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Hessische Abendzeitung

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Nummer 95

Donnerstage 24. April 1930

10. Jahrgang

Sachsen fordert Oemonstrationsverbot

Oie Lehren von Leipzig / Ausbreitung der Unruhen in Indien / Ein Deutscher stellvertretender Generaldirektor der BIZ.

Versöhnende Geste der Gläubiger

(Eigen, Drahtmeldung.)

Reichsinneiminisierlum lehnt ab?

tEigeue Draht Meldung.)

i Berlin, 24. April.

Die sächsische Regierung ist lautVorwärts" an- lählich der kommunistischen Ausschreitungen in Leip­zig an das Reichsinneuministerium mit dem Ersuchen herangetreten, bei den Länderregierungen ein Ver­bot der Demonstrationen zum 1. Mai, so­weit sie unter freiem Himmel abgehalten werden sol­len, anzuregen

Am Reichsministerinm des Annern besteht, dem gleichen Blatt zufolge, angesichts der Haltung der preußischen Regierung, die au ein derartiges Verbot nicht denkt, keine Neigung, dem Ansinnen der sächsischen Regierung zu entsprechen. Seine eNdgülti- ge Stellungnahme wird das Reichsministerium des Snneten nach der Rückkehr des Reichsinneuministers Dr. W i r t h nach Berlin bekannt geben.

*

Merseburg, 24. April. Die Belegschaft des Leuna- tverkes hat es abgelehnt, am L Mai zu feiern. 44 Prozent der Belegschaft stimmten für, 46 Prozent ge­gen die Arbeitsruche. 10 Prozent haben nicht abge­stimmt.

Dor 1. Mal in Preußen

Berlin, 24. April.

Das Preußische Staatsministerium hat beschlossen, daß für die Regelung des D i e n sie 5 am 1 Mai die Bestimmungen des Jahres 1923 auch für das laufende Jahr und bis auf weiteres gelten. Danach haben Be­amte, Angestellte und Lohnempfänger, die zur Teil­nahme an einer Feier am 1 Mai dem Dienst fern bleiben wollen, bei chrem Diensworgesetzten um Befrei­ung nachzusuchen. Solchen Anträgen ist grundsätzlich zu entsprechen, wenn die notwendige Fortführung des Dienstbetriebes nicht in Frage gestellt wird. Bewll- ligte Freizeit ist den Beamten und Angestellten auf den Erholungsurlaub anzurechnen. Von der Anrech­nung auf den Erholungsurlaub und von Lohnkürzung bei Lohnempfängern kann abgesehen werden, wenn die versäumten Arbeitsstunden anderweitig nachgeholt werden. Eine Anrechnung auf den Urlaub oder eine

Lohnkürzung sollen nicht erfolgen, sofern auch für reli­giöse Feiertage, die nicht zugleich gesetzliche Feiertage sind, eine Anrechnung oder Lohnkürzung nicht statt­findet.

Befatzungstruppen sprengen Muniiion

Erhebliche Sachschäden.

Trier, 24. April.

Gestern vormittag wurde Trier plötzlich durch ei­nen gewaltigen Schlag erschüttert. Die französische Besatzung hatte auf dem ehemaligen deutschen Exer­zierplatz Grüneberg eine Anzahl von Fässern mit al­ten Sprengstoffen durch Sprengung vernichtet. Die Sprengung riß einen Trichter von vier bis fünf Meter Tiefe und zehn bis Müls Meter Durchmesser am oberen Rande. Die Explosion wurde viele Kilometer weit gehört, brachte die Häuser zum Schütter» und die Fensterscheiben zum Klirren.

Außer sechs Häusern der staatlichen Domäne Avelsbach wurde auch an einem auf dem Exerzier­platz selbst stehenden Wirtschaftshaus schwerer Schaden angerichtet. Die Fenster wurden zertrüm­mert, die Türen beschädigt, die Gesimse teilweise her­ausgerissen, im Innern Möbel und Geschirr beschädigt. Schwer gelitten hat auch das Borwerk des Gutes Erünhaus. Hier wurden mehrere Decken durchbrochen, die Fensterscheiben zertrümmert und Schaden an Mö­beln und Geschirr angerichtet. Ein Knecht des Vor­werks, der sich auf dem Heimweg befand, wurde durch die Explosion vom Pferd geworfen und blieb schwer verletzt liegen. In verschiedenen Orten der um­liegenden Taler wurde Schaden an Fensterscheiben und Schornsteinen angerichtet.

