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Raffeler Neueste Nachrichten

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Von Emil Zanmngs

Hellseher und Ministerium

Die heutige Nummer urMt 26 Seiten

Kampfhähne der Liebe^

Magen und Blinddarm

Vom 54. Chirurg enlongreß in Berlin

Berlin, 96. April.

Tonfilmsorgen

Die Theaterbesitzer unter sich.

Herr Hanussen und seine Kollegen werden sich also Wohl oder übel damit begnügen müssen, ihren Beruf bis auf weiteres lediglich in privater Eigenschaft aus­zuüben. Und sie würden sich selbst einen großen Dienst erweisen, wenn sie ihre Gab« dazu verwenden woll­ten, ihre eigenen Reihen von jenen Elementen zu säubern, die nicht ganz stubenrein sind. Wenn es sich erst einmal ebenso sicher erwiesen ha-t, daß das Hellsehen kriminalistisch verwertbar ist, tvie es heule feststeht, daß zahlreicheHellscher- nur in Bezug auf ihren eigenen Vorteil hellsichtig sind, wird man wei­ter reden können . . .

Trotzdem blieb dieser stumme Mensch dort oben noch lange sür mich ein schreckhaftes Erlebnis. Es ^dauerte Jahre, bevor ich mich ohne Herzklopfen in einem Film sehen konnte.

Di« Bedeutung der Bitamine für die Zähne-

Die hervorragende Bedeutung der Vitamine für die Zähne haben Untersuchungen von O. Walkhosf bewiesen. Selbst schon tu der Zeit vor der Geburt kaitn durch Vitaminmangel im NahrungehMlshalt der Muter die Zahnentwicklung beim Kinde beein­trächtigt toerben. Auch die verhängnisvolle, in un­serer Zeit so weit verbreitete Anlage zur Zahnfäule scheint aus ähnliche Art erworben zu werden. Vlla- mine sind demnach von ebenso großer Bedeutung sür die Entwicklung und Erhaltung gesunder Zähne wie Kall- und PhcspborgehM der Nahrung. Das prachtvolle Gebiß mancher Naturvölker wird nicht ;um geringsten seinen Grund in der außer­ordentlich vitaminreichen Nahrung dieser Völker baden, und WaWoff meint, daß auch da- hervor­ragend schöne Gebiß des Eskimos mit dem rcich- l-chen Genuß des hochvitamiichaltigen Tranes zu- samineuhängt.

der verschiedenen Behandlungsarten. An diesen Vor­trag schloß sich eine sehhgfte Aussprache an. Es wur­de betont, daß die Erfolge der operativen Behand-

mnmergau ...

bei München erschienen. (Broschiert 1, Mk.j

Der dritte Sitzungstag deS Berliner Chirurgen- Kongrestes war zunächst der Besprechung der Frage des Magengeschwüres gewidmet Itarlinger-Wien

Emil Jannings alsProfessor Unrat" in dem TonfilmDer blaue Engel".

des Magengeschwüres gewidmet Itarlinger gab an Hand eines großen Materials aus S5 ken und Krankenhäusern eine klare statistische lieber« sicht über den Erfolg urob die Anwendungsmöglichkoit

Westlich von Oberammergau, auf einem Hügel am Fuße des Sonnenberges, erhebt sich die gewaltige Kreuzigungsgruppe, die dem Ammer!

aufdrückt und aus der die Seele der :

lung des Magengeschwüres weniger von der gewähl­ten Operationsmethove abhängig sind, als davon, daß die Operation zu dem richtigen Zeitpunkt vorge­nommen wird. Bei Operationen im Frühstadium der Geschtoürkranlheit ist der Enderfolg weniger gut als bei ipäteren Operationen. Coemen-Münster oe- richtete über das von ihm angewandte Verfahren zur Herstellung einer Verbindung zwischen Speiseröhre und Darm, wenn man sich genötigt sieht, den ganzen tranken Magen zu entfernen. Heile-Wiesbaden ver­tritt die Auffassung, daß die Wurmfortsatzentzündung (Blinddarmentzündung) letzten Endes aus geringe durch Fermente herbeigesührt« Schleimhautgeichwüre im Blinddarm zurückgeführt werden muß. Teinge- gegenüber möchte. Eichboff-Münster die Bedeutung der Bakterien nicht unterschätzt wissen, di« aus seinen Untersuchungen hervorgcht. Ritter-Düsseldorf weist auch auf die mechanische Schädigung der Schlenuhaut, etwa durch Korsteine hin. Verebew-Budapcst berich­tet über eigene Beobachtungen von Krebs des Wurm­fortsatzes.

