Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kummer 99 *
Dienstag, 29. April 1930
20. Jahrgang
Neue Spaltung der Oeutschnationalen?
Sondersitzung der öeutschnationalen Fraktionsmehrheit am Donnerstag / polnische Pressehetze gegen Deutschland wegen des Reichswehret ats
„Provokation der Fraktionsmehrheit"
Bon unserer Berliner Cchriftleitung.
Oer Endkamps um Oesterreich
Don Rens Kraus
t th. Berlin, 29. April.
r Noch vor dem Zusammentritt des Reichstags will anscheinend die Opposition der Deutschnationalen eine Entscheidung darüber herbeiführen, wie sie sich bei den kommenden parlamentarischen Beratungen verhalten soll. Am Donnerstag abend findet unter dem Vorsitz des Grafen Westarp eine Sondersitzung der Mehrheit der deutschnationalen Reichstagsfraktion statt, in der man sich mit der Entschließung des deutschnationalen Parteivorstandes beschäftigen wird.
Zu diesen Einladungen, die Graf Westarp zu der Sitzung hat ergehe« lassen, nennt er die Entschließung des Parteivorstandes unter anderem einen »unzulässigen- Eingriff in die Freiheit der deutschnationalen Reichstagssraktion.
In der nächsten Woche werden mit den Beratungen des Haushaltsausschusses über den Etat die Deutschnationalen bereits vor weittragende Entscheidungen gestellt werden. Kommunisten und Sozialdemokraten sind in diesem Ausschuß mit 15 Stimmen vertreten. Vorsitzender des Ausschusses ist der sozialdemokratische Abgeordnete Heimann, dessen Stimme und politische Haltung unter Umständen besonder» Bedeutung gewinnen können. Die Parteien, auf die sich die koalitionsmatzig nicht gebundene Regierung Brüning stützt, verfügen ebenfalls über 15 Stimmen. Die Entscheidung wird also bei den Deutschnationalen liegen. Auf eine gemäßigte sozialdemokratische Opposition oder gar Neutralität wird nicht zu rechnen sein. Es wird also auf jede einzelne deutschnationale Stimme im Ausschuß ankommen, und es muß in kürzester Frist klargestellt werden, wer die Fraktion im Ausschuß vertritt, die Frak- lionsmehrheit oder die Fraktionsminderheit.
Es ist anzunehmen, daß Graf Westarp am Donnerstag in der Sitzung über diese wichtige Frage Klarheit schaffen will. Interessant sind auch die Aeußerungen der »Deutschen T a g es z e i t u n 6" die diese »von unterrichteter Seite" wiedergibt. Es heißt darin unter underem:
„Wir glauben richtig orientiert zu sein, daß die Frattionsmehrheit sich dem Beschluß des Parteivorstandes nicht fügen wird. Die deutschnationale Reichstagssraktion hat zu viel selbständige Persönlichkeiten, und die Dinge find viel zu weit vorgeschritten, als daß mit einer Duldung derartiger Provokationen zu rechnen wäre. Dazu sind auch die Kräfte zu stark, die hinter der Fraktionsmehrhett stehen."
Es seien vor allem zwei Punkte, gegen die eine scharfe und von angesehenen Abgeordneten geführte -Opposition besteht Der eine ist der, daß man den aus allen Teilen des Landes für einen Tag nach Berlin bestellten Parteivorstand weder für zuständig noch für geeignet hält, der Mehrheit der Reichstagsfraktion wegen ihrer aus ihrem Verantwortungsbewußtsein erwachsenen Stimmenabgabe sein Bedauern auszusprechen. Man sieht in diesem Verhalten eine öffentliche Provokation der Fraktionsmehrhett sowie der Landwirtschaft uno ihrer berufenen Organe. Die zweite noch wichtigere Beanstandung richtet sich aber gegen den Schlußsatz der Entschließung, der dem Partei- und Fraktions- Vorsitzenden ein Entscheidungsrecht gegen die Mehrheit der Fraktion einräumt.