Die Besatzung hatte den deutschen Behörden von der beabsichtigten Sprengung keinerlei Mitteilung ge­macht, so daß diese nicht in der Lage waren, irgend­welche Vorkehrungen zu treffen. Gestern nachmittag haben Kommissionen der deutschen Behörden und der französischen Besatzungsbehörden die Schäden im ein­zelnen festgestellt

Blutige Unruhen in Indien

Eigener Drahtbericht.

Bombay, 24. April.

Die Unruhen in Indien haben nunmehr auch aus Peschawar, die wichtigste Stadt in Rordwestindien, übergegriffen. Als die Polizei gegen Freiwillige, die sich gegen die Salzgesetze Verstöße zuschulden kommen ließen, vorging und sie auf einem Lastkraft­wagen ab^ransportiereu wollte, wurde sie von einer großen Menschenmenge mit Steinwürfen angegrif­fen. Zwei Panzerwagen wurden von der Menge mit Petroleum übergossen und in Brand ge­steckt, wobei die beiden Führer ums Leben kamen.

Nachdem die Menge einen Angriff auf die Poll zeiwache und das Telegraphenamt unternommen hatte, wurden Truppen ausgeboten, aber erst nach dem ein Maschinengewehrfeuer eröffnet war, konnte die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt werden. Rach den osfziellen Angaben sind 20 Personen getötet worden, doch rechnet man mit einer weit größeren Zahl von Opfern. Panzerwagen durch­ziehen die Straßen von Peschawar, um neue Un­ruhen im Keime zu ersticken.

Kalkutta, 24. April. Auf das Gerücht hin, daß der nationalistische Bürgermeister von SuUutta Gupta und der Kongreßführer Bosi schwer erkrankt oder gestorben seien, hatte sich vor dem Gefängnis ist Kalkutta eine riesige Menschenmenge angesammelt, lie unter ungeheurem Lärm die Uebergabe der Ge- angenen oder ihrer Lerchen forderte. Die ungeheure Menschenmenge vor dem Gefängnis brachte in diesem Stadtleile den Verkehr vollständig zum Stocken. Alt schließlich die Polizei eingriff, konnte die wütende Volksmenge zerstreut werden.

Gandhis Sekretär verhaftet

Bombay, 24. April.

Die Zeitung »Bombay Chromele* meldet aus Ahmedabad, daß Gandhis Sekretär Mahadev D e- >ai. der bei dem Auszug des Mahatma als stell­vertretender Leiter des Seminars zurückgelaffen Worden war, zusammen mit sechs Freiwilligen ver­

haftet worden sei. Die Verhaftung erfolgte, als die sieben Personen mit Säcken gesetzwidrig hergestellten Salzes unterwegs waren.

Zwei Millionen starben den Hungertod

London, 24. AprU.

Bei der Hungersnot in dem chinesischen Hunger gebiet der Provinz Schaust sind 2 Millionen Men­schen ums Leben gekommen, wie aus einem Bericht des Sekretärs des für Hilfeleistung gebUdeten Aus schuffes hervorgeht. Die Berichte über die Frühjahrs­ernte lauten zwar günstig, es konnte jedoch nur ein Fünftel des verfügbaren Bodens angebaut werden. Infolge der Hungersnot sind viele Frauen und Mäd­chen in andere Gebiete verkauft worden. In dem Berichte eines Mi^ionars wird mit geteilt, daß sich zahlreiche Fülle von Kanibalisrnus ereignet haben.

Zuckerbrot für die Rotarmisten

Kowno, 24. April.

