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Är. 96 / Zwanzigster Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

Arestag, 25. Aprkl 1930 / 1. Beklage

arbeitern ist $um guten Teil auf die geschwächte Kaufkraft der Landbevölkerung zurückzuführen.

Dann schilderte der Redner die Rot im beute scheu Osten und fügte hinzu, daß die ChrMick»- Raiionalen gerade di« Opfer für die Rettung des Ostens auf sich genommen hätten. Aber di: Arbeiterschaft erwarte, daß man auch ihr« Levens-- notwcndigkeiten respektiere. Die Unordnung in den Finanzen des Reichs dürfe keinesfalls durch Be-- seitigung der Erwerbslosenversicherung beseitigt werden, denn die Versicherung bewahre viele Fa- nttüen wenigstens vor der allerschwersten Not.

In den Landwirtschaftskammern müssen die Landarbeiter mit einem Dvitlel der Stimmen ver­treten fein, und ferner bedürfen die älteren Ar­beiter und Angestellten, die heute schwer Arbeit fin­den, besonderen gesetzlichen Schutzes. rgr. x

Eine gesunde Jugend

Sn einer so zwiespältigen Zeit wie Ser unsrigen, m der schon Sie Sinder von Partei jebdrn mehr frören wie früher die Erwachsenen, ist es gut und dienlich, wenn sich die Jugend fern allem politischen Treiben in Bünden zusam- menschlietzt, die neben ernster Berufsarbeit all das pflegen, was den Körper stählt und das Herz erhebt: Wandern« Turnen, Volkstanz und Gesang.

Der Jugendbund im G. D. A. zeigte uns ht seinem Jugend-, Eltern- und Freundes-Abend, welch gesunder (Seift ihn beseelt. Nachdem Herr Fröde die zahlreich er» fthtenenen Vertreter der Behörden, der Schulen, des Ar­beitsamts, des Gewerbeaufftchtsamts und der Presie be» grüßt, wies er darauf hin. daß gerade jetzt, in einer Zeit tiefster Wirtschaftsdevression, mehr denn je die Notwendig­keit besiehe, der Jugend den Weg zu weisen zu ernster Pflichterfüllung, zum unermüdlichen Vorivärtssireben. Nicht um den Beitrag sei es dem G. D. A. zu tun, sondern um den ganzen Menschen um feine Seele. Wenn iit die jungen Seelen durch ihren Führe gute Saat gelegt werde, fo werde sie darin aufgehen zum Nutzen des Einzel­nen und zum Wohle des Vaterlandes.

In Bunter Reihenfolge boten dann die ®. D. A.-Jungen und Mädel Liedervorträge, Volkstänze, iurnerifche und gnmnaftifche Vorführungen, die lebhafte Anerkennung san­den. Ern hübscher FilmErinnerringen an Nürnbergs lief, die Musik spielte frohe Weilen man unterhielt sich angeregt.

Unter dem Motto:

Wir kaffen ttuS nicht nnietlriegen

beleuchtete Reichsjugendführer Mewes - Berlin Re Ausga­ben, die der deutschen Jugend speziell der Kaufmanns- lugend heute gestellt sind. Schwerer denn je habe jeder Einzelne zu kämpfen, um vorwärts zu kommen. Da gelte es unermüdlich an sich zu arbeiten, rastlos zu streben, ttnt durch hervorragende Leistungen sich einen Platz zu errin­gen. Wenn ein Mensch nicht vorankomme im Berus, fei es meist auf mangelnde Aktivität zurückzuführen. Die Be- rufswettkämpfe feien neben der Freude und dem Streben zum Erfolg auch gerade für die jungen Menschen wertvoll, die durch sie zu der Erkenntnis gelangen, wie viel ihnen zur Vollkommenheit im Beruf noch fehlt. Dr. Eckener habe anläßlich des letzten Berufswettkamvfes des G. D. A. geschrieben:

Wir müffeu uuö wieder lieraufarbeiten. bereeffawleu s können wir «ns nicht. 1

Das fei eilt wahres Wort itirb der Mann, der eS geschrie­ben. habe durch sein Vorbild bewiesen, daß man auch in Notzeiten mit eiserner Energie Großes vollbringen könne. Man müsse immer das große Ziel vor Augen haben, dann werde der Einzelne durch ernste Arbeit an sich selber auch an der Zukunft des deutschen Volkes und dem Ausstieg des Vaterlandes bauen.

. Nach einem von Jugendführer Winter verfaßten, von entern Teil der ««ugendaruvve aefvrochenen Weckruf: Ar­beit und Jugend, Ser ist schönen Versen ein ernstes Gelübde ablegt, klang der Abend mit dem Deutschlandlied und einem Hoch aus Jugend und Vaterland aus. -ck-

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Der Schlaffer Heinrich K. aus Obervellmar, bet am 18. d. M. in Sachsenhausen (Walbeck) seine Braut Auguste Er., bie dort als Dienstmädchen beschäftigt war, durch Messerstiche verletzt hat, hat sich gestern der Kasseler Kriminalpolizei'freiwillig gestellt.

