Oer holländische Nationalcharakter
Von Karl Scheffler
Karl SAcRlcr, der bedeutende Kunstkritiker und Kukturvsncholose. vcrösientlickt im Ankel-Berlag eine alle Jeiren des Landes, seiner Geschichte, Kultur und Kunst umsaffende Darstellung ..Holland", der wir di« folgenden Ausführungen über den holländischen Notionalcharakter entnehmen.
Es ist gesagt worden, man sollte Böltern nicht Zen- turen erteilen. Der Grundsatz ist richtig. Doch wird fortgesetzt dagegen verstoßen. Jedes Volk hat einen bestimmten, nur ihm eigenen Gesamtcharakter, der sich »us Einflüssen ergibt, di« zum Teil sestgestellt werden rönnen, di« fich zum Teil unerkennbar im Dämmer der Geschichte verlieren. Dieser Nationalcharakter bildet Zch in Jahrtausenden, im Wind und Wetter der Ee- tchichte. "" tt* mutz io sein, wie er ist, er ist notwendiges erfjcDnt« ^stimmender Kräfte, und er darf darum wohl festgestellt, aber nicht kritisiert werden. Wie jede Nation, haben auch die Holländer die menschlich- Lust an der Wertung, die nicht selten aus Verurteilung linawlav*!, am eigenen Leibe erfahren. Aus dem Mijnheer hat man zeitweise eine-komische Figur gemacht. Er fitzt auf einem Geldsack und raucht seine Pfeife. Wenn man fich ernsthaft um Anschauung bemüht, läht sich mit einer solchen Betrachtungsweise Lichts beginnen. Dem Betrachter, der sich zur Sachlichkeit zwingt, wird es deutlich, datz die Holländer genau ko find, wie sie es ihren Lebensschicksalen nach lein muffen, haß die moralische Wertung dieser ge- prägten Bolksform, „die lebend sich entwickelt", ebenso lächerlich ist, als wolle man die Unterschiede von Tanne und Eiche, von Stier uird Löwen, von Schiefer und Granit moralisch nehmen. Die einzige Kritik, die ein gewisses Recht hat, besteht in der Untersuchung, ob ein Volk sich nach dem ihm auferlegten Gesetz entwickelt hat, oder ob Störungen nachzuweisen find, die es mit sich selber in Widerspruch setzen.
Im Wesen der Holländer sind einige Züge, die dem Deutschen nicht dürfens angenehm find, doch muh mckn sagen, datz die Station als Ganzes das hat, was man Raffe nennt. Sie hat sich.früh abgeschlossen, so offen das Land stets auch belgf'/-en franzömchen und jüdischen Flüchtigen stand, und hat Cie Bastardierung vermieden. Die Hollander verstehen es, sich fast so zu separieren wie die Engländer, als ob sie auf einer Insel lobten. Alle Lharakterzüge gehören organisch yijammen, es ist nichts Fremdartiges dabei, nicht»
äußerlich Abgenommenes, alles ist gewachsen und gesättigt mit Tradition. . .
Die Sitten und Lebensgewohnheiten eines Volkes sind am aufschlußreichsten eigentlich im Kleinen und Werktäglichen. Denn man eine sehr deutliche Vorstellung gewinnen könnte, wie es in einer antiken Bierstube aussah und herging, so würde man mehr vom antiken Leben wiffen, als Berichte von Kriegstaten geben können. Was uns noch fehlt, ist eine umfangreiche vergleichende Kulturgeschichte des Kleinen und Kleinsten. Darin müßte das ganz Einfache abgehandelt werden, nicht die große Staatsaktion. Es müßte, zum Beispiel, darin gesagt werden, wo und seit wann die Frauen die Lasten vorwiegend auf dem Kopf trugen, oder aus dem Rücken, oder mit der sogenannten Tracht auf beiden Schultern, und warum sie es in so verschiedener Weise taten und noch tun. Es könnte auch gezeigt werden, wie Nationen und Zeiten das Baugerüst verschiedenartig konstruieren. Vom Weben der Stoffe müßte die Rede sein, vom Salzgenuh und der Salzbeschaffung in früherer Zeit, von Gewohnheiten des Effens und Trinkens, die sich nicht ohne weiteres aus der Lage und dem Klima des Landes erklären laffen, vom Ursprung der Volkstrachten, sofern sie über das rein Nützliche hinaus- Sehen usw. Eine Unmenge von Wiffen könnte so an« haulich gemacht werden, und immer würde das Kleine aus ein großes Ganze weisen.
