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Sonnabend Sonntaq, 12 /13. April 1930

RaWer Steuerte Rachrtchts«

Bette • ”

ich Berlin, an das 9&>-* Deutschlands.

scken Machthabern, en'nitttr. Wie eine rev.enbe Novelle txitnrt wtownt an u < J ,

lieft sich Ir, Sgmonr Sechlins 6ffan über Bismarck uno Kriege erst einem deutschen Gelehrten das Ehren­

doktorrat der Pariser Universität übertragen wurde,

nämlich Pros. Dr. Einstein

gcnDt Sipu".

Die heutige Stummer umfaßt 26 Seiten

Apothekendienst

Münchhausen bekommt ei« Museum. An Bodens wevfrer an der Weser soll im Geburtshaus des Free- Herrn Hieronymus vpn Münchhausen einige Räume zu einem Museum ausAestaltet werden Don Pn- vatsammlern, die noch Erinnerungsgegenstände an Münchhausen besitzen wie seinen berühmten Reffet, Wanderstöcke mit seinem Namenszug, Pfeifen, Pisto-, len sowie die ersten Niederschriften seiner Fabeln, die bekantlich in England zuerst gedruckt wurden, n a. sind selche Gegenstände dem Museum zur Ver­fügung gesteht worden

feine Neigung zu 6er Fürstin Katharina Orlow. Dem Sport gilt Prof. Dr. Gieses illustrierter Aussatz „Die stie-

«ne Waia-Wartei !,ÄÄ ferner

Fahrscheinhefte ertätof*) S^Ia««a'ttnb «ettlartenj ®efeai<bafti- und Pauschaleeiien, Rellegepäckoersicherung, Loretzimmer-Reservierung, Passage-Buchungen für sitmtliche ®a«nt> f «rlhtien, Reiseberatung lo fünftel.

Llohd-Reisebüro Äug. Pechmann, «affet, Kölnische Straße 18. — Fernsprecher 398, 747, 5160.

Oer Engel von Sibirien

Elsa Ärandström-Abend in Kassel

Verantwortlich Qi den politischen Teil: Dr. Dalle, Pebnt: ffir DaS Feuilleton: German M Bonau: für den letalen und »eimittetl: Dr. SanS it o a d> t m Glotzer: für -en Handel Rudolf (8 I ä f e r; für de« Lvortteil: Herbert Sveich: Pdowredakteur: tr d u a r, Schul 4-jk e f f e I: für den Anzeigenteil: Konrad Wachs» mann. — Berliner Stbrfftleftung: Dr Walter $ 6 u m, Berlin LW 6fi. -Zimmerstrake 9. ----- Druck und Ber.

lag: Raffelet Neueste Nachnchi-n ®. m. b. H- Raffel.

KdlniiÄe Straße 10.

Kasseler Filmschau

,<5capa Flow" im Capitol

für einen Aufuahmetaa verpflichtet trrtb fünfzehn Reichsmark in sichere Äussichi stellt. Die firti) einmal, das ist noch garuicht so lange her, von Lass zu CafL gestrichen, überall daheim, wo der Kellner nicht gleich aus Bestellung dringt, ewig auf Her Juche nach dem Hilfsregisseurs Das ist nun wesentlich einfacher ge­worden, seitdem das Arbeitsamt Berlin-Mitte einen alten Lanzsaal in der Besselstratze gemietet hat. In der Komparseubörse, die hochofMell als „Arbeits­nachweis für FÄrnfrarsteller" figuriert, haben sie nun ihren Ankerplatz.