Nach Moskauer Meldungen hat das Präsidium des Zentralvollzugsausschusses der Sowjetunion eine Reihe von Verfügungen mit Gesetzeskraft erlassen, die sämtlichen Angehörigen der Roten Armee, so­wohl den aktiven roten Armisten, wie den zur Dis­position gesellten und den Angestellten der Heeres­verwaltung zahlreiche neue Vergünstigungen und Vorteile gewähren. Auf dem Gebiete der Landwirt­schaft, der Arbeit, der Versicherung, der Bildung, be- Wohnungsbeschaffung, der Steuer und der Wohl­fahrt genießen alle Angehörigen der Armee weitge­hende Vergünstigungen.

Tiefer auf Veranlassung Stalins gefaßte Gesetzes­beschluß wird mit der Unzufriedenheit in Zusammen­hang gebracht, die der Zickzackkurs der Stalinschen Wirtschaftspolitik in der Roten Armee hervorgerufen hat. Sie sind ein Eingeständnis dafür, daß Stalin sich zu neuem Entgegeukommen gegenüber dem Heer gezwungen sieht, dessen Stimmung in der letzten Zei teilweise bedrohlich geworden sein soll,

Bafel, 24. April.

In der gestrigen Sitzung des BerwaltungSrats der BIZ» die erst gegen Mittag begann, wurde nach ra­scher Erledigung der Personalfragen die Frage der Emission der Aktien der Bank und der Aufle­gung der Obligationen beraten. Es herrschte die An­sicht vor, daß zunächst die Aktien begeben werden sol­len, und zwar acht Tage nach der vollständigen Rati­fikation des Youngplanes durch sämtliche Staaten, also auch durch Italien und England. Die Emission soll etwa zu pari erfolgen, doch soll der Emissions- preis in der Weise bestimmt werden, daß die Emif- sionskosten gedeckt werden. Dies dürfte umso eher er­reicht werden, als schon heute eine rege Nachfrage nach ben Aktien besteht. Sobald die Ostreparationsfragen in Paris erledigt sind, soll mit der Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien ein Treuhänderabkommen in der Art des bereits mit den sieben Gründermächten der BIZ. bestehenden abgeschlossen werden.

Bekanntlich besteht das Gründungskapital der Bank aus 200 000 Aktien im Nominalwert von je 2500 Schweizer Franken, wovon die sechs Gründer- mächte sowie die amerikanische Bankengruppe je 16000 Stück erhalten.

Ueber die BesoldnngSsrage erstattete Reichs­bankpräsident Dr. Luther einen Bericht, ferner berich­tete der Präsident des Verwaltungsrats, Mac Gar- rah, über Fragen der inneren Organisation. Wie hieraus hervorgeht, sollen sich aus der Einrichtung ber BIZ. erhebliche Ersparnisse gegenüber bem Regi­me unter bem Dawesplan ergeben, da eine bedeutende Personalverminderung eintrete.

Zum stellvertretenden Generaldirek- t o r wurde ber Deutsche Dr. Hülfe gewählt, wäh-- tenb ber Italiener Pilotti als Generalsekretär der

und eiltet ber Direktoren an der Spitze des Bank, Departements ist ber deutsche Direktor Dr. Hülse. Er hat daneben den Titel und die Vollmachten eines stell­vertretenden Generaldirektors, ähnlich, rote ja für das Reichskabinett auch ein stellvertretender Reichskanzler ernannt worden ist. Praktisch wird der Stellvertreter des Eeneraldirekwrs nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit einer Einwirkung auf dis Dispositionen des französischen Generaldirektors haben. Aber durch feine Ernennung sollte offenbar dem Ge- danken einer paritätischen Aemterverteilung Rechnung getragen werden. Daß diese Absicht bei der Er­nennung bestand, geht auch daraus hervor, daß in dem Poungplan die Stellung eines stellvertretenden Generaldirektors überhaupt nicht vorgesehen war, son­dern vom Verwaltungsrat jetzt neu geschaffen wor­den ist.

