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L Beilage — kette I
Bor einigen Tagen sendete Stattgart, Strtnbbng» Traai- komSdie ..Gläubiger". Dre raffiniert« Schilderung seelischer Stampfe eignet sich sehr sitz Kunklnszemerun^ Leontine Saga» erfüllte dte Rolle der Thekla nnt lleberzeugungskrast. - Allee Fliege! bot MetStatt- gart eine Hörfolge ..Der schwarze Schatten von Nenoork". Rot und Bersolgung derNcaer -rnfirien Amerika wurden von der Dichterin eindringlich geschildert. Da« religiöse Leben der Neger wurde durch Rezitatwn und Musik nahegebracht. —
Am Sonntag brachte nun auch Frankfurt, nachdem Stell# vor längerer Seit erfolgreich vorangegEn war, ein Hörspiel nach Romanen von Start, Man. Wir Borten den ersten Teil vom „S ch a tz i m S i l bersee in der Be- arvettnng von Günther Wbv, Ben Svani-r nahm Kch als Svielleiter der Sache Nebevoll an, und die Äugend dürft#- gesubelt haben, al« fie ihre Liebling-, nun einmal spreche» hörte. Biüo bat üch die Sacke allerdings ziemlich leubt gemacht. Wenn e8 um wirkliche Handlung geht, labt er reportagehaft erzählen. Nichtsdestoweniger sind wir auf die Fortsetzungen ebenso gesvannt wie dre Jugend. — Abends leitete Sbavellmeisttr Dr. Julius Maurer das Stomert des Dessoffschen Frauenckors. Gegen das künstlerisch hervorragende und treffti» voraetragene Programm wäre nichts einzuwenden, wenn nicht die Stande völlig ve^ fehlt wäre. Am Sonntag abend, an dem. sich der Hörer nach Unterhaltung sehnt, sind Chorkonzerte nicht am Platze — Der letzte 3ett6eri»t von Aktaali» (am Freitag) vermittelte Eindrücke der Budgetdebatte in Ungarn. Die Hörer wurden ht der Sinke,tana mit dem Zweck einer sokchen T;e» batte vertraut gemacht. Die Sorgen Ungarns sind ziemlich dte gleichen wie die tn Deutschland. Im übrigen lernte man gut die Gegensätze zwischen demokrattscker S'aatsfoim und ungarischer Berfassung kennen. In der Wiedergabe Sei uns der verschwommene, lärmende Siniergrtind auf, >r ein Unterscheiden von Beifall und Protest nicht erkennen lteir. — Herr Wacke aus Gra, erzählte von ,,T i er - fang für Hagenbeck in S e n e ga m b len". Der Vortrag, dem man naturgemäß mit großem Interesse Begegnete, war eine ziem siche Enttäuschung, Herr Wacke trat als unübertrefflicher Europäer auf, leistete sich in seiner Erzählung, die mehr Aufzählung als Unterhaltuna war, eine Fülle dialektischer Entgleisungen. - In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag versuchte Stuttgarts Fern- empfangsstelle das von England üeimkebrenbe Zevve- linluftsckiff zu erreichen; leider erfolglos, so daß Sckallvlaltendarbietungen uns bis nach zwei Uhr nachts unterhielten. — Eine religiöse Morgenfeier brachte die An- spräche von Pfarrer Taesler. der vom „Fernen und nahen ®ott" in seiner uns durch die Faustvorträge lieb gewordene» markante» Eindringlichkeit sprach. B.
Hans H. Hinzelmann: .Der Freund und die Frm, des Kriegsblinden Hinkeldey". • Roman. (Grote sche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schrlftsteller Bd. 183.) Geheftet 4,80 Rm., Berlin, G. Grote.