Unter der Ueberschrift »Fraktion Schiele?" sagt andererseits die »Deutsche Zeitung": Wenn sich erst innerhalb der Fraktion eine Sonder- fraktion bildet, die zu Sondersitzungen zusammentritt, dann wird die »Fraktion Schiele" als verlängertes Zentrum zur politischen Tatsache. Man darf nur dem Parteivorstand und der Parteivertretung, die schließlich die Träger der Bewegung sind, nicht zumuten, daß sie dann den offensichtlichen Mißbrauch des Namens »deutschnarional" noch dulden.
Der »Vorwärts" will wissen, daß die Frage, ob der Bruch mit Hugenberg schon jetzt erfolgen soll, von maßgebende» dcittsthnationalen Kreisen in dem Sinne als entschieden betrachtet werde, daß 31 deutschnationale Abgeordnete die deutschnationale Reichstagssraktion am L Mai unter Protest verlassen.
Haftentlassungen in der Bombenlegeraffäre
Altona, 29. April.
In der Angelegenheit der wegen der Bombenan- schläqe in Neumünster und Bad Oldesloe beschuldigten Mitglieder des Hamburger Werwolfes hat ein Haftprüfungstermin stattgefuudcn. Tie Haftbefehle gegen Müller und Kienitz wurden entsprechend £em Antrag der Verteidigung aufgehoben, da das
Gericht einen dringenden Tatverdacht nicht feststellen konnte. Die Haftbefehle gegen die übrigen Beschuldigten wurde» aufrecht erhallen.
Die Eröffnung der Voruntersuchung wird von dem polttischen Dezernenten der Staatsanwaltschaft Altona, Dr. Behrens, in etwa einer Woche beantragt werden.
Der Doyen des diplomatischen Korps
Die Stellung des Nuntius.
Berlin, 29. April.
Bei dem kürzlich erfolgten Wechfel in der apostolischen Nuntiatur in Berlin ist die Frage der Stellung des Nuntius innerhalb des diplomatischen Korps wieder ausgetaucht. Insbesondere hatte man sich mit dem Anspruch derKurre ausAnerkennung des apostolischen Nuntius als Doyen des diplomattschen Korps auseinanderzusetzen. Ein Rechtsanspruch aus eine derartige Stellung konnte, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, nicht eingeräumt werden, doch hat die deutsche Regierung in Anbetracht der Tatsache, daß der Nuntius der Vertreter einer Macht von großer Weltgeltung, mit der Deutschland niemals Krieg geführt hat oder führen wird, die Deutschland gegenüber immer nur in wohlwollender Neutralität gestanden hat, nach Fühlungnahme mit dem Diplomatischen Korps sich entschlossen, dem bei ihr beglaubigten apostolischen Nuntius künftig aus Gründen der Ea-'-rtoistc das Dekanat, d. b. die Eigenschaft des Dovens- zuzugestehen.
Der russische Botschafter in Berlin, als rangältester Angehöriger des Diplomatischen Korps, hat diese Entschließung in Form einer Zirkularnote den übrigen Missionschefs übermittelt.
Der österreichische Bundeskanzler weilt in Paris. Er wird mit gefährlichster Liebenswürdigkeit überhäuft Oesterreich soll wtgeküßt werden. Diplomatische Zärtlichkeit erweist sich nicht zum erstenmal als eine der praktabelsten Waffen im Arsenal der französischen Politik. Man kann nicht gerade behaupten, daß die Tage, die Dr. Schober in Paris verbringt, vom deutschen Volke im Reiche und namentlich in Oesterreich selbst als Freudentage empfunden werden. Die offiziellen Taselfreuden, die Schober nun über sich ergehen lassen muß, Trinksprüche, (Balaoper, Sympathiekundgebungen, werden von der Oeffeutlich- keit mit sicherem Instinkt als eine weitere Episode österreichischen Nachkriegsschicksals empfunden, das darin besteht: nach allen Seiten hin recht freundlich zu lächeln wie beim Photographen, und sehr verbindliche Worte zu tauschen, diese aber völlig unverbindlich.