In der sich anschlicßendrn Generalversammlung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wurde Pro­fessor Gluck ;um Ehrenmitglied der Gesellschaft und Schmieden- Frankfurt (Main) zum Vorsitzenden für 1931 gewählt.

Verantwortlich fSr den voll «Ischen Teil: Dr. Walte, Vebn«: für das Scmll-toa: German M Bona»; für den lokalen und Heimattetl: Dr. San« goachtm Glaser: für den Handel Rudolf Gläser: für de» Sportteil: Herber« Sveich: Photoredakieur: E d u a r i Schulz-Keffel: für den -lnzeiaenteil: Konrad Wachs­man n. Berliner Schrlftleituna- Dr Walter T f> u m. Berlin SW 68. Druck und Verlag: Saileler Reu««« Nachrichten G. m. b. H Kassel, Kölnisch« Straße 10.

einen Ober hinter mir her. Am Belle-Alliance- Platz hat er mich gefaßt, holte mich fast mit Gewalt unter den schrecklichsten Drohungen: Konventional­strafe, Kontraktbruch von der Straßenbahn herunter und besänftigte mich. Was ich eigentlich wolle, allen hätte ich ausgezeichnet gefallen, sogar die Kunden von Berlin-O hätten unseren Direktor zu dem neuen Lieb­haber Jannings gratuliert. Ich mußte mich geschla­gen bekennen. Denn mein Regisseur fand, daß ich gut sei, und ich mußte mich dieser Ansicht unterwerfen.

sich nicht weniger geschickl verteidigen als ein unschul- i:a ' ftflenommener und eine Diskreditierung der ohnehin schon von verschiedenen Seiten angegriffenen deutschen Justiz durch falsche Hellseherei wäre wirk­lich nicht wünschenswert

Ngenspieler spricht. Im Jahre 1634 ging die Pest über dieses schöne Laub, und der Tod hielt grausige Ernte. Damals gelobten die Oberammergauer, um das Un­glück zu bannen, alle zehn Jahre. Die Leidensgeschichte Christi während des Sommers im Freien aufzuführen. DiesePassion", halb Gottesdienst, halb Volksfest, be­gründete den Weltruf Oberammergaus, dessen Be­wohner fast ausschließlich Elfenbein- und Holzschnitzer sind. Etwa siebenhundertfünfzig Ortsangehörige wir­ken an bei vollendeten, einzigartigen Darstellung, mit, die zirka acht Stunden dauert und deren Ruhm die Besucher über die Weltmeere herbeieilen läßt in das sonst so stille Tal des Ammergebirges.

Das größte Erlebnis, das ich fe beim Film gehabt habe, war jener erste Moment, in dem ich mich in meinem ersten Tonfilm sprechen sah und hörte. Ein Eindruck, vor dem mir immer gegrault hat. Ich er­innere mich noch, wie ich überhaupt zum erstenmal filmte. Da sah ich auch jenen fernen, fremden Men­schen, der mit dem Gesicht von Emil Jannings dort oben herumgeisterte. Der Eindruck war damals so mächtig, daß ich doch noch einmal von diesem ersten Film erzählen möchte.

