Einzelbild herunterladen
 

_ Einzelpreis 20 Pfennig

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

»rt6ehmna«n>etfe: wSLerrtNS stSSmal neuhnttttaa». VbonnementBoret>: fftt Ben Monat 2.30 jf bet tretet Sn. |k ametaenttretfe: Setchäft». nnb Kamtlten-Snzetgen Bte 80 mm»Sette It Vfenntg. RTehte Stwetgea ttttl

ftelluns in» Han», in bei Aelchmtsstelle absebolt 2.10 J Durch die »oft monatlich SLO Jt auSlülietzlich Zu. A£K Nl Raffel da» Sott 7 4. auswärtige Kleine Aureigen bte 30 mm breite Zeile N 4. Antigen im Reklameteil bte ReSunaSgebübr. Sn Säften non höherer (Seroalt be Ftefat kein Ansvrnch aus Lieferung ber Zeitung ober aus löck 1 78 mm breite Zeile 45 4 Pffertgebübr 25 4 (bei Zustellung 85 4). 8ßr beS Erscheinen oon Anzeigen m

Rückzahlung be» BezugSvreite» «erlag. Sdmftlettung unb Druckerei: Kölnische Strafte 10. - Teleodon: \VC>/ bestimmten Ausgaben, an besonderen Plätzen unb für telephonisch erteilte Aufträge keine Gewähr. Rech.

Sammelnummer 6800. Juristische Sprechstunde leben Dienstag von ö bi» 7 um Kölnische Strafte Nr 10. nungsheträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar Gerichtsttanb Kassel. Postscheckkonto Srankinrt a. St. 6380,

Nummer 92

Sonnabend Sonntag, 26 /22. April 1930

20. Layrgan«

Von der Flotienkonferenz zum Völkerbund

Macdonald überweist dem Völkerbund das Londoner Material / Rauscher bei Zaleski / London kn Erwartung des Zeppelins

Das verblendete Europa"

(Eigene Drahtmelduug.)

Genf, 26. April.

Die Ergebnisse der Londoner Seeabrüftungskon- ferenz mit dem Londoner Vertrag, den Protokollen der Vollsitzungen und der Berichte der Konferenzaus- schüffe sind von dem englischen Premierminister in seiner Eigenschaft als Präsident der Londoner Kon­ferenz dem Generalsekretär des Völkerbundes zuge- stellt worden.

In einem Begleitschreiben erwähnt Macdonald die Entschließung der letzten Völkerbundsvrrsamm- lung. In einer kurzen Würdigung der Konferenzer- gebniffe kommt er zu dem Schluß, daß sie gegenüber dem bisherigen Stande der Seeabrüstungssrage einen Fortschritt darstellt Er habe deshalb die feste Hoff­nung, daß der Vorbereitungsausschuß darin einen Beitrag zur Erleichterung seiner Aufgaben sehen werde.

Weiter werden in dem Schreiben des Mnister- präsidenten die aus der Konferenz zutage getretenen gegensätzlichen Auffassungen Frankreichs und Eng­lands eingehend behandelt.

DasJournal" hat Paul Boncour die Frage vorgelegt, ob der Fried« durch die Londoner Per- h-indlung-n gestärkt worden sei. Paul Boncour er­starke, was die Beziehungen Englands, Amerikas und Japans zueinander betreffe, so könne man di« Frage mit ja beantworten. Was Europa anlange, so set es nicht sicher, ob die Arbeiten des Völkerbun­des dadurch erleichtert werden würden. Angesichts der Widerstände der europäischen Mächte gegen eine Abrüstung auf militärischem und wirtschaftlichem Ge­biete könne man sich nicht wundern, daß die Ver­einigten Staaten zögern, dem verblendeten Europa Hilfe zu leisten. Der Kelloggpakt habe ei­nen Wert gehabt gegenüber einer Macht, die außer­halb des Völkerbundes stehe, er bedeutete nichts ge­genüber Nationen, die sich bereits durch das Völker- bundsstamt als gebunden hätten ansehen müssen.

Gegenüber allen Widerständen, so suhr Paul Bon­cour fort ist immerhin ein kompakter Block vorhanden, der weiß, was er will: Frankreich, Po­len, die kleine Entente. Hierzu kommen Finnland, die baltischen Staaten, Spanien und Griechenland. Ihr und unser klarer Gedanke hat seinen berechtigten Ausdruck gefunden in dem Genfer Protokoll vom Jahre 1924. An ihm muß man festhalten, anderenfalls ist nur eine scheinbare, einseitige Ab­rüstung möglich, und Beunruhigung und Mißtrauen bleiben bestehen.

