im Polizeiverhör
Eigener Drahtbericht.
London, 9. Mai.
Montag dem Verwaltungsrat der B. I. Z. die Ansichten der Vertreter der Schatzämter sowie der Bankiers
Me Blätter melden über ein seltsames auf die Weisung von Downingstreet hin erfolgtes E i n g r e i- fen der Polizei in di« Tätigkeit der Preffe. In diesen Berichten heißt es:
Letzten Donnerstag meldeten drei Londoner Mor- geniblLtter, daß das Kabinett sich dahin entschieden habe, Gandhi könne verhaftet werden, unid daß die indische Regierung unterrichtet worden sei, die britische Regierung werde fk bei dieser Aktion, die sie für notwendig erachte, unterstützen. „News Leader", das offizielle Organ der Unabhängigen Arbeiterpartei, teilt mit, daß sich die Polizei auf diese Meldungen hin in das Privathaus eines gewissen Parlaments- Mtrnalisten begab und ein scharfes Kreuzverhör anstellte.
Laut „Mormngpost* war der Premierminister über di« Meldungen bezüglich der bevorstehenden Verhaftung Gandhis sehr aufgebracht und wies Scotland Fard an, festzustellen, wie di« Information in di« Presse gelang! sei. Einer der in Betracht kommenden Chefredakteur« wurde von einem Geheimpolizisten besucht, lehnte es jedoch ab, di« Quelle feiner Informationen zu nennen, obwohl ihm gesagt wurde, daß aus di« Weigerung, dies zu tun, Gefängnis stehe. Dasselbe geschah bei einem zweiten Chefredakteur. Im dritten Falle war 6er Chefredakteur abwesend. Geheimpolizisten besuchten daher zweimal das Haus des Parlamentsberichterstatters, der unter dem Einfluß seiner Frau enthüllt«, daß er die Information von einem Kabinetts-
unterbreiten. Der Verwaltungsrat wird sich mit dem von einem besonders eingesetzten juristischen Ausschuß ausgearbeiteten Tert befassen und unverzüglich eine neue Vollversammlung der Vertreter der Schatzämter und der großen Auflegungsbanken einberufen, die dann den Zeitpunkt und die Modalitäten der in Aussicht genommenen Anleihen endgültig festlegen werden.
Lleberschwemmung in Italien
Rom, 9. Mai.
Aus ganz Italien werden große Ueberschwcmmun- gen berichtet. Durch die starken Regengüsse der letzten zwei Tage traten zwei kleinere Flüsse bei B r e d s i a über die Ufer. Mehrere Häuser mußten geräumt werden. Die auf den Feldern angerichteten Verwüstungen sind erheblich. Auch aus Mailand wird gemeldet, daß in dem tiefer gelegenen Teil der Stadt eine Anzahl Häuser überschwemmt wurde, ohne daß dadurch viel Schaden angerichtet wurde.
Aus Parma wird berichtet, daß die Weinberge von einem Hagelwetter heimgesncht wurden. Auch hier mußten Häuser geräumt werden, da die Keller überschwemmt waren. In der Nähe von Avellino stürzte unterwaschenes Erdreich von fünfhundert Ku
bikmeter Ausmaß auf die Straße, sodaß der Verkehr unterbunden wurde. Durch den Erdrutsch wurden zwei Häuser bedeckt, sie mußten geräumt werden, elf Familien sind dadurch obdachlos geworden.
Explosion in einer Fleischräucherei
Reuuork, 9 Mai.
Bei einer Explosion tn einer Fleischräucherei der Amour-Eompany tn St. Joseph (Missouri) sollen zwanzig Arbeiter gerötet und zehn versetzt sein.
Ergänzend wird mitgeteilt, daß di« größt« Zahl bet Opfer Frauen und Kinder sind. Fünfzehn MädihAi sind tn dem Kellergeschoß des Gebäudes eingeschlossen. Man rechnet damit, daß es mindestens 24 Stunden dauern wird, bis sie befreit werden können, so daß die Aussichten,sie zu bergen, nur gering sind Der entstandene Schaden rotrb mit 250000 Dollars angegeben.
Deutsche Kriegsschiffe in Griechenland
Athen, 9. Mai.
Ein Teil des deutschen Geschwaders, das sich auf einer Krenzersahrt befindet, die Linienschiffe „Hannover- und „Schleswig-Holstein-, sowie ein Torpedoboot, haben im Hafen von Phaleron Anker geworfen. Der Führer des Geschwaders, Admiral Oldekop, stattete Besuche ab bei dem deutschen Gesandten von Kardorf, dem Staatspräsidenten Zaimis, dem Außenminister Michalakopnlos und dem griechischen Marineminister Betzaris. Ministerpräsident Benizelos wird das Geschwader in de» nächsten Tagen nach seiner Rückkehr aus Mazedonien besuchen.