Es Hut nicht an Stimmen gefehlt, die meinten, zu einem Besuch Dr. Schobers in Paris liege kein Grund vor. Diesen Stimmen ernster und einflußreicher Persönlichkeiten gegenüber machte aber die französische Gesandtschaft in Wien, die ja irgendwie Erfolge aufweisen muß, nachdem die von ihr dirigierte Hetze gegen die Anschlußbewegung völlig Schiffbruch erlitten hat die eigene Sti mme -'Kettend. Unmißverständlich wies der diplomatische Vertreter der französischen Republik darauf hin, daß man am Quai d'Orsay nicht begreifen würde, wie Dr. Schober für seine Kreditfahrt nach London eine andere Reiseroute wählen könnte
polen rührt die Trommel zum Alarm
Eigener Drahtbericht
Warschau, 29. Aprit
Jur Anschluß an die vom Reichstag bewilligte Baurate für den Panzerkreuzer B und den Heeresetat hat sich der polnischen Presse eine auffallende Unruhe bemächtigt. Insbesondere erblickt sie im Bau des Panzerkreuzers ausnahmslos eine Bedrohung Polens (ausgerechnet des stark ausgerüsteten Polens!) mtd rührt gewaltig die Trommel zum Alarm. Führend sind in dieser Hinsicht die Regierungsblätter mit dem meist gelesenen Krakauer -^Illustrierten Kurier" an der Spitze, der sogar in einem längeren Artikel seines Berliner Korrespondenten einen
offiziellen polnischen Protest in Genf gegen die deutschen Rüstungen zur See ankündigt
Das Blatt erklärt unter anderem: Im vollsten Bewußtsein der Verantwortung für die Worte, die wir an dieser Stelle aussprechen, stellen wir fest, daß der Aufbau der deutschen Kriegsflotte in erster Linie gegen den polnischen Staat gerichtet ist. Ferner heißt es, daß im Hinblick aus die deutschen Bestrebungen nach einer Revision der Ostgrenzen, die sich insbesondere aus das polnische Pommerellen, das die deutsche Propaganda in Korridor umgetauft habe, richteten, die polnische Oesfentlichkeit eine im höchsten Maße begründete Ursache zur größten Beunruhigung habe und das umsomehr, als
der gewaltige Bau der deutschen Kriegsflotte den notwendigen Rahmen eurer Verteidigung (!?) bereits lange überschritten habe.
Polen müsse daher umgehend an eine Gegenaktion denken und zwar einmal an die Verteidigung seiner eigenen Seeküste, deren Zustand in dieser Hinsicht vollkommen unzureichend sei: ferner aber solle, was gleichfalls sofort gescheüen müsse, der Völkerbund veranlaßt werden, sich mit den deutschen Rüstungen umgehend und ernst zu beschästigen.
Russische Rote an polen
Moskau, 29. Aprit
Wie die Telegraphcnagentur der Sowjetunion erfährt, übergab der Sowjetgesandte in Warschau An- tonoff Owssejenko am Montag im Auftrage der Sowjetregierung dem polnischen Außenminister Zaleski eine Note im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf die Sowjetgesandtschaft in Warschau
Jn der Note an Polen lenkt die Sowjetregierung die Aufmerksamkeit der Regierung der polnischen Re- publtt auf den Umstand, daß der Sprengstoffanschlag auf die Sowjetgesandtschaft in Warschau vom 26. April nur unter Bedingungen erfolgen konnte, die aufgrund der in der letzten Zett verstärktem sowjetfeindlichen Tätigkeit gewisser Kreise in Polen und eines mit ihnen in Verbindung stehenden Teiles der polnischen Presse emstandeu seien. Diese Tätigkeit
habe zum Ziel, eine Lage zu schaffen, in der der Abbruch der Beziehungen zwischen Polen und der Sowjetunion und die sich daraus ergebenden Folgen unvermeidlich wären. Der mißlungene terroristische Akt bedeute eine drohende Mahnung und veranlasse die Sowjetregierung, nochmals auf die außerordentliche Gefahr der Lage aufmerksam zu machen. Die Sowjetregierung sehe sich ferner veranlaßt, der polnischen Regierung die Verantwortung für die Ergreifung wirksamer Maßnahmen zur Beseitigung dieser gefährlichen Lage in Polen aufzuerlegen.