Vormittags Hetzen sie von Atelier zu Atelier, itach- mittags bevölkern sie die Börse und abends, ja, das weiß der liebe Gott allein. Um aber Mißverstäudn.z- sen vorzubeugen: einen abendlichen Nebenberus gibt es nicht Wir sind es den dreitausend schwer um das bißchen Leben rinaertten Komparsen von Berlin schul­dig, endlich einmal IMutz zu machen mit den augen­zwinkernden Vorstellungen, die sich um die, daß Gott erbarm': Romantik des Flimmerdaseins ranken. Diese Menschen haben alle eine tiefe, unstillbare Sehnsucht nach Bürgerlichkeit. Sie haben Kinder zuhause oder einen Bräutigam, der hinter dem Ladentisch steht, oder sie sind sehr einsam. Das sind wohl 'die meisten. Sie haben es unbeschreiblich schwer. Die kämpfen. Sie verzichten. Die verschwinden irgendwie, leise und unbemerkt. Ein müdes Licht ist heruntergebrannl. Aber für die wohlgenährten Herren mit Augenzwin­kern und Portemonnaie haben sie nun einmal nichts übrig. Gewiß, es sind lauter kleine Deute. Komische Leute. Jeder glaubt an sich. Und eben darum hält jeder auf sich. Der Agent eines Bergnüguirgsetablif- sements, der sich hier in den alten Tanzsaal einzu­schmuggeln verstand, um Damen für eine Itacknevue ju finden, ist bös hinausgeflogen.

| Ein Franzose Bismarks paientind

Kurz bevor Bismarck seine weltgeschichtliche Sen- düng antrat, in seiner Pariser BotichaiterzeU hat er eine8tiefe Neigung zu der Gatttn des russischen Ge­sandten in Brüssel, der Fürstin Katharina Orlow, gespürt. „Du weißt, w'e mir das gelegentlich zustotzt, ohne daß es Johanna Schaden ml." schreckt er an die Schwester Er ist mit Orlows tn Biarritz. Mittags itzt er bei ihnen, und Katharina fpteit ihm am ^enfter über dem Meer vor Beethoven. Schubert, Ehop.n. Er revanchiert sich durch Picknicks tn abgelegnen Schluckten und Höhlen. Wenn er etwa fernem ®fref nach Berlin schreibt, man ntöge doch m nicht das Av- geordnetenhaus austösen, diese Schwätzer, ine „bet mäßigem Feuer langsam gesotten" e n bortreisliche-- Ingredienz für die konstitutionelle Küche liefern konnten, dann sitzt er unter Tamarindenbuschen bei „warmer, stiller Lust" im Grase, vor sich das Meer, grün und weiß in Schaum und Sonne", neben nch, tu.c er seiner Frau vor schwärmt „die reizendste aller Frauen" Er nennt sie auch ganz unbefangen „Katht , .Fatsch", „meine Kathy". Abends reiten sie ä trots den Strand entlang, sehen die Sonne tm Meere un­tergehen und den Mond hinter den Pyrenäen avs-> stetgen. Dann l:egen sie im Heidekraut aus der spitze der Leuchtturmll ppe. über sich die Sterne, um sich in Schaum und Seeleuchten aufblitzende Wellen, von gackernden und kreischenden Möwen umflattert, die das Leuchten her Zigarren erschreckt. Der Frau des Leuchtturmwächters aber bieten sie sich für das von ihr erwartete Kind gemeinsam als Paten an — da es ein Knabe wurde, tst es auf den Vornamen „Othon" getauft worden: beide haben den Jungen noch jahrelang mit Geschenken betreut. Nicht nur, worin der durch schwere, Völker und Länder um­spannende Gedankenarbeit hindurchgegangene Staats­mann und dieses schalkhaft natürliche Menschenkind sich ergänzten, dringt sie immer wieder zusammen: es verbindet sie auch etwas Kongeniales. Seiner Frau verschweigt er es: aber der Schwester erzählt er davon in seinen Briefen: Katharina sei „etwas exzentrisch, wie ihre Landsmänn'nnen zu fein pflegen". Ein paar Spätsommerwochen hat den fünf­zigjährigen Staatsmann diese Neigung beschäftigt. Dann kam die Berufung nach Berlin, an das seines Lebens, die Einigung Deutschlands.