Minister erhalten habe.
„Moruingpost- behandelt di« Angelegenheit in einem Leitartikel und spricht von der „G. P. U. der Dowuingstreet-.
Ausgabensenkungs-Geseh in Gicht
Merkwürdige Widersprüche
London, 9. Mai.
In der Berichterstattung über die letzten Zwischenfälle in Indien machen sich starke Widersprüche zwischen der amtlichen Berichterstattung und privaten Berichten bemerkbar.
So ist z. B. die Lage in der Stadt Scholapur, wo es — wie bereits gemeldet — zu schweren Zwischenfällen zwischen Polizei und Kongreßfreiwilligen gekommen ist, jetzt völlig unklar. Während
Privatberichte von 28 Toten und zahlreiche« Ber letzten sprechen,
sollen nach amtlicher Darstellung nur etwa 4 Personen getötet und wenige andere verwundet worden sein. Wie der Korrespondent de- »Daily Telegraph" meldet, sind acht europäische Frauen und fünf Kinder aus Scholapur abtransportiert worden. Anderen Meldungen zufolge haben alle europäischen Frauen und Kinder Scholapur verlassen und find »ach Puna gebracht worden.
Große Bedeutung hat eine Meldung an- Bombay, wonach
der Ausschuß der alliudischen Föderation der Mohammedaner seine Loyalität gegenüber der indischen Regierung zum Ausdruck brastste.
Der Ausschuß nahm eine Entschließung an, in der die allgemein« Gehorsamsverweigerung aufs schärfste verurteilt und den Mohammedanern angeraten wird, sich nicht an der Bewegung gegen die indische Legierung zu beteilige«.
Die Berichte, wonach Gandhi auS Puna nach einem 40 Kilometer entfernten Krankenhaus überführt worden sei, wird von der Regierung als falsch bezeichnet.
Inzwischen setzt die indische Regierung ihre Maßnahmen gegen die Kongreßanhänger mit größter Schärfe fort und hat, wie aus Lahore gemeldet wird, wiederum
drei prominente Führer der Kongreßpartei zu schweren Gefängnisftraft« verurteilt.
Zwei der in Lahore angeklagten Kongreßmitglieder erhielten je zwei Jahre und eins drei Jahre Gefängnis.
Italien hat ratifiziert!
Paris, 9. Mai.
Die italienisch« Botschaft in Paris hat gestern den Quay y Orsey davon in Kenntnis gesetzt, daß die Ratifizierung der Haager Abkommen durch Italien am Mittwoch erfolgt sei.
Paris, S. Mai. Wie schon angekündigt, werden die leitende» PerförftuPeiteu der B. I. Z. am kommenden
Bon unserer Berliner Schriftleitung.
th. Berlin, 9. Mai.
Die Beratung des Etats im Hauptausschuß des Reichstags ist gestern mit der Ablehnung der ersten Baurate für den Panzerkreuzer B ein wichtiges Stück vorwärts gekommen. (Siehe auch Seite 2!) An diesem ablehnenden Beschluß war keinen Augenblick zu zweifeln, und die Regierung ist ja dadurch auch nicht überrascht worden. Ausfallend dabei ist lediglich die zwiespältige Art, in der die Zentrumsmitglieder abstimmten, da zwei von ihnen gegen die Rate, einer für die Rate stimmte und einer Stimmenthaltung übte. Man hat daher daraus den Schluß gezogen, daß unter Umständen noch Versuche gemacht werden könnten, denjenigen Teil des Zentrums, der den Panzerkreuzer ablehnt, umzustim- men, um im Plenum künftig ein anderes Resultat als gestern im Hauptausschuß zu erzielen. Das gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich, und der Ausschußbeschluß wird voraussichtlich mit ähnlichen Mehrheitsverhältnissen im Plenum des Reichstages wiederholt werden.
Um die Etatsberatungen weiter zu fördern und zu beschleunigen, hat
gester« beim Reichskanzler eine Parieiführerbesprechung stattgefunden,
an der alle hinter der Regierung stehenden Fraktionen beteiligt waren. In einer amtlichen Notiz wird fest- gestellt, daß in dieser Besprechung Einigkeit darüber herrschte, oaß versucht werden müsse, im Haushaltsplan Ersparnisse zu erzielen und Abstriche vorzunehmen. Ueber diese Streichungen politischen und grundsätzlichen Charakters soll vorher eine Einigung erzielt werden, während die Regierung ihrerseits sich verpflichtet,
den Entwurf für das Aasgabenfenkungsgesetz beschleunigt dem Parlament vorzulegen.