Kampf -em Bürgertum!
Kowno, 29. April.
Wie aus Moskau amtlich gemeldet wird, hat die kommunistische Gewerkschafts-Internationale am Montag einen Aufruf an das Welt-Proletariat veröffentlicht, in dem die Arbeiter aufgefordert werden, am 1. Mai die Arbeit niederzulegen und ttotz des behördlichen Verbots zu demonstrieren. Die arbeitenden Klaffen müßten dem Bürgertum ihre Macht zeigen und beweisen, daß sie dem Kampf gegen die kapitalistische Herrschaft gewachsen seien. Die Parole der Gewerkschafts-Internationale sei, Kampf gegen das Bür- gcrtum zum Schutze der Sowjetunion und der Kampf für die Idee der Weltrevolution.
England und der Weltkrieg
London, 29. April.
Alle Blätter veröffentlichen Auszüge ans dem sechsten Band der britischen Dokumente zur Entstehung des Krieges. »Times" sagen, die zum erstenmal veröffentlichten Dokumente sollten die Deutsche« endlich davon Überzeugen, daß Großbritannien en keinerlei machiavellistischer Verschwörung gegen sie beteiligt war, und daß seine Bemühungen um eine Einigung gut gemeint, aber erfolglos waren.
„Daily Herold", das Blatt der Arbeiterpartei, dagegen sieht in dem Inhalt des Buches eine« neuen Beweis dafür, daß schon lange vor 1914 dir britische Regierung bereit war, Frankreich in einem Krieg gegen Deutschland zu unterstützen, und zwar nicht nur im Falle eines Angriffs auf Frankreich, sondern sogar in dem Falle, daß Frankreich selbst die Zuttiativr ergreife« würde.
Das Blatt zitiert „Angriff ist ost das beste Mtttel Mr Selbstverteidigung" und fügt hinzu: Dieser Ausspruch stamme nicht von Brrnhardi, sondern vom britischen Botschafter in Paris, der darlegt, daß Frankreich, wenn Deutschland Truppen gegen die Grenze in Marsch setzen würde, berechtigt sein sollte, sofort in Deutschland einzurücken, um sich eine« militärische« Vorteil zu sichern. (Wir verweisen unsere Leser ferner auf den Artikel „Die Verschwörung der Diplomaten" in der gestrigen Nummer unserer Zeitung. D. Red.)
als eben über Paris. Man würde es, meint der Here Gesandte, schmerzlich bemerken, wenn Dr. Schober in Rom, Berlin und London allein Visite macht, und in nächster Zukunft wohl auch in Budapest und Prag. Paris, meint der Herr Gesandte recht deullich, liege doch auch irgendwo auf der europäische« Landkarte.
Man muß dieses Vorspiel im diplomati« scheu Dämmerdunkel kennen, um die wahr« Bedeutung von Dr. Schobers Pariser Tagen richtig zu beurteilen. Die Bedeutung dieser Reise als solcher ist darum nicht gar zu hoch einzuschätzen. Unmittelbare konkrete Folgen wird sie in keiner Weise zeitigen. Ein paar nette Worte — und das ist alles. Freilich darf man die tieferen Gründe und Hintergründe ebensowenig unterschätzen. Nachdem die politische Propaganda versagte, die Oesterreich von seinem deutschen Schicksalswege abbringen wollte, setzte eine vehemente Kulturoffensive ein. Es ist kein Zufall, daß hervorragende französische Staatsmänner und Persönlichkeiten des französischen Lebens in immer größerer Zahl das Bedürfnis empfinden, in Wien Vorträge zu halten und hier festzustellen, wie ähnlich der Charakter der beiden „Schwesterstädte" Paris und Wien doch eigentlich fei. Französische Ausstellungen und KsnMte, sorgfältig inszenierte Gastspiele von Politikern und womöglich noch größer aufgemachte von Operettenftars, ein paar geschickt verteilte tote Bändchen der Ehrenlegion und Pariser Mode-Revue für die Frauen des kleinen Bürgertums sollen jene Atmosphäre unwiderstehlicher französischer Kultur verbreiten, die namentlich in Balkanstaaten und in siid- amerikanischen Republiken ihre Unwiderstehlichkeit glänzend bewährt. Die mit Recht gerühmte und bewunderte französische Völkerpsychologie begeht aber dennoch einen erheblichen Denkfehler, wenn sie meinte, mit Methoden, die in Albanien und Paraguay gewiß verfangen, auch Oesterreich fesseln zu können. Fesseln im doppelten Sinn des Wortes: Gefallen und gefangennehmen. Oesterreich soll sich, müde und ausgeblutet dem französischen Kurs in Mitteleuropa einfügen. Das bezwecken Moderevue, Primadonnengastspiel und Ehrenlegion genau so, wie die Einladung des Bundeskanzlers nach Paris.
