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Ak 100 / Zwanzigster Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 30. April 1930 / 3. Beilage

Das Dayernhaus auf -er Antwerpener Weltausstellung

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einem Mann den ersehnten Reichtum beschert. Der Glückliche ift Tom Chewnmg, ein Einwahner von Benton in Mtssouri. Dem Manne ging cs schlecht, und er brachte sich mit seiner Frau und seinen sechs Kindern mühselig mit der Zucht von Wassermelonen durch. Da träumte er eines Nachts, daß auf der verlassenen Besitzung eines gewissen Baker ein spa­nischer Schatz vergraben sei. Daraufhin erwarb er mit seinen letzten Ersparnissen das kleine @u: das sehr schlechten.Boden hatte. Er brachte es hier na­türlich auf keinen grünen Zweig, und da er bestän­dig von Dem Schatz sprach, so hielten ihn seine Nach­barn fürnicht richtig im ftrpf". Eines Nachts träumte er wieder von dem Schatz, und am nächsten Tage fand er am Rande seines Melonenfeldes zwei spanische SWerstücke. Das war nicht so verwunder­lich da schon sein Borgänger Baker beim Pflügen einmal zwei spanische Goldstücke gefunden hatte. Nun wurde er nech mehr im Glauben an die Wahr­heit seines Traumes bestärkt, und er lieh sich auch nicht entmutigen, als er Monate hindurch nichts sand. Dann stieß er auf den rostigen Handgriff einer alten Kiste. Wieder fühlte er sich der Verwirk­lichung seines Traumes näher, doch c8 verging noch eine ganze Zeit, bis er ihm plötzlich erfüllt wurde Als er einen Teil seines Kornfeldes umvslngte, hörte er, wie es aus einmal an feiner Pflugschar raschelte. Er bückte sich und sah einige alte spani­sche Goldmünzen. Fieberhaft grub er nun weiter und brachte allmählich 4400 spanische Gold- und Dilbermünzen ans den Jähren 1775 bis 1802 ans Licht, deren Wert auf 40 000 Dollar geschätzt wird.

Gefährliche Ballonlandung

Königsberg, 30. April.

Der mächtige, FreiballonGras Zeppelin" des Deutschen Lustfahrtvereins war dieser Tage Gast des Ostpreußischen Vereins für Luftfahrt. Seit Kriegs­beginn war in Ostpreußen kein Freiballon mehr auf­

gestiegen. Der Start war daher für die Bevölkerung ein nutzt geringes Ereignis Die Fahrt hierher hatte der Ballon im Güterwagen zurücklegen muffen, da die Polen das Uebersliegen des Korridors verboten hatten. Polizeileutnant Oxe nahm als Führer des Ballons zwei Angehörige der Akademischen Flieger- schast und Prinz Wilhelm von Preußen, den ältesten Sahn des Kronprinzen, mit. Der Start ging glatt vonsiatten. Da der Wind sehr ungünstig war, mußte schon nach etwa 40 Kilometer Fahrt gelandet werden. Dabei trieb ein Windstoß den Ballon auf das Haff hinaus, und Ore mußte den Ballon dicht unter Land auf das Wasser aufsetzen. Die Jnsaffen entgingen einem kühlen Bad, indem sie sich an den Seinen nach oben zogen. Durch ein Motorboot wurden dann 2 Jnsaffen übeytommen. Der Führer und Prinz Wil­helm blieben freiwillig zurück, um eine Landung zu ermöglichen. T»s Motorboot versuchte, den Ballon an dem dicken Atzleppscil in die Nähe des Ufers zu ziehen. Der Wind zerriß das Tau jedoch und fast wäre der schon bäte entleerte Ballon doch noch auf die See entwischt. Wit vieler Mühe gelang es den, Führer, etwa 40 Meier vom Strand die Hülle auf­zureißen und den Ballen ins Schilf zu legen. Leut­nant Ore und sein Begleiter mußten bis zum Hals im Wasser zum festen BeHen zurück. Nach dreistun- diger angestrengter Arbeit par dann auch der Ballon geborgen.