Zn Holland würde ein solches Unternehmen viel Material finden, weil die Gebräuche weit zurückreichen und sich bis heute in den alten Formen lebendig er» halten haben. Ohne daß man freilich hoffen darf, sie würden sich noch weiterhin lange erhalten. Die neue Zeit verändert vieles auch in Holland. Richt lange wird es dauern, bis auch dort bas Automobil das Pjerdegespann verdrängt hat. Dann wird nicht länger die intereffante Beobachtung möglich sein, die man auf bet Fahrt nach Holland und durch Holland immer wieder macht, datz es eine ganz bestimmte Grenze gibt für den Gebrauch der von einem Pferde gezogenen zweiräderigen Karren und daß diese Grenze in einer merkwürdigen Weise mit dem französischen Einfluß während der napoleonischen Herrschaft zusammenfällt. Man erblickt diese französischen Karren auf der Fahrt nach Westen zuerst im westdeur;chen Industriegebiet, und man kann sie bann von Maastricht westlich Bis Middelburg verfolgen. Dort verschwinden sie Md
»eitel
Kasseler Neueste Nachrichten
Mittwoch, 38. «tu« 1938
dcrs im Winterhalbjahr in der ganzen Sowjetunion zu den bckaniten Maffenabschlachiungen und einer katastrophalen Verminderung des Viehstandes führte auch nicht Turkestan und erst recht nicht Sibirien verschont hatte. Selbstverständlich litt hierunter auch die Schafzucht, Außerdem ist als bekannter Faktor di« Frage einzustellen, ob und in welchem Umfange au? den einzelnen Gebieten Turkestan reichere Viehzüchter mit ihren Herden über die Grenzen gegangen sind, wie seinerzeit bei der Fluch, des Emirs von Nu-bara Benn ich hier die früheren Zahlen genannte habe, so sollen sie nur von der tatsäcklicbei Entwicklungs- Möglichkeit d«r Gebiet« zeugen. Vorläufig wird man den S cb a d e n. den die vergangene Agrarpolitik, besser gesagt Antiagrarpolitik, anaerichtct hat, cttdt nicht annähernd abschätzen können, denn er wird sich erst in diesem und im kommenden Iabre in seiner tzanzei Größe analog wie in der ganzen Sowjet- Union zeigen. Am Gebiet von Slawgorod, dar uns wegen ocr dort wobnenden deutschen Solonisten besonders interessiert, sind die Foloe,r bereits km Winter sehr deutlich erkennbar gewesen.
Was die Bevölkerungszahk anbetrifft nimmt (nach der Zählung von 1926) Kasgkston die Wenn man aber die Bevölkerungszaül im Verbäl"'is zur Ausdehnung des Landes nimmt, verändert fi* das Bild. Hiernach kamen auf jeden Einwohner Kasakstans 33,5 Hektar, aus jeden Einwohner Nordkirgisiens 23 und Westsibiriens nur 7.1 Hektar. Unter Abzua des nicht urbaren Landes beträgt die Be- völkerungsdichte In «afaffta* 15 7, in Nordkirgisien 13.5 und in Wesisibirien 4 5 durchschnittlich 11,2 Hektar aus jeden Einwohner des Gesamtgebietes.