Im mitteleuropäischen und im anschließenden balkanischen Raum stehen einander zwei Fronten gegenüber: die französisch orientierte der italienisch eingestellten. Von beiden Seiten lastet schwerer Druck auf Oesterreich, das trotz seiner Entmachtung zumindest als Objekt mitteleuropäischer Konstruktionen — und nirgends wird das hohe Spiel diplomatischer Frontenbildung leidenschaftlicher gespielt als auf dem Gebiet der alten österreichisch-ungarischen Monarchie — wieder sehr umworben ist. Mitunter grenzt das Liebeswerben um Oesterreich an den Tatbestand jener Paragraphen des Strafgesetzbuches, die von Nötigung und Erpressung sprechen. Unvergessen ist das Spiel, das Mussolini zwei Jahre lang mit der österreichischen Znvestitionsanleihe trieb. Schober hat mehrmals seinen berühmten und übrigens auch in Berlin bekannten wärmsten Augenaufschlag, ein schönen Frauen und Aristide Briand entlehntes Kampfmittel, einsetzen müssen, um den grimmigen Mussolini weicher zu stimmen. Der Augenaufschlag allein hat es natürlich nicht geschafft. Schober mußte wohl in Rom irgendwie dafür gutstehen, daß Oesterreich, wenn es schon ablehnt, sich der italienische« Front in Mitteleuropa einzugliedern, auch der französischen nicht Gefolgschaft leisten wird. So ist, paradoxes Schicksal, die Unabhängigkeit Oesterreichs von Frankreich durch den italienischen Konkurrenzneid gewährleistet.
Das von Seipel aufgestellte und bisher nnver- rückt festgehaltene Ziel österreichischer Außenpolitik ist es nun, sich, unpathetisch gesprochen, um diese Wahl zu drücken. Wenn die österreichische Bevölkerung die Wahl zwischen Rom und Paris hat, entscheidet sie sich für Berlin. Aber auch diese Entscheidung ist ihr durch die Gewalt der Tatsachen, nicht zuletzt durch die Rücksichtnahme auf die dringenden Sorgen der reichsdeutschen Politik derzeit verwehrt. E s bleibt zufolgedessen beim Lavieren, also bei einer Haltung, die spezifischem österreichischen Talent ohnehin entspricht und die auch in diesen Pariser Tagen sestgehalten wird.
So völlig negativ allein sollen diese Tage nicht verlausen. Mag auch der wichtigste Erfolg, de» wir von Dr. Schober erwarten, die Abwehr französischer Werbungen, also ein negativer, fein, so bedarf Oesterreich doch dringend anderer, gegenständlicherer Erfolge. Dies gilt insbesondere für die erwünschte Einflußnahme von Paris auf die Verbündeten von der Kleinen Entente, die Oesterreich Tag für Tet das Wirtschaften und das Leben vergälle«- Oesterreich ist, dem deutschen Beispiel folgend und aus den gleichen Ursachen wie das Deutsche Reich, eben int