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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung -SM. Hessische Abendzeitung
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Nummer 92
Sonnabend Sonniag> 19. 29. April 1930
20. Jahrgang
Bn'ands Paneuropa-Aktion beginnt!
Das Memorandum des französischen Außenministers fertiggestellt / Polen protestiert in Genf wegen der deutschen Zollerhöhungen
Mehr Vertrauen in die Zukunft!
Oster» ist bas Fest der gläubigen Znverstcht, bas Fest des erroadjeaben Frühlings. Mag die Gegen- wart auch trübe unb beschwerlich fein, der Glaube an eine beffere Zukunft darf nicht verloren werden. Mehr Vertrauen tr die Zukunft! — das ist der Wunsch, den alle Verantwortungsbewutzteu für unser Volk hegen.
Geh. Prof. Or. Adolf v. Harnack
Präsident der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften.
Die unermüdliche Schaffenskraft, die Energie und der unhemmbare Arbeitseifer des deutschen Volkes be- Lründen meine v al l e Zuversicht auf die Gesnn- Lung, auf die materielle und i d ee l l e Z u - k u nf r unseres Volkes. Dieser Glaube wird durch die Tatsache noch gefestigt, daß sich mit dem Fleiß und der Tatkraft ein starker Reichtum an Gedanken und Fd een verbindet, der all das. Weltmacht, wodurch wir den anderen gegenüber infolge unserer Armui und unserer Verpflichtungen gehemmt sind. Mit diesem Rüstzeug wird sich Deutschland seine Zukunft Lauen!
Df. Paul Moldenhauer
UniversitStsprofeffor, Reichsfi,mnzminister.
Unmittelbar vor Ostern hat der Reichstag mit sehr knapper Mehrheit die Steuervorlage und das Agrar- Programm in draller Lesung verabschiedet. Damit ist tzer Anfang zu einem großen Werk gemacht. Tie Sieuervorlage soll die Kassensanierung bringen, soll die Unsicherheit nehmen, die infolge der dauernden streditschwierigkeiten des Reiches über der ganzen Wirtschaft lag. Sie bildet nur den Anfang zu einer Finanzreform, deren Ziel die Entlastung der Wirtschaft auf beiden Wegen der Ausgaben- und der Steuersenkung sein soll. Große Hinderniffe gilt es auf diesem Wege aufzuräumen. Aber der feste" Wille, zum Ziel zu gelangen, ist vorhanden. Die zweite Aufgabe ist die A g r a r r e f o r m und die H i l s e für den Osten Die Agrarkrise, die heute die ganze Welt erschüttert, drohte, den deutschen Markt mit den Ueberschüflen des überseeischen Getreidebaues zu überschwemmen und die verheerenden Wirkungen in unserer Landwirtschaft hervorzurusen. dkachdem der erste Damm gegen diese Brandung bereits unter der alten Regierung im Mär; errichtet war, lasten die jetzt angenommenen Gesetze die Hoffnung zu, daß die Gefahren von der Landwirtschaft abgewendet werden, damit aber auch der gesamten deutschen Wirtschaft neue Stärke und Kraft verliehen wird. Sollen wir deshalb nicht hoffnungsvoll das Osterfest begehen? Es gilt, den Pessimismus, der breite Schichten der Bevölkerung ergriffen hat, zu überwinden und das deutsch? Volk mit neuem Glauben an seinen Wiederaufstieg zu erfüllen.
Geheimrat Dr. Stimming
Vorsitzender des Vorstandes des Norddeutschen Lloyd- Bremen.
Es ist nicht zu verwundern, daß es in einer Lage wie der heutigen, wo die Auswirkungen einer weltwirtschaftlichen Krise in Deutschland auf eine außen- und innenpolitisch bedingte Tiefkonjunktur treffen, so manchem Unternehmer, der bisher allen Widerständen zum Trotz um die Durchhaltung seines Betriebes rang, schwer wird, weiter an die Zukunft zu glauben, und daß in einer solchen Zeil so mancher Geistes- und Handarbeiter, der trotz sittlichen Arbeitswillens und unbestreitbarer Tüchtigkeit keine Gelegenheit findet, das tägliche Brot zu erwerben, bei der Verweisung auf den Glauben an die Zukunft mit den bitteren Worten antwortet: etetne statt Brot!