Rack den Plänen soll nach Beendung des Bahnbaus bei absoluter Zunahme der Getreideflächen nur eine allmähliche Verringerung der unter Wasser setzbaren Ländereien aus Kosten der Erweiterung der Baumwollplantagcn eintreten. Vor der Eitscheidnng
des Bahnbaus sah der Einfuhrplan nach Mittelasien 22 000000 Pud Getreide vor. Aber bereits nach Per» hältnstmäßig kurzer Zeit mutzte dieser Plan geändert werden. Schon im Jahre 1926-1927 wurden 27 Millionen Pud eingeführt, sodatz für den sowjetistischen Teil Mittelasien- insgesamt 34 Millionen Pud Getreide zur Verfügung standen, was aber noch keineswegs ausreichend für die Bedürfnisse bet Bevölkerung war. Man rechnet sogar mit einem notwendigen Getreideverbrauch von 70 bis 70 Millionen Pug. Bereits aus diesen Zahlen kann man die wirtschaftliche Bedeutung dieser Bahn für Turkestan erkennen, die aber noch klarer hervortritt, wenn man bedenkt, datz bis jetzt der turkeftanische Markt mit Getreide auS den Bezirken bei nördlichen Kaukasus und ganz besonders von der unteren Wolga versorgt wurde Ruumebr wird Westsibirien als Hauptpersor- ger Turkestans mit Getreide und Produkten der Viehzucht auftr,eten. Ebenfalls nicht zu unterschätzen tst der Bedarf des turkmenischen Markts an Hol,, der im Jabre 1905 12 Millionen Pud betragen hatte und für diese auf 15 Millionen Pud geschätzt wird. Auch die Frage der Errichtung von Fabriken für die metallurgische und Maschinenbau- Industrie wird mit der Fertigstellung der neuen Bahn besondere Beachtung erheftchen. Ferner kann jetzt der große F i s ch r e i ch t u m der Fluße Jrivsch. Jli und der Seen, wenigstens im Eisenbahngebiet selbst nach Süden bis Taschkent und im.Norden bis Semipalatinsk ausäewertet werden. Von kleineren Exportwaren wie Pelze usw. will ich absehen
Auch die Ausbeutung der Bodenschätze (Erdöl. Kohle, Kupfer, Silber, Blei. Gold), die im Gebiet« der neuen Bahn liegen und deren Erschließung vorläufig noch Zukunftsmusik ist. sei hier nur angedeutet. Immerhin dürsten die hier angeschnittenen Fragen ein Bild davon geben, datz mit Eröffnung der neuen Strecke sowohl Turkestan wie Sibirien
1 einen neuen Geschichtsabschnitt beginnen.
Das Ende der Osterferien
Dor Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungen Moldenhauer eröffnet die Etatsberatungen
Berlin. 30. April.
Rach der Ofterpanfe tritt der Reichstag am Freitaa dieser Woche, 3 Uhr nachmittags, wieder zusammen, um den Eta, für 1930 in erster Lesung zu erledigen. Dir Beratung beginnt mit einet großen Rede des ReichsfinnnzministerS Dr. Molden- Hauer. Nach Beendigung der Aussprache soll da,,« nm Sonnabend der Etat dem HanhaltS-AuSfchuß überwiesen werden, der bereis »m Montag seine Arbeiten beginnt. Das Reichs agbplenum wird sich «m Sonnabend, um dem Ausschuß Zeit für feine Arbeit zu lasse», nochmals für eine Woche vertagen
Bereits am TonnerStvg hält der R e i ch s r a t eine Sitzung ab; neben kleineren Vorlagen soll der Estssetzentwurs über die Ermächtigung zur Ergreifung von steuerliche» Maßnahmen Über die Zweck« der Erleichterung und Berbilligung der Kreditvcr- ffergMng der deutschen Wirtschaft verabschiedet werden
Am Dienstag, den 6. Mai, nachmittags 1 Uhr. »immt auch der preußische Landtag feine Arbeiten wieder auf. Auf der Tagesordnung steht die Einzel- Beratung der E-otp der Bergverwaltung. des Land ^^oirtschaftSministerinmS der ctzestü-sverwaltung. so Wie des BolkSwotzkfahr'Sministeriums, ferner die zweite Berat«»» der Etats des Landtags, des StaatSrajs »»d der Staatsbank.
Die Wahlen zur Landwtrtfchaftskammer
Berlin, 30. April
Der LandtagSausschutz zur Vorbereitung des neuen vLndwirtschaftskammergesetzes begann am Dienstag bte Einzelberatung der Vorlage. § 1 wurde angenommen, der besagt, daß die Landwirtschaft im Sinne des Gesetzes die Bodenbewirtschastung und die Tierhaltung zur Gewinnung Pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse Umsatz,. Annahme sand auch der 8 2 des Gesetzes, der die Personen auszählt, die zum landwirtschaftlichen Berufsstande zu rechnen sind. Dabei wurde eine Aeuderuug dahin angenommen, patz auch lie Verpachter zur aLndwtrtschaftskaffcr wahlberech ltgt sein sollen.