Der Hilfsrsgsffeur rangiert gleich nach 6em lieben Gott. Gewiß, Chaplin ist wichtig Bis erst seine Ant­wort eintrifft, wird sich alles, alles wenlden. Zwischen­durch fiebern sie nach dem vorgedruckten Zettel, der

Wer hätte nicht schon hon Elsa Bränidström ge­frort, jener tapferen, herzenswarmen Schwedin, dte hinauszog in die sibirische Eiswüste, um — trnge- geachlet eigener Leiben und ftetpr Lebensgefahr — unsiren Kriegsgefangenen Hilfe zu bringen. Wemgek beSannt aber ist, daß diese hcchberzige Frau das Werl ihrer Fürsorge an den Kriegsgefangenen nun fortsetzt an deren Kindern. So hat sie in Schloß Äeusopge in Sachsen ein vorbildliches Kinderheim gegründet.

Für dieses Heim neue Geldmittel zu gewinnen, hat am Freitag der Reichsverein Ehern. Kriegsge­fangener E. V. Ortsgruppe Raffel einen Elsa Brand- ström-Abend veranstaltet, indessen Dienst sich der M G. D. Viktoria Rothenditmold. Chorleiter W. Keßler mit Darbietung gut gesungener Lieder und die Ju« gendgruppe .Donnland" unter Leitung von Frl. Hilde Dellmer durch Vorführung hübscher Bolt«- ünze gestellt hatte.

Im Mittelpunrt des Abends alber stand ein Licht- frißxrbortrag, der

Elsa Bränvström und ihr Werk im Krieg und Frieden

Deicht ist es übrigens nicht, Zugang M ihrem Kreis zu finden. Ein alter Herr, her wahrscheinlich einmal den Pere noble spielte, den regierenden Grotzfrerzog und den treuen Kammerdiener, hält am Eingang die Wache. Fremde Gesichter haben sich im Bureau zu melden. Uno werden dort höflich, aber entschieden 'hinauskomplimeiUiert. Zuzug fernhalten! ist di« De­vise! Tausende wollen sich eindrängen. Junge Mäd­chen vor allem, die den Traum vom Entdecker mitt ifrem Hundertpf erdigen Cabriolet träumen. _ Wenn ir­gendwo in deutschen Danden ein junges Mädchen ver­schwindet, fragt die Polizei zunächst einmal an, ob es nicht hier aufgetaucht sei. Der Weg hierher ist ja so selbstverständkich. Da gibt es Mmschulen, _ die ihren Jüngern Weltruhm in drei Äkfionen verspre­chen. Harry Liedtke ist nicht mchr der Jüngste,.nicht wahr? Ein Thron ist verwaist . . . Und „Verlagsan- stallen" versenden Broschüren per Nachnahme: Der Weg zu Ruhm und Reichtum. Erfolg garantiert. Je­desmal, wenn spicke Schandschrift hinausgeht, meldet sich ein neuer Schwarm genarrter Narren im alten Tanzsaal in der Besselstratze. Der Filmwahn ist nicht die ungefährlichste Krankheit der Jugend.

behandelt«. In warmherzigster Weist sprach Frau­lein Bertha Zilleffen-Bautzen von .Schwester Elsa". Man fühlte ans jedem ihrer Worte die LiÄbe und Verehrung für die ihr persönlich wohlbüannte, prachtvolle Frau heraus.

Bon ihrer sonnigen Kindheit sprach sie, von dem innigen VerdÄtnis Elsas zu ihrem Bater, dem schwedischen General Brändström, der feine Tochter zu bet aufrechten, warmherzigen, energischen und weitblickenden Persönlichkeit erzogen hat, die sie heute ist. Erschütternde Bilder des Elends br sibi­rischen Gefangenenlagern ließ sie uns schauen, schil- freite Den unsagbaren Schmutz, die Kraßheiten, Die Entbehrungen und seelischen Nöte dieser armen Menschen, in Deren Elend wie ein himmlischer Licht­strahl die Siebe und Güte Elsa Brändströms geleuch­tet Hai. Wie unendlich vielen ist fte Helferin -- ja Retterin geworden.