Hochschul-Borträgc für die Zeihpngspraxis Tas In­stitut für Zeitungswesen an der Universität Heidel­berg Veranstalter unter dem Titel,: -Hochschül-Dor- räae für die Zeitungspraris" väm 1014. <znnr 1930 eine Vortrags-Woche, in de§ führende Zet- tungsfachleute, Hochschul-Lehrer und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu den großen jinb drängen­den Fragen des modernen Zeitungswchins sprechen werden, lieber Einzelheiten erteilt acrnx Auskunft: oas Institut für Zeitungswesen an der Universität Heidelberg, Hauptstraße 232, wo man Prospekt uns Programm anfordern wolle.

i Nicht nur die deutsche Wirtschaft ist auf bet Antwerpener Weltausstellung reich vertreten, auch daS bayrische Bier will von hier aus seinen Siegeszug durch Belgien antreten.

Abessinisches Mosaik

Cisenbahnunfälle durch Raupen und Schnecken

Don Alfred v. Roth-Rösthof

Die Heüschreckengcfahr, die gegenwärtig von der Sinat-Hallbiinisel aus Aegypten bedroht, hat auch wie­der dazu geführt, daß Eisenhahnzüge durch diese ungeheuren Scharen aufgehalten wurden. Es sind gerade diese kleinen und kleinsten Geschöpfe, die den Eisenbahnen manchmal zum Verderben werden.

Auch in unseren Zonen werden Züge durch Rau­pen zur Entgleisung gebracht. So wandert z. B. euf der EAenbähnstrecke Wesselh-Jgilau »der böh- vrrsch-mährtschcn Bahn der Heerwurm bisweilen :m Sommer so massenhaft, daß die langen, gespenstisch kriechenden Züge die Lokomotiven am Weiterschren verhMdern. Diese Würmer, Maden der Trauer- mucke, gelten für Vorboten großen Unglücks, wenn sie auf ihren Dtassenwanderungen neue Nahrung suchen.

In ähnlicher Menge treten die Prozessionsspin- tter auf: sie marschieren vollkommen geordnet unter einer Anführerin in geschlossener Reche und eft so «ar in verschiedenen Gliedern. Wenn sie die Schie­nen bedecken bann können die Züge bet der Berg­fahrt nur unter fortwährendem Sandstreuen wetter- iomen, so glitschig sind die Räder geworden.

An Britisch-Guayana b-itpeit Schnecken, die zu Tausenden über die Schienenstränge kriechen, nicht selten Züge zum Entgleisen. Das gleiche ist bis­weilen auf der transsibirischen Eisenbahn der Fall. In der Nähe der Stadt BerAoje war dort im vori­gen September der Bahndamm auf einer Länge von mehreren Werst über und über mit Erdwürmern be­deckt. Millionen dieser Tiere wimmel en umher uns bedeckten die ganze Strecke mit einer hohen beweg­lichen Schicht. Die Räder des Zuges hatten so viele Winner zerdrückt, daß sie mit einer festen schlei­migen Masse überzogen waren und nicht mehr von der Stelle tarnen.

Zugentgleisungen durch Raupen sind 1917, als dei uns die furchtbare Raupenplage herrschte, nicht selten gewesen. Auch hier zermalmten die Räder HundeNtausende von Tieren, bis sie rutschten und dadurch den Zug zum Entgleisen brachten. Im Jahre 1926 wurde auf der Nebenstrecke Neunburg vorm Wald ein Zug durch Raupen zum S ehen ge­bracht. Von einem Kraut- und Rübenacker der gänzlich kahl gefressen war, wälzte sich eine unüber­sehbare Menge dieser Insekten über die Bahnglcise. Der Zug fuhr in die Tiere hinein, konnte aber nicht vorwärts kommen, und erst als die Schienen mit Sand bestreut waren und der Zug zurückgeßahren und dann mit Volldampf losgebraust war, gelang es, dieses Hindernis zu überwinden.

Auch sonst wird die Eisenbahn bisweilen durch Tier« gehemmt, weniger durch Großwild, das nur manchmal in Afrika den Verkehr behindert, als

durch Vögel. So hielt vor einigen Jahren ein Sver- .MWssch-warm einen Zug auf, weil die Tiere gegen die Rlnschine flogen und dadurch die Bremsvorrich­tung auslösten. Ein andermal wurde plötzlich das Ausguckfenster der Lokomotive mit solcher Gewalt zugeworfen, daß die Scheibe zersplitterte und dem Führer das Gesicht zerschnitt. Dieser bremste, weil er ein Unglück fürchtete. Es war aber nur eine Wild­mans gegen das Glas geflogen.