Es genügt nicht, daß man das Abrüstungsproblem aus London nach Gens verlegt. Es würde Genf nicht verlassen haben, wenn der Völkerbund mit weniger Langsamkeit und mit mehr Entschlossenheit es in An­griff genommen hätte. Der Völkerbund mutz auch feine Aufgabe erfüllen, die darin besteht, die allgemei­ne Rüstungsherabsetzung zu ermöglichen, die eines seiner wesentltchsten Ziele, seine Daseinsberechtigung, ist. Man braucht kein Prophet zu fein. Es genügt, die Augen offen zu halten, um festzustellen, datz im Falle eines endgültigen Scheiterns der Abrüstungs­verhandlungen oder auch nur im Falle ihrer fort­währenden Vertagung Deutschland, das vom sonstigen Zwange befreit ist, sich anfchicken würde, diese Abrüstung abzuschütteln und nicht mehr allein eine Rüstungsbeschränkung zu dulden, die der Ver­sailler Vertrag selbst als die Bedingung, aber auch als das Versprechen für eine allge­meine Rüstungsherabsetzung bezeichnet Hal.

(An diesen Ausführungen Paul Boncours ist das Geständnis wichtig, daß die deutsche Abrüstung als das Versprechen für eine allgemeine Rüstungsherabsetzung bezeichnet wird. Was Paul Boncour dagegen an Ab­rüstungs-Methoden empfiehlt, besonders Die Propa­gierung des Genfer Protokolls, stimmt bedenklich. Denn es läßt erkennen, daß Frankreich immer noch lief im Dickicht der Eicherheitsthc'en steckt. Ehe es sich her von diesem Mißtrauen nicht befreit, wird eine «oirkliche Abrüstung nicht möglich sein.)

polnisches Mißtrauen

Rauscher bei Zaleski.

Warschau, 26. April.

Der deutsche Gesandte Rauscher wurde amFrei- fctg von Außenminister Zaleski ja einer längeren Unterredung empfangen. Vermutlich wurde auch dir Drage der letzten deutschen ZollerhöHungen »rührt. Die Besprechung hatte jedoch lediglich in­formatorischen Charakter, zumal btt offizielle Ant­wort der Reichsregierung auf die polnische Rote be­kanntlich ebenfalls in Form einer Rote erfolgen wird.

*

Die polnische Presse benutzt die Unterredung zur Veröffentlichung einer von polnischer amtlicher Seite

stammenden Verlautbarung folgenden Wortlauts: Der Standpunkt Polens zu den deutschen Zollerhöhungen sei nach wie vor völlig gleich, zumal auch die Genfer Abmachungen vom März d. I. verletzt würden (?). Mit Rücksicht darauf, daß die Lage in Deutschland im Zusammenhang mit den Erhöhungen hinsichtlich des Agrarprogramms unklar sei und Polen die Aus­wirkungen auf die deutsch-polnischen Handelsbeziehun­gen im Augenblick noch nicht übersehen könne, müsse sie sich Zurückhaltung auferlegen und mit Miß­trauen allen deutschen Versicherungen begegnen, es sei denn, daß sich tatsächlich die deutschen Behauptungen bestätigen.

Boykott englischer Waren

Simla, 26. April.

Pat«l, bet, tote bereits gemeldet, seine Würde als Präsident der gesetzgebenden Versammlung nie­dergelegt hat, richtet an die Bevölkerung Indiens

Basel, 26. April.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist heute morgen 6 Uhr 2 bei herrlichem Frühlingswetter in Friedrichs Hafen zu seiner Fahrt nach London aufgestiegen. Pa­ris wird voraussichtlich gegen Mittag überflogen werden.

Unter den Passagieren befindet sich unter ande­rem die bekannte Ladp Drummond Hap, ferner eine Miß Cleaver aus London, der ehemalige Luftschiff führer Dietrich aus Kassel, sowie ein englischer Lord, dessen Rame noch nicht bekannt gegeben wurde.

Um 7 Uhr 35 erschien das Luftschisf bei bedecktem Himmel über Basel und flog in der Richtung auf Besancon weiter. Zwei Doppeldecker gaben dem Mir senvogel eine Strecke lang das Geleite.

Besuch des Wembley-Stadions

London, 26. April.

Graf Zeppelin" wird heute nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr in London erwartet und dürste anläßlich des Fußballwettspieles um den englischen Pokal derart

niedrig das Stadion überfliegen, daß viele tausend Engländer aus nächster Nähe den Graf Zeppelin" sehen können.