Diese Parteiführerbesprechung, die nrft etwas über eine Stunde dauerte, hat sich nach unseren Informationen auf eine allgemeine Debatte über die Methoden der Etatherabsetzung beschränkt. Man ist daher nicht in die materiellen Einzelheiten des Haushaltsplanes hineingegangen und hat sich damit begnügt, untereinander zu verabreden, daß die Regierungsparteien bei der Etatsberatung die Sparmaßnahmen unterstützen wollen und sich andererseits keine Schwierigkeiten mit isolierten Anträgen machen, d. h., daß jede der Regierungsparteien sich verpflichtet,
über Anträge, die sich mit dem eine« oder anderen wichtigen Punkte des Etats befassen, vorher mit den anderen Regierungsparteien Fühlung zu nehmen,
um unliebsame Ueberraschungen zu vermeiden. Wenn in der amtlichen Meldung von Streichungen „politischen oder grundsätzlichen Charakters" die Rede ist, so ist damit nicht etwa nur ein bestimmter Kreis von einzelnen Punkten aus dem Etat gemeint, sondern es find damit alle diejenige« Anträge ins Auge gefaßt,
die bei der weiteren Behandlung zu Auseinandersetzungen zwischen den Regierungsparteien führen könnten. Derartige Anträge sollen also unterlassen, bzw. vorher zwischen den Koalitionsparteien verabredet werden.
Mau hofft, auf diese Weise Betriebsunfälle auszu- schalteu und die Etatberatung möglichst zu beschleunigen.
Inwieweit bei den einzelnen Kapiteln noch Ersparnisse möglich find und wie der Inhalt des von der Regierung angekündigten Ausgabensenkungsgesetzes sein wird, darüber lassen sich materielle Mitteilungen int Augenblick noch nicht machen.
„Oer Fall Schmid"
Soling««, 9. Mai.
In einer Versammlung der Ortsgruppe Groß- Solingen der Deutschen Vollspartei sprach Staatssekretär Schmid über die politische Lage.
Eingangs beschäftigte er sich mit dem „Fall Schmid-. Er betonte, daß seine Sudberufung durch Minister Treviranus erfolgt sei, weil im Augenblick der Rheinlandräumung das Ministerium für die besetzten Gebiete eine Reihe wichtiger Arbeiten zu erledigen habe, um das vor sieben Jahren in Angriff genommene Werk zu vollenden. Rach der Räumung des Rheinlandes, die in wenigen Wochen erfolgen werde, werde in absehbarer Zeit auch die Saarfrage erledigt werden. Di« Deutsch« Vollspartei fordere vollständige Rückgabe deS 'Saargebietes ohne irgendwelche Kompromisse. Rach Erledigung dieser Fragen werde die deutsche Außenpolitik eine bessere Bewegungsfreiheit haben, um sich stark mit anderen Fragen, darunter den Ostfragen, dem Schutz der Minderheiten tn Rußland, der Abrüstungsfrage ufw. zu beschäftigen.
Zwischenfälle im Reichspt äsidenien-palais
Ein Geisteskranker versucht in das Palais einzudringen.
Berlin, 9. Mai.
Ei« Unbekannter, der in einer Droschke vorgefah re« war, hat heute morgen um VA Uhr und kurz nach 9 Uhr versucht, in das Büro des Reichspräsidenten einzudringen. Es handelt sich um einen Geisteskran ken. Er wurde fengenommen und dem zuständigen Polizeirevier zugeführt, das eine Untersuchung durch den Kreisarzt veranlaßt. Die Personalien des Verhafteten find bis jetzt noch nicht feftgesellt.
Der Kranke stieß den ihm entgegentretenben Diener beiseite und wurde gegen eine Hausangestellte tätlich. Sechs Personen waren notwendig, um ihn schließlich zu überwältige«.
Schiller, ein politischer Meister
Zu Schillers 125. Todestag am 9. Mai.
Don Alexanver von Gleichen-Tiußwurm
Goethe schrieb: „Durch alle Werk« Schillers geht 'die Id ee von Freiheit ... Diese Idee nahm eine andere Gestalt an, so wie Schiller in seiner Kultur weiterging und selbst ein anderer wurde.- Daß ich znm heutigen Tage gerade dieses Goethe-Wort wähle, wird denen verständlich fein, die sich der Forderung unserer Zeit nach staatsbürgerlicher Erziehung von Volk und Jugend bewußt sind. Gedanken, bte der unerschöpfliche Dichterge-nius auch auf diesem Gebiete dem neuen Jahrhundert gibt, bifeen den Inhalt der nachstshenden Betrachtung. Wißbegierig, manchmal sogar neidvoll, blicken wir aus England, wenn wir von politischer Schulung, von dem lebendigen Interesse an den öffentlichen Dingen spreche«. Diese Seite fehlt unserer Bildung, wir sind noch nicht politisch erzogen. Und weil wir gern« aus andere die Ursache wälzen, ja der Vergangenheit ober ben früheren Generationen bte Schuld für unsere Fehler aufbürden möchten, haben wir den klassischen Dichter» in Weimar den Vorwurf wicht erspart, unpatriotisch, unpolitisch m einen ästhetischen Himmel geflüchtet z« sein.