Wunder eines nttägypiischen Grabes

Als eineStadt unter der Erde" hat sich das Riejeuzrav oes attägyp Achen Priesters Ra Uer aus der Zett um 5000 v. Ehr. heranSgestellt, tu dem jetzt der ägyptische Archäologe Selim Hassan bei fei­nen Grabungen immer neue Ueberraschungen zu­tage fördert Das neueste Wunder ist das Grab des Priesters Tarso Anlh, das uns einen lebendigen Einblick in das altägypttsche Familienleben vor 7000 Fahren gewahrt. Dieser Priester, der die Titel.Haupt der Kinder des Palastes" undHaupt der Geister-Priester" führte, tst mit seiner ganzen Familie dargestellt; er selbst erscheint auf einem einzigen Marmorsockel in drei Gestalten, als Kind, als Jüngling und als erwachsener Mann. Eine andere Statue zeigt ihn mit ferner Frau zu seiner Linken, die ihre Hand auf feilte Schulter legt. Zwei je ner Töchter, (6.it Hör und Ara Marit, sind in liebemller Umarmung dMgestellt; sie tragen weit ausgej.hn ttene Asenorleioer, Die von der heutigen Mode nicht sehr nersckneden sind. In dem Grabe finden wir auch noch zwei Statuen tur ersten Frau des Tarso Airkh. Alle diese Bildwerke find sehr aut erhalten und strahlen in leuchtenden Farben. In eimtn andern Grab, das ln einer Tiefe von 60 Fuß gefunden wurde, sneß man auf einen wei­ßen Steinsarlophag mit Jnschrif.en und Zeichnun­gen. Auch ein Stein eures Schachspieles ist darge- ftellt, und so dürfte wohl dasKönigliche Spiel", dessen Ursprung man bisher in Ehina oder Persien suchte, im Pharaonenlande entstanden fein.

Einer, der einen geträumten Schatz fand

W ährend man sich jetzt in Holland der Hilfe einer Hellseherin zur Aufspürung eines Schatzes böbient, hat kürzlich in den Vereinigten Staaten ein Traum

Nun Monate lang hat der Balte Alfred v. Roth Abessinien kreuz und quer durchzogen, um Lebens­und Erwerbsmöglichkeiten für feine vertriebenen Landsleute zu suchen. Er hat darüber ein fesselndes Buch geschrieben, bas 6er Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, unter dem TitelBa Menolik. Erlebmsse mit abessinischen Pflanzern, Jägern, Fürsten und Goldsuchern" veröffentlicht. Die erste größere Reise führte den Verfasser nach Nördosten zu den wilden, eitrig aufsässigen Danakil, wo der Acker mit dem Ge­wehr in der Hand bestellt wird, auf der zweiten stößt er nach Süden vor, um am Massiv des Ljtlalo das seltenste Hochwild Afrikas, den Njala, zu jagen. Die dritte Fahrt gilt den Gebirgen des Westens. Gold ist dort zu firöen, und im Auftrag einer Gesellschaft soll er die Fundstelle prüfen und Schürfrechte zu er­werben suchen, was nicht ohne gefahrvolle Zusam­menstöße mit anderen Goldgräbern abgeht. Wir druk- ken aus dem Buch mit Genehmigung des Verlags eine interessante Episode ab:

Ich besuchte diePost- und Telegraphenanstalt", um Marken zu kaufen. Es war eine Lehmhütte. Aus dem ungedielten Boden des Vorraumes schliefen mehrere Leute, die ich weckte. Es gelang mir sogar, einem der Herren klarzumachen, was ich wünschte, ich bekam aber die Antwort, dergieta (Herr) sei weggegangen und würde wohl erst in einigen Stun­den wtcderkommen. DasBüro", das ich mir von außen ansehen konnte, machte den Eindruck eines ver­unglückten Hühnerstalls, bei dem der Auslauf, ein kleines Klappfensterchen in der Lehmwand, zu hoch angebracht war.