Ich hätte nie hinter dem merkwürdigen Titel dieses Bucher einen so spannenden Roman vermutet. Hinzelmann behandelt das erschütternde Geschick, das der Krieg überhaupt einem Menschen aufburdeu konnte, Blindheit und Erinnerungslosigkeit: Johannes Hinkeldey kehrt ohne Augenlicht und ohne Er- innerung auS dem Felde auf den Hof zurück, den man als seine Heimat ermittelt hat. Er übernimmt das Gut, das nicht das seine ist, er ergreift Besitz von einer Frau, die ihm früher garnicht gehört hat, und Tropfen der Erinnerung flößen ihm Gift des Zweifels in die Seele. Die Frau betrügt ihm, nicht nur mit einem x-beliebigen, sondern mit dem Kriegskamerad«#, der alS seine einzige Stütze auf den Hof gekommen ist und der plötzlich mH seinen Worten die Vergangenheit heraufbeschwört. Da beginnt es dein Blinden zu dämmern, er besucht und findet seine wirkliche Heimat und seine wirkliche Frau, aber beides gehört jetzt einem anderen. Die Röte der Inflation, die seelischen Wirrnisse machen Hinkeldev das Leben zur Hölle, er wirft es freiwillig von sich, als er erfährt, daß auch sein Kind nicht seines.^Blutes ist, und er sübnt mit dem Tode, was er schuldlos an Fehlern beging.
Kasimir Edschmiv: Lord Byron. Roma« einer Leidenschaft. Paul Zsolnay Verlag.
ES ist für die Beurteilung des Romans ohne Bedeutung, baß in Wirklichkeir Byron seiner Gattin ein Leben voll Qual und Bedrohung bereitet hat, wKhrend EÄschmid einen taktvollen, behutsamen Gatten schildert. Es ist seiner ohne Belang, daß Byrons Entwicklung als Dichter nur beiläufig be- -chrieben wird, denn eine Biographie war ja gerade daS, WaS Edschmid nicht schreiben wollte. Er schuf vielmehr einen sportlichen Genilleman, den er Lord B. oder Georgy nennt; er schildert eine unselige Leidenschaft, die das Säten Georgier in eine andere Bab« lenkt, und zum Schluß das griechische Wen» (eiter, da« ttnternomnten wurrtw weil es »nicht genug war zu schreiben". ES entsteht wieder eine von EdschmidS liebenswerten Gestalten, voll An- ftanfo, kultiviertem Gefühl und Shortgeist, hier in ihrem Angelsachsentum von besonderer Raffe. Der Stil ist glatter als im .Sport um Gagaly" oder »Herfrat Brüsilein", viel weniger explosiv und glühend, blasser m der Farbe, rascher im Fluß.
r DienStag, 29. April 1930
Staffele» Neueste Nachrichten
Zugverkehr auch heute noch unterbrochen
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politische Zeitschriften
Walpurgis in Hessen
Ferien gellaltan« für StanfUnte. Seit 8 Fabre» fettet da« Bernfsftänbifche Seminar des Demfcknationalen Hani- InngSgehilfen-BerbandeS Fertenlehrgänge durch. Die Fe- rienfurfe geben dem Praktiker die Möglichkeit, in die verschiedene» Gebiete des höheren kaufmännischen Willen» einzudringen ttn6 Üch in wissenschaftlichen Arbeitswochen weiter,»bilde». Nähere» durch de» Verband.
Wolkenbruch-Katastrophe
auf dem Eichsfelde
Don eine» schweren Wolkenhruchkataftrophe wurden die Dörfer Pfaffschwende und Sickerode auf dem Südeichsfäde hetmgesucht. Das Unwetter brach um 3,30 Uhr nachmittags los; es zog aus dem Werratal herauf und richtete innerhalb einer Stunde ungeheure Verheerungen an. Besonders schwär hat Pfaffschwende gelitten. Der Regen rauschte während des Gewitters gietzbacharttg herab, unterwusch dte Straße nach der Huhnermühle riß die Straßendecke auf und wühlte tiefe GraLen- furchen hinein. Von den Ackerfluren wurde die gute Humuserde völlig weggewaschen und der nackte Felsbovan offengelegt. Di« Straße nach Wiesen- seld wurde von Stemgeröll und Sand meterhoch überschüttet, so daß der Verkehr bis zum Montag» nachmittag völlig unterbunden war. Die Ländereien an der sogenannton Hichnerecke, meist atmen Kleinbauern gehörend, — wurde« am schwersten betroffen; dort wurde mehr als die Halste des Saatgutes durch Uebeffchwemmung vernichtet. Auch in Sickerode ist durch den aus der Richtung Gobert- Psiiffschwende herannahenden furchtbaren Wolkenbruch ein großer Teck bet Feldflur von Sand und Steingeröll verschüttet worden. Der Rodebach trat über die User und richtete schweren Schade« au bestellten Kartoffel- und Runkelrübenäckern an. Der Gesamtschaden ist noch nicht zu übersehen. Die Be- wohner der betroffenen Dörfer dürsten wochenlang mit der Ausbefferung der Straßen und der Besel- tigung der Flurschaden zu tu« haben.