Silbernes Ehejubiläum. Der Schreiner Konrad Fenner uns Frau feierten ikhr Mernes Ghe- jub träum.

Wettervoraussage bis Samstagabend.

Wechselnd bewölkt, zeitweise noch etwas Schauer« neigung, bei welftlichcn Winden etwas frischer.

Wohin geben wir ent Sonnabend?

Staatstheater:Das Land des Lächelns", 19,30 tl6r. ' : Kleines Theater:Madame bat Ausgang", 20 Uhr.

Stadtvark: Gastspiel:Se. Hochwohlgeboren der Herr Mus­ketier", 20.15 Uhr.

Usa-Thenter: TonfilmWien, du Stadt der Lieder", Bei- Programm.

Hotel Schirmer:Allotria nm Mitternacht", 11 Uhr abends.

Bürgerschule 3, Luisensiraße 1: KniillgebirgSverein-Rhö»-- klub, Lichtbildervortraa, 26 Uhr.

Aeues aus Kassel

Kassel, 25. April.

Wahrhaftig, ich lebe...

Jedes Jahr so um bie Faschingszeit wan­dere ich nut einem überaus hoffnungsvoll grünem Formular zum zuständigen Polizeibüro. Ein freund- Uch-r Oberinspektor (nicht alle Oberinspektoren sind freundlich) bescheinigt mir dort durch saubere Na­mensunterschrift, daß ich lebe! Darunter setzt er mit vollendeter Akkuratesse ein respekterheischendes Amts- ftegcl.

Mir ist niemals so gewesen, .als ob ich längst ühS?»^be ich stets den Sängerinnen überlassen, die mehr ober weniger schön Brahms- sche Lieder ,mgen. Jeder aber sollte wissen: ein Manu, der täglich zum Frühstück ein gekochtes Ei und zwei schinkenbutterbrote in vorsintflutlichen Dimensionen ißt, hat mit dem Grabe wenig zu schaf- fen. (Unter uns gesagt, sind bie landwirtschaftlichen fctntergrunbe meiner Schwiegermutter die Lösung des opulenten Frühstücksrätsels.) Dem Versorgunqs-

J?!eferr konkrete Frühstücksbeweis ber SUtenfee. Ihn zu beruhigen, muß das Opfer des Amtssiegels gebracht werden. Nur aus einem sauberen Amtssiegel läßt fick mit Scharf- sinn die Enstenz eines selten an Appetitlosigkeit lei­denden Mannes folgern.

, Warum das Versorgungsamt das Bedürfnis zu solchem ÄUiswand an unanfechtbarer Logik hat?

Kurz ist es gesagt. Es war in einer milden "acht tm Juni des Jahres 1916. Der Donner des großen Verdunangriffes war verhallt. Ich hatte mi­litärische Beschäftigung im Rabenwalde gefunden. Von den Bäumen waren nur phantastisch zersplit- terte Stümpfe übrig geblieben. Ein unmanierlicher Franzose brachte es trotz der friedlich schönen, von Leuchtraketen und Sternen überblühten Nacht fer­tig, mir unversehens eine Handgranate an den Kopf Zu werfen. Und diese Handgranate wiederum ge­nierte sich keinen Augenblick, mit gläsernem Getöse zu explodieren. Blaue, grüne, rote und gelbe Flam­men tanzten vor den Augen. Später zeigte sich, daß für ein Auge sogar das sanfte Licht des Tages für immer erloschen war.

Für das richtige Sehen beziehe ich allmonatlich eine .Kriegsentschädigung". Die Gegenleistung be­steht nun darin, daß ich mein Dasein alljährlich be­scheinigen und durch einen Oberinspektor mit einem Stempel versehen lasten mutz.

Ich kann mir indes nicht vorstellen, datz das wie Scherz, Ironie, Satire anmutende Verlangen einer hohen Behörde ohne tieferen Sinn und Bedeutung sei. Schließlich finde ich beides darin: es ist für einen Menschen von großem Nutzen, wenn ihm von Zeit zu Zeit attestiert wird, daß er wirklich lebt. Man vergißt es oft allzu leicht.

Und nie und nimmer ist eine moralische Wir­kung zu leugnen, wenn man die gestempelte Beglau­bigung des Daseins schwarz auf grün in der Tasche trägt. Das Lebensbewußtsein schwillt dabei an wie der infernalische schwarze Pudel in Faustens Stu- bierftube. Es strafft sich der Schritt. Es hebt sich die Brust. In neuem Glanz erstrahlt das Äug' (das «och übrig ist.) Ein blütenduftender Frühling neuer Lebensgefühle senkt sich auf das sieghaft emporge- redte Haupt hernieder. Und all das ist gestempelt.