Zu den Bestimmungen über die Wahlen, wonach die Wahl in zwei Gruppen zu erfolgen hat, ,anb Annahme ein Zentrumsantrag, wonach in der ersten Gruppe wählen die Betriebsinllaber, ihre wahlberechtigten Egegatten sowie die sonst beschäftigten W°hl- bercchtigtetr. nicht versicherungspflichtigen Familten- angeböriqen der Bftncbsinhaber, m der zweiten Gruppe die Arbeitnehmer und alle sonstigen Angehörigen des laudwirischaftlichen Berufsstandes, bte eine versscherungspslichtige Tätigkeit auSüben. Der Arbeitnebmeranteil an den Sitzen in der Kammer darf nicht unter 20 Prozent betragen. ______
Staatssekretär Schmid wieder int Amt? Zu den Behauptungen, oaß der Staatssekretär des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete Schmid wieder im Ministerium tätig fei. wird von zuständiger Stelle bemerkt, daß der Staatssekretär zurzeit beurlaubt sei und daß es ihm daher jederzeit fresstebe, sein Dienst,immer aufzusuchen. Di« Frage seiner Wiederaufnahme in den Dienst wird von dem Minister für die besetzten Ge- bicle im Reichskabinett zur TisluWsfi gestellt werden-
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Oer „rote Wähler"
Tic erste Nummer gleich beschlagnahmt
Berlin, 3a April.
Bo» der kommuniftifchen ReichstogKsrattiim wird mitaeteUt: Die lommuuisü'che ReichstagsfraStron gilbt neuerdings ein monatig erscheinendes Mit. teilungs- und JnformatipirSblatt »Der ro,e Wähler" heraus. Die erste Nummer dieses Mattes wurde am Dienstag auf Anordnung des Amtszc. rrchts Magdeburg in ganz Deutschland beschlag- nahmt. Der Grund dieser Beschlagnahme sind einige Sätze aus Artikeln führender kcmmunist. Abgeord, nettr und Zitate von Marx und Lenin, in denen programmalifche Feststellungen über da- Endziel des Kommunismus gemacht »erben. Wie wir et» sichren, soll gegen den Herausgeber des Blattes, den lommuniftifcken Reichstagsedg. Sioecker, ein Hoch- verratsversahrcn anhängig gemacht werden.
„G. D. 7!. - Flugzeuge
Eine eigene Luftflotte des Völkerbundes? / Deutschland dagegen, Polen dafür
Genf, 30. April.
Die Sicherung der Luftverbindungen des Völkerbundes in Krisenzeiten, um Delegationen, Beauftragte, und den Schriftverkehr bei außergewöhnlichen Verhältnissen mit möglichster Swivlligkeit zwischen dem Völkerbundssitz und den Mitgliedsstaaten zu befördern, ist gestern vom Sichcr- beitsausschutz in Genf angeschnitten worden. Diese Frage erhob sich zum ersten Male bei Ausbruch des bulgarisch-griechischen Konfliktes im Jahre 1926, der den Völkerbund veranlaßte, Maßnabmen zu einem schnellen Zusammentritt des Rats vorztmehmen.
Man denkt nunmehr daran, nachdem die Frage drei Jahre lang in den technischen Ausschüssen des Völkerbundes beraten worden ist, in Krisenzeiten eigene Flugzeuge des Bundes oder solche Flugzeuge, die ihm von den Städten zur Verfügung gestellt werden,
durch einen schwarzen dicken Strich unb die Bezeichnung „S. D- R." (Soriets des Nations — Völkerbund) kenntlich zu machen
und ihnen für bestimmte Verkehrswege, bte zwischen den betreffenden Regierungen und dem Sekretariat das Völkerbundes zu vereinbaren sind, alle Erleichterungen zu gewähren, die im internationalen Luft- verkehr gelten. Diese Flugzeuge sollen von jeder Kontrolle und jedem Landungszwang befreit werden, müssen aber in einer besonderen Liste beim Sekretariat des Völkerbundes eingetragen werden. Dabei sollen alle Staaten jedoch das Recht haben, sich bet Ueberfliegunaen ihres Gebietes durch solche Flugzeuge zu widersetzen, die einem Staat gehören, mit dem sie sich im Streit beftnben.