Es war im Frühjahr 1914. Ich war gerade von einer klei­nen Tournee Tilsit, Pillkallen, Insterburg zurückgekehrt, saß an einem Tisch im Cafe des Westens und grübelte über le­benswichtige Probleme:Wer bezahlt meinen Kaffee, wie be­zahle ich meine Pension?" Eine melancholische Beschäftigung! Diese Melancholie wurde nicht vertrieben, als sich Robert Wiene und der damals noch jugendliche Rameau an meinen Tisch setzten.Wollen Sie mal in einem Film mitspielen? Ich hätte eine nette kleine Rolle für Sie", unterbrach mich Robert Wiene nach viertelstündigem

Apothekendlenst

Folaenbe Avoibeken haben morgen, Sonntag, geöffnet Und in 6er darauffolgenden Woche Nachtdienst. Adler-Apo» «beke, Fuldabrücke 8: Herkulcs-Avolheke, Wilhclmsdöh« Allee 278 iWadlersha»fen>: Hof-Avotbike Balmbosstraße» Lrleansftrahe 2: Löwen-Avoiheke, FrankfuNerstrahe 11: Kroncn-Avolbeke. Wilbelmsböber Allee 81; Luiseu-Avo« ibete, Telchftratze 41 «Kirchditmold«. ]

Lange war ich noch befangen und trotz der aus­drücklichen Versicherung Wienes daß das ja auch nicht nötig sei, war ich irgendwie gehemmt. Es war, als ob mein schauspielerisches Ehrgefühl gegen diese Stummheit rebelliere. Kurz und gut, wir drehten, ich glaube, den größten Teil des Films an diesem Tage. Am nächsten Tag sollte die Vorführung sein. Wieder stand ich um 8 Uhr im Atelier und spielte erst einige kleine Passagen. Um 11 Uhr kam die Vorführung. Mit voller Maske rief man mich in den Vorführungs­raum. Es war dunkel, man sah ein Zimmer, plötz­lich öffnete sich eine Tür, da kam ein Mensch, ein Mensch, der sich nicht bewegen konnte, der Grimassen schnitt, linkisch begrüßte er eine Frau. Angstschweiß stand mir auf der Stirn: Das sollst Du sein, das läuft als Emil Jannings durch Deutschland? Grauenvolle Augenblicke, mitten in der nächsten Szene sprang ich verzweifelt auf, riß meine Perücke herunter, stürzte aus dem Vorführungsraum, aus dem Theater auf die Straße und sprang deprimiert auf die nächste Elek­trische, in voller Auflösung. Der Hilfsregisseur mit fliegenden Rockschößen er spielte im Nebenberuf

Diese Szene erinnert mich an jenen ersten Augen­blick meines Tonfilm-Debüts vor mir selbst. Stern­berg, mein Regisseur, und ich saßen in einem der klei­nen Vorführungsräume in Neubabelsberg. Das Licht ging aus. Der Tonfilm lief an. Ein Bild in Groß­aufnahme leuchtet auf der Leinwand auf und be­gann zu sprechen, eine fremde, mich irgendwie unend­lich bedrückende Sprache, es geisterte ein verzerrter Jannings durch den Raum. Wieder hatte ich ein Ge­fühl absoluter Distanz vom eigenen Ich ein frem­der Mensch sprach dort oben, ganz fern und beängsti­gend fremd. Ich genoß es wie ein Schauspiel. Ich hatte das furchtbare Gefühl, allem mit leblosen Wachspuppen in einem Panoptikum eingeschlossen zu sein. Da tönte die Stimme Sternbergs:Wirklich ausgezeichnet, Emil!"

Ich stritt mit meinem redenden Bild dort oben. Ich murmelte:Nein, nein, unmöglich, das bin nicht Ich!" Sternberg, der sich unsere Unterhaltung mit angehört hatte, sah mich an und fragte:Sag' mal, Emil, kennst Du Dich überhaupt, haft Du Dich schon jemals in dieser Natürlichkeit wie jetzt sprechen ge­hört, weißt Du denn überhaupt, wie'Du aussiehst?"