Reich, Staat und Gemeinde sollten die Nutzan­wendungen aus diesen pfvchologischen Wirkungen ziehen. Aus dem beliebten, manchmal ein wenig leichtfertig eingeschlagenen, Wege der Gesetzgebung müßte jeder jüngerer Bürger, Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, gezwungen werden, von Zeit zu Zeit sich selbst amtlich beglaubigen zu lassen.

Es gäbe dann sicherlich viel weniger Leute, die immer ein wenig im Halbschlaf durchs Dasein irren. Volksrednem, die sich des Problems annehmen wol­len, stelle ich gratis und franco noch folgenden Satz zur Verfügung: .Ein auf diese Weise leicht errun­genes Plus an Daseinsgewißheit dürfte .letzten En­des" eine Erhöhung der Produktion auf der ganzen Linie und die feit langem vergeblich erstrebte Akti­vierung unserer Handelsbilanz zur Folge haben..."

Als Kassel eine Rennbahn hatte...

... und was von ihr noch übrig blieb

Die alte Rennbahn mit den Bogengängen und den Reiterstandbildern

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Ein buntes Bild bot ehemals die von dem baulu­stigen Landgraf Moritz 1592 geschaffene, südwestlich von dem jetzigen Regierungsgebäude am Eingang des Aueparks gelegene halbkreisförmige Rennbahn, mit anschließenden Laubengängen, auf derRingel- Rennen und Pferdeturniere", aber auch Massenver- eioigungen aus Anlaß eines jeweiligen Regierungs­wechsels abgehalten wurden.

Im Jahre 1763 fand auf Befehl Friedrichs II. eine völlige Umgestaltung des Geländes statt. Du RY, der Baukünstler des Fürsten, versah die alte Renn­bahn mit einem Triumphbogen, mit Statuen, Tro­phäen, Obelisken und Vasen. Von jetzt ab diente die 750 Fuß lange und 204 Fuß breite Fläche als Para­deplatz für die Kasseler Garnison.

Hier sanden die von Bildhauer Nahl, nach den in Rom befindlichen Originalen gefertigten Standbilder,-

die Kolofsalstatue der antiken Pferdebändiger, die heute noch die Hauptallee des Aueparks zieren, ebenso die mächtigen Fechterstatuen, die gleichfalls heute noch vorhanden sind, Ausstellung.

Diese prächtige und einzigartige Anlage wurde während der französischen Fremdherrschaft zum Leid­wesen eines Teiles der Kasseler Bevölkerung vollstän­dig zerstört.

Sehr bemerkenswert sind die auf alten Stichen befindlichen Fassaden der die Kolonnaden einschlie­ßenden Häuser, mit links und rechts aufsteigenden, mit eisernen Geländern versehenen Freitreppen. Das alles aber fiel der Zeit zum Opfer und wenn heute die Straßenbahn durch die Kolonnaden klingelt, denkt niemand mehr an die Romantik der landgräs- lichen Rennbahn. Gustav Wentzell.

und so sieht die prächtige Anlage heute aus

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Die Aufgaben der chnstl-nattanalen Arbeiterschaft

Die christlich-nationale Arbeiterschaft hat es sich zur Aufgabe gewacht, die wirtschaftlichen Belange ihrer Mitglieder zu vertreten. Aber weit über diese Aufgabe hinaus geht das weitere Programm, das Landtagsabgeordneter Lindner am Don- n erstagabend entrollte. An erster Stelle stehe die Anerkennung der Staatsbürgerpflichten, nicht ans Zwang, sondern aus dem Bewußtsein, daß der

Staat das höchste Gut ist. Aber darum sei es nicht nölig, ihn unbedingt so zu nehmen, wie er ist. Mit­arbeit am Staat bedeutet aber heute Mitarbeit im Parlament, und so wird die Wahlpflicht zu dop­pelter Pflicht Die politische Gleichberechtigung habe man erkämpft, jedoch noch nicht die gesell- schaftliche. Aber absolute Gletchberechtli- g u n g sei die Voraussetzung, daß unser Vaterland seine Einheit, Größe und Ireiheii wiedererhält.

Die christlich-nationale Arbeiterbewegung über­läßt ihren Mitgliedern, welcher politischen Partei

sie sich anschließen wollen. Aber sie verlangt Auf­richtigkeit und Sachlichkeit von den Parteien. So Wurde die Arbeiterschaft über die Bedeutung der Landwirtschaft immer im unklaren gelassen. Heute steht es so, daß der Großgrundbesitz, besonders in der Ostmark, verschuldet ist, und der Kleinbauer nur durch zermürbende, ununterbrochene Arbeit die Verschuldung abwenlden konnte, die gskommen Ware, wenn er und seine Familie nicht all» Arbeit selbst getan und bezahlte Hilfskräfte eingestellt hatte. Die Erwerbslosigkeit unter den Judustrie-

heißt in unseren Cigarettenfabriken

OVA-MÄDCHEN

denn ihre Cigarette ist die REEMTSMA CIGARETTE

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