Der Engel vo« Sibirien T"'

wurde sie von den Gefangenen genannt. Die khr auch heute noch in unverminderter Liebe und Treue an» yangen, sowest sie noch leben. Und denen, die trotz all ihrer treuen Pflege ihr Leben lassen mußten, hält sie heut ihr Versprecven. fick ihrer Kinder anju- nehmen. Ihr erste- FrieDenswett, dar Arbeit--Sa­natorium Marienborn bei Dckmeckwitz, in dem sie 6 Jahre lang ehemalige Krieg-gefangene betreute, um

FolaenDe Äootbefen haben morgen. Sonntag, geöffnet nnb in 6er Darauffolgenden Woche Nachtdienst: Fngcl-Avo- tiete. Obere Königmatze 21

Der Reßfffsur rattert sm hunfdertpferfrigen Cabrio­let Durch die Landschaft. Panne. Ausstckgen. Unter anderen Neugierigen eine Dorfschöne. Die nimmt er gleich mit. Stargage. Grunewaldvilla. Jetzt hat sie selbst ihr Hundertpfetfriaes Cabriolet, das schneeweiß ist ober fliederfarben. Zumindest. Ein Sekretär be­antwortet täglich achtzehntausend Liebesbriefe. Und wenn der Max, -der freute noch der Hilde vom Grün- Aeugladen gegenüber nachläuft, sie erst auf der flim­mernden Leinwand sieht, steht ihrem jungen Glück bestimmt nichts mehr im Wege. Und die Hilde fällt in Ohnmacht....

So uniform spiegelt sich Der Traum vom großen Leben in abertausend jtrügen Hirnen. Indes das kleine Leben, durch das wir alle hindurchgehen, so ge­artet ist, daß dreitausend verwitterte Hoffnungen, Siebzehnjährige, die schon todmüd' sind, und Diebzig- Srige, die immer noch des großen Glückes harren, Tag für Tag in einem alten Tanzsaal in Frie­drichstadt, Der Filmbörse von Berlin, zusammendrän­gen. Sie sehen der Zeit zu, wie sie verrinnt.

„Belbag«» nnb «lasings Mon-fShefie". Im Avnlbctt »erhffentlit6t Thomas Mann feint Novelle .,Tragisches Reiseerlebnis", Bonse's feinen Roman „Mario und Gf- fc'a". Dr. Otto Gubv lieht Den vergetfenen Pgllauer Maler Rngland Stucauf D. I.. einen Zeitgenossen Dürers, ans Der Vergessenheit. Pros. Dr. Starten Johnsen schreibt über Edelsteine und ihren kiinsttichen Ersatz. Dr. O. Lange

Otto Hoetzsch von den Herren Rußlands. Den kommnnisti-

tiefe. Obere Rönigstratze 21; Germania-Svotbeke. Wokf- bagersttahe 154: HerknleS-Avotheke, Wilbelmshöher attee 273 fWablersbausinl: Sirsch-Avotheke, Altmarkt-Marktgasse 88; Sonnen-Slpotiefe, Hoheuzollernftratz« 21. 3

Hollywood in der Friedrichstadt. Das Filmviertel Von Berlin. Von Europa. Aus der ganzen Welt finden sie sich hier zusammen. Deutsch in allen Dia­lekten Zwei Dutzend fremder Landessprachen. Un­garisch überwiegt. Wsißblonde Skandinavierinnen. Gelbe Gentlemen, Vie immer sehr destinginert aus- sehen. Wenn sie Cfrinefenviertel von Frisco frarstel- len, schlüpfen sie in ihre traditionellen Seidenmäntel, die das Kaufhaus WerHeim aus hilligm haltbarem Safin erzeugt. In Zivil tragen sie zweireihigen schwarzen Sakko. Neger frösteln ein bißchen. Es ist ein weiter Weg gewesen vom Busch in die Friedrich­stadt. Aber nun sind sie frier zuhause. So sehr, daß es kein Loben mehr gibt ohne Jupiterlicht. Und weil das Jupiterlicht nur sehr selten aufflammt — von sechzig Firmen, die in der vorigen Saison gedreht -haben, arbeiten in dieser genau sechs — ist es oben lein rechtes Leben mehr.