Kasseler Filmschau

Capitol: ,FrühlingSenoache«^

Die Neuverfilmung von WedEnds DramaFrilh- lingserwachen" durch Richard Oswald ist trotz des zeitlich etwas überholten Themas durchaus gelungen. Gewiß, die Sexualnot bet Jugend, wie sie Wedekind einst schildert«, und wie sie allerdings in sehr freier Abwandlung, Oswald im Film darstellt, hat heute schon ein ganz anderes Gesicht, wie auch die Er­ziehungsmethoden sich erheblich verändert haben. Wenn also auch der einst typische Fall für uns zum merk­würdigen Einzelfall geworden ist. packt uns dennoch dieser Film durch die außerordentlichsprechende" Ver- bildlichung des Manuskripts und die weit Über übli­chem Niveau stehende Darstellung. Am besten sind die herbe, wirklichjunge" Toni van Eyck als Wendla und Earl Baihaus als Moritz Stiefel, das versonifi- zierte schlechte Gewissen, das durch verbohrte Eltern und Erzieher bis zur Selbstvernichtung übertrieben wird. Im Lehrerkollegium stehen sich Fritz Rafp in unvergeßlicher Karikatur und Bernhard Eoetzke als Vertreter der alten und neuen Zeit gegenüber. Paul Henkels gibt in unübertrefflicher Charakteristik den Vater Stiefel. Zum Vorteil gereicht der Wirkung des Films die Bevorzugung der Außenaufnahmen mit ausgesucht Honen Naturbildern.

iedersehen auf der weißen Wand

,(Sin fremder Mensch sieht mich on*

Einer neuer .Rivalen"-Film im Palast-Theater 1

schk. Wer erinnert sich nicht noch tmt stiller Freude des amerikanischen Soldatenfilms .Rivalen' der Flagg mrd Quitt, zwei Angehörige der U. S. A.-Arme« in den Mittelpunkt einet KriegshandSung stellte, die sich trotz allem Hiflnors doch so vottetl- haft von den Üblichen KasernenhofsckÄvanftn unter­schied unter dessen heiterer Oberfläche doch der Ernst des Krieges für den, der ihn erkennen wollte, durch- schimmert«. Der Erfolg dieses Filmes ließ die Amerikaner nicht ruhen: sie drehten eine »Fort­setzung" dazu, neue Abenteuer der beiden Kame­raden in allen Weltteilen, bei denen wiederum die Fronen als Fteundschaftsbande lockerndes Element zwischen sie treten, bis sie. in Erkenntnis ihrer Ka- meradschafi, froh vereint wieder der Heimat zumar- schieren können. Das ist mit soviel goldenem Hu­mor gemacht und di« beiden Darsteller der Sol- baten sind ja so prächtige Kerls daß man au<6 dem Lachen und stillem Schmunzeln nicht heraus­kommt und auch den derben Ton der Unterhaltung Cent mit in Kauf nimmt Als Frau, die sich in mancherlei Gestalt zwischen sie schiebt, taucht dies­mal Lily Tamitas aparter Kopf verführerisch aus. Ausstattung und Photographie des Films sind aus­gezeichnet sodaß man an allem, auch am der schmi- tzigen Begleitmusik, seine Freude hat. Aus der Bühne überraschen Brucks und Brucks mit einer lotren Kunsiradfahr-Szene »Rund um den Der- kebrsschutzmann" und ernten für ihre guten sport­lichen Leistungen viel Beifall. Zwei amerikanische Grotesken und die Ufa-Wochenschau nmden daS amüsante Programm wirkungsvoll ab...

Auch in den Jahren, die zwischen den alle Jahr­zehnt stattsindenden Passtonssptelen liegen, werden die Kräfte der Ammergauer dafür künstlensch geschult. Der Fremde, bet zum erstenmal den Ort betritt, glaubt in eine Märchenwelt geraten zu sein. Stämmige, kräftige Oberlanbmenschen mit langen Apostelhaaren unb Hellen treuen Augen, Mädchen und Frauen mit der Grazie der Natürlichkeit und Frische umgeben ihn. Wenn er bas Glück hat, ben oberbayerischen Dialekt zu verstehen, kann er sich vortrefflich mit ben klugen unb burchwegs hochgebildeten Ortsbewohnern unter­halten.