Dr. Eckener wurde vom englischen Lust- schiffahrtsminister Thompson gestern abend ein Essen gegeben, an dem bekannte Führer bet englischen Lust­schiffahrt teilnahmen. Dom »Aaily Telegraph" zu-

eine Botschaft, In der er sie, int Sinne Ghandis, auffordert, alle ausländischen Stosse von sich zu wer­fen, auf indischen Handwebstühlen gefertigten Stoff zu tragen und für den Erfolg der nationalistischen Bewegung zu' beten. Es ist beabsichtigt, Patel am nächsten Sonntag vor seiner Abreise nach Allahabad, wo er mit Motilal zusammentreffen wird, in einem großen Umzug durch die Bazarstraßen von Simla zu geleiten.

Im Laufe des gestrigen Tages ist der General­sekretär des Nationalistischen Kongresses Sriprakash in Benares wegen Verstoßes gegen das Salzmonopol verhaftet worden.

In P e s ch a to a r ist die Ruhe einigermaßen toie- derhergestellt worben. Wie ernst aber bte Sage noch immer von ben Behörden betrachtet wirb, geht aus ber Tatsache hervor, datz alle europäischen Frauen und Kinder aus Peschawar evakuiert werden.

folge, hat Dr. Eckener während seines Aufenthaltes in London Gelegenheit genommen, sich mit den englischen Behörden über eine Reihe von wichtigen Fragen übet die Zukunft der Luftschiffahrt zu unter­halten. Die Besprechungen sollen in bet Hauptsache in dem Austausch technischer Erfahrungen und der Standardifierung ber Luftschiffe bestanden haben. Weiter sei übet die Frage ber Einrichtung eines stän­digen regelmäßigen Luftschiffverkehrs und bet babei zu benutzenden Routen verhandelt worden, bann auch über bte Vorteile gegenseitigen Zusammenarbeitens. Ueber bie

Zuteilung einzelner Sphären fit die verschiedenen Länder

sei bereits eine Einigung erzielt worden, und es scheine, daß sich habet England den Lustschiffverkehr nach Kanada und Indien und Deutschland den nach Südamerika übet Spanien und Portugal Vorbehalten hat. z

Die Landung in Cardington dürste zwi­schen 5 und 6 Uhr erfolgen. Der Ankermast wird dabei nicht benutzt werden. Das Luftschiff wird von der dortigen Haltcmannschast während des Aufent­halts, für den etwa zwei Stunden vorgesehen sind, sestgehalten werden. Der Rückflug, für den bereits alle Plätze vergeben sind, wird vor Eintritt der Duu- kelhett gegen 8 Uhr abends angetreten werden und wahrscheinlich aus derselben Strecke wie beim Hin­flug vonstattcn gehen. Tie Landung in Friedrichs­hafen wird am Sonntag früh voraussichtlich zwischen 7 und 8 Uhr vor sich gehen.

Der Reichspräsident

Am 26. April jährt sich zum fünften Mal der Tag, an dem Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt wurde.

W. p. Die Chronisten berichten, baß unter den zahlreichen Eingaben, bte an bie Weimarer National­versammlung gerichtet wurden, eines Tages auch ein Telegramm war, in dem die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten vorgeschlagen wurde. Es kam ir- genwoher, und es wanderte schnell in irgendeine der Aktenmappen, in denen die undiskutierbaren Pläne unb Anregungen ihre Ruhe- unb Grabstätten fanden. Als lächerliche Phantasterei ober als schönet Traum galt ben Männern von Weimar der Gedanke, für den dieses Telegramm warb; sie ahnten nicht, baß das, was ihnen Utopie zu sein schien, ein paar Fahre später Wirklichkeit werden sollte, Wirklichkeit werden mußte. Unb sie konnten damals noch nicht er­kennen, nach welchen geschichtlichen Gesetzen sich die Entwicklung des staatlichen Lebens später vollziehen würbe; sie überblickten nur die erste Strecke des We­ges, und sie erfüllten eine Notwendigkeit, als sie Frie­drich Ebert zum ersten Präsidenten der deutschen Re- publik wählten.

Notwendig war diese Lösung, die in Weimar ge­funden wurde, um deswillen, weil die Aufgabe, die revolutionäre Bewegung abzudämmen und wieder gesetzliche Verhältnisse zu schaffen, das deutsche Volk aneine Freiheit in Selbstzucht zu gewöhne«' und zu der neuen Arbeit zu erziehen, am ehesten und um­fassendsten von einem Manne gelöst werden konnte, ber selbst den Schichten angehörte, die im November 1918" ben Vormarsch angetreten hatten. Das war die Mission, die Friedrich Ebert auf getragen wurde; er hat sich ehrlich um ihre Durchführung bemüht, und die Worte der dankbaren Anerkennung, die ihm nach seinem Tode die damalige Reichsregierung widmete, sanden auch in ben Kreisen, bie dem ersten Präsiden­ten der Republik politisch fernstanben, lebhaften Wi­derhall.