Für Deutschland ist diese Frag« insofern von besonderer Wichtigkeit, als seine eigene Luftfahrt heute immer noch den weitgehenden Beschränkungen des Pariser Zivilluftabkommcns unterliegt, da- z. B sämtlichen Reichswehrangehörigen (außer 36) das Fliegen, d. h. die Benutzung deS Flugzeugs als Verkehrsmittel vollkommen untersagt. Da eS außerdem auf Grund des Versailler Vertrage« auch keine Militär- oder Poliz-ifliegertruppe unterhalten darf, Hätte
Deutschland im Krisenfalle kein Mittel, sich gegen einen Mißbrauch der Bulkerbundsflugzeuge zu schützen.
Diese besondere Sag« Deutschlands gab dem deutschen Vertreter Dr. G ö p p e r t gleich zu Beginn der
Beratungen Anlaß ;« betonen, daß Staate», die, wie Deutschland, Beschränkungen der Luftfahrt unter» lägen, Gelegenheit gegeben werden müsse, in stärke» rem Maße von den Ausnahmen Gebrauch zu machen« Dr. Göppert wandte sich auch dagegen, daß der Völkerbund eigene Flugzeuge besitze. Der g-leiche Zweck werde ohne weiteres durch .
Verträge zwischen dem Generalsekretariat mrd | den verschiedenen Flügverkehrsgefellschaftm i sich erreichen lassen.
Ter polnische Vertreter Sokal wollt« jedoch anl dem Ausdruck „dem Völkerbund gehörige Flugzeuge« die Verpjlichtung für den Völkerbund herauslesen, sich selbst eine Luftflotte zuzulcgen. Diese Auffassung wurde aber von Lord Cecil und besonders von dem belgischen Vertreter Rollin Jacguemine mit lebhafter Schärf« zurückgewiesen, der «Barte, seine Regierung denke nicht Baran, auf diesem Wege dem Völkerbund die Verpflichtung aufzwingen zu lassen, selbst eine Luftflott« zu unterhalten.
Der französische Vertreter Masstgli machte schließlich einen vermittelnden Vorschlag, in dem Abkommen vorzusehen, daß jeder Staat nur von Vol- kerbundsslugzeugen überflogen werden kann, die von Besatzungen aus feinen eigenen Staatsangehörigen geführt werden. Im Sinne dieses Antrages wird das Abkommen in einem Redaktionsausschutz um gearbeitet. '
Der Ausschuß vertagte sich dann auf Mittwoch.
Deutschlands Vertreter
in -er preffeabteilung
Dr. Wertheimer gewählt.
Gens, 30. April- ’
Die Wahl be« neuen deutschen Mitgliedes bet Presseabteilung des Völkerbundssekretariats ist go» ftern durch den Anstcllungsausschuß des Generalsekretariats vorgenommen worden. Der Ausschutz, dem der Generalsekretär Sir Eric Drummond, vier Uir» tergeneralsekretäre unb die Direktoren der Abru- stungs- unb Presseabteilung angehören, hat sich trotz der Opposition verschiedener deutscher Blatter für die Berufung be« Sonboner Vertreters des „Bor- wärts", Dr. Wertheimer, ausgesprochen. — Dr. Wertheimer tritt fein Amt am 1. Juni 1930 an.
Englischer Gegenbesuch
in Frie-richshafen?
London, 30. April.
«Daily Herold" zufolge, wird erwartet, daß tn ab« sehdarcr Zeit britische und deutsche Luftschiffe in Deutschland zusammentressen »erden. Dr. Eckener habe das Luftsahrtministerium eingeladen, em Luftschiff nach Friedrichshafen zu entsenden, sobald die tut Pa» befindliche große Halle fertig sei. Es sei zu erwarten, daß die Einladung angenommen werden wird.
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Dr. Eckener Über die englischen Luftschiffe.
Basel, 30. April.