Auch der Teufel, der die Walpurgisnacht beherrscht, spielt im Hessenlande eine gewisse Rolle. Am bekanntesten ist die Sage wonach der Teufel in dieser Nacht des Grauens auf dem Blocksberg im Harz eine Wette abschlotz, er wolle, ohne auszuruhen, einen riesigen Felsblock vom Brocken aus durch die Lüfte dis
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zum Meißner bringen, lediglich zu dem Zwecke, der Frau Holle eine besondere Kraftanstrengung zu beweisen. Leber den Werrabergen, angesichts des Meißners, verließ ihn aber die Kraft und er verlor den Felsblock, der dort noch heutigen Tages als „Teufelskanzel" eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges darstellt.
Gewaltigen Schaden haben einige Geschäftsleute im Bahnhofsviertel erlitten, die große Warenbestände im Keller aufbewahrten und dieselben heute vollständig verdorben sehen.
Ma« spricht von Summen bis zu 10 000 Mark.
I« einer Autogarage hat das Wasser die Leitungen des Benzintanks abgerissen und mehrere hundert Liter herausgespült.
Die Ecke Berndorferlandstraße-Bergstratze war dreißig Zentimeter und mehr hoch mit Schlamm bedeckt, in einigen tiefer liegenden Läden stehen die Flutrückstände bis über die Theke. So könnte man die Liste der Geschädigten ins Endlose fortsetzen. Und das Schlimmste dabei ist, daß alle diese Leute
nicht gegen Wafsersgefahr versichert
find, sodaß sie den gesamten Schaden allein zu tragen haben.
Der Stadtpark, der vor zwei Jahre« begonnen wurde und erst jetzt zur vollen Geltung kam, ist restlos verschlammt. Trübe steht im Becke» des Springbrunnens das gelbe Wasser der Flut.
Man kann es wohl als glücklichen Zufall betrachten, daß keine Menschenleben dem Wüten bet Elemente zum Opfer gefallen sind. In der Tränke- stratze mutzten Kinder
auf den Tisch i« der Wohnstube steige«, ein Landwirt in der Strotherstratze brachte Kinder und Spaziergänger, die bei ihm Zuflucht suchten, auf den Boden. Im Bürohaus eines Kalkwerkes an
®hte sehr zuverlässige und umfassende Ueberftcht über die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des europäischen OstenS gibt die von Professor Otto Hoetzsch im Auftrage der Deuffchen Gesellschaft zum Studium Osteuropas herausgegebe- ne Monatsschrift „Ost-Europa", (Ost-Europa- Verlag, Berlin). Der Herausgeber, der auch in Kassel durch seine Vorträge als ausgezeichneter Kenner der Materie bekannt ist, charakterisiert hn Aprilheft die neue Lage, die durch Stalins Agrar- tundgobungen geschaffen wurde. S. Dloshewflvj berichtet über die »Ausgrabungen von OMtia, während Edgar Taube einen Aufsatz übet »Die Industrie Lettlands" beisteuert. Sehr wertvoll ferner die Mvnatsübersichten (O. Hoetzsch über die innere und äußere Politik, A. Sucher über das geistige Leben) und die Zeitschrtftenschau, die viel interessantes Material erschließt.
Aus dem Apricheft der „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung (Hrsg, von der Zentralstelle für Erforschung der Ktiegsursachen Quadetvetlag Berlin) verdient vor allem eine AuS- emaüdersetzung Hermann Onckens mit dem fran* zsischen Historiker Pinon erwähnt zu werden. Stefan Artikel Onckens über »Das angebliche Leitmotiv in der Gcischite der französische« Außenpolitik" schließen sich auffchlußreiche Beiträge aus der Feder Paul Herres („Dtalrnisches zur Vorgeschichte des Attew tats von Sarajevo". Gras Max Montgelas' („Rußland und Europa 1904—1914") und B. Moldens (»Das deutsch österreichische Bündnis und der groß- deutsche Gedanke") an.