Man sollte Demgegenüber doch nicht vergessen, Rückschau zu halten. Wer kann die ungeheure Leistung der deutschen Volkswirtschaft und den ungeheuren Wert der deutschen Einstellung aus Arbeitsleistung bestreiten? Wer muß nicht zugeben, daß die deutsche wirtschaftliche Rüstung als solche in Ordnung ist, besser in Ordnung, als die eines der größten Siegerländer, die noch ungeheure Kapitalien wird investieren müssen, um ihre Betriebe in den Einrichtungen auf die Höhe der unsrigen zu bringen? Selbst die katastrophale Lage der Landwirtschaft wird sich, wenn auch vielleicht in einem langwierigen Gesundungsprozeß, schließlich heilen oder zumindesten wesentlich bessern lassen Die Hälfte aller Schwierigkeiten wird in dem Augenblick behoben sein, wo wir wieder an uns und an unsere Zukunft zu glauben wagen und rücksichtslos alles aus dem Wege räumen, was der zu- kunstsfrohen Betätigung unseres Lebenswillens im Wege stehl. Eins ist auf jeden Fall unbestreitbar: Ein Land, das Kredit, d. h. Glauben anderer an seine wirtschaftliche Zukunft braucht, versucht Selbstmord, wenn eS hoffnungslosem Pessimismus Raum gibt und solchen Pessi
mismus wohl gar, wie es manchmal scheint, zum nicht laut genug zu verkündenden Glaubenssatz erhebt!
Max Rostiger
Mitglied des Reichswirtschaftsrates, Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik im G. D. A.
Unsere Lage ist schwer. Vorbelastet mit Kriegsver- Inst und Wiedergmmachungsverpflichrungen kämpfen wir tn Europa um wirtschaftliche Behauptung gegenüber der amerikanischen Wirtschaftsmacht. Wir brauchen Kapital und Zeit. Die Steuerlast ist groß, und ganz Volksteile, wie z. B. die Landwirtschaft, verlangen Hilfe aus besonderer Not.
Auf den Straßen stehen immer noch zwei Millionen Arbeitslose, und die Altersgrenze für Beschäfii- gungsausstcht in der Wirtschaft wird besonders für den Angestellten immer tiefer herabgedrückt. Und dennoch Wer im wirtschaftlichen und sozialen Leben fleht, spürt, daß es nicht der Anfang des Hineinglei- tens in eine Katastrophe, nicht das Versagen > eines Körpers ist, der den Anforderungen einfach erliegt,
Bukarest. 19. April.
Die ganz aus Holz gebaute Kirche der rumänischen Gemeinde Eoftesri ist gestern abend während des Sarsrei-iagsgottesdienstes in Flammen aufge gangen. Dem furchtbaren Brandunglück fielen fast 100 Menschen, Männer, Frauen und Kinder, zum Opfer. Der Brand soll durch eine der brennenden Kerzen verursacht worden feilt, die sämtliche Gläubigen während des Gottesdienstes in den Händen halten. Tas 100jährige hölzerne Gebäude war in wenigen Augenblicken in Flammen gehüllt Die nach innen sich öffnende Tür fiel zu und komire infolge des Ansturmes der Flüchtenden nicht «ehr geöffnet
sondern es ist eine GenerationKkrise, durch eine Reihe unglücklicher Zusammentreffen und auch durch eigene Kurzsichtigkeit verschärft.
Abgesehen von ebenso törichten wie billigen, inter- essant-sein-sollenden Schwarzmalereien, fehlen all« Anzeichen eines in seiner inneren Kraft zermürbten Volkes. Wir sind belastet, aber der Mutterboden ist gesund. Und die feil Kriegsende vollbrachten Wiederaufbauleistungen sind ungeheuer.