Die Passionsjahre mit ihrem ständig wachsenden Zustrom von Besuchern aus aller Herren Länder, haben in dem einst so stillen und weltfernen Dörflern eine Fremdenindustrie geschaffen, die einzigartig in der ganzen Welt dasteht. Jedes Haus, jedes Zimmer, lebes Bett, jeher Keller, jeher Dachboden sind für die Unterbringung von Fremden bestimmt. Eine Fabrika­tion von Reiseandenken, Postkarten und Schnitzereien ist hier entstanden, die auf der ganzen Welt ihres­gleichen nicht hat. Jeder Fabrikationszweig ist mono­polisiert, jede Propaganda verpachtet, jeder Eintritts­karten- und Fahrkartenverkauf an die höchstleistungs- sähigsten Bureaus vergeben. Amerikanisiert ist hier alles bis in die geringste Kleinigkeit.

Im Jahre 1900 betrug die Besucherzahl 200 000, im Jahre 1910 über 260 Ö00, für das Jahr 1930 rechnete man auf zirka 300 000, jedoch liegen bis jetzt schon bei­nahe 400 000 Anmeldungen vor. Der neue Theater­bau faßt 5236 Menschen, und das kleine Dörflein ist daraus eingerichtet, eine solche Besucherzahl täglich unterzubringen.

Schon jetzt kommen jeden Sonntag große Massen trott Besuchern in Autos, auf Motorrädern usw. nach Oberammergau, wo sie das Spielhaus umlagern, in dem die großen Polkssprechszeuen geprobt werden. Am vergangenen Sonntag war das Theater von Tausenden umstanden. Im Innenraum wird iwch mit Hochdruck gearbeitet, die neuen, schönen Stuhlreihen werden ein­gebaut, die Beleuchtungsanlagen gehen ihrer Vollen­dung entgegen. Zimmerleute, Maler, Tapezierer ar­beiten Tag unb Nacht. Die fleißigen Hünbe her Kostümschneiberinnen ruhen unb rasten nicht, benn auch hie Frauen bes Neuen Testaments waren anscheinend bedacht, hübsch auszusehen. Diesen Eindruck gewinnt man wenigstens in der Theaterjchneiderei von Ober­ammergau.

Auch bas Ortsbild weist in diesem Jahre gewaltige Veränderungen auf. Riesige Autogaragen und zahl­lose Tankstellen sind aus dem Boden gewachsen. Fie­berhaft wird noch an her neuen Ettaler Bergstraße gearbeitet, wo ein Wäldchen an der Oberau vollstän­dig abgeholzt unb eingccbnet würbe, unb eine gerab- linige Earagenstraße entstand.

Die ungeheure Ziffer der Anmeldungen von Be­suchern hat die Einschaltung von acht weiteren Haupt- fpieltagen erforderlich gemacht. Man rechnet jedoch damit, daß auch die dadurch erzielt« Gesamtzahl von 41 vorgesehenen Spieltagen noch keine endgültige ist.

Natürlich machen auch München und die Orte des bayerischen Oberlandes die erdenklichsten Anstren­gungen, um von dem Fremdenstrom, den Oberammer­gau erwartet, ein Bröckchen abzubekommen. Die Stadt München hat so hohe Betrüge für sportliche unb thea­tralische Sonherveranstaltungen bereitgestellt unh auch schon über ihre Verwenbung hisponiert, haß es zwei­felhaft erscheint, ob selbst im günstigsten Falle hiesen Ausgaben ein entsprecheuher finanzreller, wirtschaft­licher unb moralischer Gewinn gegenüberstehen wirb.

Hans Brückmann.

Schweigen. Ich sagte nurym" unb überlegte, wie ich hieser wenig lockcnhen Aussicht ent­fliehen könnte. Filmen war ha- mals noch für einen Schau­spieler eine unseriöse Angele­genheit.