Erst jetzt, nachdem das Hochwasser sich zum größten Teile wieder verlausen hat, lassen sich ganz die verheerenden Wirkungen dieser Katastrophe übersehen. Längs der Kuhbach zieht sich ein Streifen verwüsteter Gärten hin, fruchtbarer Mutterboden ist zu schlammigem Morast geworden. Zäune liegen am Boden oder sind von der Wucht des Wassers weggeschwemmt. In der Allee hat dte Flut einen Zaun hoch- und
über den Graben gehoben
und drüben fein säuberlich wieder aufgesetzt. In der Mulde zwischen Waldeckerberg und Bahndamm sieht es aus, als ob dort Zyklopen ein übermütiges Spiel gespielt hätten:
fast meterhohe Dämme au6 Hagelkörnern, die heute noch nicht geschmolzen sind, Gras und Erde hat das Wasser hier, wo es seinen Lauf begrenzt sah und sich durch das mächtige Abflußrohr unter dem Bahndamm einen Ausweg suchen mußte, zurückge- lassen. Der Bahndamm selbst ist weiter unten, nach Itter zu, vom Kuhbachtal her unterspült worden, sodaß der
ist. Die Reisenden werden im Autobus nach Ji gebracht und können erst von da aus mit der Bc weiterfahren.
Andere Sagen, die sich an diesen Fels schließen, der unweit des Hansteins und des Ludwigfteins über der Erofionsfchletfe oer Werra liegt, sind neueren Datums. Diese Werraschleise soll übrigens ein Hufeifentritt des Teufels fein, der über feinen Mißerfolg in höllische Wut geriet.
Als der Hessische Gebirgsverein den höchsten Berg des Habichtswaldes, vor langen Jahren das Hohe Gras zu feinem Hauptquartier erwählte, lag der Gedanke nahe, die Walputgisfeier, also den wahren Frühlingsanfang, auf diesem Berge abzuhalten.
Es waren schöne Feste, die vor dem Kriege dort oben gefeiert wurden, wo der Blick den Meißner und den Tefaiberg findet, den Dörnberg, der an längst ausgekämpste Eetmanenkämpfe erinnert, und der überreich ist an alten Heiligtümern, wenn der Hohle Stein wirklich als Höllenstein zu übersetzen ist und in dessen Bereich sich die sagenumwobene Wichtelkirche befindet.
Wer Phantasie besitzt, mag die .Aeufelsschluchten", jene Bruchgelände infolge des Bergbaues, mit der Walpurgisnacht in Verbindung bringen.
Leise Wehmut weckt die Erinnerung an die Reden, die bet solchen Gelegenheiten der allzu früh verstorbene Justiztat äBenntng, bet verdienstvolle Führet des Gebitgsveteins, vom Turmaltan herab zu halten «e. Lachend aber gedenken wir bet Hexentänze um und bet Talfahrten, bei denen wieder und immer wieder ein altes Lied in die stille Nacht geschmettert würbe: JDet Mai ist gekommen . . “
Wirb heute auch das Walpurgisfest von Kassel in etwas veränderter Form gefeiert, fe blieb al» Schauplatz doch das Hohe Gras erhalten, das jetzt durch Schnellwagen der Herkulesbayn bedeutend letchter zu erreichen und zu verlassen ist.
Was uns acet vor allem geblieben, das ist die Erinnerung daran, daß gerade Hessen alle Veranlassung hat, mit der Walpurgisfeier den wahren Frühlingsanfang zu begehen, in jener Nacht, die letztmals, wenn schon der Frühling in allen Zweigen singt, allen Teufelsspuk des Winters in die wohlverdiente Verbannung schickt. Und nun beginne fröhliches Wandern, eine schöne eine an wertvollen Sagen reiche Heimat erhebt danach die gebieterische Forderung.
Rudolf Heynemann.
* * *
Walpurgisfeier im Rundfunk.