Wer sollte Eberts Nachfolger werden? Heute, fünf Jahre später,- scheint es uns, als ob diese Frage nur so beantwortet werden konnte, wie es schließlich am 26. April des Jahres 1925 geschah. Heute erkennen wir die schicksalhafte Bedeutung der Wahl Hindenburgs, heute wissen wir, daß sich damit ein geschichtliches Gesetz vollzog. Damals war man in beiden Lagern, bei den Gegnern ber Hindenburg-Kandidatur unb bei ihren Befürwor­tern, von dieser Erkenntnis noch weit entfernt. Spät erst taucht überhaupt der Name Hindenburg tm Wahl­kampf aus, unb als er in die Debatte geworfen wird, rufen die einen zu scharfem Abwehrkampf auf, die an­deren befürchten, daßbie historische und ehrwürdige Gestalt Hindenburgs nunmehr in bie Niederungen des politischen Tageskampfes" gezogen werden würde, die dritten können ihren Jubel nicht verhehlen, weil sie glauben, daß die Wahl des Feldmarschalls der erste Schritt auf dem Rückwege zur Monarchie fein werde, unb die Leute aus ber Wilhelmstraße schließ­lich haben aus außenpolitischen Gründen Bedenken gegen die Kandidatur. Sie alle irren, weil sie den Charakter Hindenburgs noch nicht richtig einzuschätzen wissen, weil sie bie Gründe nicht verstehen, die den Achtundsiebzigjährigen veranlassen, sich dem Rus, der an ihn ergeht, nicht zu versagen.

Der tiefe Sinn für Pflicht und Opfer »st ber Stern von Hindenburgs Wesen. Er wies dem Feldmarschall, der mehr als fünfzig Jahre hindurch ein seinem König treu ergebener Offizier gewesen war, den rechten Weg in den Novembertagen des Jahres 1918, als Königtum unb Kaisertum zufam- menbrachen. Tas Pflichtgefühl diktierte chm jenen Bries an Friedrich Ebert, der bie ganze Größe Hindenburgs entbüßt TieRettung unseres Vaterlandes vor dem drohenden Zusammenbruch" ist das höchste Ziel sei­nes Handelns. Sie zu erreichen, zögert ber Feldmar­schall, so sehr ihm auch das Herz dabei blutet, keinen Augenblick, feine persönlichen ®einungen unb Wünsche zurückzustellen. Er erklärt sich bereit, mit ber neuen Regierung zusammenzuar- beiten, er sühn das Heer zurück unb hilft so, bas Vaterland vor dem Untergang zu retten. Unb wie im Jahre 1918ft Hindenburg der große Pflichterfüller, als er bie Kandidatur für bie Reichspräsibentschast annimmt, als er nach der Wahl den Eid aus die Weimarer Verfassung leistet. Den Eid, der ihn zwingt, wieder seine persönliche Ansicht hintanzustel­len, weil ihn die Pflicht zu neuem Dienst am Va­terlande aufruft.

Aus schlichtem Pflichtgefühl gegen Volk und Vater­land wird Hindenburg, wie ber frühere Reichsmini­ster Dr. Külz einmal gesagt hat, ein treuer Die­ner auch bes neuen Staates. Ein treuer Diener unb ein Mahner, ber zur Mitarbeit beim Neubau bes deutschen Hauses, zur Einigkeit unb zur Ausschaltung aller egoistischen Regungen aufruft Fünf Jahre hindurch hat Hinbenburg nunmehr in diesem Sinne sein Amt verwaltet, er hat seine früheren Gegner längst entwaffnet, unb er hat einen großen

Der Gouverneur der Präsidentschaft Bombay, Sir Frederic Syl<.s, hat die Mobllisterung von 1&> Mann ber englischen Eiscnbahnregimenter in Indien angeordnet, bie erforderlichenfalls zur Verstärkung der regulären englischen Truppen herangezogen wer­ben sollen.

Hindenbmg-Ehrenmünze 1925/30

Die Hindenburg-Jubiläumsmedaille, die aus Anlaß des fünfjährigen Regierungsjubiläums des Reichspräsidenten von der Preußischen Staatsmünze nach dem Entwurf des Bildhauers Oskar Glöckler geprägt wurde.

Graf Zeppelins Lnglandfahrl

Eigener Drahtbericht