Dr. Eckener gab in einem Interview Näheres über seine Eindrücke bekannt, die er von den englischen Sufischissen erhalten hatte. Tie Berwendungsmög- lichkeiten des „R 100" und „R 101" seien die denkbar besten. Wohl seien die Schiffe etwas schwer gebaut, ein Umstand, der aber ein Moment der Vorsicht für die englischen Konstrukteure gewesen sei. Die Passagier- einrichkungen seien vorbildlich. Dr. Eckener hegt keinen Zweifel, haß mit den beiden Luftschiffen ein regelmäßiger Verkehr mit den englischen Dominion« auf« genommen werden kann, jedo chsei es fraglich, oh auf lang« Strecken mit der berechneten Passagierzahl geflogen werden könne.
Die neu gegründete Ze ppclin-Corporation beabsichtige schon im Verlauf von drei Jahren den regelmäßigen Transozeanverkehr zu eröffnen.
pariser Beifall für Schober
Pari». 30. April.
Ministerpräsident Serbien ist gestern abend von einem kurzen Landaufenthalt, den er sich nach de» anstrengenden Rammerbebatten gönnte, nach Pans zurückgekehrt, so baß der Besuch beS Bundeskanzlers Schober, der gestern nicht staftfinden konnte, heule erfolgen wirb. Gestern stattete Schober Brianh eine» Besuch ab. Im Anschluß daran fand im Uhrensaal des C»ai b'Orsav ein Frühstück statt. .
Der Aufenthalt des österreichischen Bundeskanzlers nimmt in der Pariser Morgenpresse auch heute einen breiten Raum ein. Schober selbst erklärte sich zu verschiedenen Malen äußerst besriedigt von seinen Besprechungen. Die zahlreichen Interviews, die er gab, haben in der Presse ihre Wirkung nicht der- fehlt. Die Zeitungen halten mit ihrer Anerkennung nicht zurück, und wenn sie allenthalben wieber auf die Anschlußsrage zu sprechen kommen, so nur, um festzustellen, daß Schober sich in der gewünschten eindeutigen Weise für die politische Unabhängigkeit der österreichischen Republik ausgesprochen habe.
Di« „Hannoversche Landeszeitung" stellt ihr Erscheinen ein. Die »Hannoversche LandeSzeitUNg" teilt in ihrer heutigen Ausgabe ihren Lesern folgendes mit: „Infolge der Ungunst her wirtschaftlichen Verhältnisse muß die Hannoversche Landeszeitung leibet mit dieser Nummer ihr tägliches Erscheinen emftel- len. An ihrer Stelle erscheint vom 1. Mai ab, vom Direktorium der deutsch-hannoverschen Partei heraus- gegeben, wöchentlich einmal die »Niedersächsische Zeitung."
machen den vierräderigen Wagen Platz. Man könnte der Landkarte eine Grenzlinie einzeichnen. Diese Grenze zu erklären, wäre sehr aufschlußreich.
In den Cafes, deren Stühle weit aufs Trottoir hinausgestellt werden, wo man unter gelb gestreiften Markisen (Orange) mitten im Treiben ver Straße ist, sitzen die Holländer gemächlich hinter Gläsern mit wafferhellen, gelben oder roten Likören, kleine Käseschnittchen und Fletschklößchen dazu essend. Sie nehmen ihren Genever etwa so zu sich, wie die Schweden ihren Punsch: mit einer gewissen nationalen Würde. In diesen Cafes mischt sich'das Volk demokratisch durcheinander. Doch gibt es in Wirklichkeit Scheidungen, ähnlich wie in England, wo die Gesellschaft ein Mittel gefunden hat, der freien Vermischung aller Klassen und' Stände in den Klubs ein Gegengewicht zu schaffen. Auch Holland ist reich an Klubs, deren Ex- klufivität wieder Scheidungen herstellt. Der holländische Patrizier drängt sich nicht vor er verschwindet gern im Dolf: doch fühlt er sich in hohem Maße als Patrizier. Er repräsentiert das aristokratische Element. Vom englischen höheren Bürgertum unterscheidet sich das Holländische dann insofern, als es in den Kolonien die Blutmischung mit vornehmen Malaien nicht scheut. Der Mischling spielt in der neueren holländischen Kultur eine merkliche Rolle. Vor gewissen Kunstwerken läßt sick, ohne daß man vom Künstler etwas weiß, die Vermutung aussprechen, daß es sich um Arbeiten von Mischlingen handelt. Und man be
hält meistens recht.