Im Beiprogramm läuft ein von dem Journalisten Höllriegel und Dr. Goldschmidt gedrehter Hollywood- Film, der ein sehr ausführliches Bild des Stadt- und Filmlebens in Los Angeles und Hollywood gibt und die bekanntesten Filmstars (Veidt, Jannings, Ehaplin, Greta Garbo usw.) in ihrem Heim und bei bei Film- arbeit beobachtet. Technisch bleibt freilich mancher Wunsch offen, auch bie Filmtitel ftnb stellenweise recht billig. V.

Stuf bet Leipziger Delegiertentaautt« btt Kinobesitzer wurde u. a. eine Hetfmee über den Tonfilm besprochen. Es hat sich ergeben und zeigt« sich auch im Verlaufe der sehr lebhaften Debatten, daß sich die Thegterbesitzer der Be­deutung des Tonfilmes nicht verschließen. Durchweg er­klärte» sie aber, die Bedingungen, unter denen bet Ton­film vermietet werde, seien untragbar. Das gehe scho« daraus hervor, dah die Värantien zum Teil nicht im Ent« f-rntesien erreicht-morden' seien. Tie schlechten Tonfflm- geschäfte seien nicht etwa mit minderwertigen, vielleicht synchronisierten, sondern mit oualitatio hochsiedenden Fil­men gemacht worden.

3-n vielen Städten sei durch den Tonfilm zwar ehre Steigerung der Besucherzahlen erreicht worden, aber dar Publikum verlange nach dem Spielen von ein bis zwei Tonfilmen energisch, nach, dem stummen Film. Der syn­chronisierte Film fei natürlich ein Krebsfchrden, sogar eure sehr schwere Gefahr für das Theatergeschäft. An einer größeren Stabt Sachsens hat ein Besucher angesichts der Ankündigung eines suirchronisierten Filmes alsTonfilm" den Tbeareibestöer bei der Polizei wegen Betruges an­gezeigt. ' _

Tie Tonfilmkurv« gebe nach'unten! 'Datz btt Tonfilm wirtschaftlich so große Enttäuschungen, ia wirtschaftliche Schädigumten mit sich bringe, lieg« am Verleiher, der in völliger Verkennung der wahren Situation aus dem Theaterbesitzer heraushoke. was nur hcrauszuholen fei, aber auch cm Tbeaterbesitzer selbst, der Höchstgarantien be­willig«, zum«ist nur, um den Film Riner Konkurrenz weyzulchnavven. Man verkenne ganz, batz der Reiz des Bewnberen. Neuen verschwinbe, weun in einer »ladt mehrere ober alle Theater Tonfilmaoparaturen besitzen nnb einen Tonfilm nach dem anderen herausbringen. Wo das Geschäft beute noch besonders gut sei, tverbe es ebenfalls nach unb nach mehr Abflauen unb schließlich nicht mehr als normal sein.

Das Ergebnis der fangen, kehr erregten Aussprache war di« nochmalige nachdrückliche Feststellung, daß man in der Herstellung guter stummer Film« unb einzelner Tonfilme von Qualität einen größeren Vorteil erblickt, als in bet serienweisen Fabrikation von Ton filmen nnb einer völligen Ausschaltung des Stummfilm«S.

Nach einigem Zureben sagte ich ja, bat Robert Wiene, mir auf mein erstes Tageshonorar von vierzig Mark einen Vorschuß zur Bezahlung bes Kaffees zu geben unb verfchwanb. Ich bin sicher, wenn ich an biefem Nachmittag ein Theater-Engagement gefunkten hätte, ich wäre am nächsten Morgen nicht filmen ge­gangen.

So aber stanb ich an einem frühen Maitag um 8 Uhr in beut Mester-Atelier in bet Blücher-Straße. Erna Morena war meine Partnerin. Der Film hieß Arme Eva". Das erste, was ich spielte, sozusagen als Probe-Aufnahme, war eine Liebesszene mit Erna Morena. Ich, als erfahrener Theater-Schauspieler, sprach unb wollte eine herrlich ergieifenbe Liebesszene hinlegen. Meine glühende Liebeserklärung erwiderte Erna Morena mit glutvollen Blicken, bewegte bie Lippen hoch kein Ion war zu hören. Ich sprang auf unb sagte, so könne ich nicht spielen, bie Morena antworte ja nicht.