Die Berliner Presse bewertet diese Ernennung lediglich als eine versöhnende Geste. Man weist darauf hin, daß die Machtbefugnisse des stellvertre­tenden Generaldirektors stark umgrenzt sind, so daß er wohl kaum mehr als eine bloße Repräsentationsfigur bildet. DieGermania" betont, dieser Posten sei offenbar aus tattischen Gründen geschaffen worden. Die wichtigste Aufgabe ber Bank sei, nach den Sta­tuten bes Houngplanes ein brauchbares Werkzeug zur Förderung der internationalen finanziellen Beziehun« gtzNM bilden. Daneben müsse die Bank auch einmal schwerwiegende Entscheidungen über Moratorium ober Revisionen treffen, an denen Deutschland bekanntlich auf das Stärkste interessiert sei. Hier komme es auf ein wirkliches überparteiliches Funktionieren der Bank an, und gerade darum erscheint es, so betont die Germania" zweifelhaft, ob die soeben erfolgte Trost­lösung wirklich den deutschen Wünschen entgegen­

Ole Männer, -le -le Internationale Reparations-Bank leiten

- iw

Vizepräsident Carl Melchior-Deutschland.

Generaldirektor

Pierre Quesnay-Frankreich.

Vizepräsident

Charles Addis England

Bank in Aussicht genommen ist. Die Abteilung für Em iss io ns- und Jnvestitionsfragen soll der Belgier Paul van Zeeland übernehmen.

Aepräsenlationsfigur oder mehr?

Ein Deutscher stellvertretender Generaldirektor.

fh. Berlin, 24. April.

Der gestern vom Verwaltungsrat der Bank für internationale Zahlungen in Basel zum stellvertreten­den Generaldirektor gewählle Reichsbankdirek­tor Dr. Hülse steht im 49. Lebensjahre und ist seit 1906 im Dienste der Reichsbank. Er war zuletzt, nach mehrjähriger Tätigkeit in Reichsbankhauptstellen der Provinz, seit 1926 Referent beim Reichsbankdirek­torium. In dieser Eigenschaft hat er in Baden-Baden und im Haag an ben Besprechungen teilgenommen, die zur Errichtung der Bank für Internationale Zahlungen geführt wurden.

Die Ernennung eines stellvertretenden Direktors der Bank für internationale Zahlungen ist als eine Konzession an den deutschen Stand­punkt zu betrachten. Man wird zwar in dieser Er­nennung nicht einen Ausgleich dafür finden können, daß die deutsche Forderung nach Ernennung eines neutralen Generaldirektors abgelehnt worden ist, immerhin haben die Vertreter der Gläubigermächte im Verwaltungsrat damit ihren guten Willen bewei- en wollen.

Jetzt ist nach der Ernennung des deutschen stellver­tretenden Eeneraldirektors die Lage so, daß an der Spitze bei einzelnen Departements Direktoren stehen

kommt. Auch dieDeutsche Tageszeitzing" betont, di« Wahl des Deutschen zum stellvertretenden General­direktor sei offenbar als Pflaster auf die Wunde ge­dacht, die durch die Ernennung eines Franzosen zum Generaldirektor aufgerissen wurde. In Wirklichkeit werde auch dadurch keineswegs ein Gegengewicht ge­schaffen.

Oer Locarno-Hatter verschwunden!

Paris, 24. April.

Der goldene Füllfederhalter, mit dem seinerzeit die Unterzeichnung des Locarnover« träges vollzogen wurde, ist spurlos verschwunden. Der Haller, der Vie Form einer Gänsefeder halle, blieb im Besitze der Stadtverwaltung von Locarno. Er wurde jedoch gelegentlich der FriedensausstMung im Haag im Februar d. I. der Ausstellung geliehen und kam nicht wieder in den Besitz der Stadt Locarno zurück. Man nimmt an, daß der historische Halter cnnDtber gestohlen oder verloren gegangen ist.

Ole Kammer macht Lteberstunden

Sozialgesetze angenommen.

Paris, 24. April.

Mit 547 gegen 29 Stimmen nahm die Kammer ge­gen 7_ Uhr srüh nach 9%ftünbtger Rachtsitzung die Ge­setze über die Sozialversicherungen an. Ministerpräsi­dent Taibieu gab in einer kurzen Erklärung sei­ner Befriedigung über bte Annahme der Gesetze Aus­druck. Das Haus vertagte sich aus heute nachmittag, um die von der Regierung eingebrachte Vorlage über die Steuerermäßigungen in Angriff zu nehmen.