Nein, es ist wirklich kein Loben. Die selbst gestehen stcks nicht ein. Die hungern sich durch und hoffen. Unterernährte Phantasten sind sie allzumal. Ewige Kinder. Eine Sechzigjähvi-ge ist überzeugt, daß ihre Zeit noch kommen muß. Die Welt muß doch einmal tden immer gleichen Anblick dieser ausdruckslosen Ma- delchen satt bekommen. Ich hüte mich, ihr zu erwi­dern, daß eine in diesem Metier schon mit dreinnd- gwanzig kein ausdrucksloses Mädolcken mehr ist. Daß Frauen schon mit dreißig verwelkt sind und verblüht. Weil Jahre, die mit Warten vergehen, dreifach zäh­len. Zehnfach. Der Hilfsregisseur, der frier seine Girls engagiert, meint, auf das Gefickt käme es fchon lange nicht mehr an Das wird ohnehin von einer schwe­ren Maske aus Sckmircke überdeckt. Solange die Fi- gur nur hält. Und es ist dafür gesorgt, daß die M- gur nicht allzu üppig werde.

sie für das Leben wieher brauchbar zu machen, ist, nachdem «s seinen -Pveck erfüllt hqtte, geschlossen. Run widmet sie all ihre reichen Gackert, obgleich sie inzwiPchen geheiratet hat, und ihre große Menschen­liebe unvermindert ihrem Kinderheim. Bon dem Le­ben und Treiben in diesem wundervrllen Hause des Frohsinns gaben allerliebste Bilder Kunde — BsOer, n denen man Elsa Brändström oft inmitten ihrer Pfleglinge sieht. Denn sie leitet nicht nur die Anstalt — sie greift tüchtig tmt zu und ist — wie bet allen ihren Unternehmungen — die Seele des Ganzen.

Deutschland kann dieser Frau nicht dankbar ge­nug fein für alles das, was sie an deutschen Mew- 'chen getan hat und noch tut. Man hat ihr an bet* 'chiedenen Universitäten den Ehrendoktor verliehen — sie anerkannt und gefeiert. Nach der Schilderung aber, die Fräulein Zfliessen von ihr gab. wird ihr das Denkmal, das .ihre Kriegsgefangenen ifrr in ihrem Herzen errichtet haben, die liebste AnerkemtunS reitt. ck.

Die Berliner Frisdrichstadi hat, sonderbar, noch immer nicht ihren Dichter gefunden. Die Galapagos- Bnfel ist en.deckt und die Antarktis besungen. Die syche des Kurfürstenframm setzt täglich zahllose schretbende F'odern in Bewegung und wie es tn Hol- thwood zugeht, wissen wir ganz genau. Nur von die- Sn siedend heißen Seitengassen, die in der Berliner itv zusammenlaufen, mottet kein Lied, lein Helden- fruch. Nichts vom Heldenkampf, den hier Dag für Tay, Stunde für Stunde ein paar taufend Namenlose mit zusammengebissenen Zähnen und schiefgetretenen Ab­sätzen durchfechten. Treppauf, treppab. Ein Leben in Vorzimmern. Links um die Straßenecke winkt das Glück. Aber dann ist es doch dort, wo Du nicht bist. Mitunter reicht es zum warmen Abendbrot für neun­zig Pfennig, Bedienung inbegriffen. Oefter auch nicht. Morgen ist Emil Jannings überholt und „überrun­det". Totficher. Der Brief an Ehaplin ist schon un­terwegs. Er wird doch einmal eine Partnerin brau­chen. Heute gehen sie noch mit knurrendem Magen zu Bett. Wo? Um neun Uhr abends, wenn die Kom­parsenbörse schließt, wissen sie es selbst noch nicht. Man ist doch schließlich kein Prophet.