Wir stehen zu nah, und unter der Tagesnot verlieren wir ost die Linie aus dem Auge. Das gilt auch für die sozialen Auseinandersetzungen. Sie sind ein Plus in unserem kulmrellen Leben. Nur ein innerlich gesundes Arbeitnehmermm ringt so zäh nicht nur um soziale Leistungen, sondern auch um ideelle Begriffe wie „Miwerwaltung und Mitbestimmung-. Nur kräftige Schichten rühren sich geistig so. Es geht ein starker Zug schövferischer Gestaltungsfreude durch die breiten Volksmassen. Das darf uns auch der durch Jnteressentengegensätze verschleierte Blick nicht trüben. Wir ziehen überall neue Pfosten in die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ein.. Wir wälzen schwere Steine, aber wir zerfallen nicht. Der Hunger der Masse nach Höherentwicklung verbürgt uns den Ausstieg.
(Weitere Antworten auf unsere Umfrage siehe Seite 2.)
Zm Hinblick darauf, daß der deutsche Reichstag in seiner Sitzung vom' 14. April in dritter Lesung ein Gesetz annahm, welches starke Zollerhöhungen vorsieht, hat der ständige Delegierte Polens, S o k a l, nun eine neue Note an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet, in der es heißt:
Noch arbeitsreichen Verhandlungen in Eens hatten die an der Konferenz zur Herbeiführung einer gemeinsamen Wirtschastsakiion vertretenen Staaten eine Handelsübereinvinft unterzeichnet, in der sie sich verpflichteten, ihre Handlungsfreiheit auf dem Gebiete der Zollgesetzgebung zu beschränken. Dagegen hat nun der deutsche Reichstag in seiner Sitzung vom 14. April in dritter Lesung eine Regierungsvorlage angenommen, nach welcher sehr starke Erhöhungen der Zolltarife vorgesehen sind, die den polnischen Export treffen. Wegen dieser Tatsache und unter Bezugnahme auf die Unterzeichnung des am 24. März in Eens angenommenen Abkommensentwurfs hat mich meine Regierung beauftragt, mit» Meilen, daß gegenüber der Lage, in der Polen unter das Handelsübereinkommen seine Unterschrift sktzte, eine völlig neue Lage geschaffen worden sei.
*
Zu dieser Genfer Meldung wird von Berliner zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt: Bekanntlich ist die Genfer Uebereittiunft bisher weder für Deutschland noch für Polen verpflichtend. Die Frist für die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden läuft am 1. November ab, und erst in einer für die Zeit zwischen 1. und 15. November geplanten Konferenz soll über die Inkraftsetzung des Abkommens entschieden werden. Aber selbst wenn die Genfer Beschlüsse schon Gültigkeit hätten, würde die polnische Regierung keinen Anlaß zum Protest haben, da der Abkommens- entrourf vom 24. März 1930 keine Festlegung auf die bestehenden Zolltarife bedeutet, sondern die Staaten nur zur Mitteilung von Zollerhöhungen anhält, worauf neue Verhandlungen erfolgen sollen. Heber« dies bestätigt die Konvention ausdrücklich die Handlungsfreiheit der Staaten bei „unvorhergesehenen dringenden Umständen".
werden. Es spielten sich die furchtbarsten Panitszenen ab. Die Priester im Ornat versuchte« vergebens, die tobende Menschenmaffe zur Besinnung zurückzurufen bis fie schließlich selbst vom Rauch erstickt und bereit# von de« Flammen erfaßt zu Boden sanken. Rur drei Personen vermochten sich zu retten und HUfe herbeizuholen. Da die Kirche außerhalb des Dorfes liegt, war von der Katastrophe nich S bemerkt worden. Als Feuerwehr und Rettungsmannschaften aus der benachbarten Stadt Pitesci eiu« trafen war die Kirche nur mehr ein rauchender Trümmerhaufen, uitzer dem 100 Menschen begraben lagen.