Von alters her wird bte Reinlichkeit der Holländer gerühmt. Sie hat sich wohl entwickelt, weil in dem feuchten Lande alles leicht schimmelt und steter Pflege bedarf. Uebrigens ist die Reinlichkeit nicht so unbedingt. In den größeren Städten geht neben ihr eine ausgesprochene Unreinlichkeit einher. Sieht man vor den Häusern in den Fischerdörfern die Holzschuhe vor der Tür stehen, die von den Bewohnern beim Betreten des Haukes abgelegt werden, so wirkt das fast japanisch reinlich uns behutsam. Und ebenso eindrucksvoll ist die Unermüdlichkeit, womit die Dienstmädchen die Hauswände und Trottoirstufen vor den Häusern immer wieder mit Seife und Wasser bearbeiten und bie Fenster putzen. Hart baneben sind die Straßen und Erachten aber oft arg verschmutzt. Rotterdam und Amsterdam, zum Beispiel, aber auch andere belebte Städte sind ausgesprochen unsaubere Städte. Doch Bas findet man oft auf altem Kulturboden; der Schmutz, der Feind der Zivilisation, ist, so scheint es, ein Bestandteil gewachsener Kultur.
Alles in allem: es fehlt dem Holländer manches, was bei anderen Völkern in die Augen springt. Dafür hat er Eigenschaften, die in keiner anderen Ration so charaktervoll ausgeprägt sind. Der Holländer ist
kein Mensch der Idee, sondern der Lebenspraxis, et geht meistens den unmittelbaren Weg. So konsequent, daß er höchst originell erscheint. Wenigstens auf dem Boden, der ihn erzogen hat. Vom Reisenden aus gesehen, ist Holland incht eigentlich ein Land für die Jugend. Und auch die Frauen kommen nicht recht auf ihre Kosten. Romantiker — junge Leute und Frauen sind es von Notur — sind ziemlich ratlos. Holland ist ein Land für Männer. Nur wer den Alltag liebt, wem der Werktag mehr bedeutet als der Sonntag, wer die Regel mehr ließt als die Ausnahme, fühlt sich in Holland zu Hause. Wer es dann aber einmal kennt und liebt, den läßt es nicht wieder los. Denn es wird ihm in gewisser Weise zum schönsten Land Europas.
Tieib
Goethe sprach sich Eckermann gegenüber einmal über feilte Gegner aus; »Zuerst nenne ich meme Gegner ans Dummheit. Es sind solche, die mich nicht verstanden und die mich tadelten, ohne mu) ;u kennen. Diese ansehnliche Masse Hai mir u meinem Leben viele Langeweile gemacht. Doch soll ihnen verziehen fein, denn sie nntßtM nicht, was sie taten. Eine zwei.« große Menge bilden sodann meine Neider. Tiefe Leute gönnen mir das E!u k und die ehrenvolle Stellung nicht, die ich mir durch mein Talent ernwröen. Sie zerren an meinem Rnkmi und hätten rntch gern vernichtet. Wäre ich unglücklich und elend, so würden sie aufhoren, ihre L-ästersucht an mir zu üben."
Schiller nennt den Reid, der bet menfcM’tben Natur eigen sei unb sie tief berafbroürbige, niedrig und gemein. Ei» wirklich guter Charakter kennt keinen Reid. Rech ist unversöhnÄcher als Haß.
Ter SaftrÄer Ltchteftbei«, meint, am Lod der Menschen fei chm wenig gelegen, ihr Neid sei allen- falls das einzige, was ihn erfreuen würde.
Tos Tun mch Lassen verdienter Mitbürger beständig mit Argusangen ne.dvoll zu bewachen, ist das Wahrzeichiten niedriger Gesii-nun^ Zu wirk- liebem Haß, sagt ein bekannter Krimtnalpfychologe gehört immerhin Temperament, elenden Neid bringt jeder Schnifj zuwege. Es sinh steos nur kleine Seiftet, di« Scheelsucht aus ihr Dauner (djreiben große Menschen suchen einander auf. In gegenseitigem Ce- dan'enauStausch zu gewinnen. Die Reödharte sind wie bk Fledermäuse, die das Licht iritbt sehen könne». Zuletzt weiden sie ihre ei#lKii Henker. 2L 3k