Die ihr Leden lang an dieser Krankheit leiden, finden sich friergu Kartenparfien Mammen. Macken Handarbeit, damit die Zeit bis zum W^truhtn nickk ganz ungenützt verstreicht. Fuhren die langst geleerte Kaffeetasse nochmals mit königlicher Gsbävde und mit zitternden Fingern an die Lippen. Warten. Warten. Warten. Dann geschieht das holde Wunder, ach wie selten, daß ein eiliger junger Herr hereinstürzt, ganz Hornbrille und ganz geistiges BeMn". Einen Staats­anwalt verlangt er, eine dämonische Monde, sechs Typen aus bet Volksmenge und ein paar gaukelnde holde Traumgestalten, die nach dem Umbau nochmals als Herzoginen gebraucht werden. Für großes Abend­kleid gibt es natürlich Extrahonorar. Kleider machen wirklich Leute. Hier zumindest, wo Der eilige junge Herr sechs Frackschaben will, einerlei, wer gerade ba= rtnsteckt. Das ist der ganz große Augenblick. Blicke halten den jungen Herrn. Durchbringen ihn. Wer­ben. Betteln. Verheißen. Verlöschen. Sie gleiten ab am spiegelnden Glas der Hornbrille. Der Betrieb von Berlin, der frier Nfie jäher Lufthauch frerpinströmt ins East der grauen Hoffnung, hat für das bißchen Menschenschicksal keine Zeit. Im Nu find sechs Zettel ausgeschrieben und rascher noch sind sechshundert Schnsüchte zerbrochen. So wartet das „freite« Äünst- lervölkchen" eben weiter.

Ein Göttinger Professor zum Ehrendok'or »on Paris erannt. Ter Göttinger Professor der Theo­logie, Otto Piper, der kürzlich einen Ruf nach Mun­ster erhalten und angenommen hat, ist von Der Universität Paris »um Ehrendoktor der Theologie ernannt worden. Professor Piper batte vor Zwet Jahren eine mehrmonatige Reise nach Frankreich uttrtemommen und dort eine, Reihe von Vorträ­gen gehalten. Aus den Beziehungen zu Pariser Profkssoren hat sich dann eine rege wissenschaftliche Zusammrnarl eit entwickelt Die Hohe Aus zeichn nnng gewinnt an Bedeutung dadurch, daß nach dem

Dieser für Jugendliche freigegebene Film, den Lothar stark für die Gottschalk-Olympck-Gesellschafi t^dreht hat, erzählt in loder <jefiiff.cn Episoden die Iersen-ung der deutschen Flotte bei Scapa Flow und ihre Vorgeschichte, die Untätigkeit der Marine, Gärung unter den Matrosen und Revolution. Das Episrdijche soll den Film der Rotwendiffkeit geschickt- lich treuer Schilderung jener Zeit enchsben, es ver­hindert allerdings nicht, daß die Revolution in Den HafenstüA.en als ein Krawall von Rohl-ngen er­scheint, wicht als eine, wie man weiß, höchst Plan­volle Politische Aktion, die durch fräs jahrelange zer­mürbende Warten und das Einerlei des Schisss- Dienstes begunftigl und verursacht wurde. fTie Äta- mtskrip.schte.ber von »Scapa Flow" hätten sich dte geniale. Geschichtsrepor.age Pliviers -Des Kaisers Kulis" etwas näher . ausehen sollen, um auch den Matrosenstantzpunkt zu verstehens. — Der Film ev> höht seine Wirkung wesentlich durch eingeschnittene Originalausnahmen von der Kampffront und aus der Marine während des Krieges. In Otto Gebühr als Kapitän eines Schlachtschiffes wird Der Pfltcht- bccriff und das Naticnalbewußtsein seines Standes sehr svmpachifch Vevkorpert. Seine stärkste Szene hat Gebühr, wenn er int Augenblick der Gehorsams­verweigerung innerlich zusammenbricht. Großer Filmmoment ist auch, wenn beim letzten Ausziehen der Kriegsflagge vor der Versenkung die Kapelle das Flottenlied spielt. — Bojakowfkis Jllustra.ion ist gut und sinnroll und läßt sich keinen der Höhepunkte tm Film musikalisch entgehen. *u-

Oie Revue des Lachens

Zwei fröhliche Stunden tm Palast-Theater.