3« neuen Ufern
W. P. Auferstehung läuten feie Osterglocken; Glauben an Wiedergeburt, an neues Wachsen unfe Reifen predigt die Natur ringsum. Und wir brauchen diesen Osterglanben, dieses Hoffen, mit feem das Oster- erlebnis unser Leben erhellt! Niemand erfüllt uns unsere Wünsche, wenn wir nicht selbst mutig, glaubensstark unfe zuknuftsfroh für ihre Erfüllung kämpfen, an ihrer Verwirklichung Mitwirken. Wer wollte für uns heute noch feie Rolle des freundlichen Oster- hasens spielen, der uns einst, in unserer Jugend pünktlich und zuverlässig das bescherte, was feas junge Herz an bunten Kleinigkeiten begehrte! Auch dieses Märchen ist wie so viele andere längst zu Ende geträumt. In dem harten Kamps ums Dasein, den fefeer von uns und wir alle, die wir Glicfeer eines Volkes sind, vereint tagtäglich zu kämpfen haben, ist für Wunder und Zeichen kein Raum. Bon uns, von unserem Wollen unfe Handeln allein hängt unsere Zukunft ab!
„Mehr Vertrauen indieZukunft". Diese Mahnung ist das Leitmotiv in den Osterbetrachtungen, mit denen sich heute führende Persönlichkeiten fees politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, an unsere Leser wenden. Grundfalsch wäre es natürlich, wenn man annehmen würde, feaß mit dieser Mahnung einem oberflächlichen Optimismus Vorschub geleistet werden sollte. Die Schwierigkeiten und Widerstände, feie sich dem deutschen Volke bei feiner Wiederausbau- arbett entgegenstellen, müssen in ihrer ganzen Größe erkannt wenden, sie feürfcn picht unterschätzt, aber auch nicht überschätzt werden, uns vor allem darf in unfe rem Volke das Gefühl nicht grotzgezüchtet werden, daß alle Bemühungen, dieser Söchvierigkeiton Herr zu werden, feoch von vornherein zum Scheitern verurteilt feien. Wir wollen feie Dinge nicht in rosenrotem, aber auch nicht im schwärzesten Lichte sehen; wüt wollen sie sehen wie sie sind, und bann werden wir erkennen, feaß neben dem Urfraut auch gute Saat auf den politischen Gefillden aufgegangen ist. Dieses Neue, feieses Znkunftsträchtige aufzuspüren und ihm feen Weg zu bereiten, ist unsere Aufgabe.
Mit den Haager Konferenzen wurde nicht nur eine Epoche der fe e u t sch e n, so n d e r n a uch der europäischen Nachkriegsgeschichte abgeschlossen; es lag nahe, ja es mutzte den Ge- schichtskenner geradezu locken, diese Konferenzen, auf denen so viel von feer Liquidation des Weltkrieges geredet wurde, mit jenen Kongressen, auf denen vor mehr als hundert Jahren das Chaos, das die napoleonischen Kriege angerichtet hatten, geordnet werden sollte, in Vergleich zu setzen. „Beide setzten/ so schreibt Ferdinanfe Friefe, der diesen Vergleich des Wiener und Aachener Kongresses mit den Haager Konferenzen am geistvollsten durchführt, „feen Schlußpunkt unter einen Krieg, der die gesamte zum Bewußtsein der Epoche gehörende Welt umfaßte . ..; der eine völlige politische Neuordnung Europas mit sich brachte unfe eine soziale Neuordnung einleitete.. In beiden wurde ein anfänglich blutiger Hatz langsam abgebaut, eine Verschiebung unfe Umgruppierung der wirkenden Kräfte der Welt... borbereitet, unfe das schier unentwirrbar scheinende Knäuel feer Forderungen und Gegenforderungen der Staaten und Mächte wurde aus feer politischen Ebene heraus in die geschäftliche Sphäre hineingehoben. Rach Wien und Aachen bricht die Zeit der Rothschilds uivd Metternichs an, nach dem Haag die Zeit Morgans unfe feer Innenpolitik.