Der General hatte mir von zwei jungen Orvxanti- lopen erzählt, die ein Eingeborener aufzog, wohl um sie an Aufkäufer, die gelegentlich hier darchkommen, zu verkaufen. Nach längerem Suchen fanden wir die niedlichen Tierchen im Schatten einer Hütte liegen. Die schienen vollkommen zahm zu fein, und ich wollte sie photographieren, als eine Frau mit allen Zeichen der Angst und des Aergers angelaufen kam und die Oryx, so schnell sie konnte, forttrieb. Hier hatte mcht einmal das gewöhnliche Mittel Angst u. Abergl 'tiberi zeitweilig zu besänftigen, einen Erfolg, trotzdem ein Rup (J4 Taler gleich 50 Pfennig) für die Frau ein kleines Vermögen bedeutet hätte.

Dicht hinter dem Dorf war die Gesundheitspolizei des Orts, Geier, Raben und Schmarotzermilane, am Werk, einen gefallenen Esel zu beseitigen. Geier und Milane sind hier von größter Unbefangenheit dem Menschen gegenüber, da sie nie Schlimmes ean ihm erlebt haben, lassen den Beobachter auf wenige Me­ter herankommen und hüpfen dann einige Schritte weiter, indem sie sich erstaunt umsehen, was einen Menschen veranlaßt, zum toten Esel zu kommen. Am häufigsten scheint hier der gelbweiße Schmutz­geierHenne der Pharaonen" vorzukommen, der so­gar schon und stattlich wirken kann, wenn man ihn

nicht zu nahe sieht. Von der Sonne beschienen, sieht er fast weiß aus und sein Flug, wie der aller Ge-er. und Adler, ist ruhig und vornehm. Ich weiß mcht, ob sich ein hier sehr verbreiteter Aberglaube be)an­bei» auf ihn bezieht oder ob er mit andern steuer oict anderen Arten das Odium teilen muß. In seine« Schatten zu kommen, ist eine sehr üble Vorbedeutung, für Männer weniger gefährlich als für Frauen, umd besonders für solche, die freudigen Famüenerelgmffe« entgegensehen. Statt eines Kindes können sie näm­lich in solch einem Unglücksfall nur eine Kröte zur Welt bringen, das macht sie unrein und hat alle mög­lichen entsetzlichen Folgen, über die ich leider noch zu wenig Bescheid weiß. ,

Swetschnikow machte mich auf eigenartige gurken­ähnliche Früchte aufmerksam, die an vielen Zäunen in verschiedenen Reifestadien hingen. Es sind die in Eu­ropa und Amerika zum Waschen so begehrten Luffa- schwämme. Die Pflanze soll aus Asien stammen, ge­deiht hier aber wie so vieles andere gut, könnte auch hier gezogen und ihr Produkt seines geringen Ge­wichts wegen bequem ausgeführt werden ftftnn nur irgend jemand auf den Gedanken

Am Abend saßen wir wieder im Salon unseres Hotels, als der Zug aus Dschibuti ankam und mit ihm ein abcffinischcr'Großwürdenträger mit einer sehr niedlichen Frau und zwei Kindern. Er bekleidete den hoben militärischen Rang eines Fitaurari und war Gouverneur von Tschertscher. Beim Staatsstreich des Ras Taffari soll er als sein Parteigänger eine wich­tige Rolle gespielt haben; nachher hat er dann die Strafexpedition ins Danakilland befehligt.

Der General machte mich mit ihm bekannt, und ich war nicht wenig erstaunt, als die Unterhaltung in fließendem Russisch geführt wurde. Der Fitaurari wurde in Rußland erzogen, war russischer Offizier im Kaukasus und ist erst nach der Revolution in seine ei­gentliche Heimat zurückgekehrt. Er machte einen klu­gen und energischen Eindruck, auch die Frau war Ivmpathisch und zurückhaltend und wenn auch in abessinischer Tracht, so doch in unserer Gegenwart unverschleiert. Ta sie aber nur amharisch sprach, und meine Kenntnisse für eine Unterhaltung mit vorneh­men Damen doch recht unzulänglich waren, zog ich mich bald zurück.

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