Bchk. Nach dem wohlverdienten Erfolg der ersten Woche haben Beer's Revuegirls ben Saffeler Staub nicht, wie beabsachfigt, von ihren Füßen geschüttelt,

Hollywood in Berlin

Momentbilder yon Rens Kraus

sondern sind noch eine weitere „Halbzeit" dem Film- haus in der Bahnhofstraße treu geblieben. Wer sie in der ersten Woche noch nicht sah, kann das Ver­säumte nachholen, wer sie schon kennt, wird st« ein zweites Mat besuchen: Denn mit einer neuen, bunten und unterhaltsamen Revue wird auch diesmal aufge­wartet, mit netten Kleinigkeiten, denen der Schalk tm Racken sitzt und die man schmunzelnd über sich er­gehen läßt. Wieder sind Gustl Beer und Gretl L i - licn die beiden Kanonen, ihr „Berliner Idyll" und die „Quo vadis"-Szene sind ganz famose Leistungen, die einfach erschüttern. Nach einer recht mysteriösen wirkungsvollen Introduktion rollen elf Bilder Pau­senlos fast zwei Stunden füllend ab: wieder erfreuen Die Girls mit neuen Tänzen das Herz ihrer Verehrer, von Lucie Büttner schmissig angeführt: das Trio Beer, Pchili Bernbrunn und Stefan Kaposi bringt den Sketsch „Treue" (wicht neu zwar, aber immer noch wirkungsvoll« und die romantisch-senlimentale Szene „Fallende Blätter". Dann zeigen Lucie Büttner und Friedel Korpinsky tn zwei Solotänzen, was sie kön­nen. Ein Berliner Idyll mit allerlei grausttchen Ty­pen ans dem Grunewabd entfesselt Lachstürme; als „Eisblumen" erscheinen Phili Bernbrunn und die Girls geschmackvoll ausge.;ögen — und dann steigt wieder eine Nummer für Beer und Die Lilien: Varia­tionen über den bekannten Witz „Qno vadis?" — „Ins Kino" — mit soviel unwiderstehlichem Humor hingelegt, daß man einfach mitlachen muß. Und das ist auch der Endzweck des Skefi'ches vom „Vetter aus Ämerika", der Den Beschluß macht. Selten wurde so viel gelacht und geklatscht wie in diesen Heiden Stun­den. —

Anschließend läuft ein Alrhosf-Film: „Die Halb­wüchsigen" — ein nicht uninteressanter Versuch, das Leben oer heranreisenden Jugend von freute an einem nickt unwahrscheinlichen Einzelfall zu schildern, kein Tendenz-, sondern ein flottgemachter Unterhaltungs- film. Ergänzt wird das Programm durch die Uta- Woche, die u. a. die Ausfahrt der deutt'chen Flotte zur Mittelmeerreise zeigt. Die Revue findet übrigens, «das sei abschließend bemerft, in Körbs und seinen Ge­treuen wackere Helfer, die verdienten Anteil am Er­folg haben.

Neue Bücher

Dr. med. Alfred Brauchle: Naturgemäße Leben«, weise. Reclams Universal-Pibliothek Nr. 7052. Geheftet 40 Pfg , gebunden 80 Pfg. Auch ;u- sarnmeugebunden mit »Gelockt oder roh?" (Nr. 6994) und »Hypnose tmd Autosuggestwn" <Nr. 7028) unter dem Eesamtütel „Reue Lebensformen" in Ganzleinen 2,— Mark.