Nichts ist falscher als die Annahme. Mr könne» bei einem ernsten Studium von Schillers Werken de» Keim vieler Gedanken finde», bi« heute unser öffentliches Leben beherrschen.
Di« innere Freiheit hat Kant in philosophisch abgerundeter, dem Laien schwer verständlicher Sprache erwiesen, von Lessing wurde das Evangelium der Toleranz und bas Recht freier Forschung betont, der politische Freiheitstrieb schlummerte noch zu Schillers Zeiten. Durch Welweishcit und Urteilskraft schwerlich zu Wecken, beburfte er des Dichters, der die Massen mit sich fortriß und Leben, Hoffnung, Kräfte gefühl in bte apathisch Resignierten brachte. Was für die Masse gilt, läßt sich in erhöhtem Maße auf die Jugend anwenden. Sie will und muß an der Phantasie und am Gefühl gepackt werden, soll sie teil» nehmen an den wichtigsten Fragen unseres Ledens. Goethe berührte den Schatz pMtischer Dichtung nur in Götz von Berlichingen, Schiller hat den Trieb zum Vaterlande, wie es bei anderen Rationen nut selten ein Dichter vermochte, mit säst magnetischer Kraft ausgestrahlt. Im „Lied von der Glocke" gesellt er dem Frsiheitsgefühl als notwendige Bogleiterschei- nung die Ordnung:
In der Jugend jedes einzelnen spielt sich der Prwc zeß von neuem ab, der die primitiven Völler zu Kulturnationen erhob. Mit jeder Generation einfacher tu den Grundbedingungen, weil mehr Vorarbeit geschehen ist, aber verwickelter, schwieriger in der Ausführung, »teil das Leben reicher, großartiger, komplizierter geworden. Das Verständnis für den moderne» Staat, mit Freiheit und Ordnung als feine» besten Pfeilern, kann nicht so leicht dem naive» Sinn beigebracht wenden, wie einst die Liebe für die Vaterstadt, die man vor Augen sah, oder den Gau, mit dessen Grenze der Horizont überhaupt ertbete.
♦
Mit einer noch rtte gehörten Gewalt der Sprache traf in den Tiraden des Marquis Posa alles, was man von politischer und religiöser Zeit träumte, di« Gemüter des Mittelstandes. In der großen in« Halts reichen Tirade liegt ein bedeutungsvolles, politisches Moliv. Zuhören, sich begeistern lassen und selbst reden lernt die Jugend daraus. Es hat immer trockene Geister gegeben, die den Wert der Mrad« angefochten halben, aber wer ben politischen Kampf in der Nähe mit anflcht, wird zugeben, daß dem schönen, begeistert gesprochene» Wort der Erfolg des Augenblicks kaum ermangelt Mil dem Erfolg des Augenblicks ist aber mehr getan, als allgemein angenommen wird. Posa mag Dinge sagen, di« sich ein spanischer Grande ui« hätte trän» men lassen, er spricht noch heute für ein Publikum, das politisch unreif die Sonne sucht, in der es sein« unßaren Gefühle reisen läßt. Diese Sonn« scheint m ben höchsten Werken der Dichtkunst, und je inniger, je andächtiger wir sie aufnehmen, desto bester wecken sie ben politischen Sinn im einzelnen Individuum.
*
Das Jahr 1859 pries im Dichter der Deutschen durch Rede und Schrift den politischen Erzieher, das Jahr 1905 feierte in ihm den ästhetischen Propheten. Die Zeit ist wieder ernster geworden, sie zeigt, bafc die Entwicklung zur Persönlichkeit nicht allein genügt, um Zustände herbeizuführen, in denen diese ästhetisch vollentwickelte Persönlichkeit sich glüMch zu fühle« vermag. Die Jugend maß in Kraft und Mut erhalten werden, nicht allein von Schönheit und Anmut gehegt. Wer Kraft und Mut fördert, ist ein guter Führer, denn ohne Kraft und Mut läßt sich nichts ausrichten, selbst im besten, raffiniertesten, vollendetsten Staate der Welt.
Daß wir an unser« Zustande wie an alles, was wir überkommen haben, Kritik anlegen, lehrt Schil-