Wie man uns soeben mitteMt, übernehmen bte Sender Kassel und Frankfurt am Mittwoch, SO. April zwischen 22,30 imv 1,00 eine großangelegte Repor- rage der Norag von den flstssischen Stätten deS Hexendawzes aus dem Harz. Vorgesehen sind Rotz- liappe und Hexentanzplütz. Mit biefer Entscheidung der Programmlettung in Frankfurt, schließt sich der Südweffweutsche Rundftrnk erfreulicherweise einet Veranstaltung an, die auch von den Sendern Hannover, Hamburg, Bremen, Kiel, Flensburg, Leipzig, Dresden, Berlin, Stettin, M«K>eburg und Kömgs- wrffterhausen übertragen wird. Mr dürfen nach der «mstephaft aufgezogenen Walpurgisfeier des vorigen Jahres, die ©enbung fand damals vom Brocken aus statt, eine sicherlich spannende Reportage erwarten.
weiten Kreisen noch wenig bekannten Heiligtum der Frau Holle (wer macht sich die richtige Vorstellung von Frau Hollen Teich?) liegt Germerode, der Ott des Klosters, das angeblich von ©erntet, dem zum Ehri- . stentum iiberaetretenen Gatten der Frau Holle gegründet wurde. Zn diesen beiden Sagen ruht der Uebet- gang von bet alten Kultur unter Allvater Wotan zu bet des Christentums. Daß im Volke der alte Glaube noch sehr lange nachwirtte, beweist die Verwunschen- heit Des Höllentals (Hollental) und bet Weinebusch auf dem Meißner, unter dem man Frau Holle oftmals gesehen haben will, weinend und in wilder Trauer
Daß die am Mittwoch abend auf dem Hohen iias stattfindende Walpurgisfeiet keine Nachahmung bet berühmten Brockenfeier datstellt, geht aus nachstehenden Ausführungen hervor, bie ihre Begründung in der hessischen Sagenwelt finden:
Erst wenn der Mai ins Land zieht, wenn der Waldboden blüht und die winterkahlen Bäume sich begrünen, dann beginnt für den Wanderfreund bet Frühlingsanfang, die Zeit, da man „in Freuden wandern" kann.
So übernahm auch lange vor dem Kriege bet Hessische Eebitgsvetein den uralten Brauch, in der Nacht auf den 1. Mai sein Frühlingsfest zu feiern. Die Hexenaustreibung, das Ende der Herrschaft aller Winterdämonen, sind der tiefere Sinn dieser Feier. Gerade in Hessen hat sich auch dieser Brauch erhalten, hier, wo auf oem Meißner dte Göttin des häuslichen Herdes und des Winters wohnt, Frau Holle, die um diese Zeit zur Frühlingsgöttin wird. Der Legende nach übernahm sie nach ihrer Unterwerfung unter den neuen Glauben an das Kreuz den Namen Walputgis und so ist es kein Zufall, daß die dem Meißner nächst- gelegenste Stadt, Walburg, ihren Namen für alle Zukunft erhält. Jenseits des Bergs mit feinem in
bet Jtterschen Straße mußten bie Menschen mit einet Leiter aus den Fenstern im ersten Stock geholt werden.
Ebenso wütete das Saffet in Berndorf. Das ganze Wiesental von der Eidinghausen bis zur Twistet Mühle wat
ei« einziger See,
und die Berndorfer beklagen den Verlust ungefähr ihrer halben Aussaat. Natürlich ist bet Schaden hier wie in Korbach verschieden je nach bet Lage bet Felder. Immerhin ist er, vor allem auch in Anbetrach! der verschlammten Länder und des weggespülten Mutterbodens, groß genug, um sich noch auf lange Sicht hinaus im gesamten Wirtschstslebe« bet Kommune auszuwirken.
Unb heute ist bie Kuhbach »lebet etn kümmerliches Bächlein, unschuldig eilt es flink zwischen den verwüsteten Ufern dahin, und nut seine lehmgelbe Farbe verrät, daß es an der Katastrophe durchaus nicht unbeteiligt gewesen ist . . .
Lutz Haurand-Korbach.
Korbach nach hem Unwetter
Wenn sich die Flut verlaufen hat...
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