Nachdem Dr. med. Alfred Brauchle, der leitende Arzt des Prießnitz-Krankenbmtses in Berlin-Mah­low, Die Fragen der Ernährung und der suMe- tiven Rervenpflege in Soitderabhandlitngen der steclamschen Universal-Bibliothek dargestellt hat dringt er nun in einem Dritten Bändchen bie ubru gen Bedingungen der Gesunderhaltttna. ^sticke Nahrung» mangelnde Bewegung, unvollkommene Atmung, fehlende Haulpslsge sind die hanptsächltck- ten Verfehlungen, unter denen Der moderne Mensch erkrankt. Hier wird ausführlich gezsigt, welche täglichen Dinge der Atmung, der allgemet- nen Köxpestbewegunq, der Nahrung, der Hautpflege durch Lickt, Luft, Wasser, Massage, Oel erforderlich md, um uns gesund und leistungsfähig zu erhal­ten Im billtgeu Rahmen der Uuiversal-Bibliothek ein zuverlässiger täglicher Katechismus der GesuNd- frett Die Atmunas- und Ghmnastikvorschriften sind durch eindrucksvolle Zeichnungen klar iüusttiert.

Saletin Waten. „Männer und Mtickt« Der Gegenwart". Gustav Siepenfrener Berlag. Berlin.

Baleriu Marcu Ist ein Meister Der Kn«biogravbi«. Er erläutert, um mit feinen eigenen Worten zn reDen, Dt< „wunderbare Klugheit eines großen Lebens nickt aui Hun­derten von Seiten, fonDern bei ihm relchen zwanzig. Dreckig Seiten aus, um Das Bild eines Der Männer oder Der Machte. Die in unserer Gegenwatt wirken, mit kurzen, sicher hingeworfenen Stricken zu zeichnen. Diele kleinen Biographien sind vorbllDlich im Aufbau, knavv und geist­reich in Der Formulierung. Und vor allem: Marrn ersaht stets Die allgemeinen Tendenzen. Die sich tm Wirken der Einzelverfönlichkeit geltend machen. Er verblnsst oft Dur» Die Originalität feiner Urteile, aber er verfügt auch über beweiskräftiges Material, mit Dem sich Dtefe Urteile b-grun- Den lallen. Persönlichkeiten und Mächte. Die volare Gegen­sätze sind, werden gern aegennbergestellt, und man must ge­stehen. dah diese Methode an den Kern Der Dinge führt: ®roce und Mussolini, Shaw unD Chesterton, Koch und Die Reonb'ik der Zivilisten, Amerikanismus und Bolschewls- mns, Weltbiftoriker lHans Delbrücki und Fachmann wur­den konsrontiett. und nveifellos gehören gerade Diese Ab­handlungen zu Den ertragreichsten in Diesem geistbeichming- ten Buche. =t.

3. Zingarelli. „Das Erbe von Berfailles". Amalthea- Verlag, Zurich-Leipzig-Wien. Geh. 9 Mk„ geb. 12 Mk.

Das neue Buch dieses Italieners, Der schon in feinem früheren Werk „Der Gronbalkan" bemüht war. Die neuen Gefabrenauellen im mitteleurvväifchen Raum aufznzeigen, zerfällt in Drei Teile. Das erste Problem, das Zmgarelli diesmal behandelt, ist Die Rhein'andsrage. Er totlDert in anschaulicher Weise, ohne sreilich sachlich viel Neues zu bieten, Die Besetzung mit ihren gesährlichen Auswirkungen und kommt »u Dem Schckh, das, Frankreich einen Fehler beging, als es nickt gleich nach KriegsenDe sein Verhältnis zu Denischland richtig und klar festlegte. Gewinnreicher als Dieser erste Teil sind aber Zingarellis Ausführungen über die Tschechoslowakei nnD über Die Balkanfragen. Was hier ein kluger Italiener über Die Anfchlnstbewegung, Die Zweckbestimmung Der Kleinen Entente. Die Mazedonier­frage und Die ialienisch-ingoslawische» Beziehungen zu sa­gen hat. sickett Dem auch äußerlich gut ausgemachten Bucke Die Beachtung Der an Diesen Dingen inleressietten politischen «reife.

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