(Kn Textbuch für bas Passionsspiel in Ober« meigau 1930 ist soeben bei Jos. C. Huber in Liessen München erschienen. (Broschiert 1, Mk.j

Oberammergau ist gerüstet

Das Spiel kann beginnen

(Sonderbericht der K.N. N. aus Oberammergau.)

Berlin, 26. Mr«.

Seit geraumer Zsft machte her Hellseher Hanussen in gutem wie in schlechtem Sinne von sich reden. In gutem iba seine Demonstrationen in der Oeffent- iichkeit zum Teil sehr eindrucksvoll gewirkt haben, in schlechtem i>a nicht allein das Publikum, sondern auch Justitia Veranlassung hatte, sich mit Hanussen eingebe roh zu beschäftigen. Hanussen hat an Las Prcutzrsche Ministerium des Inneren, einen offenen Brief gerichtet, in dem er sich erbietst, kosten­los vier Wochen lang im Dienst der amtlichen Kri­minalistik zu arbeiten. Tas Ministerium indessen hat von dem freundlichen Angebot keinen Gebrauch gemacht, sondern vielmehr auf einen bereits vor eini­ger Zeit herausgegebencn Ministerialerlatz hingewie- i'en, in e>cm bie Inanspruchnahme von Hellsehern durch amtliche Pali; ei stellen unterlagt wurde.

Mag die Stellungnahme des Ministeriums ium Fall Hanussen wie immer beurteilt werden, es kann kein Zweifel daran bestehen, daß einerseits die foge- nannten Hellseher selbst an dieser Einstellung Schuld haben und daß andererseits dasHellsehen in amt­licher Eigenschaft" in der Tat sehr bedenklich erschei­nen muß. Selbst wenn man die Möglichkeit zuläßt, daß bas Phänomen:Hellsehcn" an sich eriftiert, kann man sich der Einsicht nicht verschließen, daß es bis heute nicht möglich gewesen ist, einwandfrei zu nntcr- fchoiden zwischen Hellsehern undHellsehern". Und «s geht wirklich nicht an, zu gleicher Zeit die Methode des Indizienbeweises zu bekämpsen und gleichzeitig aus Sie Aussage medialer Personen zurückzugreifen. Ter auf hellseherischem Wege gefaßte Verbrecher wird

Natürlich, niemand kennt sich selbst. Im Moment, wenn man sprechend ober nur schauenb vor ben Spie­gel tritt, schafft unsere (Einbilbung, unser Charakter ein ganz anderes Bild von uns, als wir in Wirklich­keit sind. So gaben auch jene ersten Ton aufnahmen mir Einblick in einen Emil Jannings, her mir völlig unbekannt unb neu war. An dieser kleinen Probe- Aufnahme konnte ich studieren, wie er aussah. Ich weiß nicht, ob ich noch eine weitere Steigerung dieses entschleiernden Ausbrucks erleben werbe Es fei benn, man gibt im Film in absehbarer Zeit zu bet Akustik unb Optik noch bie Plastik.

wirkt abstoßend. Häßlich gefärbte Zähne entstellen das schönste Antlitz. Beide Schönheits­fehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischenden Zahnpaste Chlorodont beseitigt. Die Zähne erhalten schon nach kurzem Gebrauch einen wunder­vollen Elfenbeinglanz auch an den Seitenflächen, bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont-Zahnbürste mit gezahntem Borstenschnitt Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen Mundgeruchs

werden gründlich damit beseitigt Chlorodont: Zahnpaste, Mundwasser, Zahnbürsten Einheitspreis 1 Mark bei höchster Qualität, Zu haben in allen Chlorodont- Verkaufsstellen. Man verlange nur echt Chlorodont in blau-weiß-grüner Originalpackung und weise jeden Ersatz dafür zurück, _____

Ubier Mundgeruch