Derartige geschichtliche Vergleiche haben etwas Bestechendes. Aber man sollte doch nicht vergessen, daß es in der Geschichte, fea die Voraussetzungen einer Entwicklung und die wirkenden Kräfte niemals genau dieselben sinfe, wohl ähnliche, aber niemals kongruente Vorgänge gibt. Eine WendungzurJnnenpo- litt! ist heute zweifellos ebenso wie 1818 festzustel- len. Aber diese Innenpolitik hat heute ein ganz anderes Gesicht als vor hunfeert Jahren. Das Zeitalter Metternichs war ein Zeitalter des absoluten Fürstentums; es stand im Zeichen der Reaktion, die Jahre hindurch jede innenpolitische Bewegung erstickte. Heute wird die Mehrzahl der maßgenbenden Staaten nach feemokratischen Grundsätzen regiert, und wenn es auch unsinnig wäre, zu glauben, daß diese Demokratien gegen Arterienverkaltung gefeit wären, so ist feoch gerade für die gegenwärtigen Verhältnisse kennzeichnend, daß feas Leben in den parlamentarisch regierten Staaten in starker Bewegung ist Diese Bewegung bringt natürlich Krisen mit sich, aber die Wahrscheinlichkeit spricht feoch dafür, daß das Ergebnis dieser krisenreichen Entwicklung eine Erneuerung und nicht der Tofe des Parlamentarismus fein werde. Das gilt nicht nur für Deutsch land, dessen junger Parlamentarismus offenbar noch nicht einmal seine Kinderkrancheiten überwunden hat, sondern es gilt auch für Frankreich, wo eine neue Generation feas politische und wirtschaftliche Leben aus feem alten, liebenswürdigen Schlendrian tn die Bahnen des Fortschrittes zu lenken versucht, unb das gilt schließlich auch für England, bas sich nach ber Beseitigung fees Zweiparteiensystems vor neue Ausgabe« gestellt sieht.
Für uns heißt es, diese Zwischenzeit, in der die AutzMpolitik an Bedeutung zurücktrnt, in erster Lime
Fragebogen an Europas Sstaten
Eigener Trahibericht. >
Paris, 19. April.
Briand beabsichtigt, wie der Autzenpalitiker des „Malin" ankündigt, in einigen Tagen, wenn die Ratifizierung des Aoungplanes von allen Beteiligten vollzogen sei den 26 europäischen Staaten den Frage- bogen zu übersenden, den et im September vorigen Jahres als Beitrag zum Thema „Zusammen- f ch l u ß Europas" in Aussicht gestellt hat. Im Augenblick liege ihm dies sehr eingehende Memoran- dnm zur Billigung vor. Es enthalte ganz präzise Fragen, jedoch werde Briand vielleicht sogar das Kabinett befragen, bevor er dieses Dokument an die interessierten Mächte absende und veröffentliche
Briand, der hierbei im Namen seines Landes spreche, müsse natürlich vorsichtiger vorgehen, als alle diejenigen, die unbehindert durch politische oder sonstige Erwägungen in Wort und Schrift für den europäischen Gedanken eintteten könnten. Nötig fei, daß bereits in diesem Jahre zuständige Delegierte der interessierten Länder eine Zusammen- tun ft abhalten.
Kein Land könne sich dem Gedanken entziehen aus dem einfachen Grunde, weil die, die dem Gedanken einer politischen Entente oder einer Föderalpolizei feindlich gegenüberständen, doch ein höheres Interesse an einer wirtschaftlichen Entente hätte«. So lege Deutschland oder wenigstens ein großer Teil der Deutschen keinen großen Wert darauf, daß das heutige Europa sich konsolid ere, aber ungeheuer viel liege ihm daran, seinen gewaltig ausgerüsteten Industrien größere Absatzgebiete zu schaffen.
polnischer Protest in Genf
Wegen ber deutschen Zollerhöhungea.
Senf, 19. April.
Wie erinnerlich, überreichte ber Vertreter ber polnischen Regierung vor einigen Tagen im Hinblick auf bie am 24. März in Genf unterzeichnete Konvention ber Zollwaffenftillstanbskonferenz bem Generalsekretär bes Völkerbundes eine Note, baß Polen die genannte Konvention nur werbe ratifizieren können, wenn kein anderer Staat zwischen dem 1. April unb bem 1. November 1930 Zölle einführt, bie bie Interessen bei polnischen Ausfuhr verletzen könnten.
•100 Tote bei einem Kirchenbrand
Eigene Drahtmeldung.)